Dienstag, 20. August 2019

Tagi und Blick haben etwas gelernt

Die Kraft der Bildrhetorik





Provozierende Plakate wurden bislang zusätzlich verstärkt durch deren Abbildung in  kritischen Beiträgen.

Das bekannte Plakat mit dem schwarzen Schaf der SVP fand dank der Abbildung  der empörten Kritiker auf allen Kanälen zusätzliche Verbreitung.  Weil die Wirkung des Bildes wirksamer ist als noch so viele Worte, konnten sich die Provokateure die Hände reiben, wenn ihr Bild von den Empörten nochmals abgebildet wurde. Gratis ohne kostspielige Inserate.

Bei der jüngsten Provokation mit der Apfelkampagne der SVP, bei der der Apfel (die Schweiz) von Würmern durchlöcher wird (die Farben an den Würmern assozieren die Grünen, die Roten und die EU) , ging ich davon aus, dass die SVP Gegner den Provkateuren in gewohnter Manier auf den Leim kriechen werden.
Doch Blick und Tagi (Beide Blätter zählen zur SVP kritischen Presse) scheinen bei dieser jüngsten Kampagne von Psychologen beraten worden zu sein. Denn sie druckten das BILD mit den Würmern am Montag nicht ab. Ich gehe davon aus, dass sie Redaktionen bewusst auf die Abbildung des Plakates verzichtet haben.
Nur in der Tagesschau wurde  die Analogie mit dem Apfel und den Würmern gezeigt. Blick hat dann am Dienstag das Bild doch noch abgedruckt aber zusammen mit dem Bild der Nazipropaganda (ebenfalls mit einem Apfel und Maden). Immerhin schwächten sie dadurch die Wirkung der SVP Bildrhetorik  mit einer Illustration ab.
Die SVP kritischen Journalisten waren sich vermutlich bei der jüngsten Provokation bewusst: Wir wollen bei dieser Kampagne nicht mehr - wie früher  - mit der Abbildung des Plakates zu einer zusätzlichen Gratiswerbung des Bildes Hand bieten. Wohl wissend: Trotz kritischem Text bleibt die Symbolik eines Bildes stets im Kopf haften, selbst dann, wenn versucht wird, das umstrittene Plakat verbal mit  der Kampagne der Nazis mit dem Ungeziefer Juden in Verbindung zu bringen. Die Kraft der Bildrhetorik ist stärker als jene mit Worten. 



Es gibt Autoren und Filmemacher, die erst glücklich sind, wenn gegen eine Aufführung heftig protestiert wird. Sie wissen: Proteste, Bücherverbrennungen, Demonstrationen wecken die Aufmerksamkeit.
Proteste entlasten das Werbebudget. Als die katholische Kirche früher bei der Literatur eine Liste von Büchern auf einem Index als schädlich gebrandmarkt hatte, wurde dieser Index für viele Jugendliche als Liste genutzt, die es ihnen erleichterte, jene Bücher zu finden, die lesenswert sind.
Nichts schätzen Provokateure mehr, als die Welle der Empörung.
Mit anderen Worten: Nichts ärgert Provateure mehr, als nicht beachtet zu werden.
Fazit: Obschon es der SVP einmal mehr gelungen ist, zu provozieren, fällt die Bilanz schlecht aus. Die SVP Gegner sind zwar in die Aufmerksamkeitsfalle getappt.
Doch diese Apfelkampagne hätte ich nicht gebracht.Weil ebenfalls mit Bildern nachgewiesen werden konnte, dass sie sich zu stark an die Bildrhetorik der Nazipropaganda anlehnt. Mit dieser Kampagne kann somit die SVP nichts gewinnen. Im Gegenteil.       
Ich zitiere BLICK:

Blocher zum Maden-Plakat: «Es ist eine Punktlandung!»

Das Maden-Plakat provoziert und stösst sogar parteiintern auf Kritik. SVP-Übervater Christoph Blocher freuts: Das Plakat bringe die Sache auf den Punkt, sagt er.

