Sonntag, 17. Juni 2018

Neue hörenswerte Sprachsprechstunde

Gestorben oder verstorben?

Video Martin Ebel über den Tod und wie wir ihn sprachlich vergolden. Mehr...

Samstag, 16. Juni 2018

Sätze, die Sie als Chef, Vorgesetzter oder Partner öfters sagen sollten

Diese Worte, Sätze oder Fragen erleichtern das Klima in der Kommunikationslandschaft:
Bildergebnis für gutes kommunikationsklima
- Jetzt ist Feierabend, das kann bis morgen warten
- Das kann passieren
- Danke (drückt Anerkennung aus)
- Ich vertraue Ihnen (Dir)
- Gut gemacht
- Was würden Sie (würdest Du) an meiner Stelle tun?
- (Name........), ich brauche Ihre (Deine) Hilfe 

Die Aussagen müssen aber von Herzen kommen und ernst gemeint sein!

Freitag, 15. Juni 2018

Dissens zwischen Merkel und Seehofer

Der Asylstreit eskaliert

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Innenminister Horst Seehofer kommen bisher zu keinem Kompromiss im Asylstreit. Merkel hat bei dem letzten Treffen am Mittwochabend offenbar einen konkreten Kompromissvorschlag vorgelegt. Sie befürwortet darin eine europäische Lösung, keine nationale Lösung. Das Ziel der Verhandlungen ist, die deutsche Migrationspolitik zu verschärfen. Heute treffen sie nochmals bei der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin aufeinander. (Quelle NZZ)
Bildergebnis für merkel Seehofer
KOMMENTAR:
Der Streitpunkt:
Der Innenminister will deutsche Flüchtlinge abweisen, die schon in anderen EU Staaten registriert wurden. Merkel ist dagegen. Sie will eine europäische Lösung.
Die Bundeskanzlerin will nicht nachgeben, obschon sich zwischen Deutschland (Seehofer), Oesterreich (Kurz) und der neuen Regierung in Italien eine Front gegen Merkel aufbaut.
Seehofer geht es auch um Wahlkampf. Er muss Härte zeigen. In der Bevölkerung hat er immer mehr Rückhalt. Ein gefährlicher Riss könnte die neue Regierung in Schwierigkeiten bringen. Ob sich Deutschland das leisten kann?

  • Kommentar Blome Merkel ganz allein!  CSU setzt Merkel ein Ultimatum
 

Donnerstag, 14. Juni 2018

Zum Erfolg verdammt

Analyse des historischen Treffens zwischen Donald Trump und King Jong Un
vom 12. Juni im Hotel Capella auf  Singapurs Sentosa Insel.
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Die Analyse basiert auf meinen Beobachtungen der Verhaltens der Akteure  und ich suchte Antworten auf folgende Fragen:
- Wie wirken Kim und Trump beim ersten Aurftritt des heutigen "Treffen des Jahres"?
- Wer überzeugt mehr?
Es geht um Beobachtungen der Körpersprache, der Inszenierung und des ersten Eindruckes.

Vorbemerkung:
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Wenn es um die Ueberzeugungskraft von Politikern geht, dürfen wir ihr bisherige Verhalten nicht ausklammern. Jede Persönlichkeit schafft sich einen Ruf (Branding). Das Image beeinflusst die Wahrnehmung. In der Psychologie spricht man vom Halo-Effekt, von Stereotypen (Vorurteilen), die den Eindruck prägen. Auch bei Trump und Kim beeinflusst ihr festgestelltes Verhalten die Wahrnehmung der Beobachter.
- Beide, Trump und Kim,  haben es bislang mit der Wahrheit nicht so genau genommen (Fake Aussagen und Lügen konnten immer wieder nachgewiesen werden)
- Beiden kann Spitzkehrenrhetorik vorgeworfen haben (Zusage zum Treffen - dann Absage - später wieder Zusage)
- Beide sind machtbesessen (Machtmenschen)
- Beide provozieren, drohen gerne
- Beides sind Machtpolitiker
- Beides sind Angeber
Was leider die Glaubwürdigkeit der beiden Akteure ganz stark beeinträchtigt:
- Beide sind UNBERECHENBAR
- Beide sind für Ueberraschungen gut
- Beide sind nicht verlässlich
Damit steht das historische Gipfeltreffen  unter negativem Vorzeichen.
Die GLAUBWUERDIGKEIT von Kim und Trumpf ist bereits vor Beginn des Gipfels angeschlagen.
Bei der Analyse ist es somit schwierig, die Glaubwürdigkeit der beiden Kontrahenten differenziert zu beurteilen.
Wir beschränken uns deshalb vor allem auf die erste Begegnung, das Beschreiben der Beobachtungen und die subjektive Interpretation des Verhaltens der beiden Machthaber.
Erschwerend ist in diesem Fall die Beurteilung der Körpersprache von Asiaten.
Sie unterliegt besonderen Spielregeln. Ihre Rituale gilt es zu kennen und sind mitzuberücksichtigen.
Sie sind uns fremd. Beispielsweise das Pokerface oder das künstliche Lächeln der Asiaten haben bei uns einen anderen Stellenwert.

