Donnerstag, 8. April 2021

Rüpelhaftes Verhalten

This video frame grab taken from footage released by The Turkish Presidency on April 6, 2021, shows Turkish President Recep Tayyip Erdogan (R) receiving EU Council President Charles Michel (C) and President of EU Commission Ursula von der Leyen (L) at the Presidential Complex in Ankara. - The European Commission hit out April 7, 2021, at a diplomatic snub that left its head Ursula von der Leyen without a chair as male counterparts sat down at a meeting with Turkish President Recep Tayyip Erdogan. Video from the April 6, 2021, encounter in Ankara showed von der Leyen flummoxed as the Turkish leader and European Council president Charles Michel took the only two chairs in front of their flags. (Photo by - / various sources / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO /TURKISH PRESIDENTIAL PRESS SERVICE " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Bei Erdogan-Besuch

Von der Leyen ohne Sessel in der Männerrunde - Empörung ist riesig

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan brüskierte die EU-Kommissionspräsidentin am Dienstag, indem er ihr bei einem offiziellen Besuch keinen Sitzplatz anbot. Nun solidarisieren sich Politiker und Politikerinnen unter dem Hashtag #GiveHerASeat mit ihr.

 

Kommentar: Ich ärgere ich auch, wenn in einem Restaurant der  Mann den besten Platz einnimmt und die Frau stehen lässt. Das hat  nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sondern mit Anstand.

 

 

Mittwoch, 7. April 2021

Es fällt schwer, Fehler einzugestehen.

 

Blog

Marcus Knill

07.04.2021

Bei Fehlentscheidungen ist Herumeiern und Heuchelei immer eine schlechte Taktik.

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Samstag, 3. April 2021

Kommt es doch noch zum Duell?

 

Laschet oder Söder?


Kanzlerkandidat: Wie die Union zwischen Söder und Laschet entscheidet · Dlf  Nova

Wenn es um die Kandidatenfrage geht, fragen wir uns, ob Laschet der Union CDU/CSU mehr Stimmen bringt, als der mediengewandte Söder. Gemäss aktuellen Umfragen hat Söder immer noch die Nase vorn. Doch der Vorsprung schwindet.

Die Oeffentlichkeit rechnete mit einem Fernduell zwischen dem neuen CDU- und dem CSU-Chef. Aber es wird wohl kaum zu einem Hahnenkampf kommen.

Doch ist nach wie vor mit einem Wettbewerb zwischen Düsseldorf und München zu rechnen, ohne hartes Duell.

Laschet wies die Vermutung der Medien - es komme zu einem Schlagabtausch - zurück:

„Wir liefern uns kein Duell. Das wäre auch angesichts der Lage völlig unangemessen.“

(Quelle: Interview im Spiegel)

 

Söder wies früher seinerseits eigene Ambitionen auf das höchste  Regierungsamt zurück.

„Die Frage, wie es im nächsten Jahr weiter geht, spielt für mich überhaupt keine Rolle.“ (Quelle: Interview der Deutschen Presse-Agentur)

 

 

Laschet konnte im WRD-Trend anfangs Februar deutlich zulegen.

Acht Punkte mehr als bei der vorangegangenen WDR- Erhebung vom September.

Die Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Union ist immer noch offen. Es kann aber nur einen Kandidaten geben. Spannend, denn:

 

Der Führungsstil  von Laschet und Söder ist ähnlich.

Armin Laschet führt nach der Formel:

„Führen und Zusammenführen“. Es gelang ihm auch die zerstrittene Landes-CDU zu befrieden.

Markus Söder kann integrieren. Er führt die CSU ruhig. Dass er mit anderen zusammenarbeiten kann, zeigte sich in der Koalition in Bayern mit den nicht immer einfachen Freien Wählern.

Auch bei der Wirtschaft- und Klimapolitik fehlen zwischen den Kontrahenten grosse Differenzen.

Söder steht der Unternehmerseite nahe.

„Wirtschaft ist für ihn nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts.“

Er hat gesehen, dass man wirtschaftliche Interessen und Klimaschutz nicht gegeneinander ausspielen sollte. Für Söder muss der Klimawandel nicht durch Verzicht aufgehalten werden, sondern durch Fortschritt und Forschung.