Samstag, 17. August 2019

PR Gau für Gretas Segelturn




Laut Teammagangerin Cova hat das "Malizia"-Team um den deutschen Skipper Boris Herrmann im Alleingang die Entscheidung über die Crewflüge getroffen. Sie musste eigestehen, dass die Segelüberfahrt mehr CO2 produziert als mit zwei Flügen.
Es gibt wohl keine perfekte Lösung
"Wir erkennen an, dass dies keine perfekte Lösung ist. Aber Ausgleichen ist besser als nichts zu tun", sagte Cova. Und: "Die Menschheit hat noch keinen Weg gefunden, um einen Ozean zu überqueren, ohne einen CO2-Fußabdruck zu hinterlassen." Umso mehr hoffe sie nun, dass "diese Reise dazu beiträgt, Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken."
Der Fall ist ein PR-Gau - für das Team und für die Klimaaktivistin. Thunberg wollte möglichst emissionsfrei über den Atlantik reisen und hatte sich deswegen fürs Segeln entschieden. Am Donnerstag aber hatte die Berliner "tageszeitung" berichtet, dass für die Rückführung des Bootes nach Europa sechs Langstreckenflüge von Crewmitgliedern nötig seien - und so durch den Transatlantik-Törn mehr klimaschädliches CO2 entstehe, als wenn Thunberg mit ihrem Vater direkt in die USA geflogen wäre. Tatsächlich fallen nun vier Crewflüge an; der CO2-Ausstoß dürfte damit bei beiden Varianten ähnlich hoch sein. Aber von einer Null-Emissionsreise kann nicht mehr die Rede sein. Und: wie Greta CO2-arm nach Schweden zurück kommen soll, ist noch völlig unklar.
KOMMENTAR:
Am Anfang klammerten die Medien alle negativen Informationen über die Auftritte von Greta und Ihrem Vater als fragwürdigen Manager aus.
Nachdem  jedoch Greta ihren Bann über die Medien ausgesprochen hatte, kehrte das Blatt. Immer mehr Medien hinterfragen ihre gesteuerten Aktionen  und es werden vermehrt kritische Stimmen laut.
LINK:

02.05.2019


 

Freitag, 9. August 2019

Zoff unter den Greta Jüngern







Streit, Schweiz-Gemotze und Heulkrämpfe am Klimagipfel in Lausanne
Riesen-Zoff unter den Greta-Jüngern

Die Klima-Teenies wollen zusammen mit ihrem Idol Greta von Lausanne aus die Welt retten. Nur: Die einen wollen arbeiten, die anderen über Gefühle reden. Auch am Veranstaltungsort Schweiz haben Klimagipfel-Teilnehmer was auszusetzen.

Schon am dritten Tag liegen bei den Klima-Teenies die Nerven blank. Die Unzufriedenheit unter den Teilnehmern des «Smile for Future»-Klimagipfels in Lausanne ist förmlich zu spüren. Journalisten werden gebeten, den Raum zu verlassen. Die europäische Klimajugend will unter sich sein, wenn sie sich zofft und über ihre Probleme redet.
Und das sind offenbar viele.
Am heftigsten knallt es vor dem Saal. Ein Mädchen mit pinken Haaren stürmt raus, bricht heulend zusammen. Ein anderes setzt sich trotzig im Schneidersitz vor die Tür. Sie halte es da drinnen nicht mehr aus, erklärt sie. Nach und nach kommen weitere Teilnehmer dazu, knien neben ihr. Auch Greta Thunberg. Sie hört aufmerksam zu. Als das Mädchen in Tränen ausbricht, zögert Greta nicht, umarmt und tröstet sie.
Die Tränen und Zusammenbrüche zeigen: Beim Strategietreffen in Lausanne stösst die europäische Klimajugend an Grenzen. Die Atmosphäre ist angespannt. Diese Punkte sorgen bei den Klima-Teenies für Riesen-Zoff:

