Montag, 22. August 2011

Zur zweiten Auflage des   Buches von Paolo Knill:



Lösungskunst von Herbert Eberhart und Paolo Knill

Beratung, Therapie, Coaching kommen nicht ohne Sprache aus. Was ausschließlich sprachlich vermittelt wird, hat jedoch die Tendenz, Prozesshaftes, Sinnlich-Vitales und Komplexes zu reduzieren, zu verallgemeinern und festzuschreiben. Dies trifft auf künstlerisches Tun nicht zu – auch wenn es mit einfachsten Mitteln ausgeübt wird.
Das Autorenduo Herbert Eberhart und Paolo Knill hat über Jahrzehnte in Praxis und Ausbildung Erfahrungen mit dem Ineinandergreifen von Sprache und künstlerischem Tun gesammelt. Entstanden ist ein Arbeitsansatz auf systemtheoretischer Grundlage, der künstlerisches Tun als Dezentrierung vom Belastenden und Defizitären verbindet mit einer ressourcenorientierten Sprache und Haltung. Damit wird der Erkenntnis Rechnung getragen, dass produktive Neuausrichtung ein Zurücktreten und Loslassen voraussetzt.
Detaillierte Praxisbeispiele zeigen die Vielfalt konkreter Vorgehensweisen in verschiedenen Settings. Damit verbunden ist eine theoretische Aufarbeitung des Einsatzes von Sprache, Kunst und Spiel sowie die Darstellung der erkenntnistheoretischen und methodologischen Wurzeln. Es werden die Grenzen der Anwendbarkeit diskutiert wie auch die Frage der Vermittlung der notwendigen professionellen Kompetenzen.
»Damit ist das Buch gleichermaßen für Lehrende wie Lernende und für Theoretiker wie für Praktiker eine wertvolle Quelle zur weiteren Entwicklung und deren Reflexion« (Jürgen Kriz).
1.Auflage 2009 / 2. ergänzte Auflage 2010, 272 Seiten, SFr 46.70, € 27.90

Sonntag, 21. August 2011

Dominoeffekt: Auto abfackeln


In Deutschland  grassiert ein unheimliches "Hobby":  Das "Auto abfackeln".
Nun scheint die Seuche auch auf die  Schweiz über zu greifen. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Die Taten können nicht nur auf Wut, Frustriertheit oder Unzufriedenheit zurückgeführt werden.
Es scheint auch keine politische Motivation zu geben. Viele Vandalenakte werden heute aus Langeweile, Orientierungslosigkeit und Luxusverwahrlosung begangen.


Ich zitiere Blick:



Ein Feuerteufel hält Biel in Atem: In der vergangenen Nacht sind auf den Strassen Biels gegen 20 Fahrzeuge in Flammen aufgegangen.




Uebrigens: Schon zum vierten Mal!




Kommentar: Weil im linksalternativen Stadtteil von Berlin die Beamten nicht mehr Herr der Unkultur der Zerstörung werden, nutzen nun die bürgerlichen Parteien diesen Mangel für ihrenWahlkampf aus (brennende Autos auf Wahlplakaten).
Klaus Wowereit (SPD) wird Untätigkeit vorgeworfen.
Wenn es ihm nicht gelingt, das "Abfackeln - vor allem von teuren Autos - als Sport zu stoppen, werden jene Parteien profitieren, welche die Sicherheit der Bürger auf die Fahne geschrieben haben. Als vor Wochen ein Brandstifter verurteilt wurde und nur mit einer Bewährungsstrafe davon kam, wurde der Oeffentlichkeit bewusst, dass etwas nicht stimmen kann. Für die Bevölkerung ist jede Gewalt - ob gegen Menschen oder gegen Sachen - asozial. Wer mehr Geld für die Polizei, schnellerer Verfahren und härte Strafen fordert hat heute Rückenwind.
Niemand will Banlieu- Verhältnisse? 





 Au 20 Min: Leserfotos aus Biel

Freitag, 19. August 2011

Zur Vertiefung der Erkenntisse für alle Teilnehmer:


UEBERZEUGEN DURCH.....

Sie ueberzeugen, wenn Sie

* sich natürlich, situationsgerecht verhalten (kein Theater spielen)
* überlegen vor dem Sprechen (denken, dann sprechen!)
* Gefühle nicht ausklammern
* nicht an die Mimik und Gestik denken
* sich verständlich ausdrücken
* eine EINFACHE SPRACHE wählen
* EINEN KERNGEDANKEN (EIN ARGUMENT, EINE ANTWORT) mit einem BILD, einer ERZAEHLUNG, einer GESCHICHTE koppeln 

Sie werden abgelehnt, wenn Sie

* sich künstlich und affektiert verhalten
* während des Sprechens an sich denken
* die Emotionen kontrollieren
* Theater spielen
* eine Spachebene wählen, die nicht zur Situation passt
* zu lange reden oder zu kompliziert, zu abstrakt und zu vage formulieren
* zu perfekt sind



Sie überzeugen vor allem durch Ihre Person. Erst in zweiter Linie interessiert sich das Publikum oder Ihr Gegenüber für den Inhalt. Dies klingt zwar hart, trifft aber zu.
Ein Redner, der sich nicht "verkaufen" kann, besser: Der nicht zu sich steht (Schwächen und Stärken), der nicht "im Lot ist", der überzeugt nicht, selbst dann, wenn er die besten Argumente auf seiner Seite hat.
Oder umgekehrt: Jemand, der beim Publikum ankommt, kann sich sogar erlauben, einmal etwas schwächere Argumente vorzubringen. Weil man die Person sympathisch findet, fällt es schwerer, sich der Argumentation zu verschliessen.



Nachlese :
Mit guten Gefühle werden Sie an das gemeinsame TUN  zurück denken. Es wird Ihnen nach dem Coaching bewusst geworden sein, dass man nur durch das TUN - durch eigenen Erleben - effizient lernt. Es trifft zu:



Ich kann andere nur überzeugen, wenn ich selbst von meiner Aussage überzeugt bin.