Laschets schwarz-gelbe  Koalition machte sich für den Mittelstand und Familienunternehmen stark, mit dem Credo: „Wir müssen alles tun, dass wir Industrieland bleiben und gleichzeitig die oekologischen  Nachhaltigkeitsziele erreichen.“

Die Kandidaten zur Frauenförderung:

Söder weiss, dass es gegen die Frauen viel zu verlieren, mit ihnen viel zu gewinnen gibt. Er setzt sich heute für eine erweiterte Frauenquote ein.

Laschet  war unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers Integrations- und Frauenminister. Seither betreibt er ebenfalls gezielte Frauenförderung.

Bei der Asylpolitik machte Söder noch vor 2018 mit Seehofer im Asylstreit Stimmung und Front gegen die Kanzlerin. Heute hält er sich zurück, weil er eingesehen hat, dass er sich damit enorm schadet.

Bei der Flüchtlingsfrage stand Laschet auch in schwierigsten Tagen  stets voll und ganz an Merkels Seite.

Um die Akzeptanz bei der Bevölkerung zu sichern, demonstriert er auch Härte im Umgang mit Personen ohne Bleiberecht, Straftätern oder Gefährdern.

Beide Kandidaten unterstützen den Merkel-Kurs.  

Wer hat nun die besseren Karten, bei einer so grossen Uebereinstimmung?

Die Situation ist nach wie vor offen.

Söder hat angeblich  mehr Sympathiepunkte. Die Stimmberechtigten könnten sich aber noch Sorge machen, dass mit Markus Söder die Bayern dominieren.

Den  Merz-Fans wird wahrscheinlich Söder näher liegen, weil sei von ihm mehr Aufbruch und neue Ideen erwarten. Armin Laschet wird anderseits noch viele Punkte holen, weil er es wagte, Klartext zu sprechen im Zusammenhang mit der „Alternativlosigkeit“ beim Endlos-Dauer-Lockdown.

Quelle „Bild“ zitiert Laschet:

„Immer neue Inzidenzen, Verbote, Warnungen und Mahnungen verfangen bei den Menschen nicht mehr.“

Viele haben genug davon, dass eine Ministerpräsidenten-Konferenz ihnen z. B. weiterhin verbieten will, ihre Verwandten zu besuchen („… ist zu unterlassen“), während gleichzeitig jeden Tag Urlaubs-Flieger nach Dubai und Südafrika starten.

Sie können es nicht länger ertragen, dass die Kinder unter dem Lockdown so dramatisch leiden. Sie können nicht mehr hören, dass es zu all diesen Verboten auch mehr als ein Jahr nach dem ersten Corona-Fall keine Alternative geben soll. Und dass diejenigen, die über Alternativen reden (z. B. besserer Schutz der Altenheime) nicht gehört werden.

Armin Laschet hat das ausgesprochen, was viele in der Bevölkerung denken. Er geht damit ins Risiko, hat sich klar gegen den harten Corona-Kurs von Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Markus Söder gestellt. Diese Differenz ist offensichtlich.

Laschets Mut kann ihm möglicherweise zu einem unerwarteten Schub verhelfen.

Am Aschermittwoch holte sich anderseits Söder  mit einer rhetorisch gekonnten Rede Punkte und stahl Laschet die Show. Er stichelte gegen den Rivalen mit folgendem Satz:

“Armin Laschet, der den Lockdown schnell lockern will, handelt nicht im Sinne der Kanzlerin und kann ihre Stimmen nicht holen – ICH schon.”

Diese aktuellen Aussagen verdeutlichen:

Das Rennen bleibt immer noch offen. Für wen?

Wir dürfen nicht vergessen:

Schon F.J. Strauss musste erleben, dass er für einen Bayern und CSU-Chef nahezu unmöglich ist, Bundeskanzler zu werden. Denn „nördlich des Maines wohnen die Preussen und andere wilde Völker“ (aus einem alten Schüleraufsatz).

Und ausserdem ist die CDU ein Mehrfaches grösser, als die CSU, sie wird sich also die Kanzlerschaft nicht nehmen lassen. Doch wäre Bundesaussen- oder Bundesfinanzminister ja auch etwas Schönes für den Herrn Söder, falls dies Posten nicht an die Grünen gehen würde.

Da es nur einen Sieger geben wird und ich mich schon heute festlegen müsste, wird für mich Laschet das Rennen machen. Ich hatte ihn deshalb bereits eingehender analysiert.  Er verfolgt seine Ziele nie verbissen. Mit seiner nonchalanten Art und seiner Fähigkeit, Rückschläge hinzunehmen hat er mich überzeugt.

