Mittwoch, 12. Dezember 2012

12.12.12

Zur heutigen Schnapszahl*

(letzte Schnapszahl in diesem Jahrzehnt)



dpa, 
 

Es gab letztes Jahr den 11.11.11

oder vorher den 

10.10.10

Die nächste Schnapszahl gibt es erst wieder in 88 Jahren

am 1.1. 2101

Das geht recht lange.

Doch gibt es künftig andere  interessante Zahlenfolgen:

der 11.12.13

der 6. 6.15 (15 hat die Quersumme 6) 
= 6 6 6

oder der

7.7.16 (16 als Quersumme 7) 
= 7 7 7

Sicherlich werden sich heute noch viele Paare  das JA Wort geben. Ist es doch die letzte richtige Schnapszahl  in diesem Jahrzehnt.

Der 20.12. 2012 ist eigentlich auch eine Art Schnapszahl
2 mal 2012

* Nach Wikipedia:

Eine Schnapszahl ist eine mehrstellige Zahl, die ausschließlich durch identische Ziffern dargestellt wird. In der Mathematik werden diese Zahlen auch als Repdigit, englisch für repeated digits, zu deutsch wiederholte Ziffern, bezeichnet.
Schnapszahlen sind zum Beispiel:
  • 11
  • 777
  • 3333
Die Bezeichnung leitet sich von Spielen mit mehreren Teilnehmern ab, bei denen sich der Verlauf als Ergebnis einer mitprotokollierten Addition manifestiert. Erreicht der Gesamtpunktestand eines der Spieler eine Schnapszahl, sind je nach bestehenden Spielregeln oder mündlichen Vereinbarungen möglicherweise Freigetränke – zum Beispiel ein Schnaps – für die Mitspieler fällig.
Eine andere Deutung bezieht sich auf die Tatsache, dass nach übermäßigem Alkoholkonsum doppeltes Sehen auftreten kann, wodurch aus einer 2 eine 22 oder aus einer 33 eine 333 oder gar eine 3333 werden kann.
Da die Gleichheit der Ziffern willkürlich von der gewählten Zahlenbasis (hier im Beispiel dezimal) abhängt, handelt es sich um eine milde Form der Zahlenmagie. Eine besondere Bedeutung kommt höchstens der Schnapszahl 666 zu, die in der Offenbarung des Johannes als Zahl des Tieres bezeichnet wird. Sie wird besonders im Umfeld des Heavy Metal verwendet. Schnapszahlen sind beliebte Zahlenkombinationen auf KFZ-Kennzeichen.
In der Mathematik spielen die Repdigits im Dualsystem eine wichtige Rolle (siehe auch Mersenne-Primzahl). In diesem Stellenwertsystem können Repdigits nur aus der Ziffer 1 bestehen und tragen daher die Bezeichnung Repunit (repeated unit = wiederholte Einheit). Unabhängig vom verwendeten Stellenwertsystem gilt, dass unter den Repdigits nur die Repunits mit einer primen Anzahl von Ziffern Primzahlen sein können, alle anderen Repdigit-Zahlen sind zusammengesetzt.
Abweichend von der obigen Definition werden auch achsensymmetrische Ziffernfolgen vereinzelt als Schnapszahlen bezeichnet. Es sind dann aber keine Repdigits sondern Zahlenpalindrome, zum Beispiel:
  • 121
  • 9889
  • 10001
Zahlen die auf dem Kopf stehend den gleichen Wert haben, werden vereinzelt als Schnapszahlen bezeichnet, zum Beispiel:
  • 69
  • 609
  • 9886

&&&&&&&

Nachtrag aus BILD-online:



Vergrößern Tarot
Im Tarot steht die Zwölf („Der Gehenkte“) für den Tod, aber auch für den Übergang zu etwas Neuem

Unheimlich: Der 12. liegt nur wenige Tage vor dem Ende des Maya-Kalenders, dem 21. Dezember – die 21 ist eine umgedrehte zwölf! Zufall oder Vorzeichen?
Aschenbeck: „Diese Welt wird vielleicht nicht enden, aber die Welt, wie wir sie kennen. Wir müssen uns neu entscheiden, wie wir als Menschheit leben wollen.“
Das muss nicht den Weltuntergang bedeuten. Aschenbeck: „Schon eine Ehe ist ein persönlicher Neuanfang. Der Egoismus muss sterben, wenn die Gemeinschaft leben soll. Aber das gilt für den ganzen Planeten.“

Für viele ist der 12.12. ein Tag des Glücks - und der Liebe! Tausende Paare in ganz Deutschland geben sich heute das Ja-Wort.

