Freitag, 5. Juni 2015

Zur Medienrhetorik der Parteipräsidenten

 Wirkung   ist ausschlaggebend

Fünf Monate vor den Wahlen machte der Sonntagblick einen Check mit einer Rangliste von unseren sieben Parteipräsidenten.
Politexperten und Redaktoren beurteilten die Politiker nach ihrer Arbeit und nach ihrer aktuellen Akzeptanz,
auch die Kommunikationsfähigkeit wurde angesprochen.
Die Urteile sind nachvollziehbar und ich teile die Meinung der Experten weitgehend.
Das Ranking hat mich animiert, die Parteipräsidenten nur hinsichtlich Wirkung ihrer Medienauftritte zu analysieren. Ich verzichte bei meinen Beobachtungen  jedoch auf eine Rangliste:

MARTIN BAEUMLE (GLP), der "Maschinengewehrsprecher"

Bildergebnis für MARTIN BAEUMLE

Mit dem Politologen Georg Lutz gehe ich einig: "Er ist stets umtriebig und wirblig".
Ich habe ihn im Fernsehstudio beobachten können und gesehen, wie schnell Bäumle im Studio mit seinem Laptop Interview auf Interview meisterte und Antworten rasch auf den Punkt bringen konnte. Trotz des Schnellsprechens wird er inhaltlich recht gut verstanden. Er benimmt sich mediengerecht und versteht den Umgang mit Journalisten.
In Diskussionen und im Sonntalk (TeleZüri) wirkt er aufgedreht. Er agiert unermüdlich. Mark Balsiger beschreibt die Wirkung dieses Politikers treffend: "In Debatten knattert er wie ein Rasenmäher".



REGULA RYTZ (GRUENE), die "Wirkungslose"


In der Medienrhetorik ist  die Wirkung auf das Publikum ausschlaggebend.
Rytz wird  vom Publikum als integre, intelligente und solide Persönlichkeit geschätzt, doch bleibt  ihre grosse Präsenz in den sozialen Medien und den öffentlichen Auftritten ohne grosse Wirkung.

Diese fehlende Nachhaltigkeit kann nicht nur  dem zunehmendem Desinteresse an grünen Anliegen zugeschrieben werden. Es gelingt  Regula Rytz nicht, so zu kommunizieren, dass ihre Argumentation  zündet.
Vielleicht mangelt es bei ihr am inneren Feuer, am Feu sacré.


TONI BRUNNER (SVP), der  "Schlaumeier"

Bildergebnis für toni brunner

Heute tritt er weniger ins Rampenlicht, doch ist Toni Brunner medienerfahren und wusste sich in Debatten immer recht gut zu schlagen - selbst bei Giacobbo/Müller.
Er versteht es, sich den Adressaten anzupassen und wird  gut verstanden.
Der ehemalige "Sünneli-Typ" wirkt nicht mehr ganz so frisch, doch ist ihm der Humor  noch immer nicht  abhanden gekommen.
Er holt sich nach wie vor viele Sympathiepunkte, selbst wenn er  spitz kontert.
Ich meine nicht, dass Brunner politmüde ist. Er ist aber möglicherweise so schlau, dass er die Partei
 personell erneuern will und sich deshalb vor Mikrofon und Kamera bewusst zurück hält.


MARTIN LANDOLT (BDP), der "Sympathische"

Bildergebnis für MARTIN LANDOLT

Zwar steht er einer schwächelnden Partei vor, doch können sich seine Medienauftritte sehen lassen. Er holt sich Sympathiepunkte beim Publikum.
Bei Giacobbo/Müller hatte er sich sogar aussergewöhnlich  gut geschlagen.
Er wirkt natürlich und gewitzt und spricht stets ruhig und überlegt, er  ist kein Showman.
Trotz dieser positiven Punkte verpufft seine Wirkung, wie die bei Regula Rytz, die auch grundsolide kommuniziert. Ich vermute, dass ihn "seine" BDP Bundesrätin stark belastet und bremst.