Sein Ziel erreichte er oft über Umwege.

On verra.

Mittwoch, 24. März 2021

Angela Merkel verliert das Vertrauen

 

Seit fast einem halben Jahr ist Deutschland im Lockdown

(Quelle Blick) Die Stimmung im Land ist mies, die Reaktionen sind harsch. Mit dem «Lockdown Light» im Herbst leben die Deutschen nun seit rund sechs Monaten mit massiven Einschränkungen. Zwar waren die Spitäler dafür nie kurz vor dem Kollaps, doch als Langzeitstrategie überzeugt das nicht.

Der Ministerpräsidenten-Kompromiss beinhaltet zudem Massnahmen wie aus Absurdistan. Wer aus einem deutschen Hotspot kommt, darf Ostern nicht mit Oma und Opa feiern – dafür aber auf Mallorca. Zwar mit Testpflicht, aber ohne Quarantäne-Zwang. Und dass die Supermarkttüren am Gründonnerstag geschlossen bleiben, könnte den Lebensmitteleinkauf am Mittwoch und Karsamstag zum Super-Spreader-Event machen.

«Der Weil-es-die-Bundesregierung-vergeigt-hat-Lockdown», ätzte Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch (62) über die neuen Corona-Massnahmen. Auch aus der FDP, die neben der AfD als einzige der grossen Parteien keinen Ministerpräsidenten stellt, gab es heftige Kritik. Als «zu scharf» und «zu wenig innovativ» kritisierte Parteichef Christian Lindner (42) das Ergebnis des Verhandlungsmarathons.

Die Kanzlerin konnte sich wieder nicht durchsetzen

Hätte Bundeskanzlerin Angela Merkel (65) alleine entscheiden dürfen, wären die Corona-Massnahmen härter ausgefallen. Selbst über Ausgangssperren dachte die deutsche Kanzlerin und Physikerin nach, die die Corona-Dynamik wohl besser versteht als die meisten ihrer Amtskollegen.

Doch die Kanzlerin konnte sich nicht durchsetzen. «Merkel unzufrieden mit den Ministerpräsidenten», sickerte als Wasserstandsmeldung aus den Beratungen durch. Bereits im vergangenen Herbst hatte die Kanzlerin ihren Unmut ausgedrückt. «Dann sitzen wir in zwei Wochen eben wieder hier», soll sie den Regierungschefs damals zu ihrem mauen Kompromiss gesagt haben. Am 12. April wird neu verhandelt. Ein grosser Wurf oder Lichtblick ist auch dann nicht zu erwarten.

Zu kleiner Impffortschritt

Nach der kurzzeitigen Aussetzung von Astrazeneca hinkt Deutschland beim Impffortschritt noch weiter hinterher als ohnehin schon. Erst 13 Dosen wurden pro 100 Einwohner verteilt – erst vier Prozent sind vollständig geimpft. In der Schweiz ist es zwar nur minimal besser, doch für Deutschland und die Signalwirkung in Europa ist das Versagen verheerend.

Das Vertrauen in Angela Merkel, die das Land souverän durch die erste und zumindest ordentlich durch die zweite Welle geführt hat, sinkt. Laut dem «Spiegel»-Regierungsmonitor sind 50 Prozent der Bevölkerung mit der Kanzlerin «unzufrieden» oder sogar «sehr unzufrieden».

Angela Merkel aktuell: News von heute zur Bundeskanzlerin

 

Sonntag, 21. März 2021

Wir brauchen keine Sprachpolizei

Weil eine grüne Politikerin das Wort Indianer verwendete, das zu ihrer Jugendzeit noch nicht als dikriminierend empfunden worden ist, wurde sie an den Pranger gestellt.


Unruhe auf dem Landesparteitag der Grünen in Berlin – wegen einer harmlosen Kindheitserinnerung.

Bettina Jarasch (52), Spitzenkandidatin für die Wahl zum Abgeordnetenhaus am 26. September, wurde im Gespräch mit Landesparteichef Werner Graf (41) gefragt, was sie denn als Kind gern geworden wäre.

Ihre Antwort: „Indianerhäuptling.“ Beide lachten. 

Es kam zu einen Medienwirbel.