Er ist erstaunlich, wie viel verziehen wird, wenn man die eigene Ueberzeugung - das Feux sacré - spürt. Mein Wunsch für den Alltag: Dran- bleiben und sich weiterhin Spiegel als Lernhelfer zu Nutze machen. Es gibt Hofnarren, denen ich vertrauen kann. Bestimmen Sie Ihre Hofnärrin oder Ihren Hofnarren. Um die Nachhaltigkeit zu sichern, gilt es nun: TUN - TUN - TUN (lernen Sie weiterhin praxis- und prozessorientiert )



LINKS:

Mit Spiegeln die kommunikative Kompetenz verbessern

Jean-Paul Sartre hat diese Thematik im Theaterstück 'Bei verschlossenen Türen' aufgegriffen: Ein Raum ohne Spiegel. Der eine sieht sich nur im Andern - in ... www.rhetorik.ch/Spiegel/Spiegel.html - Cached - Similar

  1. Erfolg dank Überzeugen

    24. März 2007 ... Der ganz Unrecht hat, ist leichter zu überzeugen als einer, der zur Hälfte Recht hat. -- Ralph Waldo Emerson Der Glaube kann uns niemals von ... www.rhetorik.ch/Ueberzeugen/Erfolg.html - Cached - Similar
  2. Mit Argumenten überzeugen

    Kommunikation, Gespraech, Auftritt, Reden, Weiterbildung. www.rhetorik.ch/Ueberzeugen/Argumente.html - Cached - Similar
  3. Überzeugend antworten

    Kommunikation, Gespraech, Auftritt, Reden, Weiterbildung. www.rhetorik.ch/Ueberzeugen/Ueberzeugen.html - Cached - Similar


  1. Natuerliche Kommunikation

    Kommunikation, Training, Natuerlichkeit Auftritt, Reden, Weiterbildung. www.rhetorik.ch/Natuerlich/Natuerlich.html - Cached - Similar
  2. [PDF]

    IST NATÜRLICHES KOMMUNIZIEREN LERNBAR?

    File Format: PDF/Adobe Acrobat - View as HTML 22. Juni 2005 ... Willkommen im Simulator: Natürlich kommunizieren? Eigentlich eine Selbstverständlichkeit ... ernst ist – alles andere als natürlich ist. Die ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/06_22/06_2005_black.pdf - Similar

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  1. Die Balance finden

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  2. Die Balance finden

    Wir müssen die situationsgerechten Balance finden im Spannungsfeld: Ich- Bezogenheit und Integrationsfähigkeit.d.h. Beides darf nicht vernachlässigt werden. ... www.rhetorik.ch/Balance/Lang.html -Cached - Similar
    Viel ERFOLG im Alltag! Nach ca.
    8 Wochen interessiert mich
    die Nachchhaltigkeit
    des individuellen Coachings. 

Die Konjunktivrhetorik der Bundesräte



Das vage unverbindlich Reden in der Möglichkeitsform kennen wir vor allem bei Bundesräten, insbesondere bei Micheline Calmy-Rey.



Ich zitiere die Basler Zeitung:


Rücktrittsgerüchte sind die treusten Begleiter der Bundesräte – aktuell etwa von Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey. Diese spielt aber, wie ihre Vorgänger, das Spiel der Medien nicht mit.
Gute Miene zum spekulativen Spiel: Micheline Calmy-Rey zu Besuch in Siders. (17. August 2011)
Gute Miene zum spekulativen Spiel: Micheline Calmy-Rey zu Besuch in Siders. (17. August 2011)
Bild: Keystone


 
Sie könnte, sie dürfte, sie müsste – der Konjunktiv ist schon seit Wochen und Monaten ein Genosse, der SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey eng begleitet. Die Aussenministerin «dürfte ihren Rücktritt per 31. Dezember ankündigen», spekuliert bereits im Juni eine Zeitung. Dieses Vorgehen «würde zu einem veritablen Abschiedsgeschenk an ihre Partei», so das Blatt – die Sozialdemokraten könnten damit bis zu den eidgenössischen Wahlen vom Oktober von erhöhter medialer Aufmerksamkeit profitieren.
Im Juli erklärt SP-Präsident Christian Levrat, er sehe für die Magistratin zwei Optionen: Rücktritt jetzt oder Weitermachen bis 2013/2014. Viele Medien stellen darauf, ermuntert von der vagen Aussage des Parteivorsitzenden, weitere kühne Prognosen an. Kioskplakate vermelden «Spekulationen um Calmy-Reys Rücktritt». Als «nächstmöglicher Termin», behauptet ein Medium, «rückt der 17. August in den Fokus». Worauf ein anderes widerspricht: «Alle Indizien deuten auf dieses Szenario: Calmy-Rey entscheidet erst nach dem 23. Oktober.»


Eine Ausnahme bestätigt die Regel


Nervosität greift um sich in den Redaktionen: «Die Gerüchte um einen Rücktritt schwellen nicht ab», lautet der alarmistische Tenor, man porträtiert bereits fleissig potenzielle Nachfolger. Die sogenannten Kremologen, die zu Zeiten des Kalten Krieges aufgrund vagster Beobachtungen auf Befindlichkeiten und Absichten der sowjetischen Staatsmacht zu schliessen versuchten, sie scheinen heute anstelle des Kreml in Moskau das Bundeshaus in Bern im Visier zu haben.


Die Bundespräsidentin, deren Demission so heftig herbeigeschrieben wird, ist derweil fleissig bemüht, die Spekulanten an der Börse der Politik zu besänftigen. Die Frage eines Rücktritts stelle sich nicht, antwortete sie kürzlich barsch einer Fernsehreporterin, die es gewagt hatte, sie auf die Gerüchte anzusprechen. Einem anderen Medium diktierte Calmy-Rey: «Meine Zukunft ist es jetzt, meine Arbeit als Bundespräsidentin zu machen, und nicht, über die Zeit danach zu reden.» Der Konjunktiv des jederzeit möglichen Rücktritts – er ist seit jeher der treueste Begleiter der Bundesrätinnen und Bundesräte.


Die Ausnahme, welche diese Regel bestätigt, ist Fritz Honegger. Kaum war er am 7. Dezember 1977 in den Bundesrat gewählt, machte der freisinnige Zürcher eine überraschende Ankündigung: Er gedenke, exakt fünf Jahre in der Regierung zu bleiben. Honegger hielt sein Versprechen – und trat Ende 1982 zurück.