Schnapszahl-Ehen halten aber übrigens nicht länger. Laut Bundesverband der Deutschen Standesbeamten werden die meisten Ehen nach acht bis neun Jahren geschieden - Schnapszahl-Ehen dagegen schon nach drei bis vier Jahren - meist, weil sehr junge Paare unüberlegt wegen des Gags heiraten, später bereuen.

12.12.12 - was bedeutet die dreifache 12?

Numerologe Aschenbeck: „Im tieferen Sinne steht die Zwölf für einen vollständigen Zyklus, die Rückkehr zum Ursprung. Sie wurde als Verbindung des Menschlichen und Göttlichen gedeutet. Materielle und spirituelle Dimension wieder vereint, häufig aber auch verbunden mit einem Opfer.“


Geheimnisvolles Datum


Das sagt die Wissenschaft zum Maya-Kalender

12.12.12 Das sagt die Wissenschaft zum Maya-Kalender

Die seriöse Wissenschaft beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit dem 12. Dezember 2012...
Schon frühe Kulturen (Babylonier, Ägypter, China) beobachteten, dass ein Sonnenjahr (Erde umläuft einmal die Sonne) zwölf Mondzyklen beinhaltet – daher teilten sie das Jahr in zwölf Monate und zwölf Tierkreiszeichen. Die Zwölf gilt seitdem als Zahl der kosmischen Vollkommenheit.
Sie findet sich in Heiligen Schriften wie der Bibel (z. B. zwölf Stämme Israels, zwölf Apostel), der Anatomie des Menschen (wir haben z. B. zwölf Brustwirbel über dem Herzen, zwölf Hirnnerven), in der Literatur (z. B. zwölf Ritter der Tafelrunde). Unser Körper regeneriert seine Zellen in zwölf Monaten.

Astrologen sehen den 12.12.12 als schicksalhaften Gefahrentag. Michael Allgeier (54): „Merkur (Verstand) und Neptun (Täuschung) stehen im Quadrat: Keine wichtigen Entscheidungen fällen heute, weil Kopf und Bauch nicht übereinstimmen!“

Die Wissenschaft ist skeptisch und verspricht, dass sich nichts ändern werde. Maya-Autor Johann Kössner (65, „Der Maya-Kalender“) dagegen sieht das anders: „Viele Menschen haben schon länger das Gefühl, dass wir bereits mitten in einem kompletten Umbruch sind ...“

 


 


 

Dienstag, 11. Dezember 2012

Christoph Mörgeli und die Medien

(Beitrag für die aktuelle Medienseite der "Schaffhauser Nachrichten")



Von Marcus Knill*



Seit Jahren ist SVP Nationalrat Christoph Mörgeli in den Medien präsent.
In TeleZüri war er  Dauergast im SonnTalk. In der Weltwoche  schreibt er mit spitzer Feder wöchentlich eine Kolumne. Als Nationalrat, als SVP Vor- und Querdenker macht er ständig von sich reden.





Seine Provokationen wurden immer zu Medienthemen. Mörgeli weiss: Medien wünschen Aussergewöhnliches, sie personifizieren, sie wollen Emotionen und Skandale. Wer bis an die Grenze des Zulässigen geht, ist sicher mit dabei. Man ist in der Zeitung, wird im Radio zitiert und das Fernsehen oder die Online Anbieter, alle werden (müssen?) die Geschichte aufnehmen.  Sogar bei Giacobbo/Müller kommt Christoph Mörgeli immer wieder zum Zug. Doch in diesem Sendegefäss in der Regel als Karikatur, überzeichnet. Der Stimmenimitator Fabian Unteregger gilt als Geheimtipp der Zürcher Comedy-Szene. Als Zerrbild von Christoph Mörgeli ist dieser Komiker in der Sendung von Viktor Giacobbo und Mike Müller  Garant für den Erfolg. Der Imitator hat den SVP Nationalrat sehr lange  studiert, sein Vokabular, seine Haltung, sein Lachen und den akzentuierten Sprechrhythmus. Unteregger spielt auch bei Radio TOP regelmässig die Paradefigur Mörgeli und kommt damit auf gute Einschaltquoten. Wer in den Medien von der Comedy-Szene imitiert und karikiert wird, ist oft stolz, dass er auf die Schippe genommen wird. Es ist belegt,  dass viele Magistraten dank der humorvollen Persiflagen über die eigene Person imagemässig profitieren konnten. Sie wurden durch die zusätzliche Medienpräsenz noch populärer.


