Montag, 13. Juni 2011

Vorinformationen zu den Intensivseminaren nach Pfingsten




Aus der Praxis für die Praxis:


Präsentieren und Ueberzeugen im Alltag
(auch in schwierigen Situationen)






DAS WICHTIGSTE IN KUERZE

1. VORBEREITUNG




Vor dem Anlass die Aussagen (Argumente) nochmals gedanklich durchgehen. Ohne Manuskript!
- Welches ist die Kernaussage?
- Wie vermittle ich diese Kernbotschaft dem entsprechenden Publikum, damit sie ankommt?
Link:

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  1. Vorbereitung unter Zeitdruck

    Das bedingt eine besondere Vorbereitung, die auch unter Zeitdruck beherrschen weren müssen. Links zum Thema: Antizipieren, Zeitmanagement ... www.rhetorik.ch/Vorbereitung/Vorbereitung.html - Cached - Similar

2. KURZ VOR DEM AUFRITT


Sich lockern


Entspannt



Muskeln lockern - Kiefer - Zunge - Gesicht. Evt. auf die Brust trommeln.



3. NATUERLICH BLEIBEN


Sich nie so benehmen, wie man meint, dass es andere von mir erwarten. Niemanden imitieren.

Link:

  1. Natuerliche Kommunikation

    Kommunikation, Training, Natuerlichkeit Auftritt, Reden, Weiterbildung. www.rhetorik.ch/Natuerlich/Natuerlich.html - Cached - Similar
  2. [PDF]

    IST NATÜRLICHES KOMMUNIZIEREN LERNBAR?

    File Format: PDF/Adobe Acrobat - View as HTML Spiegels Video – sehr schnell, dass natürliche ... Willkommen im Simulator: Natürlich kommunizieren? ... ernst ist – alles andere als natürlich ist. Die ... www.rhetorik.ch/Aktuell/05/06_22/06_2005_black.pdf - Similar


4. KEINE NEBENGEDANKEN



Viele überlegen sich, wohin mit den Händen. Weder an die Hände noch die Augen denken. Denken Sie an das Denken und sprechen Sie das Gegenüber an (einzelne Personen im Publikum). Wenn Sie ganz bei der Sache sind, können Sie sich unzählige Fehler leisten. Wer authentisch bleibt und adressatengerecht spricht, überzeugt.


5. EINE GEWISSE GRUNDSPANNUNG IST NOTWENDIG



Mit der Grundspannung ist der positive Stress gemeint. Wer jedoch Angst hat, nimmt sich eigentlich zu wichtig. Die Zuhörer setzen sich in erster Linie mit dem Inhalt der Botschaft auseinander. Nur Referenten, die verkrampft sind und sich sonderbar verhalten, werden zum Thema. Wer keine Spannung mehr hat, wirkt spannungslos, ist lendenlahm.


 
Vorwort für die Teilnehmer des bevorstehenden Intensivseminares:




Sie haben vielleicht schon Kommunikationsseminare besucht und kennen nicht nur die Grundlagen der Medienrhetorik und der Antworttechniken. Sie haben möglicherweise auch persönlich bereits konkrete schwierige Situationen vor Mikrofon und Kamera erlebt. Erfreulicherweise kann ich Sie für das bevorstehende Seminar entlasten. Weshalb?
Ich bin sicher: Die neuen Situationen im Medienseminar werden Sie vor allem deshalb leichter bewältigen, weil Sie die wichtigsten Werkzeuge kennen lernen, die Ihre Kommunikationsprozesse auch im Alltag vereinfachen:
Vor jedem Auftritt, jeder neuen Herausforderung werden Sie die Situation stets klären und Sie werden somit auch keine Hemmungen mehr haben, vor der Aufnahme Klärungsfragen zu stellen.
Weil Sie künftig nie mehr das o.k. zu einem Interview geben, ohne dass Sie sich physisch gelockert haben (Bin ich am Boden gut verankert? Sind alle Muskeln locker, entspannt? Atme ich ruhig und tief?) und Sie die negativen Folgen der Verkrampfung oder der Unterdrückung des Druckes erlebt haben haben Sie Bodenhaftung und werden in keine Falle tappen.
Weil sie ihre Kernbotschaft adressatengerecht abrufen, können und Sie stets gut vorbereitet sind. Denn Sie wissen bereits, dass Sie in Ihrem Fachgebiet ein kompetenter Spezialist sind und Sie vor jedem Auftritt die denkbaren Fragen antizipiert haben, die in der Luft liegen.
Weil sie sich nie mehr so benehmen, wie Sie meinen, dass es die andern von Ihnen erwarten.
Weil Sie nicht mehr beim Reden unnötigerweise an Ihre Augen, Hände oder Körpersprache denken, sondern sich nur noch aufs Zuhören und Denken konzentrieren. Das entlastet Sie enorm!
Weil Sie erfahren haben, das Authentizität heisst: Natürlich bleiben d.h. sich selbst sein dürfen!
Das kommende noch anspruchsvollere Seminar wird für Sie somit wesentlich einfacher werden als die letzten Coachings. Denn:

Sie können sich von allen Nebengedanken entlasten.



Damit wird es Ihnen auch leicht gelingen, sich im Mediensimulator auf der AU den ganzen Tag auf das WESENTLICHE zu konzentrieren. Ich wiederhole unser Motto:

In erster Linie konzentriert ZUHOEREN - WARTEN - DENKEN und sich hernach voll und ganz auf die Antwort fokussieren (Diese besteht immer aus nur einem Kerngedanken, der visualisiert werden muss). Das Publikum kann dadurch Ihren einfachen Gedanken sehen, greifen und damit besser begreifen.
Das Ausbildungsteam freut sich auf den spannenden Tag mit Ihnen. Bis bald!
Schwerpunkte und Fragen, die uns beschäftigen werden:
* Auf was legen Journalisten bei Befragungen besonderen Wert?
* Explorationstechniken
* Welche Stolperfallen gibt es bei unerwarteten Fragen?
* Wie kann sich eine Institutionen vor Falschaussagen schützen?
* Wie kann ich Druck und Lockerheit unter einen Hut bringen?
* Und noch einmal: VEREINFACHEN ohne zu VERFAELSCHEN! Konkret ANTWORTEN und dennoch bewusst LENKEN
Schwerpunkte beim Präsentieren:
* Bei Charts REDUZIEREN, REDUZIEREN
* Texte mit Bildern verknüpfen
Lesen Sie in rhetorik.ch den Beitrag (Navigation über das Inhaltsverzeichnis ABC) oder über die direkten LINKS:


  1. Präsentation

    Dialogisch präsentieren, Partner wechseln. Lautstärke, Je nach Situation unterschiedlich laut reden. ... Präsentieren heisst immer Mitempfinden. ... www.rhetorik.ch/Praesentation/Praesentation.html - 17k - Cached - Similar pages

  2. WICHTIGES erkennen

    Das Wichtige wurde nicht entsprechend präsentiert. ... Auch die Medienrhetorik bestätigt: Aussagen gilt es so zu präsentieren, dass das WESENTLICHE erkannt ... www.rhetorik.ch/Wichtig/Wichtig.html - 14k - Cached - Similar pages
und unter Rhetorik AKTUELL (11. Juni 08):

rhetorik.ch aktuell: Sinnvoll Kommunizieren

Sinnvoll Kommunizieren. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Wortwirkung · Wort und Bild. Wer so schreibt oder so redet, dass man das Gesagte mit den äusseren ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html - 6k - Cached - Similar pages


Hausaufgabe:
Es wäre hilfreich, wenn Sie - falls möglich - ein Beispiel eines gelungenen Auftrittes mitbringen könnten. Ueberlegen Sie sich auch noch vor dem Seminar, wann und wo Sie demnächst ein Kurzreferat gehalten haben (Adressaten und Thema) --> Ueberlegen Sie: Warum hatten Sie Erfolg?
Bis bald!
Mit herzlichen Grüssen
Marcus Knill



