Christian Wulffs Image ist durch den Wirbel um seinen Privatkredit mächtig angekratzt.
Der Bundespräsident gilt als moralische Instanz in
Deutschland - und gerade im Punkt Moral ist Christian Wulff jetzt
ordentlich in Bedrängnis geraten. Fragt sich, was der Bundespräsident
dagegen unternehmen will. Die etwas schmallippige Stellungnahme seines
Sprechers wird nicht reichen.
Wulff hat im Landtag verschwiegen,
dass er von der Unternehmergattin Geerkens einen 500.000 Euro
Privatkredit bekommen hat. Er hat also nicht gelogen, als er behauptet
hat keine geschäftliche Beziehung zu dem Unternehmer Egon Geerkens zu
haben. Aber moralisch ist die Geschichte doch fragwürdig.
Wulff
ist der erste Mann im Staat. Die Messlatte liegt bei ihm besonders
hoch. Er sollte Vorbild sein. Einen Rücktritt hat noch keiner gefordert.
Dass sich SPD und Grüne aber jetzt aufregen und dem CDU-Mann
Irreführung vorwerfen und Aufklärung fordern, ist nur logisch. Genau so
wenig überrascht es aber auch, dass FDP-Chef Phillipp Rösler dem
heutigen Staatsoberhaupt so wacker zur Seite springt. Als
Ministerpräsident hat Wulff ihn einst zum Minister berufen.
Der
Bundespräsident kehrte in der Nacht zum Mittwoch von einer sechstägigen
Reise in die Golfregion zurück.
Zu den Vorhaltungen hat er sich bislang
nicht öffentlich geäußert.
Am Dienstag war bekanntgeworden, dass
Wulff 2008 als niedersächsischer Regierungschef einen Privatkredit über
eine halbe Million Euro von der Frau des Unternehmers Egon Geerkens
erhalten hatte. Im Landtag in Hannover hatte er diesen Kredit aber nicht
angegeben, als er nach geschäftlichen Beziehungen zu dem Unternehmer
gefragt wurde.
Frau Merkel steht zu Wulff. Ob dieses Schutzschild genügt?
Nachtrag Bild:
Christian Wulff zieht die Notbremse.
Am Nachmittag brach er sein Schweigen
zur Privat-Kredit-Affäre, die BILD zwei Tage zuvor enthüllt hatte.
Anfang 2010 hatte Wulff einen 500 000-Euro-Privat-Kredit im
niedersächsischen Landtag auf Anfrage verschwiegen – und so das
Parlament in die Irre geführt.
In einer zweiseitigen, schriftlichen Erklärung auf dem Briefpapier des Bundespräsidialamtes formulierte Wulff:
„Ich
erkenne an, dass hier ein falscher Eindruck entstehen konnte. ICH
BEDAUERE DAS. Es wäre besser gewesen, wenn ich auf die Anfrage der
niedersächsischen Abgeordneten im Landtag über die konkreten Fragen
hinaus auch diesen privaten Vertrag mit Frau Geerkens erwähnt hätte,
denn in der Sache hatte und habe nichts zu verbergen.“
Mit
der öffentlichen Erklärung fügte sich Wulff auch den Wünschen der
Kanzlerin – und bekam prompt Rückendeckung. „Ich glaube, dass das eine
wichtige Erklärung war”, sagte
Angela Merkel in Berlin. Wulff habe zur Klarheit beigetragen.
Zustimmung
auch von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: „Mit der Erklärung des
Bundespräsidenten ist alles gesagt. Die Opposition muss nun schleunigst
aufhören mit ihrer Parteipolitik zu Lasten des höchsten Staatsamtes.“
SPD-Fraktionsgeschäftsführer
Thomas Oppermann: „Es verdient Respekt, dass Christian Wulff seine
Fehler eingesteht.” Ist die Sache jetzt ausgestanden? Nicht unbedingt.
Die
SPD im niedersächsischen Landtag verlangt Aufklärung über Wulffs
Urlaubsreisen als Ministerpräsident des Landes (2003–10). Und die Grünen
im Landtag wollen klären, ob Wulff mit der Annahme des Privat-Kredits
gegen das Ministergesetz verstoßen hat.