Samstag, 6. August 2011

Psycholgie der Massen


Aus www.wgval.com


Psychologie der Massen

Die folgende Analyse von Marcus Knill stammt von der Seite:


http://www.rhetorik.ch/Massen/Massen.html

Massenmedien – Medien für die Massen
von Marcus Knill

Mit  Massenmedien   umgehen  können  will
auch  heissen,  die  Gesetzmässigkeiten  der
Massenkommunikation  und  die wichtigsten
Phänomene der Massenpsychologie kennen.


Psychologie der Massen

Alle kennen die Phänomene bei Massenveranstaltungen wie Sportanlässen, Rockkonzerten. Es sind nicht nur Teenies, die vor ihrem Idol in der Masse kreischen, weinen und sogar in Ohnmacht fallen können. Auch Erwachsenen wird in Massenveranstaltungen der Verstand vernebelt.
Der französische Mediziner, Philosoph und Politiker Gustave Le Bon (1841-1931) hat die wichtigsten Gesetze der Massenkommunikation erforscht. In seinem Buch “Psychologie der Massen” schildert er, wie die Massen geführt, aber auch verführt werden können. Die Prinzipien sind seit jeher ähnlich.
Im Zeitalter der Massenmedien erkennen wir tagtäglich Politiker, die zu den altbewährten Mitteln der Massenmanipulation greifen (siehe auch Beeinflussen).
Der geistige Zustand der Massenseele wird über das Gefühl, über Emotionen gesteuert.
Der Mensch ist in der Masse gleichsam ein Triebwesen. Das gebildete, rational denkende Individuum kann in der Masse heftig aufbrausen, wild werden und überreagieren.
Die Masse ist nicht nur triebhaft und wandelbar. Die Masse lüsst es auch nicht zu, dass ihr jemand ein Hindernis aufbaut auf dem eingeschlagenen Weg zum Selbstverwirklichunsprozess der Gemeinschaftsseele.


In der Masse entwickelt sich das Bewusstsein einer enormen Kraft. Starke Ausdrücke verstärken diesen Prozess.


Zum Stil grosser Demagogen gehören grosse Worte

Die geforderten Tatbeweise werden mit Ruhm, Ehre, Vaterland, höheren Werten gekoppelt. Die grossen Wortbilder schweissen die Massen zusammen. Begriffe wie Gleichheit, Friede, Gerechtigkeit sind schwer erklärbar. Doch das Unbestimmte, vermischt mit konkreten Bildern, verstärkt diese geheimnisvolle Macht. Die Macht eines Schlüsselwortes kann so gross werden, dass für die Masse selbst unangenehme Dinge annehmbar werden. Die Masse lässt sich am besten mit suggestiven Elementen steuern. Dazu gehören immer Bilder oder einfachste bildhafte Erscheinungen.


Wer verführerische Bilder evozieren kann, hat bei Massen ein leichtes Spiel

Jeder Massenverführer merkt, welche Bilder beim jeweiligen Publikum hervorgerufen werden müssen. Nur wer die einfache, bildhafte Sprache beherrscht, kann den Massen die entsprechenden Ideen übermitteln.
Verbindungen, Analogien werden jedoch nicht logisch verknüpft.

Blosse Ähnlichkeit und einleuchtende Verknüpfungen genügen, so wie bei einem Eskimokind, das aus der Erfahrung weiss, dass ein glasklarer Eiswürfel im Mund schmilzt und nun daraus schliessen müsste, dass auch ein klarer Glaskörper im Mund schmilzt. Dieser Vergleich (Glaskörper schmilzt im Mund) leuchtet vorerst ein, ist aber nicht richtig. Ein weiteres Merkmal der Massenlogik ist die Verknüpfung ähnlicher Dinge.


Vorschnelle Schlüsse, Verallgemeinerungen dominieren

Logische Ketten, die wissenschaftlich untermauert sind, überfordern die Massen. Demagogen appellieren deshalb nie an den Geist oder die Vernunft. Alles, was die Phantasie der Massen erregt, erscheint vielmehr in der Form eines packenden, klaren Bildes. Nicht die Fülle von Hunderten von Fakten wirkt auf die Phantasie von Massen.


Ein einziges Bild kann mehr erschüttern als unzählige kleine Tatsachen.

Wir erinnern uns an die Aufnahme eines fliehenden Kindes mit verbrannter Haut im Vietnamkrieg oder das Bild eines schreienden Robbenbabys, das mit einem Knüppel getötet wurde. Nicht viele kleine Tatsachen sondern eine grosse Sache, die immer wieder gezeigt wird, erregt die Phantasie der Massen. Ein packendes Bild erfüllt den Geist, verdichtet eine komplexe Aussage und ergreift die Massen. Auch die Werbung nutzt dieses Phänomen.


Die Weltanschauung ist alles

Thesen und Meinungen finden bei der Masse nur dann fruchtbaren Boden, wenn sie eine weltanschauliche Form angenommen haben und wenn sich diese Weltanschauung jeder Auseinandersetzung entzieht. Tatsachen, welche der Masse missfallen, werden negiert. Die Masse zieht es vor, selbst Irrtümer zu vergöttern; sie müssen lediglich den eigenen Gefühlen entsprechen. Deshalb gilt bei der Beeinflussung der Masse:


Gefühle statt Logik

Die Gesetze der Logik haben auf die Masse kaum Wirkung. Ein Massenverführer wird deshalb immer zuerst den Eindruck erwecken, dass er die Gefühle der Masse teilt, um nachher diese Gefühle zu verändern; indem beispielsweise mit angedeuteten Ideenverbindungen neue Bilder hervorgerufen oder erzwungen werden.