PHILIPP MUELLER (FDP), der "schneller spricht, als  denkt"
Bildergebnis für philipp mueller


Als FDP Präsident und engagierter Kämpfer ist er auffallend medienpräsent.
Er brachte es fertig, den Abstieg der FDP zu stoppen. In meiner Analyse im PERSOENLICH
schrieb ich damals:
"Er beherrscht das Spiel der Medien und erkennt gut, wann  eine "gepfefferte Aussage" etwas bringt (Provokation)."
Kritiker, die Müller als  Gipsermeister und Schaumschläger demontieren wollten, wurden eines Besseren belehrt. Unter Philipp Müller positionierte sich die FDP  eindeutiger, als unter der Führung des "Eiertänzers" Pelli. Doch muss  der neue FDP Präsident aufpassen, dass er nicht schneller denkt, als spricht. Das war bei einer Parteiversammlung in Thayngen der Fall, als er eine peinliche Aussage nachträglich abstreiten wollte.
Aber auch im Fall Markwalder wählte er - nach seiner eindeutigen Aussage im Radio  - den Krebsgang.
In solchen heiklen Situation zeigt sich, dass er ein cleverer Kommunikator ist.
Nach dem Markwalder Rückzieher ging er mit einem ungewöhlichen Vorstoss in die Offensive,   lanciert er die Idee mit einer neuen Zuwanderungsinitiative und verstand es, das Interesse der Medien von seinem vorschnellen Urteil über Christa Markwalder abzulenken.

CHRISTIAN LEVRAT (SP), der "Jagdhund"

Bildergebnis für christian levrat  

Er ist eine engagierte Kämpfernatur und kommuniziert   strategisch geschickt.
An ihm perlt  Kritik ab. Wie ein Jagdhund, der sich während des Jagens nicht stören lässt, konzentriert er sich immer wieder auf sein Ziel. Seinen Auftritten mangelt es nie an Emotionalität.
Auch bei ihm bin ich mit Mark Balsiger einverstanden, der treffend formuliert hatte:
"Sein Alarmismus hat sich abgenutzt."
So wie der FDP Präsident seine Partei  neu ausrichten konnte, verstand es Levrat, jeden Auftritt für seine Ideologie zu nutzen. Die neue,  deutlicher links ausgerichtete Partei erhielt unter Levrat ein markanteres Profil.
Bei seinem Parteiprogramm muss er  mit weiterer Kritik rechnen. Aber auch   diese Kritik wird an Levras Teflonschicht wohl abperlen.


CHRISTOPH DARBELLEY (CVP), die Schachfigur "Springer"


Bildergebnis für CHRISTOPH DARBELLAY

Je stärker der Widerstand, desto hartnäckiger argumentiert der CVP Präsident.
Auf seiner Fahne könnte die Galionsfigur Doris Leuthard leuchten, die Partei liesse sich mit  ihr gut vermarkten.
Dies macht er  leider  zu wenig.
Darbelleys Auftritte werden wohl den Abwärtstrend der Partei kaum noch stoppen können.
Als "Springer" Politiker fehlt beim Parteipräsident die Gradlinigkeit.
Er ist fähig, einmal links, einmal mehr rechts zu springen,
und er springt und springt.
Bei der Abwahl Blochers hatte er als Strippenzieher Erfolg,
doch belasten ihn zu viele Flops der Partei. Wenn Darbelley spricht, ist davon nichts  zu spüren. Es sieht sich unbeirrt als "Fels der MITTE" im Hickhack zwischen links und rechts. 
Seine Selbstwahrnehmung stimmt aber mit den Fakten der Partei nicht überein.
Er bleibt ein "Springer".



Donnerstag, 4. Juni 2015

Offene Fragen - nun blühen Spekulationen

Weshalb ist Sepp Blatter so unverhofft zurückgetreten?



War der Druck aus Amerika zu gross?

War es ein Befreiungsschlag?

War es ein Schuldeingeständnis?


Fürchtete er sich vor peinlichen Aussagen über

getätigte Schmiergelder von Kronzeugen?

Haben ihn Sponsoren  in die Knie gezwungen?

Kurz nach seiner Wiederwahl ist Sepp Blatter als Fifa-Präsident zurückgetreten. Sein überraschender Abgang wirft Fragen auf – und schafft Raum für Spekulationen.



Kommentar:

So lange der eigentliche Grund bekannt ist, werden noch weitere Spekulationen blühen.

