Samstag, 23. Mai 2015

Sich mit neuen Technologieen auseinandersetzen und mit ihnen umgehen lernen - statt sie verbieten

Kinder schreiben bessere Noten, wenn Handys im Unterricht verboten sind. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie an der London School of Economics. Vor allem schwächere Schüler profitieren gemäss den Forschern überproportional vom Verbot: Ihre Leistung steigerte sich um 14 Prozent. Die anderen Schüler hatten um 6,4 Prozent bessere Noten. 

(Quelle Watson)
Im Interview sagt Medienpädagoge und Gymnasiallehrer Philippe Wampfler, warum das noch lange nichts heissen muss.

 Ich zitiere aus den Interview:

Die Studie

Ein Smartphone-Verbot an der Schule, ist genauso wirksam wie fünf Schultage mehr pro Jahr. Dieses Fazit ziehen Forscher der London School of Economics.
Sie haben die Testresultate von nationalen Prüfungen an 91 britischen Schulen mit den Handy-Regeln an den jeweiligen Schulen verglichen.
Die Noten in Klassen, in denen das Handy verbannt wurde, verbesserten sich um ganze 6,4 Prozent. Schwächere Schüler konnten ihre Leistungen sogar um 14 Prozent steigern. Rund 130'000 Schüler im Alter von 16 Jahren lieferten die Datengrundlage für die Studie. (rar)

Trotzdem: Das Handy-Verbot wirkte sich gemäss der Studie positiv auf die Ungleichheiten der Lernerfolge zwischen schwächeren und stärkeren Schülern aus. 

Das kann ich nachvollziehen. Schwächere Schüler stammen oft aus bildungsfernen Schichten, in denen digitale Geräte vermehrt zur Unterhaltung genutzt oder Kinder vor dem Fernseher quasi ruhig gestellt werden. Deshalb stellen sie für diese Schüler später eine grössere Ablenkungsquelle dar. Umso wichtiger ist es, dass sie einen bewussten Umgang damit möglichst früh in der Schule lernen.
«Handys an die Schule!», würden Sie also skandieren?

 Vielleicht eher «bewusster Einsatz von Handys an der Schule». Dies von mir aus schon im Kindergarten. Von einem Kind das weiss, dass es eine Duden-App gibt, zu verlangen, dass es Bücher wälzen soll, macht nicht viel Sinn.

Die Duden-App, ok. Wo bringt das Smartphone sonst noch Vorteile für den Unterricht?

 Apps wie Socrative erlauben es der Lehrperson, direkt bei jeder Schülerin oder jedem Schüler zu überprüfen, ob sie eine einfache Frage beantworten können. Auch der demokratische Beamer ist die Zukunft: Nicht nur die Lehrperson kann Digitales zeigen – jeder Bildschirm kann allen vorgeführt werden. Darüber hinaus gibt es Apps für jedes Bildungsanliegen: Mit DragonBox beispielsweise können schon Kinder lernen, mit Variablen zu rechnen und Gleichungen aufzulösen. Sowas geht heute nur noch digital.
Dürfen die Kinder in Ihrem Unterricht jederzeit zum Handy greifen?

Natürlich nicht. Es gibt Unterrichtsphasen, in denen es eingesetzt wird und Phasen, in denen es unberührt bleibt. Ausserdem rege ich Diskussionen über den Medienkonsum an und integriere beispielsweise neue Erzählformen auf YouTube in meinen Unterricht über klassische Literatur.
Sollten Smartphones im Unterricht verboten sein?

Trotzdem, die Verführung während dem Unterricht zu chatten, ist gross.

Handys birgen genau die gleiche Ablenkungsgefahr wie schwatzen oder Briefbotschaften verschicken. Lehrer sind sich gewohnt, mit solchen Störfaktoren umzugehen. Den Umgang mit smarten Geräten sind sie sich nur leider etwas weniger gewohnt.
Es sind also die Lehrpersonen, die von der Entwicklung überfordert sind? 

