Samstag, 22. Dezember 2012

Im Weihnachtsstress haben wir eine dünne Haut:
Es wird viel mehr gestritten.



Weihnachts-Stress - beschäftigt Frau tragen Santa Hut betont für Weihnachts-shopping Betrieb kann Weihnachtsgeschenke in die Arme. Lustige Bild der vielpunkt ashtray Caucasian female Model auf weißem hintergrund isoliert. Stockfoto - 10704094 


Warum? Was können wir tun?

Eine wichtige Vorbemerkung:

Meinungsverschiedenheiten sind keine Störgrösse. Unterschiedliche Ansichten sind normal. Streiten gehört zum Leben. Doch müssen wir die Streitkultur zusätzlich lernen. Konflikte sind immer eine Chance. Kontruktiv STREITEN ist lernbar.




Unter Druck, bei hoher Erwartungshaltung und Ueberlastung braucht es nicht viel und unserer Sicherungen brennen rascher durch.


So braucht es in Weihnachtszeit recht wenig. Ein Vorwurf, das Gefühl der Abwertung, eine Verallgemeinerung genügen, dass plötzlich ein Streit eskaliert.

Provokationen ertragen wir unter Druck nicht mehr. Wir verlieren die Nerven.

"Ich muss alles allein machen!"

"An Weihnachten kann ich nie mit Deiner Unterstützung rechnen"

"Hast Du mich je gefragt, was ich Dir helfen könnte."

"Dir ist der Bildschirm wichtiger als Deine Frau."

"Du hast nie Zeit"


Solche Verallgemeinerungen mit der Reaktion "Das stimmt nicht!"
Sind klassische verbale Tretminen. Wir sind mitten im typischen "Du hast unrecht - ich hab Recht" Streit.
Wir hören Antworten wie:
"Stell Dich nicht so an."
"Wie immer übertreibst Du masslos!"


Die Auseinandersetzung entzündet sich an solchen vagen Formulierungen. Vor allem:

- wenn wir um den Brei herum reden

- wenn wir  Sachverhalte nur andeuten

- wenn wir indirekt reden

- Wenn wir interpretieren, vermuten, Andeutungen machen, allgemein und vage reden, Sachen unterstellen, das Gegenüber abwerten.


Anstatt:

- Fragen zu stellen

- Beanstandungen zu klären

- Die Aussage fragend wiederholen "Ich habe Dir nie geholfen?" (die Aussage spiegeln)

- Beschreiben, wie wir die Aussage empfinden (Ich-Aussage)
Generell lohnt es sich reflektierend zu antworten.

Pause - überlegen, was man sagen will.

Kleinliche Ausserungen überhören

Wenn wir uns antizyklisch verhalten

Wenn laut gestritten wird - leise reden

Es gilt die Balance zu finden zwischen Kopf und Bauch.

Unter vier Augen streiten

Nicht unter Druck streiten

 
Wichtig: Nehmen wir Abschied vom fragwürdigen Harmoniekult, bei dem Probleme unter den Teppich gekehrt werden. Und Auseinandersetzungen vermieden oder verdrängt werden.
Ein gutes Team kann streiten. Es löst Probleme schneller. Es kennt die Werkzeuge des konstruktiven Streitens, wie

- Dissens erkennen

- Fakten beschreiben

- Sachverhalte konkret auf den Punkt bringen

- Aktiv zuhören

Konstruktiv Streiten können wir trainieren, so wie Piloten Krisensituation im Simulator meistern lernen.


Fazit: Wenn wir an Weihnachten Streitsituationen rascher meistern wollen, kann wir  selbst viel beitragen, indem wir beispielsweise vor Weihnachten die bevorstehenden Tätigkeiten besser planen (Zeitmanagement) und uns gleichsam  Zeitfenster einbauen, d.h. einen  Puffer schaffen. Lernen wir  auch bei all vielen Erwartungen Nein zu sagen. Wir müssen jedoch das konstruktiven Streiten schon vor der stressigen Vorweihnachtszeit üben.