Spekulationen mit Methode


Bundesrat Pascal Couchepin hingegen war elf Jahre im Amt, als er im Mai 2009 gefragt wurde, ob er beim nächsten Urnengang im September noch Sozialminister sein werde. «Vielleicht», antwortete der Walliser, «ist es meine letzte Abstimmung, vielleicht die zweitletzte, vielleicht aber auch die letzte vor der zweitletzten.» Im Oktober 2009 gab Couchepin seinen Sessel frei. «Vorwärts in den Rücktritt», titelte 1995 das Nachrichtenmagazin «Facts»: Es zitierte einen Freisinnigen, der raunte, FDP-Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz habe sich «während der Sommerferien Gedanken über seinen Rücktritt gemacht».
Auch der Stuhl von SVP-Magistrat Adolf Ogi wackle, behauptete das Magazin: «Freunde des Verkehrsministers diagnostizieren seit Monaten Ermüdungserscheinungen. Deshalb wäre nicht nur ein spontaner Abgang denkbar. Seit Kurzem denken freisinnige Kreise laut über eine Abwahl nach.» Es sollte dann noch drei Jahre dauern, bis Delamuraz im März 1998 aus der Landesregierung ausschied. Ogi seinerseits blieb gar noch ein halbes Jahrzehnt im Amt: Erst am 18. Oktober 2000 kündigte er seinen Abschied von der Politik an. Sind Spekulationen über Bundesrats-Rücktritte oft unseriös, so haben sie doch Methode. «Tritt Moritz Leuenberger zurück?», argwöhnte der «Blick» 2008 aufgrund von «Indizien». Der SP-Verkehrsminister demissionierte am 31. Oktober vergangenen Jahres.
Spekuliert wird oft notgedrungen. Denn «eine der dümmsten Journalistenfragen», sagte BDP-Bundesrat Samuel Schmid 2008 nach seiner Demission, «ist jene nach dem Rücktrittszeitpunkt. Sie wissen genau, dass Ihnen nie die Wahrheit gesagt wird.»


Was ist die Wahrheit im Fall Calmy-Rey? Sie könnte ihren Rücktritt noch diesen Monat verkünden. Sie dürfte es. Vielleicht weiss es nur die Betroffene selbst. Vielleicht auch nicht. Wer weiss das schon? (Basler Zeitung)


LINK_


4. Apr. 2007 ... Es lohnt sich, diese Weichspüler gezielt zu eliminieren. Erstaunlich: Viele Redner benutzen "Flicklaute". Damit werden Denkpausen akustisch ...
www.rhetorik.ch

«Weichspüler» entdecken würden: Schen- ken Sie diesen Abschwächungen irgendwie ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Mögli- cherweise könnte ihnen dieser Tipp ...
www.rhetorik.ch

Donnerstag, 18. August 2011

Schaumsprache der Lehrer


Allain Guggenbühl stellt in der neuen Weltwoche eine hilfreiche Uebesetzungshilfe vor, welche die verbriete wattierte Sprache - die sogenannte teachers' speech - vor nd entlarvt den verklausuleirten Wohlklang gängiger Formulierungen. Diese Schaumsprache zählt zur  Airbagrhetorik . Die Pädagogen schützen sich damit vor der Gegenwehr der Eltern. Das bewusste Vernebeln statt Klartextreden ist stark verbreitet. Hier ein Auszug aus der Weltwoche:


LINKS:

12. Mai 2002 ... "Airbagrhetorik" ist eine defensive Art der Kommunikation. Worthaufen drängen sich zwischen die Gesprächspartner. ...
www.rhetorik.ch


Reden und nichts Sagen, Reden mit leeren Phrasen und Worthuelsen.
www.rhetorik.ch

Quasseln, Reden und nichts Sagen, Reden mit leeren Phrasen und Worthuelsen.
www.rhetorik.ch
 

Die Schaumsprache der Lehrer


Von Allan Guggenbühl



Eigentlich will die Lehrperson den Eltern mitteilen, dass der Sohn die Lehrperson nicht respektiert. Illustration: Stephan Liechti
«Ihr Sohn hat die Lernziele erreicht!», teilt die Klassenlehrerin den Eltern mit. Zwar gebe es noch Lücken im «Kompetenzprofil», doch lediglich beim «mathematischen Vorstellungsvermögen» und bei der «Konfliktkompetenz». Die Eltern kehren beruhigt nach Hause zurück. Ein halbes Jahr später wird ihnen mitgeteilt, dass ihr Sohn keine Empfehlungen für die Sek A bekommt. Sie fühlen sich verschaukelt. Was ist geschehen?
Von Lehrpersonen wird erwartet, dass sie im klärenden Gespräch einen Konsens im Sinne der Schule erreichen. Man redet, doch eigentlich ist klar, was man will, und der Entscheidungsspielraum klein. Die Folge: In der Kommunikation wird der Sachverhalt verschleiert. Lehrpersonen müssen sich vor harscher Kritik und Gegenwehr der Eltern schützen, verhindern, dass diese den Schulunterricht bestimmen oder ihrem Anwalt telefonieren. Um sich zu schützen, haben sie Sprechweisen entwickelt, durch die Botschaften verklausuliert vermittelt werden. In den Ohren naiver Eltern tönen sie harmlos oder positiv, tatsächlich wird jedoch mit spitzen Pfeilen geschossen. Man bedient sich Sprechweisen, die einen Sachverhalt umnebeln statt benennen. Scheinbar kommuniziert man offen und ehrlich, effektiv bedient man sich Codes, um sich abzugrenzen und die eigenen Absichten zu verschleiern. In angelsächsischen Ländern wird dies teachers’ speech genannt. Nachfolgend das Glossar der gängigsten Floskeln.

«Sein Verhalten ist originell»


– Ein Satz, der viel zitiert wird. Mit ihm teilt die Lehrperson mit, dass der Sohn oder die Tochter den Unterricht ziemlich massiv stört. Er wird heute kaum mehr eingesetzt, da die meisten Eltern ihn durchschaut haben.

«Schön, dass Ihr Kind da ist»


– … aber das ist schon alles. Ihr Kind kann sich in der Klasse und gegenüber den Lehrpersonen nicht profilieren. Wir haben es fast nicht bemerkt, und es ist eigentlich ein Langweiler.

«Man merkt, dass er da ist»


– Es gibt ein Problem: Der Sohn macht Radau und bringt Unruhe in die Klasse. Das könnte sich zu einem Problem entwickeln. Als Vater oder Mutter muss man auf der Hut sein.

«Ihre Tochter orientiert sich an einem eigenen Zeitsystem»


– Könnte sie nicht endlich mal pünktlich zum Unterricht erscheinen? Von den Eltern wird erwartet, dass sie aktiv werden.

«Wir haben das im Team schon eingehend besprochen»


– Kommt dieser Satz, dann hat man als Vater oder Mutter keine Chance, sondern streicht am besten die Segel und gibt klein bei. Die Meinungen sind gemacht und Beschlüsse gefasst.