Wir können davon ausgehen: Christoph Mörgeli wäre zu Tode betrübt, wenn er von den Medien ignoriert würde. Lieber negativ  präsent sein, als totgeschwiegen  zu werden, wird wohl sein Losungswort sein. Ob bei Mörgeli bereits der Virus Mediengeilheit im Spiel ist, lassen wir einmal dahin gestellt.
Seit Jahren habe ich das Verhalten des umstrittenen SVP Programmleiter vor Mikrofon und Kamera verfolgt. Zahlreiche Analysen sind im virtuellen Buch www.rhetorik.ch detailliert protokolliert.
Aus meiner Sicht ist der umstrittene Politiker  intelligent, schlagfertig und kann erstaunlich viel einstecken. Es interessiert ihn nie, ob er beliebt ist oder bei Befragungen gut wegkommt.
Mörgeli ist von seiner jeweiligen Botschaft überzeugt, vielleicht sogar besessen.



Wenn es um die Aufdeckung von Missständen geht, ist  Mörgeli jedes Mittel recht, auch Indiskretionen.

Bei Fragen der Gerechtigkeit lernt man den SVP Vordenker richtig kennen. Er geht mitunter bis an die Grenze der Legalität. In diesen Situationen nutzt er  ebenfalls  die Medienpräsenz. An Beispielen mangelt es nicht:



Als Christoph Mörgeli im Jahre 2005 Finanzminister Villiger attackierte, weil der nach seinem Rücktritt mit einem hochdotierte Verwaltungsratsmandat belohnt wurde, führte diese forsche Attacke dazu, dass Toni Bortoluzzi bei der Regierungsratswahl dafür bluten musste.



Oder ein Beispiel aus dem Jahre 2008: Nachdem Pascal Couchepin den Versprecher "Mengele Mörgeli" schönreden wollte und fünf Nationalräte mit einem Verweis rechnen mussten, weil sie die Geschichte publik gemacht hatten (Verstoss gegen die Vertraulichkeit von Kommissionsverhandlungen), ging Christoph Mörgeli zusätzlich in die Offensive und publizierte das Tonband, das den tatsächlichen Wortlaut wiedergab, sodass allen klar wurde, dass es sich nicht um einen Versprecher handelte.
  Erst dank dieser erneuter Indiskretion konnte das Fehlverhalten Couchepins verdeutlicht werden. Nachdem Mörgeli mit keiner Strafverfolgung mehr rechnen musste, verlangte er später noch eine Genugtuungssumme von 1000.-- Franken. Der Bundesrat wies jedoch das Begehren ab.



Auch beim Fall Holenweger (Plan H) brachte es Mörgeli als Polit-Fuchs fertig, den Ballon der Verschwörungstheorie gegen Blocher zum Platzen zu bringen. Wieder war Indiskretion im Spiel.



All diese Fälle wurden wochenlang in den Medien hochgekocht. 



Rhetorik à la Mörgeli



Zwei typische Beispiele veranschaulichen die rhetorischen Elemente des hartnäckigen "Wadenbeissers": Ueber Frau Widmer-Schlumpf sagte der SVP Hardliner im TeleZüri: "Sie muss nun das Bundeshaus künftig durch den Hintereingang verlassen."

Einmal sagte er über die CVP, sie sei geprägt von reinster Heuchelei. Sie rede von Konkordanz, wähle aber trotzdem nicht Blocher. Sie wolle schwanger werden mit einem zweiten Bundesrat, aber nichts zu tun haben mit der Empfängnis.

 Bilder, Vergleiche, Beleidigungen und Provokationen gehören  zu Mörgelis Rezept.

Von Stundenten habe ich gehört, dass sie gerne Mörgeli zuhören.  Es gibt anderseits Professoren, die seine unkomplizierte Arbeiten beanstanden,  beispielsweise  Historiker Sarasin. Dieser findet,  die Publikationen des Kollegen wären zwar leicht fasslich geschrieben und reich illustriert, aber es stelle ganz klar nicht die Forschungsleistung dar, die von einem Universitätsprofessor erwartet werde.