Kim und Trump brauchen den Erfolg
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Für Trump ist das Treffen bereits Teil des Wahlkampfes. Er weiss, dass sich der Gipfel für sich und die Partei auskosten lässt. Vielleicht erhofft er sich für dieses Treffen (welches bislang kein amerikanischer Präsident geschafft hat) den Friedensnobelpreis.
Diktator Kim anderseits benötigt eine Lockerung der Sanktionen. Sein Volk leidet. Beide benötigen jedenfalls einen Durchbruch bei diesem historischen Treffen.

Bei Verhandlungen ist vieles aussagekräftig
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Es ist erstaulich, wie Details die Wirkung von Vieraugengesprächen  beeinflussen: Die Kleidung, die Stimme, die Augensprache, das Distanzverhalten, die Mimik, Haltung, Gestik, Hände, Schultern, Hals, Haartracht, Outfit.


Kim und Trump tragen beide eine auffallende ungewöhnliche Haartracht- eine weitere Gemeinsamkeit
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Karikaturisten haben diese Frisuren längt ausgekostet.
Kim fällt immer auf, mit den rasierten Seiten und seinen schwarzen Kurzhaaren oben - einer Variante der Plateau-Frisur.
Trumps Hauptmerkmal ist seine orange-blond gefärbte Strähne. Er zieht die Haare von der Seite nach oben und formt sie zu einer Tolle, die gesprayt werden muss. Jüngst - beim Verlassen des Flugzeuges - zeigte sich bei einem Windstoss  überraschend die kahle Kopfhaut.

Soweit die Gemeinsamkeiten.

Und nun zum Treffen:

Kim mit seinen 170 cm Grösse mit seiner XXL Zelthose in dunkler hochgeschnittenen Kleidung wirkt  noch kleiner und massiger als  der 190 cm grosse Trump,  aber stabiler.
Dieser Grössenunterschied unterstreicht die Haltung Tumps: "Ich bin der Grösste"- ""Ich stehe über allem".
Beim Outfit der beiden Machthaber fällt das leuchtende Rot der Gravatte von Trump auf.
Es signalisiert Energie, Aktivität, Dynamik. Es ist aber auch eine Warnfarbe.

Zur Begrüssungszeremonie:

Zum symbolischen Handschlag:

Laut Reuteres soll Kim Jong Un Donald Trump mit folgenden Worten begrüsst haben:
"Nice to meet you, Mr. President!". Der US-Präsident sagte in einem ersten Statement, er fühle sich großartig. "Wir werden eine großartige Diskussion haben und sehr erfolgreich sein. Es ist mir eine Ehre, und wir werden eine großartige Beziehung haben, daran habe ich keinen Zweifel", so Trump. Kim entgegnete: "Es war nicht einfach, hierher zu kommen. Es gab Hindernisse, aber wir haben sie überwunden, um hier zu sein."
Bei der Begrüssung unterstützt Trump  zusätzlich zum Handschlag mit der linken Hand kurz   Kims rechten Oberarm. Der Handschlag dauert 13 Sekunden wirkt wie ein Kräftemessen. Beide kommen sich recht nahe. Keine gewinnt Terrain.
Trump lässt Kim den Vortritt. Er hat offensichtlich die grössere Erfahrung mit historischen Momenten. Er berührt Kim erneut und weist ihm den Weg zur Bibliothek zum Vieraugengespräch.
In dieser Phase übernimmt Trump die Führung. Bescheiden geht er hinter dem nordkoreanischen Machthaber her.
Was positiv auffällt: Beim Nebeneinandergehen, schreiten beide Staatschefs synchron im gleichen Takt. Ein gutes Vorzeichen?


