Bei Online - Beiträgen verbannt die NZZ offene Kommentare Die Begründung: Es würden zu viele hässige Beiträge zugestellt. Künftig wolle die NZZ Online-Redaktion dafür sorgen, dass die Journalisten bestimmen können, was korrekte Beiträge sind. Sie stellen dem Publikum die RICHTIGEN Fragen und wählen auch die RICHTIGEN Antworten aus. ist immer sonderbar, wenn jemand sicher weiss, was Sache ist.
KOMMENTAR: Diese Haltung zeigt, dass hier Medienpriester am Werk sind, die dem Populismus Parole bieten möchten. Alles unter dem Deckmantel: Nun werde sachgerechter debattiert. Dabei auferlegen die Medienmissionare all jenen Bürgern, die bislang ihre Meinung im Netz unzensiert schreiben durften, einen Maulkorb. Alles unter dem Vorwand der Fairness. In Wirklichkeit würgt jedoch die Redaktion die offene direkte Meinungsäusserung des Volkes ab.
Die Sendung muss stets neutral beiben - es gibt aber Grenzen. (Aus SRF) Die Arena versucht bei jedem Thema, eine faire Diskussion zu
ermöglichen. Dazu gehört, dass beide Seiten ihre besten Argumente
einbringen können - die Sendung selber bleibt neutral. Aber was
ist bei heiklen Fragen, wie sie sich gerade wegen Donald Trump nun
stellen? Darf die Arena etwa neutral bleiben, wenn es um Folter geht –
oder darum, den Angehörigen einer Religion weniger Rechte zuzugestehen? Moderator Jonas Projer macht klar: Nein, aus seiner Sicht darf man hier nicht neutral bleiben. Dazu wurde das Publikum befragt.
KOMMENTAR: ich teile die Meinung Projers, dass in der Sendung - auch bei heiklen Fragen - beide Meinungen eingebracht werden müssen, auch wenn sie aufeinanderprallen. Die Arena ist keine Diskussionsplattform, bei der ein Konsens gefunden werden muss. In der ARENA geht es vor allem um die Darstellung kontroverser Sichten. Es wäre unzulässig, hinsichtlich Auswahl zu manipulieren, indem beispielsweise auf der einen Seite mediengewandte Akteure aber auf der anderen Seite missliebige Teilnehmer eingeladen werden, die hilflos argumentieren. Diese Manipulation wäre kaum ersichtlich. Ein gute Moderator darf sich aber selbst - hinsichtlich der Meinungen - nicht positionieren. Er sollte aber alle Argumente kennen. Selbst wenn er für eine Partei eine Vorliebe hätte, muss er die Gegenargumente angemessen zu Wort kommen lassen. Auf keinen Fall diskutiert er mit. Wenn er provokative Fragen stellt, so gilt dies gegenüber beider Parteien. Jonas Projer zählt zu jenen Moderatoren, welche die Sendung unparteiisch moderieren. Auf beiden Seiten greift er in seiner Sendung nach, wenn ausgewichen wird. Er mahnt auch beide Seiten, wenn unfair unterbrochen wird oder er erinnert ALLE Duellanten an die Spielregeln. Wenn es jedoch um Beleidigungen oder Verstösse gegen Strafbestimmungen geht, hat die Neutralität gewisse Grenzen. Dabei könnte zwar die Gefahr bestehen, dass wenn jemand beispielsweise die Nordafrikander konkret erwähnt, die in Deutschland in der Silvesternacht Frauen belästigt hatten, dass dann dieser Redner abgestellt würde, weil diese Aussage angeblich als "rassistischen Gedankengut" geächtet werden müsste
Nach Watson war die letzte ARENA in der Auswahl der Akteure nicht ganz fair.
Ich zitiere:
"Ganz fair hingegen war das Setting nicht. Denn mit James Foley, Sprecher
der Republicans Overseas Switzerland, war nur einer der vier Gäste auf
der Seite Trumps. Mit Micheline Calmy-Rey, Klaus Wellershof, dem
ehemaligen Chefökonomen der UBS, und dem irakisch-schweizerischen
Filmemacher Samir standen dem bemitleidenswerten US-Amerikaner gleich
drei redegewandte Kontrahenten gegenüber."
Als Beobachter konnte tatsächlich verschiedentlich festgestellt werden, dass die Positionen in etlichen Sendungen zu wenig ausgewogen waren. Es dürfte nicht sein, dass in einer Runde ALLE GEGEN EINEN aufgestellt werden, so wie es bei Anne Will bei der jüngsten Sendung über die Einreisesperre von Trump der Fall war. Alle Diskutanten schlossen sich dem "Trump Bashing" an gegen einen einzigen Gesprächsteilnehmer, der Verständnis gezeigt hatte zur Haltung des neuen amerikanischen Präsidenten. Uebrigens: Die Ausgewogenheit hinsichtlich Redezeit hat die ARENA im Griff.