 Ja. Obwohl eigentlich Konsens in der Medienpädagogik herrscht, dass neue Technologien eine grosse Chance fürs Lernen bedeuten, ist die Unsicherheit sehr gross. Wir erleben gerade, wie sich sogar die Funktion der Konzentration wandelt: Jugendliche lernen mit Smartphones, mehrere Reize miteinander zu kombinieren und sich nicht exklusiv auf einen zu fokussieren. Mancherorts orientiert sich der Unterricht aber stark an einer traditionellen Vorstellung von Konzentration.

Was ist die Konsequenz daraus?

 Dass Menschen, die gekonnt multitasken, bei Tests häufig schlechter abschneiden, ohne allerdings weniger gelernt zu haben, oder weniger intelligent zu sein: Ihr Hirn hat sich einfach an ein neues mediales Umfeld gewöhnt, das in Zukunft unseren Alltag prägen wird.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie sich unser Hirn an die neuen Medien anpasst?

 Unser Hirn merkt sich, dass es reines Faktenwissen wie beispielsweise das Höchstalter von Schildkröten nicht speichern muss, weil es jederzeit per Handy abgefragt werden kann. Es speichert also eher die Speicherorte als den Inhalt.

Dann werden wir ja doch blöder. 

Im Gegenteil. Wir erwerben neue Kompetenzen, denken dynamischer, stellen schneller Zusammenhänge und her und können Haupt- und Nebenreize gleichzeitig verbinden. Es war zudem noch nie so wichtig wie heute, sich sprachlich präzise ausdrücken zu können – davon hängt ab, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Kinder und Jugendliche sind sprachlich und auch gestalterisch enorm kreativ und leben und üben das auch digital.
«Mit dem Handy weiss die Klasse schlicht mehr als der Lehrer. Damit muss er umgehen können.» 
Bringt man dermassen reizverwöhnte Kinder noch dazu, einen langen Text zu lesen oder eine mühsame Arbeit zu schreiben?

 Da sehe ich eine Herausforderung. Es besteht die Tendenz, dass Kinder heute weniger Geduld fürs Lernen aufbringen und es als schwierig wahrnehmen, wenn das Feedback für Geleistetes nicht unmittelbar ausfällt. Auf sozialen Medien erhält man für jeden Input sofort einen Like. Lange, mühsame Arbeit lohnt sich erst sehr viel später.

Warum gibt es an der Schule immer noch eine ablehnende Haltung neuen Technologien gegenüber? 

In der Bildungswelt bewerten viele Menschen Neuerungen aufgrund ihrer eigenen Schulerfahrungen. Würde diese durch ein neues Modell abgelöst, entwertete sich in ihrer Vorstellung ihre Ausbildung, der sie viel zu verdanken haben. Ganz generell führen digitale Medien durch ihre Geschwindigkeit, die Kameras und die Möglichkeit der verlustfreien Kopie zu einem Kontrollverlust. Lehrpersonen merken beispielsweise, dass findige Schülerinnen und Schüler ihre Prüfungen fotografieren und sie nicht mehr jedes Jahr dieselben Fragen stellen können.

Die Lehrer fürchten also, die Kontrolle zu verlieren?

 Ja. Und dieser Kontrollverlust ruft Ängste und Unsicherheiten hervor. Er stellt den Status der heute Erfolgreichen infrage. Nehmen Sie das schon genannte Beispiel Faktenwissen: Mit dem Handy weiss die Klasse schlicht mehr als der Lehrer. Damit muss er umgehen können.

KOMMENTAR:
Im Studium (Medienpädagogik) lernte ich 
bereits vor Jahren, dass sich die
Menschheit stets mit jeder neuen 
Technologie schwer getan hat.
Bei der Einführung der Schrift, befürchtete man
die Schwächung des Gedächtnisses.
Den Film versuchte man zu ächten.
Dann warnten Pädagogen vor  der Bildsprache von Comics.
Beim Fernsehkonsum befürchteten Fachleute vor einer Verdummung der Menschheit
usw. 
FAZIT: Wir müssen uns mit neuen Technologien  stets
auseinandersetzen und diese sinnvoll einsetzen lernen.
Gefragt ist der situationsgerechte Umgang mit 
allen neuen Medien.