1. Sie sind sich nicht einig, wie radikal sie sein wollen

Frust hat sich aufgestaut. Seit sieben Monaten gehen die «Fridays», wie sich die Teilnehmer der «Friday for Future»-Bewegung nennen, für den Klimaschutz auf die Strasse. Doch die Ergebnisse ihres Engagements werden nur langsam sichtbar. Viele fragen sich, ob sie stärker provozieren müssten – und sogar Gesetze brechen, wie es die Klimaschutz-Extremisten von «Extinction Rebellion» machen.

2. Nicht alle wollen den Kapitalismus abschaffen

In Lausanne diskutieren die Kinder und Jugendlichen, wie sie die perfekte Gesellschaft sehen. Für viele ist klar: Unsere Wirtschaft ist böse. Ein deutscher Teilnehmer kommt begeistert aus einer Diskussionsrunde mit der Wirtschaftsprofessorin Julia Steinberger: «Der Konsens ist: Kapitalismus muss weg.» Doch so einfach ist es nicht. Ein anderer Teilnehmer hat die Diskussion völlig anders wahrgenommen: «Die polnischen Teilnehmer finden das mit der Geschichte ihres Landes gar nicht lustig, wenn Deutsche und Franzosen in Richtung Kommunismus wollen.»

3. Sie wissen nicht, was sie fordern wollen

Noch immer ist unklar, was am Ende des Klimagipfels stehen soll: ein Strategiepapier? Ein Forderungskatalog? Die Teilnehmer sind in dieser Frage hoffnungslos zerstritten. Am Montag gab es kurzzeitig mehr als 30 Forderungen. Viele davon sind extrem spezifisch und beinhalten konkrete Massnahmen und Klimaziele. Das Problem: Die Forderungen sollen europaweit gelten und von allen Teilnehmern mitgetragen werden.

4. Die Schweiz passt ihnen nicht

Zu teuer und nicht in der EU: Das nervt viele der rund 450 Teilnehmer, die aus 37 Ländern angereist sind. «Für Teilnehmer aus Osteuropa ist es sogar teuer, sich etwas im Supermarkt zu kaufen», erzählt eine österreichische Teilnehmerin. Sie selbst sei zwar auch mit Brot und Marmelade zufrieden, aber das Essen auf dem Gipfel sei aus Budgetgründen nicht besonders abwechslungsreich. Das sorgt für Frust bei den Jungen, die ihre Woche hier trotz der Arbeit geniessen wollen. Und: Weil es im Gegensatz zur EU Roaming-Gebühren gibt, können die Klima-Teenies in Lausanne kein mobiles Internet nutzen.

5. Die Diskussionskultur kostet Zeit und Nerven

«Es ist schon schön, dass jeder immer über seine Gefühle reden kann», kommentiert ein Schweizer Teilnehmer. «Ich verstehe aber auch, dass andere mehr arbeiten wollen.» Die Krux: Die Graswurzelbewegung will, dass jeder gleichermassen zu Wort kommt. Nicht immer klappt das – auch hier gibt es Teilnehmer, die nach vorne drängen. Das führt bei sensibleren Teilnehmern zu Unmut. Und: Sobald jemand mit den Händen ein Dach über dem Kopf formt, bedeutet das «Ich fühle mich unwohl». Dann darf er sofort darüber sprechen – selbst im Plenum mit rund 450 Teilnehmern.

