Montag, 11. Mai 2015

Beides unter einen Hut bringen: Fakten und Bauchentscheid

Für Bildungsforscher Gigerenzer müssen wir  die "Risikokompetenz" erwerben

  Bildergebnis für gerd gigerenzer

Aus einem Interview:

 

Der Psychologe und Bildungsforscher Gerd Gigerenzer sagt, dass wir mehr von Statistik verstehen müssen – und gleichzeitig besser auf unsere innere Stimme hören sollen.

Quelle: Tagi-online


Immerhin kritisieren Sie regelmässig und hart den fahrlässigen bis falschen Umgang von uns Medien mit Statistiken.

Nun ja, Kritik bedeutet für mich nicht, dass ich mir einen Feind machen möchte. Ich will ins Gespräch kommen. Wir alle können etwas lernen, die Wissenschaftler genauso wie die Journalisten. 

Dennoch: Sie kennen mich ja gar nicht, das Gespräch mit einem Ihnen unbekannten Journalisten könnte riskant sein.

Das Risiko gehe ich ein.


Sie lachen

Ich bin in meinem Leben immer wieder Risiken eingegangen. Es macht ja keinen Sinn, zu Hause im Bett liegen zu bleiben. Die meisten Menschen sterben im Bett. Als junger Mann hatte ich gutes Geld verdient als Banjo-Spieler in einer Band. Ich stand dann vor dem Entscheid, das weiterzumachen oder das sichere Standbein aufzugeben und das Risiko einer wissenschaftlichen Karriere einzugehen. Es hat sich ausgezahlt.


Das muss nicht immer so sein.

Mein Bauchentscheid, dem Interview zuzustimmen, beruht ja auf Erfahrung: Ich hatte wenige schlechte Erlebnisse mit der Presse. Zudem ist es mir wichtig, mich öffentlich zu äussern, um meine wissenschaftlichen Erkenntnisse bekannt zu machen. Das bin ich den Steuerzahlern schuldig, die das wunderbare Max-Planck-Institut finanzieren, an dem ich forschen und lehren darf.


Können wir Ihre Forschung im Alltag nutzen?
 
Ein Beispiel: Wir hatten ja kürzlich den schrecklichen Unfall mit dem Flugzeug von Germanwings. Die Medien haben breit darüber berichtet, meiner Meinung nach viel zu viel. Das hat möglicherweise dazu geführt, dass nochmals Menschen völlig unnötig ums Leben gekommen sind.


Wie das?
 
Falls nun Menschen, statt zu fliegen, ins Auto gestiegen sind, haben sie sich einem wesentlich grösseren Unfallrisiko ausgesetzt. In den zwei Wochen nach dem Absturz kamen in Deutschland etwa 150 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Diese Opfer und ihre Angehörigen erhalten keine Presse und kein breit veröffentlichtes Mitleid. Es sind aber genauso viele, wie bei dem Absturz gestorben sind. 


Ob da tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Absturz und den Strassentoten besteht, wissen wir aber nicht.

Wir wissen, dass im Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die Zahl tödlicher Verkehrsunfälle stark angestiegen ist. Vermutlich kamen 1600 Amerikaner ums Leben, weil sie das Risiko eines Fluges vermeiden wollten.


«Ich fliege nicht!» – das ist nach einem so schockierenden Ereignis ja eine völlig verständliche, intuitive Reaktion. Sie propagieren sonst die Intuition als bessere Alternative zum rationalen Abwägen – zum Beispiel in Ihrem Bestseller «Bauchentscheide».

Da verstehen Sie mich völlig falsch. Ich sage nicht, dass alle Bauchentscheide vernünftig und dem rationalen Entscheiden immer überlegen sind. Nein, ich versuche Folgendes rüberzubringen: Wir brauchen beides. Wir müssen klar denken, aber wir dürfen nicht einfach Daten, Berechnungen und das bewusste Abwägen des Für und Wider über gute Intuitionen stellen. Intuition beruht auf Erfahrung, die zum Beispiel jemand hat, der sich intensiv mit einem Thema beschäftigt. Wir müssen uns fragen: Wann sollen wir uns auf Daten verlassen und wann sollen wir auf unsere innere Stimme hören?


Wann ist es nicht gut, sich auf die Daten zu verlassen?

Wenn Sie es mit einer Welt zu tun haben, die hochgradig komplex und instabil ist. Nehmen Sie zum Beispiel das Finanzsystem. Da hat es wenig Sinn, Berechnungen wie «Value at Risk» anzustellen, also zum Beispiel den Wert des Eigenkapitals einer Bank zu berechnen, sodass man in 999 von 1000 Fällen überlebt. Für diese Kalkulationen müssen Tausende von Parametern geschätzt werden, die dann alle noch miteinander verknüpft sind. Viel Glück beim Schätzen! Aber solche Berechnungen haben noch keine Krise vorausgesehen oder verhindert. Sie grenzen an Astrologie. Das hat übrigens mir gegenüber auch noch kein Finanzfachmann bestritten.