LINKS:
29. Juni 2002 ... Autor mit Sportlern im WDR Steitigkeiten müssen nicht immer zum Gattenmord führen. Wer jedoch das "konstruktive Streiten" nicht gelernt hat, ...
www.rhetorik.ch/Streiten/Streiten.html

10. März 2012 ... Leider kommt es immer wieder zu Streitgesprächen am Telefon. Vielfach endet ein solches Gespräch, indem einer der beiden aufhängt und ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/12/03_10a/index.html


Dieses antizyklische Verhalten scheint ein Zeitverlust zu sein. Doch wird der angebliche Zeitverlust letztlich zum Zeitgewinn. Das gegenteilige Verhalten lohnte ...
www.rhetorik.ch/Antizyklisch/Anti.html

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Von Marcus Knill. Besonders schwer erscheint ein einfa- ches Nein, wenn ein so genannt gutes. Arbeitsverhältnis besteht. Wenn der. Chef z.B. zu einem ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/06/04_03/neinsagen.pdf
1. Okt. 2011 ... Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft im ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/10_01/index.html
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
1. Okt. 2011 ... Nein sagen können – dank der TTT-Formel. Medienrhetorik. Zur Person. Christine Maier begann nach einem abge- brochenen Jura-Studium ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/10_01/10_11.pdf
www.rhetorik.ch aktuell: (3. April, 2006). Nein sagen schafft Klarheit [PDF]. Link: Zeitmanagement. Dieser Artikel ist im "Fit im Job" Magazin vom April 2006 ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/06/04_03.html
 
Nachtrag aus GwG (Gesellschaft für Gesprächstherapie):

Voraussetzungen für ein gelungenes Weihnachtsfest:
  • Absprachen rechtzeitig treffen: Wer will mit wem feiern? Was kann jeder zum Fest beitragen (auch von auswärts anreisende Familienmitglieder würde vielleicht gerne eine Aufgabe übernehmen)?
  • Kinder und Partner mit festen Aufgaben in die Planung einbeziehen, ebenso in die Vorbereitung der Dekorationen wie in die des Speiseplanes.
  • Alle können und sollten innere Bereitschaft zum Feiern entwickeln: Das ist nur möglich, wenn jeder vor dem Fest und während der Festtage genügend Freiraum hat. Und das heißt: Ganz bewusst Ruhephasen einplanen und auch einhalten. In die Adventszeit gehört vor allem die Zeit, in der "nichts" läuft. Wer es schafft sich eine Kerze anzuzünden, in Ruhe zu lesen, Musik zu hören, hat es leichter, sich innerlich zu beteiligen. Beteiligung ohne innere Freiräume ist schlichtweg unmöglich. Zehn Minuten vor dem Schlafengehen spazieren gehen und die Dunkelheit spüren, hilft der Stressbewältigung und dem Schlaf.
  • "Ausgerechnet zu Weihnachten" heißt es meist, wenn Familienkonflikte aufkommen. Man kann sich so manchen Kummer ersparen, wenn man akzeptiert, dass Alltagsstreit auch an Feiertagen völlig normal ist. Gerade dann, wenn mehr Nähe, mehr Zeit als im Alltag üblich und hohe Erwartungen zusammenkommen, kommt es leicht zu Stress und Streit. Diese Zusammenhänge machen leider auch vor Weihnachten nicht halt.
  • Nicht von Weihnachtsfeier zur Weihnachfeier hetzten. Das tötet innerlich genauso ab, wie der Stress bei den Festvorbereitung. Also auch mal absagen!
  • Sich Anspannung beim Geschenke kaufen ersparen: Berücksichtigen, dass Geschenke immer auch seelische Botschaften beinhalten und nicht zuletzt etwas über Nähe und Distanz aussagen. Immer gilt, je näher ein Geschenk am Körper getragen wird (Schmuck, Parfume etc.) desto besser sollten sich Sender und Empfänger kennen. Kindliche Wunschzettel immer zumindest teilweise erfüllen.
  • Nicht zuletzt: "Es ist eine alte Weisheit, dass in der dunklen Jahreszeit alles etwas langsamer zugeht. Wenn man das akzeptiert, nimmt man sich auch die Zeit für Ruhe und Rückzug."

