Sonntag, 31. Dezember 2006

Duell: RECHTS- LINKS?

So sehen Micheline Calmy-Rey und Christoph Blocher unser Land (Quelle: Blick- online)

Europa

Blocher: Die Schweiz hält sich fern von allen europäischen Institutionen.

Calmy-Rey: Die Schweiz gehört nach Europa – und wird eines Tages Mitglied der EU.

Neutralität

Blocher: Die Schweiz hält sich aus der Weltpolitik komplett heraus.

Calmy-Rey: Die Schweiz vermittelt und bringt sich in Gremien der internationalen Gemeinschaft ein.

Sozialstaat

Blocher: Jeder ist sich selbst der Nächste; das Privateigentum ist ein Pfeiler unserer Gesellschaft; Reiche muss man schonen.

Calmy-Rey: Solidarität steht im Zentrum; der Staat soll einen Ausgleich zwischen Arm und Reich schaffen.

Wirtschaft

Blocher: Möglichst keine Schranken, also wenig Gesetze – Motto: Der Markt regelt (fast) alles.

Calmy-Rey: Arbeitnehmer und Umwelt müssen geschützt werden – Motto: Die Wirtschaft unterliegt ökologischen und sozialen Einschränkungen.

Steuern

Blocher: Der Staat soll schrumpfen, die Steuern sollen runter.

Calmy-Rey: Der Staat nimmt wichtige Aufgaben wahr, und das hat seinen Preis.

Ausländer

Blocher: Die Schweiz muss restriktiver vorgehen, weil Missbrauch allgegenwärtig ist.

Calmy-Rey: Die humanitäre Tradition steht im Vordergrund, Zuwanderer sind eine kulturelle Bereicherung.

Werte

Blocher: Er setzt auf Freiheit, Selbstbestimmung, Tüchtigkeit und Verantwortung.

Calmy-Rey: Sie setzt auf Gemeinschaft, Solidarität, Chancengleichheit und Offenheit.

Kommentar

Wir nehmen an, dass Blick die Aussagen der beiden Kontrahenten bereits etwas interpretiert hat. Jedenfalls beweifeln wir, dass alle Formulierungen den wortwörtlichen Aussagen Calmy-Reys und Blochers entsprechen. Wir finden, dass bei allen Bereichen Differenzierungen notwendig wären: Beispielsweise:

Auch bei der EU Frage gibt es nicht nur ein "Entweder- Oder". Vielleicht findet die Schweiz einen gangbaren Weg ohne Vollmitglied zu sein.

Auch bei der Neutralität kommt es darauf an, wie wir uns einbringen oder uns raushalten.

Beim Sozialstaat wäre ein völliger Ausgleich zwischen Arm und Reich so illusorisch, wie die frühere kommunistische utopische Vorstellung, dass letztlich auf der Welt alle gleich viel besitzen. Es darf nicht so sein, dass diejenigen, die arbeiten, dafür bestraft werden und keinen Anreiz haben, mehr zu leisten als nur das Minimum.

Bei den Steuern haben wir Probleme bei der Position: Wir übergeben dem Staat Aufgaben und erheben dann die entsprechenden Steuern. Wir dürfen auch die Ansicht vertreten, dass wir die Ausgaben den Einnahmen anpassen müssen. Jede Familie muss sich an ihr Budget halten und kann nicht ständig neue Wünsche erfüllen, indem Schulden gemacht werden. So wie die SP von "sich zu Tode sparen" spricht, könnte auch von "sich zu Tode verschulden" die Rede sein.

Ausländer sind nicht nur eine Bereicherung. In jedem Land kann eine Ueberfremdung zusätzliche Probleme bringen. Auswüchse, Missbräuche gilt es zu bekämpfen.

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Leiden Sie an einer Webpsychose?

Quelle: Die "Psychosen" sind dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist" entnommen

Sind Sie ein Wikipediholiker?

Dann verfassen Sie zwangsläufig Wikipedia-Artikel, korrigieren oder ergänzen die Beiträge.

Sind Sie ein Cyberchonder?

Dann machen Sie derart extensive Online-Recherchen, dass Ihre Kopfschmerzen oder Ausschläge eindeutige Hinweise sind auf Krebs.

Sind Sie der Crackberry-Sucht verfallen?

Wenn Sie als Manager selbst an der Beerdigung Ihres Grossvaters Ihr BlackBarry checken, leiden Sie an der Crackbarry-Sucht.

Leiden Sie an Infographie?

Wer ohne bestimmtes Ziel haufenweise Informationen zusammenträgt, ist der Infographie verfallen.

Sind Sie ein Google-Stalker?

Das wäre der Fall, wenn Sie laufend Freunden, Kollegen und Bekannten über Google nachschnüffeln.

Sind Sie ein Egosurfer?

Dann würden Sie bei Google ständig nachschauen, was unter Ihrem Namen eingetragen wird.

Sind Sie ein YouTube-Narzist?

Falls Sie Ihre Ferienvideos und Familienfotos ins Netz stellen mit Filmchen, die nicht einmal die eigene Familie interessieren würde.

Kommentar: Wahrscheinlich stellen viele Leser fest, dass sie noch nicht an einer Web-Psychose leiden. Aber dennoch sind wir alle bestimmt bei einzelnen Krankheiten bereits von Viren befallen und müssen darauf bedacht sein, dass es zu keiner Psychose kommt. Weil ich jeden Tag meine Gedanken im Netz niederschreibe und als Internetautor recht viel vor dem Bildschirm sitze, frage ich mich beim Aufsetzen dieses Beitrages, ob dies vielleicht schon der Anfang einer Internetsucht sein könnte. Ich bin zuversichtlich. Denn dies ist ständig überprüfbar:

Falls bei einem Verzicht Entzugserscheinungen auftreten wüden, dann wäre dies ein Alarmsignal. Gottlob ist dies bei mir noch nicht der Fall.

Gesichtsmimik vererbt?

Forscher von der Universität Haifa in Israel behaupten, dass Gesichtsausdrücke teilweise vererbt werden. Mit 21 Personen, die von Geburt aus blind waren, haben sie längere Interviews geführt und dabei genau beobachtet, wie sie Emotionen ausdrücken. Ebenso wurden 30 Angehörige beobachtet. Obschon die Blinden die Gesichter der Verwandten nie gesehen hatten, glich ihre Mimik derjenigen ihrer Familienangehörigen stärker als der Femden.

(Quelle: PNAS, Bd.103.S.15921)

Kommentar:

Was für uns interessant war, ist die Feststellung, dass bei negativen Emotionen - wie Wut oder Trauer - die Aehnlichkeit am stärksten ausgeprägt war. Vermutlich, weil diese besonders komplizierte Muskelbewegungen voraussetzen.

Die Forscher gehen davon aus, dass Gene bei der Verteilung der Gesichtsmuskeln eine Rolle spielen.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Schumis Medienberaterin Sabine Kehm war die wichtigste Frau in der Formel 1.

Was wir von ihr lernen können.

Wer ist die Frau, die (meist mit Sonnenbrille) bei Interviews hinter Schumi stand?

Sabine Kehm, geboren 1964, Diplom-Sportlehrerin, arbeitete als Sportjournalistin bei der "Welt", "sports live" und der "Süddeutschen Zeitung". Für Ihre Arbeit wurde sie mit dem Feuilleton-Preis des deutschen Sportjournalisten- Verbands ausgezeichnet. Sabine Kehm war konstant die Medienberaterin von Michael Schumacher.

Wo er ist, ist sie auch

Die fleissige Blondine ist geichsam der Schatten des Weltstars. Seit sieben Jahren arbeitet sie als Medienberaterin für Michael Schuhmacher – und ist auch eine Freundin der Familie.

In einem Interview im BILD, gab sie folgende Antworten:

Wie ist es, für Schumi zu arbeiten?

Kehm:

„Extrem spannend, weil die ganze Welt an ihm interessiert ist. Daher ist es auch ein Full-Time-Job.“

Durften Sie Schumi schon immer duzen?

„Am Anfang stand natürlich das Sie. Aber das war uns irgendwann zu anstrengend.“

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Nach seinem Horror-Crash 1999 in Silverstone hoffte die damalige Journalistin (u.a. „Süddeutsche“) auf das erste Schumi-Interview. Es kam auch ein Anruf von Manager Weber – aber statt Interview - mit Job-Angebot! Seitdem organisiert Kehm Schumis Medien-Arbeit und hält ihm den Rücken frei.

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Kehm über Schumi:

„Seine Konzentrationsfähigkeit und Entscheidungskraft sind absolut beneidenswert.“

"Der Michael auf der Rennstrecke ist definitiv anders als jener Michael, neben dem du sitzt. Dann ist er völlig normal und sehr nett", wird Kehm von 'Reuters' zitiert.

Auf der Rennstrecke sei Michael Schumacher "extrem fokussiert, extrem konzentriert und völlig auf sein Ziel fixiert". Kehm empfindet es als schade, dass viele Leute "dieses alte Bild von Michael" haben, welches sie 1994 und 1995 aufbauten, es dann aber nie wirklich geändert hätten.

Kehm beschreibt Schumacher als einen "in gewisser Weise ruhigen Kerl", der nicht laut spricht, es liebt, Backgammon zu spielen und ganz gern Zeit mit seinen Freunden verbringt:

"Er hat seine Familie immer aus dem Rampenlicht rausgehalten, in gewisser Weise als Schutz für sie und auch als Schutz für sich selbst. Ständig mit den Medien kämpfen zu müssen, kostet Kraft. Und aus diesem Grund hat er sich den Druck weggenommen. Er wollte dem Rennsport 100 Prozent geben."

Die enge Vertraute des siebenmaligen Weltmeisters ist fest davon überzeugt, dass Schumacher auch in Zukunft auf der Rennstrecke anzutreffen sein wird, schliesslich sei dies sein Leben:

"Aber ich denke, dass er dies in einer anderen Umgebung tun wird, ohne die Medien und einfach nur zum Spass. So wie ich das weiss und verstehe, würde ich sagen, dass wir ihn im kommenden Jahr nicht viel sehen werden."