 

Kommentar: Begriffe, die früher verwendet worden sind und in diesem Kontext zitiert werden, sind zulässig, sonst müssten wir alle Kinderbücher und historischen Quellen umschreiben und korrigieren.  Wollen wir ein Volk von Rotstifttypen werden? Die Auswüchse der Sprachpolizistinnen in den USA will sicherlich niemand in Europa.


Indianerhäuptling Lizenzfreie Fotos, Bilder Und Stock Fotografie. Image  60825561.

Donnerstag, 18. März 2021

Amsler Preis für Bruno und Eric Bührer

Auszeichnung für Bruno und Eric Bührer

Das Brüderpaar zählt zu den wichtigsten Bildchronisten des Schaffhauser Mikrokosmos. Jetzt werden die beiden gewürdigt.

 

 

Der Stiftungsrat der Stiftung Werner Amsler hat einstimmig entschieden, den Werner Amsler Preis 2021 an die Fotografen Bruno und Eric Bührer zu vergeben. Die weit über Schaffhausen hinaus bekannten Zwillingsbrüder haben das Geschehen in der Region seit Jahrzehnten mit ihren Kameras und einem untrüglichen Gespür für den Inhalt und die Komposition der Bilder begleitet.

Die «Bührer Buebe»

Als langjährige Hausfotografen der Schaffhauser Nachrichten haben sie Schaffhausen und seine Protagonisten dabei buchstäblich ins richtige Bild gerückt und die redaktionellen Texte fassbarer gemacht und die Signatur «B. + E. Bührer» wurde so zum Markenzeichen einer Bildsprache, die die gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Ereignisse ganzer Generationen umfasst.

Die «Bührer Buebe» wie sie liebevoll genannt werden, gehören damit ohne Zweifel zu den wichtigsten Zeitzeugen und Bildchronisten des kleinen aber reichhaltigen Schaffhauser Mikrokosmos. Wer in den Archiven blättert kommt um die Bilder von Bruno und Eric Bührer nicht herum und erkennt gleichzeitig, wie sicher sie sich den Motiven annäherten und ihnen gleichzeitig Tiefe und Leben einhauchten. Ihr fotografisches Werk wird deshalb immer eine wichtiger Bestand der jüngeren Schaffhauser Geschichte sein und bleiben.


Wichtige Vertreter des kulturellen Schaffens

Bruno und Eric Bührer werden in diesen Tagen 85 Jahre alt und die Stiftung Werner Amsler freut sich, mit den beiden Fotografen zwei äusserst wichtige Vertreter des kulturellen Schaffens auszeichnen zu dürfen. Nicht zuletzt sind es ihre eindrücklichen und eindringlichen Bilder von Ausstellungen, Konzerten und Theateraufführungen, in denen ihre grosse Affinität zum Schaffhauser Kultur manifest wird und sie selbst zu einem Teil dieser Welt werden liess.

Der alle zwei Jahre vergebene Werner Amsler Preis ist mit 20‘000 Franken dotiert und wird den beiden Geehrten anlässlich des auf den 18. Oktober 2021 verschobenen Galakonzerts der Schaffhauser Meisterkurse verliehen. Für die Laudatio konnte der Schaffhauser Journalist und langjährige Migros-Lobbyist Martin Schläpfer gewonnen werden, der den Preisträgern seit Jahrzehnten freundschaftlich verbunden ist. (pd)

 Werner Amsler Preis 2021: Auszeichnung für Bruno und Eric Bührer

Die Schaffhauser Fotografen Bruno und Eric Bührer. (Bild: zVg.)

Mittwoch, 17. März 2021

Franz A. Zölch verurteilt

Der Krug geht doch zum Brunnen bis er bricht

Ich habe den renommierten Juristen in jener Zeit kennen gelernt, als er auf gerissene Art und Weise  alle kritischen Stimmen verstummen liess und Journalisten sagten: Erstaunlich , dass im Fall Zölch der Spruch nicht gilt. "Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht."

Nun ist der Krug nach Jahrzehnten doch gebrochen. Ich bin froh, dass ich bei Zölchs jüngsten Projekten nicht mitgemacht habe. Franz A. Zölch versuchte mich immer wieder für Projekte zu gewinnen.

 

Ich zitiere Blick:

 

Das Regionalgericht in Bern hat am Dienstag den einst renommierten Juristen Franz A. Zölch unter anderem wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Es brummte Zölch eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten auf – 12 Monate davon soll er absitzen.