Thomas Gottschalk: Ein trister Abgang.
Von Frust und Enttäuschung gezeichnet


Thomas Gottschalk (62) schiesst Giftpfeile in die Fernsehlandschaft. «Der grosse Samstagabend war einmal – nicht nur für mich», so der TV-Titan zur «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
Der Fernsehmoderator scheint frustriert. Nach dem jahrelangen «Wetten, dass..?»-Erfolg geht es steil bergab, Gottschalks goldene Jahre sind Vergangenheit.
Zuerst die Quoten-Katastrophe von «Gottschalk Live» auf «ARD». Sie wurde nach nur sechs Monaten abgesetzt. Nun der «Supertalent»-Abschiffer an der Seite von Dieter Bohlen (58) und Michelle Hunziker (35).
Zynisch nimmt Gottschalk auf eine frühere Bemerkung von sich Bezug: «Jemand, der schon ‹Wetten, dass ..?› als ‹abgenagten Knochen› bezeichnet hat (...), kann kaum versuchen, nun eine andere Unterhaltungsruine mit neuem Leben zu erfüllen.»
Thomas Gottschalk beerdigt «Wetten, dass..?», das er 151 Mal moderierte, «Das Supertalent» stösst er gleich mit ins Grab. Der Samstagabend, für den er über 20 Jahre lang stand, ist für den grossen Blonden tot. Thomas Gottschalk kehrt dem Fernsehen den Rücken zu.
«Ich werde jetzt erstmal einige Monate vom Bildschirm verschwinden», so die TV-Legende, dann kehrt er zu seinen Anfängen zurück.
Nach zehn Jahren Pause gibt der Moderator beim «Bayrischen Rundfunk» nun sein Radio-Comeback. Im März 2013 geht Thommy auf Sendung. (Quelle blick)

Kommentar: Ob Spitzensportler oder Medienstar. Es gilt den richtigen Zeitpunkt für den Abgang nicht zu verpassen.




Freitag, 21. Dezember 2012

Die Lust am Weltuntergang

"Angstlust“oder die Lust an der Angst entspringt dem Drang, sich Situationen auszusetzen, die Angst hervorrufen. Wer diese Angst überwindet erntet Gefühle von Euphorie und Sicherheit.
Bei jedem Horrorfilm wissen wir, dass die Gefahr nur auf der Mattscheibe stattfinden. Trotzdem nehmen wir solche Situationen als Bedrohung wahr. Wer diese Angst meistert, beispielsweise durch das geistige Rückkehren ins sichere Wohnzimmer, treten auch angenehme Gefühle ein.
Wenn wir uns mit einem bevorstehenden Weltuntergang auseinandersetzen, selbst wenn wir nicht daran glauben, simulieren wir unbewusst eine Angstsituation, die durch logisches Denken und Faktenwissen aufgelöst werden könnte. In einer Weltuntergangs-Partys verarbeiten wir spielerisch und gemeinschaftlich diese menschlichen Urangst, ähnlich wie bei Halloween.

Über diese und weitere Ursachen der Faszination am Untergang äusserte sich Diplom-Psychologe Michael Thiel (Autor von „Deutschland, einig Jammerland“) im BiLD - online:




 
Diplom-Psychologe Michael Thiel

Foto: dpa Picture-Alliance/ Schoen
Woher kommt die Faszination der Menschen für das Thema Weltuntergang?

Weltuntergangsprophezeiungen gibt es schon seit Jahrtausenden. Die meisten Menschen haben einfach das Bedürfnis zu glauben, dass es eine übergeordnete Macht gibt, auch wenn sie die Kraft hat, sie auszulöschen. Gleichzeitig denken viele, gerade sehr religiöse Menschen, dass sie den drohenden Untergang durch besonders gutes Verhalten – etwa viel Beten – noch aufhalten können.


Was genau verschafft uns das Gefühl „Angstlust“?


Die Beschäftigung mit Untergangsszenarien löst ein wohliges Gruseln aus. Die meisten Menschen in Deutschland glauben nicht wirklich an die Apokalypse, aber dieses „Was wäre, wenn..“–Spiel stimuliert sie. Menschen haben meistens ein Problem damit, die Endlichkeit des eigenen Lebens zu akzeptieren, dass die Welt sich auch ohne sie weiterdreht. Der Weltuntergang wäre insofern beruhigend, weil dann nicht nur die eigenen Existenz endet, sondern alles.