Kehm ist meist mit einem Tonbandgerät bewaffnet

Wir können von Schumis Medienberaterin etwas lernen:

Wer mit Medien umgeht, müsste stets wissen, was vor Mikrofon und Kamera gesagt oder nicht gesagt wurde. Sabine Kehm hatte bei Interviews meist ein Aufnahmegerät bei sich, damit sie später anderen Medien die analogen Aussagen weitergeben konnte. Wer Aussagen nicht speichert, läuft Gefahr, sich zu widersprechen oder Botschaften zu verändern. Sabine Kehm wusste als Profifrau: Tonbandaufnahmen sind nicht in erster Linie zur Dokumentation von Interviews da (Kontrolle der Medien). Weil niemand Dutzende von Aussagen genau speichern und später wortwörtlich wiedergeben kann und sie Schumis Gedanken oft Journalisten nachträglich weitergeben musst, zeichnete sie die Gespräche auf. Dank dieser Aufzeichnungen kam es hernach kaum zu Pannen.

Die Medienberaterin blieb übrigens stets im Hintergrund und riet ihrem "Chef", auf Homstorys zu verzichten. Wir sind überzeugt, dass es Sabine Kehm zu verdanken ist, dass sich Schumi voll und ganz auf die Rennen konzentrieren konnte und keine unnötige Energie für unkoordinierte Mediengeschichten, Berichtigungen oder Klagen aufwenden musste. Ferner veranschaulicht uns Sabine Kehm, wie wichtig professionelle Medienberatung ist. Medienberatung heisst auch: Bescheiden im Hintergrund arbeiten ohne sich nicht selbst ins Rampenlicht zu stellen!

Dienstag, 26. Dezember 2006

Sind nur jene Politiker interessant, die Medienpräsenz haben?

Eine repräsentative TNS Emnid Umfage vom 6. November 06 hat erstaunlicherweise gezeigt, dass von den 14 Ministern der deutschen Regierung nur die wenigsten bei der Bevölkerung ankommen, respektive bekannt sind. Gemäss dieser Untersuchung ist die Gesundheitsministerin Ulla Schmidt das bekannteste Kabinettsmitglied. Dann folgt Familienministerin Ursula von der Leyen. Nur jeder dritte Deutsche weiss hingegen, dass Franz Josef Jung das Verteidigungsressort leitet. Die These, dass vor allem jene Persönlichkeiten, die sich den Medien stellen, für die Bevölkerung interessanter sind, trifft damit wahrscheinlich zu. In Abänderung des Ausspruches von Kurt Felix - "Früher wollten die Menschen in den Himmel, heute wollen sie ins Fernsehen" - könnte man sagen: Erst wenn jemand in den Medien kommt, ist er jemand. Ulla Schmidt bestätigt, dass der Bekanntheitsgrad nichts mit der Beliebtheit zu tun hat. Die Gesundheitsministerin hat derzeit überaus viele Medienauftritte, vor allem jüngst im Zusammenhang mit der umstrittenen Gesundheitsreform. Sie steht dabei sogar mitten im Schussfeld der Kritik. Bislang gelang es ihr stets, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Auch Famlilienministerin Ursula van der Leyen brilliert medienrheotrisch bei ihren zahlreichen Auftritten - auch an Talk Shows. Doch polarisiert die Politikerin, die sieben Kinder hat (Sie und ihr Mann sind 100% berufstätig) Ursula van der Leyen vertritt dabei dennoch die These: Die Kinder haben ein Anrecht auf Ihre Eltern. Die Politikerin wird von vielen entweder bewundert oder abgelehnt. Durch das Polarisieren schaffte sie sich immerhin einen hohen Bekanntheitsgrad. Ohne die zahlreichen Medienauftritte hätte sie dies nie geschafft.

Die These, dass Medienauftritte Politiker interessant machen, bestätigen auch jene Minister, die kaum bekannt sind, sich aber medienmässig (bewusst oder unbewusst?) zurückhalten. Da sind zu nennen:

Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (nur 7% der Bevölkerung wissen, was sie überhaupt macht), Justizministerin Brigitte Zypries (die sich als Justizministerin sehr wahrscheinlich vernünftigerweise hinsichtlich der Medienauftritte bewusst zurückhält) oder Landwirtschaftsminister Horst Seehofer, der sich nach unserem Dafürhalten viel zu wenig auf Bauernhöfen zeigt. Der Oeffentlichkeit müssten sich unbedingt Bildungsministerin Anette Schavan und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee vermehrt den Medien öffnen.

Und in der Schweiz?

Obwohl uns keine vergleichbare Studie bekannt ist, zeichnet sich ab, dass jene Persönlichkeiten, die regelmässig am Bildschim, im Radio oder in den Printmedien präsent sind, auch im Volk besser verankert sind. Dies zahlt sich bei Abstimmungen aus. Wer es schafft, in der Arena oder im Vorfeld zu Abstimmungen, in den Medien eine Plattform zu erhalten , hat bei Wahlen bestimmt immer einen Vorteil. Die Liste der Politiker, welche im Schaufenster der Oeffentlichkeit zu sehen oder zu hören sind, kennen wir bestens: Dazu zählen die Parteipräsidenten und die Bundesräte. Wahrscheinlich spielt auch in der Schweiz das gleiche Phänomen wie in Deutschland: Der Bekanntheitgrad hat nichts mit dem Beliebtheitsgrad zu tun. Wahrscheinlich würden hinsichtliche Bekanntheitsgrad folgende Namen spontan genannt:

Bundesrat Christoph Blocher

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey

SP Parteipräsident Hans-Jörg Fehr

SVP Präsident Ueli Murer

Hinsichtlich Medienpräsenz nehmen diese Personen Spitzenplätze ein. Aus unserer Sicht wird es dann problematisch, wenn Politiker glauben, sich mit "Homestorys" zusätzlich Punkte zu holen. Wir würden jedenfalls allen Prominenten raten, beim Oeffnen der Privatsphäre äusserst vorsichtig zu sein. Nicht nur Thomas Borer musste die bittere Erfahrung machen, dass sich das Preisgeben der Privatsphäre (Shawne Fielding war früher darauf spezialisiert) in Notsituationen rächen kann. Gewiss gibt es auch in der Schweiz hervorragende Politikerinen und Politiker, die es wahrscheinlich nie gelernt haben, mit den Medien umzugehen. So finden wir es schade, dass Persönlichkeiten, wie

Gabi Huber

Andreas Zeller

Schweizer Urs

in den Medien ein unbeschriebenes Blatt sind.

Die Balance finden

Nach meinem Dafürhalten, gilt es - im Umgang mit Medien - stets die Balance zu finden, zwischen Mediengeilheit und Medienabstinenz .

--> Wenn Politiker den Medien alle Tore öffnen (Philosophie von Thomas Borer)

--> oder wenn das oberste Ziel ist, nicht in die Medien zu kommen ( Philosophie von Markus Rauh, der daran gescheiter ist),

so ist beides falsch. Es gilt vielmehr die Balance zu finden zwischen Zurückhaltung und aktivem, offensivem Informieren.

Fazit: Es lohnt sich, so wie Lesen und Schreiben in der Schule, auch die medienrhetorischen Grundsätze in einem Simulator zu erwerben. Das Lesen von Büchern und der Beobachten der Kollegen bei Auftritten ist zwar recht und gut.

Doch kann der Umgang mit Mikrofon und Kamera letztlich nur prozessorientiert erworben werden.

K+K hilft Ihnen gerne weiter.

Montag, 25. Dezember 2006

Roger Blum stv. Ombudsmann bringt es auf den Punkt (Quelle: LINK Ausgabe 9/2006):

Informationen bringen und Informationen holen

Informationen dürfen den Medien nicht verweigert werden, nur weil befürchtet wird, diese würden die Aussagen verdrehen.

Aber auch die Medien müssen sich aktiv um eine Stellungsnahme von Angeschuldigten bemühen - besonders bei hartnäckigen Fällen.

Ausgehend von einer Beschwerde der Cisalpino AG gegen einen 10 vor 10 Beitrag (Die Panne in einem Kehrtunnel wurde in der Sendung mit früheren Zwischenfällen verglichen), fühlte sich die Cisalpino AG angegriffen und klagte bei der Ombudsstelle.

Die Beschwerde wurde abgewiesen. Ein Satz liess die Beschwerdestelle aufhorchen, der betonte, dass

"10 vor10" in der Sendung darauf hingewiesen habe, dass weder bei Cisalpino AG noch die SBB vor der Kamera zum Vorfall Stellung nehmen wollten. Auch die Bahnunfall-Untersuchungsstelle des Bundes hätte vom Vorfall nichts gewusst.

Die Beschwerdeführerin leitete daraus ab:

" Mit etwas journalistischer Sorgfalt hätte entdeckt werden müssen, dass wenn drei Stellen (SBB, Cisalpino, BVA) zum Vorfall keine Stellung beziehen wollen, dies wohl kaum aus dem Grund geschah, dass etwas vertuscht werden wollte, sondern dass man es als zwecklos ansah, gegen vorgefasste Meinungen von Reportern anzugehen."

Nach Blum steckt hinter dieser Aussage eine Grundhaltung, die mit Willkür zu tun habe:

Ich informiere nur, wenn mir die Journalisten passen!

Kommentar:

Wir teilen die Auffassung Blums, dass Behörden, Aemter, Firmen, oeffentliche Betriebe, Parteien, Interessengruppen, Instituationen oder Organisationen von sich aus informieren sollen, wenn es sich um Themen von öffentlicher Relevanz handelt. Der Bringschuld kann man sich nicht entziehen, weil vermutet werden kann, die Medien würden negativ berichten. Die Medien haben bei uns die Freiheit, auch negativ über jemanden zu berichten. Nur in totalitären Systemen gibt es dank Zensur ausschliesslich wohlwollende Berichte. Die Cicalpino AG vernachlässigte ihr Botschaften- und Kommunikationsmanagement. Wenn gewisse Untersuchungen hängig sind, so darf dies den Medien gesagt werden und man müsste immer auch begründen können, warum noch nichts gesagt werden kann. Wir stellen fest: Bei den Kommunikationsverantwortlichen der Cisalpino AG ist eine Nachlese fällig.

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Roger Blum verweist aber auch auf die Pflicht der Medien, bei heiklen Vorfällen (er erwähnt die tödlich verlaufene Herzoperation) auf die Anhörung der betroffenen Personen grösste Sorgfalt zu verwenden und schreibt:

"Journalistinnen und Journalisten dürfen nicht leichthin annehmen, ein vorerst unwilliger Gesprächspartner verzichte auf die Anhörung zu detaillierten schwerer Vorwürfe. Je direkter die zur Publikation vorgesehenen Vorwürfe jemanden persönlich angreifen, desto nachhaltiger muss der Journalist sich um eine Aeusserung des Betroffenen bemühen."