Einst war Franz A. Zölch gefragter Medienrechtler, Präsident der Eishockey-Nationalliga, hoher Militär und Gatte der ehemaligen Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch. Doch dann kam der Fall aus grosser gesellschaftlicher Höhe. Schuld waren dubiose Geldgeschäfte.

Genauer gesagt handelte es sich um Darlehen, die Zölch im Freundes- und Bekanntenkreis unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aufnahm – und nie zurückzahlte. Immer wieder gelang es ihm, seine Gläubiger hinzuhalten. Zölch liess stets verlauten, er habe nicht mit Arglist gehandelt, sondern sei überzeugt gewesen, er könne das Geld zurückzahlen.

Drei Jahre Probezeit

Jetzt wurde Zölch wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt. Das Regionalgericht in Bern hat ihm am Dienstag eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten aufgebrummt. Ein Jahr der Strafe muss der Jurist im Gefängnis absitzen, falls das Urteil rechtskräftig wird. 18 Monate davon sind aufgeschoben mit einer Probezeit von drei Jahren, wie der Gerichtspräsident am Dienstag bei der Urteilseröffnung bekannt gab.

Die erste Gerichtsinstanz sah es als erwiesen an, dass Zölch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bei Bekannten Darlehen aufnahm, die er nicht zurückbezahlte. Dabei habe er seine Geldgeber arglistig getäuscht. Er habe gewusst, dass er tief im Schuldensumpf stecke und die Beträge nicht zurückzahlen werde.

Gläubiger waren Freunde

 

Dennoch habe er seine Geldgeber glauben lassen, er stecke nur in einem kurzfristigen finanziellen Engpass. Zölch habe auf seine Bekanntheit als Medienrechtler, hoher Militär, Hochschuldozent, Bernburger und Ex-Mann der damaligen Regierungsrätin vertraut. Er sei davon ausgegangen, dass ihm die Darlehensgeber blind vertrauten.

Zölchs Verteidiger forderte für seinen Mandanten einen Freispruch. Er sah die Pflicht bei den Geldgebern. Sie hätten es unterlassen, die von Zölch aufgetischten Geschichten zu hinterfragen und Abklärungen zu tätigen. Die Gläubiger hätten ihm viel zu leichtfertig vertraut.

Dies sah das Gericht anders. Schliesslich habe es sich bei den Gläubigern um befreundete Personen gehandelt. Entsprechende Abklärungen hätten die Freundschaft belastet, weshalb wohl die meisten um Geld Angegangenen davor zurückschreckten. Einer der Geprellten formulierte es so: «Freunden hilft man einfach.»

900'000 Franken Einkommen während Deliktzeit

 

Gerichtspräsident Urs Herren verwies am Dienstag auf den Umstand, dass Zölch während der Deliktszeit durchaus auch Einkünfte gehabt habe. Rund 900'000 Franken seien es gewesen. Doch der Jurist habe nie Anstalten gemacht, damit Darlehen zurückzuzahlen.

Der Staatsanwalt forderte eine Freiheitsstrafe von 56 Monaten. In einzelnen Punkten wurde Zölch am Dienstag freigesprochen. In der Mehrheit der Fälle aber wurde er wegen gewerbsmässigen Betrugs respektive Betrugs und Betrugsversuchen schuldig gesprochen. (SDA/noo)

Teilbedingt Strafe: Berner Gericht verurteilt Juristen Zölch wegen Betrugs

 

Wie Franz A. Zölch seine Freunde betrog

  • Der bekannte ehemalige Medienjurist Franz A. Zölch wurde vom Regionalgericht Bern-Mittelland in den meisten Punkten schuldig gesprochen.
  • Er habe Bekannte, Geschäftspartner und Freunde um ihr Geld betrogen.
  • Zölch erhielt eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten: 12 davon muss er absitzen.
  • Die Staatswaltschaft forderte 56 Monate Freiheitsentzug, die Verteidigung einen Freispruch.

Im Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittellland geht es um zehn Fälle, die zum Teil über zehn Jahre zurückliegen. Und dabei um eine Geldsumme von mehreren 100'000 Franken. Das sind aber längst nicht alle Darlehen, die Franz A. Zölch über mehrere Jahre von Bekannten und Freunden erbettelt hat. Insgesamt sind das etwa 100 Darlehen in der Höhe von rund vier Millionen Franken. Zurückbezahlt hat er das Geld bis auf wenige Fälle nie.