Folgende Überzeugungsmittel sind bei der Beeinflussung von Massen wichtig:
Führerpersönlichkeiten mit grosser suggestiver Macht

z.B. Savonarola, Luther, Hitler, Lenin… Die meisten Menschen sind nicht imstande, sich selbst zu leiten. Sie schätzen Anführer, die ihnen Entscheide abnehmen und die für sie zu Wegweisern werden. Eine erfolgreiche Persönlichkeit hat es viel einfacher, Einfluss zu nehmen. Menschen mit Erfolg und Nimbus (Sportler, Stars, Menschen mit Titeln oder grossem Bekanntheitsgrad) haben die beste Voraussetzung, Menschen zu beeinflussen. Doch genügt der Nimbus allein nicht. Der Manipulator muss auch grossspurige Versprechen machen und die Gegner moralisch diskreditieren.


Sofort mitreissen

Es gilt, rasch Einfluss zu nehmen. Dies ist ein bewährtes Rezept. Also keinenfalls zögern. Dauerhaftes Beeinflussen von Massen ist gepaart mit:
  • behaupten
  • wiederholen
  • infizieren (anstecken)
Die Behauptung wird durch die Wiederholung verstärkt.


Die Bilder werden dank der Wiederholung als bewiesene Wahrheit angenommen, sofern die Masse nicht an anderen Stellen zuviel von der gegenteiligen Meinung aufnimmt. Durch das einstimmige Wiederholen bildet sich ein Meinungsklima. Die Massen übertragen hierauf die Ideen und Gefühle auf andere Menschen. Dieser Übertragungsprozess kann mit der Ansteckungskraft von Mikroben verglichen werden.


Die Nachahmung bestärkt die Wirkung bei der Übertragung

Alle kennen bei der Mode die Kraft der Nachahmung. Wenige können einer Mehrheit das Verhalten aufzwingen. Doch dürfen neue Verhaltensweisen nicht allzuweit von den überkommenen Ideen entfernt sein. Die Nachahmung ist dann zu schwierig, wenn die Nachahmung eine zu grosse Veränderung verlangt. Vordenker, die ihrer Zeit überlegen sind, werden kaum nachahmt. Denn: Der Abstand zur Massenmeinung ist zu gross.


Massenmedien und Massenkommunikation

Wer sich mit Massenmedien beschäftigt, weiss, dass auch hier Phänomene der Massenpsychologie im Spiel sind. Wir beleuchten an dieser Stelle nicht alle Erkenntnisse der Manipulationsmöglichkeiten (siehe Beitrag Macht der Medien), sondern wir bedenken an dieser Stelle nur jene Aspekte, die im Umgang mit Massenmedien bei Auftritten — in der Praxis vermehrt beachtet werden sollten.
Es ist und bleibt eine Tatsache, dass die Adressaten bei Massenmedien die Massen sind. Diese Medien streben begreiflicherweise hohe Einschaltquoten an und streichen in der Regel zuerst jene Sendegefässe, die bei den Massen keine Akzeptanz finden. Wer vor Mikrofon und Kamera reden muss, müsste sich deshalb immer bewusst bleiben: Die Masse ist der Adressat. Und damit gilt es gewisse Prinzipien zu beachten:
Strassengängig reden

Wer die Sprache nicht dem jeweiligen Durchschnittspublikum anpassen kann, muss dies lernen. “Strassengängig reden” heisst: die Sprachebene der normalen, alltäglichen Umgangssprache wählen, einfach, konkret und verständlich (wie an einer Party). In der Praxis zeigt sich tagtäglich: Das Einfache ist deshalb für viele nicht einfach, weil zu kompliziert und mitunter mit zu vielen Substantiven gesprochen wird. Obschon bekannt ist: Verben, Verben, Verben benutzen. Ein weiterer Grund für eine zu hohe Sprachebene ist die falsche Vorbereitung: Anstatt mit Stichworten werden die Aussagen oft schriftlich vorformuliert und nachher auch von den schriftlichen Notizen unmittelbar in die Mundart übertragen. Eine Rede ist bekanntlich keine Schreibe.


Vergleiche, Beispiele, passende Bilder

Selbst komplexe Zusammenhänge, abstrakte Sachverhalte können mit einer Metapher, einem Beispiel oder einer passenden Geschichte greifbar (begreifbar) gemacht werden. Ein Jet-Pilot der “Patrouillesuisse” antwortete auf die Frage: “Es braucht gewiss grosses Training, so nahe nebeneinander zu fliegen, nicht wahr?” mit folgender verständlichen Analogie:
“Bei uns ist es so, wie wenn Sie auf der Autobahn mit 30cm Abstand auf den Vordermann bei hoher Geschwindigkeit und bei Tempoveränderungen immer die analoge Distanz halten müssen. Nur ist es bei uns während des Fluges so: Wir können zwar steuern und Gas geben, aber wir haben dabei nur eine verhältnismässig schwache Bremse.”
Jeder Zuhörer aus dem Publikum, der kein Pilotenbrevet besitzt, jedoch tag-täglich Auto fährt, konnte sich dank dieses Vergleiches ein Bild machen. Die Analogie “Pilot-Autofahrer” wurde somit zum Verständlichkeitshelfer. Die bildhafte, kurze Antwort war vorstellbar, begreifbar. Beim Coaching von Führungskräften im Fernseh- und Rundfunksimulator zeigt sich immer wieder: Die Bildsprache muss neu erlernt werden. Bei der Massenkommunikation stellt sich die berechtigte Frage: “Warum haben wir das Spiel mit Beispielen verlernt?” Gefragt sind einfache Vergleiche, Bilder und Geschichten, ohne dass damit der komplexe Sachverhalt verfälscht wird.