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Anstelle einer ausgedruckten Dokumentation erhalten Sie hier einen
Internetbeitrag zum nachträglichen Studium:
Die STIMME beSTIMMT die STIMMUNG ________________________________________
von Marcus Knill
Bei der Wirkung und beim Phänomen des Ueberzeugens spielt die Stimme (der TON) eine zentrale Rolle. Bekanntlich gilt: "C'est le ton qui fait la musique". In Abänderung des Spruches "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" darf gesagt werden: "Die Stimme sagt mehr als viele Worte". Die Stimme (ohne Bild), beispielsweise am Telefon oder im Radio weckt erstaunlich viele Vorstellungen. Bei Zuhören werden Bilder geweckt. Nach der amerikanischen Wissenschafterin Sarah Partan sind auch bei der Tierwelt Laute wichtiger als körpersprachliche Signale.
Stimme und Glaubwürdigkeit



(Quelle des Bildes: Knill, Marcus: ,Beeinflussung-Manipulation-Propaganda)
Wahrscheinlich hat Hillary Clinton die Wahl mitunter verloren, weil ihre Stimme scherbelt. Obamas Stimme hingegen klingt wie Musik. Wenn es um Ueberzeugungsprozesse geht, spielt die Stimme eine zentrale Rolle. Spezialisten behaupten, dass die Stimme uns enorm viel verrät. Sie ist wie ein Lügendetektor.
Kriterien der Stimme
Nebst dem Klang sind es:
- Resonanz (wir können die Resonanzebene einordnen)
- Modulationsbreite (Kann gemessen werden)
- Atmungsgeräusche (sind am Mikrofon gut hörbar - Atemnot, Kurzatmung, Spannung)
- Registerübergänge
- Kieferöffnungsweite ( eng - signalisiert oft Stress - Spannung)
- Lippenspannung
Ich habe als Assistent bei Phoniater Dr. D. Padovani erkannt, dass sich psychische Befindlichkeiten auf die Stimmung und damit auch auf die Stimme auswirkt.



3D Diagramm der Stimme
Generell darf gesagt werden: Monotonie bei der Stimme ist nicht nur langweilig. Die monotone Stimme ist "tödlich" bei allen Dialogen und Präsentationen.
Der STIMMKLANG setzt sich zusammen aus:
LAUTSTERKE (laut/leise)
INTENSITAET (stark betonend, zurückhaltend) --> dynamischer Akzent
TONFALL (hoch/tief)
TEMPO (schnell/langsam)
TAKT (Rhythmus) ---> Rhythmischer Akzent
TONART (fröhlich, offen, melancholisch, traurig, getragen)
Beim Coaching achten wir darauf dass die natürliche Stimmlage nicht verstellt wird. Wir müssen die persönliche Indifferenzlage herausarbeiten Messungen zeigen, dass in Stresssituation die Stimme bis zu einer Oktav nach oben springt. Bei einer Verstärkeranlage, im Radiostudio oder am Telefon ist es wichtig, dass wir im Kammerton sprechen und nicht so, als müssten wir auf dem Kasernenhof ohne Verstärkeranlage schreien.
Etwas von Wichtigsten ist der Start


Locker geerdet dastehen oder sitzen und lernen wie man eine Vollatmung macht. Viele Redner machen atmen falsch (Hochatmung).
LINKS:

  1. rhetorik.ch aktuell: Die Stimme als Marke

    21. Mai 2006 ... Wahrnehmungstests zeigen, dass die Stimme einen wichtigen Beitrag zur Kommunikation leistet. Bei Präsentationen vor einem Publikum trägt sie ... www.rhetorik.ch/Aktuell/06/05_21.html - Cached - Similar pages
  2. Kraftvolle Stimme - vage Aussagen

    Kraftvolle Stimme - vage Aussagen. von Marcus Knill. Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der ... www.rhetorik.ch/Aktuell/06/08_06/persoenlich.html - Cached - Similar pages
  3. rhetorik.ch aktuell: Kraftvolle Stimme - vage Aussagen

    2. Aug. 2006 ... Dazu kam, dass Doris Leuthard mit lauter, kraftvoller Stimme (ständig "mit Power"- ohne Variationen) sprach. Die Lautsprecher standen vor ... www.rhetorik.ch/Aktuell/06/08_02.html - Cached - Similar pages
  4. rhetorik.ch aktuell: Reden mit heiserer Stimme

    Kommentar: Christoph Blocher hätte mit der kaputten Stimme besser nicht geredet und die Sendung verschoben. Der Auftritt der Ehefrau war auch nicht ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/01_13/index.html - Cached - Similar pages
  5. Menschenkenntnis

    Äusseren Merkmalen wie Mimik, Stimme, Körpersprache, oder Gesichtszügen wird .... Blick, Gestik, Stimme und Mimik stimmen überein und der Körper spricht ... www.rhetorik.ch/Menschenkenntnis/Menschenkenntnis.html - Cached - Similar pages
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Zur KOERPERSPRACHE



LINKS:

  1. Blickkontakt als Kommunikationsbrücke

    7. Jan. 2007 ... Die wilde "Scheibenwischertechnik", bei der ein Redner sich bemüht, möglichst alle Leute anzuschauen, indem der Blick ständig hin und her ... www.rhetorik.ch/Blickkontakt/Blickkontakt.html - Cached - Similar pages
    1. Menschenkenntnis

      Äusseren Merkmalen wie Mimik, Stimme, Körpersprache, oder Gesichtszügen wird viel Bedeutung zugemessen. Verraten Signale, wie Menschen tatsächlich sind? ... www.rhetorik.ch/Menschenkenntnis/Menschenkenntnis.html - Cached - Similar pages
    2. Erster Eindruck

      15. März 2007 ... In vielen Ratgebern wird der Kleidung, Frisur und Körpersprache grosse Bedeutung zugemessen, davon ausgehend, dass das Äussere bedeutende ... www.rhetorik.ch/Erstereindruck/Erstereindruck.html - Cached - Similar pages
    3. Ist Menschenkenntnis lernbar?

      10. Aug. 2000 ... Wenn wir offene Sinne und ein waches Auge für die Signale und Kommentare unserer Körpersprache haben, können viele Gespräche und Begegnungen ... www.rhetorik.ch/Menschenkenntnis/Menschenkenntnis1.html - Cached - Similar pages
    4. rhetorik.ch aktuell:

      8. Juni 2003 ... Diese neue Analyse der Körpersprache des bekannten Politikers ... In der Regel ist die Körpersprache tatsächlich aussagekräftiger und ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jun_08_2003.html - Cached - Similar pages
Zur Körpersprache einer Kanzlerin:

Politikerportraits

Politikerportraits. ... Ausstellungstext, Politiker Portraits, DRS2, 1. November 2008, Redaktion: Karin Salm. Ausstellung im Museum für Gestaltung in ... www.rhetorik.ch/Politikerportraits/Politikerportraits.html - Cached - Similar pages


Anstatt die Körpersprache zu trainieren:


Trainieren Sie Ihre Wahrnehmungsfähigkeit mit folgender BEOBACHTUNGSUEBUNG

1. Schritt:

 


Beobachten Sie eine andere Person genau, wie sie geht, sitzt oder steht!
2. Schritt:



Fragen sie sich: Welcher Eindruck, welche Wirkung, hat die Körperhaltung der Person, deren Körperhaltung sie beschrieben haben?
3. Schritt:



Ziehen sie Schlüsse daraus. Damit sie die Einstellung dieser Person besser nachvollziehen können, ahmen Sie die Stellung dieser Person bewusst nach. Sie werden möglicherweise auf diese Weise herausfinden, mit welcher Einstellung die beobachtete Person kommuniziert. (Die Einstellung wirkt sich bekanntlich auf die Stellung des Körpers aus und umgekehrt!)
4. Schritt:



Diese Selbstbeobachtung dürfen Sie keinenfalls während eines echten Auftrittes oder eines echten echten Dialoges machen (Sie wären sonst nicht mehr 100 prozentig beim Kommunikationsprozess)! Beobachten sie ab und zu ihre Körperhaltung:
FUESSE
BEINE
BECKEN
RUMPF
ARME
HAENDE/FINGER
KOPFHALTUNG




Dank dieser Ueberprüfung erkennen sie rechtzeitig allfällige negative Verhaltensweisen und können so ihre Haltung immer wieder selbst korrigieren, bevor sie sich Negatives angewöhnt haben.