«Ich setze mich intensiv mit ihm/ihr auseinander»


– Dahinter steht oft eine Bankrotterklärung. Man weiss als Lehrperson nicht mehr weiter, ist am Ende seines Lateins. Der Schüler oder die Schülerin ist mit normalen pädagogischen Mitteln nicht erreich- und steuerbar.


«Und was meinst du?»


  – Dieser Satz wird verwendet, wenn das Elterngespräch in Anwesenheit des Kindes oder Jugendlichen stattfindet. Scheinbar wird er oder sie eingeladen, offen seine oder ihre Ansicht mitzuteilen, und Lehrpersonen betonen, dass Kritik natürlich auch erwünscht sei. Wie soll sich jedoch ein zehnjähriger Knabe oder ein vierzehnjähriges Mädchen gegenüber einer Gruppe von sprachlich versierten Erwachsenen durchsetzen? Der Anpassungsdruck ist enorm und das sprachliche Kompetenzniveau ausserdem zu verschieden, als dass man sich als Schüler oder Schülerin effektiv einbringen könnte. Solche Fragen dienen oft nur der Gewissensberuhigung der Lehrperson, dass man demokratisch vorgegangen sei.


«Die Lernziele hat Ihre Tochter erreicht»


  – Hier handelt es sich auch um einen Leersatz. Da die Lernziele meist individuell festgelegt werden und somit von Schüler zu Schüler anders sind, sagt er nicht viel aus. Vielleicht wurden die Lernziele bewusst ganz tief angesetzt? Wie sehen die Leistungen, verglichen mit dem Klassendurchschnitt, aus?



«Ihr Sohn hat grosse Freude an Auftritten»

<
– Bei Ihrem Sohn handelt es sich um einen Prahlhans. Er geniesst den grossen Auftritt und ist gern im Zentrum der Aufmerksamkeit. Für die Lehrpersonen ziemlich mühsam. Von den Eltern werden zusätzliche erzieherische Anstrengungen erwartet, um ihm das mühsame Verhalten auszutreiben.


«Ihr Sohn verhält sich als Einzelkämpfer»


– Mit anderen Worten: Er ist nicht teamfähig und sozial inkompetent. Möglicherweise handelt es sich gemäss Lehrersicht um einen Macho, dem man dringend das falsche Männerbild abtrainieren muss.


«Ihr Sohn hat Freude an Tönen und Geräuschen»


– Die Lehrperson versucht den Eltern mitzuteilen, dass ihr Sohn einfach zu laut ist und sich unflätig verhält. Wahrscheinlich denken die Lehrpersonen vor allem an Rülpsen, Schreien und Pfeifen.


«Wir möchten die Konfliktkompetenz Ihres Sohnes fördern»

<
– Ihr Sohn verhält sich aggressiv und uneinsichtig. Er ist für die Lehrpersonen ein grosses Problem. Wir wissen nicht, wie lange er noch in der Schule bleiben kann.


«Ihre Tochter bringt sich sehr dynamisch in die Klasse ein»

 
– Sie verhält sich als Primadonna. Sie bringt jedoch auch Leben in eine sonst eher fade Klasse.


«Ihre Tochter versteht es, zu vielen Mitschülern und Mitschülerinnen Kontakt zu pflegen»


 – Im Klartext: Die Tochter ist eine Intrigantin. Sie mobbt andere Kinder und verhält sich egozentrisch.

<
«Ihre Tochter hat ein ausgeprägtes soziales Kontaktbedürfnis»


– Sie schwatzt während der Stunden und zeigt wenig Interesse am Schulstoff.


«Ihr Sohn hat ein Autoritätsproblem» 


– Eigentlich will die Lehrperson den Eltern mitteilen, dass der Sohn die Lehrperson nicht respektiert. Man konnte sich nicht als Lehrperson gegenüber dem Schüler durchsetzen.


«Wichtig ist, dass man am gleichen Strick zieht»


– Ein alter Trick. Man beruft sich auf einen grundsätzlichen Leitsatz, wenn man das Gegenüber mundtot machen will. Effektiv teilt einem die Lehrperson mit, dass man auf keinen Fall Einspruch gegen ihren Unterrichtsstil erheben oder Kritik daran ausüben darf. Eine Diskussion ist nicht erwünscht!


«Ihr Sohn hat grosses Verbesserungspotenzial»


– Damit ist gemeint, dass der Sohn effektiv ein grosses Problem darstellt. Sein Verhalten in der Klasse ist unmöglich. Wahrscheinlich benimmt er sich unflätig, frech und gehorcht nicht.


«Mir ist wichtig, dass wir heute über alle Themen sprechen»


– Dieser Satz wird eingesetzt, um Eltern zu verwirren. Jeder Vater und jede Mutter weiss, dass man nie über alle Themen sprechen kann. Kann man der Lehrerin mitteilen, dass sich die Tochter über die Reiseberichte ihrer Lehrerin ärgert? Dass man das Gefühl hat, sie leide unter einem Burnout? Mit dem Satz teilen die Lehrpersonen den Eltern eigentlich mit, dass sie heikle Themen gefälligst nicht auf den Tisch bringen sollen.


«Es ist erwiesen, dass …»


– Kommt dieser Satz, dann muss man auf Alarmstufe Rot schalten. Wenn eine Lehrperson beginnt, sich auf wissenschaftliche Fakten zu berufen, oder sogar von evidence-based spricht, dann ist der Kampf eröffnet. Die wissenschaftlichen Fakten suggerieren Objektivität und sollen den Eltern verunmöglichen, Gegenargumente einzubringen.


«Meine Kollegen, ich und die Schulleitung sind uns einig»


– Dieser Satz ist richtig gemein! Als Vater oder Mutter kann man nichts mehr einwenden, man ist zum Befehlsempfänger degradiert worden. Der Satz wird gebraucht, wenn man Macht demonstrieren und die Eltern einschüchtern will.



«Es gibt gute Privatschulen, die auf die Bedürfnisse Ihres Sohnes eingehen können»


  – In gewissen Schulhäusern herrscht die Praxis, dass man bei Schulschwierigkeiten eines Kindes Privatschulen vorschlägt. Teilt einem eine Lehrperson diesen Satz mit, dann hat sie das Kind aufgegeben und möchte es so rasch wie möglich loswerden. Als Vater oder Mutter sollte man möglichst rasch eine Privatschule suchen! In einigen Gemeinden erfolgt der Hinweis «Es gibt gute Privatschulen» fast routinemässig.