Emotional argumentieren

Bei Alltags-Kommunikationsprozessen geht es in den Massenmedien nicht ums Manipulieren, wohl aber ums Überzeugen.
Wer die Emotionen amputiert, wer echte Begeisterung nicht ausdrücken kann, der wird auch bei Massenmedien kaum überzeugen können. Wie heisst es so schön: “Wenn in dir kein Feuer brennt, wirst du auch das Feuer im Herzen der Mitmenschen nicht entflammen können”.
Emotionale Argumentation wirkt nachhaltiger. Doch müssen die Emotionen echt sein. Sie dürfen nicht gespielt werden. (Wird meist entlarvt.) Emotionen und Aussage müssen übereinstimmen (Psyche und Logik sind synchron, d.h. wir kommunizieren psychologisch). (Vergleichen Sie auch die Erkenntnisse aus den den Ogi-Medienauftritten).


Kurz und konkret 

Das Hauptproblem ist und bleibt das Dilemma, gleichzeitig kurz und konkret zu sein. Beschreiben wir einen Sachverhalt ausführlich, sind wir in der Regel viel zu lang; antworten wir hingegen sehr kurz, so fehlen meist wichtige Zusatzinformationen. Bei Massen-Medien müssen nun Sprechende beide Erfordernisse unter einen Hut bringen können: Kürze und Ausführlichkeit. In den kurzen Antworten oder Voten von 20-30 Sekunden muss ebenfalls ein stimulierendes Bild oder eine Geschichte oder ein Beispiel untergebracht werden können. Siehe Beiträge: Balance, Hohle Phrasen und Wichtiges erkennen. Diesen Hochseilakt müssen wir beherrschen. Er ist erlernbar.


Fazit
Angewandte Medienrhetorik ist keine Manipulationsschulung. Wer überzeugen will, muss jedoch die wichtigsten Prinzipien der Massenkommunikation und Massenpsychologie kennen, um nicht Opfer der Manipulationstechniken zu werden. Wer manipuliert, wer überzeugt, übt aber immer Einfluss auf Mitmenschen aus. Nur weil Beeinflussungstechniken missbraucht werden können, dürfen wir das Einflussnehmen nicht generell ablehnen. Worte und Bilder sind wie Medikamente. Sie können helfen, aber auch missbräuchlich verwendet werden. So wie ein Arzt den Umgang mit starken Mitteln nicht missbrauchen darf, so sind wir stets gehalten, die wirkungsvollen Beeinflussungsmöglichkeiten verantwortungsvoll zu nutzen.

Freitag, 5. August 2011

Der Schweizer Franken steigt und steigt-

Wo ist der Meister?


teaser image

(Foto aus 20 min)



Die derzeitige prekäre Situation erinnert an die Hilflosigkeit des Zauberlehrlings in Goethes Gedicht,  das die Schüler früher auswendig lernen mussten :


Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wirds im Saal und auf den Stufen:
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.


Auch bei der Finanzkrise ist jetzt ein Meister gesucht. Denn die Not ist gross.
Alle Versuche, den Franken zu schwächen, scheinen wirkungslos zu verpuffen.
Experten und Politiker wissen angeblich nicht mehr weiter, was getan werden soll.




(Foto aus Tagi-online)


Es scheint, dass "Geld drucken" und das Manipulieren an der Zinsschraube angeblich auch nichts bringt und die Situation  immer  schlimmer wird und die Wirtschaft aus den Fugen gerät

Nationalbank und Experten scheinen am Ende ihres Lateins zu sein. 

Die Not ist tatsächlich gross und wir fragen uns:




Kommt bei der Finanzkrise auch bald ein Meister, der tatsächlich  weiss, was  getan werden muss, damit die Situation nicht weiter aus dem Ruder läuft?
 

Verhörrhetorik: Die Taktik der Ermittler bei Breivik



 Voriges Bild  Nächstes Bild  Index






Verhoer.jpg



Es gehört zur Verhörtaktik bei Grössenwahnsinnigen, dass beispielsweise die Ermitter  den Massenmörder bewundern, um mehr zu erfahren.


Ich zitiere Blick-online:



Der 32-Jährige wird in einem Raum der Polizeistation Grønland in Oslo befragt. Anwesend sind dabei lediglich sein Anwalt Geir Lippestad sowie der polizeiliche Leiter des Verhörs. In einem Nebenraum schauen sich weitere Ermittler das Gespräch via Videoleinwand an.

Breivik redet viel – und sagt dabei wenig aus

Ihr Problem: Breivik redet gerne, er ist gewandt und kooperativ – doch seine Aussagen beziehen sich stets auf sein Manifest, seinen wirren «Krieg». Was sie jedoch interessiert sind nicht seine Selbstdarstellungen als «Kreuzritter», sondern mögliche Hintermänner oder Helfer. Breivik behauptet, es gäbe in Skandinavien zwei weitere «Terrorzellen». Hirngespinste?

Um das herauszufinden, so erklärt Sven Christianson im «Dagbladet», müssen die Beamten ihre Verhörtaktik der Psyche Breiviks anpassen. Christianson ist Professor für Forensische Psychologie. Bei ihm lernen Norwegische Ermittler die nötige Technik, um Kriminelle zum Reden zu bringen.

Wie verhört man einen Grössenwahnsinnigen?


Bei Breivik macht er Verfolgungs- und Grössenwahn aus. Das heisst für die Ermittler: Professionelle Distanz und ein neutraler Ton bringen mehr, als einfühlsame Nähe. Breivik soll sich sicher fühlen. Er soll denken, dass er ernst genommen wird.



Breivik will angeben mit seiner Tat. Lässt man sich davon nicht provozieren und lässt ihn reden, wird ihn das dazu verleiten, immer mehr von sich preis zu geben. Breivik will bewundert werden. Gelingt es den Vermittlern, dies zu vermitteln, so werden sie die ideologische Mauer des 32-Jährigen durchbrechen.