Gute Erfahrungen hatte R.B. mit folgendem Handlauf gemacht. Er gilt für alle Auftritte:


*********

1. INTERESSE wecken (entspricht unserer These "Der Wurm an der Angel ist nicht für den Fischer wichtig sondern für die Fische").
2. UM WAS GEHT ES? (Jedes Gespräch, jede Präsentation hat ein Ziel, jede Vorlesung hat eine Struktur).

3. BEGRUENDUNG (Es geht um die Argumentation, die überzeugen, die einleuchten muss).
4. BEISPIEL (Aus der Praxis, der Erfahrung, dem Alltag wird ein Beispiel erzählt). 

**********
GENERELL GILT: Rede frei mit den eigenen Worten!!


Diesen Handlauf kann ich bestens empfehlen. Er hat sich in der Praxis bewährt.

Sonntag, 12. Juni 2011

Wie wichtig sind die Einschaltquoten?



Bei allen Medien besteht ein Spannungsfeld zwischen Medien und Qualitätsanspruch.

Auf der einen Seite will jedes Medium Beachtung und Einschaltquoten, zumal sich die Werbeeinnahmen an den Einschaltquoten orientieren. Auf der anderen Seite  sind die öffentlich - rechtlichen Sendestationen dem Service public verpflichtet. Sie müssen auch Minderheiten berücksichtigen und viele Journalisten wollen sich nicht in erster Linie nach dem Publikumsgeschmack richten, weil  sie den Qualtitätsanspruch höher gewichten als den Geschmack der Massen.


Ich zitiere 20 Min:


Quoten fallen beim SF auf Rekordtief

Beim Schweizer Fernsehen schalten immer weniger ein: 2002 lag der Marktanteil noch bei 35 Prozent, inzwischen ist er auf rund 29 Prozent gesunken. Vor allem Informationssendungen haben es schwer.


storybild

Im April und Mai hat das Schweizer Fernsehen die tiefsten Quoten seit die Zuschauerzahlen erhoben werden verzeichnet.


(Bild: Keystone)



Das Schweizer Fernsehen kämpft gegen einen massiven Verlust an Zuschauern. In den Monaten April und Mai lagen die Marktanteile bei 29,2 und 29,8 Prozent. Das sind die tiefsten Werte, seit die Zuschauerzahlen erhoben werden, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt.
Unter Fernsehdirektor Peter Schellenberg kletterte der Marktanteil im Jahr 2002 bis über 35 Prozent; in der Zeit seiner Nachfolgerin Ingrid Deltenre hielt er sich im Bereich von 34 Prozent. Der neue Direktor von Radio und Fernsehen, Rudolf Matter, sieht sich mit dem Problem konfrontiert, dass die Informationssendungen des Fernsehens auf immer weniger Aufmerksamkeit stossen.
Dieser Trend setzte schon vor einiger Zeit ein. Die Hauptausgabe der «Tagesschau» wurde vor wenigen Jahren täglich von gegen einer Million Zuschauern gesehen, heute verfolgen noch um die 600 000 Personen das Programm. In einem ähnlichen Ausmass verlieren «10 vor 10», «Kassensturz», «Rundschau», «Arena» und weitere Sendungen Zuschauer. Das Schweizer Fernsehen verweist auf die gestiegene Nutzung seines Informationsangebots im Internet.



Kommentar:

Ich reiche die Frage der Leserschaft weiter: Was glauben Sie, was das Fernsehen tun müsste um aus dem Quotentief herauszukommen? Schreiben Sie mir Ihre Meinung auf k-k@bluewin.ch
Ich werde die Empfehlungen später publizieren und meine Meinung anfügen.

Ein nennenswertes Echo, das ich erhalten habe:

Wegen der Einschaltquoten: Was die Tagesschau betrifft, hat die NZZ komplett unterschlagen, welche Marktanteile dieses Sendegefäss tatsächlich  hat. Ueber 50%. Wenn also im April und Mai nur 600‘000/700‘000 Zuschauer die TS geschaut haben, dann hat das auch mit dem überdurchschnittlich schönen Wetter zu tun. In solchen Monaten ist nicht die absolute Zahl entscheidend, sondern der Marktanteil. Aber das hat der NZZ (und offenbar 20Min) ausgeklammert. Bei den einen Sendungen argumentiert man mit Marktanteilen und bei den anderen mit absoluten Zahlen. Je nach  (Negativ-)These, die man in einem Artikel zum Ausdruck bringen will. Aber es ist ganz klar, die Zeiten, als die Tagesschau 60 und mehr Prozent Marktanteile hatte, die sind definitiv vorbei. Das hat nichts mit der Sendung ans sich,  sondern mit den Nutzungsgewohnheiten zu tun.

Freitag, 10. Juni 2011

Was war das Ziel dieser Aktion?


Ich zitiere WELT online:


Nationalspielerinnnen schießen im "Playboy" scharf

Schweres Image: Über Fußballerinnen gibt es viele Vorurteile. Zum Beispiel, dass sie alle hässliche Mann-Weiber seien. Jetzt ist der Gegenbeweis da.
Von wegen Frauen-Fußball ist nicht sexy. Das haben wieder einmal fünf Spielerinnen in der aktuellen Ausgabe des „Playboy“ kurz vor dem Startschuss zur Fauen-WM bewiesen.


Aus salzburg 24:


Deutschlands Fußball-Nationalspielerinnen im Playboy

Deutschlands Fußball- Nationalspielerinnen im Playboy

 


Kurz vor dem Startschuss ziehen sich "Deutschlands schönste Fußball- Nationalspielerinnen" für den Playboy aus.




Wenn mir die Frage gestellt wird, ob diese PR Aktion der Frauenfussballerinnen geschickt war , so stelle ich die Gegenfrage: Was war das Ziel dieser Sexybilder-Aktion?
Bei allen Imageaktionen geht es um das ZIEL.


Ich zweifle daran, dass der Frauenfussball mit solchen Bildern aufgewertet wird. Im Gegenteil. Anstatt den Frauenfussball dem Männerfussball gleichberechtigt auszuüben, schaden diese Bilder diesem Gedanken und die Frauen reduzieren sich selbst auf das Bild Sexobjekte.


Der Berater der Mädchen hat es wahrscheinlich gut gemeint und sich vorgestellt, er könne mit diesen Aufnahmen das Image der "Mannweiber" aus der Welt schaffen (typische Frauenfussballerin!).
Es war ihm aber nicht bewusst, dass er dem Frauenfussball einen Bärendienst erweist, wenn er die Spielerinnen als Sexygirls vermarktet. Ich zweifle daran, dass mit dieser Werbeaktion dem Frauenfussball geholfen wird.


PR und Marketingprofis überlegen sich vor jeder Aktion:
Was ist das Ziel der Aktion?


Geht es nur darum, Aufmerksamkeit zu wecken?
Will ich, dass das Image "Frauenfussball" verbessert wird?
Möchte ich den Frauenfussball fördern?




Nach meinem Dafürhalten gibt es dank dieser Playboy- Aktion nicht mehr Zuschauer an den Spielen.


Im Gegenteil: Der Frauenfussball wird einmal mehr auf das Geschlecht reduziert. Die Aktion ist kontraproduktiv und wird zum Bumerang d.h. sie schadet dem Frauenfussball als Sport.
Ich zitiere Tagi - online und in der Basler Zeitung:



«So schiessen die Frauen ein Eigentor»

Von Sebastian Rieder. Aktualisiert um 12:39 Uhr
Kaum eine Kampagne in Deutschland, die kurz vor der Fussball-WM ohne Nationalspielerinnen wirbt. Fünf davon zeigen sich auch im «Playboy». Ein Fehler, findet Kommunikationsprofi Marcus Knill.
1/6 Freizügig wie noch nie: Das Fussballerinnen-Quintett auf dem Cover des deutschen «Playboy».
Bild: Keystone

   


Marcus Knill, Inhaber der Kommunikationsfirma «Knill+Knill».