«Ich möchte Ihnen meinen ganz persönlichen Eindruck schildern»


  – Die Lehrperson hat einen Kommunikationskurs besucht und weiss, dass Ich-Botschaften sich besser eignen, unangenehme Mitteilungen zu machen. Indem man etwas als persönliche Auffassung deklariert, wird man weniger angreifbar.


«Es geschieht zum Wohl Ihres Kindes»


– Ein Standardargument, doch eigentlich reine Rhetorik. Welche Schule gibt schon zu, dass eine Massnahme dem Kind schadet? Wenn dieser Satz kommt, dann muss man aufpassen. Die Lehrpersonen planen den Ausschluss des Schülers, eine Repetition oder eine psychiatrische Massnahme.


«Ihr Kind fällt durch Spielfreude auf!»


– Was hat es noch in der Schule zu suchen? Im Schulunterricht selber ist es für wenig zu gebrauchen.



«Ich verstehe Sie ganz gut …»


– Eine weitverbreitete Einleitungsformel, mit der man Einwände von Eltern abblocken will und anschliessend auf der eigenen Ansicht beharrt. In Wirklichkeit versteht die Lehrperson die Eltern nicht.


«Wie halten Sie es mit dem Internet?»


– Die Lehrpersonen hegen den Verdacht, dass der Sohn oder die Tochter internetsüchtig ist, sich Sex- und Gewaltfilme anschaut und die Nacht durchgamet.


«Wissen Sie, bei uns in der Schweiz ist das Kind sein eigener Lernmanager»


– Dieser Satz eignet sich gegenüber ausländischen Eltern. Subtil kann man als Lehrperson darauf hinweisen, dass ihre Ansichten zur Schule nicht mit den unsrigen kompatibel sind. Man entzieht den ausländischen Eltern die Kompetenz mitzureden.


«Uns regt das Verhalten nicht auf, doch wegen den anderen Eltern müssen wir etwas unternehmen»


– Auf die anwesende Mutter oder den anwesenden Vater soll spezieller Druck ausgeübt werden. Der Satz ist raffiniert, weil man als Lehrperson die eigenen Bedenken und Aggressionen hinter den scheinbaren Anliegen anderer Eltern verbergen kann.


«Beim Netzwerkgespräch mit dem Team haben wir alle feststellen müssen … »


– Teams geben einem die Möglichkeit, eine private Meinung zu objektivieren. Wenn im Netzwerkgespräch alle der gleichen Auffassung sind, dann darf man als Vater oder Mutter nichts mehr kritisieren. Effektiv irren sich jedoch Teams genauso wie Einzelpersonen.


«Es gibt da einen ganz guten Fachmann»


– Super! Das eigene Kind wird damit zu einem Fall erklärt. Der eigene Sohn oder die eigene Tochter hat ein bestimmtes Defizit, ist gestört und braucht darum dringend eine Behandlung.


«Und wie geht es eigentlich zu Hause?»


 – Diese Frage wird oft zu Beginn eines Gespräches gestellt und deutet auf nichts Gutes hin. Die Lehrpersonen vermuten, dass das Verhalten in der Schule mit familiären Problemen zusammenhängt: Alkoholismus, Scheidung, Gewalt. Wahrscheinlich wurde an Sitzungen und Supervisionen schon eifrig darüber diskutiert, und nun wird versucht, Hypothesen zu verifizieren.


«Mich stört es nicht, doch in unserem Schulhaus herrscht Zero Tolerance!» 


– Mit solchen Sätzen wird ausgedrückt, dass das Verhalten des Sohnes oder der Tochter inakzeptabel ist. Er oder sie benimmt sich gemäss Lehrperson schlimm, aggressiv und ist in der Klasse nicht tragbar. Dank einem gemeinsamen Wert kann man jedoch den Eltern vorgaukeln, dass man persönlich anders denkt.


«In der Projektwoche haben wir abgemacht, dass wir ein gewaltfreies Schulhaus sind»


– Eine interessante Argumentation. Man beschliesst im Rahmen einer Friedenswoche, dass Gewalt nicht toleriert wird, damit man bei Konflikten kompromissloser auftreten kann und auf einen Schüler oder eine Schülerin eingehen muss. Der Schüler wird dem Image der Schule geopfert.


«Wir hatten ja grosse Geduld mit Ihrem Sohn»


 – Eigentlich will die Lehrperson sagen, dass sie keine Geduld, genug vom Kind hat und es am liebsten von der Schule relegieren würde.


«Ich möchte mit Ihnen ganz ehrlich und offen sein»


– Wenn dieser Satz ertönt, gilt es, auf der Lauer zu sein. Entweder kommt eine ganz schlimme Nachricht, oder aber die Lehrperson will effektiv etwas verbergen.


«Ich habe ja grosses Verständnis für das spontane Mitteilungsbedürfnis Ihrer Tochter»


– Die Lehrperson will sagen, dass das Mädchen eine rechte Nervensäge ist, konstant durch Dreinreden den Unterricht stört, unter unkontrollierbarem Redefluss leidet.



«Ich muss noch zwanzig andere Kinder unterrichten!»


 – Damit will die Lehrperson sagen, dass man ihr wenig Verständnis entgegenbringt. Fragen, Bemerkungen oder Forderungen sollen gefälligst unterbleiben.



«Es freut mich, dass wir einen Termin gefunden haben»


– Wird gerne bei Beginn eines Gespräches eingesetzt. Der Satz weist auf nichts Gutes hin. Die Lehrperson erhofft sich vom Gespräch die Lösung eines Problems in der Schule. Ziemlich sicher wird man mit Forderungen der Lehrpersonen konfrontiert, die man nicht erfüllen kann.


«Ihrer Tochter stehen immer noch viele Wege offen!» 


– Wenn eine schulische Möglichkeit entfällt, dem eigenen Kind weniger schulische Optionen offenstehen werden, dann wird natürlich das Gegenteil behauptet.


«Intellektuell ist Ihr Sohn herausgefordert»


– Früher sprach man einfach von Dummheit.



«Haben Sie eine Haftpflichtversicherung?»


– Eine Haftpflichtversicherung schliesst man vor allem bei Söhnen mit Vorteil bei Schuleintritt ab, damit man für diese Frage gewappnet ist.