KOMMENTAR:
Die Greta Bewegung zeigt, dass eine Kampagne geführt werden muss. Nicht bei jedem Problem können wir basisdemokretisch stundenlang diskutieren und jede Meinungsverschiedenheit mit einem Palaver lösen.
Es bedarf Entscheide.  Nachdem die Medien die Auseinandersetzung veröffentlichten, wollte Greta nachher bei den Diskussionen keine Journalisten mehr dabei haben. Sie wurden ausgeladen. Das war ein gravierender Fehler.
Medien sind Multipikatoren auch bei Fehlern. Greta musste denn auch zurückkrebsen. Der Zoff verdeutlicht, dass die Bewegung ein buntes Konglomerat von unterschiedlichsten Weltverbesserern ist. Militante, emotionale usw. alle möchten auf den Klima-Zug springen und vom gelungenen Anschub profitieren.


Nächster Eklat am Klimagipfel
Greta lässt Journalisten aus dem Saal werfen

Am grossen Treffen der Klima-Jugend in Lausanne herrscht dicke Luft. Das scheint auch an Anführerin Greta Thunberg nicht spurlos vorbei gegangen zu sein. Die 16-Jährige liess heute  anwesenden Journalisten aus dem Saal werfen. Ich zitiere "persönlich.com":

Für die schlechte Stimmung verantwortlich seien die Medien, sagte  Thunberg am Freitag. Die Schwedin plädierte am letzten Kongresstag dafür, die Journalisten auszuschliessen, «weil sie es sonst darstellen, als hätten wir Streit».  Die Medien mussten den Saal verlassen – ohne weitere Begründung.
Diesen Fehlentscheid konnte nicht lange aufrechterhalten bleiben. 






Dienstag, 6. August 2019

Wahrnehmungsverzerrungen beeinflussen unser Denken




Tagtäglich wird unsere Wahrnehmung getäuscht und verzerrt

Beispiele aus der Medienwelt:



1.

Polizei-Grosseinsatz nach «Messerstecherei» am helllichten Tag
Afghane (22) und Brasilianer (34) nach Langstrassen-Streit in Haft (Blick)

2.
Der Schwertmörder kam als Flüchtling zu uns (Quelle Bild)
  

3.
Eritreer hat ein Kind vor den ICE gestossen.
Nachbarn von Habte A. zweifeln die vorbildliche Integration des Eritreers an. Der Mann, der am Montag in Frankfurt einen 8-jährigen Jungen in den Tod gestossen hat, galt als Musterbeispiel für eine gelungene Integration in der Schweiz.

Solche Meldungen in den Medien  haben die Asylthematik umgehend befeuert. Die sozialen Medien spiegeln die Stimmung in der Oeffentlichkeit.

Weshalb überschätzen wir solche einzelne Vorkommnisse?
Wir kennen verschiedene Phänomene  aus der Psycholgie, welche  unser Denken beeinflussen.
Bei unserer Wahrnehmung werden wir nicht nur durch Fakten - sondern auch durch Emotionen beeinflusst. Folgende Phänomene aus der Psychologie helfen uns, die Ueberbewertung von Einzelvorkommnissen besser zu verstehen:

Zur Verfügbarkeitsheuristik: Wir schätzen die Wichtigkeit oder Häufigkeit von Ereignissen  vor allem dann falsch ein, wenn  der seltene Fall mit konkreten Details im Bewusstsein verankert wird. Dadurch überschätzen die meisten Menschen die Wahrscheinlichkeit eines Verbrechens oder eines Flugzeugabsturzes, weil sie in den Medien  überproportional gut mit detaillierten Informationen über das Geschehnis versorgt werden. Obschon das Risiko beim Fliegen geringer ist als beim Autofahren, verzichten nach einem Unglück kurzfristig auf Flugreisen.

Zu den Mechanismen der Verfügbarkeitskaskade: Risiken werden vielfach überbewertet oder völlig ignoriert. Es fällt uns schwer, aussergewöhnliche Vorfälle richtig einzuordnen, deshalb kommt es  oft zu einer Verfügbarkeitskaskade. Ein Vorkommnis steht allen zu Verfügung und wird tagelang in den Medien thematisiert, wiederholt, kommentiert und dadurch verstärkt.
Das gilt für alle Bereiche. Sei es bei einer Tat eines Asylbewerbers oder bei Auftritten der Person Greta. Medien wirken als Verstärker. Sie können Dimensionen von Sachverhalten in der  Oeffentlichkeit verzerren.