Die Bankenaufsicht schreibt das heute vor.
 
Nach der letzten Finanzkrise wurden aus einem grossen Sicherheitsbedürfnis heraus und im blindem Vertrauen in Zahlen solche Instrumente geschaffen. Und niemand, und schon gar kein Banker, kann es sich leisten, etwas dagegen zu sagen.


Was wäre denn die Alternative?

Ich habe bei einem Abendessen Mervyn King gefragt, der damals Governor der Bank of England war, also der oberste britische Notenbanker. Er schlägt eine ganz einfache Regel vor: Die Schulden einer Bank sollen nicht höher sein als das Zehnfache des Eigenkapitals. Die komplizierten Berechnungen kann man sich schenken. In einem gemeinsamen Projekt mit der Bank of England untersuchen wir seit Jahren systematisch, welche einfachen Regeln, die wir Heuristiken nennen, mehr Sicherheit bringen. 



Zurück zum Risikoverhalten von uns Normalverbrauchern. Die Angst vorm Fliegen ist trotz allem eine natürliche Reaktion nach einem schweren Unfall …

… sie ist eben nicht natürlich. Klar: Ein Schockereignis, von dem alle Medien berichten, löst Angst aus. Trotzdem darf man nicht aus dem Regen in die Traufe geraten, aufs Fliegen verzichten und dafür Auto fahren. Da haben die Medien eine grosse Aufgabe: Den Menschen aufgrund der Statistik zu erklären, was denn tatsächlich gefährlich ist. Jährlich sterben zum Beispiel 10'000 bis 20'000 Menschen in deutschen Spitälern wegen vermeidbarer Fehler. Darüber liest man aber kaum etwas.


Kann man Menschen nach einem Flugunfall dazu bringen, der Statistik mehr zu trauen als dem Bauchgefühl?
 
Ja, klar. Die Menschen sind nicht dumm. Aber man kann sie verdummen, zum Beispiel indem man einem solchen Flugunfall in den Medien ein viel zu grosses Gewicht gibt und die grösseren Risiken ausblendet. Leider ist es eine verbreitete Haltung, die Menschen nicht für fähig zu halten, Risiken realistisch einzuschätzen. 


Nehmen wir die Ernährung. Mein Kopf sagt: Salat ist gesund. Mein Bauch sagt: Jetzt ein Doppeldecker-Hamburger! Sofort! Die gesellschaftliche Folge solcher Bauchentscheide ist die Übergewichtsepidemie.

Nun ja, Sie sind doch schlank, und hin und wieder ein Hamburger schadet sicher nicht. Die Übergewichtsepidemie ist nun mal keine Folge davon, dass die Menschen zu dumm sind, um sich gesund zu ernähren. Das Problem ist, dass sie von der Nahrungsmittelindustrie und ihrer Werbung schon als Kinder an Speisen gewöhnt werden, die überzuckert und übersalzen sind.

Es ist also nicht so, dass unsere Bauchentscheide falsch sind und wir gescheiter werden müssen.

Genau. Die von Kahneman vertretene Verhaltensökonomie misstraut der Intuition grundsätzlich. Kahneman sagt das zwar nicht immer so, aber jedes seiner Experimente versucht zu zeigen, wie die menschliche Intuition danebenliegt. Ich sehe das ganz anders. Die meisten dieser Experimente sind sprachlicher Natur. Und um Sprache zu verstehen, braucht man mehr als formale Logik. Ein Beispiel: Nehmen wir an, obwohl Sie schlank sind, haben Sie ein gesundheitliches Problem, und eine grosse Operation drängt sich auf. Der Arzt kann Ihnen dann entweder sagen: Sie haben eine Überlebenschance von 90 Prozent. Oder er kann sagen: Es besteht eine Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent, dass Sie bei der Operation sterben. Richard Thaler und Cass Sunstein, die Autoren des Bestsellers «Nudge» sagen nun, Sie sollten das «Framing» Ihres Arztes ignorieren, da die beiden Aussagen logisch dasselbe sind. Da die meisten Menschen aber auf die Formulierung achten, seien sie nicht rational. Menschen verstehen aber intuitiv, dass Ihnen der Arzt mit der Wahl der Formulierung eine Empfehlung signalisiert, und das ist kein Fehler. Der Denkfehler liegt hier in einem ausschliesslich logischen Verständnis von Rationalität.