Fortsetzungsgeschichte bei Blatter und Markwalder programmiert:




 Blatter in Not

Blatter geht – die Frage nach dem Warum bleibt (Artikel enthält Video)  

Die Amerikaner gehen nach einem altbekannten Drehbuch vor. Bereits bei den Schweizer Banken wendeten sie es an. Täglich erhöhen sie den Druck. Am Mittwoch liessen sie sieben Fifa-Funktionäre im Hotel Baur au Lac in Zürich verhaften. Im Voraus informierte US-Reporter inszenierten die Verhaftung als globales und vorverurteilendes Spektakel. Am selben Tag präsentierte die US-Justiz eine 166 Seite starke Anklageschrift, die Korruption und Bestechung bei der Fifa offenlegte.
Besonders heftig: Für die Vergabe der WM 2010 in Südafrika sollen die Fifa-Funktionäre Jack Warner (72) und Chuck Blazer (70) zehn Millionen Dollar erhalten haben. Gestern der Knall in der «New York Times». Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke habe das Geld 2008 von einem Fifa-Konto in der Schweiz in die USA überwiesen. Valcke ist einer der engsten Mitarbeiter Blatters und nun im Visier der USA.
Heute Mittwoch veröffentlicht die amerikanische Bundespolizei FBI das Protokoll des Verhörs von Blazer. Er gilt als Kronzeuge. Womöglich gibt die US-Justiz offiziell bekannt, dass sie gegen Blatter ermittelt. Dann wäre er mit seinem Rücktritt einem Rauswurf zuvorgekommen.
Fürchten muss der Walliser überdies eine fiese Taktik der Amerikaner: Sie werden die anderen angeklagten Fifa-Funktionäre gegeneinander ausspielen, in der Hoffnung, alle schwärzen einen anderen an – um die eigene Haut zu retten. Am Schluss dieses Dominos stünde – Sepp Blatter.
Die Fifa scheint in Panik

Wurde beim Fall Markwalder etwas vertuscht?

Bildergebnis für Fall Markwalder

Das intransparente Gemauschel in der Lobby-Affäre um FDP-Nationalrätin Christa Markwalder (BE) geht weiter. Diese Woche am Zug: die Aussenpolitische Kommission und ihr Präsident Carlo Sommaruga (SP).
Feierlich verkündete dieser am Montag, dass es keine materielle Verletzung des Kommissionsgeheimnisses gegeben habe, weil die Informationen der von Markwalder weitergeleiteten Antworten auf Kommissionsfragen bereits bekannt gewesen seien. Und grossspurig machte die Kommission auf Transparenz und suggerierte, man veröffentliche nun alle «betroffenen Kommissionsunterlagen». Ziel: «Eine Versachlichung der Debatte.»
Von Versachlichung aber keine Spur. Denn BLICK-Recherchen zeigen: Die Kommission publizierte bewusst nur die Hälfte der Kommissionsdokumente, welche 2013 bei den kasachischen Auftraggebern der Burson-Marsteller-Lobbyistin landeten.
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Bei den nicht publizierten Dokumenten geht es um die von den Kasachen angeregte Frage mit der Nummer N47 nach gestohlenem Volksvermögen in Tschechien. Teile der Antwort sind gemäss BLICK-Recherchen nicht öffentlich bekannt. Ein weiteres Dokument mit der Nummer N48 enthält eine Beurteilung des Aussendepartements (EDA) zur politischen Situation in Bosnien.
APK-Chef Sommaruga will die selektive Publikation der Kommission nicht erklären. Die APK habe sich entschieden, die beiden Antworten mit Bezug zu Kasachstan zu publizieren, sagt er. Dafür hatte Sommaruga auch die Zustimmung des EDA eingeholt. Weitere Details will er mit Verweis auf das Kommissionsgeheimnis nicht preisgeben.
Sommaruga unterschlägt, dass zumindest Dokument N47 sehr wohl einen Bezug zu Kasachstan hatte. Und klar ist auch: Sommaruga hat beim EDA nur selektiv nachgefragt.  Das Aussendepartement äusserte sich auf Wunsch der Kommission nur zu den beiden Antworten N45 und N46, wie ein Sprecher bestätigt. Das EDA bescheinigte zu diesen beiden Antworten, dass sie schon öffentlich bekannt waren. Ob dies aber auch für das dritte und vierte Dokument gilt, bleibt unklar. Dazu äussern will sich das EDA nicht.
Aussenpolitiker Christoph Mörgeli (SVP) zeigt sich «sehr erstaunt» über die selektive Publikation der Dokumente: «Ich ging davon aus, dass alle vier Antworten publiziert würden.»
Quelle Blick