Wir lesen - nach wie vor - trotz elekronischer Medien.
Fachzeitschriften überlebten beispielsweise.
Radio - TV - Internet alles lebt nebeneinander und 
miteinander weiter - auch in Kombination.
Ich vertrete die  Meinung, dass Jugendliche auch lernen müssen, einige Tage auch ohne Handy und Computer zu leben.
In Schulen sind somit handyfreie Tage ein Segen. Die Jugendlichen erkennen wieder, dass man auch ohne I Phon Dialoge führen kann.

Zerstörung des Kulturerbes als Waffe

Der IS bedroht die antike Ruinenstadt Palmyra. Die Zerstörung von Kulturgütern hat eine lange Tradition – in allen Kulturen.

Steht seit 2000 Jahren, vielleicht nur noch einige Tage: der Baal-Tempel in Palmyra. Foto: Youssef Badawi (Keystone)
Steht seit 2000 Jahren, vielleicht nur noch einige Tage: 
der Baal-Tempel in Palmyra. Foto: Youssef Badawi 
Die Vandalen haben es nicht verdient, für den Begriff der sinnlosen Zerstörung herhalten zu müssen. Ihre Plünderung Roms 455 soll, glaubt man den Historikern, auf geordnete Weise geschehen sein: Abtransport wertvoller Güter, Verschonung der Einwohner, keine Verwüstungen, eben kein Vandalismus.
Dieser ist indes, auch wenn er unter falscher Flagge segelt, ein steter Begleiter der Weltgeschichte. Ägyptische Pharaonen tilgten Namen und Bauten unliebsamer Vorgänger, Calvinisten und Zwinglianer verbrannten Heiligenbilder, die französischen Jakobiner schlugen den Königsstatuen von Notre-Dame erst die Kronen von den Häuptern, dann die Häupter selber ab, schliesslich häuften sie die Statuen hinter dem Chor auf und nutzten sie als öffentliche Latrine.

Mit Bagger und Presslufthammer

Die Bolschewiken plünderten Kirchen und Klöster, die Nazis warfen die Bücher ihrer Feinde ins Feuer, Maos rote Garden attackierten und schleiften unzählige historische Bauwerke, darunter den kaiserlichen Sommerpalast in Peking (den aber schon 1900 die «zivilisierten» Engländer niedergebrannt hatten, als Rache für den Boxeraufstand).
In jüngster Zeit erschrecken radikale Islamisten die kulturell sensibilisierte Welt: Taliban sprengten die Buddha-Statuen von Bamian in die Luft, al-Qaida-Terroristen zerstörten Mausoleen und Schriftrollen in Mali, IS-Trupps gehen im Irak und in Syrien mit Bagger und Presslufthammer gegen antike Statuen und Tempel vor und stellen ihre Aktionen grinsend ins Internet. Jetzt steht der sogenannte «Islamische Staat» vor Palmyra, einem der architektonisch-archäologischen Juwelen Syriens, in der Spätantike eine blühende Oasenstadt, Handelsstation zwischen Orient und Mittelmeer, Wohnstätte der Anhänger aller möglichen Götter.

Die letzte Demütigung

Vordergründig liegt hier das Motiv der drohenden Zerstörung: In Palmyra wurden die falschen Götter angebetet, und neben dem einen und einzigen Allah sind alle falsch. Fanatischen Islamisten ist alles unerträglich, was nicht in ihr borniert-puristisches Weltbild, in die ideologisch strengste Auslegung ihrer Lehre passt.
Anderswo in der Welt hat sich ein historisch-kultureller Relativismus durchgesetzt, der es erlaubt, in Zeugnissen anderer Religionen, früherer Zivilisationen nicht nur Leistung und Schönheit zu sehen, sondern überhaupt alles anzuerkennen, was einmal war und lange Zeiten überdauernde Zeugnisse hervorgebracht hat (mit kleinen Ausnahmen: Leninstatuen wollte in Osteuropa nach 1989 nun wirklich niemand mehr sehen).
Staunend stehen wir in den Museen und bewundern Statuen und Reliefs aus politisch inkorrekten Kulturen, die Frauen unterdrückten, Sklaven hielten und Kriegsgefangene den Löwen zum Frass vorwarfen. Mehr noch: Wir haben ein globales und epochenübergreifendes Kulturverständnis entwickelt, wonach auch assyrische und babylonische Relikte als gesamtmenschliches Erbe gelten – als Kulturgegenstände, ganz gleich, was ihre ursprüngliche Funktion gewesen ist. Auch Ninive ist «unser», und mit seiner Zerstörung verlieren auch wir etwas.