KOMMENTAR:
Die Erkenntnis, dass Ereignisse von Medien und Oeffentlichkeit aufgeblasen werden können und dadurch unsere Wahrnehmung verzerren, darf nicht dazu führen, dass wir unliebsame Vorkommnisse zensieren oder bewusst unter den Teppich kehren.  Es gilt die Balance zu finden zwischen faktentreuer, recherchierter Information und stimulierenden Geschichten. Es ist falsch,  bei Verbrechen von Flüchtlingen die Herkunft der Täter zu verschweigen, nur weil Journalisten den Fremdenhass nicht schüren wollen. Die AfD profitierte von dieser "Zensur" in Deutschland und punktete nachher mit dem Begriff "Lügenpresse". Das Verschweigen war kontroproduktiv. Anderseits ist es auch gefährlich, Geschehnisse medial aufzukochen. Dies führt ebenfalls zu einer Verzerrung der Wirklichkeit.



FAZIT:
Das menschliche Gehirn ist so konstruiert, dass bei einmaligen, überraschenden Ereignissen, Verbrechen oder Unfällen, Kurzschlusshandlungen begünstigt werden. "Wir denken, dass der Verstand dazu da sei, die Wirklichkeit differenziert zu erkennen. Dies ist ein richtiges Ziel, aber die Evolution hat etwas dagegen" (Frank Urbanlok)
Das heisst: Wenn etwas Aussergewöhnliches passiert, will der Mensch rasch entscheiden, um handlungsfähig zu sein. Die Vernunft spielt in solchen Situationen keine Rolle. Das kommt gewissen Journalisten entgegen, die emotionalisieren. Die sozialen Meden veranschaulichen uns, dass dieser Mechanismus gut funktioniert. Angst und Wut sind ideale Treiber, um Menschen zu moblilisieren. Das gilt bei allen Themen: Fremdenfeindlichkeit, Umweltkatastrophen, Kernkraftwerken usw. Einzelfälle mutieren in der öffentlichen Diskussion zu einem allgemeinen Problem. Angeheizt von Medien und Blogs wird der emotionalisierte Ausnahmefall nicht mehr von der Vernunft gesteuert.
Dessen sollten wir uns ständig bewusst bleiben.




 

 

 

 

 

Sonntag, 4. August 2019

Die Macht der Gendermissionare (Artikel Persönlich)


Aus Angst vor den politisch Korrekten  verzichten viele auf den gesunden Menschenverstand und opfern die Sprachästhetik

Ich kenne einen Werber, der  wagt es nicht mehr, ein Wort zu schreiben, das  militante Feministinnen auf den Plan rufen könnte.
Eine Behörde eines Kantons wies ihm nämlich jedes Wort zurück, das nicht geschlechtsneutral geschrieben war. Die Auftraggeber dohten: Falls das Wort Fussgänger  nicht überall  ersetzt werde mit "die zu Fuss gehenden" müsste der Werber auf den Auftrag verzichten. Der gesunde Menschenverstand bleibt somit auf der Strecke. Obschon sich der Werber an der Sprachverstümmelung stört, ist er machtlos.  Er musste  die Sprache  maltraitieren. Er sagte mir : "Wenn ich Geld verdienen will, bleibt mir nichts anders übrig, als das Spiel mit der Sprachpolizistinnen mit zu spielen".  Er hatte zudem auf einem Flyer eine Person dunkelgrün eingefärbt. Das wurde ebenfalls zurückgewiesen, weil das dunkle Grün  zu rassistisch wirke. Es sei beinahe schwarz.
Man müsste eigentlich  davon ausgehen, dass sich der Ungeist der politischen Korrekten -  nach der Aera der militanten Spachpolizistinnen - allmählich gelegt hat und bei Formulierungen die Vernunft eingekehrt ist. Das Gegenteil scheint jedoch der Fall zu sein. Die Ueberkorrekten sind überaktiv. Sie wissen allein, was korrekt ist und üben konsequent Druck aus. Es gibt für sie bei der Genderfrage keine Toleranz. Wer  dem Druck dieser  Moralisten nicht nachgibt, muss es bitter büssen. Militante Tugendwächterinnen protestieren bei jedem  angeblich unkorrekten Wort so lautstark und  so lange, bis die Verantwortlichen klein beigeben. Behörden ändern sogar Reglemente und Spielregeln. Sie kuschen. Der gesunde Menschenverstand bleibt auf der Strecke. Die Verschandelung der Sprache wird in Kauf genommen.