Kommentar:

Den Rat Blums "Bei Verweigerung einer Stellungnahme empfiehlt es sich, die Vorwürfe ergänzend schriftlich (z.B. per E-Mail und/oder Telefax) zu unterbreiten", können wir nur unterstreichen und doppeln bei der Bringschuld der Akteure nach:

Es lohnt sich nie zu mauern!

Aber auch auf die Holschuld der Journalisten hatte Blum zu Recht hingewiesen. Es darf nie sein, dass nach der Devise gearbeitet wird: "Gott sei Dank haben wir niemanden erreicht. Jetzt können wir aus vollen Rohren schiessen."

FAZIT: Es gibt kein Informationsverweigerungsrecht (Akteure haben eine Bringschuld). Je gravierender ein Fall ist, müssen sich die Medien um eine Stellungnahme der Angeschuldigten bemühen (Medien haben eine Holschuld).

Sonntag, 24. Dezember 2006

Problem mit Frauen im Bundesrat?

Die NZZ am Sonntag vom 24.12.06 ging in einem aufschlussreichen Bericht der Frage nach, ob Frauen im Bundesrat eigentlich in einen Rollen-Clinch geraten.

Der Beitrag berief sich auf das historisch miserable Wahlergebnis der neuen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, dann ging er auf das fehlende Netzwerk der ersten Bundesrätin (Elisabeth Kopp) ein, die in Bedroulle geriet, nachdem sie Ihren übermächtigen Mann über brisantes Insiderwissen vororientiert hatte und freiwillig zurücktrat. Ferner auf die abgewählte Ruth Metzler, welche sich zu wenig um die politischen Spielregeln gekümmert hatte. Nur Ruth Dreifuss wurde im Aufsatz von Larissa Bieler als "die Normale" (Bundesrätin) hingestellt, die sogar selbst von sich gesagt hatte, sie sehe "bieder" aus. Das schlechte Abschneiden der künftigen Bundesrätin wird - ähnlich wie bei unserern Analysen - nicht nur den paradoxen Verhaltensweisen ( wie das Dauerlächeln Calmy-Reys , auch bei ernsten Themen) als wolle sie sich entschuldigen und zeigen wolle, wie gut sie ist. Micheline Calmy-Re sagte sogar selbst:

"Es ist ein Makel von mir, dass ich stets ein Lächeln aufsetze, als müsste ich mich entschuldigen für das, was ich zu sagen habe." > Experten, wie Bundesrats-Historiker Urs Altermann führt das schlechte Abschneiden Calmy -Reys nicht auf die Rolle als Frau zurück, sondern auf ihre Aussenpolitik.

Als Frau macht sie eine direktere Aussenpolitik. Die gradlinige, direkte Politik , wie sich von Frauen vertreten wird, entspreche nicht dem eingefahrenen, oft ritualisierten Politstil unter der Bundeshauskuppel, findet Anita Fetz.

Angeblich werden mächtige Frauen mit Liebesentzug bestraft und abgewertet - auch von Frauen!

Dies zeigte sich beispielsweise in Calmy-Reys Spitznamen "Cruella", der mitunter auf ihre blonden Haarsträhnen anspielt, die sie mit der Bösewichtin im Disney Film "101 Dalmatiner" teilt.

Die Aussenministerin selbst findet, dass die Abwertung der Frauen gezielt eingesetzt werde, um die gesamte weibliche Bevölkerung einzuschüchtern und sie daran zu erinnern, das sie ihren wahren Platz zu Hause haben.

Sehr wahrscheinlich gibt es tatsächlich einen Unterschied zwischen dem Politstil von Männern und von Frauen. Wenn wir die letzten Bundesrätinnen betrachten, so fällt auf:

- "Frauen greifen Themen auf, die ihnen dringlich erscheinen, ohne zu überlegen, wem sie dabei auf dei Füsse treten."(Aussage von Elisabeth Kopp)

- So brachte Ruth Metzler die Entkriminalisierung der Abtreibung gegen den Willen ihrer Partei aufs Tapet. Unbekümmert griff sie heisse Eisen an, wie die Verschärfung des Waffengesetzes (zum Aerger der konservativen Kräfte). - Auch bei der neuen Bundesrätin, bei Doris Leuthard zeichnet sich ab, dass sie gegen die CVP Männer vergeblich versuchte, in der Landwirtschaft die Marktöffnung durchzusetzen. Sie wurde dann auch von den eigenen Leuten vorgeführt und offen angegriffen.

Vergleichen wir diese angebliche typische Frauen-Haltung mit dem Verhalten der Männer im Bundesrat, so stellen wir fest: Nachdem Bunderat Blocher zwei Albaner zu Unrecht als Kriminelle bezeichnet hatte, und sich später seine Beschönigung als Lüge entpuppt hatte, trat er nicht zurück. Blocher trat nicht zurück. Männer sitzen Krisen aus. Männer nutzen vor allem ihr Netzwerk.

Jüngstes Beispiel vom 24. 12.06.: Bundesrat Leuenberger kann es sich leisten, gegen die SP zu reden. Vor Weihnachten erlaubte er sich - entgegen der SP Meinung - eine Erhöhung des AHV Alters ins Auge zu fassen (im Interesse einer Gesamtlösung) und den Bau neuer Kernkraftwerke als Option beizubehalten (im Interesse des CO2 Problems). Auch Bundesrat Schmid, aber auch Bundesrat Blocher hatten nie Berührungsängste mit der eigenen Partei, wenn sie als Bundesräte gegen die eigene Partei politisiert hatten. Im Gegensatz zu den Frauen, folgten daraus nie grosse Gegenreaktionen.

Nach unserem Dafürhalten, wären deshalb die Frauen gut beraten, wenn sie weiterhin gradlinig und unbeirrt ihre Ziele anpeilen. Doch geht es nicht ohne Diplomatie und gewisse Rücksichtnahme. Langfristig werden sie als Frauen auch wieder Rückschläge erleiden, wenn nicht gelernt wird - so wie die Männer - die eigenen Netzwerke aufzubauen. Netzwerke sind hilfreiche Auffangeinrichtungen, die nicht nur für Akrobaten im Zirkus das Leben, sondern auch für Bundesrätinnen die politische Karriere retten können.

Freitag, 22. Dezember 2006

Wicca-Gebote und Kommunikationsregeln - ein nicht ernst zu nehmender Vergleich!

Vom 21. auf den 22. Dezember ist die kürzeste Nacht. Es soll auch die Nacht der Hexen gewesen sein. Auf einer Online Hexenseite fand ich heute folgende Regeln:

Die 13 Gebote der Wicca

(Aus dem Buch "Wicca" von Scott Cunningham)

1. Kenne Dich selber

2. Kenne Deine Kraft

3. Lerne

4. Wende Dein Wissen an

5. Erreiche Ausgeglichenheit

6. Überlege Deine Worte gut

7. Denke positiv

8. Geniesse das Leben

9. Stimme mit dem Zyklus der Erde überein

10. Atme und esse richtig

11. Trainiere Deinen Körper und halte ihn gesund

12. Meditiere

13. Ehre die Göttin und den Gott

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Wenn wir diese Regeln mit den Zielen des Kommunikationscoachings vergleichen, staunen wir nicht schlecht: Die meisten Regeln gelten auch bei der Alltagsrhetorik. Nur die wenigsten Thesen müssten ausgeklammert werden. Fürs Coaching können die Regeln so lauten:

1. Beim Kommunikationscoaching geht darum, die eigene Person kennen zu lernen (Dank kompetentem Videofeedback kommt es zwangsläufig zu einer angewandten "Selbst- erfahrung")

2. Wir werden unsere Stärken erkennen lernen und diese bewusst stärken (Lernen am Erfolg)

3. Es gilt, die erlebten Erkenntnisse umzusetzen (zu lernen)

4. Das Gelernte müssen wir im Alltag (in der Praxis) nachher auch anwenden können (Transferkontrolle)

5. Wir müssen die Balance finden zwischen den verschiedensten Gegensätzen und Spannungsfeldern

6. Vor dem Reden müssen wir immer unsere Gedanken, jedes Wort sorgfältig bedenken

7. Eine positive Einstellung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche Kommunikationsprozesse

Regel 8 müsste neu formuliert werden. Das Geniessen steht bei uns nicht im Vordergrund, dafür die FREUDE am Tun.

Regel 9 kann bei der Alltagskommunikation gestrichen werden

10. Die Atmung hat einen hohen Stellenwert beim Reden, auch als Entspannungstechnik. Der Hinweis für richtiges Essen ist jedoch bei der Rhetorik keiner gesonderten Regel wert

11. Wie das Essen, so trägt selbstverständlich auch die körperliche Fitness, die regelmässige Bewegung, viel zum allgemeinen Wohlbefinden bei

12. Das Innehalten, Selbstgespräche, Pausen usw. sind bei Kommunikationprozessen wichtig und hilfreich

Die Regel 13 hat nichts mit der Alltagsrhetorik zu tun. Ich würde Regel 13 neu umschreiben:

Bei allen Kommunikationsprozessen müssen wir das Gegenüber (den Adressaten) wertschätzen

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Wir sehen:

Kommunikationstraining hat gewiss nichts mit Hexerei zu tun. Anderseits zeigt sich bei den modernen Wiccas, dass sie sich im Grund genommen nur noch auf allgemeine Lebensweisheiten abstützen. Das Gedankenspiel mit dem Vergleich "Wiccas versus Kommunikationscoaching" veranschaulicht zudem:

Verständliches, überzeugendes kommunizieren ist bestimmt keine Hexerei, vorausgesetzt, gewisse einfache Kommunikationsregeln werden beachtet.

Donnerstag, 21. Dezember 2006

Klapperdürren Models den Kampf angesagt

Nach den zwei Todesfällen von magersüchtigen Models haben sich nun nach Brasilien und Spanien auch die Mailänder Modemacher verpflichtet, bei den künftigen Defilees wieder "vollschlanke Models von Mediterraner Schönheit" einzusetzen.

Obschon Karl Lagerfeld - mit der wahrscheinlich zu dunklen Brille - noch nie ein magersüchtiges Mädel gesehen haben will, fanden wir in den Medien folgende rhetorische Wortschöpfungen nach den jüngsten Auswüchsen auf den Laufstegen:

- Die Mädchen haben den Knochenjob zu wörtlich genommen

- Unter den Kleidern kann man jede Rippe zählen

- Die Schenkel ähneln abgenagten Knochen

- Das Schlüsselbein tritt unnatürlich hervor

- Die Superdünnen sind nicht dünn genug: Beine werden digital verlängert

- Magermodelle sind Skelettfiguren, Hungerhaken

- Die ausgemergelten Models mit den typischen Totenkopfgesichtern...