«Wir haben Ihren Sohn ja sehr gern und schätzen seine Art»


  – … aber er passt nicht in die Schule. Sein Persönlichkeitsprofil entspricht nicht dem Standard, an dem wir uns orientieren. Er hat entweder eine zu grosse Eigensteuerung, mangelndes Interesse am Unterricht oder erbringt seine Leistungen nicht.



«Ihr Sohn hat eine eindrucksvolle Veränderungsresistenz»


 – Mit anderen Worten: Der Junge ist äusserst mühsam, unerträglich, und man möchte ihn am liebsten in ein Erziehungsheim stecken.



«Wir stellen an Ihrem Kind Verbesserungspotenzial fest»


– Damit wird ausgedrückt, dass man den Sohn oder die Tochter nicht ganz aufgegeben hat. Die Situation ist zwar schlimm, doch noch nicht ganz verloren.



«Ihre Tochter hat ein aussergewöhnliches Kommunikationsverhalten» 


– Sie spricht und redet überall, unterhält sich permanent mit der Banknachbarin und streut Gerüchte


.
«Die Chancen sind durchaus intakt»


 – . . .sind sie ziemlich sicher nicht. Die Eltern sollen sich auf eine schulische Katastrophe vorbereiten.



«Wir rechnen voll mit Ihrer Unterstützung»


– Bei diesem Satz handelt es sich um eine versteckte Erpressung. Man fordert von vornherein von den Eltern bedingungslose Akzeptanz.


«Ihr Sohn kann seine Emotionen gut ausdrücken»


  – Wahrscheinlich ist er aufbrausend und hat seine Affekte nicht unter Kontrolle. Er droht zu einem Problemfall zu werden.



«Wir arbeiten an seiner Lebenskompetenz» 


– Wenn die Lehrpersonen die Lebenskompetenz ins Spiel bringen, dann sieht die schulische Situation nicht gut aus. Die Gesamtpersönlichkeit des Kindes wird als gestört empfunden, die Lehrpersonen müssen sich anstrengen, damit seine Präsenz im schulischen Rahmen überhaupt noch ertragbar ist.



«Seine Sozialkompetenz ist entwicklungsfähig»


– Sozialkompetenz ist heute der magische Begriff, der es den Lehrpersonen erlaubt, jede Eigenschaft und Verhaltensweise eines Schülers oder einer Schülerin zu kritisieren. Dreinreden, Provokationen, keine Gefühle zeigen, die Berichtsprache, unanständige Witze, männliche Begrüssungsformen, Rennen in den Gängen, Schadenfreude: Solche und andere verbreitete und normale Verhaltensweisen werden in der Schule als soziale Inkompetenz bezeichnet.


«Ihr Sohn ist sehr eigenständig»


– Der Verdacht besteht, dass die Lehrpersonen damit ausdrücken wollen, dass er nicht teamfähig ist.



FAZIT:


K+K hilft den Lehrkräften im Alltag klar, unmissverständlich - ohne zu verletzen -  so zu sprechen, dass die Aussage eindeutig ist und von den Eltern verstanden wird.

Mittwoch, 17. August 2011

Was die auffällige Körpersprache über Merkel und Sarkozy verrät




Liebespaar, Macho-Gehabe und Himmels-Anbeterin: Was die beiden Staatsleute am gestrigen Treffen inszenierten, analysiert für Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Kommunikationsexperte Marcus Knill.

 

Was die auffällige Körpersprache über Merkel und Sarkozy verrät

Liebespaar, Macho-Gehabe und Himmels-Anbeterin: Was die beiden Staatsleute am gestrigen Treffen inszenierten, analysiert für Tagesanzeiger.ch/Newsnetz Kommunikationsexperte Marcus Knill.

1/8 Kampfhähne
Marcus Knill zu diesem Bild: «Sarkozy und Merkel wirken wie zwei Kampfhähne. Sarkozys Handflächen beschwichtigen. Merkel weicht dem Blickkontakt aus und öffnet die Handflächen, als sage sie: ‹Ich nehme einmal deine Idee entgegen – aber nur unverbindlich.›»
Bild: Reuters



2/8 Pistole und Drohfinger
MK: «Sarkozy zielt mit der pistolengeformten Hand und zugekniffenen Augen auf das Gegenüber. Doch Angela Merkel lässt sich nicht kleinkriegen. Sie kontert mit erhobenem Zeigefinger.»
Bild: Reuters




3/8 Kommt alles Gute von oben?
MK: «Merkel scheint alle Kräfte des Himmels zu beschwören. Denkt die Pfarrerstochter: ‹Alles Gute kommt von oben›? Sarkozy scheint die deutsche Kanzlerin zu beschwichtigen und wieder auf den Boden zu holen.»
Bild: Keystone




4/8 Für die Presse gestellt
MK: «Beide berühren das Gegenüber. Merkel legt beschwichtigend die rechte Handfläche auf Sarkozys linke Schulter. Diese Geste von oben ist bei zwei gleichwertigen Partnern fragwürdig. Merkels Gesicht ist alles andere als freundlich. Die Berührung Sarkozys wirkt aufgesetzt – für die Presse gestellt: Wir mögen uns!»
Bild: Reuters



5/8 «Liebespaar»
MK: «Obschon die Wirkung des Auftrittes darauf ausgelegt ist, Harmonie und vertrauliche Nähe zu vermitteln, ist die Assoziation ‹Liebespaar› mit der gewünschten Aussage ‹Wir mögen uns› eine bewusste Show. Die Vermutung kommt auf: alles für die Presse inszeniert. Merkels Hand – wiederum von oben – signalisiert Überlegenheit. Die Hände der beiden berühren sich zwar leicht, scheinen aber ins Leere zu greifen.»
Bild: Keystone
 
6/8 Geschafft!
MK: «Hier sagt das Minenspiel viel aus. Merkel scheint etwas sagen zu wollen. Beide blicken mit verschlossenem Mund nach unten. Ohne den Kontext dieser Aufnahme zu kennen, spricht aus der zugeneigten Kopfhaltung und der Mimik Übereinstimmung: Wir beide haben es geschafft! Selbstgefällig?»
Bild: Keystone

7/8 Der Macho
MK: «Sarkozy in seiner typischen Macho-Haltung. Mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl, der Partnerin erklärend, wo es langgeht. Merkel nimmt das Gehörte kritisch entgegen. Die Augen schielen nachdenklich – vielleicht sogar belämmert und betroffen – hinüber. Doch signalisiert die selbstbewusste Kanzlerin: ‹Vorsicht, die Kanzlerin wird nicht klein beigeben, sondern bei nächster Gelegenheit ihre Sicht der Dinge kundtun.›»
Bild: Keystone
   

Kommentar zu den Bildern (siehe Bildstrecke): Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik, Coach und erfahrener Analytiker von Persönlichkeiten.