Welche Rolle spielt das Empfinden des Weltuntergangs als Gemeinschaftserlebnis?


Weltuntergangspartys und dergleichen sind ein bisschen das Public Viewing der Apokalypse. Für viele ist es wie eine offizielle Erlaubnis über die Stränge zu schlagen und Normen auszusetzen, vergleichbar mit Karneval, wo man auch weiß: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“.


Sind labile Personen gefährdet, durch das Thema Weltuntergang psychische Probleme zu bekommen?

Bei Menschen, die schon an psychischen Erkrankungen leiden, könnte die mediale Präsenz dieses Themas die Erkrankung verstärken. Etwa bei Angstpatienten oder Menschen mit religiösem Wahn. Dass das Thema Weltuntergang bei bislang psychisch Gesunden eine Störung auslöst, glaube ich eher nicht.

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Weltuntergangsangst Händler von Armeewaren profitiert von Prophezeiung

LINKS:

In einem Wochenseminar besuchten wir ein Radiostudio. Die Feststellung, dass auch Profis zittern und Angst haben, erstaunte. Jemand sagte: "Das hat mir viel ...
www.rhetorik.ch/Redeangst/Redeangst.html
7. Okt. 2009 ... Vor Interviews, Präsentationen, Vorstellungsgesprächen oder Meetings haben viele grosse Angst vor Fragen. Die Furcht davor, keine ...
www.rhetorik.ch/Fragen/Frageangst.html
Die Ängste machen krank dh. sie beeinflussen unseren Körper, unser Denken. ( Siehe auch die Beiträge Stress und Redeangst ). Bereits vor der eigentlichen ...
www.rhetorik.ch/Pruefungsangst/Pruefungsangst.html

Wenn wir im Simulator Angstsituationen fachgerecht simulieren, hilft dies, solche Situationen im Alltag besser zu meistern! Wichtig ist, dass der Coach ausgebildet ist, damit die Methoden situationsgerecht und didaktisch professionell angewandt werden. K+K hilft Ihnen gerne weiter. 

Kommt nun der automatische Datenaustausch?

Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf zieht Bilanz über ihr Präsidialjahr.

Widmer-Schlumpfs Paukenschlag

Eveline Widmer-Schlumpf bringt den automatischen Informationsaustausch ins Spiel. Über diesen Tabubruch kann sich die Linke freuen. Kommentar von Markus Spillmann Mehr...

Eveline Widmer Schlumpfs  kommt als Bundespräsidentin aus dem Tritt

aus NZZ:

Bilanz zur Bundespräsidentin

Widmer-Schlumpf aus dem Tritt






Unterwegs im Gegenwind: Eveline Widmer-Schlumpf.
Unterwegs im Gegenwind: Eveline Widmer-Schlumpf. (Bild: Annette Boutellier / Pixsil)

In ihrem Departement ist sie mit Bergen von Problemen konfrontiert. Und sie selber schafft sich auch noch neue. In ihrem Präsidialjahr kam Eveline Widmer-Schlumpf an ihre Grenzen. Dabei fehlen ihr die Verbündeten.
Es gibt Bundesräte, die erst ihre wahre Berufung finden, wenn sie besagtes Gremium leiten. Moritz Leuenberger etwa, der im Katastrophenjahr 2001 jedes Mal die richtigen Worte fand, als die Schweiz von einer Tragödie in die nächste schlitterte. Oder Pascal Couchepin, der die politische Detailarbeit verachtete, dafür aber als Bundespräsident bei der Rettung der UBS den Überblick behielt. Und dann gibt es jene Bundesräte, die ebenfalls turnusgemäss das Präsidium übernehmen, aber den Rollenwechsel zum Primus inter Pares nie ganz vollziehen. Dazu zählt Eveline Widmer-Schlumpf, Bundespräsidentin des Jahres 2012.
Natürlich hat auch die 56-jährige Bündnerin das Pflichtprogramm absolviert. Sie hat die Sitzungen des Bundesrats geleitet, dem Vernehmen nach ohne grössere Probleme. Sie hat den Autosalon eröffnet und an der Olma für die Fotografen ein Schweinchen getätschelt. 14 Auslandreisen hat sie abgespult. Und sie hat rund ein Dutzend Schulklassen getroffen – bewusst unter Ausschluss der Medien. Solche Treffen im kleinen Kreis machen eine Politikerin zwar sympathisch. Aber ihre Wirkung bleibt auf einen winzigen Teil der Bevölkerung beschränkt.