Wir sind überzeugt:

Die Debatte um die Grenze zwischen Schlankheit und Krankheit war wichtig und notwendig.

Mode hatte noch nie etwas mit Vernunft zu tun gehabt. Denken wir nur an die Wespentaillen in Korsetts oder den Twiggytrend, das britische Supermodels in den Sechzigerjahren zu Kindfrauen machte, mit knochigen Hüften und riesigen Augen.

NACHTRAG 14.2.07

Nachtrag 14.2.07 18-jähriges Model verhungert

Wieder ist ein Model an den Folgen von Magersucht gestorben: Die erst 18-jährige Eliana Ramos aus Uruguay hungerte sich zu Tode. Es ist die Schwester des im letzten Herbst verhungerten Fotomodells.

Bereits Eliana Ramos Schwester, die ebenfalls Model war, verstarb letzten August im Alter von 22 Jahren, nachdem sie an einer Modeschau zusammengebrochen war. Die Todesursache: Ein Herzinfarkt infolge Mangelernährung.

Nur sechs Monate nachher starb nun auch Eliana Ramos.

Dramatische Worte von Hartmann

Quelle: Tagesanzeiger online von heute)

Matthias Hartmann, Intendant des Zürcher Schauspielhauses, hat Gewerkschaftsmitglieder laut einem Medienbericht in einem Interview als «richtig fette Arschlöcher» bezeichnet. Der 43-jährige Schauspielhaus-Intendant Hartmann sagte in einem Radio-Interview mit dem Sender Radio 24:

«Die Menschen, die meine angebliche Gage um das Doppelte übertrieben haben und auf Flugblättern in der Stadt verteilt haben, die meinen Namen mit Totenkreuzen beschmiert haben und damit mit Bannern durch die Stadt gelaufen sind, mit todernsten Gesichtern, diesen Menschen nehmen ich das herzlich übel. Und ich finde: Es sind richtige fette Arschlöcher!»

Roman Burger von der Gewerkschaft Unia erklärte dazu auf Anfrage, er nehme diese Bemerkung zur Kenntnis. Es passe ins Bild, das Hartmann während des Konflikts abgegeben habe. Er wolle aber nicht gegen den Intendanten vorgehen. Elmar Ledergerber, Stadtpräsident und Verwaltungsrat des Schauspielhauses, kommentierte die Bemerkung nicht.

Kommentar:

Der verbale Ausrutscher ist für Burger kontraproduktiv - selbst dann, wenn er recht gehabt hätte. Denkaufgabe: Wie hätten Sie an Burgers Stelle geantwortet? Wir gehen davon aus, dass Sie das antizyklische Verhalten kennen. Falls nicht: Sie finden die Methode unter "Antizyklisches Verhalten" ---> www.rhetorik.ch (Navigation über das Inhaltsverzeichnis).

Dienstag, 19. Dezember 2006

Schulpsychologen verdoppelt!

Zwei Wochen nach der anonymen Drohung mit einem Amoklauf an einer Schule zog die baden-württembergische Landesregierung Konsequenzen. Die Zahl der Schulpsychologen soll von gegenwärtig 54 auf 104 nahezu verdoppelt werden!

Der Entscheid fiel nach der Androhung eines Blutbades

Ein Unbekannter hatte für den 6. Dezember im Internet ein Blutbad an einer Schule angekündigt. Daraufhin wurden die Schulen vom Kultusministerium gewarnt und auch die Öffentlichkeit informiert. Die Polizei reagierte mit einem massiven landesweiten Einsatz und sichtbarer Präsenz in und vor den Schulen. Es kam zu keinem Anschlag. Dafür gab es zahlreiche Trittbrettfahrer die Amoktaten ankündigten. 19 der insgesamt 28 Trittbrettfahrer wurden ermittelt und drei bereits verurteilt.

Kommentar:

Eine Vertreterin des Elternbeirates schätzte die rechtzeitige Information der Eltern. Sie gab aber zu Bedenken, dass viele Eltern arbeiten und damit die Schule verpflichtet sei zusätzliche Helfer - gleichsam als "Elternersatz" - einzustellen. Die Aufstockung der Schulpsychologen werde begrüsst.

Die Stellungnahme der Elternvertreterin ist verständlich. Die Stellungnahme macht uns aber bewusst, dass etwas nicht mehr stimmen kann. Eltern wünschen Kinder, möchten aber nachher die Erziehung immer mehr delegieren. Denn Fakt sei: Es gebe kaum noch echte Familien. Beide Eltern hätten heute das Anrecht ausser Haus zu arbeiten. Damit muss der Staat die Erziehungsaufgabe übernehmen d.h. auch dafür aufkommen. Wir fragen uns: Ist er richtig, dass die Erziehungsarbeit in Schulen den Lehrkräften delegiert wird und die Behörden bei Problemen die Klassenlehrer mit Schulpsychologen, Sozialarbeitern, Mentoren und externen Beratern unterstützen müssen? Soll die Schule letztlich zum Abfalleimer aller unbewältigten Erziehungsprobleme der "Familien" werden. Von "Familien", die es kaum noch gibt

An Stelle des obligaten Unterrichtes, würde es uns nicht wundern, wenn die Lehrkräfte in vielen anderen Bereichen demnächst auch noch weiter gestützt und entlastet werden müssten:

Fettleibigkeit --> Trainer, die jeden Tag die Kinder bewegen

Falsche Ernährung--> Ernährungsberater

Zu Hause kann nicht verpflegt werden---> Kantinen

Drogen --> Suchtberater

Gewalt auf dem Pausenhof--> Mediatoren und Konfliktlösungsspezialisten

Brutalo -, Internet - und Pornokonsum --> Medienpädagogen

Sinnloses Freizeitverhalten--> Animatoren, Aufgabenhelfer, Sozialabeiter, Betreuer

Orientierungslosigkeit--> Psychologen, Leitbahnberater

Aidsfragen, Sexualverhalten--> Ausgebildete Sexualberater

usw.

Ueberlegenswert: Mit welcher Massnahme, könnte diesem Trend des Delegierens begegnet werden?

Sorgentelefon als Blitzableiter für Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen bundesweit einheitlichen Notruf einführen, der bei Aerger mit Behörden und Aemtern weiterhelfen kann. Experten sollen über die Nr. 115 besorgte Bürger beraten.

Kommentar:

Die Idee mit dem Sorgentelefon ist lobenswert. Es lohnt sich bestimmt, die Nöte und Wünsche der Bevölkerung ernst zu nehmen. Doch fragen wir uns, welchen Einfluss die besorgten Bürger auf die Politiker haben. Das Sorgentelefon dürfte nicht zum billigen Blitzableiter werden, um gleichsam mit einer Alibiübung - ohne zusätzlichen Aerger, ohne etwas zu ändern - im alten Tramp unbeirrt weiterzufahren.

Dank Blickkampagne Strafmilderung?

Am zweiten Tag des Zürcher Pitbull-Prozesses um die Tötung des sechsjährigen Süleymans durch drei Kampfhunde am 1. Dezember 2005 in Oberglatt hat Staatsanwältin Susanne Steinhauser scharfe Kritik an Boulevardmedien geübt. Diese hätten den Hauptangeklagten vorverurteilt, so dass über ihn nicht die Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis unbedingt verhängt werden könne, sagte sie heute Morgen in ihrem Plädoyer. Ihre Begründung: Nationales und internationales Recht schreibe eine Strafminderung im Falle von öffentlicher Vorverurteilung vor.

Kommentar:

Falls diese Begründung akzeptiert würde, könnte ein Straftäter dankbar sein für jede Medienkampagne.

Es ist uns in diesem Fall unklar, wann genau von einer Vorverurteilung gesprochen werden kann. Das ist nicht nur für die Oeffentlichkeit erläuterungswürdig.

Nachtrag vom 20. 12.06:

Es kam im Urteil tatsächlich dank dem "Medienrabatt" zu einer Strafmilderung. Aufschlussreich wäre damit eine Beurteilung des Falles vor dem Bundesgericht, denn bis jetzt wurde die Vorverurteilung als Strafmilderungsgrund nur dann berücksichtigt, wenn das Gericht bei der Urteilsfindung von den Medien stark unter Druck gesetzt worden war. Auch Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch zeigt beim "Medien-Rabatt" kein Verständnis. Er findet: "Eine überraschende Begründung, die eher dem Verteidiger zustehen würde."

Nachtrag vom 23. 12. 06 (Quelle: 20 Minuten)

Gerichtspräsident: Strafmass ohne «Medienrabatt» Gerichtspräsident Harry Kalt erläuterte am Freitag das Strafmass von zweieinhalb Jahren Gefängnis. Es sei zwar unüblich, dass bei einem fahrlässig begangenen Delikt in einzelnen Medien der Haupttäter mit Bild und vollem Namen genannt werde. Im vorliegenden Fall aber sei dies kein Grund, das Strafmass zu reduzieren, sagte Kalt. Dass das Gericht sechs Monate unter dem vom Gesetz vorgesehenen Maximum von drei Jahren blieb, begründete Kalt mit dem Geständnis und der Heim-Jugend des Angeklagten (siehe Artikel: «Harte Jugend, milde Strafe»). Mit dem «vergleichsweise hohen Strafmass» wollte das Gericht «ein Zeichen setzen»: Wer so gefährliche Tiere halte, müsse dafür einstehen, wenn er die Sorgfaltspflicht nicht erfülle.

Montag, 18. Dezember 2006

Entdecke den Sinn eines Slogans

«Schweiz. Entdecke das Plus»: Mit diesem Slogan soll sich die Schweiz an der Fussball-EM im 2008 präsentieren. Werber halten diesen Leitspruch für «nichtssagend» und Frank Baumann sogar «bireweich».

«Die Schweiz sei wunderschön, traditionell global und auch perfekt», erklärte gestern der Direktor des Bundesamtes für Sport. Der Slogan passe deshalb zur Schweiz. Das Plus basiert auf einen scherzhaften Vergleich zum Schweizerkreuz. Denn die Schweiz sei «das einzige Land das ein Plus im Logo hat», ergänzte der Direktor für Schweiz Tourismus, Jürg Schmid. . Werbeprofis finden jedoch den präsentierten Leitspruch völlig daneben.