Im vergangenen August  machte der Tagi eine Leserumfrage, um die besten Rhetoriker in der politischen Landschaft auszumachen.
Auf dem vierten Platz finden wir mit Doris Leuthard  die erste Frau. Sie erhielt neun Prozent der Stimmen, gleich viele wie Christoph Mörgeli,
was zeigt, dass in der Bevölkerung Mörgelis Rhetorik trotz der Holzhammermethodik gut ankommt.
Bei allen kommunikationsprozessen gilt: Wer verständlich, populär, bildhaft und eindeutig spricht, wird mehr geschätzt als jene weichgespülten Plausibiltätsredner, die reden und reden, aber nichts sagen.
Anscheinend stören sich die Leute wenig an den Provokationen und ungeschminkten Urteilen im Grenzbereich der Legalität.

Bei Schawinski erlebten  wir jüngst einen spannenden rhetorischen Schlagabtausch. Auch Tagi online musste eingestehen: Es kam zu einem  Schlagabtausch zweier Lieblingsfeinde, zweier gewiefter Rhetoriker.
Schawinski sprach Mörgeli in seiner Sendung jegliche Qualifikation ab. Genüsslich zerpflückte er eine wissenschaftliche Arbeit über das Medikament Bactrim, die Mörgeli zusammen mit anderen Arbeiten ins Studio mitgebracht hatte: «Das ist nicht wissenschaftlich. Das ist nicht einmal Journalismus, sondern eine bezahlte Publireportage für Roche.» Mörgeli: «Im Gegenteil. Das ist eine saubere Analyse eines Medikaments.» Passagen wie diese waren bezeichnend für das Gespräch. Aussage stand gegen Aussage. Beide Streithähne  zeigten  sich wendig und lieferten ein rasantes Wortduell.




Die Privatperson Mörgeli bleibt in den Medien eher im Dunkeln

Es ist für die Medien nicht einfach, zur Privatperson Mörgeli  vorzudringen. Trotz enormer Medienpräsenz wird in den Medien auffallend wenig über privates   bekannt: Er gilt als intellektueller Stratege der Partei, ist Titularprofessor und war lange Konservator des Medizinhistorischen Museums Zürich. Es ist ferner bekannt, dass er Vizepräsident der Europäischen Totentanz-Vereinigung ist und dass  er in seinem Handy die Kurzwahl 1 für Blocher und 2 für TeleZüri gespeichert hat. Wir wissen zudem, dass Mörgeli geschieden ist. Ich finde es professionell, wenn Promis die Privatsphäre in den Medien  für sich behalten, was sich langfristig bezahlt macht.
«Ein unheimlicher, scharfsinniger Professor, der eine morbide Passion für Totentänze hat, inmitten von anatomischen, in Formaldehyd eingelegten Missbildungen», resümierte einmal 2003 Carol Salm-Richter.

Mörgelis konstante Wertevorstellungen,  sein gebetsmühlenartiges Abspulen der aktuellen Botschaft, seine seit Jahren gleiche Frisur oder  der eindringliche, starre Blick, wie auch sein  Mund mit dem wiederkehrenden krampfhaft aufgesetzten Lächeln, das sind Mörgelis rhetorische Markenzeichen.



Mörgelis Fehler im Umgang mit Medien


Er handelt leider oft  vorschnell. Als beispielsweise die Gefahr der Kündigung bestand, schlug Mörgeli sofort um sich und griff die Uni in TeleZüri  frontal an. Hätte er sich zurückgehalten und in Ruhe die Unzulässligkeiten mit der  Universität auf offiziellem Weg bereinigt oder geklagt, wer weiss, ob dann die Angelegenheit nicht einen anderen Lauf genommen hätte. Mit dem öffentlichen Angriff konnte man Christoph Mörgeli Illoyalität vorwerfen. Er war nicht mehr tragbar.
 