Anstatt offene Dialoge beizubehalten, bestimmt künftig die NZZ die Diskussionkultur im Netz Nachdem in offenen Foren vielfach mit harten Bandagen debattiert wird, hat die NZZ die Konsequenzen gezogen und schliesst gewisse Kommentarspalten. Ich zitiere die NZZ: Künftig können nicht mehr alle Artikel kommentiert werden.
Am
Mittwoch, dem 8. Februar, werden wir die Kommentarspalte auf NZZ.ch bei
den meisten Artikeln deaktivieren. Stattdessen wird es Leser- und
Autorendebatten geben. (Bild: Dominic Steinmann / NZZ)
Es
hat sich etwas aufgestaut in der Kommentarspalte von NZZ.ch. Die
Stimmung ist gehässiger geworden. Wir stellen – etwas zugespitzt – fest:
Wo früher Leserinnen und Leser kontrovers miteinander diskutiert haben,
beschimpfen sie sich immer öfter. Wir werden zunehmend als
«Systempresse» oder «Propagandaschleuder» betitelt statt auf inhaltliche
Fehler aufmerksam gemacht. In vielen Kommentaren wird nicht mehr
Information ausgetauscht, sondern in einer Absolutheit doziert, die
andere per se ausschliesst. Entsprechend schwer tun wir uns selber mit
unserer Kommentarspalte. Viele NZZ-Journalisten lesen die
Leserkommentare nicht mehr. Wir mussten darum auf diese Situation
reagieren und einen Weg zurück zu einer konstruktiven Diskussionskultur
einschlagen.
KOMMENTAR:
Weshalb wissen nur die NZZ Redaktoren, was eine richtige Debatte ist?
Die Schliessung der Kommentarspalten kommt eigentlich einer Zensur gleich und weckt ungute Gefühle. Künftig dürfen nur noch die Medienpriester bestimmen, welche Meinung korrekt ist und vertreten werden darf.
Gegen das Löschen von Beiträgen, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstossen (Persönlichkeitsrecht usw.) ist nichts einzuwenden. Wenn aber Redaktionen misslieblige Beiträge bewusst ausklammern und jene Kommentare bevorzugen, die der eigenen Ideologie entsprechen, wird es bedenklich.
Die offenen Kommentare haben auch einen positiven Effekt für die Psychohygiene der Leser. Wenn jemand Dampf in einem Kommentar ablassen kann, ist dies besser, als wenn er mundtot gemacht wird und sich der Aerger bei ihm aufstaut.
20 Min arbeitet hinsichtlich Kommentarspalten vorbildlich. Dort haben wir stets ein Abbild der Bevölkerungsmeinung. Und 20 Min lässt auch jene Beiträge stehen, die weniger zimperlich sind. Die Redaktoren zensurieren nicht wie beispielsweise der Tagesanzeiger.
Die offene Kommuniaktionskultur wird auch dort ersichtlich, wo die Leser ohne zusätzlichen Aufwand einen Kommentar beurteilen können.
Uebrigens sind die Spalten des Publikums nicht für die NZZ Redaktoren. Die Kommentare sind fürs Publikum da. Und diese werden auch von den Leserinnen und Lesern beachtet.
NACHTRAG:
Ich zitiere die Meinung eines Lesers in der FAZ:
„Zur Sache: Ich finde das Abschalten der Kommentarbereiche bzw. die
vergleichsweise starke Zensur, die manche bei politisch missliebigen
Ansichten betreiben, auch bedauerlich. Andererseits kann natürlich jedes
Presseunternehmen selbst entscheiden, was es zulässt und was nicht. Der
Leser kann das nur in der Weise sanktionieren, dass er die
entsprechende Publikation nicht mehr konsumiert, und das geschieht ja
auch.
Sie übersehen das eigentliche Problem in diesem Zusammenhang. Das Unterdrücken abweichender Meinungen, und nichts anderes ist diese
Zensur, hat dafür gesorgt, dass es keine öffentliche Meinung mehr gibt,
weil diese durch die ver-öffentliche Meinung ersetzt worden ist.
Man hält also die Dummen dumm, und versucht den Rest zu verdummen.
Sogar das Thema, mit diese Verars….. begann, kennt man genau.
Es war die Ukraine Berichterstattung. Da begann eine gemeinsames
Lügenkonzert der Medien ud jeder konnte sehen, dass die gesamte
Landschaft gleichgeschlatet war."