Weshalb die vernichtende Kritik der Schweizer Werbeprofis? Sie fragen sich: «Was hat das mit Fussball zu tun?" Mit einem solchen Slogan könnte man genauso gut für eine Automarke oder eein Waschmittel werben. «Der Slogan ist nichtssagend», findet auch Walter Minder von der Goal AG für Werbung.

TV-Moderator und Werber Frank Baumann geht noch weiter: «Dieser Slogan ist ‹bireweich›, hilflos und tragisch. Ich hoffe sehr, dass das Schweizer Team an der Europameisterschaft besser Fussball spielt als ihre Funktionäre texten.» (Zitat aus 20 Min)

Das Logo ist ein aus fünf Containern zusammengebautes Pluszeichen in Rot und Weiss. Dieses ist begehbar und bietet Raum für Informationsmaterial. Erstmals zu sehen sind die Container während den Auslosungen im Dezember 2007.

Kommentar:

Für mich müsste ein Bild mit dem Slogan und dem Produkt übereinstimmen. In diesem Fall fehlt tatsächlich der Bezug zum Fussball. Wir zweifeln daran, dass der vorgestellte Spruch noch verbessert wird. Ein Test bei Versuchspersonen bestätigte uns, dass beim Anhören des Leitspruches, keine einzige Person die Aussage auf die Fussballspiele in der Schweiz bezogen hatte.

Sonntag, 17. Dezember 2006

Gewalt aus Langeweile

Die Kantonspolizei Aargau hat elf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ermittelt. In verschiedener Zusammensetzung hatten diese wahllos junge Passanten angepöbelt und verprügelt. Alle Opfer erlitten Verletzungen.

Zwischen März und Juli 2006 war es im Raum Brugg immer wieder zu ähnlichen Vorfällen gekommen, bei denen unbekannte Jugendliche in Gruppen andere Personen angepöbelt und danach verprügelt hatten.

Mit Holzlatten auf Passanten

In unterschiedlicher Besetzung gingen diese willkürlich auf Passanten zu und fragten diese etwa nach Zigaretten oder Marihuana. Ungeachtet derer Reaktion versetzten sie den Opfern Schläge und Fusstritte. Bei einem Vorfall am Bahnhof Brugg verfolgten die Jugendlichen zu sechst drei Gleichaltrige und verprügelten diese anschliessend mit einem Armierungseisen und Holzlatten. In einem anderen Fall drückte einer der Beschuldigten dem Opfer eine brennende Zigarette an den Hals.

Die Opfer im Alter zwischen 15 und 21 Jahren erlitten mehrheitlich Schürfungen und Prellungen. Ein junger Mann verlor durch einen Faustschlag einen Schneidezahn.

Motiv: Langeweile

Acht der mutmasslichen Täter stammen aus Serbien-Montenegro. Bei den drei übrigen handelt es sich um gebürtige Schweizer. Alle wohnen im Bezirk Brugg. Die Jugendanwaltschaft nahm acht von ihnen vorübergehend in Untersuchungshaft. Inzwischen sind alle wieder auf freiem Fuss. Gegenüber der Polizei gaben die Hip-Hopper an, ihre Opfer aus Langeweile verprügelt zu haben. Quelle: 20 Minuten

Kommentar: Psychologen und Sozialarbeiter tendieren immer wieder dazu, die Jugendgewalt damit zu erklären, dass Jugendliche gewalttätig würden, weil sie überfordert werden und mit Gewalt vom Frust befreien müssen. Grund ist für sie in erster Linie die Gesellschaft, die autoritäre Erziehung usw. Es wird verkannt, dass sich Jugendliche auch aus Langeweile oder Unterforderung den "Kick" holen. Wäre es nicht auch denkbar, dass Kinder nicht mehr gelernt haben, sich sinnvoll zu beschäftigen? Sinnvolles Tun ist die beste Beschäftigungstherapie. Verwöhnung und Orientierungslosigkeit sind schlechte Lehrmeister. ____________________________________________________________________

Aus Frust einen Obdachlosen getötet

Ein 19-jähriger ist in Ostdeutschland wegen Tötung eines 51-jährigen Obdachlosen zu einer Jugendstrafe von neun Jahren verurteilt worden. Zu seiner Tat wurde er

von einem Videospiel inspiriert.

Der Beschuldigte gab als Tatmotiv an:

Frust nach Niederlagen in einem Videospiel

Kommentar:

Der Vorfall zeigt einmal mehr: Jugendliche müssten im Elternhaus und in der Schule lernen, Stress, Frust, Verzicht und Niederlagen konstruktiv zu beantworten.

Samstag, 16. Dezember 2006

Joschka Fischer gibt sich schnoddrig

Im Zusammenhang mit dem Entführungsfall Khaledel Masri musste der ehemalige Aussenminister Joschka Fischer vor dem BND Untersuchungsausschuss Fragen beantworten. Wohl wissend, dass keine Beweise vorliegen, dass die ehemalige Bundesregierung in den Fall negativ verwickelt war, sass Joschka Fischer in gewohnt lässiger Art - wie bei der VISAbefragung (die wir ausführlich anlysiert hatten) - für uns meist überheblich da. Er antwortete oft recht schnoddrig (Ton und Verhalten). Den Journalisten entgegnete - der von früheren Blitzlichtgewittern gestählte und abgebrühte Ex- Aussenminister - ironisch:

"Ihr habt mir wahnsinnig gefehlt!"

Kommentar:

Mit diesem Verhalten hat Joschka Fischer sein Image zusätzlich abgewertet. Schade!

Quelle: Swissinfo

Micheline Calmy-Rey und die Neutralität

"Die öffentliche Diplomatie bedeutet, die übliche Diskretion, die um die Diskussion oder die Verhandlung von Abkommen oder internationalen Verträgen zwischen Regierungen herrscht, durch eine offene Kommunikation unserer Position zu ersetzen, als Mittel des Drucks in den Verhandlungen", hatte Micheline Calmy Rey bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach 100 Tagen im Amt erklärt.

Doch die Stiländerung ist weit davon entfernt, alle glücklich zu machen. Nach ihrer Erklärung zur militärischen Intervention Israels in Libanon haben ihr viele eine Verletzung der Neutralität vorgeworfen.

Calmy-Rey wies diesen Vorwurf zurück und erklärte, die Schweiz als Depositärstaat der Genfer Konventionen habe die Aufgabe, diese zu verteidigen. Eine Haltung, die auch Cornelio Sommaruga, ehemaliger Präsident des internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), vertritt.

Im Gegenzug kritisierte die rechtsbürgerliche Schweizerische Volkspartei (SVP) diese Politik als zu aktiv. Am Dienstag verlangte die Partei, dass der Bundesrat oder das EDA bei Themen, welche die Neutralität betreffen, vor einem Positionsbezug die Aussenpolitischen Kommissionen beider Parlamentskammern konsultieren müsse. Die Kommission lehnte den Vorstoss jedoch ab.

"Für manche Leute sollte die Schweiz nichts sagen, nichts tun - und ich sollte mich unter dem Tisch verstecken."

Micheline Calmy-Rey

Initiative angekündigt

Die mögliche Schweizer Kandidatur für den UNO-Sicherheitsrat rief SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli auf den Plan, der ein solches Engagement als nicht vereinbar mit der Neutralität bezeichnete.

Die politische Rechte will ausserdem eine Volksinitiative lancieren, um die Einhaltung der Neutralität in der Bundesverfassung festzuschreiben. "In Sachen Aussenpolitik muss die Schweiz einen Schritt zurück machen", betonte SVP-Präsident Ueli Maurer.

Auch die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) kritisierte Micheline Calmy-Reys "Ankündigungs-Politik". In den Augen der FDP führt diese Vorgehensweise die Landesregierung dazu, sich vermehrt um rhetorische Fragen statt um konkrete Taten zu kümmern.

Neutralität: Ja, aber eine aktive

"Wissen Sie, für manche Leute sollte die Schweiz nichts sagen, nichts tun - und ich sollte mich unter dem Tisch verstecken. Diese Leute haben ein statisches Verständnis von Neutralität", erklärte Aussenministerin Calmy-Rey in einem Interview mit der Basler Zeitung.

"Nur durch Schweigen und Passivität würden wir unsere Interessen - also Sicherheit und Wohlstand für alle, für das ganze Land - nicht wahren können."

Für Peter Maurer, Schweizer UNO-Botschafter in New York, gibt es "keinen Widerspruch" zwischen dem Engagement der Schweiz für Frieden, Menschenrechte, Umweltfragen, Entwicklungsfragen und der immer währenden Neutralität.

Gegenüber Schweizer Radio DRS erinnerte Maurer am Mittwoch daran, dass der Bundesrat schon 2003 gesagt habe, die Teilnahme im Sicherheitsrat sei ein Projekt, das zu gegebener Zeit zu prüfen sei.

Auf die Frage, ob er die derzeitige Neutralitätsdiskussion in der Schweiz wie "einen Sturm im Wasserglas" erlebe, antwortete Maurer: "Nein, ich denke, diese reflektiert die Sorge darum, wie genau wir unser Engagement in den internationalen Foren interpretierten. Und es ist ein Zeichen dafür, dass wir eine lebhafte Diskussion zur Aussenpolitik haben, und das ist auch ein gutes Zeichen für die politische Kultur in unserem Land."

Kommentar:

Nach unserem Dafürhalten wird die Neutralitätsfrage von der SVP als Wahlkampfthema zum Kernthema gemacht. Dies wird jedoch Micheline Calmy-Rey nicht den Kopf kosten.

Freitag, 15. Dezember 2006

In BusinessNews am 15.12.06 gelesen:

Nach Skandal-Sendung zu Russland

Sendepause für Christiansen?

In der ARD werden Forderungen nach einer Auszeit für Talkshow-Gastgeberin Sabine Christiansen laut. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Hintergrund ist die umstrittene Russland-Sendung am vergangenen Sonntag.

Vor russischem Druck eingeknickt? Sabine Christiansen Das Mitglied des Rundfunkrats des Hessischen Rundfunks (HR), Jörg-Uwe Hahn, forderte laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Christiansen solle ihre Sendung bis zur Aufklärung der Vorwürfe um die Ausladung des russischen Regimekritikers Garri Kasparow ruhen lassen.

„Ich gehe davon aus, dass bis zur Klärung dieses Vorganges Frau Christiansen keine Möglichkeit erhält, weiterhin in der Prime Time am Sonntagabend bei der ARD zu moderieren“, habe Hahn an HR-Rundfunkratschef Alfred Möhrle geschrieben. Zuständig für die Sendung „Sabine Christiansen“ ist jedoch der Norddeutsche Rundfunk.

