Samstag, 7. Mai 2016

Beschreiben heisst: Die SINNE ansprechen

So reden und schreiben,
dass wir uns die Situation 
vorstellen können

Pfarrer Blocher im Schloss Laufen hat schon den Kindern am Esstisch gelehrt:
"Redet so, dass man es sieht."
Christoph Blocher hat dank dieses Tipps gelernt, bei seiner Rhetorik, bildhaft zu formulieren.

Jüngst las ich von Eveline Hasler das Buch „Stürmische Jahre“.

Bildergebnis für Eveline Hasler das Buch „Stürmische Jahre“. 

Darin fand ich Beschreibungen, die uns das „sinnvolle Schildern“ veranschaulichen.

Bildergebnis für Eveline Hasler das Buch „Stürmische Jahre“. 

Es lohnt sich bei folgenden Zitaten aus diesem Buch, zu überlegen, welche Sinne
(Augen, Ohren, Nase, Tastsinn  - aber auch welche Emotionen) bei den Texten angesprochen werden.
Dies ist für Sie eine hervorragende Wahrnehmungsschulung. Ferner empfehle ich:
Beachten Sie ferner auch die Wahl der Verben  oder die Wahl der Analogieen.

Ich zitiere:

1. Beispiel:

„Es ging schon gegen Abend, vom See herauf wehte ein kühler Wind.
Bräunliche Kastanienblätter wirbelten über den Kiesplatz. Sie zog fröstelnd die Schultern hoch,
murmelte etwas von Kälte, die im Hochland von Persien allgemeingegewärtig gewesen sei, einmal habe das Zelt im Schnee gesteckt….“


2. Beispiel:

„Der Spätnachmittag ist trüb, vor dem Schauspielhaus streuen die Laternen gelbliches Licht in die Nebelwatte.“

3. Beispiel:

„Es wehte ein eisiger Wind, und Marianne in einen Mantel gehüllt, trippelte vorsichtig mit ihren pelzgefütterten Stiefelchen an Tibors Seite.
Die Strasse war eine Eiszunge..“


4. Beispiel:

„Er bat Marianne Platz zu nehmen und verschwand dann lange hinter der Menükarte.
Nach eingehendem Studium bestellt er, seiner Verdauungsprobleme wegen nur eine Omelette.
Während er mit der Gabel in der Eierspeise herumstocherte, hieb Marianne lustvoll von einem tellergrossen Wienerschnitzel nundgerechte Stücke ab….“


5. Beispiel:

"Katja und Thomas Mann spazierten mit dem Geburtstagskind durch den Wald, der Spätherbst hatte Stäucher und Laubbäume festlich eingefärbt.
Ueber dem Seebecken lag noch Morgennebel, doch jetzt, gegen Mittag, klarte der Himmel auf, das Wasser schimmerte bläulich durch den Dunst, weiche Luft stieg hangwärts, für diese Jahreszeit fast ein zu milder Tag.“


6. Beispiel:


„Das Wetter ist mild, von der Terrasse sieht man in das junge Grün der Bäume, zwischen den Aesten winkt ein frühlingshaft blauweiss gesprenkelter Himmel…"


7. Beispiel:

„Die Regenperiode dieses Frühlings hatte lange gedauert, nun brach der Föhn vom Alpenwall her mit Wucht ins Land.
Der Himmerl nahm die Bläue der kleinen Enziankelche an,  die jetzt auf den Alpenwiesen im jungen Gras sprossen.
Die Luft wurde geschmeidig und warm. Ein Tag der Weit- und Klarsicht, über dem gekräuselten Wasser erschienen, so nah, als könnte man die Hand nach ihnen ausstrecken, die noch verscheiten Häupter der Glarnerberge."


LINK:




11. Juni 2008 ... Wer so schreibt oder so redet, dass man das Gesagte mit den äusseren Sinnen wahrnehmen kann, hat den Vorteil: - Die Worte können wir uns ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/