Zur Rhetorik der Beiden beim ersten gemeinsamen Auftritt, sitzend vor der Presse:
Trump spricht einmal mehr so, als habe er sich nicht vorbeitet. Er folgt spontan seinen Gedanken. Mit simpler Syntax. Erstaunlich ohne Abschweifungen und den üblichen Seitenbemerkungen.
Kim schweigt zuerst recht lange, während  Trump auf ihn einredet. Kims Blick ist nach vorne gerichtet - gegen die Pressevertreter, als höre er nicht zu. In dieser Phase wirkt Trump nervöser. Er stützt - nach vorne gebeugt - seine Unterarme auf die Oberschenkel, die Hände zu einer Merkel Raute geformt.
Die Fingerspitzen pfeilförmig nach unten gerichtet, immer wieder mit den Fingerkuppen aufeinander klopfend. Kims Lächeln entspannt am Schluss die Situation.


Kims Stimme wirkt bedacht. Trumps Stimme - im Gegensatz zu den üblichen Auftritten ist erstaunlich ruhig, staatsmännischer.





Die Augen sind bekanntlich die "Fenster zur Seele".
Trump kneift bei seinen Reden sonst  die Augen oft zu und erschwert damit  den Blick ins Innere.
Bei diesem Treffen bemüht er sich jedoch, den Augenkontakt mit Kim bewusst aufzunehmen.
Kim weicht jedoch am Anfang diesem Kontakt aus. Erst später baut er mit den Augen gleichsam eine Brücke auf. Das macht uns bewusst: Der Blickkontakt ist die Nabelschnur der Kommunikation.
  


FAZIT:
Das Medienaufgebot im Hotel Sentosa war riesig. Die beiden Machthabern sind sich bewusst: In Singgapur wird Geschichte geschrieben. Beide wissen, dass sie diese Chance nutzen müssen und haben sicherlich ein grosses Interesse an einem positiven Ausgang des Treffens.
Kim und Trump ist dennoch zuzutrauen, dass sie später  ihre Zugeständnisse widerrufen könnten. Beide bleiben unberechenbar. Diese Eigenschaft beider Staatschefs könnten somit das Treffen nachträglich plötzlich wieder zu Nichte machen.
Bei Ihnen ist alles möglich. Jeder will im eigenen Land den historischen Gipfel als persönliche Glanzleistung  zu vermarkten wissen.
Instinktpolitker Trump verlässt sich meist auf sein Bauchgefühl. Von Kim weiss man. Er hat viele Berater. Selbst wenn Kim bewegt werden könnte, seine Atomwaffen aufzugeben, so
ist nicht sicher, dass die mündlich vereinbarten Abmachungen eingehalten werden.
Dennoch: Immerhin ist das Eis gebrochen. Es besteht die Hoffnung, dass es zu weiteren Gesprächen kommt und Vertrauen aufgebaut werden kann.
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Beiträge im Tagi, Der BUND, Thuner Tagblatt und Basler Zeitung:
 

Körpersprache: Kims Blick und Trumps Berührungen

Wie haben die beiden Präsidenten beim Gipfel gewirkt? Wer hat mehr überzeugt? Experte Marcus Knill gibt Antworten.