Präsidiales Schweigen

In einer breiteren Öffentlichkeit war Widmer-Schlumpf deshalb kaum präsent – jedenfalls nicht als Präsidentin. Wenn sie wahrgenommen wurde, dann als Finanzministerin mit ihren vielen problematischen Dossiers. «Sie hat das Präsidium so ausgefüllt, wie es ihrer Persönlichkeit entspricht, unspektakulär, aber doch im Kontakt mit der Bevölkerung», sagt Martin Landolt, der Präsident von Widmer-Schlumpfs Bürgerlich-Demokratischer Partei (BDP).
SP-Präsident Christian Levrat hingegen meint, Widmer-Schlumpf hätte mehr aus dem Präsidium machen können. Doris Leuthard oder Micheline Calmy-Rey etwa seien als Präsidentinnen gezielt mit der Bevölkerung auf Tuchfühlung gegangen, und sie hätten Botschaften ans Ausland ausgesendet. Widmer-Schlumpf hingegen habe «ihre Präsidentschaft wenig genutzt, um zu kommunizieren».
Kommunikationsbedarf hätte es durchaus gegeben: Europa steckt in einer fundamentalen Krise, die auch unser Land bedroht. Hinzu kommen massive ausländische Angriffe gegen die Schweiz. Zu diesen Themen war von der Bundespräsidentin wenig zu hören – weder Orientierungshilfen für die eigene Bevölkerung noch eine klare Ansage gegenüber dem Ausland.
Wer Widmer-Schlumpf wohlgesinnt ist, erklärt ihr präsidiales Schweigen mit ihrer grossen Belastung. In keinem anderen Departement brennt es mehr als bei ihr: Steuerstreit mit Amerika. Steuerstreit mit Deutschland. Rücktritt des Nationalbankpräsidenten. Skandal in der Eidgenössischen Steuerverwaltung. Ungelöstes Steuerproblem mit der EU. Angesichts dieses Dauerdrucks ist BDP-Präsident Landolt des Lobes voll: «Einmal mehr bin ich beeindruckt von ihrer Belastbarkeit.»

Pleiten, Pech und Pannen

Selbst Politiker, die ihr wenig wohlgesinnt sind, anerkennen Widmer-Schlumpfs Schaffenskraft. Viele Parlamentarier halten sie auch für diejenige Bundesrätin mit den besten Dossierkenntnissen. Doch trotz diesen Qualitäten gelingt ihr selbst in ihrem Departement derzeit wenig: Das Steuerabkommen mit Deutschland ist gescheitert. Mit den USA ist eine Lösung nicht in Sicht, obwohl Widmer-Schlumpf eine solche für Ende Jahr in Aussicht gestellt hat. Das Informatikprojekt Insieme, das gegen 100 Millionen Franken verschlungen hat, musste sie abbrechen. Das neue Erbschaftssteuerabkommen mit Frankreich liess sie schreddern, kaum war die Tinte der Unterschriften trocken.
Für viele dieser Probleme ist Widmer-Schlumpf nicht allein verantwortlich. Ihre Verantwortung ist es jedoch, wenn sie zusätzlich zu den bestehenden Problemen neue und oftmals unnötige Fronten eröffnet: Etwa, wenn sie ankündigt, das Bankgeheimnis nun rasch auch im Inland aufweichen zu wollen, noch bevor die Steuerkonflikte mit dem Ausland auch nur ansatzweise gelöst sind.
Immer wieder macht sie auch Versprechen, die sie später nicht einhalten kann – so bei der Weissgeldstrategie gegenüber der Linken. Oder beim Fatca-Abkommen: Noch am 25. September sagte Widmer-Schlumpf, sie werde das Abkommen erst unterzeichnen, wenn die USA eine Globallösung akzeptierten. Nur zweieinhalb Monate später galt das Gegenteil: Am 5. Dezember erklärte Widmer-Schlumpf, warum eine Verknüpfung von Fatca und Globallösung der Schweiz schaden würde.