Auch Klein report weist auf kritische Stimmen hin:
Personen vermuten eine Zensur, wenn jene Meinungen ausgeklammert werden, die mit dem «eigenen Bild der Welt kollidieren».
«Wenn man die Kommentare in Relation zum Artikel liest, weiss man oft erst, wie die Bevölkerung wirklich darüber denkt. Dieser Realitätsabgleich fehlt dann eben, und es wird einseitig», kommentiert etwa ein NZZ-Leser. Ein anderer Nutzer schreibt: «Wir sind (wieder mal) im Zeitalter, wo Eliten meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet und müssten den gemeinen Pöbel führen.»
Zuerst
überlegen und erst nach einer Denkpause antworten. Steht jemand im
Kreuzfeuer der Medien, ist das oberstes Credo. Die Antwort muss wahr
sein – aber nicht alles, was wahr ist, muss gesagt werden.
Das Medienhaus Ringier, das
auch den «SonntagsBlick» herausgibt, entschuldigte sich bei Thomas
Borer – und bezahlte ihm Schmerzensgeld. Die Geschichte um den
ehemaligen Botschafter und seine angebliche Affäre zog riesige Kreise.
von Marcus Knill
Berichte über Skandale sind Quotentreiber in den Medien. Vor allem
der Mix aus prominenter Persönlichkeit, Sex, Fehlverhalten und Emotionen
verkauft sich gut – nicht nur in der Regenbogenpresse. Wer hat nicht
schon die Ohren gespitzt, wenn jemand eine Klatschgeschichte erzählte?
Alltagsinformationen hingegen werden von vielen nur überflogen. Als sich jüngst etwa der ehemalige CVP-Parteipräsident Christophe
Darbellay zu seinem Seitensprung mit Folgen bekannte, wurde dies
blitzartig zum Medienthema. «Darbellay wird nach Seitensprung erneut
Vater» und ähnliche Titel prägten die Berichterstattung. Die
Journalisten stellten sich die berechtigte Frage, ob der Seitensprung
und das aussereheliche Kind des ehemaligen Chefs der CVP (ausgerechnet
eine Familienpartei!) den Christdemokraten schaden könnten.
Homestory als Widerspruch
Auch ich analysierte das «Skandälchen» und kam zum Schluss: Darbellay
kommunizierte richtig. Er informierte offen und ehrlich über die
Situation. Er beschönigte nichts. Leider machte er während seiner
Präsidialzeit den verbreiteten Fehler, sich in Homestorys als besonders
fürsorglicher, liebender Vater feiern zu lassen. Deshalb steht er nun
trotz seines Schuldeingeständnisses recht unglaubwürdig da. Ich bin bei
dieser Geschichte der Meinung, dass Darbellays Fehltritt lediglich
seiner persönlichen politischen Karriere schaden wird. Die CVP handelte
richtig, indem sie zwischen Person und Partei differenzierte. Glück für
die Partei war sicherlich, dass das Präsidium unter der neuen Führung
von Gerhard Pfister einen klaren Kurs fährt.
Am Anfang die Weichen stellen
Skandalisierungen folgen bestimmten Gesetzesmässigkeiten. Wer
nachgewiesene Skandale bestreitet, beschönigt oder unter den Teppich
kehrt, beschleunigt lediglich die Eskalation. Rasche, offene
Kommunikation und Schuldeingeständnisse helfen hingegen, die
Skandalierungsspirale zu bremsen, wenn nicht sogar zu stoppen.
Entscheidend ist dabei vor allem die erste Reaktion. Den wenigsten ist
aber bewusst, wie man mit den ersten Worten die Weichen richtig stellen
kann. Generell kann festgestellt werden, dass sich die Skandalierten in
der Regel als Opfer fühlen und am Anfang meist falsch handeln. Wer
gleich bei der ersten Anfrage den Kopf verliert und sich provozieren
lässt, wird keinen Erfolg haben. Es ist aber auch völlig falsch,
abzutauchen, im Glauben, alles gehe schon vorbei, bald würde eine andere
Sau durchs Dorf getrieben. Dennoch dementieren viele Betroffene Fakten,
lügen und stellen sich damit zwangsläufig selbst ein Bein.