In der Schweiz treffen wir Entscheide ja in Volksabstimmungen. Alle können mitentscheiden.
 
Ich habe allen Respekt vor dieser Institution, und ich würde mir wünschen, dass wir in Deutschland mehr Volksabstimmungen hätten. Selbst wenn es einem nicht passt, was das Volk entschieden hat. Aber: Eines muss dazu kommen: dass die Bürger mündig sind.


Was macht den mündigen Bürger aus?
 
Eine Gesellschaft, die das demokratische Ideal umsetzen will, muss dafür sorgen, dass schon die Jugendlichen in der Schule risikokompetent werden.


Risikokompetent?

Risikokompetente Menschen verstehen, dass man Risiken eingehen muss, wenn es Fortschritt geben soll. Sie dürfen Risiken nicht einfach fürchten, sondern müssen sie abwägen können. Und dafür müssen sie etwas von Statistik verstehen und das möglichst früh lernen.


Meine siebenjährige Tochter, die in der ersten Primarklasse erst gerade mit dem Rechnen begonnen hat, soll Statistik verstehen lernen?
 
Richtig! Sie könnten damit beginnen, indem Sie mit ihr besprechen, was es bedeutet, wenn sie am Morgen im Radio hört, heute regne es mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent. Statistisch zu denken, bedeutet auch, empirisch zu arbeiten, Daten zu sammeln und selber Informationen zu suchen, statt Gerüchten zu folgen.


Bei Volksentscheiden werden viele gut informierte Stimmbürger mitentscheiden, aber viele werden aus dem Bauch heraus abstimmen.
 
Das ist kein Widerspruch. Eine guter intuitiver Entscheid beruht ja idealerweise auf vielen Jahren Erfahrung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Ich habe in mehreren grossen, börsenkotierten Unternehmen die Manager – vom Abteilungsleiter aufwärts – darüber befragt, wie häufig sie wichtige professionelle Entscheide aus dem Bauch heraus fällen. Die Leute werden ja mit Bergen von Information zugeschüttet, die oft auch noch widersprüchlich sind. Mehr als die Hälfte der Entscheide sind am Schluss dann weitgehend Bauchentscheide. Der Punkt ist: Den intuitiven Entscheid kann man nicht begründen! Das ist wie beim Fussball. Wenn Sie einen Torschützen fragen, wie er das denn genau gemacht hat, dass der Ball ins Tor flog, kann er das nicht erklären. Das Flugverhalten des Balls wird von zahllosen physikalischen Parametern bestimmt, die so kompliziert zu berechnen sind, wie «Value at Risk». Die Parameter und die Berechnungen braucht ein Fussballer aber gar nicht zu kennen. Was zählt, ist der jahrelange Umgang mit dem Ball.


Bei Volksabstimmungen sind Bauchentscheide aber manipulierbar. Die Parteien arbeiten mit diffusen Ängsten, die unser Verhalten beeinflussen können, ähnlich wie ein Flugzeugabsturz.
 
Eine Demokratie ist immer nur so gut, wie ihre Bürger sind. Und wie gut die sind, ist eine Frage der Schulausbildung. Die Schule sollte die Kinder zu mündigen Bürgern machen. Genau darum habe ich in meinem jüngsten Buch «Risiko» das letzte Kapitel der Schule gewidmet. Wir müssen den Schulunterricht revolutionieren. Dabei geht es um all die Dinge, die wir bis jetzt genannt haben: der Umgang mit Statistiken und Risikokompetenz, das Essverhalten, aber – sehr wichtig! – auch der Umgang mit den Medien, vor allem den neuen digitalen. Unsere Kinder sollen die Geräte beherrschen und nicht umgekehrt.


Die Schulen sollen eine Antwort finden auf die digitale Revolution.
 
Ja. Aber es ist kein Thema, den Kindern beizubringen, wie man Computer und Smartphones benützt. Das lernen die von selbst. Es geht um Psychologie: Sie sollen lernen, wie sie die Technologie anwenden, ohne von ihr manipuliert zu werden.


Sie sprechen von einer Revolution. Die Schulen in der Schweiz sind ziemlich immun gegen Revolutionen. Kann sich die Schule schnell genug verändern?
 
Ich fürchte nein. In Deutschland mindestens dauert das sicher länger. Wie es in der Schweiz ist, weiss ich nicht. Aber Ihr Land hätte, weil es viel kleiner ist, bessere Voraussetzungen als wir, die Veränderungen schnell umzusetzen.