Ein strategisches Problem

Neben solchen taktischen Fehlern hat Widmer-Schlumpf ein strategisches Problem: Ihr fehlt die Hausmacht. Ihre Kleinpartei BDP stellt nur 10 der 246 National- und Ständeräte. In ihren ersten Jahren konnte sie dies teilweise kompensieren, indem sie sich auf jene Mitte-Links-Koalition stützte, die sie 2007 zur Bundesrätin gemacht hatte.
Seit der Abwahl von Christoph Blocher sind nun aber fünf Jahre vergangen, und die damalige Anti-Blocher-Koalition fühlt sich ihrer damaligen Sprengkandidatin immer weniger verpflichtet. Von links weht ihr der Wind mittlerweile steif ins Gesicht. Als Widmer-Schlumpf in der Weissgeldstrategie nicht so wollte wie die SP, drohte ihr deren Parteichef Levrat unverhohlen, sie werde mit der SP «ernsthafte Probleme» bekommen.

Einem Regierungsmitglied ohne Hausmacht bleibt nur eines übrig: Es muss pausenlos für seine Anliegen lobbyieren, dauernd mit allen Seiten Gespräche führen und kreative Gegengeschäfte suchen. Doch das ist nicht ihre Art des Politisierens. Zwar erweist sie sich politisch immer wieder als beweglich – Kritiker würden es Opportunismus nennen. Gleichzeitig hat sie bei einzelnen Themen tiefe Überzeugungen, etwa, wenn es um Steuergerechtigkeit geht. «Sie hat ein grosses Gerechtigkeitsempfinden und kann sehr hartnäckig sein, wenn sie diese Gerechtigkeit verletzt sieht», sagt der Urner Ständerat Markus Stadler (glp.).
In diesen Fällen versucht sie mit Fachwissen und Argumenten zu überzeugen. Doch in der Realpolitik genügt das oft nicht. Im Bundeshaus hat sie sich den nicht schmeichelhaften Ruf einer «Dossierfresserin» erworben, die sozial wenig vernetzt sei – weder im Bundesrat noch im Parlament. Hinzu kommt, dass sie einen Hang zu «Sololäufen» hat, wie Philipp Müller jüngst im Schweizer Fernsehen kritisierte. Immer wieder stelle sie das Parlament vor vollendete Tatsachen, sagte der FDP-Präsident. Das Gleiche tue sie manchmal auch im Bundesrat, heisst es in den Stäben anderer Bundesräte.

Das verflixte dritte Jahr

So steht Widmer-Schlumpf am Ende ihres Präsidialjahrs in einer deutlich schwierigeren Situation als am Anfang. Doch politisch abschreiben darf man sie deswegen nicht. So könnte ihr Herzensanliegen, die ökologische Steuerreform, neuen Auftrieb erhalten durch die Volksinitiative «Energie- statt Mehrwertsteuer», die die Grünliberalen soeben eingereicht haben.
Zudem hat sie mehrfach bewiesen, dass sie von einmaligen Konstellationen zu profitieren weiss – angefangen bei ihrer Wahl 2007. Oder 2010, als sie im dritten Jahr Justizministerin war und mit einer verkorksten Reorganisation des Bundesamts für Migration alle Seiten verärgerte. Just als es für sie eng wurde, wurde das Finanzdepartement frei. Das erlaubte Widmer-Schlumpf einen Neustart; die Probleme im Migrationsamt konnte sie ihrer Nachfolgerin Simonetta Sommaruga überlassen.
2013 beginnt nun ihr drittes Jahr im neuen Departement. Ein Notausgang wie 2010 ist diesmal nicht in Sicht. Eveline Widmer-Schlumpf muss versuchen, wieder politisch Tritt zu finden. Dossierkenntnis allein wird nicht genügen.