Isolationshaft wird Wirkung zeigen


Und auch dies sagt Christianson voraus: Die Isolationshaft wird Breivik früher oder später brechen. Als Narziss braucht er ein Publikum als Projektionsfläche für seine Selbstverliebtheit. Bleibt dieses aus, fällt das Fantasiegebilde, das er um sich und seine Tat aufgebaut hat in sich zusammen – Breivik wird sich als das sehen, was er ist. Ein Massenmörder.



Kommentar:  Verhörtaktiken muss immer der Situation angepasst werden, obschon es standardisierte Kreuzverhörtechniken gibt. Vor allem Fragetechniken spielen bei der Verhörrhetorik eine zentrale Rolle.
Ob beim abgebrühten Anders Breivik die Psycho-Tricks Erfolg haben werden?


Psycho-Tricks beim Verhör: So knacken Ermittler Anders Breivik
 

Donnerstag, 4. August 2011

Geisslers Ausrutscher:





"Wollt ihr den totalen Krieg?"



Heiner Geissler wollte im festgefahrenen Streit um Stuttgarts Tiefbahnhof schlichten - und zitierte unbedacht Goebbels.  Der Medienwirbel war vorprogrammiert. Immer wieder zeigt sich, dass es sich lohnt,  auf jegliche Vergleiche im Zusammenhang mit Nazideutschland zu verzichten. Alle, die das getan hatten,verbrannten sich die Finger. Das hätte Mediator Geissler wissen müssen, zumal er sich früher gegen jegliche Vergleiche mit Nazigrössen zur Wehr gesetzt hatte.

storybild

Mit seiner Äusserung tappte Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geissler arg ins Fettnäpfchen. (Bild: Keystone)


(Zitat 20 Min):



«Wollt ihr den totalen Krieg?» Diese Frage hat Heiner Geissler in Stuttgart in die Runde geworfen. Exakt dieselbe Frage hatte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels am 18. Februar 1943 in Berlin in die Massen geschleudert. Goebbels Monolog ist als «Sportpalastrede» in die Geschichte eingegangen.
Der Reichspropagandaminister hatte die Stärke des deutschen Volks gelobt und ihm in der Klimax seiner berüchtigten Rede zehn rhetorische Fragen gestellt. Die vierte – «Ich frage euch: Wollt ihr den totalen Krieg?» – ist prägend für die gesamte Rede in Erinnerung geblieben, weil das Publikum dazu am heftigsten reagierte. Es rief frenetisch: «Ja!»


Kein Applaus für Geissler






Und nun also Heiner Geissler, der sich vor 26 Jahren vehement gegen den Vergleich mit Goebbels wehrte. Der frühere Kanzler Willy Brandt hatte ihm vorgeworfen, «seit Goebbels der schlimmste Hetzer in diesem Land» zu sein.


«Wollt ihr den totalen Krieg?», fragte also Geissler am letzten Freitag bei der Präsentation der Ergebnisse des Stresstests für den geplanten Tiefbahnhof in Stuttgart. Es brandete ihm kein Applaus entgegen. Das grosse Donnerwetter brach erst im Nachhinein über ihn herein. Dass es einige Tage gedauert hat, dürfte damit zusammenhängen, dass Geissler einen überraschenden Kompromiss-Vorschlag unterbreitet hatte.


Kommentar: Mich enttäuschte die unprofessionelle Reaktion eines Mediators.
Geissler hätte sich sofort entschuldigen müssen.


 - Statt dessen stritt er zuerst ab, gewusst zu haben, dass dieses Zitat Goebbel zugeordnet wird. Er machte sich damit unglaubwürdig.


- Später verteidigte er sich und erklärte nun plötzlich, er habe die Zuspitzung bewusst gewählt, um zu verdeutlichen, dass es in Stuttgart eine friedliche Lösung brauche.

- Oft müsse man etwas zuspitzen, um gehört zu werden.



FDP-Generalsekretärin Gabriele Heise wirft heute Heiner Geissler vor, die Relationen zu verlieren.  «Die Aufhetzung unter dem Unrechtsregime der Nazis eignet sich nicht für launige Vergleiche», sagte  sie und fügte bei: «Mit diesem Vergleich diskreditiert er alle, die friedlich von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen.»


Der schlimmer Fehler in dieser heiklen Situation ist  ist nach meinem Dafürhalten Geisslers Bemerkung über die Reaktion der Medien, mit folgender Schuldzuweisung:


-Die Medien haben etwas Manisches. «Jedes Mal, wenn man etwas aus der Nazi-Zeit auch nur erwähnt, werden manche Leute nervös und verrückt», sagte er zu «Focus». «Wenn ich in der Nähe von Goebbels bin, ist der Playboy das Mitteilungsblatt des Vatikans.»




dpa 
Bewusst zugespitzt: Heiner Geißler rechtfertigt sich und verschlimmbessert dabei seine Situation


Die Sportpalastrede Goebbels

(Quelle: Youtube/progradandize)



Fazit: Geissler hat sich mit seinem Verhalten als Schlichter disqualifiziert. Wenn er nicht fähig ist, einen verbalen Ausrutscher in der Offentlichkeit zu entspannen und sogar die Geschichte  selbst verschuldet noch zur Eskalation bringt, hat er die Glaubwürdigkeit als Konfliktmanager verloren.   








Aufregung um Goebbels-Zitat: "Wollt ihr den totalen Krieg?": Geißler legt nach!

Mittwoch, 3. August 2011

Dieses Bild visualisiert die Rhetorik von Leuten, welche nicht zuhören können und das Gegenüber mit ihrer  Meinung rücksichtlos überfahren. Nur ihre Sicht der Dinge ist angeblich richtig.


teaser image

(Foto aus 20 Min-online)

Dienstag, 2. August 2011

Christine Maier ist heute auf dem hohen Seil


Christine Maier tritt heute bei «10 vor 10» in die Fussstapfen von Susanne Wille.