Ich zitiere Literaturnobelpreisträger Czeslaw Milosz (Quelle NZZ E Papier vom 29.4.2019):

Der Ungeist der politischen Korrektheit metastasiert sich gerade durch Universitäten, den Kulturbetrieb, Redaktionsstuben bis hin in die Politik.

Aus Sicht der Political-Correctness-Bewegung steht die Wahrheit in Form der Doktrin bereits fest, weshalb sich Debatten im Grunde erübrigen. Der Debattenraum wird im Namen einer Ideologie somit erst teilprivatisiert und dann schrittweise universalisiert, bis der Privatstandard der Doktrin als einzig neuer zulässiger Meinungskorridor erscheint. Nietzsche hat in seiner «Genealogie der Moral» von der «creatio ex nihilo» der moralischen Begriffe gesprochen. Der Moralist trägt seine Vorurteile in den Eingeweiden. In einer anmassenden Deutungsmacht über korrekte Begriffe wird eine Einteilung in gute Kollektive (LGBT, Frauen, marginalisierte Gruppen) und schlechte Kollektive (alte weisse Männer, Personen rechts der Mitte) vorgenommen, welche mancherorts über Zulassung zu öffentlichen Debatten entscheidet. Die latente Androhung von Shitstorms oder Karrierenachteilen resultiert in einer Narkotisierung des Debattenraums und einer Omertà der Intellektuellen. (Ende Zitat)


Die Sprachpolizistinnen bringen es erstaunlicherweise fertig, dass unzählige Schulen, Spitäler, Aemter und Behörden bereit sind, die Sprachzerstörung in Kauf zu nehmen. Alle scheinen zu resignieren. Man will wohl nicht mit der Political-Correctness-Bewegung anlegen. Man hofft sie mit Nachgeben ruhig zu stellen.
Nachgeben ist angeblich bequemer, als sich gegen die Sprachzerstörer zu wehren und sich für eine korrekte Sprache einzusetzen.

Selbst Germanisten, Sprachwissenschafter und Sprachexperten geben derzeit klein bei, wenn unsinnige Formulierungen gefordert werden. Die Sprache ist aber  ein so hohes Gut, das wir pflegen sollten.

Bei all den unsinnigen, kuriiosen Formulierungen vermissen wir den Aufschrei von den vernünftigen Sprachwissenschafter.
Anstatt die gedankenlose Gendersprache zu stoppen, werden jedoch die abartigen Formulierungen vielerorts  übernommen und  verankert.
Bei der Ringierpresse gibt es beispielsweise keine Fussgängerstreifen mehr. Wir lesen stets von Zebrastreifen, obwohl die Markierung für Fussgänger und nicht für Zebras bestimmt sind. Es gibt weder eine "Gästin" noch Studierende. Denn diese wären ständig  am Studieren, Wenn sie etwas anderes tun, sind sie nach wie vor Studenten.
Das Binnen I bei StudentInnen kann nicht gelesen werden, wie  auch die eingeführten Sternchen. Beides ist sprachlich falsch. (Geschriebendes muss stets auch gelesen werden können!)
Das ständige Verdoppeln wie "DIe Lehrerinnen und Lehrer haben den Schülerinnen und Schüler in Erinnerung gerufen, dass sie immer den Zebrastreifen benutzen müssen." widerspricht dem Prinzip der Kürze und der Verständlichkeit,
Kürze ist ein wichtiger Verständlichkeitshelfer.
Die Sprachsektierer können   ihre Früchte ernten, die sie gesät haben.Man hoffte, die Schweiz bleibe gegenüber dem Visrus Sprachmissionaren immun. Das Gegenteil ist leider der Fall.
Groteske Formulerungen werden toleriert:
Liebe Kinderinnen und Kinder....
Die wenigsten der Reisendinnen.....
Hans der  Hebammer.....
Göttin sei Dank...
Menschin
Gästin
usw.



