Freitag, 2. Dezember 2016
Donnerstag, 1. Dezember 2016
Mittwoch, 30. November 2016
AUS PERSOENLICH BLOG:
Blog
30.11.2016 - Marcus Knill
Eine erfreuliche Fülle verschiedener Meinungen
Notiert von
marcus knill
um
21:14
Wer kennt nicht den Ausdruck: "Du häsch dich trumpiert?"
Der MEDIENCLUB vom 29. November (SRF) wurde mit dem Titel angekündigt:
Die Medien - voll daneben getrumpt?
Diese medienkritische Sendung war aus meiner Sicht eine erfreuliche Horizonterweiterung.
Franz Fischlin hatte eine gute Hand bei der Auswahl der Diskutanten.
Die Zusammensetzung der Akteute war hinsichtlich Meinungsvielfalt geschickt gewählt.
Die unterschiedlichen Sichten führten dazu, dass die Thematik breit ausgeleuchtet werden konnte.
Es diskutierten:
Michael Hermann, Politikwissenschafter,
Matthias Ackeret, Chefredaktor Medienzeitschrift "Persönlich", Michèle Binswanger, Journalistin "Tages-Anzeiger"
und Matthias Zehnder, Publizist und Medienwissenschafter.
Dank unterschiedlicher Sichten gelang es dem Moderator, die komplexe Problematik von
verschiedensten Seiten zu beleuchten. Das war wohltuend.
Es gibt leider zu viele Diskussionsrunden, die viel zu einseitig
zusammengesetzt sind. Die Zuschauer übernehmen dann den Röhrenblick solcher unbefriedigenden Diskussionsrunden. Das Phänomen Trump und die Rolle der Medien wurde übrigens nach der Präsidentschaftswahl in den USA in vielen Medien bereits eingehend kommentiert. Doch schrieben einige Autoren ihre Sicht der Dinge vielfach aus der Optik des eigenen subjektiven Meinungsfilter-Bubble.
Das war erfreulicherweise beim jüngsten medienkritischen Medienclub nicht der Fall.
Franz Fischlin nutzte konsequent seinen Handlauf. Wenige konkrete Fragen dienten ihm als roter Faden.
Es ging ihm vor allem um das Vertrauen in die etablierten Medien. Es kann heute festgestellt werden: Immer mehr Menschen informieren sich ausschliesslich via soziale Medien, via Twitter, Facebook & Co. Gefälschte News erhalten grössere Aufmerksamkeit als faktenorientierte. Deshalb müssen wir uns fragen: Was bedeutet diese Medienentwicklung für die Meinungsbildung?
Welche Lehren können die Medien aus der Wahl Trumps ziehen?
Verleger Matthias Ackeret, der sich in den Vereinigten Staaten persönlich ein Bild machte von der Stimmung, machte bewusst, dass wir uns nicht immer auf die veröffentlichte Meinung verlassen dürfen.
Vor Ort ist die Situation vielfach nicht so, wie es Journalisten wiedergeben.
Aus seiner optimistischen Sicht, haben die klassischen Medien heute eine grosse Chance, wenn sie der Oeffentlichkeit helfen, die Informationsschwemme einzuordnen helfen.
Medienwissenschafter Zehnder schilderte, wie die Medien in die Aufmerksamkeitsfalle tappen können. Die Medien wollen jeden Skandal abbilden, was dazu führt, dass der Provokateur zwangsläfuig zum Gesprächsthema wird.
Trump verstand es, die notwendige Aufmerksamkeit zu generieren und erhielt dadurch auch viel mehr Sendezeit. Er bekam drei Mal mehr Präsenzzeit als Clinton.
Michael Hermann erläuterte, weshalb die klassischen Medien immer mehr an Autorität verlieren.
Im Grunde genommen kam es zu einer Entmachtung der traditionellen Medien. Die Medien schrieben sehr viel gegen Trump. Sie entlarvten seine Lügen, wurden jedoch nicht mehr ernst genommen.
Tagi Journalistin Michèle Binswanger machte bewusst, dass die Journalisten über die Bücher gehen müssen. Es braucht eine neue publizistische Vision. Die Wachthundfunktion der Medien muss aber aus ihrer Optik unbedingt erhalten bleiben.
Durch die unterschiedlichen Sichten wurden in der lebendigen Diskussion zusätzliche Erkenntisse herausgeschält:
- Trump reagierte nie auf Lügen. Hillary Clinton rechtfertige sich. Dadurch fassten die Lügen in den sozialen Medien Fuss.
- Die sozialen Medien sind ein neuer Distributionskanal, der nicht unterschätzt werden darf.
Franz Fischlin verstand es einmal mehr, wertvolle Einspielungen als Inputs zur Diskussion zu stellen.
Er machte bewusst, wie die Medien nach der Wahl - gleichsam im Schockzustand - sich selbst zerfleischten und viel zu emotional das missliebige Resultat betrauerten. Für zahlreiche Journalisten brach eine Welt zusammen. Wut, Enttäuschung und Trauer flossen in die Berichterstattungen ein.
Ein zusätzliche Horizonterweiterung gelang Franz Fischlin im Medienclub mit der Einspielung der Einschätzung
von Professor Michael Latzer (Institute of Mass Communication
and Media Research):
Die Rolle von Social Media beim Wahlerfolg von Donald Trump dürfen nach seiner Sicht nicht überschätzt werden. Sie sind eine Konkurrenz für die klassischen Medien und werden deshalb gerne als Sündenbock hingestellt.