Was ist denn der Unterschied zwischen «Nudging»* und der Schulung von Risikokompetenzen, also zwischen den zwei Ansätzen, die Bürger zu besseren Entscheiden zu bringen?
 
«Nudging» ist genau das Gegenteil davon, was mir am Herzen liegt! Nehmen wir das Beispiel der Mammografie, der Früherkennung für Brustkrebs. «Nudging» bedeutet – und das wird gemacht – man schickt den Frauen eine Einladung für die Untersuchung nach Hause mit einem Termin und einem Ort. Man nimmt dann an, dass die Frauen bequem sind und das Angebot annehmen oder gar denken, man muss hingehen. Und tatsächlich: Es wirkt. Man kann sehen, dass die Zahl der Früherkennungsuntersuchungen damit steigt. Ich denke aber, es ist besser, so vorzugehen: Man informiert die Frauen offen und ehrlich über den Nutzen und Schaden der Mammografie, den beispielsweise 98 Prozent der deutschen Frauen immer noch nicht wissen. Die Frauen können dann selber entscheiden. Das ist meine Vorstellung von der mündigen Bürgerin: Man gibt ihr Zugang zu den Informationen und befähigt sie, ihre eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Aber man sagt ihr nicht, was sie zu tun hat.


Sie lehnen «Nudging» entschieden ab.
 
Na ja, ich habe ja nichts dagegen, wenn man uns ein bisschen «nudged» und zum Beispiel in der Cafeteria die Äpfel zuoberst hinstellt und die Schokoriegel etwas versteckt, damit die Leute eher das Gesunde essen. Was mich aber stört, ist das Menschenbild, das dahintersteckt.


*

Nudge – Wikipedia

de.wikipedia.org/wiki/Nudge
Nudging im Sinne einer Verschiebung von Anreizen gilt dem gegenüber nicht als Eingriff und ist daher wesentlich einfacher durchzusetzen und im Falle einer ...


KOMMENTAR

Folgender zentrale Gedankengang scheint mir wertvoll:
Bauchentscheide beruhen auf Erfahrung. Fast die Hälfte der Entscheide sind Bauchentscheide. Wir können sie nicht begründen. Doch sind sie bei hilfreich bei Entscheiden.
Anderseits müssen wir auch lernen, Daten und Fakten richtig einzuordnen.
Der Umgang mit Statistiken,  die Risikokompetenz, das Essverhalten, aber – sehr wichtig! – auch der Umgang mit den Medien, vor allem den neuen digitalen muss heute gezielt erworben werden. Unsere Kinder sollen die Geräte beherrschen und nicht umgekehrt. So gesehen gilt es unsere Schule zu revolutionieren.



Sonntag, 10. Mai 2015

Christa Markwalder, jetzt wirds eng

Nach meiner Prognose hätte die unbedacht handelnde Nationalrätin mit einem blauen Auge davon kommen können.

Heute haben wir jedoch eine neue Situation: Immer noch offen ist, wer gelogen hat (Aussage gegen Aussage).
Doch nun kommt etwas Gravierendes dazu:


 

Lobby-Affäre um FDP-Nationalrätin: Markwalder verriet Kommissions-Geheimnisse  

Lobby-Affäre um FDP-Nationalrätin Markwalder verriet Kommissions-Geheimnisse

Nun kann niemand mehr für die bekannte FDP Vorzeigefrau die Hand ins Feuer legen. Die Medien legen kräftig nach.
Es scheint zu einer Eigendynamik zu kommen.
Was könnte die Nationalrätin in dieser heiklen Situation tun?
- Schweigen?
- Mea Culpa?
- Rechtfertigen?
- Medienkonferenz?
- Medienmitteilung?
Die Geschichte hat eine Dimension erhalten, die folgenschwer sein könnte.  Für Markwalder eine KRISENsituation.
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    ... FDP-Nationalrätin Christa Markwalder ist das dominierende Thema der Sonntagspresse.
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    VERHALTEN BEI KRISEN




    Der erste Schock kann lähmen

    Mögliche Reaktionen:
    • Nicht wahr haben wollen. "Das kann doch nicht wahr sein".
    • Ungewissheit. "Was hat das für Folgen für uns?
    • Unsicherheit durch Informationsmangel sowie durch widersprüchliche Aussagen. "Was ist wirklich geschehen?"




    Die Folgen sind:

    • Falschmeldungen
    • Spekulationen
    • Halbwahrheiten
    • Gerüchte


    Es ist nachher wie bei einer Zahnpastatube: Der Inhalt, der ausgedrückt worden ist, kann nicht mehr in die Tube zurückgebracht werden. Michael Gorbatschow sagte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben". Er hatte recht, obwohl er diese Weisheit selbst auch zu spät erkannt hatte.