Leider macht aus meiner Sicht der wortgewandte SVP Politiker im Umgang mit Medien immer wieder den gleichen Fehler. Er bedenkt zu wenig die Wirkung seiner Medienaktionen.
Es sei denn, dieser "Fehler" sei bewusste Taktik, um Aufmerksamkeit zu wecken. Auch andere Politiker und Parteien sind  oft schon zufrieden, wenn sie in den Medien auffallen. Aufmerksamkeit wecken ist zwar bei allen PR- und Marketing Aktionen eine wichtige Voraussetzung, um beachtet zu werden - aber dies allein kann wohl kaum das Ziel der Medienarbeit sein.  Auffallen allein genügt nicht, ausschlaggebend ist  die Wirkung eines Medienauftrittes, das Vermitteln einer Kernbotschaft. Reputationsmässig hat Nationalrat Mörgeli im Zusammenhang mit der jüngsten Kündigung an Glaubwürdigkeit ist zum heutigen Zeitpunkt sehr viel eingebüsst. Er steht  gleichsam als Polit-Clown da, nachdem er sich als Rektor der Universität Zürich beworben hatte.
Dass der von der Universität geschasste Christoph Mörgeli im nächsten Sommer Rektor wird, glaubt wohl nicht mal er selbst.



Mit der zusätzlichen Medienpräsenz schaffte sich Mörgeli zwar eine neue  Plattform, um seine Thesen und Botschaften  der Partei zu verkaufen. Einmal mehr konnte er unterstreichen, dass die Entlassung politisch motiviert war. Medienpräsenz war ihm einmal mehr gewiss.  Auftritte müssen aber etwas Positives bewirken, der Akteur muss überzeugen. Mit den letzten Aktionen  erwies  sich der Politiker einen Bärendienst. Sein öffentliches Wehklagen war wohl für viele zu penetrant. Ob er später doch noch von dieser Kampagne rehabilitiert vom Platz geht, ist nicht gänzlich auszuschliessen. Die Gegenseite hat auch nicht überlegt gehandelt. Die zitierten Geschichten belegen, dass Mörgeli langfristig denkt.

Er bleibt in allen Fällen unbeirrt,  auch bei der Uni-Mediengeschichte. Christoph Mörgeli: «Ich bin überzeugt, dass die Gerechtigkeit hergestellt und meine Bewerbung nicht gegen den Rauswurf meiner Person aufgerechnet wird.»

Mag sein, dass der streitbare Nationalrat später in alter Frische agiert.

Rückblickend sehen wir: Wenn es um das Aufdecken von Missständen gegangen ist, blieb Mörgeli immer hart und stand viele Tiefs unbeschadet durch.

Auch nach seinem schweren Autounfall wurde er  von vielen  abgeschrieben. Doch plötzlich war er wieder voll da. Aus meiner Sicht ist er noch für viele Ueberraschungen gut. Er kennt die Technik der Wiederaufstehmännchen. Neudeutsch: Er kennt das Phänomen der Resilienz.
Die Medien werden seine künftigen Aktionen erneut kolportieren und Mörgeli wird seine künftigen Auftritte ebenfalls wie immer - mediengerecht auftischen.



Fazit: Christoph Mörgeli gilt als Wadenbeisser. Man muss ihn nicht lieben. Anderseits würde es nicht schaden, hätten wir unter den Politikern noch mehr von seiner Sorte.



* Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik (www.knill.com ) analysiert laufend Persönlichkeiten auf der Navigationsplattform für Medien und Kommunikation: www.rhetorik.ch

RECHERCHE IN DER PRAXIS


Recherchieren benötigt Zeit:

Die Schweiz eine Recherchewürste?


Anlässlich der Buchvernissage "Recherche in der Praxis" von Catherine Boss und Dominique Strebel (vom 27.11.12 im Pressehaus Ringier in Zürich) diskutierten unter Leitung von Hannes Britschi, Susan Boos, Mona Fahmy, Dominique Strebel und Hansjürg Zumstein über die derzeitige Situation des Recherchierens in unserer Medienlandschaft.

Praxishandbuch zur Recherche

Praxishandbuch zur Recherche
Am 27.12.12 erschien  das Schweizer Recherchehandbuch von MAZ-Studienleiter Dominique Strebel und "SonntagsZeitungs"-Redaktorin Catherine Boss: "Recherche in der Praxis. Informanten zum Reden bringen, Fakten hart machen und Missstände aufdecken".

In diesem umfassenden Praxishandbuch verraten 19 Autorinnen und Autoren ihre Tipps & Tricks zu Themen wie Recherchemethodik, Registerrecherchen, Zugang zu amtlichen Dokumenten der Verwaltung und der Justiz, Internet- und Social-Media-Recherchen sowie Besonderheiten der Recherche im Lokal-, Wirtschafts-, Polit-, Justiz-, Fernseh- und Konsumentenjournalismus. 
Mitgeschrieben haben unter anderem:

Daniel Ammann, Thomas Angeli, Alex Baur, Mona Fahmy, Anna Gossenreiter, Otto Hostettler, Thomas Knellwolf, Peter Johannes Meier, Christian Mensch, Mathias Ninck und viele mehr.