«Ich bin mir bewusst, dass mein Eindruck täuschen kann, denn ich beurteile eine Blitzlichtsituation. Dennoch ist die Wirkung, jede Wahrnehmung eines Bildes spannend und aufschlussreich.» (Bild: zvg)


Der Euro wackelt und mit ihm die Regierungen der Eurostaaten. Fast wöchentlich treffen sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy zum Thema, um einen weiteren Absturz der Einheitswährung zu verhindern. Nicht immer kommt dabei Wesentliches heraus. So geschehen zum Beispiel gestern. Umso wichtiger scheint für die beiden, dass sie wenigstens ein gutes Bild abgeben. Will heissen, zusammenstehen, kämpfen, beruhigen und vorwärtsschauen.
Dass dabei die Bilder, welche in alle Welt verbreitet werden, von besonderer Bedeutung sind, versteht sich von selbst. Das ist auch den Protagonisten klar.


«Beide Staatschefs versuchen, homogen zu wirken, die Bewegung der Hände und die Mimik scheinen synchron zu verlaufen», sagt dazu der Experte für Medienrhetorik, Marcus Knill. Und weiter: «Beide sind auf Wirkung bedacht. Ich weiss von Merkel, dass sie keine Bilder publiziert haben will, die sie nicht abgesegnet hat. Dennoch verraten die Aufnahmen mehr, als die beiden Akteure wahrhaben wollen. Die These des österreichischen Pantomimen Samy Molcho trifft zu: Der Körper kann weniger leicht lügen.»


Korrektur durch Körpersignale
Für Tagesanzeiger.ch/Newsnetz hat Knill eine Serie von acht Bildern (siehe Bildstrecke inklusive Bildlegende) des gestrigen Treffens analysiert.


Trotz offensichtlicher Bemühung, einheitlich zu wirken, gelinge das den beiden nicht perfekt, erklärt Knill weiter: «Die Demonstration der völligen Übereinstimmung wird durch die Körpersignale korrigiert. Wir können davon ausgehen , dass Merkel wie Sarkozy berechnend, ehrgeizig und darauf bedacht sind, die Differenzen mit inszenierten Bildern der Harmonie zu überdecken. Dennoch gelingt es ihnen nicht immer.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)


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LINKS:


Politikerportraits. ... Ausstellungstext, Politiker Portraits, DRS2, 1. November 2008, Redaktion: Karin Salm. Ausstellung im Museum ...
www.rhetorik.ch

www.rhetorik.ch aktuell: (10. Apr, 2010). Merkel im Teich. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Aktuell Merkel · Politikerportraits ...
www.rhetorik.ch



Kommentar: Ich geben allen Skeptikern recht, die Vorbehalte haben gegen Interpretationen einzelner Beobachtungspunkte oder Signale, die angeblich schlüssig verraten sollen, was Sache ist. Ich finde, dass solche Blitzlichtanalysen dennoch spannend sein können, weil wir uns bewusst werden, dass eigentlich jedes Bild eine Wirkung hat und von jedem Beobachter automatisch individuell  interpretiert wird. Wir werden auf diese Weise hinsichtlich Beurteilung der Körpersprache noch keine Wahrseher. Aus meiner Tätigkeit bei meinen Analysen bei Medienassessments weiss ich, dass eine Persönlichkeit nicht nur auf Grund  eines Bildes, einer Bewegung, einer Stimmanalyse,  eines graphologischen Gutachtens oder  seiner Kleidung schlüssig beurteilt werden kann. Dies wäre eine Anmassung. Blitzlichtanalysen allein genügen nie. Für eine ganzheitliche Beurteilung benötigt man verschiedene Beobachtungskriterien.
In meinen Analysen will ich desahlb immer wissen, ob Botschaft, Stimme, Formulierung, Körpersprache mit der Person und ihrer Rolle übereinstimmt und zwar adressaten- und situationsgerecht.

Recherchen lohnen sich immer



oder: Wie eine Nebenbemerkung zur Kernbotschaft hochstilisiert werden kann.




Im Blick online lese ich:

 

Christoph Blocher (70) will für Zürich in den Ständerat. Um die Wirtschaft zu vertreten. Dabei betont er, dass die Randregionen von diesen Themen nichts verstehen.

Von Karin Müller und Marcel Zulauf 

Das «überparteiliche Komitee ‹Christoph Blocher in den Ständerat›» gibt heute bekannt, was man schon länger weiss: Der alt Bundesrat und SVP-Vizepräsident soll für den Kanton Zürich ins Stöckli ziehen. Die SVP Zürich hat Blocher schon im Mai mit nur einer Gegenstimme als ihren Ständeratskandidaten nominiert.

Heute startet nun der Wahlkampf des SVP-Chefstrategen. Er will mit 71 Jahren nochmals aktiv im Bundehaus mitmischen. Wird er gewählt, kann er eine der wenigen Lücken in seiner politischen Karriere schliessen – und mindestens bis 75 aktiv in der Politik bleiben.

Blocher will die Wirtschaftsmacht Zürich vertreten

An der Medienkonferenz zum Wahlkampfstart macht Blocher klar, warum er für den Kanton Zürich in die Kleine Kammer will: «Ich will die Wirtschaft im Ständerat vertreten», sagt er. «Zürich als Nummer 1 der Banken und Versicherungen muss sein Wissen einbringen.»

Appenzeller und Jurassier würden von den grossen Wirtschaftszusammenhängen nichts verstehen, betont Blocher. Darum will er als Vertreter des stärksten Wirtschaftskantons Gegensteuer geben.

Am liebsten würde Blocher mit dem FDP-Ständerat Felix Gutzwiller zusammen den Kanton Zürich vertreten, «aber die Freisinnigen wollen nicht», bedauert Blocher.


Ende Zitat



Kommentar:



Nachdem mich 20 Min angefragt hatte, was ich zur Aussage Blocher halte, dass die Appenzeller von den Wirtschaftszusammenhängen nichts verstehen, sagte ich dem Journalisten: Bevor ich urteile, müsse  ich zuerst die konkrete Aussage Blochers wortwörtlich haben und zwar im Kontext.  Ich erfuhr dnn, dass eine Journalistin vom SDA an der Medienkonferenz war. Vor meiner Stellungnahme recherchierte ich. Diese Zeit lohnt sich immer.