Übernimmt «10 vor 10»-Moderation: Christine Maier. (SF)

«Club»-Chefin Christine Maier mit Ehemann David Dimitri. (Sabine Wunderlin)

Christine Maier mit Ehemann David Dimitri. (Adrian Bretscher)

«Ich kenne keine Frau, die im Hauptabendprogramm an grauen Haaren und Falten basteln konnte.» Christine Maier (45) (SF)

«Die Ausgangslage ist schwierig, aber nicht aussichtslos. Ich drücke den Schweizern die Daumen, dass sie es sogar bis ins Achtelfinal schaffen.» – Christine Maier, TV-Moderatorin (RDB)

Hatte die Haare Föhn: Was für ein Volumen! Christine Maier (44) setzte 1989 auf heisse Luft,
heute kämpft sie als Chefin der SF-Sendung-«Club» dagegen an. (RDB)

Christine Maier musste die Gäste immer wieder beruhigen. (SF)

Ihr entglitten die Zügel: Die sonst kompetente «Club»-Diskussionleiterin Christine Maier.


Die bekannte Talkerin Maier kehrt heute zu den News zurück. Sie hat bereits vor elf Jahren bei RTL/Prosieben die Nachrichten moderiert. 2005 sprang sie beim Nachrichtenmagazin «10 vor 10» für Daniela Lager ein, als sie im Mutterschaftsurlaub war und hatte es gut gemacht. Der heutige Auftritt ist somit kein Blindflug.
(Ich zitiere Blick):
Christine Maier kann auf eine lange Tätigkeit am Bildschirm zurück schauen: Von 1991 bis 1998 arbeitete sie als Redaktorin und Moderatorin verschiedener Sendungen des ZDF und des Bayrischen Rundfunks. 2001 kehrte sie zum SF zurück – als Redaktorin und Moderatorin der «Club»-Sendung. Nach dem Rücktritt des langjährigen «Club»-Chefs Ueli Heiniger übernahm sie die Leitung der Sendung.(Ende Zitat)

Die Wahl Maiers kam für die Medien unerwartet. Beim  stattgefunden Casting war sie nämlich nicht dabei.
Offenbar haben (nach Blick) die getesteten Kandidatinnen Patrizia Laeri (33), Andrea Vetsch (35) Cornelia Boesch (36), Wasiliki Goutziomitros (33) und Nina Brunner (30) für den «10 vor 10»-Job nicht ganz überzeugt.

Was fest steht: Christine Maier ist ein Vollprofi. Sie ist selbstkritisch und hat sich ständig verbessert bis zur Top - Moderatorin. Ich hatte Christine Maier seit Jahren analysiert und ich durfte miterleben, wie sich diese Medienfrau entwickelt hatte.
LINKS


10. Mai 2003 ... Mai, 2003 mit Christine Maier lieferte interessantes Anschauungsmaterial zum Thema "Moderation". Sehen Sie zu diesem Thema auch die Beiträge ...
www.rhetorik.ch

13. Dez. 2003 ... Seit einer früheren Analyse hat Christine Maier ihre Gesprächsleitung beim "Club " wesentlich verbessert. In der Talksendung "Persönlich" im ...
www.rhetorik.ch
19. Jan. 2005 ... Christine Maier hat am "Zischtigclub extra" nach der Flutkatastrophe überzeugt. Für uns war es eine der besten Moderationen, die wir im Club ...
www.rhetorik.ch
22 Jul 05: Facts über Christine Maier · 19 Jan 05: Vorbildlicher Moderationsstil von Christine Maier · 13 Dez 03: Zur Moderation von Christine Maier ...
www.rhetorik.ch
22. Juli 2005 ... Juli wurde die Moderatorin Christine Maier unter die Lupe genommen. Wir haben die Fernsehfrau Christine Maier seit Jahren beobachtet und ...
www.rhetorik.ch
3. Mai 2006 ... Mai unter der Leitung von Christine Maier die Grenze zwischen Pressefreiheit und Persönlichkeitsschutz eingehend diskutiert. ...
www.rhetorik.ch
2. Dez. 2008 ... In dieser Sendung wurde deutlich, weshalb Christine Maier so ... Das hatte Christine Maier gefunden: In der Sendung diskutierten Jürg Boll ...
www.rhetorik.ch

Christine Maier  sagt in einem sda  Beitrag vor ihrem ersten Auftritt:


"Nervös bin ich wegen der "10vor10"-Premiere, noch nicht, aber das kommt noch." Sie bekomme auch vor jedem "Club" Lampenfieber. "Das habe ich in den 25 Jahren, in denen ich beim Fernsehen bin, nicht weggebracht", verrät Maier. "Das gehört einfach dazu."
Etwas hat sich während ihrer langjährigen Karriere hingegen verändert hat. "Ich schätze, nach all den Jahren vor der Kamera habe ich einiges an Eitelkeit und Narzissmus abgearbeitet".



Kommentar: Ich finde das wichtig,  dass eine routinierte Profifrau die Batterien mit der Kraft "Lampenfieber" aufladen kann und dadurch immer voll präsent ist. Lampenfieber im richtigen Mass gibt Kraft und ist notwendig.  Ein erfahrener Moderator hatte leider bei seinem ersten Auftritt versagt, weil er damals viel zu leger und ohne Spannung moderiert hatte. Er wurde bei diesem Auftritt als "lahme Ente" empfunden.  Dass Christine Maier  viel ausbalancierter ist als vor Jahren, ist unbestritten.