KOMMENTAR: Vermutungen, Hypothesen sind ein gefundenes Fressen für die Medien. Angeblich bereinigte Geschichten werden wieder neu aufgekocht.
Wie sollen sich nun die FIFA und CHRISTA MARKWALDER verhalten?  

NACHTRAG:
Bundesanwalt: Kasachen-Markwalder soll Immunität verlieren Bundesanwalt Kasachen-Markwalder soll Immunität verlieren  

Mittwoch, 3. Juni 2015

Solche Probleme möchte ich haben

Genderfragen können mitunter groteske Züge annehmen

Wir haben bereits darüber berichtet, dass die Ampelmännchen zu Ampelfrauchen mutieren sollten
oder dass die Fussgängerstreifen bei Berichten als Zebrasteifen bezeichnet werden sollten.
Nicht weil Zebras die Strasse überqueren. Nein, weil die Fussgängerinnen  mit der Bezeichnung Fussgängerstreifen nicht erwähnt werden.

Bildergebnis für Fensterln  

Nun gibt es ein weiteres groteskes Gender Problem: So ist aus der Uni Passau zu erfahren, dass der Lehramtstudent Niko Schilling auf dem Campus an einem Sportfest einen "Fensterlkönig" küren wollte. Die Gleichstellungsstelle der Universität brachte es jedoch fertig: Der Wettbewerb musste abgesagt werden. Das Spiel mit der Leiter verstosse eindeutig gegen die Gleichstellung von Mann und Frau. Zuerst glaubten die Kommilitonen an einen Scherz. Es kam  zu einem Politikum. Die bayrische Staatsregierung setze sich sogar  für den sportlichen Spass mit der Leiter ein. Erst als die Organisatoren bereit waren, auch Frauen auf die Leiter steigen zu lassen, wurde der Event bewilligt. Damit konnte das "Fensterlkönig"-Turnier (sorry "Fensterlköniginnen" -Turnier) gerettet werden.
Solche Probleme möchte ich haben.
Bildergebnis für Fensterln

NEU

Wenn die amerikanischen Strafbehörden jemand im Fokus haben, wird es ungemütlich.
Bald könnte eine neue Bombe platzen:

Jetzt ist es offiziell: Die US-Strafverfolgungsbehörden bestätigen gegenüber der «New York Times»:

 Sepp Blatter steht im Fokus 

der Korruptions-Ermittlungen.

Der Druck für Sepp Blatter wurde zu gross.
Bildergebnis für sepp blatter
Noch vor wenigen Tagen sah sich Blatter als Medienopfer. 

Dienstag, 2. Juni 2015

Unerwarteter Eklat

Vier Tage nach der Wahl tritt Sepp Blatter als FIFA Chef überraschend zurück
News-Ticker: Blatter tritt zurück! News-Ticker Blatter tritt zurück! Jetzt ist es amtlich: Fifa-Präsident Sepp Blatter tritt zurück! Der 79-jährige Walliser gab den Entscheid heute an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz in Zürich bekannt (BLICK)

Dass etwas in der Luft liegt, konnte bei der Ankündigung der Medienkonferenz heute vermutet werden. Doch an einen Rücktritt Blatters dachte kaum jemand. Nun wirkte die Ankündigung wie eine Bombe.

Seit 98 regiert Blatter wie ein Sonnenkönig.

Immer wieder gab es Vorwürfe , Vermutungen über Korruptionen.

Die FIFA wurde zu einer immensen Geldmaschine.

Für Sepp Blatter war die FIFA  eine Familie, die keine aussenstehende Rechtssprechung notwendig hat.

Korruptionsvorwürfe: Fifa-Boss Blatter tritt zurück Video
Kritik und Skandale perlten am cleveren Walliser stets ab.