Das Buch ist im Saldo-Verlag erhältich, es umfasst 240 Seiten und kostet CHF 44.-.

Heute ist immer wieder von ivestigativem Journalismus die Rede.
Ich zitiere Wikipedia:


Investigativer Journalismus (von lat.: „investigare“; zu dt.  „aufspüren, genauestens untersuchen“) bezeichnet eine Form des Journalismus der Veröffentlichung von journalistischen Beiträgen. Eine  langwierige, genaue und umfassende Recherche ist notwendig. Themen sind meistens als skandalös empfundene Verhältnisse aus Politik  oder Wirtschaft.
Viele dieser Reporter erfüllen als sogenannte vierte Gewalt  im Staat eine wichtige Funktion bei der Kontrolle der Staatsorgane  und Wirtschaftskonzerne  in Demokratien.  Eine Spielart des investigativen Journalismus wird im Deutschen als Enthüllungsjournalismus bezeichnet. Darunter versteht man das Aufdecken von Skandalgeschichten aus Prominenz, Wirtschaft und Politik. Diese Form ist weniger dem klassischen investigativen Journalismus, sondern eher dem Bereich des Boulevardjournalismus  zuzuordnen, weshalb der Begriff negativ konnotiert ist.
Ende Zitat.

Bei der Recherche wollen Journalisten die Informanten zum Reden bringen. Sie lernen diese Explorationstechniken in der Ausbildung. Auf diese Tchniken wurde jedoch an der Podiumsdiskussion nicht eingegangen. Dafür wurden Erfahrungen und Ansichten der Profis über ihr eigenen Recherchieren aus der Praxis  beleuchtet. Beim Hauptproblem der Recherche waren sich alle einig:

Es fehlt meist die Zeit, um gründlich zu recherchieren. Dennoch müssten  die Journalisten dem Recherchieren mehr Zeit geben. Leider wird oft nicht zugewartet, bis alle Fakten auf dem Tisch liegen. Bei vielen Medien ist zwar das Bewusstsein fürs gründliche Recherchieren geschaffen worden. Doch im Onlinebereich werden leider Geschichten gerne ohne seriöse Klärung zu rasch übernommen.
Der Versuch, in online Artikeln Sachverhalte und Agenturmeldungen zu vertiefen, gelingt leider vielen Anbietern nicht.

Wer Schritt für Schritt Neues anbieten will, ist heute gezwungen, die Messlatte höher zu hängen, als es viele Onlineanbieter machen.

Der Druck nach neuen Geschichten ist dermassen gross, dass Journalisten aus verständlichen Gründen versucht sind, sogar Post aus einem Privatbriefkasten angeln (war beim Fall Leibacher der Fall), um Beweismaterial zu präsentieren.

Hannes Britschgi verstand es, die  Erkenntnisse des Buches anhand konkreter Beispiele (Kachelmann, Nef usw) zu veranschaulichen.

Fazit: Quantitativ haben recherchierte Beiträge zugenommen, aber nicht qualitativ. Es mangelt an der Vertiefung und Vernetzung der unzähligen Versatzstücke in der Medienwelt.

Kommentar: Mit unseren Artikeln in rhetorik.ch oder im persönlichen Blog, möchte ich einen Beitrag leisten zur Vertiefung von tagesaktuellen Vorkommnissen aus der Medienwelt. 



Montag, 10. Dezember 2012

Steinbrücks Rede überzeugte

Eindreiviertel Stunde sprach der Herausforderer Merkels vor seinen Genossen.
Seine Taktik nach der unangenehmen Geschichte über die vielen überhöhten Honorarentschädigungen:
Steinbrück wählte die Taktik des Angriffes. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

- Er schwörte die Genossen ein

- Für ihn kommt nur eine Koalition ROT/GRUEN in Frage

- Er bittet um einen Schlussstrich

- Er wehrt sich gegen alle Vorwürfe

- Er kämpft für mehr Gerechtigkeit  (Dachbotschaft)

- Er fordert Angela Merkel heraus und greift sie an

- Er gibt sich transparent

Steinbrück versteht es, beim Auftritt viele  bewährte  rhetorischen Register zu ziehen.