Zur ersten Moderation vom 2. August:


Christine Maier bei ihrem ersten Auftritt als «10vor10»-Moderatorin. (Screenshot: SF)
Christine Maier bei ihrem ersten Auftritt als «10vor10»-Moderatorin. (Screenshot: SF)



Christine Maier wirkte sehr konzentriert. Die Spannung war spürbar. Als hätte Sie sich gesagt, jetzt muss ich bestehen. 10 vor 10 ist  tatsächlich nicht mehr CLUB. Der Wechsel von der Gastgeberin und Gesprächsleiterin ist etwas anderes als der Job als News Moderatorin. Jetzt hat sie nicht mehr so viel Zeit und muss nicht mehr so gut zuhören können. Dialoge haben nicht mehr Priorität. Abgesehen von kleinen Patzern (z.Bp: Eurokurs -wurde aber elegant korrigiert)  meisterte Christine Maier die Feuertaufe.
Die neue 10 vor 10 Moderatorin  wirkte im Laufe der Sendung immer eloquenter. Am Anfang dominierte die Konzentriertheit. Der Auftritt wurde  dadurch als  etwas zu verspannt empfunden (Stimme, Körpersprache).
Ich wurde gefragt (Radio 24), was ich zum weissen Kleid sage?
Ob dies nicht fade gewirkt habe. Hinsichtlich Kleidung hatte sich bei Christine Maier stets gezeigt und das habe ich festgestellt: Sie wählt immer Kleider, die zum Dekor passen und nicht dominieren. Eine Kleidung, die zu ihrer Rolle und zu ihrem Typ passt und vor allem: Es waren stets Kleider, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie  sich darin wohl fühlt. Ich halte nicht viel von Interpretationen bei der Kleidersprache oder von den Ratschlägen der Farbpsychologen.

Als News- Moderatorin muss sich Christine Maier noch an die neue Situation gewöhnen. Das Zeug hat Sie jedenfalls dazu. Ihre sonore Stimme überzeugt. Sie hat auch eine gute Ausstrahlung. Sie  ist kompetent  und  hat eine hervorragende Selbstkritikfähigkeit (ist die wichtigste Voraussetzung auf dem Erfolgsweg).

Nach diesem ersten Auftritt ein verbindliches Urteil abzugeben,  wäre unprofessionell. Was mich jedoch nach einer Reihe von Sendungen interessieren wird: Wie schafft es Christine Maier, das Interesse der Zuschauer zu wecken? Wie ist es mit den sprachlichen Variationen von der Sprechhaltung her?
Strahlt Sie Lust aus für die News Sendung?
Hinsichtlich Uebergänge: Machen die Sinn?
Wie meistert Sie diese Uebergänge zwischen den einzelnen Themen (Hält Sie als Anchor (Anker) die Sendung zusammen)?
Schafft Sie erneut - wie beim CLUB - den eigenen Moderationsstil ihrer Persönlichkeit zu finden?

Ich zweifle nicht daran, dass Christine Maier dies schaffen wird.
Auf Grund der Beobachtung einer einzigen Sendung wäre es jetzt vermessen, all diese Fragen endgültig zu beantworten.

Bei der Moderation bei News Sendungen spielen nämlich so viele Aspekte mit.

FAZIT der heutigen Beobachtung: Feuertaufe bestanden. Ich bin sicher, dass Christine Maier beim Debriefing rasch selbst erkennt, was zu tun ist, dass sie sich künftig auch so wohl fühlt, wie im CLUB. Ich bin überzeugt, dass sie die neue Situation auch im neuen Job gut meistern wird.
 


Nachtrag:


Ich zitiere 29 Min:


Christine Maiers kleiner Patzer

Gewohnt sympathisch gab Christine Maier ihren Einstand als neues Gesicht bei «10vor10». Ein bisschen Nervosität war der Nachfolgerin von Susanne Wille allerdings anzumerken.

Schon 2005 stand Christine Maier für sechs Monate bei «10vor10» vor der Kamera. Seit Die... Mehr... Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal

Seit dem 2. August wird Christine Maier, zumindest vorübergehend, zwischen zwei TV-Studios im Leutschenbach unterwegs sein. Neben dem Redaktions- und Moderationsjob im «Club» steht sie neu auch bei «10vor10» vor der Kamera. Allerdings nicht zum ersten Mal: Schon 2005 war die Zürcherin für kurze Zeit beim Nachrichtenmagazin des Schweizer Fernsehens eingesprungen.
Gewohnt sympathisch führte die 46-Jährige durch ihre erste Sendung, die ganz im Zeichen des starken Schweizer Frankens und den Turbulenzen an den internationalen Börsenplätzen stand. Und gleich wurde der langjährige TV-Profi in die Tücken der Zahlenjonglage der omnipräsenten Devisenkurse und Aktienindizes dieser Tage eingeweiht. Bei der Einblendung der Infografik des Eurowechselkurses, der mit 1,0865 Franken angegeben wurde, kommentierte Maier etwas nervös, dass dieser zurzeit für «rund einen Franken» gehandelt werde.


Sympathische Korrektur


Doch genauso unvermittelt wie sie ins Fettnäpfchen rein trat, so ehrlich und menschlich zog sie sich auch wieder aus der Affäre raus: «Aus lauter Lampenfieber habe ich ein noch düstereres Bild gemalt, als es schon war», sagte das neue Gesicht von «10vor10» nach dem darauffolgenden Beitrag und korrigierte den Euro auf seinen zurzeit korrekten Wechselkurs gegenüber dem Schweizer Franken. Dann leitete sie souverän zu ihrem Interviewpartner über.


Christine Maier tritt die Nachfolge von Susanne Wille an. Die 36-Jährige Wille erwartet ihr drittes Kind und wird nach ihrer Babypause hinter die Kamera ins «10vor10»-Reporterteam wechseln.