Hahn forderte von HR-Intendant Helmut Reitze, dass dieser dazu heute im Rundfunkrat Stellung nimmt. Als Zuschauer sei ihm die Sendung wie in einer Werbesendung für die russische Regierung vorgekommen, habe Hahn geschrieben.

„Christiansen“-Redaktion: „Technische Gründe“

In der Sendung ging es unter anderem um die Morde an dem Kreml-Kritikers Alexander Litwinenko und der Journalistin Anna Politkowskaja. Ex-Schachweltmeister Kasparow führte seine Ausladung auf Druck aus der russischen Botschaft in Berlin zurück. Die „Christiansen“-Redaktion erklärte dagegen, dies habe an technischen Problemen gelegen.

Der ebenfalls ausgeladene WDR-Journalist Klaus Bednarz und der in die Sendung gebetene Mafia-Experte Jürgen Roth sagten aber der „FAZ“, die Redaktion habe ihnen Druck der russischen Botschaft als Grund genannt.

Kommentar: Es bleibt zu hoffen, dass Sabine Christiansen beweisen kann, dass sie sich nicht hat unter Druck bringen lassen. Ansonsten hätte sie vor ihrem Abgang noch einen unschönen Klecks auf Ihrer Journalistenweste!

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey:

Hohe Popularität beim Volk - schlechte Akzeptanz im Parlament _____________________________________________________________

Bundesrätin Calmy-Rey wurde mit einem äusserst mageren Resultat zur Bundespräsidentin gewählt. Die Sensation: Seit 1939 (d.h. seit 67 Jahren) ist dies das schlechteste Wahlergebnis, obschon vor der Bundespräsdidentenwahl kein einziger Widerstand angemeldet wurde. 1939 wurde damals Pilet Golaz so schlecht gewählt, weil er sich bei den Nazis angebiedert hatte. Man musste sich deshalb fragen, aus welchen Gründen der populären Bundesrätin eine Ohrfeige verpasst wurde. War sie zu links? Oder müssen wir uns auf die abgegriffenen Formel berufen die immer wieder bemührt wird: Das Geschlecht. Die schlechte Wahl könnte vor allem darauf zurückzuführen sein, weil die künftige Präsidentin eine Frau ist. Wir haben die Magistratin jahrelang beobachtet, analysiert und kommentiert. Es fiel auf, dass sie sich im Parlament schlecht integriert hatte. Im Umgang mit den Medien war im Laufe der Zeit eine wesentliche Verbesserung zu beobachten. Jahrelang agierte sie zu forsch. Sie politisiert heute etwas bedachter. Wir prognostizieren ganz am Anfang: Diese Frau wird im Bundesrat auf freundliche Art die Zähne zeigen (So kommentierten wir das aufgesetzte Standardlächeln). Frau Calmy-Rey und Christoph Blocher haben etwas gemeinsam: Sie provozieren beide und gehen für ihre unterschiedlichen Anliegen gradlinig nach vorn, ohne Rücksicht auf Verluste oder einen allfälligen Imageverlust. Beide riskieren, anzuecken. Sie werden ständig kritisiert, haben Feinde und riskieren damit auch, bei Wahlen schlecht wegzukommen. Es hat sich gezeigt, dass Micheline Calmy-Rey in Bern ihr persönliches Netzwerk vernachlässigt. Sogar ihre Mitarbeiter schütteln manchmal den Kopf über die eigenwillige Chefin. Es zeigt sich auf Bundesebene, dass diese Powerfrau - die bereits in Genf als Regierungsrätin mit der Zuschreibung "Cruelle" (die Schreckliche) leben musste - etwas bewegt.

Sie nimmt kein Blatt vor dem Mund ___________________________

Die "öffentliche Diplomatie" von Micheline Calmy-Rey wurde zwar stark kritisiert. Sie hat aber der Schweiz eine starke Sichtbarkeit im Ausland gebracht. Kürzlich erst hatte sie - nachdem sie schon öfters am Unilateralismus der US-Aussenpolitik gekratzt hat - öffentlich die "unverhältnismässigen" israelischen Angriffe auf den Libanon und den Gazastreifen beanstandet. Sie forderte auch die Kandidatur der Schweiz für den UNO-Sicherheitsrat. Freimut, klare eindeutige Positionen und Überraschungscoups - wie die Überschreitung der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea - machten Calmy-Rey zwar zum "Liebling" der Medien und zur beliebtesten Bundesrätin. Doch dieser direkte Stil des Politisierens ist vielen sauer aufgestossen. Kritik kommt namentlich aus der bürgerlichen Ecke, hauptsächlich von der Schweizerischen Volkspartei (SVP). Angeprangert wird ihr "Aktivismus", der gegen die Neutralität der Schweiz gerichtet sei. Von Ueli Maurer (Präsident der SVP) wurde sogar gefordert, sie solle ihr Aussendepartement abgeben.

Der Spagat

"Einerseits ist die Bundesrätin sehr liebenswürdig, positiv, offen, schwer zu kritisieren. Andererseits ist ihre Politik, mit ihrer Idee der 'öffentlichen Diplomatie', der Neutralität der Schweiz sehr abträglich", meint Luzi Stamm. "Wenn wir so weiterfahren, verlieren wir den Ruf als neutrales Land."

Eine "statische" Vision der Neutralität, wischt die Chefin der Schweizer Diplomatie mit einer Handbewegung vom Tisch.

"Wer schweigt, wenn unschuldige Zivilisten zum Spielball militärischer Aktionen werden oder wer sich nicht gegen den Terror auflehnt, ist nicht neutral, sondern einverstanden", sagt sie immer wieder.

Aktion oder Selbst- Promotion?

Die Über-Mediatisierung der kleinsten Aktion unserer Aussenministerin ist für viele ebenfalls ein Aergernis. Die Kritiker fragen sich, ob es sich bei den öffentlichen Auftritte wirklich immer um reale Aktionen handelt oder ob es bei ihr nicht manchmal eher um gezielte PR-Aktionen geht.

Stur, gradlinig, leicht egozentrisch»

Micheline Calmy-Rey ist im Volk populär, polarisiert aber im Parlament. Wie Bundesrat Blocher macht ihr das Provozieren keine Mühe. Gegen Kritik scheinen Blocher und Calmy-Rey immun zu sein. Der couragierter Stil von beiden findet angeblich bei der Bevölkerung Gefallen. Das forsche Politisieren hat der Politikerin beim Volk nie geschadet. In Umfragen über die glaubwürdigsten Köpfe in der Politik nahm sie sogar eine Spitzenposition ein. Für die grosse Masse wirkt Micheline Calmy-Rey glaubwürdig.

Was beanstanden die Kritiker?

SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli nennt den Grund, um Micheline Calmy- Rey die Stimme zu verweigern. Die SVP werde Micheline Calmy-Rey deshalb nicht mit Applaus zur Bundespräsidentin wählen, weil die SP offen für die Abwahl von Christoph Blocher werbe, fand er vor der Wahl.

Den nationalkonservativen Kräften geht es jedoch um etwas anderes: Die von Calmy-Rey propagierte «aktive Neutralität» und ihr profiliertes Auftreten als Aussenministerin sind ihnen ein Dorn im Auge. Auch im Bundesrat kommt ihr forsches Vorgehen selten gut an: So musste das Kollegium Calmy-Rey mehrmals zurückpfeifen, etwa als sie sich wiederholt für die formelle Unabhängigkeit Kosovos aussprach oder israelische Völkerrechtsverletzungen im Libanonkrieg anprangerte.

Alles in allem habe Calmy-Rey «mehr Lob als Kritik» verdient, sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay. Als Bundespräsidentin werde sie jedoch noch mehr gefordert, darauf zu achten, dass die Schweiz in der Aussenpolitik mit einer Stimme spreche.

Vier Politiker beschrieben die Aussenministerin in drei Stichworten:

Mörgeli: «Eigensinnig, sprunghaft, stur.»

Wyss: «Gradlinig, einnehmend, kämpferisch.»

Markwalder: «Eloquent, zielstrebig, stur.»

Darbellay: «Ehrgeizig, Dossier-sicher, leicht egozentrisch.»

Wir sehen aus diesen Kurzformeln, dass die unbequeme Politikerin nicht auf einen Nenner gebracht werden kann. Nur Adjektive, wie "stur" und "zielstrebig" dominieren.

Nach unserem Dafürhalten werden Calmy-Rey und Blocher die Wogen der Kritik überstehen.

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Ein Interview, das zu reden gab

Nach "Blick" fühlte sich Calmy-Rey von «10 vor 10» mies behandelt Es war unübersehbar. Micheline Calmy Rey nervte sich am 12.12, nach der Wahl, bei einem aufgezeichneten Interview für das 10 vor 10 fürchterlich.

Das Interview wurde nicht live, sondern am Mittwoch kurz nach 20 Uhr im Bundeshaus-Studio aufgezeichnet. Micheline Calmy-Rey war müde, hatte Hunger und musste bei der Aufzeichnung aus technischen Gründen eine Viertelstunde warten. Im Studio soll sie gesagt haben: «Lange warte ich nicht mehr. Sonst gehe ich.» (Quelle: Blick)

Daniela Lager befragte die frischgewählte Bundespräsidentin. «10 vor 10» zeigte im Filmbeitrag Calmy-Reys Wirken als Aussenministerin. Die Bundesrätin hatte die Sequenzen zuvor gesehen. Aber sie realisierte nicht , dass nach der schlechten Wahl auch kritische Fragen gestellt werden mussten. Blick fand, die Bundesrätin sei einseitig dargestellt worden. Die Boulevardpresse zeigte seit Jahren vor allem die positiven Seiten der Aussenministerin.

Dem BLICK verriet Calmy-Rey: «Da wurde nicht ICH gezeigt. Ich lasse mich nicht auf solche Bilder reduzieren. Sie geben nicht meine Arbeit wieder.»

Wir haben die Sendung mehrmals angeschaut und kommen zu einem völlig anderen Schluss. Die Wut der Bundespräsidentin ist nicht berechtigt. Daniela Lager hatte nachweisbar einen guten Job gemacht. Sie hat beides - die Höhen und Tiefen der Aussenministerin - angesprochen, Micheline Calmy-Rey antwortete im ersten Teil vorbildlich. Nur am Schluss verlor sie die Nerven.