Er zog in der Mitte des Netzes an allen Fäden.

Nun muss der Druck wohl zu gross geworden sein. Die internationale Kritik und wahrscheinlich hatte auch ein bevorstehender Leidensdruck  Blatter zum überraschenden Rücktritt bewogen haben können.

Der Entscheid wird in den ersten Reaktionen als richtig beurteilt.
Vielleicht war es einmal mehr ein cleverer Schachzug, denn er kann die Geschäfte weiterführen.

Der Rücktritt ist jedoch für mich  ein indirektes Schuldeingeständnis.
NACHTRAG:

Was bedeutet Klatsch für die Gesellschaft?

Zum Phänomen Klatsch und Tratsch


Der Erfolg der Regenbogenpresse kommt nicht von ungefähr.

Letztes Jahr beleuchtete ich das Phänomen im Treffpunkt auf Radio SRF 1. Damals war ich im Studio Zürich vor Ort:

Ich zitiere den damaligen Beitrag. Aus Knill-Blog:

_____________

Schon gehört? Klatsch ist gesund!

SRF schrieb damals:

«Es ist schlimm, wenn alle über einen reden», schreibt Oscar Wilde, «aber es ist noch schlimmer, wenn keiner über einen redet.» Auf den ersten Blick hat Klatsch etwas Anrüchiges. Doch Wissenschaftler haben herausgefunden: Klatsch ist gesund!
Zwei Frauen tratschen.
Bildlegende: Eine holländische Studie beweist, dass Klatsch sogar gesund ist. Colourbox
Es ist doch so: Wenn sich Klatsch und Tratsch ankündigen, hören wir gerne hin, und wir klatschen selber auch gerne.
Eine holländische Studie hat jetzt bewiesen: Klatsch ist wichtig für uns Menschen. Denn Klatsch über andere liefert uns Informationen, damit wir uns selber besser einschätzen können. Der «Treffpunkt» erklärt, warum das so ist. Dies dürfen Sie gerne weiter erzählen!
Klatsch bei Radio SRF 1: So tönt es bei uns

Moderation: Mike La Marr, Redaktion: Fredy Gasser






KLATSCH das Thema  im Treffpunkt Radio SRF 1

KLATSCH ist nicht gleich KLATSCH
(Meine gedankliche  Vorbereitung für das Radiogespräch im Studio Zürich)

Generell zeigt sich:
KLATSCH ist unterhaltend
-  ist spannend
- weckt Freude (Schadenfreude)
- ist möglicherweise ein Bedürfnis der Menschen
- ist die effizienteste Form Geschichten zu verbreiten (analog Gerüchte)

Alle kennen das Phänomen der beschleunigten Verbreitung.
Wird gesagt "Bitte nicht weiter erzählen!"- dann steht fest: Die Aussage verbreitet sich in beschleunigter Form.

KLATSCH - als "Flurfunk" bekannt - ist damit auch eine gefährliche Form gesellschaftlicher Unterhaltung.
Man spricht über Menschen, die nicht anwesend sind - hinter vorgehaltener Hand (hinterrücks).

Deshalb wird KLATSCH auch  als"Afterrede" bezeichnet.

Er wird mit dem treffenden Verb Verb "HECHELN" verbunden.
So wie die Fasern mit Hecheln getrennt werden, wird eine Person beim KLATSCH "durchgehechelt"
(zerzaust).



KLATSCH wird wohl nie aussterben.
Menschen können Dampf ablassen. Somit ist KLATSCH eine gefährliche Notwendigkeit.

KLATSCH ist uralt. Historisch gesehen besteht KLATSCH, seit es Sprache gibt.
Es gibt Abbildungen von Waschweibern, die tratschen und sich über andere lustig machen.


KLATSCH  dient der sozialen Kontrolle.
KLATSCH ruft auf, sich an die Regeln zu halten.
Er stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Er entlastet, weil man Dampf ablassen kann.
Vielleicht kann er sogar mit beitragen, dass jemand verbessert,
weil er nicht will, dass man über ihn klatscht.