Die Affäre Borer
Die Grundmuster der Skandale in den Medien sind ähnlich: Die Medien
stellen den Sachverhalt einer bestimmten Richtung folgend dar. Aus einem
Gerücht wird ein nachvollziehbares Bild entwickelt, in dem Emotionen
dominieren. Das Beispiel von Thomas Borer ging in die Mediengeschichte
ein. Die Story um die angebliche Affäre mit einer Nackttänzerin
eskalierte Schritt für Schritt. Titel wie «Borer und die nackte Frau»
oder «Was geschah in der Botschaft?» prangten in grossen Lettern auf den
Titelseiten. Der Diplomat machte bei der angehenden Skandalisierung genau das, was
nach dem mittlerweile verstorbenen Mediensoziologen Kurt Imhof nie
gemacht werden darf: Sich sofort über die Geschichte auslassen. Borer
hätte den ganzen Wirbel verhindern können mit der eindeutigen Antwort:
«Das ist eine private Angelegenheit!» Wäre nachher dennoch etwas
publiziert worden, hätte er erfolgreich klagen können. Imhof wies damals
darauf hin, dass der Skandalierte zwar nicht dementieren dürfe, wenn
eine Geschichte stimme, dass er den Sachverhalt aber nicht diskutieren
müsse. Wenn er sich auf das Medienspiel einlasse, sei es im Nachhinein
für jeden Befreiungsschlag zu spät. Anders sah das ein Kommunikationsberater von Thomas Borer. Noch bevor
er für ihn arbeitete, sagte er einst in der NZZ: «Liegt ein schwerer
Angriff vor, ist alles abzustreiten oder dann, wenn es gegeben ist, kurz
und sofort zu erwidern.» Dies Sicht gilt heute als völlig überholt.
Imhof lehnte diesen Rat eindeutig ab. Er kommentierte damals: «Wer
dementiert, liefert Zündstoff für die Lügendiskussion und heizt die
Sieg-Niederlage-Dynamik unnötig an. Das Abstreiten ist ebenso falsch wie
das zu rasche Reagieren.»
«Mea culpa» als Rettungsring
Machtlos sind die Betroffenen bei einer Skandalisierung aber nicht.
Es geht darum, Denkzeit zu gewinnen. Das Wichtigste ist, Ruhe zu
bewahren und die Nerven nicht zu verlieren. Es gilt, die Sachverhalte zu
klären, sich mit Vorgesetzten, einem Berater oder einer
Vertrauensperson abzusprechen. So kann eine plausible Antwort gefunden
werden. Mich beeindruckte vor einigen Jahren der deutsch-französische
Talkshowmoderator Michel Friedman. Er ist der Erfinder der
Fernsehverhöre «Vorsicht Friedman». Nach den vermuteten Verfehlungen des
Fernsehmanns wurde er dann selbst hart verhört. Friedman geriet in den
Verdacht, gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen zu haben. Auch
soll er unter dem Decknamen «Paolo Pinkel» bei einem Zuhälterring
Prostituierte angefordert haben. Friedman verlor den Job als Moderator
und wurde geächtet. Obwohl weder überführt noch verurteilt, musste er
sich wochenlang harte Fragen gefallen lassen. Der Verdacht war Grund
genug, den mutmasslichen Skandal an prominenter Stelle zu thematisieren.
Wie verhielt sich nun dieser Medienprofi in der verzwickten Situation? Im Tief bereitete er eine Medienkonferenz vor und entschuldigte sich
in aller Form für seine Taten. Seine Devise: in heiklen Situation nie
schweigen. Als er in einer Fernsehsendung hart angepackt wurde,
unterstrich er mit engagierter Stimme: «Ich habe deutlich gesagt: Ich
habe Mist gebaut. Sind wir eigentlich im Mittelalter? Muss ich noch den
Kopf aufs Schafott legen? Ich wiederhole ohne Wenn und Aber: Ich habe
Fehler begangen und werde dafür bestraft. Genügt das nicht? Ich
akzeptiere die Strafe.» Friedman hatte die Grösse, zu seinen Fehlern zu
stehen. Er bat um eine zweite Chance – und hat sie bekommen. Vier Monate
nach seiner Kokain-Beichte war Michel Friedman auf dem Bildschirm
zurück. Mehr als sechs Millionen Zuschauer sahen ihn am Sonntag als
Talkgast bei Sabine Christiansen. Sein «Mea culpa» zahlte sich aus. Auf meiner Website «rhetorik.ch»
habe ich zahlreiche weitere Fälle von Skandalen ausführlich
geschildert. Darunter den von Jörg Kachelmann, welcher der
Vergewaltigung beschuldigt worden war, jenen von Geri Müllers
Nacktselfies oder den vom Zuger Sexskandal um Jolanda Spiess-Hegglin
und Markus Hürlimann. All diese Skandale eskalierten durch ungeschicktes
Kommunikationsverhalten der Betroffenen. Die Folgen – endlose
Geschichten – waren somit weitgehend selbst verschuldet. Die
Entschädigungen, die später entrichtet werden mussten, konnten den
angerichteten Schaden nicht mehr wettmachen.
Marcus Knill: Experte für Medienrhetorik. Er schreibt in loser Folge für die SN.