Als Profi - Journalistin musste Daniele Lager auch das schlechte Wahlresultat ansprechen Die Frage war ebenfalls berechtigt, ob sie als Bundespräsidentin weiterhin viel reise. Denn bisher sei es üblich gewesen, dass die Bundespräsidenten zu Hause bleiben. Es war unverkennbar, dass diese Frage nicht antizipiert worden war und die Aussenministerin unbeherrscht reagiert hatte. Wir teilen die Meinung des Blicks nicht, Micheline Calmy-Rey sei einseitig dargestellt worden. Der Filmbeitrag widerspiegelte Beides: Die Erfolge und Misserfolge der Aussenministerin.

Die Filmsequenz beweist, dass Bundesrätin Calmy-Rey im ersten Teil rhetorisch sehr geschickt geantwortet hatte: Auf die Frage, was der Grund sein könnte, dass so viele Parlamentarier den Respekt verweigert haben sagte sie:

"Fragen Sie diese!"

Auch die Begründung des schlechten Resultates, beantwortete die Magistratin geschickt:

Das sei logisch, sagte sie, denn die beste Aussenministerin wäre jene, die in allen vier Landessprachen schweigt."

Erst auf die Frage nach den Auftritten der künftigen Bundespräsidentin reagiert Micheline Calmy-Rey ungehalten und sauer. Sie liess durchblicken, dass sie auch als Bundespräsidentin ihren Einsatz für die Minderheiten weiter pflegen werde (Damit verriet sie indirekt, dass sie sich als Aussenministerin nicht an den bisherigen Modus halten werde).

Kommentar:

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass bei kurzen Auftritten meist nur jene Sequenz haften bleibt, bei der Emotionen im Spiel sind. Die guten rhetorischen Antworten werden meist überhört. Zu reden gab auch in diesem kurzen Interview nur noch jene Sequenz, die aussergewöhnlich war.

Erkenntnis:

Wenn eine Politikerin die aufgezeichnete Aussagen abgesegnet hat, darf sie nicht nachträglich sagen, sie sei unfair behandelt worden. Journalisten dürfen (müssen oft) unangenehme Fragen stellen.

Nachtrag vom 1.1.07:

Recherchen haben uns nun bestätigt, dass die angehende Bundespräsidentin Texte und Bilder des umstrittenen Interviews perönlich abgesegnet hatte. Damit ist es uns unverständlich, dass nachträglich so getan wurde, als sei die Bundesrätin unfair behandelt worden. Dass die Bundesrätin aus technischen Gründen etwas warten musste, das stimmt. Doch muss eine Magistratin fähig sein, mit Stress und Kritik umzugehen.

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Aufschlussreicher Kommentar über die Aussenministerin. Quelle: espace.ch:

Jenseits der Rhetorik und Symbolik betreibt die 61-jährige Calmy-Rey eine höchst pragmatische Aussenpolitik: In Verhandlungszimmern in Brüssel und in drei eidgenössischen Abstimmungskämpfen hat sie tatkräftig mitgeholfen, den bilateralen Weg zu sichern. Das ist der Weg, auf dem die Wirtschaft das Glück der Schweiz sieht. In Interviews verurteilt die sozialdemokratische Calmy-Rey furios EU-Versuche, die kantonale Steuerhoheit und damit den Schweizer Steuerwettbewerb anzutasten.

Im Wissen, dass die Schweiz noch viele Jahre nicht der EU beitreten wird, hat die Aussenministerin zudem eine sanfte Akzentverschiebung auf andere Weltregionen eingeleitet, um hier Türen für Schweizer Unternehmen und Produkte zu öffnen. Auch jene Unternehmen, die am umstrittenen Ilisu-Stau-dammprojekt in der Türkei mitverdienen wollen, können mit dem Verständnis von Calmy-Rey rechnen. Auf jeden Fall sind aus dem Aussenministerium auffällig zurückhaltende Töne zu hören, wenn es um die Frage geht, ob der Bundesrat eine Exportrisikogarantie gewähren soll: Ein kategorisches Nein, so heisst es, würde in der Türkei als Affront verstanden und könnte die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen belasten.

· So viel Realismus und Pragmatismus passt in der SP nicht allen. Vor allem in der EU-Frage sind einige verunsichert: Sie wissen nicht, ob der von der SP in Wahlmanifesten geforderte Beitritt der Aussenministerin überhaupt ein Anliegen ist. Auch dass die Sozialdemokratin der EU im Kampf um die kantonalen Steuerpraktiken so deutlich die Zähne zeigt, missfällt vielen in der SP. Immerhin will die Partei mit einer Volksinitiative den Steuerwettbewerb eindämmen.

· Anderen in der Partei bereitet Calmy-Reys Führungsstil Sorge. Denn neben der charmanten Seite, die das Publikum sieht, gibt es auch die schwierige Seite, die Leute in ihrem engeren Umfeld zu spüren bekommen. Calmy-Rey wird als stur und extrem fordernd beschrieben, wobei nicht immer alle Forderungen erfüllbar seien. Zudem falle es der Chefin schwer zu delegieren, zu häufig kümmere sie sich um Details. Die SP beobachtet das Geschehen im Aussendepartement aufmerksam, um mit dem Feuerlöscher herbeizueilen, falls aus dem Rauch plötzlich ein Brand wird.

Noch etwas irritiert SP-Strategen. Calmy-Rey, so heisst es, sei im Bundesrat ziemlich isoliert. Es falle ihr schwer, Allianzen zu schmieden, zusammen mit Kollegen nach Kompromissen zu suchen und auf diese Weise über ihre Dossiers hinaus Einfluss zu nehmen.

Das schmerzt die SP umso mehr, als sich Moritz Leuenberger ebenfalls nur mit begrenztem Ehrgeiz in die Geschäfte der bürgerlichen Kollegen einmischt. Aber von all dem wird im Communiqué der SP zur heutigen Wahl der neuen Bundespräsidentin selbstverständlich nichts stehen.

Patrick Feuz

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Ein falscher Blick - schon kracht es

Ein Lehrling aus Zürich sagte: "Ich kann keinen mehr anschauen, ohne dass es gleich heisst: Du hast mich angefickt. Dann kommt es gleich zu einer Schlägerei."

Würde der Rat angeblicher Experten befolgt werden, müssten wir bei einer Gruppe Jugendlicher der Blickkontakt vermieden werden, um keine Prügel zu beziehen.

Psychologe Claude Messner der Uni Basel sagt jedoch: "Der Blickkontakt ist Ausdruck von Sympathie, Interesse und Aufmerksamkeit". Von klein auf lernen wir, dass Blickkontakt positiv ist. Messner weist aber auch darauf hin, dass Blickkontakt bedrohlich wirken kann und fügt an: "Jugendliche fühlen sich beobachtet. Da heisst es schnell: Hey Alter, hast du ein Problem?" Wichtig sei deshalb, nicht zu starren, denn das Starren ziehe Aufmerksamkeit auf sich und dies wolle niemand.

Soll man nun absichtlich wegschauen?

Absichtliches Wegschauen wirkt unsicher, schüchtern und kann nach Messner gegenteiligen Effekt haben. Der Psychologe rät:

Selbstbewusst anschauen, aber nicht starren! Mit der Körperhaltung ausdrücken, dass man keine Angst hat. Wer ein mulmiges Gefühl hat, soll zügig weitergehen- ohne Blickkontakt- er soll vielleicht sogar die Strassenseite wechseln.

Kommentar: Der Blickkontakt beschäftigt uns in den Seminaren immer wieder.

- Der Blick weckt Aufmerksamkeit

- Der Blick ist ein Steuerungsinstrument

- Dank Blickkontakt können wird aus einem Monolog ein "Dialog" machen. Der Redner kann wahrnehmen, wie die Zuhörer reagieren.

- Das Publikum fühlt sich angesprochen.

- Die Augen sind die" Fenster zur Seele". Die Augen dürfen nicht verdeckt werden (dunkle Brille). Wer sich nicht in die Augen blicken lässt, wirkt so, als wolle er etwas verstecken.

- Die Distanz zum Gegenüber und die jeweilige Situation spielt eine grosse Rolle. Aus grosser Distanz ist der Blickkontakt weniger bedrohlich und intensiv. Auch das Geschlecht hat einen Einfluss: Ein Mädchen möchte beispielsweise vom Klassenleher nicht fixiert werden. Es fragt sich: Warum schauen Sie mich immer an?

- Je nach Kultur wird der Blickkontakt unterschiedlich interpretiert. Bei uns lernt man den Mädchen: "Schau dem Onkel in die Augen! Es ist unanständig, wegzuschauen!" Schaut jedoch später die junge Frau im den Ferien bei der Begrüssung einem Mann in Tunesien in die Augen, so fasste er dies als "Aufforderung zum Tanz" auf. Es kommt dadurch zu einem Missverständnis.

- In der Tierwelt gibt es das Phänomen, dass beispielsweise Berggorillas angreifen, wenn sie angeschaut werden. Der bekannte Tierfotograf Dossenbach erzählte mir, dass er bei den Siberrücken (Männchen der Bergorillas) immer in gebückter Haltung - und ohne Blickkontakt aufzunehmen - problemlos vorbeigehen konnte. Vielleicht geht es bei den Jugendlichen um ein analoges Phänomen wie bei den Bergorillas. Sie deuten den Blickkontakt als Angriff. Wir wollen in diesem Beitrag die Analogie "Affen-Halbstarke" nicht auf andere Bereiche ausdehnen. Dies überlassen wir den Leserinnen und Lesern.

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Ein fragwürdiger Entscheid nach einem Mord aus Frust


Wenn jugendliche Täter ein Computerspiel wie "Smack Down Raw 2006" vor einem Verbrechen konsumiert haben und damit angeblich die Schuldfähigkeit beeinträchtigt ist, kann der Jugendliche mit einer mildernden Strafe rechnen. Dies befand jedenfalls die 3. Grosse Strafkammer, nachdem ein Jugendlicher die Tötung eines Obdachlosen gestanden hatte.


Der Ulmer Hirnforscher Manfred Spitzer wurde beauftragt, abzuklären, ob der Jugendliche die Szenen des Spieles imitiert haben könnte. Vor Gericht hatte der Täter behauptet, diese Szenen nachgespielt zu haben. Zudem habe er aus Frust über eine Polizeikontrolle (am Vortag) die Aggression mit Faustschlägen und Fusstritten ins Gesicht des Opfers ausgelebt.