FAZIT:
"Manche können nur fremde Meinungen, nicht die eigenen berichten", schrieb vor Jahren Jean Paul.
Im jüngste Medienclub war erfreulicherweise eine Fülle von eigenen Meinungen zu hören.
Ein gutes Beispiel einer konstruktiven Diskussion, die dem Publikum das Einordenen erleichtert.
Notiert von
marcus knill
um
16:12
Dienstag, 29. November 2016
Phänomen TRUMP
Ueber das Phänomen Trump hatte ich jüngst bereits ein paar Beiträge geschrieben.
Die Analyse von Guido Keel (ZHAW) finde ich nachträglich lesenswert.
Sie beleuchtet einen zusätzlichen Aspekte:
Die Nachrichtenwertforschung lehrt uns, dass Journalisten ihre Themen
und Geschichten nach bestimmten Faktoren auswählen. Trump ist eine
prominente Person, der aggressiv und kontrovers auftritt, er spricht
über die Themen, die seine Anhänger direkt betreffen, er liefert
Emotionen, seine Standpunkte sind vorhersehbar, gleichzeitig ist er für
einen Präsidentschaftskandidaten überraschend ungewöhnlich. Das alles
sind Nachrichtenfaktoren, die Geschichten rund um Trump für Journalisten
als attraktiv erscheinen lassen. Neu ist das nicht, und auch nicht
besonders amerikanisch.
Ueli Maurer sagte, damals noch als
SVP-Parteipräsident: „Solange ich Neger sage, bleiben die Kameras und
Mikrofone bei mir.“ Trump nutzte diese Logik einfach mit einer bisher
ungesehenen Dreistigkeit.
Hätten die Medien Trump verhindern können?
In der „Schweiz am
Sonntag“ liess sich eine Trump-Anhängerin folgendermassen zitieren:
„Trump animierte mich, andere Informationsquellen zu finden, die nicht
parteiisch sind: Youtube, Fox News oder Infowars.“ Eine
Social-Media-Plattform, ein bekanntlich parteiischer TV-Sender und die
Website eines amerikanischen Radio-Moderators und
Verschwörungstheoretikers, der glaubt, hinter dem Anschlag vom 11.
September in New York stecke die US-Regierung, Obama sei ein Kenyaner
und Hillary Clinton sei von Dämonen besessen. Von der Nutzungsforschung
wissen wir, dass solche Informations-Kanäle inzwischen – auch bei uns –
massgeblich zur Meinungsbildung beitragen, wobei das Publikum immer
weniger zwischen journalistischen und anderen Quellen differenziert. Ein
Ex-NZZ-Redaktor und PR-Berater meinte dazu letzthin im halböffentlichen
Rahmen. „Die Leute wollen eine gute Geschichte; wer der Absender ist,
ist ihnen nicht wichtig.“
Die neuen Quellen sind vielfältig; gemeinsam ist ihnen oft, dass sie
nicht mehr die Gesamtgesellschaft ansprechen, sondern die Blase an
Menschen bedient, die bereits über entsprechende Haltungen und Meinungen
verfügen. Gerade in der direktdemokratischen Schweiz sollte uns dieser
Umstand zu denken geben. Womit wir bei der Wirkungsforschung wären: Hat
die intensive Berichterstattung über Trump diesen überhaupt erst gross
werden lassen? Sind also die Medien schuld am Phänomen Trump?
Vor über fünfzig Jahren hat man in der Wirkungsforschung die Annahme
begraben, dass sich Medienaussagen unmittelbar und uniform auf das
Publikum auswirken. Seither erkannte man, dass sich das Publikum
keineswegs willenlos den Medien ausliefert. Vereinfacht gesagt:
Wirkungen setzen Aufmerksamkeit voraus, und sie müssen an Bestehendes
anknüpfen, um vom Publikum nicht ausgefiltert zu werden; Menschen wenden
sich nur dann den Medien zu, wenn deren Inhalte den individuellen
Bedürfnissen des Publikums entsprechen. Nur dann können Medien eine
Wirkung erzielen. Wenn die Berichterstattung über Trump nicht einem
Bedürfnis der Menschen entsprochen hätte, wenn Trump mit seinen
Auftritten beim Publikum nicht einen Nerv getroffen hätte, hätte er
dieses nicht erreicht. Er verstand es aber offensichtlich, ein grosses
Publikum zu erreichen; dadurch konnte er bestehende Haltungen bestätigen
und weiter verstärken.
Zudem: Wieso haben sich diese Menschen
angesichts all der Verfehlungen nicht angewidert von Trump abgewendet?
Weil Trump-Fans diese Skandale durch eine andere Brille wahrnahmen:
Jeder durch investigative Journalisten aufgedeckte Skandal bestätigte
das Narrativ, dass die Medien nur darauf aus seien, Trump schlecht zu
machen.
Das Phänomen Trump ist in seinem Ausmass vielleicht neu, aber aus
Sicht der Publizistikwissenschaft nicht überraschend. Es bestätigt uns,
was wir eigentlich über das Funktionieren des Journalismus und der
Medien wissen. Was nicht heisst, dass es uns nicht nachdenklich stimmen
sollte. Im Gegenteil.
Notiert von
marcus knill
um
12:50
108 Stunden dauerte die Fönlage in der Schweiz
Die Leser schossen herrliche Bilder:
Notiert von
marcus knill
um
12:49