Die Masche

Er brauche dringend Geld, sofort wäre am besten. Das sagte Zölch laut der Anklageschrift seinen Bekannten jeweils, wenn er um Geld bat. Er habe ausstehende Honorare, die sich wegen des Terroranschlags 9/11 verzögerten und mit dem Darlehen könne er diese Summen auslösen, so eine seiner Erklärungen.

Das sagt einer, der betrogen wurde

Ein ehemaliger Freund sagte gegenüber SRF, er habe gewusst, dass Zölch finanzielle Schwierigkeiten hatte, als ihn dieser 2010 um Geld bat. Aber er habe kein System hinter Zölchs Geld-Anfragen gesehen. Er und seine Frau seien Zölch und seiner Frau nahe gestanden – sie seien sogar gemeinsam verreist. Freunden helfe man, ohne das zu hinterfragen.

Zölch selbst ging relativ offen damit um, dass er in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Er sagte allerdings nicht, wie hoch die Schulden tatsächlich sind. Gleichzeitig strich er immer wieder Honorare ein. Dadurch hätte er durchaus Einkünfte gehabt, um die Schulden bei seinen Freunden zu begleichen. So argumentierte der Staatsanwalt. Offensichtlich hat Zölch sich dagegen entschieden.

Das Netzwerk

Zölch war nicht irgendeiner, er war bekannt und beliebt. Da war einerseits sein Beruf als Medienjurist, der ihm Verbindungen in die Berner Justizszene brachte. Da war sein hoher militärischer Rang als Brigadier. Da war seine Ehe mit der damaligen Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch. Und da war sein Amt als Präsident der Eishockeyliga von 1995 bis 2006

Zölch war von 1995 bis 2006 Präsident der Schweizer Eishockeyliga. Hier ist er zu sehen, wie er dem SCB-Spieler Marc Weber gratuliert. Dieser hatte zuvor das Siegtor für die Berner erzielt, das diese zum Schweizermeister im Eishockey machte. Keystone

Er sei ein gewinnender Typ gewesen, ein guter Offizier heisst es aus seinem damaligen militärischen Umfeld. Zölch wurde 2005/06 sogar als potenzieller neuer Armeechef gehandelt.

Diese – teilweise starken – Verbindungen auf alle Seiten gaben ihm eine Glaubwürdigkeit, die ihn als zuverlässig, wichtig und vertrauenswürdig erschienen liessen. So erklärt es sich ein ehemaliger Offizierskollege, dass Zölch so lange Zeit seinen Machenschaften nachgehen konnte.

Der aktuelle Prozess

Für den Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland gingen 2015 erste Anzeigen gegen Zölch ein. Weitere in den folgenden Monaten und Jahren. Es stellt sich die Frage, weshalb der Prozess erst jetzt stattfindet, im Jahre 2021, da doch der erste Fall bereits 13 Jahre her ist.

Die Staatsanwaltschaft begründet die Dauer mit den nicht einfachen Ermittlungen und damit, dass bei jeder weiteren Anzeige dem Angeklagten das rechtliche Gehör gewährt werden müsse. Zudem habe er sich aus medizinischen Gründen vom Prozess fernhalten können. Die Verhandlung hätte bereits vor einem Jahr stattfinden sollen.

Das Urteil

Für mindestens ein Jahr muss der heute 72-Jährige ins Gefängnis, das entschied das Berner Regionalgericht Bern-Mittelland am Dienstag. Es sprach eine teilbedingte Freiheitsstrafe von insgesamt 30 Monaten aus.

Zeichnung der drei Richterinnen und Richter.
Legende: Teilweise schuldig: Der einst renommierte Jurist wurde am Dienstag zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe verurteilt. SRF/Erika Bardakci-Egli

In einzelnen Punkten wurde Zölch freigesprochen. In der Mehrheit der Fälle wurde er wegen gewerbsmässigen Betrugs respektive Betrugs und Betrugsversuchen schuldig gesprochen. Er habe gewusst, dass er die Darlehen nicht zurückzahlen werde. Das Urteil kann noch ans Obergericht weitergezogen werden.

Wo ist das Geld?

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Gretchenfrage:

Für was hat Zölch diese Summen genau benötigt?