Peter Thomi schrieb schon vor Jahren in der NZZ am Sonntag einen treffenden Leserbrief:

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Wie die Sprache vor die Hündinnen geht
Zur "geschlechtsneutralen" Sprache

Bei den Giraffen gibt es keine Männchen, die Giraffe ist weiblich. Ein Weib ist keine Frau, das Weib ist sächlich. Eine Frau ist kein Mensch, der Mensch ist männlich. (Also Menschin?) Logisch. Würde man einsehen und akzeptieren, dass die von der Sprache verwendeten Genera sich nicht mit dem Geschlecht des Gemeinten decken müssen, dann wäre der Sprachspuk endlich vorbei, und es gäbe wieder Studenten statt "Studierende", Konsumenten statt "Konsumierende", Hörer statt "Hörende", Leser statt "Lesende" und "Fussgänger" statt "Gehende". Dann würde auch in den Medien und an den Universitäten wieder das Selbstverständliche gelten: Das grammatikalische, im Wörterbuch verzeichnete Geschlecht, Maskulinum hin oder her, ist nicht das biologische. Dann fühlen sich alle, Feminismus hin oder her, wieder gleichermassen angesprochen, sofern die Wendung es nicht ganz klar anders bestimmt. Und das "mitgemeint" oder "nicht ausdrücklich genannt" kann getrost entsorgt werden: im sprachhistorischen Kuriositätenkabinett. 



 
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Fazit:
Solche Gleichmachungsbemühungen stören den Lesefluss und widersprechen eindeutig der Sprachästhetik. Sie führen eigentlich zu einer  sprachlich unkorrekten Sprache.
DieMediensprache sollte kurz und knackig sein. Doch führt der interne Kodex für eine gesclechtsneutrale Sprache zum Gegenteil. Es  gäbe die Möglichkeit, bei einer Aufzählung einmal die männliche und einmal die Webliche Form zu wählen. Ferner gibt es korrekte Kollektivbezeichungen wie "das Publikum". Andrea Vetschs Versuch das Wort "Kund*innen" mit einer Pause nach dem d das Gendersternchen zu artikulieren. Damit hat sie das Dilemma nicht gelöst. Mediensprecherin Wenger (SRF) betont richtigerweise: "Mit der gendergerechten Sprache darf die Verständlichkeit nicht leiden. Auch die Eleganz der Sprache darf nicht missachtet werden."
aus Sicht der Chefredaktion wurde beim "Kund*innen" Beispiel dieses Prinzip verletzt, weil es das Publikum irritiert.
Wir sehen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Es gibt verschiedene Redaktionsstuben, da ist der gesunde Menschenverstand noch nicht dem Wunsch von militanten Gendermissionarinnen geopfert worden. Ich wünsche mir mehr Mut zum Widerstand gegen sprachlich eindeutig sinnwidrigen Formulierungen.  





Sprachsprechstunde (Quelle: Tagi)

Scarlett Johansson ist super, gell?

Martin Ebel über ein Versicherungspartikelchen, das wir so häufig gebrauchen wie kaum ein anderes Wort.

