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Gelassene FedernGedichteErschienen 2003
Format 11,5 x 21 cm
93 Seiten
Broschur
Preis: SFr 28,00
ISBN 3-907149-13-0
Nimrod-Literaturverlag, Schweiz |
Aus dem Inhalt Horizonte Den Erdboden sich selbst gleichgemacht unter sich gelassen. Die Probleme verkrümelt in alle Winde verstreut. Den Alltag bleibelegt im Meer ertränkt. Ganz oben endlich adlergleich in wolkenloser Übersicht die Menschen durchschaut. Ach lasst mir doch lieber die Frösche und ihre Perspektive. |
Zu Buch und Autorin LYRIK MIT WIDERHAKENZu diesen Gedichten
Mit
"Gelassene Federn", seit langem gesammelt und nun kurzweg in die Tinte
getaucht, sind diese Gedichte geschrieben: engagiert, nicht milde
abgeklärt, da zwar aus einer gewissen Melancholie heraus und zärtlich,
dort aber voller Wut und mit messerscharfem Verstand, pointiert
aphoristisch oder unverblümt frech immer jedoch sehr persönlich und
einprägsam.
In diesen Gedichten behauptet sich eine Autorin, die das
Leben in all seinen Spielarten kennt und sich, ohne Angst vor Blessuren,
darauf einlässt, dass die Federn nur so stieben. Themen und Sprache
bezeugen es: Zerzaust wurde das Federkleid im Fuchsmaul des Lebens, in
der Umarmung der Liebe und scharf an der Sense des Todes. Klein beigeben
aber, gelassen sich anpassen «und nie ein Verstoss / gegen die
Spielregeln», einer solchen Nicht-Haltung verweigert sie sich.
"Gelassene Federn" ist der vierte Lyrikband der in Holland lebenden Schweizer Autorin Jacqueline Crevoisier,
die sich auch international, unter Literaturgourmets einen Namen
gemacht hat mit Prosatexten, mit ihren Fernseh- und Rundfunkarbeiten
(Hörspiel des Monats) und mit ihrer geistreich-kongenialen Übertragung
der in den Niederlanden klassisch gewordenen "Ollie B.
Bommel"-Geschichten von Marten Toonder.
Bendicht Arni
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Erster Zürcher Lyrik-Preis: Laudatio für Jacqueline Crevoisier.
Von Charles Linsmayer
Wir stehen in einem Laden voller Bücher, und doch sei die ketzerische
Frage erlaubt, welche literarische Formen jenen Kahlschlag überleben
werden, den die Elektronik und die von ihr geschaffenen Möglichkeiten
früher oder später bei all dem anrichten wird, was heute noch, in
grotesk überbordender Weise, auf Papier gedruckt in den Handel kommt.
Dass es angesichts von Youtube und den damit popularisierten
millionenfach reproduzierten Jekami-Szenerien nicht das Theater sein
wird, scheint mir klar. Aber es wird auch nicht der Roman sein, der
angesichts der Bebilderungs- und Aktivierungsmöglichkeiten des Internets
als hoffnungslos veraltete, sterile rein textmässige Datenmenge weder
den Rezeptionsgewohnheiten künftiger Generationen entsprechen, noch die
eines Tages unabdingbar notwendig werdende quantitative Einschränkung
der Serverbelegung überleben wird.
Bleiben wird, da bin ich mir sicher, das Gedicht als kleinste, aber
raffinierteste literarische Form. Die Königsdisziplin, die mit 8 Zeilen
einen ganzen Roman oder ein ganzes Drama vor uns hinzustellen vermag – «Es
schlug mein Herz, geschwind zu Pferde,/ es war getan, fast eh gedacht,
/der Abend wiegte schon die Erde, /und an den Bergen hing die Nacht…
…«Schläft ein Lied in allen Dingen, /die da träumen fort und fort/ und
die Welt hebt an zu singen, / triffst du nur das Zauberwort» –
diese auf das Wesentliche reduzierte, sprachlich virtuose Möglichkeit,
die sich sogar dann noch von Mund zu Mund weitertradieren lässt, wenn
nicht nur die Bücher alle verbrannt, sondern auch dem Internet die Luft
ausgegangen ist.
Was wir auf jeden Fall tun müssen, jetzt schon und nicht erst nach jener
medientechnischen Apokalypse, ist, uns von einer Vorstellung von Lyrik
zu verabschieden, die von Poeten in stillen Kämmerchen, von Eingeweihten
in esoterischen Zirkeln, von durch die Autoren selbst finanzierten
Feld- und Wiesenverlagen produziert und verbreitet wird und gegenüber
Formen, die in Theatern Triumphe feiern, auf Bestsellerlisten
hochgejubelt oder auf Buchpreistourneen bewundert werden, absolut
chancenlos ist und im Wesentlichen der schön formulierten Präsentation
von privaten Gefühlszuständen oder poetischen Stimmungsbildern
verpflichtet ist.
«Das Gedicht ist mein Messer», hat Wolfgang Weyrauch formuliert, und für
mich heisst dieser Satz nichts anderes, als dass das Gedicht alles
kann: hassen und lieben, aufwühlen und zornig machen, bekehren und
aufstacheln, rächen und belohnen, ja vielleicht sogar töten und wieder
lebendig machen. Und es kann das, wenn der Inhalt mit der Form kongruent
geht, auf eine viel wuchtigere, unmittelbarere, bewegendere,
treffsicherere Art, als es ein Roman, ein Drama oder meinetwegen ein
politisches Pamphlet je könnte.
Der erste Zürcher Lyrikpreis 2012 geht an ein Gedicht, das in diesem
Sinne beispielhaft ist, weil es kämpferische Wucht, Verve, formale
Brillanz und Treffsicherheit der Argumentation auf eindrückliche Weise
miteinander verbindet. Es stammt von der in Zürich geborenen, seit
Jahren in der Nähe von Amsterdam lebenden Filmemacherin,
Hörspielverfasserin und Lyrikerin Jacqueline Crevoisier und heisst:
«Abendgebet der Spassgesellschaft». Ein Langgedicht, das der archaischen
Form des schweizerischen Alpsegens nachgebaut ist, aber den heiligen
Sankt Dumianus mit Bitten, die uns Hören und Sehen vergessen machen, um
den Segen für jene Medien-, Freizeit- und Eventkultur anfleht, der wir
alle, ohne es zu merken, längst auf eine fatale Weise zum Opfer gefallen
sind.
Aber hören Sie selbst. Wir haben den Schauspieler Robert Hunger-Bühler gebeten, Ihnen das Preisgedicht vorzutragen.
Auch rhetorik.ch gratuliert der Preisträgerin im Nachhinein.
Wir interessieren uns für Schriftsteller, die der Sprache mächtig sind.
1. Preis: JACQUELINE CREVOISIER
ABENDGEBET DER SPASSGESELLSCHAFT
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