Die Fussballerinnen, die für den Playboy in nassen Retro-Shirts und ohne BH posierten, wollen ihren Auftritt nutzen, um mit alten Vorurteilen aufzuräumen. «Leider herrscht das Klischee, wir seien Mannsweiber, immer noch vor. Doch auch Fussballerinnen können sexy sein – das haben wir mit diesem Shooting bewiesen», sagte Selina Wagner vom VfL Wolfsburg gegenüber der «Bild»-Zeitung. «Warum sollen wir uns verstecken? Wir wollen zeigen, was wir haben», pflichtet ihr Julia Simic vom FC Bayern bei.
Dass freizügige Fotos der richtige Weg sind, um den Frauen-Fussball langfristig populärer zu machen, glauben aber nicht alle Spielerinnen der DFB-Auswahl. Fatmire Bajramaj, die an der Fifa-Gala zu den Nominierten für die Spielerin des Jahres gehörte, erteilte dem «Playboy» eine Absage. Sie weiss aber, dass das Optische im Frauen-Fussball eine Rolle spielt: «Viele gucken sich nun mal die Spiele an und sagen: Die ist hübsch, die ist nicht hübsch. Statt zu sagen: Die spielt gut, die nicht so.»


«Frauen werden zu Sexobjekten reduziert»


Der Schweizer Kommunikationsprofi Marcus Knill geht noch einen Schritt weiter. «Mit dieser Strategie schiessen die Frauen ein Eigentor. So werben sie nicht für den Frauen-Fussball, sondern werden zu Sexobjekten reduziert.» Knill, der viele Spitzensportler mitunter auch Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann im medialen Bereich beraten hatte, glaubt auch nicht, dass wegen der «Playboy»-Kampagne mehr Zuschauer in die Stadien strömen werden. Die taz folgt Knills Argumentation. «Die Spielerinnen im ‹Playboy› haben sich entschieden, nicht als Fussballerinnen in Erscheinung zu treten, sondern als reine Männerfantasie: halb nackt bei der gegenseitigen Massage oder fidel am Flussufer», schreibt die Zeitung.




Auch Katharina Witt und Christina Surer zogen sich für den «Playboy» aus




Die Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Schaaf von der Sporthochschule Köln stellt sich dagegen hinter den Entscheid der Fussballerinnen, sich freizügig im Männermagazin zu präsentieren. «Bei der Vermarktung von Frauen im Sport geht es um drei Dinge: Bekanntheitsgrad, Medienpräsenz und hohe physische Attraktivität mit Sexappeal», so Schaaf im österreichischen Fussballmagazin «Ballesterer» (Artikel online nicht verfügbar). Die deutschen Nationalspielerinnen sind längst nicht die einzigen Athletinnen, die für den «Playboy» die Hüllen fallen liessen. Vor ihnen taten dies unter anderem die Schweizer Autorennfahrerin Christina Surer, die deutsche Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katharina Witt und die US-Tennisspielerin Ashley Harkleroad.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)


Kommentar: Wenn es der Kommunikationsspezialistin der Sporthochschule vor allem um Medienpräsenz geht und darum attraktiver Frauen mit Sexappeal darzustellen, so hat  diese  Kampagne das Ziel erreicht. Das allein kann es aber nicht sein.
Nach meinem Dafürhalten greift jedoch diese Botschaft allein zu kurz. Beim professionellen Botschaftenmanagement könnten sich die Sportlerinnen auch ohne Playboyfotos in Szene setzen und ohne sich auszuziehen. Sie könnten Aufmerksamkeit wecken, ohne dass die Sportlerinnen auf ein Sexobjekt reduziert werden. In der Werbung braucht es mehr Aufwand, wenn die Verpackung mit der Werbebotschaft übereinstimmen muss. Mit einem Gag allein ist es leider noch nicht getan. Meine Kritik zielt nicht gegen freizügige Aufnahmen von Frauen. Doch geht es um den Kontext dieser Aufnahmen. Es geht vor allem um die Frage: Fördert diese Kampagne das positive Image des Frauenfussballs? Hat die Bevölkerung dank dieser Bildern mehr Interesse an den Spielen?


Spannend sind die Kommentare der Kommentatoren im Tagi. Sie zeigen, dass Soziologe Kurt Imhof recht hatte mit der These: Weil Zeitprobleme oft  komplex und anspruchsvoll sind und die Bevölkerung  bei vielen anspruchsvollen Zeit - Fragen verunsichert ist, (das hat sich auch beim Fall Kachelmann gezeigt), schätzt man es angeblich, wenn man bei einfachen Fragen, bei  Schwarz-Weiss Problemen  mit diskutieren darf. Solche einfache Themen finden deshalb bei den Medien eine so grosse Beachtung. Bei Jörg Kachelmann gab es bei den Frauen zwei Pole: Die Fans und die Gegnerinnen des Fernsehmannes. Bei der Thematik "Werbung für den Frauenfussball mit Sexybildern" zeigt sich ein ähnliches Phänomen: Weil das Differenzieren beim Botschaftenmanagement schwer fällt, ist es einfacher, sich auf eine oder andere Seite zu schlagen und in Ermangelung von Argumenten - lieber mit einem Rundumschlag -  den Vertreter der Gegenmeinung persönlich anzugreifen.  

Donnerstag, 9. Juni 2011

Kachelmann und die Medien




Als ich gestern die Podiumsdiskussion am 8. Juni im Kaufleutefestsaal in Zürich besuchte, befürchtete ich, dass beim Themenkreis Kachelmann/Medien lediglich alles nur nochmals aufgewärmt und wiederholt wird, was bislang bereits im Pressewald ausführlich geschrieben  und kommentiert worden ist

Doch die profilierten Referenten (Peter Studer, Medienrechtler, Kurt Imhof Soziologieprofessor Uni ZH, Peter Rothenbühler, Edipress und Thomas Knellwolf, Autor) beleuchteten einige neue erwähnenswerte Gedanken. Beispielsweise:



Weshalb die Gerichtsberichterstattung eine so starke mediale Verbreitung gefunden hat, wurde mit folgender aufschlussreichen These begründet:
Bei komplexen Themen über Politik, Energie, Finanzen ist die Oeffentlichkeit verunsichert und orientierungslos. Die Frage der Finanzkrise in Griechenland oder der Ausstieg aus der Kernenergie wird ständig neu beurteilt. Positionen werden ständig gewechselt. Es scheint bei Sachfragen keine eindeutige Antworten mehr zu geben. Beim Kachelmannprozess hingegen kann sich der Medienkonsument auf ein Schwarz-weissdenken auf Gut und Böse beschränken und wird so bei dieser trivialen Geschichte nicht überfordert. Er kann mitreden und zeigt auch reges Interesse daran.


Kurt Imhof wies auf ein anderes Phänomen hin, das mitgespielt haben könnte, bei diesem aussergewöhnlich  grossen Medienecho:
Im Geschlechterkampf kam es zu einem interessanten Kippeffekt. Nach dem Patriarchat folgte die Phase des Feminismus und in jüngster Zeit kippt es nun wieder zurück. Stichwort: Männer wehren sich jetzt für ihre Rechte.
Es könnte somit durchaus sein, dass dieser Kippeffekt im Geschlechterkampf mitgespielt haben könnte, dass sich Männer und Frauen bei der Story so angesprochen fühlten und Partei ergriffen  für die eine oder andere Seite.

Was die Diskussionsrunde generell ergeben hat:
Beim medialen Tribunal gab es Rechtsverletzungen auf beiden Seiten.
Der Kampagnenjournalismus schwappt immer mehr auf neue Titel über. Früher war es nur die Regenbogenpresse, die Themen wie Sex, Blut, Tränen beackert hatten. Bei Kachelmann nahmen nun auch andere Titel wie beispielsweise "Zeit" und "Spiegel" Partei für oder gegen Kachelmann und nahmen auch keine Rücksicht mehr auf Persönlichkeitsverletzungen. Eine Berichterstattung verpflichtete  sich früher in diesen Blättern  nie der Verteidigung für einen Akteur.
In zahlreichen Medien wurde allgemein der journalistische Codex verletzt.
So wurden Exklusivinterviews von Zeugen bezahlt.
Medien machten für oder gegen eine Partei Stimmung.
Vor allem kam es zu Verletzungen von Persönlichkeitsrechten. Betroffene wurden rücksichtslos und zynisch behandelt.
Ungeheuerlich war die Bewirtschaftung der einzelnen Positionen.