Die Körpersprache von Trump und Kim – und was sie bedeutet. Video: Tamedia/Reuters
Beim Singapur-Gipfel haben sich zwei Politiker getroffen, die einige Gemeinsamkeiten haben. Donald Trump und Kim Jong-un sind beide Machtpolitiker und Angeber, sie provozieren und drohen gern. Beide sind unberechenbar, zwar für positive Überraschungen gut, aber nicht gerade verlässlich. Das alles beeinträchtigt ganz stark die Glaubwürdigkeit der eigenwilligen Staatschefs von den USA und Nordkorea. Das bisherige Image beeinflusst auch die Wahrnehmung ihres Auftritts in Singapur.
Wie haben Kim und Trump beim Gipfel gewirkt? Wie waren ihre Körpersprache und ihre Rhetorik? Wer hat mehr überzeugt? Diese Fragen beantwortet Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik und Kommunikation. Er hat die Begrüssungsszene und den ersten Medienauftritt der Protagonisten des Gipfels genauer angeschaut. Hier folgen seine Beobachtungen:
Auftreten und Outfit
«Kim Jong-un, der 1,70 Meter gross ist, trägt eine XXL-Zelthose in dunkler hochgeschnittener Kleidung. Damit wirkt er noch kleiner und massiger als der 1,90 Meter grosse Trump. Dieser Grössenunterschied unterstreicht die Selbstüberzeugung von Trump (‹Ich bin der Grösste›, ‹Ich stehe über allem›). Beim Outfit der beiden Staatschefs fällt auch das leuchtende Rot der Krawatte des US-Präsidenten auf. Rot signalisiert Energie, Aktivität und Dynamik. Sie ist aber auch eine Warnfarbe.»
Begrüssung und Handschlag
«Es ist ein historischer Handschlag. Trump und Kim wirken ernst und konzentriert, als sie aufeinander zuschreiten und sich die Hände geben. ‹Nice to meet you, Mr. President›, sagt der nordkoreanische Machthaber zur Begrüssung. Der US-Präsident erklärt, dass er sich grossartig fühle. ‹Wir werden eine grossartige Diskussion haben und sehr erfolgreich sein. Es ist mir eine Ehre. Wir werden eine grossartige Beziehung haben›, sagt Trump. Und Kim entgegnet: ‹Es war nicht einfach, hierher zu kommen. Es gab Hindernisse, aber wir haben sie überwunden, um hier zu sein.›»
Bei der Begrüssung berührt Trump – zusätzlich zum Handschlag – mit der linken Hand kurz Kims rechten Oberarm. Der Handschlag dauert 13 Sekunden. Er artet nicht in einem Zweikampf aus. Beide kommen sich recht nahe. Trump lässt Kim den Vortritt. Er hat offensichtlich die grössere Erfahrung bei solch wichtigen Treffen. Trump berührt Kim erneut und weist ihm den Weg zur Bibliothek des Hotels Capella, wo ein 48 Minuten dauerndes Vier-Augen-Gespräch stattfindet. In dieser Phase übernimmt Trump die Führung. Bescheiden geht er hinter dem nordkoreanischen Machthaber. Was positiv auffällt: Beim Nebeneinandergehen schreiten beide Staatschefs synchron im gleichen Takt – ein gutes Vorzeichen.»

Gemeinsamer Medienauftritt
«Trump spricht einmal mehr so, als habe er sich nicht auf das Treffen mit Kim vorbereitet. Er folgt spontan seinen Gedanken. Trump spricht in einfachen, klaren Sätzen. Er tut dies ohne die üblichen Nebenbemerkungen. Kim schweigt zunächst recht lange, während Trump auf ihn einredet. Kims Blick ist nach vorne gerichtet, in Richtung der Medienschaffenden, als höre er nicht zu. In dieser Phase wirkt Trump nervös. Er stützt, nach vorne gebeugt, seine Unterarme auf die Oberschenkel, und seine Hände formen sich zu einer Merkel-Raute. Trumps Fingerspitzen sind pfeilförmig nach unten gerichtet, immer wieder mit den Fingerkuppen aufeinander klopfend. Kims Lächeln entspannt schliesslich die Situation. Seine Stimme wirkt bedacht. Trumps Stimme ist – im Gegensatz zu den üblichen Auftritten – ruhiger und staatsmännischer.
Trump kneift normalerweise bei seinen Reden die Augen oft zu und erschwert damit den Blick ins Innere seiner Person. Bei diesem Treffen bemüht er sich aber, den Augenkontakt mit Kim bewusst aufzunehmen. Kim weicht zunächst diesem Augenkontakt aus. Erst später baut er mit den Augen gleichsam eine Brücke auf. Das macht uns bewusst: Der Blickkontakt ist die Nabelschnur der Kommunikation.»
Fazit
«Die ganze Welt schaut auf das Gipfeltreffen in Singapur. Trump und Kim sind sich bewusst, dass hier Geschichte geschrieben wird. Beide sehen das Treffen als Chance für sich selbst. Beide werden versuchen, den historischen Gipfel im eigenen Land als persönliche Glanzleistung zu vermarkten. Trump und Kim haben ein grosses Interesse an einem positiven Ausgang des Treffens. Beiden ist allerdings zuzutrauen, dass sie später ihre Zugeständnisse widerrufen. Beide bleiben unberechenbar. Diese Eigenschaft beider Staatschefs könnte somit den historischen Gipfel nachträglich plötzlich wieder zunichtemachen. Bei Trump und Kim ist alles möglich. Von Kim weiss man, dass er viele Berater hat. Instinktpolitiker Trump verlässt sich meist auf sein Bauchgefühl.
Dennoch: Immerhin ist das Eis zwischen den USA und Nordkorea gebrochen. Nun könnte Vertrauen aufgebaut werden. Und es besteht die Hoffnung, dass es zu weiteren Gesprächen zwischen Trump und Kim kommt. Der Start ist immer die halbe Miete. Zu Beginn des Gipfels zeichnet sich rhetorisch eine Pattsituation ab.» (Tages-Anzeiger)
«Beim Nebeneinandergehen schreiten Trump und Kim synchron im gleichen Takt – ein gutes Vorzeichen»: Marcus Knill, Kommunikationsexperte.
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START GELUNGEN

