Mittwoch, 9. Dezember 2015

Vor der Nacht der langen Messer

Gutes Stimmungsbild aus NZZ onlline:
Bildergebnis für nacht der langen messer

«Nacht der langen Messer»
Plötzlich taucht Nicht-Kandidat Spuhler doch noch auf

Nach den Fraktionssitzungen am Dienstagnachmittag ist eine eindeutige Präferenz für die Bundesratswahl am Mittwoch noch nicht erkennbar. Die letzten Nachrichten aus der «Nacht der langen Messer».


00 Uhr 20: Auftritt Peter Spuhler

Lange wurde er als möglicher und chancenreicher SVP-Bundesratskandidat gehandelt, doch er lehnte alle Avancen ab. Doch jetzt, kurz nach Mitternacht, taucht Peter Spuhler überraschend im Hotel Bellevue auf. Der Alt-Nationalrat und Chef von Stadler Rail ist bester Laune und schäkert mit FDP-Ständerat Martin Schmid, SVP-Ständerat Peter Föhn und SP-Nationalrat Corrado Pardini. Er sei am Dienstag und Mittwoch geschäftlich in Bern und bleibe darum über Nacht, erklärt Spuhler seine Präsenz in der "Nacht der langen Messer". Zudem möge er einfach die Atmosphäre in den Abenden vor einer Bundesratswahl. Pardini jedoch benutzt die Gelegenheit und lädt Spuhler flugs zum spontanen Kandidaten-Hearing in der SP-Fraktionssitzung ein, die am frühen Mittwochmorgen angesetzt ist. Und wer weiss: Vielleicht gibt's dann ja doch noch ein paar Stimmen für den SVP-Mann aus dem Thurgau.

22 Uhr 40: "Gobbi in der Wüste Gobi"

Die Wahlchancen von Norman Gobbi seien klein, sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay in der Live-Sendung des Westschweizer Fernsehen (RTS) aus dem Hotel Bellevue. "Die SP hat Gobbi in die Wüste Gobi geschickt", sagt Darbellay in Anspielung auf die SP-Fraktion, die am Nachmittag erklärt hatte, sie werde Gobbi keine Stimme geben. Die Entscheidung werde am Mittwoch voraussichtlich zwischen Thomas Aeschi und Guy Parmelin fallen, sagt Darbellay.

22 Uhr 30: Letztes Werben um Stimmen

Kandidat Thomas Aeschi schwirrt wie eine wilde Biene im Bellevue umher, lächelt hier und schüttelt da eine Hand - ganz nach dem Motto: Jede Stimme zählt. Auch Guy Parmelin ist im Berner Fünf-Sterne-Hotel präsent. Die Bellevue Bar bereits verlassen hat Norman Gobbi. 

22 Uhr 15: Das Interview aus der Maske

Frédéric Borloz, Neo-Nationalrat, erlebt seine erste Bundesratswahl. Das Westschweizer Fernsehen interviewt den Waadtländer Freisinnigen, während er in der Maske sorgfältig für seinen TV-Auftritt zurecht gemacht wird. Die grösste Erkenntnis aus dem Interview: Borloz findet die Bundesratswahl wichtig. Und: "Je prends ça très au sérieux".

22 Uhr 05: Einen Bienenhaus namens Bellevue

n, Das Berner Fünf-Sterne-Hotel Bellevue hat bei Bundesratswahlen den legendären Ruf als der Ort, wo in der "Nacht der langen Messer" Bundesräte gemacht werden. Heute gleicht das Hotel jedoch eher einem Bienenhaus. Die SRG hat direkt in der Hotellobby ein Studio für ihre Live-Sendungen aufgebaut, im grossen Speisesaal werden Moderatorinnen und Politiker für den Auftritt geschminkt. Parlamentarier, PR-Berater, Politiker und Schaulustige versorgen sich beim Apéro mit den neusten Gerüchten. Auf einem tiefen Sessel sitzt CVP-Fraktionschef Filippo Lombardi und erinnert sich an die alten Zeiten. Früher, sagt Lombardi, habe man im Bellevue noch Politik machen können. "Doch dann hat die SRG beschlossen aus dem Hotel ihr Studio zu machen." Seither hat es dreimal mehr Journalisten als Politiker.  