BILD hat Hintergrundinfos:



SPD IM PEER-RAUSCH



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Foto: 

CDU-Bundesparteitag ebenfalls in Hannover erhalten hatte.
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Mit 93,45 Prozent Steinbrück wird offiziell Kanzlerkandidat


Kandidat Steinbrück weiß auch in seiner eigenen Partei nicht selten zu polarisieren und zu provozieren, sein Spruch von den „Heulsusen“ in der Partei ist legendär.
So macht man sich nicht nur Freunde.

Doch heute eroberte Steinbrück seine Genossen im Sturm.

Er begann seine Rede um 12:57 Uhr und legte dann über fast zwei Stunden hinweg bis 14:45 Uhr einen fulminanten Auftritt hin, der die SPD-Genossen zu einem gewaltigen Jubelsturm animierte. Fast elf Minuten Standing Ovations, drei Minuten länger als für Merkel auf dem CDU-Parteitag.
Selbst Steinbrücks eigentlicher Erzgegner Ralf Stegner aus Schleswig-Holstein vom linken Parteiflügel war hin und weg. „Eine klasse Rede“, schwärmte Stegner und legte noch drauf: „Das war eine Kanzlerrede.“ Johannes Kahrs, Chef des konservativen Seeheimer Kreises, sagte BILD.de zur Rede: „Traumschön. Er ist der beste Mann. Kann Kanzler. Wird Kanzler."

GENOSSEN IN EUPHORIE
Grund für die flügelübergreifende Begeisterung hatte Steinbrück mit einer Rede geliefert, die ihn einmal mehr als begnadeten Rhetoriker zeigte.

Mal bissiger Ironiker, mal kundiger Ökonom, mal giftiger Merkel-Kritiker, vor allem aber Sozialdemokrat mit messerscharfem Verstand und – erstaunlich selbst für viele Delegierte– diesmal auch mit bemerkenswert viel Gefühl für die komplizierte Seele der Sozialdemokratie.

„Immer dann, wenn Sozialdemokraten regiert haben, ging es diesem Land besser als zuvor“, hatte Steinbrück begonnen, den Stolz der Sozialdemokraten auf ihre Leistungen und Traditionen angesprochen.
In raschem Ritt eilte der Kandidat durch die SPD-Geschichte – von der Kaiserzeit, über die Verfolgung in der Nazi-Zeit, über Willy Brandt , Helmut Schmidt bis Gerhard Schröder.
Dann das glasklare Bekenntnis: „Ja, ich bin stolz, ein deutscher Sozialdemokrat zu sein.“
Das Eis war gebrochen. Die Genossen jubelten. Und noch einmal brandete der Beifall auf, als Steinbrück Helmut Schmidt begrüßte, dessen Kopf auf den zwei riesigen Videowänden im Saal erschien, während er sich eine Zigarette anzündete.

Vorher hatte Steinbrück Schmidt gerühmt und witzelnd angefügt: „Und deshalb darf er auch im Fernsehen rauchen.“

Vergrößern

Foto: Reuters

Mit solchen kurzen, witzigen Einwürfen lockerte Steinbrück seine Rede öfter auf. Hohe Kunst des Rhetorikers.
Steinbrück hielt aber vor allem eine bemerkenswert inhaltsreiche Rede, in der er ganz in der Art einer Regierungserklärung einen ganz weiten thematischen Bogen schlug und jedes Thema sehr präzise aus der sozialdemokratischen Programmatik herleitete und auch nicht mit Attacken auf Schwarz-Gelb sparte.

„Wir lassen uns von Frau Merkel auch nicht die Rendite der Reformpolitik der Regierung Schröder stehlen, die vielen ausländischen Beobachtern Deutschland heute wie ein Märchenpark erscheinen lässt.“
Es sei im Land etwas aus dem Lot geraten. Deutsche Politik müsse wieder von Haltung und Werten bestimmt sein. Es gebe eine Sehnsucht „nach mehr Gerechtigkeit, Maß und Mitte“.
Steibrücks Credo:

 „Deutschland braucht wieder mehr Wir und weniger Ich.“

Steinbrücks Fettnäpfchen


Peer Steinbrück: Hier hilft BILD Ihnen aus den Fettnäpfchen

SPD-Kanzlerkandidat BILD hilft Steinbrück aus den Fettnäpfchen

Steinbrück geht bisweilen sehr ins Grundsätzliche, was in der Programmpartei SPD stets gut ankommt.
Er betet fast den gesamten sozialdemokratischen Programm-Katalog herunter, der auch das Herz linker Genossen erwärmt: Mindestlohn, faire Löhne in Tarifbindung, Zwei-Klassensystem im Gesundheitswesen beseitigen, Ausbau von Ganztags-Kitas statt Betreuungsgeld, kein Pardon mit Steuersündern.