Beim Singapur-Gipfel haben sich zwei Politiker getroffen, die einige Gemeinsamkeiten haben. Donald Trump und Kim Jong-un sind beide Machtpolitiker und Angeber, sie provozieren und drohen gerne. Beide sind unberechenbar, zwar für positive Überraschungen gut, aber nicht gerade verlässlich. Das alles beeinträchtigt ganz stark die Glaubwürdigkeit der eigenwilligen Staatschefs von USA und Nordkorea. Das bisherige Image beeinflusst auch die Wahrnehmung ihres Auftritts in Singapur.

Wie haben Kim und Trump beim Gipfel gewirkt? Wie war ihre Körpersprache und ihre Rhetorik? Wer hat mehr überzeugt?


Diese Fragen beantwortet Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik und Kommunikation. Er hat die Begrüssungsszene und den ersten Medienauftritt der Protaganisten des Gipfels genauer angeschaut. Hier folgen seine Beobachtungen:

Das Auftreten und das Outfit

«Kim Jong-un, der 1,70 Meter gross ist, trägt eine XXL-Zelthose in dunkler hochgeschnittener Kleidung. Damit wirkt er noch kleiner und massiger als der 1,90 Meter grosse Trump. Dieser Grössenunterschied unterstreicht die Selbstüberzeugung von Trump («Ich bin der Grösste», «Ich stehe über allem»). Beim Outfit der beiden Staatschefs fällt auch das leuchtende Rot der Krawatte des US-Präsidenten auf. Rot signalisiert Energie, Aktivität und Dynamik. Sie ist aber auch eine Warnfarbe.»

Die Begrüssungszeremonie und der Handschlag

«Es ist ein historischer Handschlag. Trump und Kim wirken ernst und konzentriert, als sie aufeinander zuschreitten und sich die Hände geben. «Nice to meet you, Mr. President», sagt der nordkoreanische Machthaber zur Begrüssung. Der US-Präsident erklärt, dass er sich grossartig fühle. «Wir werden eine grossartige Diskussion haben und sehr erfolgreich sein. Es ist mir eine Ehre. Wir werden eine grossartige Beziehung haben», sagt Trump. Und Kim entgegnet: «Es war nicht einfach, hierher zu kommen. Es gab Hindernisse, aber wir haben sie überwunden, um hier zu sein.»

Bei der Begrüssung berührt Trump – zusätzlich zum Handschlag – mit der linken Hand kurz Kims rechten Oberarm. Der Handschlag dauert 13 Sekunden. Er artet nicht in einem Zweikampf aus. Beide kommen sich recht nahe. Trump lässt Kim den Vortritt. Er hat offensichtlich die grössere Erfahrung bei solch wichtigen Treffen. Trump berührt Kim erneut und weist ihm den Weg zur Bibliothek des Hotels «Capella», wo ein 48 Minuten dauerndes Vier-Augen-Gespräch stattfindet. In dieser Phase übernimmt Trump die Führung. Bescheiden geht er hinter dem nordkoreanischen Machthaber. Was positiv auffällt: Beim Nebeneinandergehen schreiten beide Staatschefs synchron im gleichen Takt – ein gutes Vorzeichen.»