Nachtrag: Ich zitiere Blick



Zum EURO-PATZER


Aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für die neue «10vor10»-Moderatorin Christine Maier, die bei ihrem Debut aber einen Steigerungslauf hinlegte.


In jungfräulichem Weiss stand Christine Maier bei ihrer Premiere als «10vor10»-Sprecherin vor der Kamera. Und obwohl die TV-Lady seit 1987 im Geschäft ist, konnte sie eine gewisse Anfangsnervosität nicht überspielen.

Christine Maier sprach schnell, wechselte von einem Bein aufs andere. Und verhaspelte sich prompt. Der Euro ist mit einem Wert von unter 1,09 Franken zwar so tief wie nie. Aber 1:1, wie es Christine Maier herausrutschte, ist der Wechselkurs dann doch noch nicht.

«Jetzt habe ich aus lauter Lampenfieber noch ein düstereres Bild gemalt», gesteht Christine Maier den Patzer charmant ein. Und die Nachfolgerin von Susanne Wille gewinnt schliesslich Sicherheit, als sie im Interview mit Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann ihre langjährige Talk-Erfahrung als «Club»-Chefin ausspielen kann. Ab diesem Moment ist Christine Maier bei «10vor10» angekommen.



Kommentar: Auch Journalisten haben festgestellt, dass Christine Maier einen Steigerungslauf hingelegt hat.




Echos der Blick- Leser:



Die Blick.ch-Leser sind von der charmanten Moderatorin angetan. «Ihr verzeihe ich jeden Fehler», schreibt User Dani H. Auch Markus B. aus Heiden ist überzeugt von Christiane Maiers Qualitäten. Er fordert «mehr Menschlichkeit im TV.» Leser Roland Wyss findet: «Mir gefällt sie auf jeden Fall. Die jungen Hühner sind keineswegs besser.»

Ein bisschen Kritik muss Christiane Maier allerdings einstecken. Christian K. aus Chur findet, sie sei als Club-Moderatorin besser geeignet gewesen. Er hätte sich zudem «ein bisschen mehr Lächeln» gewünscht. Alex D. allerdings sind die Anfangsschwierigkeiten von Moderatorin Maier nicht aufgefallen: «Hab’s gar nicht gemerkt, super gemacht. Einfach elegant.»

Christine Maier will sich erst nach einer Woche im neuen Job dazu äussern.



UEBRIGENS:

Nachdem ich mir diese Woche mehrere Sendungen mit Christine Maier angeschaut habe, musste ich mich fragen: Warum misst man eigentlich eine Moderatorin nicht mit der gleichen Elle wie Politiker. Dort gilt das ungeschriebene Gesetz, dass man einen Neuling während der ersten 100 Tage wirken lässt, ohne ihn zu kritisieren.
Bereit in dieser Woche war es offensichtlich, wie sich die neuen Moderatorin von Tag zu Tag wohler fühlte. Das heisst: Alle Kritiker (auch ich zähle mich dazu) sollten Christine Maier vorerst einmal  100 Tage  in Ruhe lassen.

Analyse: 1.  August Reden



Jedes Jahr werde ich am Nationalfeiertag gefragt, wer eine gute Rede gehalten hat.  Oft will man von mir wissen, was eine gute Rede ausmacht.

Dieses Jahr musste ich für DRS 3 die Reden von zwei Bundesräten analysieren und vergleichen:


Die Rede von Ueli Maurer


Ueli Maurer hält dieses Jahr nicht weniger als fünf Ansprachen zum 1. August. (Bild: Keystone / L. Lehmann)Zoom

Ueli Maurer hielt dieses Jahr nicht weniger als fünf Ansprachen zum 1. August. (Bild: Keystone / L. Lehmann)

Ueli Maurer 2010: Keine 1.August-Reden, keine Auftritte. Im vergangenen Jahr erhob er bei seinem Auftritt in Langenthal BE noch den Mahnfinger. (Keystone)




und die Rede von Simonetta Somaruga


 storybild





Zwei Erst Augusttreden - zwei unterschiedliche Aussagen -  zwei kompetente Rhetoriker (Simonetta Somaruga und Ueli Maurer).


Es war nicht einfach, die beiden Auftritte für DRS 3 zu beurteilen, waren doch Simonetta Sommaruga und Ueli Maurer zwei Magistraten, die kommunikativ beide sehr stark sind. Beide überzeugen durch ihre Stimme und ihre Person . Beide standen  hinter und zu ihrer Botschaft. Bekanntlich kann nur jemand, der von dem, was er sagt, selbst überzeugt ist, kann letztlich überzeugen. Beide konnten es zwar nicht lassen, parteipolitisch zu agieren. Sommaruga mit einem Seitenhieb gegen die SVP und Maurer mit dem Kernthema der SVP, der Ausländerfrage. Erstaunlicherweise beschäftigten sich beide mit der Grenzfrage. Die Bundesrätin Sommaruga plädierte  für offene Grenzen und Maurer hingegen mit der Botschaft: Wir müssen wieder lernen NEIN zu sagen.



Beide gaben wenig Persönliches von sich preis und von Humor war nicht viel zu spüren. Dafür bauten beide  am Anfang Brücken zum Publikum: Simonetta Sommaruga verstand des die Steinemer (Stein am Rhein als Grenzstädtchen) ins Herz zu schliessen und Ueli Maurer die Toggenburger, weil er immer wieder dort gewirkt hatte, vor allem im Militär.


Erstaunlich: Die Analyse verdeutlichte, dass die Reden - einmal aus linker - einmal aus rechter Sicht - die Rede einer Frau und die Rede eines Mannes im Grunde genommen ein spannendes rhetorisches Duell waren. Zusammen mit dem Produktionsleiter DRS 3 wurden zwei Hauptkategorien festgelegt.