Da kam gewaltig Stimmung auf im Saal.

Die jetzige Merkel-Regierung nennt er rückwärtsgewandt: „Diese Koalition bestraft Frauen.“
Steinbrück will ins Kanzleramt eine Staatsministerin für Gleichstellung von Mann und Frau berufen.
.Fazit: Steinbrück hat mit einer grandiosen Rede die SPD von seiner Kandidatur überzeugt und das Selbstbewusstsein der SPD zweifellos gestärkt. Der Neustart ist gelungen. Bleibt er jetzt pannenfrei, kann Steinbrück für Merkel ein echter Angstgegner werden, den sie 2013 sehr fürchten muss.


SCHNEE-SCHNEE-SCHOEN UND KALT


"Wetten, dass...?" laufen die Zuschauer weg - Weshalb?

(Quelle BILD-online)

Zu den Fakten:




8,9 Millionen schalteten ein – 1,9 Millionen weniger als beim letzten Mal. Im Vergleich zur ersten Sendung mit Lanz waren es sogar 4,7 Millionen weniger! In 151 Shows war Vorgänger Gottschalk nur fünfmal schwächer als Lanz bei seinem erst dritten Auftritt.


Liegt es wirklich am neuen Moderator? Oder fehlt „Wetten, dass ..?“ mittlerweile die Kraft?

Kommentar:
Seit 31 Jahre sind 2010 Folgen gesendet worden. Jede Sendung wird mit der Zeit abgegriffen. Die Luft ist raus. Die Macher wagten beim Wechsel keine Generalerneuerung. Ich teile die Meinung von Josef Nyary, der geschrieben hatte: "Das Verfalldatum dieser Sendung ist abgelaufen." ES wird keine Strassenfeger-Sendungen mehr geben. Das Image wird laufend demontiert. Die Kritiken sind meist vernichtend. (seichte Sofa Gespräche - langweilig!!!). Zudem hat sich das TV- Konsumverhalten verändert. Die Glotze als Kaminfeuerersatz im Wohnzimmer gibt es nicht mehr.



Auch Gottschalk stürzt ab



Gottschalk stürzt mit „Supertalent“ ab

Schlechte Quoten Gottschalk stürzt mit „Supertalent“ ab


Noch nie wollten so wenig Zuschauer Thomas Gottschalk live in einer großen Samstagabend-Show sehen, wie beim „Supertalent“.
Richtig wach wurden die Zuschauer offenbar nur bei den Showeinlagen.
Wurde bei Gottschalk eher abgeschaltet, wenn irgendjemand gesungen hat – so ist das bei Lanz umgekehrt …
Der Quotenverlauf zeigt: Je weniger Lanz redete, umso mehr guckten zu! Bei den Auftritten von Pink, den „Fantastischen 4“ oder Rihanna zeigte die Quotenkurve prompt nach oben.

«Peitschen-Peer» ist Kanzlerkandidat

Der SPD-Parteitag in Hannover hat Peer Steinbrück mit 93,45 Prozent der Stimmen zum Kanzlerkandidaten gewählt. Damit ist Steinbrück jetzt auch offiziell Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Aus 20 min


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Neben seiner harten Linie im Steuerstreit hat dieser Gesichtsausdruck Steinbrücks Bild in der Schweiz geprägt.
Bild: Keystone/Benoit Doppagne

Nun gilt es für die SPD: Peer Steinbrück ist nach einer zermürbenden Kandidatenfindung und einem holprigen Start jetzt auch der offizielle Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten für die Bundestagswahl 2013. Ein ausserordentlicher Parteitag wählte ihn am Sonntag in Hannover mit 93,45 Prozent zum Herausforderer von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Steinbrück sagte nach der Wahl: «Das Ergebnis freut mich und ist zugleich verpflichtend.»

LINKS:


25. Okt. 2008 ... Der Deutsche Finanzminister Peer Steinbrück hat an einem Ministertreffen ... Steinbrück ging weiter und von einer "Schwarzen Liste" geredet.
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/10_25/index.html