Die Rhetorik beim ersten gemeinsamen Medienauftritt

«Trump spricht einmal mehr so, als habe er sich nicht auf das Treffen mit Kim vorbereitet. Er folgt spontan seinen Gedanken. Trump spricht in einfachen, klaren Sätzen. Er tut dies ohne die üblichen Nebenbemerkungen. Kim schweigt zunächst recht lange, während  Trump auf ihn einredet. Kims Blick ist nach vorne gerichtet, in Richtung der Medienschaffenden, als höre er nicht zu. In dieser Phase wirkt Trump nervös. Er stützt, nach vorne gebeugt, seine Unterarme auf die Oberschenkel, und seine Hände formen sich zu einer Merkel-Raute. Trumps Fingerspitzen sind pfeilförmig nach unten gerichtet, immer wieder mit den Fingerkuppen aufeinander klopfend. Kims Lächeln entspannt schliesslich die Situation. Seine Stimme wirkt bedacht. Trumps Stimme ist – im Gegensatz zu den üblichen Auftritten – ruhiger und staatsmännischer.

Trump kneift normalerweise bei seinen Reden die Augen oft zu und erschwert damit den Blick ins Innere seiner Person. Bei diesem Treffen bemüht er sich aber, den Augenkontakt mit Kim bewusst aufzunehmen. Kim weicht zunächst diesem Augenkontakt aus. Erst später baut er mit den Augen gleichsam eine Brücke auf. Das macht uns bewusst: Der Blickkontakt ist die Nabelschnur der Kommunikation.»
  
Fazit

«Die ganze Welt schaut auf das Gipfeltreffen in Singapur. Trump und Kim sind sich bewusst, dass hier Geschichte geschrieben wird. Beide sehen das Treffen als Chance für sich selbst. Beide werden versuchen, den historischen Gipfel im eigenen Land als persönliche Glanzleistung zu vermarkten. Trump und Kim haben ein grosses Interesse an einem positiven Ausgang des Treffens. Beiden ist allerdings zuzutrauen, dass sie später ihre Zugeständnisse widerrufen. Beide bleiben unberechenbar. Diese Eigenschaft beider Staatschefs könnte somit den historischen Gipfel nachträglich plötzlich wieder zunichte machen. Bei Trump und Kim ist alles möglich. Von Kim weiss man, dass er viele Berater hat. Instinktpolitker Trump verlässt sich meist auf sein Bauchgefühl. Dennoch: Immerhin ist das Eis zwischen USA und Nordkorea gebrochen. Nun könnte Vertrauen aufgebaut werden und es besteht die Hoffnung, dass es zu weiteren Gesprächen zwischen Trump und Kim. kommt. Der Start ist immer die halbe Miete. Es zeichnet sich rhetorisch eine Pattsituation ab.»

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Mittwoch, 13. Juni 2018

Gipfel Psychologie


Gipfel-Psychologie – Trumps Zeichen, Kims Gesten

Die XXL-Zelthose von Nordkoreas Führer, der Unterarm-Griff des US-Präsidenten. Marcus Knill analysiert, was nicht gesagt, aber angedeutet wurde. Mehr...

Dienstag, 12. Juni 2018

Endlich

Rücktritt  der Postchefin
Bildergebnis für ruoff post


Ruoff-Rücktritt: Schwaller und Leuthard zum Postauto-Bschiss 

Rücktritt von Ruoff: Das Vertrauen in die Post bleibt jedoch beschädigt


Urs Schwaller, Post-Verwaltungsratspräsident informiert über die Ergebnisse der Untersuchung zur Postauto-Affäre. (Bild: Peter Schneider / Keystone)

Postauto-Affäre: «Das Unrechtsbewusstsein ging verloren»

Die gesamte Geschäftsleitung der Postauto AG wird per sofort freigestellt und Susanne Ruoff ist nicht freiwillig gegangen: Das war die Medienkonferenz der Post zur Untersuchung der Postauto-Affäre.
aus NZZ


Montag, 11. Juni 2018

Neue Sprachsprechstunde aus Tagi online

Darfs ein bisschen mehr sein?

 
Video Dreimal mehr = dreimal so viel? Oder viermal?
Martin Ebel über Zahlen-Verwirrung und wie man ihr entgeht. Mehr...