    Was eine Krise ist, definiert die Öffentlichkeit und definieren die Medien. Bedenken Sie stets: das unerwartete Vorkommnis kann plötzlich die ganze Welt interessieren.




    Was tun, wenn sich eine Krise abzeichnet?

    Sofort alle notwendigen Stellen - vor allem die Pressestelle und Kriseninterventionsgruppe - gemäss einem erarbeiteten Konzept informieren. Die ersten Verhaltensmassnahmen werden immer zur Bewährungsprobe ihrer Öffentlichkeitsarbeit. Nur wer sich fachgerecht vorbereitet hat, wird diese Probe bestehen.


    Eine Checkliste die sich bewährt hat

    • Ruhe bewahren. Keine Panik aufkommen lassen.
    • Vor allem bei einem Unfall: erste nötige Hilfemassnahmen. Alarmierung der notwendigen Stellen.
    • Keine Information an die Öffentlichkeit, bevor Sie sich ein Bild von der Situation gemacht haben. Heute sind die Medien sofort da. Sagen, wann Sie informieren, was Sie abklären werden. Der nächste Termin muss rasch stattfinden. Abklären: Was weiss der Journalist woher? Wo kann ich den Journalisten erreichen? Treffen die Informationen des Journalisten zu? In welchem Medium arbeitet er?
    • Sofort mit den vorgesehenen wichtigen Stellen des Unternehmens Kontakt aufnehmen. Lage schildern. Die Lage abklären lassen, damit Sie nicht unter oder überreagieren.
    • Nächste Schritte planen, eventuell mit einem Kommunikationsspezialisten.
    • Sprecher bestimmen, damit die Medien nur aus einer Quelle Auskunft erhalten.
    • Sicherstellen und überprüfen, dass die Information nur über die verantwortlichen Stellen and die Öffentlichkeit gelangen.
    • Nur über gesicherte Fakten informieren. Keine Vermutungen! Nur was Sie mit Sicherheit wissen, gehört an die Öffentlichkeit. So bauen Sie Verunsicherungen ab.
    • Alle Medien strikt gleich behandeln.
    • Sind Menschen betroffen und Verletzte oder Tote zu beklagen, drücken Sie ihr Bedauern aus.
    • Vermeiden Sie Aussagen zur Schuldfrage.


    Tipps für die Krisenkommunikation

    Die folgenden Punkte sind von General Nachman Shai , dem Informationschef des israelitischen Generalstabs während des Golfkriegs aufgestellt worden:
    1. Information sofort und ohne Verzögerung weitergeben.
    2. Informationsstrom nicht abbrechen lassen.
    3. In Krisenzeiten übernimmt der Chef persönlich die Information.
    4. In Entscheidungsprozessen Informationsprofis einbeziehen.
    5. Nur einer spricht - eine Botschaft - keine Widersprüche.
    6. Den Dialog suchen, Fragen beantworten, nicht ausweichen.
    7. Emotional sein. Betroffen sein. Botschaften personalisieren.
    8. Die Wahrheit sagen. Keine Spielereien, sondern Fakten. Keine Tricks.
    9. Vertrauen und gutes Image in guten Zeiten aufbauen. Krisenvorsorge.
    10. Krisenmanagement aktiv üben (*)
    Die folgenden Grundsätze und Leitlinien zur polizeilichen Medienarbeit sind von Bruno Kistler, Stadtpolizei ZH aufgestellt worden:
    • Achtung der Wahrheit.
    • Einheit von Wort und Tat.
    • Offenheit.
    • Unparteilichkeit.
    • Kontinuität.
    • Klarheit und Verständlichkeit.
    • Orientierung an Zielgruppen und deren Bedürfnissen.
    • Präsenz.
    • Aktualität.
    • Offensives Handeln.
    • Vermeidung von Widersprüchen.
    • Multimedialität.
    Die folgende Checkliste ist von Frau Beatrice Tschanz, der Kommunikationschefin bei der SAir Gruppe aufgestellt worden.
    Was man planen kann:

    • Gehe vom schlimmsten Fall aus
    • Stelle eine Notfallorganisation auf.
    • Plane eine Organisation für Kommunikation in Krisensituationen.
    • Bestimme den Leiter dieser Organisation.
    • Definiere deine Kommunikationsstrategie (schnell, offen, transparent).
    • Wähle ein Konferenzzentrum in unmittelbarer Nähe der Notfallorganisation.
    • Übe ein Szenario "schlimmster Fall".
    Wenn das Ereignis eintritt:
    • Kommunikation in Krisensituationen benötigt von Beginn weg das höchste (vorhanden, verfügbare) Führungszentrum.
    • Berufe augenblicklich eine Medienkonferenz ein, und zwar spätestens innerhalb zweier Stunden nach Ausbruch des Krisenerreignisses.
    • Stelle alle zwei Stunden die neuesten Meldungen zusammen, um dem intensiven Druck der Medien standhalten zu können.
    • Vergiss die bisher vertretene Haltung.
    • Melde Dich bei den Medien mit benutzbaren, vorhandenen Tatsachen.
    • Nimm Dich zuerst den Menschen (Opfern) an, sprich über Menschliches, nicht über Materielles.
    • Schäme Dich nicht, Deine Gefühle zu zeigen.
    • Biete sofortige Hilfe an und teile es mit.
    • Biete sofortige Barzahlung an, um Auslgen der nächsten Verwandten zu ersetzen.
    • Benütze Medien, um Telefonnummern etc. bekannt zu machen.
    • Schicke ein Kommunikationsteam innerhalb von 48 Stunden.
    • Konzentriere das Kommunikationsteam in einem einzigen Raum.
    • Du wirst nach deiner Krisenbewältigung der ersten drei Tage beurteilt.
    • Übernimm die Führung, versorge die Medien mit Stoff, denk an nebensächliche, aber ergänzende Darstellungen. Wenn Du kannst, halte die Medien auf Trab.
    • Verschaffe den Medien Hintergrundinformationen etc.
    Was bedacht werden muss.
    • Der Mediendruck dauert nicht bloss zwei, drei Tage, sondern drei Wochen.
    • Plane menschliche Fähigkeiten folgerichtig.
    • Der Schock in der betroffenen Unternehmung ist enorm, versuche ihn unter Beizug Aussenstehender (weniger emotional, weil nicht unmittelbar betroffen) abzubauen.
    • Halte das Kommunikationsteam unter strenger Kontrolle.
    • Verteidigende Haltung tötet Glaubwürdigkeit!
    • Wenn Du nicht schnell bist, wirst du geschlagen.
    • Zeige Betroffenheit, nicht Tränen.
    • Vermeide alle PR-artigen Wendungen während der ersten Phase!
    Hans-Peter Nehmer, der Mediensprecher der HP-Swiss-Group stellt zum Thema Krisenkommunikation folgende Thesen auf:
    • Medien haben einen klaren Auftrag in unserer Gesellschaft. Diesen gilt es zu akzeptieren, auch wenn dies zuweilen den Unternehmens-Interessen widerentpricht.
    • Medien machen sich immer ein Bild. Dieses kann akzeptiert oder auch nicht akzeptiert werden.
    • Gewisse Kommunikationsprofis glauben immer noch an die Möglichkeit, die Medien seien manipuliertbar. Dem ist jedoch nicht so.
    • Geben Sie den Medien was sie wollen, ehrlich und offen.
    • Im Journalismus sind folgende Tendenzen ersichtlich:
      • Kommerzialisierung, z.B. durch Fusionen.
      • Homogenisierung, durch gemeinsame Archive, mehr Konkurrenz aber weniger journalistische Vielfalt.
      • Emotionalisierung und damit näher ans Volk.
      • Personalisierung - Zwecks Wiedererkennungseffekt, werden berühmte Personen als Aufhänger benutzt.
    • Da die Medien in der heutigen Zeit einen grossen Einfluss haben, gilt der Grundsatz: Medien bei der Bewältigung der Krise miteinbeziehen.


    Schlusswort



    Bei der Krisenkommunikation gilt vor allem auch: Die gemachten Aussagen müssen wahr sein. Die Kommunikation muss angemessen sein. Vereinfachen Sie ohne zu verfälschen, denn Unverständnis erzeugt Angst.
    Bei der Krisenkommunikation gilt: Nie in die Defensive gehen. Tue Gutes und sprich darüber.






    (*) Üben heisst trainieren. Stegreifspiele, Rollenspiele, eventuell im Simulator mit Experten oder Kommunikationsberater. Das Lesen dieser Tipps genügt nicht. Das eigene Verhalten in Stresssituationen kann vor allem durch Üben verbessert werden. Wir müssen wissen, wie wir bei Überraschungen situationsgerecht reagieren können. Schwimmen lernen wir letztlich nur im Wasser.


    Siehe die Seite Verhalten in publizistischen Krisen .