19 Uhr 30: Sprengstoff-Suchhunde im Einsatz

Im Parlamentsgebäude in Bern sind am Tag vor den Bundesratswahlen Armeeangehörige mit Sprengstoff-Suchhunden im Einsatz. Die Hunde und ihre Führer arbeiteten zwischen riesigen Mengen von Material, das vor allem Radio- und TV-Stationen anliefern liessen. Am Eingang des Gebäudes war am frühen Dienstagabend Armee-Hundeführerin Marlen Plüss mit ihrem elfjährigen Rüden «Varik» im Einsatz. Mit dem Sprengstoff-Suchhund würden alle Gegenstände kontrolliert, die ins Haus gebracht würden, sagte sie der Nachrichtenagentur sda. Später werde dann auch das ganze Gebäude auf Sprengstoff abgesucht, sagte die Hundeführerin. Insgesamt seien drei Sprengstoff-Suchhunde im Einsatz. Die Armee unterstütze im Moment den Bundessicherheitsdienst mit Spürhunden, teilte Armeesprecher Walter Frik zum Einsatz auf Anfrage mit. Die Hunde würden vom Kompetenzzentrum Armeetiere zur Verfügung gestellt.

19 Uhr 10: Vertrauen in die Technik

Hauptproben im Bundeshaus. (Bild: For.)

Damit morgen Mittwoch die Bundesratswahlen aus dem Bundeshaus in alle Landesteile und –sprachen live übertragen werden können, ist viel Technik notwendig. Das Equipment für die fernsehgerechte Umsetzung der Wahlen wurde heute mit Sattelschleppern vor das Bundeshaus gekarrt. Bereits laufen – auch als Testlauf für morgen - erste Interviews. 

19 Uhr 05: Globi für Gobbi

Globi (Bild: Keystone )

Es klingt wie ein Witz, ist aber laut dem Urheber des Tweets keiner. "Stimmenzähler der Bundesvers. haben entschieden: Globi auf Wahlzettel gilt für Gobbi #BRWahl15", hat Stefan Bühler auf Twitter vermeldet. Wir glauben es dem Kollegen von der «NZZ am Sonntag» nur zu gern - und eine Person aus dem Umfeld der Stimmenzähler bestätigt die Information.

19 Uhr 00: Ab in die «Nacht der langen Messer»

Messer gehören in die Gastronomie.

Nun ist auch die Fraktionssitzung der SP beendet. National- und Ständeräte verlassen das Bundeshaus und schwärmen in die Stadt. Vor dem Bundeshaus sagt SVP-Nationalrat Lukas Reimann in eine Kamera des Onlineportals Newsnet, Guy Parmelin mache das Rennen. Er wird sich wie viele andere Parlamentarier später in einem Berner Restaurant verköstigen. Dabei ist davon auszugehen, dass Gabel und Messer auf dem Tisch bleiben. Den Namen «Nacht der langen Messer» erhielt der Vorabend vor der Bundesratswahl 1983, als FDP-Nationalrat Felix Auer die Wahl von Otto Stich orchestrierte. «Opfer» war damals Lilian Uchtenhagen, die offizielle Kandidatin der SP. Zuvor wurde der Begriff bereits im Ausland verwendet – für tatsächlich blutige Ereignisse wie beispielsweise das Massaker an den britischen Adeligen durch die angelsächsischen Einwanderer 450 in Salisbury.

KOMMENTAR: Vor und während der Nacht der langen Messer kocht es in der Gerüchteküche. Vermutungen, Hypothesen machen die Runde. Spannung liegt in der Luft. Seit der geglückten generalstabsmässig orchestrierten Nacht- und Nebelaktion gegen Blocher wurden  in den Medien viele Optionen mit Sprengkandidaten skizziert. Ich gehe davon aus, dass das Parlament am Mittwoch keine Spielchen mitspielt. Die Störaktionen werden verpuffen und es wird ein echter SVP Kandidat gewählt.

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