Jörg Kachelmann kehrt heute - nach der Freispruch - den Spiess um und nutzt nun  als Medienprofi seine Erfahrung hundertprozentig aus.
 Er beschimpft jetzt im Twitter  Journalisten und jagt sie jetztselbst, gleichsam als Paparazzi.
Er liess sogar über sich Filmchen herstellen und verkaufte sie.

Fazit: Die Aufgabe der Medien müsste künftig vermehrt darin bestehen, über einen Prozess reflektiv , über die Fakten zu berichten. Der Schutz der Persönlichkeit sollte vor allem viel besser gewahrt bleiben.



Ich zitiere Persönlich.com:


"Der Spiegel hat seine Glaubwürdigkeit verloren"

Unter dem Titel "Kachelmann und die Medien" diskutierte am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten eine Runde aus Journalisten, Wissenschaftlern und Medienethikern über die Besonderheiten und Auswirkungen des Falls um den Schweizer Wetterfrosch Jörg Kachelmann. Im Zentrum stand dabei die besondere Rolle der Medien. Laut Diskussionsteilnehmer Peter Rothenbühler, dem Stv. publizistischen Direktor von Edipresse, haben verschiedene deutsche Leitmedien mit ihrer Berichterstattung ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Die Story



Der Fall Kachelmann bewegt. Der Prozess rund um den im gesamten deutschsprachigen Gebiet bekannten Wetterfrosch, der von einer ehemaligen Geliebten der Vergewaltigung bezichtigt wurde, beschäftigte über ein Jahr lang Medien, Öffentlichkeit und Gericht. Vor neun Tagen kam das Landgericht Mannheim dann endlich zu einem Urteil: Freispruch.
Ganz abgehakt ist die Sache damit jedoch noch nicht: Die Ausserordentlichkeit des Prozesshergangs beschäftigt Medien und Wissenschaft weiterhin. Ausserdem ist eine Berufung der Anklage hängig.
Journalist Thomas Knellwolf, der den Fall für den "Tages-Anzeiger" vor Ort mitverfolgte, hat alle greifbaren Fakten und die Geschehnisse rund um den Prozess einem Buch zusammengefasst. Zur Veröffentlichung von "Die Akte Kachelmann – Anatomie eines Skandals" fanden sich am Mittwoch im Zürcher Kaufleuten bekannte Namen des Schweizer Mediendiskurses zum Podiumsgespräch ein, um über die Auswirkungen des "Medien- und Justizskandales", wie Knellwolf ihn in seinem Buch bezeichnet, zu diskutieren.
"Hat sich das Gericht zu Recht über die Rolle der Medien empört?" fragte Podiumsleiter Hannes Nussbaumer, Leiter des Ressorts Hintergrund beim "Tages-Anzeiger", zuerst in die Runde. Die Antwort des Plenums war ein klares Ja. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung hätten wiederholt versucht die Medien zu instrumentalisieren. Ausserdem sei mehrfach Persönlichkeitsrecht verletzt worden, meinte etwa Kurt Imhof, Soziologieprofessor und Medienexperte an der Universität Zürich. "Wir haben es mit einem medialen Tribunal zu tun, das weit über den Boulevardjournalismus hinausgeht."
 





























 Podiumsdiskussion zum Thema Kachelmann: Thomas Knellwolf, Peter Rothenbühler, Peter Studer und Kurt Imhof debattierten. Ganz rechts Gesprächsleiter Hannes Nussbaumer.



Peter Rothenbühler, ehemaliger Chefredaktor der "Schweizer Illustrierten", ging dann gleich noch schärfer mit einigen seiner Berufskollegen ins Gericht: Deutsche Medien wie "Spiegel" und "Die Zeit" haben sich nach seiner Auffassung mit der Verteidigung verbündet und sogar Empfehlungen an Herrn Kachelmann ausgesprochen, um an Informationen zu kommen. Sie hätten damit Kampagnenjournalismus betrieben. "Diese Berichterstatterinnen sind für mich disqualifiziert", sagte er. "Der Spiegel – früher bekannt für exzellente Gerichtsreportagen – hat damit seine Glaubwürdigkeit verloren."
Auch Peter Studer, Jurist und ehemaliger Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und des "Tages-Anzeiger", teilte diese Einschätzung weitgehend. Er habe grosse Unterschiede in der Berichterstattung gesehen. Die Internetportale seien dabei "sehr viel sensationalistischer" als die Printmedien vorgegangen. Gerade auch die Tamedia, das Haus, das laut Imhof den Kachelmann Prozess hierzulande eigentlich bewirtschaftet habe.

Einzelfall oder Tendenz?

Die Dosierung, die Rücksichtslosigkeit und die absolut zynische Behandlung verschiedener Akteure hätten dabei eine neue Dimension erreicht, sagte Studer weiter. Die Ausgangslage, eine "rassige Kriminalstory und Tragödie" sei eigentlich die eines altgriechischen Dramas und damit in keiner Weise neu. Warum dieser Prozess in den Medien so breitgewalzt wurde, versuchte Peter Rothenbühler zu ergründen: Er vermute, dass die meisten anderen öffentlichen Debatten zu komplex geworden seien. Lieber unterhalte man sich im Volk über Gerichtsfälle wie die um den ehemaligen Armeechef Neff, den Fall Seebach oder eben Kachelmann und urteile selbst über gut und böse. Denn das könne man eben gut mit dem Nachbarn diskutieren, ohne sich voll in die Materie reinzuknien.
Obwohl mehrfach von der Gefahr der zu grossen Einflussnahme der Medien gesprochen wurde und die professionellen "Leaks" von Staatsanwaltschaft und Verteidigung scharf kritisiert wurden, hielt das Plenum den Einfluss der Medien auf das Gericht für gering. Die ausführliche Stellungnahme des Gerichts zu diesem Thema zeige, dass sich die Richter breit informiert hätten, sagte Buchautor Knellwolf, an eine starke Beeinflussung glaube er aber nicht.

Wie weit darf man gehen?

Der spannendste und emotionalste Diskussionspunkt des Abends war derjenige der Persönlichkeitsrechte. Während Peter Rothenbühler die Auffassung vertrat, dass auch private SMS oder, wie im Fall des französischen Währungsfond Chefs Dominique Strauss-Kahn, Fotos von gedemütigten Personen in Handschellen überall abgedruckt werden dürften, sofern diese Teil der öffentlichen Diskussion geworden seien, hielt Imhof vehement dagegen. "Die Grenzen des Persönlichkeitsrechts sind weit überschritten worden. Dagegen müssen wir kämpfen!" betonte er. "Niemand gehen meine SMS etwas an." Hätte er eine Zeitung, so sollte dort zu lesen sein, wie die Gesellschaft im 21. Jahrhundert Schuld und Sühne konstruiert.
In einem waren sich dann aber alle einig: Reflektierter Journalismus, so wie in Thomas Knellwolf in seinen Artikeln für den "Tages-Anzeiger" und in seinem Buch betrieben habe, sei nötig und unterstützenswert.



Mittwoch, 8. Juni 2011

«Als Quotenzugpferd wäre Kachelmann interessant für Sender wie RTL»

 

(Zitat Tagi)

 

Wird Jörg Kachelmann ins Fernsehen zurückkehren? Experten halten dies für möglich – und sie sagen, was es für ein TV-Comeback braucht.

Erinnerung an bessere Zeiten: Jörg Kachelmann als TV-Wettermoderator im Jahr 2009.



Erinnerung an bessere Zeiten: Jörg Kachelmann als TV-Wettermoderator im Jahr 2009.
Bild: Keystone





«Er ist nicht mehr der nette und sympathische Kachelmann»: Marcus Knill, Kommunikationsexperte.





«Als Privatperson sollte Kachelmann die Öffentlichkeit im Moment nicht suchen; auch nicht in den Social Media»: Franco Gullotti, Experte für Rechtskommunikation.