Kommentar:


Jugendlichen sollte vermehrt aufgezeigt werden, wie schädlich der regelmässige Konsum von Brutalospielen ist. Auch der Umgang mit Frust müsste im Alltag (Schule , Familie) erlernt werden. Die strafmildernden Urteile führen dazu, dass jene Jugendliche, die sich nicht beherrschen können und brutale Spiele konsumieren, gleichsam belohnt werden.

Montag, 11. Dezember 2006

Folgender Beitrag in "20 Minuten" gibt zu denken:

Beat Zemps unbedachte Aussagen


Kontext

Weihnachtsbäume nach Klage eines Rabbiners in Seattle abgebaut
Firmen verzichten auf Weihnachten

Werden Weihnachten an Schweizer Schulen verboten? Christbäume, Adventskränze und Lieder. Sie gehören zur Weihnachtszeit wie Mandarinen und Nüsse zum Samichlaus. Doch nun sollen diese festlichen Symbole wegen Protesten muslimischer Eltern aus unseren Schulen verschwinden. In England verzichten dieses Jahr bereits tausende von Firmen auf Weihnachtsfeiern, um die Gefühle von Nicht-Christen nicht zu verletzen (20minuten.ch berichtete). Nun sollen die Symbole von Weihnachten auch aus Schweizer Klassenzimmer verschwinden. Das fordert Beat W. Zemp, der Präsident des Schweizer Lehrerverbandes. «Adventskränze und Weihnachtsbäume haben im Klassenzimmer nichts zu suchen», erklärte er gegenüber «Blick». Damit reagiert er auf sich häufende Beschwerden muslimischer Eltern. Diese fordern, dass ihre Kinder vom Weihnachtsfest verschont werden sollen. So geschehen in den Kantonen Waadt und Neuenburg. Die Schulen haben daraufhin den Lehrern empfohlen, muslimische Schüler zu dispensieren, wenn Weihnachtslieder gesungen werden. Für Beat W. Zemp ist das so in Ordnung: «Wenn die Feierlichkeiten religiös geprägt sind, können Eltern verlangen, dass ihre Kinder dispensiert werden.» Er verweist dabei auf die in der Schweiz herrschende Religionsfreiheit.

Kommentar:

Jedes Land hat seine eigene Kultur. Beat Zemp vertritt nun die Meinung, dass sich unser Land einseitig den Minderheiten anpassen müsse, angeblich um die Religionsfreiheit zu gewähren. Ich teile die Ansicht des Präsidenten des Schweiz. Lehrerverbandes nicht. Aus meiner Sicht ist es nicht zu viel verlangt, wenn wir die Rituale anderer Religionen dort gewähren lassen, wo die entsprchende Religion verwurzelt ist. Wir leben hier im Abendland - mit einer überlieferten christlichen Tradition. Wer uns nun zwingen möchte, auf unsere christlichen Rituale, Feste und Symbole in öffentlichen Schulen zu verzichten, hat im Grunde genommen nicht begriffen, was Toleranz heisst. In jedem Kulturkreis gibt es überlieferte Werte. Dies gilt bei allen Kulturen. Christen müssen sich als Minderheit in einem anderen Kulturkreis, der beispielsweise heidnische oder religiöse Rituale pflegen, ebenfalls anpassen und die "fremde" Kultur respektieren oder dulden, ohne selbst Buddist oder Moslem zu werden. Das Ansinnen von Beat W. Zemp ist eine unverständliche Anmassung. Der "Oberlehrer der Nation" verkennt, dass jede Kultur Verständnis aufbringen darf - für die Traditionen des jeweiligen Gastlandes. Es ist unvorstellbar, dass andere Länder auf ihre Feste und religiösen Rituale verzichten, nur deshalb, weil einige Christen in der Schule sitzen. So wie wir verlangen können, dass bei uns Gesichter nicht verhüllt werden dürfen - weil wir im Alltag das "Verhüllungsverbot" kennen - darf in Tunesien auch verlangt werden, dass dort auf unsere westliche "Enthüllung" an Stränden nicht toleriert wird. Von Nichtchristen darf erwartet werden , dass sie hier die christlichen Weihnachtsgepflogenheiten dulden. Niemand wird gezwungen, den christlichen Glauben zu teilen. Was mir bei dieser Geschichte besonders sauer aufstösst, ist der Umstand, dass nach der eigenartigen Empfehlung des Präsidenten des Schweizerischen Lehrerverbandes, die verantwortlichen Würdeträger der christlichen Kirchen nicht lautstark protestierten. Bei politischen Fragen (Energiepolitik, Ausländerfragen, Armee usw.) sind wir uns gewöhnt, dass sich diese Kirchenvertreten jeweils in Gottesdiensten, Medien und Schriften wortstark engagieren. Weshalb nun diese unverständliche Funkstille? Es geht jetzt um grundsätzliche Fragen, die eine christliche Kirche interessieren müsste. Eine Reaktion ist fällig.

Es bleibt zu hoffen, dass Beat W. Zemp von den Medien falsch wiedergegeben wurde. Für mich ist kaum vorstellbar, dass seine Aussage im "20 Min" ernst gemeint war. Ich habe jedenfalls den Präsidenten des Schweizerischen Lehrerverbandes schon oft reden gehört. Er machte mir stets einen intelligenten Eindruck. Ich hatte bis anhin nie erlebt, dass er so unbedacht spricht.

Der Medienverhalten Zemps werden wir in einem Beitrag www.rhetorik eingehender behandeln.

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Mittwoch, 6.12.06:

Aus Lust alte Leute beschimpft, angespuckt, geschlagen


Im Kanton Aargau haben Schüler im Alter von 11 und 14 Jahren aus Spass ältere Leute beschimpft und geschlagen. Ein 88 jähriger wurde in einen Weiher gestossen. Seine 82 jährige Frau konne ihn nur mit Mühe retten. Alles wurde aus Spass gemacht. Einem Senior haben die Schüler einen Tennisball an den Kopf geworfen und die Mütze vom Kopf gerissen.

Wir finden: Erziehende müssten bei Uebergriffen so früh wie möglich in die eskalierende Entwicklung eingreifen. Zuschauen, bagatellisieren, Selbstschutzbehauptungen bringen uns bei so gravierenden Vorkommnissen nicht weiter. Respekt, Disziplin, Wertschätzung sind Werte, die wir nicht leichtfertig über Bord werfen dürfen. Wir gehen davon aus, dass die zuständigen Instanzen (Elternhaus, Schule, Psychologen, Jugendanwaltschaft) derartige Auswüchse nicht einfach als kleine Ausrutscher abtun.

Donnerstag, 30. November 2006

Gewalt fängt bei der Sprache an

Immer mehr Eltern und Klassenlehrer merken allmählich, dass sich Sprache und Verhalten gegenseitig beeinflussen. Die Sprache prägt sogar das Befinden und die Einstellung , (Autogenes Training, Hypnose). Umgekehr wird ein Mensch, der religiös ist, behutsamer mit Kraftausdrücken umgehen. Die Einstellung prägt nämlich die Sprache! Es wurde erkannt, dass in einer Klasse, bei der erniederigende Ausdrücke- beispielsweise dem andern Geschlecht gegenüber - nicht toleriert wurden, die Jugendlichen nachher miteinander viel respektvoller umgehen sind. Viele Erzieher glaubten vor Jahren, erniedrigende Worte müssen einfach überhört werden. Mit der billigen Begründung, es sei ja nicht so gemeint, wie es wortwörtlich gesagt wurde. Dies ist aber ein gravierender Fehler. Feministinnen haben längst erkannt, dass die Sprache ernst genommen werden muss. Auch beim Rassismus wird heute versucht, über die Sprache, die Einstellungen zu beeinflussen. Gewisse Begriffe dürfen im Alltag garnicht mehr gesagt werden (z.B. Neger). Eine Mutter, die sich beschimpfen lässt, muss sich deshalb nicht wundern, wenn sie später auch noch geschlagen wird. Ich kenne eine Lehrerin, die arbeitete mit Regeln, die sie im Zimmer auf Zetteln notiert hatte z.B.:

"Wir hören dem anderen zu und lassen ihn ausreden!"

Ein Lehrer brachte es auf den Punkt. Er sagte mir in einem Seminar: "Der erste Schritt ist meist verbale Gewalt". Wir alle wissen, wie schnell wir uns ärgern können. Schimpfwörter liegen so leicht auf der Zunge (Missgeburt, schwule Sau usw.) Aus verbalen Attacken können jedoch sehr schnell Prügeleien entstehen. Alle - auch Kinder - müssten deshalb lernen, "Entschuldigung" zu sagen. Als Regel gilt:

Wenn jemand etwas sieht und hört, so muss sofort eingegriffen werden. Wegschauen ist sträflich

Wer mit Kindern arbeitet, muss das gegenseitige Vertrauen tagtäglich neu erarbeiten. Respekt kann nur mühsam erworben werden. Der Aufwand macht sich aber bezahlt! Ein Kind müsste sich auch sofort äusseren, wenn etwas genug ist: "Stopp- hör sofort auf!" Wird jemand beschimpft wird, sind alle - die ganze Klasse und die Lehrperson - zuständig. Ich habe Familien und Klassen erlebt, da schauten alle konsequent weg. Verbale Gewalt wurde überhört. Die Folgen sehen wir tagtäglich: Verbale Gewalt wird zur Gewohnheit und die Gewalt eskaliert rasch. Das Rad kann dann nicht mehr zurückgedreht werden - höchstens mit grösstem Aufwand oder harten Strafen. Rechtzeitige Einflussnahme wäre einfacher . Folgende Selbstschutzbehauptungen (Ausreden) sind immer wieder zu hören:

"Es war ja gar nicht so gemeint." "Das grobe Reden gehört zur normalen Auseinandersetzung im Pubertätsalter." "Ich greife dann schon ein, wenn er noch schlimmer wird." "Wir sollten grosszügiger sein". "Wir haben ja auch so geredet."

Genau das ist jedoch eine falsche Haltung. Wir sollten sofort - am Anfang - eingreifen, bevor verbale Gewalt zur Gewohnheit wird. Wer freundlich und konsequent erzieht, braucht viel weniger Nerven und kann letztlich in einem vernünftgen Arbeitsklima unterrichten. Er wird nicht ständig am eigentlichen Tun gestört. Nur dank Kooperation und Einflussnahme aller Beteiligten, lässt sich Gewalt eindämmen - nämlich indem wir unsere Sprache beachten! Worte sind ernst zu nehmen