Aus TAGI

«Widmer-Schlumpf spielt ein falsches Spiel»

 


Philipp Müller kritisiert Eveline Widmer-Schlumpf: Sie habe ihre Meinung zur Finanzplatzstrategie von einem Tag auf den andern geändert. Der FDP-Präsident will die Finanzministerin nun entmachten. Mehr...
Aus 20 min:


Kommentare:

25 Nov. 2012
Norbert Walter Borjans heisst der Sieger, Eveline Widmer Schlumpf die Verliererin. Der Finanzminister des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen frohlockte nach dem wuchtigen Nein zum Steuerdeal: «Nun gibt es ...
04 Nov. 2012
Leider leidet das Kommunikationsklima erneut unter der Unverträglichkeit zwischen den beiden Frauen Eveline Widmer-Schlumpf und Doris Leuthard. Auseinandersetzungen werden zur Zeit verbissen und hart ausgetragen.
30 Sept. 2012
Indiskretionen und Fehlinformationen würden das Klima vergiften, warnte Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am Jahreskongress des Verbandes Schweizer Medien in Lausanne. Die Finanzministerin sorgt mit ihrer ...
12 Nov. 2012
Ein BDP-Politiker formulierte es einmal so: Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf betreibe einen Riesenaufwand für ihre Dossiers, riskiere dann aber wegen ihres Vorgehens den Absturz wichtiger Vorlagen wie jetzt ...

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Ein Imagebotschafter für die Schweiz?



Bundesrat Burkhalter möchte einen "Club der Imagebotschafter für die Schweiz in der Welt" lancieren. Siehe: http://www.srf.ch/news/schweiz/eda-will-prominente-als-botschafter-einsetzen <http://www.srf.ch/news/schweiz/eda-will-prominente-als-botschafter-einsetzen 


Meine Antworten auf folgende Fragen:

    1. Was für Eigenschaften muss ein Imagebotschafter haben? Antwort: Er muss parteipolitisch neutral und glaubwürdig sein. Er  muss überzeugen können.
    2.  Wen könnten sie sich als Botschafter aus Sport, Kultur, Politik und Wissenschaft vorstellen? Antwort: Federer, Spichtig, Emil,
    3. Wen nicht? Antwort: Céderic Wermuth, Christoph Blocher, Sepp Blatter 
    4. Wäre auch jemand aus dem Bereich Wirtschaft vorstellbar, oder ist dieser Gesellschaftsbereich momentan zu heikel? Vielleicht der CEO von Nestlé.
    5. An welchen Anlässen sollen die Botschafter präsent sein? Ist es vorstellbar, dass ein Botschafter Bundesräte auf Auslandreisen begleitet? Antwort: An Ausstellungen und Messen im Ausland - auch an wichtigen Sportveranstaltungen. Auch an grossen Auslandanlässen.
    6. Welche Swissness-Werte sollen promotet werden? Antwort: Präzision, Pünklichkeit, Qualität, Neutralität, Eigenständigkeit, Dialogbereitschaft.
    7. Welche Schweizer Prominenten kennt man im Ausland überhaupt? Antwort: Mit negativen Image: Kachelmann. Federer, Emil, evt. Blocher. Ich könnte mir vorstellen, dass die virtuelle Figur, Wilhelm Tell genannt würde oder eine historische Persönlichkeit wie Henri Dunant.
    8. Wie gut müssen die Botschafter die Schweiz kennen? Wäre Xherdan Shaquiri als Botschafter denkbar? Antwort: Er muss Schweizer sein und ein breites Allgemeinwissen haben.

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Berlusconi ist immer für Ueberraschungen gut

Berlusconis Image ist zwar im Eimer. Dennoch versteht er es, sich immer wieder, neu zu inszenieren. Uns dies gelingt ihm hervorragend,

Trotz Schönheitsoperation, Haarimplantation- trotz Bunga-bunga und zahlreicher Verfehlungen: Berlusconi haben erstaunlicherweise für viele Italiener und Italienerinnen immer wieder Verständnis für das fragwürdige Verhalten des Medienmoguls. Macht, Geld ist angeblich sexy.

Die jüngste Geschichte mit der 27 jährigen Geliebten ist für mich ein erneuter strategischer Schachzug Berlusconis, um im Gespräch zu bleiben. Und: Er bleibt im Gespräch. Auch mit der Ankündigung des politischen Combacks und der verbalen Korrektur war er über Tage ein Medienthema.

Bunga-Bunga wird sich nicht ändern können. Er bleibt selbstgefällig, wie je und je.

Berlusconis Masterplan für die Macht

Wahlkampf in Italien: Berlusconis Masterplan für die Macht