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«Wollen Sie Jörg Kachelmann wieder auf der Mattscheibe sehen?», fragte die «Bild»-Zeitung, nachdem der Schweizer TV-Wettermoderator vom Landgericht Mannheim freigesprochen worden war. Und das Ergebnis der Umfrage war klar: Mehr als jeder zweite Deutsche will Kachelmann als Wettermoderator zurück. Ausserdem zeigte ein Monitoring von Ethority, einer deutschen Marketingagentur für Social Media, dass Facebook- und Forennutzer sowie Twitterer und Blogger wenige negative Kommentare über den 52-jährigen Meteorologen äusserten. Ein prominenter deutscher Medienpsychologe, Jo Groebel, erachtet ein TV-Comeback als möglich, wie er dem «Kurier» sagte, «weil Kachelmann die Öffentlichkeit braucht» – «vielleicht als Moderator einer Talkshow über persönliche Schicksalsschläge und grosse Dramen». Für eine solche Sendung sei Kachelmann geradezu prädestiniert.
Noch grösserer Promi- und Bekanntheitsstatus nach Prozess


Nach Ansicht von Experten ist der Weg zurück ins Fernsehen allerdings noch lang – sofern Kachelmann dies überhaupt möchte. «Er ist nicht mehr der nette und sympathische Kachelmann», sagt der Schweizer Kommunikationsexperte Marcus Knill im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Der Freispruch, der im Übrigen noch nicht rechtskräftig sei, habe ihn nicht reingewaschen. «Das Negativ-Image als Folge des Vergewaltigungsprozesses und der Frauengeschichten wird an ihm hängen bleiben.» Dennoch: «Die Chance ist da, dass Kachelmann nach einiger Zeit wieder im Fernsehen auftreten darf», sagt Knill. Ein TV-Comeback sei allerdings nur möglich, wenn das Verfahren in Mannheim abgeschlossen ist und nicht neu aufgerollt wird.
Laut Knill hat Kachelmann einen Promi- und Bekanntheitsstatus, der durch den international stark beachteten Prozess zusätzlich verstärkt wurde. Dieser Status sei ein Kapital, das Kachelmann nutzen könnte, um zum Beispiel ein Buch über seine Geschichte zu schreiben (Drehbuch für einen Film?). Oder er könnte wieder als Moderator für das Fernsehen arbeiten. «Als Quotenzugpferd wäre Kachelmann interessant für deutsche Privatsender wie RTL», sagt Knill. «Und die ARD, für die er gearbeitet hatte, hat eine Rückkehr nicht zum Vornherein ausgeschlossen.»


«Zahlreiche unglückliche Kommunikationsaktionen»


Franco Gullotti, Jurist und Experte für Rechtskommunikation in Winterthur, ist der Ansicht, dass Kachelmann nicht so schnell ins Fernsehen zurückkehren werde. Öffentlich-rechtliche Sender wie ARD oder grosse Privatsender wie RTL würden kaum das Risiko eingehen, Kachelmann im Moment zu engagieren. Vor allem nicht, solange der Prozess andauere. «Die beschädigte Reputation von Kachelmann könnte auf den Fernsehsender zurückfallen.» Allenfalls könnte er es bei einer kleinen lokalen TV-Station versuchen.
Es würden ein paar Jahre vergehen, bis eventuell ein Comeback bei einem grossen Sender möglich sein werde, sagt Gullotti. Dies habe auch mit «zahlreichen unglücklichen Kommunikationsaktionen» rund um den Prozess in Mannheim zu tun. Die Anwälte von Kachelmann hätten mit Nebenklagen gegen Medien immer wieder weiteren Stoff für Geschichten geliefert. Das möge juristisch Sinn machen, Kachelmanns Reputation habe es nicht geholfen. Im Gegenteil: «Diese zusätzliche und unnötige Publizität schadete Kachelmann, da er immer wieder Schlagzeilen lieferte.»


Kachelmann-Attacken auf Medien via Twitter sind «nicht klug»


Wäre er Kachelmanns Reputationsmanager, würde Gullotti dem TV-Moderator raten, sich ausschliesslich auf den Prozess zu konzentrieren, bis es zu einem letztinstanzlichen Urteil kommt. Ausserdem: «Als Privatperson sollte Kachelmann die Öffentlichkeit im Moment nicht suchen; auch nicht in den Social Media.» Genau das macht aber Kachelmann: Auf Twitter kommentiert er das Wetter. Aber nicht nur: Immer wieder attackiert er das deutsche Medienhaus Burda, das unter anderem die Zeitschrift «Bunte» herausgibt, die manche wenig schmeichelhafte Artikel über Kachelmann veröffentlichte. Diese Twitter-Attacken sind «nicht klug», sagt Gullotti. «Denn damit bleibt er viel stärker Thema in den Medien. Es ist ein Fehler, Medien gegen sich aufzubringen.»
Auch Kommunikationsexperte Knill meint, «dass Medienschelten der grösste Fehler sind, den Kachelmann in seiner Situation machen kann». Dies könnte sich kontraproduktiv auswirken. Eigentlich sei Kachelmann ein Medienvollprofi, sagt Knill. Und er verweist auf die Auftritte Kachelmanns in Mannheim. Kachelmann wisse, wie er sich in der Öffentlichkeit präsentieren müsse, denn er kenne die Wirkung von Bildern. «Alle Auftritte Kachelmanns vor Gericht schienen inszeniert. Er war immer rasiert und sauber gekleidet, stets beherrscht und gefasst. Nie wirkte er griesgrämig. Alle Auftritte waren bedacht.»


Eigene Firma Meteomedia und Radio Basel als gute Ausgangslage


Knill räumt Kachelmann gute Chancen für ein öffentliches Comeback ein. Nach einer Weile des Wartens könne er den Karriereknick Schritt für Schritt wieder wettmachen und dabei Vertrauen aufbauen. Mit seiner Firma Meteomedia habe Kachelmann eine gute Ausgangslage. Dazu komme das Engagement bei Radio Basel, das seinem Freund Christian Heeb gehört. Laut Heeb werde Kachelmann gelegentlich ein Projekt präsentieren, das sehr schnell grosse Beachtung finden werde.


Klar ist, dass Kachelmanns Weg zurück über ein besseres Image führen muss. Der Vorwurf der Vergewaltigung wird allerdings an ihm hängen bleiben, wie Gullotti sagt. Vielleicht nicht juristisch – aber als moralischer Beigeschmack. «Wer im Gerichtssaal gewinnt, verliert unter Umständen im Gerichtssaal der Öffentlichkeit.» Kachelmann habe dereinst die Chance, durch Taten sein Image zu verbessern. «Dabei sehe ich Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit in der Kommunikation als die beste Strategie, sein Image zu verbessern. Es geht darum, Schwächen oder Fehler einzugestehen», erklärt Gullotti. Ein Beispiel dafür sei Tiger Woods, der nach seinen sexuellen Eskapaden öffentlich Reue gezeigt und sich entschuldigt hat. Die Reputation des Golfstars sei weitgehend wiederhergestellt.


«Zusätzliche öffentliche Auftritte sind nicht ausgeschlossen»


Und was meint Kachelmann, dessen Comeback nach dem Freispruch Anlass für Spekulationen ist? Kachelmann schweigt wie schon im Prozess in Mannheim. Kachelmann will sich zurzeit nicht in den Medien äussern, wie sein Sprecher von der PR-Firma Farner Consulting in Zürich auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz sagte.
Unmittelbar nach der Urteilseröffnung des Landgerichts Mannheim hatte der Farner-Mann verlauten lassen, dass «Kachelmann ab sofort seine Kraft wieder ganz der Meteomedia Gruppe widmen können wird». Dazu gehörten seine Kommentare zum Wettergeschehen in Medien wie Radio Basel, Radio Primavera und Twitter. Und weiter: «Zusätzliche öffentliche Auftritte sind in Zukunft nicht ausgeschlossen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)




ZUSAETZLICHE BEMERKUNG ZUR THEMATIK COMEBACK KACHELMANNS:




Ist für ihn ein Comeback möglich?