    Sie kommt unangemeldet - die KRISE

    Bevor die Krise da ist, sind die Medien da

    Umgang mit überraschenden Fragen in Krisensituationen

    LINKS:

    18 Okt. 2013
    Mehr zum Werkzeug "im Umgang mit Ueberraschungen" kann im ... www.rhetorik.ch/Aktuell/11/06_25/index.html. Columbo Technik. Kommissar Columbo aus der TV Serie wurde bekannt für seine Phrase " Übrigens, ich hätte ...
    http://knill.blogspot.com/
    Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
    18. März 2009 ... AUCH ÄRZTE MÜSSEN. MEDIENTAUGLICH SEIN horrorsturz: Der Horrorsturz des Schweizer Skirennfahrers Daniel Albrecht auf der ...
    www.rhetorik.ch/Aktuell/09/03_18/03_09.pdf
    18. März 2009 ... Leidet das Inselspital unter einem Paparazzi-Trauma? Im Gegensatz zum Universitätsspital Innsbruck informierte das Inselspital über den ...
    22. Jan. 2009 ... Auch Ärzte müssen für derartige überraschende Auftritte trainiert werden. Die Voten von drei Ärzten der Universitäts-Klinik für Allgemeine und ...
    18 Mar 09: Auch Ärzte müssen medientauglich sein · 01 Feb 09: Ärzte vor Mikrofon und Kamera · 22 Jan 09: Ärzte müssen auch medientauglich sein.
    1. Febr. 2009 ... Ärzte müssen auch medientauglich sein ... Es veranschaulicht, dass es auch für Ärzte möglich ist, sich mediengerecht auszudrücken, ohne ...
    20. Jan. 2011 ... Ärzte müssen medientauglich sein · Ärzte vor Mikorfon und Kamera ... In Krisensituationen müssen die Verantwortlichen sagen, weshalb sie ...
    www.rhetorik.ch/Aktuell/11/01_20/
    27 Juni 2012
    Wenn es brennt, muss ich mich den Medien stellen. Ein Politiker muss vor einer Krise gelernt haben, bei Ueberraschungen den Kopf nicht zu verlieren. (Umgang mit Ueberraschungen) 20 Min nach der Medienkonferenz: ...
    04 Juni 2009
    2. Voraussetzungen zur Schlagfertigkeit (Einstellung, antizipieren, Vorbereiten- aber wie?) 3. Fallbeispiel. 4. Sie brauchen immer einen Pfeil im Köcher (Standards). 5. Umgang mit Ueberraschungen (Innehalten- denken). 6.
    http://knill.blogspot.com/
    05 Okt 11: Krisenkommunikation und Medien · 17 Sep 11: UBS Kommunikationsverhalten im Zockerskandal · 14 Aug 11: Schlechte Noten für den Bundesrat.
    7. Juli 2005 ... Zur Informationspolitik beim Anschlag in Madrid · Krisenkommunikation und Medien - Terroranschlag vom 11. September 2001 ...
    K+K hilft Ihnen weiter, wie Sie sich die Kompetenz im Umgang mit Medien erwerben wollen. Krisenkommunikation kann vorbereitet werden.
    12. Jan. 2013 ... Aktuell Krisenkommunikation · SBB Unfall in Neuhausen · Glacier ... Internet und Social Media sind unschlagbar in der Geschwindigkeit. Es gibt ...
    05 Okt 11: Krisenkommunikation und Medien · 26 Sep 11: Internet gegen Fernsehen und Zeitung · 26 Sep 11: Google Plus auf Aufholjagd · 18 Jul 11: BLM  ...
    23. Juni 2010 ... Mangelhafte Krisenkommunikation des Bundesrates ... Wohl kaum, denn verschiedene Medien berichten, dass ein solcher Einsatz schon in ...
    19. Dez. 2010 ... Krisenkommunikation ohne Vermutungen ... Die Medien machten aus den Mutmassung der Mediensprecherin eine Tatsache. Susanne ...
    Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
    27. Sept. 2005 ... Kommunikation im Krisenfall. M. Knill, Kommunikationsberater, Uhwiesen. • Krisenkommunikation und Medien. • Erkenntnisse aus der Praxis.
    5. Okt. 2011 ... Krisen managen heisst nicht nur Krisen erkennen und vorbeugen. Viele Unternehmen haben allmählich erkannt, dass das Meistern von Krisen ...
    www.rhetorik.ch/Aktuell/11/10_05/

    Zum Muttertag

    Muttersein kann nicht delegiert werden.


    In meinem Leben habe ich unzählige Male miterleben dürfen, dass die Zeit, die eine Mutter ihren Kindern leiht, keine verlorene Zeit ist. Es gibt deshalb auch keinen eigentlichen Vatertag oder Elterntag.
    Das hat seinen Grund. Den Müttern gebührt am Muttertag Ehre für alles, was sie unseren Kindern getan haben.
    Es geht nicht nur um die Geburt und die Aufzucht. Mutter sein ist etwas ganz Besonderes.