Die EMOTIONEN (Was lösen sie beim Publikum aus?)


und die GESCHICHTE (die BOTSCHAFT, der Inhalt): Was geben uns die Redner mit?



Bei den beiden Kategorien konnten  maximal sechs Punkte gegeben werden.



Bei der Hauptkategorie EMOTIONEN unterteilten wir in:


- Glaubwürdigkeit (überzeugt der Auftritt?)

- Einfachheit (wird verständlich gesprochen')

- Unterhaltungswert (Stimuliert die Rede?)


Es durften jeweils nur zwei Punkte gegeben werden.


Zur Glaubwürdigkeit:


Hier schnitt Sommaruga besser ab:


Bei der Glaubwürdigkeit bekam Sommaruga 2 Punkte, Ueli Maurer nur einen.




Begründung:




Die Justizministerin diffenzierte die These " Grenzen sind immer eine Chance", indem sie die Probleme mit kriminellen Ausländern nicht generell ausklammerte (Leute , die systematisch gegen die Gesetze verstossen,  müssen nach der Justizministerin auch das Land verlassen).


TONBEISPIEL


Ueli Maurer war  dank seiner natürlichen Art recht glaubwürdig. Er überzeugte, weil er so wirkte, als glaube er das, was er sagt. Doch entsprach die Rede zu stark dem SVP Parteiprogramm.


Zur Einfachheit:


Wer nicht so reden kann, dass es  die Durchschnittsbürger verstehen, weiss nicht was adressatengerechtes Sprechen heisst.



Hinsichtlich Einfachheit erhielten beide Magistraten je zwei Punkte.



Sommaruga sprach unkompliziert, in nachvollziehbaren, kurzen, verständlichen Gedankenbogen.


Maurer zeichnete sich einmal mehr dadurch aus, dass er hinsichtlich Sprachebene vom "Otto Normalverbraucher" immer sehr gut verstanden wird.



Beim Unterhaltungswert (Stimulanz, Redundanz) schnitt Bundesrat Maurer besser ab. Er erhielt zwei Punkte. Sommaruga nur einen.



Begründung: Obschon beide einige persönliche Bemerkungen einfügten, konnte Ueli Maurer mit Frischs Geschichte vom Biedermann und die Brandstifter punkten. Dieses narrative Element weckte im Publikum Aufmerksamkeit. WEr gut erzählen kann, unterhält.



TONBEISPIEL



Nach der Pattsituation im Zwischenstand (je 5 Punkte), stellte sich noch die Frage, wer hinsichtlich INHALT seine Botschaft besser vermitteln und vertiefen konnte.


Wiederum konnten bei den Unterkategorien


 
- Struktur (roter Faden?)

- Bild (werden die Worte veranschaulicht?)

- Botschaft (welches ist die Kernaussage?)



maximal zwei Punkte vergeben werden:


Zu den Unterkategorien:



- Struktur


Sommaruga erhielt da zwei Punkte, Maurer nur einen


Begründung:


Da Thema GRENZE wurde konsequent und einleuchtend beleuchtet und vertieft.Maurer hatte zwar auch einen logischen Aufbau, doch war die Rede nicht so klar strukturiert (Positive Errungenschaften - Risiken antizipieren - Nein sagen können - Ordnung)



- Bild


Hinsichtlich "Kino im Kopf" (Lösen die Worte Bilder aus? Sehen wir das Gesprochene?). Da waren beide gut. Sie erhielten somit je einen Punkt. Simonetta Sommaruga  verstand es immer wieder, die verschiedene Grenzen im Alltag so zu schildern, dass man sie sich gut vorstellen konnte.


TONBEISPIEL SOMMARUGA



- Botschaft


Beide Redner brachten es fertig, ihre Kernbotschaft herauszuschälen, zu vertiefen, zu wiederholen und zu veranschaulichen, so dass die Botschaft auch in den Medien richtig wiedergegeben wurde.


Dachbotschaft Sommaruga:  "Abschottung bringt keine Lösung" (Grenzen überwinden, Grenzen sind Ort der Begegnung)


Dachbotschaft Maurer: "Lernen wir NEIN sagen, behalten wir die Risiken im Auge, damit wir Fehlentwicklungen vermeiden können" (Nur willlkommene wollen wir Gäste ins Haus lassen)


Zählen wir die Punkte zusammen, so hat beim Inhalt Sommaruga einen knappen Vorsprung von einen Punkt und schaffte damit den Zieleinlauf als Siegerin.


Hinsichtlich Rhetorik dürfte man dennoch von zwei Siegern sprechen. Beide sprachen sehr professionell.


Was könnten wir auf Grund dieser Erkenntnisse daraus lernen?


Für das Publikum, falls jemand einmal an einer Hochzeit, einem Geburtstag oder an einer Beerdigung eine kurze Ansprache halten müsste:

Es geht immer um  folgende  Grundsätze:

- Ich spreche nur, wenn ich mich gedanklich vorbereitet  und etwas zu sagen habe.

 Ich rede frei und so wie ich bin (keine Schauspielerei)

- Ich bedenke den Start und den Schluss, nachdem ich eine Kernbotschaft (Dachbotschaft) bestimmt habe


- Diese Kernbotschaft muss aber noch mit einem Beispiel, mit einer Geschichte einem Erlebnis veranschaulicht werden. Die Botschaft wird dadurch nachhaltig.

Wenn ich von dem überzeugt bin, was ich sage, kann ich viele rhetorische Fehler machen. Das vereinfacht das Reden vor Publikum. Die Botschaft kommt nur dann an, wenn Person und Botschaft übereinstimmen (Stimme muss mit Körperprache und Botschaft übereinstimmen.)