Es hat sich immer wieder gezeigt, dass Prominente trotz Gerichtsverhandlungen und Imageeinbussen wieder zurückfanden  in den Beruf und in den Prominentenstatus.
Thomas Borer konnte die Geschichte mit der Nackttänzerin nie bewiesen werden (es konnte bis heute nicht geklärt werden, ob die Geschichte wahr ist). Es kam zum Vergleich und heute ist Thomas Borer wieder ein gefragter Berater. Den Botschafterjob verlor er.
Moderator Michael Friedmann verschwand von der Medienbühne, als ihm fragwürdige Machenschaften mit Frauen und Drogengeschichten nachgewiesen werden konnten. Dank eindeutigem Mea Culpa gelang ihm ein Befreiungsschlag. Heute  ist er wieder am Bildschirm.
Andreas Türck konnte nachweisen, dass man ihn zu Unrecht in den Schmutz gezogen hat. Doch zeigte sich in diesem Fall, dass hinsichtlich Image immer etwas kleben bleibt nach der Volksweisheit: Wo Rauch ist, ist auch Feuer. Türck wollte nicht mehr zurück. Er konnte trotz Rehabilitation getroffen werden.  



Bei Jörg Kachelmann kam es zwar zu einem Freispruch, doch ist damit nicht bewiesen, dass er die Klägerin  nicht vergewaltigt hat. Der Fall könnte weiter gezogen werden. Die Staatsanwaltschaft hat jedenfalls bereit Berufung eingelegt. Es ist somit noch offen, ob der Schaden für Kachelmann irreparabel ist, den der Monsterprozess angerichtet hat. Gibt es bei ihm einen Karriereabbruch oder nur einen Karriereknick? Alles ist offen. Ich habe Jörg Kachelmann als Medienprofi am Bildschirm erlebt. Ich habe jüngst aus zuverlässiger Quelle gehört, dass  sich Kachelmann persönlich fürchtet, dass die Geschichte neu aufgerollt wird oder irgend eine andere Frau ihn böswillig beschuldigen könnte.




Nachtrag:


«Ich habe Menschen verarscht»


Von Vincenzo Capodici.     
Jörg Kachelmann hat der «Zeit» das erste Interview nach dem Freispruch gegeben. Er spricht über seine Wut, seine Fehler, seine Pläne. Und er macht klar, dass er mit allen rechtlichen Mitteln um seine Ehre kämpft.


«Ich habe heute ein wunderbar geordnetes Berufs- und Privatleben. Ich weiss, was richtig und was falsch ist»: Jörg Kachelmann. (Ausriss: «Die Zeit»)


Die «Zeit» im Pro-Kachelmann-Lager

Jörg Kachelmann ist am vorletzten Dienstag am Landgericht Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden – gemäss dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten». In der renommierten Wochenzeitung «Zeit» meldet er sich erstmals öffentlich zu Wort. Und das ist wohl kein Zufall. Sabine Rückert, Gerichtsreporterin der «Zeit», die auch am heute erschienenen Interview beteiligt war, gehörte von Anfang an dem Pro-Kachelmann-Lager an. Und Rückert spielte auch eine zentrale Rolle, als Kachelmann Ende November 2010 seinen Verteidiger auswechselte. Der Hamburger Anwalt Johann Schwenn, der Reinhard Birkenstock ersetzte, ist ein guter Bekannter der «Zeit»-Journalistin Sabine Rückert. (vin)



 



«Ich habe nicht unbedingt an einen Freispruch geglaubt», sagt Jörg Kachelmann in einem grossen Interview mit der deutschen Wochenzeitung «Zeit» (Artikel online nicht verfügbar). Denn im Laufe des Prozesses, der Ende Mai nach über 40 Verhandlungstagen zu Ende ging, habe er den Glauben an die deutsche Justiz verloren. «Ich habe im Gerichtssaal so viel Irrationalität kennengelernt, vor allem auch von den Mannheimer Staatsanwälten, dass ich bis zum Schluss mit der menschlichen Irrationalität rechnen musste.» Er wisse nicht, ob er eine Verurteilung persönlich verkraftet hätte. Er habe jedoch viele zuvor noch unvorstellbare Dinge verkraftet. So habe er 132 Tage in Untersuchungshaft gesessen. «Unschuldig im Knast», wie er betont.

Für das «Zeit»-Interview, das sich über ganze drei Seiten erstreckt, hat sich Kachelmann auf einer Wiese fotografieren lassen. Er trägt ein offenes, rotes Holzfällerhemd, darunter ein weisses T-Shirt, und Jeans. Die Hände stecken lässig in den Hosentaschen. Kachelmann ist ein Medienprofi, der die Wirkung von Bildern kennt. Er weiss, wie er sich in der Öffentlichkeit präsentieren muss. Die Fotos erinnern an den netten und sympathischen Kachelmann, der er vor dem Mannheimer Prozess war.

«Das, was die Nebenklägerin mit mir gemacht hat – das ist kriminell»

Der 52-jährige TV-Moderator beteuert erneut seine Unschuld. Und er erklärt, weshalb er im Gerichtssaal geschwiegen habe. «Was sollte ich auch mehr sagen als die kurze Wahrheit: ‹Ich habe keinem Menschen Gewalt angetan!›» An diesem «Schwachsinn», der über ihn erzählt worden sei, habe er sich nicht beteiligen wollen. «Ich hätte an jedem Prozesstag hundertmal aufstehen und sagen müssen: ‹Das ist gelogen›.»

Im Interview gibt sich Kachelmann auch selbstkritisch und räumt Fehler ein. «Ich habe Frauen belogen und ihnen Räubergeschichten erzählt. (...) Ich habe Menschen verarscht. Es gibt keine Entschuldigung dafür.» In die Reue mischt sich aber auch Wut – Wut auf seine frühere Geliebte Sabine W. «Das, was die Nebenklägerin mit mir gemacht hat, als sie sich den Vorwurf der Vergewaltigung ausdachte – das ist keine Verarsche. Das ist kriminell.»

Kachelmann schreibt ein Buch mit dem Titel «Mannheim»

Trotz allem: Kachelmann möchte nicht resignieren und nicht auswandern. Er bleibt in der Schweiz und in Deutschland: «Ich will was unternehmen.» Neben der Arbeit in seiner Firma Meteomedia und den Engagements bei Radio Basel und Radio Primavera hat er ein konkretes Projekt. So schreibt er an einem Buch, das bald herauskommt. «Es soll den Titel ‹Mannheim› tragen. Mannheim als Sinnbild des Elends.»

Kachelmann macht klar, dass er mit allen Mitteln um seine Ehre kämpft. «Ich werde die Behauptung nicht auf mir sitzen lassen, dass ich gewalttätig gewesen sein soll.» Zivil- und strafrechtlich werde er versuchen, alle Leute zu belangen, die das behauptet haben. «Alles, was deutschen, schweizerischen und amerikanischen Anwälten einfällt, möchte ich in die Schlacht werfen.» Kachelmann klagt, dass seine über 80-jährige Mutter gelitten habe wegen der Vorwürfe von Sabine W. und dass seine Kinder in die Sache hineingezogen worden seien. Auf allzu private Fragen über die Ehe mit der jungen Frau, die er noch während des Prozesses heiratete, reagiert Kachelmann gereizt: «Das geht Sie einen Scheiss an!» Er sagt lediglich, dass sie ihm in der schwierigen Zeit sehr geholfen habe.

«Finanziell hat mich das komplett fertiggemacht»

Im Alltag bewegt sich Kachelmann sehr vorsichtig, und er hat neue Gewohnheiten entwickelt. Er fliege zum Beispiel nicht mehr mit der Lufthansa, weil er vor seiner Festnahme am Frankfurter Flughafen mit dieser Airline geflogen war – und weil die Passagiere der Lufthansa unter anderem die «Bunte» zu lesen bekommen. Kachelmann vermeidet auch Situationen, in denen er mit einer unbekannten Frau allein ist – weil jemand noch einmal derartige Vorwürfe gegen ihn erheben könnte. Und er lässt sich in Baden-Württemberg, wo Schwetzingen und Mannheim liegen, nicht mehr blicken.