Insoweit ist KLATSCH positiv:

Er kann zur sozialen Stabilität beitragen.
Wer bei Klatschrunde dabei ist, erfährt wichtige interne Informationen
(Entlassungen, bevorstehende Beförderungen usw).
Ich kenne eine Institution, die hat im 5. Stock einen Raucherbalkon.
Mir wurde gesagt, wer  dort nicht dabei sei, habe ein Informationsdefizit.
Auf dem Balkon stehen somit auch Nichtraucher in der Klatschrunde.

KLATSCH bringt Farbe in den grauen Alltag.
Für viele ist es wie das Salz in der Nahrung.

KLATSCH ist - wie angedeutet - auch gefährlich und hat viele
negative Seiten:

KLATSCH weckt ungute Gefühle.
Wer klatscht - aber auch wer zuhört - hat meist ein schlechtes Gewissen.
Man weiss genau, dass nicht indirekt sondern unter vier Augen Ungereimtheiten ausgetragen werden sollten.

KLATSCH kann der eigenen Karriere schaden und Beziehungen zerstören.
Er schädigt den Ruf, das Ansehen.
Selbst wer nur zuhört, lasst sich durch gestreute, versteckte Vorurteile beeinflussen.
Angenommen ein Mitarbeiter erzählt, der Chef sei auch zu Hause ein unmöglicher Kontrollfreak,
könnte bewirken, dass man beim Chef bei jeder normalen Kontrollen den Kontrollfreak sieht.
 Selbst derjenige, der beim Klatschen die Lacher auf seiner Seite hat, schädigt sich selbst.
Ich stellte in meinem Beruf  fest, dass jemand über ein Teammitglied  gelästert hat. Er sei hinterhältig und habe einen schlechten Charakter.
Nachher aber im Plenum war der Lästerer mit dem Angeschwärzen überfreundlich und zeigte sich mit ihm sehr verbunden.
Für mich wurde der Lästerer durch dieses Verhalten unglaubwürdig. Ich sprach in später unter vier Augen an über meine Beobachtung und sagte ihm:
"Ich bin recht irritiert. Du hast  vorhin über XY geschnödet und ihn als unmöglichen, hinterhältigen Typen beschrieben. Dann wars Du aber vor ihm so überfreundlich, wie mit dem besten Freund. Du bist ebenfalls freundlich zu mir. Wie soll ich nun wissen,  ob Du nicht auch so negativ über mich sprichst, wenn ich abwesend bin?"
Diese konkrete Frage wirkte  sich langfristig positiv aus.



LINKS:

Klatschkommunikation - Rhetorik.ch

www.rhetorik.ch/Klatsch/Klatsch.html
06.09.2002 - Jede Firma, jede Organisation kennt ebenfalls eine interne Klatschkommunikation. Klatsch gedeiht auch gut im Zeitalter des Internets.
Gerüchte
8. Febr. 2003 ... Kein anderes Medium löst mit ähnlich geringem Aufwand so viel Wirkung aus, wie ein Gerücht. Ob man will oder nicht, Gerüchte sind und ...
www.rhetorik.ch/Geruecht/Geruecht.html
22. Nov. 2007 ... Kein anderes Mittel löst mit ähnlich geringem Aufwand so viel Wirkung aus wie ein Gerücht. Gerüchte sind eine effiziente Form der ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/11_22/index.html

17 Nov. 2014
KLATSCH ist unterhaltend - ist spannend - weckt Freude (Schadenfreude) - ist möglicherweise ein Bedürfnis der Menschen - ist die effizienteste Form Geschichten zu verbreiten (analog Gerüchte) Alle kennen das Phänomen ...
___________

Aktuell musste ich  nochmals für das Radio (SRF 1) für  den "Doppelpunkt" vom 2. Juni zu der Thematik "KLATSCH" Stellung nehmen.
Der Radiojournalist Rouven Born plante eine Radio-Hintergrundsendung d.h. eine  Reportage
über Klatschhefte („Yellow Press“) wie „Frau im Spiegel“, „Bild der Frau“, „Das goldene Blatt“ etc. und besuchte mich in Uhwiesen.
Bildergebnis für klatsch und tratsch
In der Reportage will er der Frage nachgehen, warum sich solche Zeitschriften in der Schweiz oft zahlreicher verkaufen, als beispielsweise journalistische hochstehende Nachrichtenhefte (wie „Der Spiegel“ etc.). 