Die Versicherungsfrage gibt es in vielen Varianten: «gelt», «gelle», «gä» oder «gäu». (Video: Tamedia)


Mittwoch, 31. Juli 2019

Wann ist eine 1. Augustrede perfekt?

Ich habe viele 1. Augustredner gecoacht

Meine Erfahrungen decken sich weitgehend mit den Erkenntnissen des Politberaters Mark Balsiger

Folgende Tipps haben sich bewährt:
 
Eine Rede muss frei gesprochen werden.
Erzählungen, Erlebnisse, Geschichten sind gefragt.
Vor allem muss die Rede nur EINE Kernbotschaft enthalten und kurz sein.

Der klassische AAA Aufbau hat sich bewährt

A Anfang, der die Ohren öffnet
A Aussage: Persönliche Botschaft, die zum Geburtstag der Eidgenossenschaft passt
A Abschluss: Appell, Zusammenfassung

Auch die EEE Formel ist uns behilflich:

E Emotionen Ansprechen
E Engagement, Ausdrucksstärke
E Einfache Sprache

Bildergebnis für 1. augustredner


Hier der Beitrag im Tagi:

Was macht eine gute 1.-August-Rede aus, wenn am Abend die Würste auf dem Grill brutzeln, die Kinder am liebsten ihre Raketen zünden und die Erwachsenen plaudern und ihr Bier trinken, statt einem drögen Politiker zuhören möchten?
Politikberater Mark Balsiger sagt es so: «Die Rede muss persönlich gefärbt sein, Leute mögen Anekdoten und Erlebnisse.» Und der Profi weiss auch: «Die meisten Reden sind zu lang, viel zu lang. Wegen der Reden kommen die wenigsten.»
Zentral sei auch, wie man eine Rede rüberbringe, mit Rhythmus und Zäsuren. Eine Rede müsse «gelebt werden», wie es Obama immer wieder gezeigt habe. Doch die wenigsten hiesigen 1.-August-Rednerinnen und -Redner hätten das Charisma und die Rhetorik von Obama – und die wenigsten würden dem Einüben einer Rede den nötigen Stellenwert geben.
Einem guten Redner gelinge es auch immer wieder, ein neues Thema anzustossen – zum Beispiel eine Gemeindefusion oder eine kulturelle Vision. Generell würden am 1. August «Vaterland und Co.» zu oft bemüht, wenn schon, sei ein eigenständiger Ansatz nötig. «Eine Rede muss frisch sein und überraschen.»

Beliebter Gottfried Keller 

Alt-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli will in Stäfa ausdrücklich «keine Parteirede» halten, sondern vielmehr alle ansprechen, «die etwas für die Schweiz empfinden». So komme der Eritreer, der aus der Schweiz kam und in Frankfurt einen Knaben vor den Zug stiess, in seiner 1.-August-Rede nicht vor – «dafür Gottfried Keller».
Botschaft seiner 1.-August-Rede sei, an den Bundesbrief und dessen Inhalt zu erinnern: «Bürgerinnen und Bürger sind die Chefs.» Auch SVP-Nationalrat Claudio Zanetti (Mönchaltorf und Gossau) erwähnt den Fall Frankfurt nicht: «Tagespolitik gehört nicht in eine 1.-August-Rede», sagt er, «ich rede nicht mal über die EU, dafür über Gottfried Kellers ‹Fähnlein der sieben Aufrechten›.»
Für Autorin und Publizistin Julia Onken, die in Dietikon spricht, ist der 1. August eine gute Gelegenheit, sich über unser Land Gedanken zu machen und sich ein paar Fragen zu stellen, die uns in Zukunft herausfordern werden. An vorderster Front stehen bei ihr Natur und Umweltschutz, die Gleichstellung sowie «Seniorenbashing».
Ihr Ziel: Denkimpulse zu liefern, aber auch dem gemischten Publikum mit Kind und Kegel sprachlich bildhaft das Zuhören schmackhaft zu machen. (rba)