Der TV-Moderator lässt durchblicken, dass er dringend Geld braucht. «Finanziell hat mich das alles komplett fertiggemacht.» Scherzend ruft er im Interview die Leserinnen und Leser der «Zeit» auf, ihm ein Seegrundstück in Kanada für eine knappe Million Euro abzukaufen. Den letzten 15 Monaten kann Kachelmann auch Positives abgewinnen. Er habe viel Zeit zum Nachdenken gehabt. «Ich habe heute ein wunderbar geordnetes Berufs- und Privatleben. Ich weiss, was richtig und was falsch ist.» Und er weiss jetzt, wer seine wahren Freunde sind, nachdem er 97 Prozent seines Bekanntenkreises verloren habe. «Es taugen nur ganz wenige, aber die taugen tierisch viel.»
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)



Dienstag, 7. Juni 2011

Berauschende Fahrt

Wir müssen uns fragen, was Menschen dazu bewegt, sich einmal so gehen zu lassen, dass sie sich nicht mehr bewusst sind, was man tut? Wenn dann Straftaten begangen werden, kommen die Täter oft glimpflich davon, weil sie angeblich nicht zurechnungsfähig waren. Ein Leser hat mir geschrieben, es lohne sich eigentlich ein Verbrechen zu begehen, wenn man vorher nur genügend getrunken habe.  


Es gibt Reisen, die sind anstrengend. Mit dem Flieger von Deutschland nach Australien, zum Beispiel. Dauert 19 Stunden – also genau so lange wie eine 600-Kilometer-Zugfahrt von München nach Rovinj, Kroatien. Zumindest, wenn man eine Reise im Partyzug zum Europäischen Springbreak gebucht hat.


Vier Tage Suff, Sex und Sonne an der Küste Istriens, nach dem Vorbild der US-Studenten, die es in den Semesterferien zum Feiern an die Strände zieht.


Rund 15 000 hauptsächlich deutsche und österreichische Jugendliche machen für ein Wochenende aus dem kleinen Städtchen DAS Partyzentrum Europas. Und Super-DJ David Guetta kommt auch.


Er reist aber nicht im Partyzug an, im Gegensatz zu den 850 Feierwilligen – aufgeteilt in 13 Waggons. Wir, die BILD.de- und BamS-Reporter, sind mittendrin.


Am Vatertag beginnt unser Abenteuer um vier Uhr in der Früh am Münchener Ostbahnhof. Schlachtengesänge weisen uns schon von Weitem den Weg zum richtigen Bahnsteig. Wir sind nicht die Ersten, die zusteigen. In den letzten zwölf Stunden hat der Zug bereits Wanne-Eickel, Dortmund, Köln oder Mannheim abgeklappert, um die Party-Verrückten der Republik aufzusammeln.
Das sieht man den Abteilen durchaus an. Kein Zentimeter Boden, an dem unsere Schuhe nicht festkleben. Die Zugtoiletten sind schnell in einem erbarmungswürdigen Zustand. Es stinkt in die Abteile hinein!
Doch das Partyabteil ist knackevoll mit kontaktwütigen Burschen auf der Suche nach dem ersten Flirt des Wochenendes.


Problem: das Geschlechterverhältnis. Auf ein Mädchen kommen acht Kerle. Melanie aus Wendlingen (18): „Am Anfang war das ja schön, so begehrt zu sein, aber langsam nervt's!" Problem 2: Viele Jungs haben bereits die Kontrolle über ihr Sprachzentrum verloren.


Dennoch wird am Ende kaum noch eine der Single-Damen alleine sein. Sogar die Zugtoiletten, dienen dem zwischenmenschlichen Zeitvertreib.


Die Sonne geht auf, der Zug bummelt träge vor sich hin. Es wird Mittag. Es wird gefeiert. Die Akteure arbeiten – Schlafen und Party im Schichtbetrieb.


Am späten Nachmittag wird das quälend. Sollten wir nicht schon längst beim Springbreak sein?
Der Zug hält  immer wieder aus den verschiedensten Gründen. Sei es, weil Trunkenbolde das Gepäck von Mitreisenden aus dem Fenster werfen. Sei es, weil urplötzlich eine Lokomotive fehlt. Sei es, weil die kroatischen Grenzbeamten undiplomatisch angetrunkenen Jugendlichen damit drohen, den ganzen Zug auseinanderzunehmen, auf der Suche nach Drogen.


Doch die Droge der 18- bis 30-Jährigen ist eindeutig der Alkohol. Kaum sind die Grenzkontrollen beendet, geht die Party weiter!



Und als die Sonne untergeht, wird immer noch gefeiert, im langsamsten Zug der Welt! Und wir fragen uns, ob für die Generation Springbreak nicht die Reise das Ziel sein könnte...



Spring Break 2011 Die geilste Party des Jahres

Nach 19 Stunden Zugfahrt ist das Ziel erreicht: das kroatische Rovinj und der Spring Break 2011


VATERTAG - SAUFTAG - SCHLAEGERTAG



Wenn stockbesoffene Männer einen Familienvater spitalreif zusammenschlagen - und er stirbt, so werden sich die Täter dank der Sebstschutzbehauptung, sie wären nicht mehr Herr der Sinne gewesen, werden die Totschläger wahrscheinlich noch glimpflich davonkommen.



(Zitate aus BILD)


Die Schläger hatten kein Erbarmen. Obwohl die Prügelei schon vorbei war, versetzte ihm einer der Verdächtigen einen Schlag von hinten. Familienvater Knut H. († 44) prallte mit dem Kopf gegen einen S-Bahnwagen. Er starb auf dem Transport ins Krankenhaus.


 Knut H. im Landkreis  wohnte Bad Doberan. Er war verheiratet, hatte zwei Kinder (17 und 16).


Es geschah auf dem S-Bahnhof Rostock-Warnemünde. Da, wo sonst sonnenhungrige Touristen an die nahe Ostsee strömen, spielte sich am Vatertag das abscheuliche Verbrechen ab.


Eine Männergruppe, zu der der später Getötete gehörte, zieht am Nachmittag mit einem klassischen Bollerwagen zum Gleis 3, die Gruppe der mutmaßlichen Täter kam mit einem einfachen Einkaufswagen, in dem die Getränke verstaut waren.


Plötzlich geraten die Gruppen aus einem völlig nichtigem Grund in Streit: Es ging darum, wer den schöneren Wagen hatte.


Es kam offenbar zur Prügelei. Dabei gehen ein 29-Jähriger sowie das spätere Opfer zu Boden, so die Polizei


Später, als die Prügelei schon vorbei scheint, schlägt der 29-Jährige noch einmal zu.


Eine Augenzeugin sagte im ZDF, sie habe die Prügelei gesehen. Nach einem Faustschlag ins Gesicht sei einer der Männer zusammengebrochen und mit dem Gesicht auf dem Bahnsteig gefallen. Menschen seien zu Hilfe geeilt. „Die haben sogar Mund-zu-Mund-Beatmung gemacht, die haben gepumpt, bis der Krankenwagen kam“, sagte die Frau.


Die vier bis fünf Angreifer fliehen nach der Tat, die andere Gruppe alarmiert einen Notarzt, der das Opfer erst noch wiederbeleben kann.


Doch zu spät: Am Abend stirbt Knut H. an einer Verletzung der Halsschlagader, die eine Hirnblutung verursachte.


Ihre auffällige Kleidung verrät die mutmaßlichen Schläger. In einem nahe gelegenen Geschäft kommen zwei der Männer Streifenpolizisten verdächtig vor, weil einer – wie von Zeugen beschrieben – ein orange-gelbliches T-Shirt und der andere eine ebenso auffällige Hose trägt. Die beiden und ein weiterer Rostocker (23, 24 und 29) werden gefasst, nach zwei Komplizen wird noch gefahndet.


Gegen den 29-Jährigen sollte noch am Freitag Haftbefehl erlassen werden. Er war zur Tatzeit betrunken, nach Angaben der Staatsanwaltschaft jedoch nicht orientierungslos.


Kommentar:  Mich interessiert Ihre Meinung, wie solch sinnloses Tun vermieden werden könnte.
Wer hat eine Idee? Schreiben Sie mir Ihre Antwort auf k-k@bluewin.ch