Der Grund: Klatschhefte entspannen, können unterhalten, benötigen keinen geistigen Aufwand.
Die banalen Geschichten lenken vom Alltagsstress ab.
 

In der Sendung soll auch ein Chefredaktor einer Klatsch-Zeitschrift zu Wort , sowie Kritiker und Leser.

Der Journalist wünscht von mir, dass ich das Phänomen dieser Klatschzeitschrift aus der Sicht eines Kommunikationsberaters beleuchte. Er stellte mir  folgende Fragen:

- Wer liest diese Hefte?

Eigenartigerweise sagen alle, sie lesen keine Klatschheftchen. Weshalb dann die halbe Milliarde Hefte pro Jahr, die verkauft werden? Es sind nicht nur Frauen. Die Regenbogenpresse wird somit nicht nur beim Coiffeur konsumiert.
So wie wir alle anfällig sind für Klatsch und Tratsch, neigen alle Personen mit einer Priese Neugierde, zu den Lesern vor allem zu den Kolporteuren von Klatschgeschichten.
 
 
- Warum werden diese Hefte gelesen (teilweise im Wissen, dass wahrscheinlich nicht alles stimmt, was dort steht)?


Die attraktiven Titel machen neugierig.Klatsch ist wie eine Droge. Weckt Freude (Schadenfreude), kann sogar den sozialen Kontakt fördern, wenn die Klatschgeschichte nicht das eigenen Team betrifft (Kann sich positiv auf die soziale Stabilität auswirken). Klatsch kann Arbeitsgruppen zusammenschweissen.
 Klatsch bringt meist Farbe in den Alltag. Es ist ähnlich, wie beim Salz bei der Nahrung.
Wer klatscht, kann mitunter Dampf ablassen und sich entlasten.


- Woher kommt das Bedürfnis, Stories über prominente Menschen zu lesen, sie auch leiden und freuen zu sehen?

Man kann sich trösten, dass auch Promis Probleme haben.
So wie Kinder, die gerne Märchen hören, können sich Erwachsene bei den Stories in einer Scheinwelt bewegen.


- Was bedeutet der Klatsch für die Gesellschaft?

Klatsch kann sogar unser Verhalten kontrollieren.
Promis in guten Klatschgeschichten könnten den Lesern vielleicht auch als Vorbild dienen.
Bei schlechten Meldungen hingegen, fühlen wir uns besser als jene Promis, die an den Pranger gestellt werden.
Klatsch könnte aber auch die Leser ermahnen, selbst nicht ähnliche Fehler zu begehen. Wir könnte bei einem  bei analogem Verhalten auch öffentlich an den Pranger gestellt werden . Klatsch nimmt - so gesehen - gleichsam eine soziale Kontrolle ein.

- Wie gehen Prominente damit um?

Leider werden Prominente im Umgang mit der Klatschpresse rasch vom Virus "Mediengeilheit" befallen. Sie können  bei der Privatsphäre nicht mehr NEIN sagen. "Wer den kleinen Finger gibt,..."
Wer seine Privatsphäre preisgibt, muss sich nicht wundern, wenn  dann die Photographen auch in Krisensituationen im Schlafzimmer stehen.
Ich kenne viele Promis (beispielsweise: Franz Fischlin, Thomas Gottschalk usw.) die ziehen einen klaren Trennungsstrich zwischen Job und Privatheit. Sie sind damit sehr gut gefahren.
Weil Promis glauben, ihr Marktwert steige mit dem konterfei auf der Titelseite eines Klatschblattes gehen viele fahrlässig mit der Publikation von privaten Geschichten um.
 

Sendungsporträt

Der «Doppelpunkt» bearbeitet gesellschaftlich, politisch, wirtschaftlich und kulturell relevante Themen aus dem In- und Ausland, die ein breites Publikum interessieren.
Der «Doppelpunkt» vertieft Themen aus dem Tagesprogramm.
Mischpult Radio SRF 1
Jeden Dienstag um 20:03 Uhr auf Radio SRF 1


MP3 der ausgestrahlten Sendung folgt später.

Ausgestrahlte Sendungen