     

    Gechichte des Muttertages:

    Dieser Feiertag ist keine Erfindung der Wirtschaft, sondern eine Forderung von Kulturschaffenden.

    Die Idee, alle Mütter der Welt mit einem besonderen Tag zu ehren, wurde Mitte des 19. Jahrhundert in England geboren.
    Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht. Ist doch für den dritten Sonntag vor Ostern (lat. "Lätare") bereits seit dem 17. Jahrhundert belegt, dass er in vielen christlichen Regionen dazu genutzt wurde, die Eltern zu besuchen und den Müttern Geschenke zu bringen.
    1872 verlangte die Schriftstellerin Julia W. Howe erstmals einen Feiertag für die Mütter der Vereinigten Staaten von Amerika.
    Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich der Muttertag auch auf dem europäischen Festland durch. 1933 wurde er offiziell auf den zweiten Sonntag im Mai festgelegt

    Samstag, 9. Mai 2015

    Unbegreifliches Urteil

    Verstümmelungsabsicht müsste ebenfalls hart bestraft werden - nicht nur die Tötungsabsicht

    2009 haben Jugendliche einen Gleichaltrigen am Boden  spitalreif zusammengeschlagen und am Boden brutal getreten.
    Sie wurden vom Thurgauer Obergericht wegen versuchter vorsätzlichen Tötung und versuchter schwerer Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.
    Die brutale Tat wurde übrigens von einer Kamera aufgezeichnet und beweist, wie brutal die Täter vorgegangen sind.
    Das Bundesgerichtes verneinte nach einer Beschwerde die Tötungsabsicht. Dem Antrag des Beschwerdeführers auf eine bedingte Strafe von zwei Jahren wurde entsprochen.

    Keine Tötungsabsicht: Urteile für grinsende Bahnhofs-Schläger aufgehoben
    Keine Tötungsabsicht Urteile für grinsende Bahnhofs-Schläger aufgehoben
    Das Bundesgericht hat die Urteile gegen zwei Schläger von Kreuzlingen aufgehoben und den Fall zur Neubeurteilung ans Thurgauer Obergericht zurückgewiesen. Die beiden jungen Männer hatten 2009 am Bahnhof Kreuzlingen grundlos zwei Gleichaltrige zusammengeschlagen.
    Ostschweiz· Video
    Wenn es heisst, das Opfer sei leider zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, so ist dies zynisch und die Begründung, das Opfer hätte sich  mit den Armen vor dem Kopf so schützen können, dass eine Tötung nicht möglich war, so ist dies nicht nachvollziehbar.

    Die Absicht, Menschen zu verstümmeln und ein Opfer auch mit der Absicht, bleibende körperliche und seelische Schäden zu verursachen, müsste doch  auch hart geahndet werden.

    Das Urteil bedeutet: Schwere bleibende Verletzungen darf in Kauf genommen werden. Wenn nämlich das Opfer überlebt, zählt dies nicht als Tötungsabsicht.

    Dieses Urteil ist für Otto Normalverbraucher nicht nachvollziehbar.


    Der meistgehasste Deutsche

    Er legte die Bahn eine Woche lang lahm


    Wer ist der Mann, der Deutschland sechs Tage lahm legt? (Artikel enthält Video)

    Wer ist der Mann, der Deutschland sechs Tage lahm legt?

    Unverständlich, dass die deutschen Bahn mit zwei Gewerkschaften verhandeln müssen.

    Unverständlich, dass sich die Gewerkschaft nicht bewusst ist, wie sie dem öffentlichen Verkehr mit dem Streik schadet. Ich habe deutsche Freunde, die künftig nur noch mit dem Auto zur Arbeit fahren.

     

    Unbegreiflich, dass es in Deutschland nicht laufende Gespräche zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gibt. In der Schweiz funktionieren in der Regel solche bilateralen Gespräche. Die Gewerkschaften sehen hier ein, dass in harten Zeiten nicht ständig Maximalforderungen gestellt werden können.

     

    Vereinbarungen müssen ausgehandelt - nicht durchgeboxt -  werden.


    Jede Seite ist auf die andere angewiesen.

    Gewerkschaften können nicht nur fordern.

    Ich würde mich nicht wundern, wenn die Bahn auf selbstfahrende Züge setzt oder es künftig zu einem Streikverbot kommt bei Institutionen von öffentlichem Interesse.

    Ich kenne Firmen, das holen sich künftig nur noch Mitarbeiter, die keine gewerkschaftlichen Verpflichtungen eingehen oder sie suchen vermehrt Teilzeitarbeiter.