Zuerst beschaffte ich mir  die Original-Meldung des SDA:


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 (sda) Mit der Präsentation von SVP-Kandidat Christoph
Blocher hat dessen Unterstützungskomitee am Dienstag den Zürcher
Ständeratswahlkampf eingeläutet. Im überparteilichen Komitee-Co-
Präsidium sitzen neben SVP-Exponenten einzelne Mitglieder anderer
Parteien.



   Der Präsident der SVP-Wahlkommission, Hansjörg Frei, machte mit
der Präsentation des Kandidaten gleich dessen breite politische
Erfahrung klar: Alt Bundesrat, alt Nationalrat, alt Kantonsrat und
alt Gemeiderat Christoph Blocher. Und er betonte: «Im Wahlkampf
müsste Geleistetes mehr Gewicht haben als Versprochenes».



   Das Anforderungsprofil der Partei an den Ständeratskandidaten
wurde Blocher auf den Leib geschneidert: Er muss Unternehmer sein,
die SVP-Politik «geradlinig mittragen» und über breite politische
Erfahrung verfügen, so Kantonalparteipräsident Alfred Heer.



   Es sei unabdingbar, dass der grosse Kanton Zürich seine wichtigen wirtschaftlichen Anliegen in den Ständerat einbringe und die Zusammenhänge klar mache, sagte Blocher

Die kleinen Kantone hörten gewiss auf ihn, «die haben ja keine Ahnung». Damit die Schweizer Finanzsituation bereinigt werden könne, müssten sich die Bürgerlichen über die einzuschlagende Richtung einig sein.


Zentraler Schutz des Privateigentums



   Komitee-Co-Präsident Christian Steinmann, Präsident des
Hauseigentümerverbandes der Stadt Zürich und früherer Präsident der
FDP der Stadt Zürich, bedauerte, dass die FDP im Wahlkampf nicht mit
der SVP zusammenspannen wolle.



   Dabei könne man sich auf Blocher «felsenfest verlassen», wenn es
um den Schutz des Privateigentums gehe, einer besonders bedeutenden
Grundlage der Schweizer Gesellschaft.



   Neben Steinmann sitzen auch der ehemalige FDP-Kantonsrat Andreas
Honegger und FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger im Co-Präsidium des
Unterstützungskomitees. Mit dabei sind zudem unter anderen die
Zürcher alt Regierungsräte Peter Wiederkehr (CVP) und Alfred Gilgen
(seinerzeit LdU).



(SDA-ATS\/eh/ah)
161334 aug 11


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Meine Recherchen bei einer Journalistin (die an der Konferenz anwesend war und mir ihre Notizen am Telefon vorgelesen hatte) machten mir sofort bewusst, dass  BLICK Blochers Bemerkung ungenau und gefärbt wiedergegeben hatte. Dies verdeutlicht einmal mehr: Es lohnt sich, Sachverhalte zu überprüfen, obschon Recherchen zeitaufwändig sind.
Als Kommunikationsberater durfte ich nicht auf Grund eines Online- Beitrages ein Urteil fällen. Meine Recherchen zeigten:

Blocher wollte bei seinem Auftritt in erster Linie bewusst machen, dass er sich für die wirtschaftlichen Anliegen des Kantons einsetzen will und erwähnte dabei lediglich, dass die Randregionen von diesen Wirtschaftszusammenhängen zwangsläufig weniger mitbekommen. Dabei nannte er unbedachterweise als Beispiel Appenzell (von den Jurassiern hatte Blocher übrigens nichts gesagt). Nach diesen aufwändigen Recherchen war es mir nun möglich, dem Journalisten von 20 Minuten, Blochers Verhalten zu kommentieren.

OBschon es meist gut ist, Argumente mit Beispielen zu veranschaulichen,  hätte ich Blocher in diesem Fall geraten, auf das Beispiel Appenzell zu verzichten. Er hätte wissen müssen: Dieses Bild kann missverständliche Assoziationen auslösen. Das veranschaulicht uns nun der Medienspiegel: Aus einem unbedachtem Beispiel konnte Blick  nun folgenden gefärbten Haupttitel formulieren:





Christoph Blocher wettert gegen die Provinz










Für 20 Min wurde die Aussage sogar zum kommunikativen Gau:




Kom­munikativer GAU

16. August 2011  Print

Blocher beleidigt die Appenzeller

Christoph Blocher verspottet die Kleinkantone: Die hätten «keine Ahnung» von Wirtschaft. Die Appenzeller sind empört. Ein Experte warnt vor einem Imageschaden für den SVP-Strategen.

storybild Blocher kandidiert für den Ständerat. (Bild: Keystone)

Christoph Blocher hat sich am Dienstag als Kandidat für den Ständerat präsentiert. Dabei leistete er sich einen kom­munikativen GAU: Zürich müsse im Ständerat die grossen wirtschaftlichen Zusammenhänge klar machen, sagte Blocher. Die kleinen Kantone wie Appenzell würden davon nicht viel verstehen. «Die haben ja keine Ahnung», zitiert die SDA den SVP-Strategen.
Im Appenzellerland ist man ausser sich: «Das ist die überhebliche Meinung eines Zürchers», schimpft der Ökonom und Innerrhoder CVP-Nationalrat Arthur Loepfe. «Wir haben starke KMUs, auch mit internationaler Ausrichtung. Und wir gingen alle auch zur Schule.» Auch Albert Manser vom Gewerbeverband Innerrhoden schüttelt den Kopf: «Offensichtlich ist Herr Blocher nicht mehr auf die Stimmen aus der ‹Provinz› angewiesen.» Und der Appenzeller Wirtschaftsprofessor Roman Dörig kann «über so eine Aussage nur schmunzeln».


Der Kommunikationsberater Marcus Knill bezeichnet es als unklug, dass Blocher Appenzell als Beispiel nannte. «Das hinterlässt den Eindruck, er sei gegen das Bodenständige, das er immer vertreten hat. Und das könnte seinem Image schaden.»


Schon am 2. September hat Blocher allerdings die Chance, die Wogen wieder zu glätten: Dann tritt er an einem Wirtschaftsforum in Heiden AR auf.


 Ende Zitat 20 Min


Fazit: Dieses Beispiel veranschaulicht uns einmal mehr, was  ein einzelnes unbedachtes Wort bewirken kann.