Zynisches Kalkül

Die Aggressivität des IS gegen vorislamische Stätten hat aber noch einen anderen, ungleich stärkeren Beweggrund. Und wie wirksam er ist, zeigt sich gerade in der Empörung, die jedes Video einer gesprengten Kuppel, eines zersägten Reliefs auslöst, einer Empörung, nicht geringer als die Sorge um entführte, gequälte, ermordete Menschen. Ja, man kann schon fragen, was alte Steine zählen gegenüber den in den Hunger- und Kältetod getriebenen Jesiden.
Für das zynische Kalkül des IS liegt aber beides auf genau derselben Ebene. Es führt die Hilflosigkeit der nur scheinbar allmächtigen westlichen Welt vor. Früher zerstörte man Götterbilder, um dem unterlegenen Feind klarzumachen: Dein Gott hilft Dir nicht, er ist kaputt.
In vielen Kriegen wurde und wird Vergewaltigung als Waffe eingesetzt, um dem, den man besiegt hatte, die ultimative Demütigung zuzufügen. Eine über alles materielle, körperliche hinausreichende Demütigung: Die Schändung der Liebsten hilflos hinnehmen zu müssen. Was der IS mit der Kulturzerstörung tut, ist gewissermassen die geistige Vergewaltigung der freien Welt. Seht her, das können wir, und ihr könnt nichts dagegen tun, sagen diese Akte. Wir treffen Euch ins Herz. Es zuckt kein Blitz vom Himmel, der uns Einhalt gebietet, und auch keine amerikanische Rakete.

Palmyra I, Palmyra II

Solange der IS nicht besiegt ist, sein Herrschaftsgebiet nicht befriedet, bleibt nur die Aussicht, das Zerstörte einmal originalgetreu wieder aufzubauen. Zu dieser Variante des Kulturrelativismus sind wir inzwischen ja auch in der Lage. In Südfrankreich hat man die prähistorischen Höhlen von Lascaux und Chauvet nachgebaut – nicht nachdem sie zerstört wurden, sondern vorher: damit die kostbaren, hochempfindlichen Originalräume unbehelligt von Besuchern bleiben. Bevor Palmyra II gebaut werden muss, sollte freilich alles getan werden, um Palmyra I vor dem Schlimmsten zu bewahren. Nicht zuletzt die Menschen, die dort schliesslich auch leben.
(Tages-Anzeiger)

KOMMENTAR:
Unglaublich, dass die westliche Welt tatlos zusehen muss, wie ein Kulturerbe unbehelligt vernichtet wird. Es fehlt gleichsam eine Weltpolizei, welche diese sinnlose Zerstörung stoppen könnte.  

Freitag, 22. Mai 2015

BENEHMEN als neues Schulfach?

Der Umgang mit Menschen ist wichtig-
Braucht es aber dazu ein neues Schulfach?


«Benehmen» als Schulfach: Das halten die Deutschen für eine gute Idee. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Yougov gaben 51 Prozent der Befragten an, ein solches Fach sollte Pflicht sein. Weitere 24 Prozent sind der Ansicht, «Benehmen» solle als Wahlfach angeboten werden.
KOMMENTAR:
 Muss die Schule alle Aufgaben übernehmen, die eigentlich zuhause gelernt werden müssten?
Benehmen wäre Sache der Eltern. Doch glänzen diese durch Abwesenheit oder delegieren die Erziehungsaufgabe dem Hort. Die Erziehung überlässt man heute vorwiegend anderen, weil beide Elternteile arbeiten.
Oft fehlt auch die Vorbildfunktion von Erwachsenen.
Nun sollen die Lehrer für die Umgangsformen verantwortlich gemacht werden.
Leider sind auch viele Lehrkräfte schlechte Vorbilder.
Wenngleich die Situation für die Schule komplexer geworden ist, lohnt es sich, den Umgang mit Menschen rund um die Uhr ernst zu nehmen.
Dazu benötigen wir kein neues Schulfach, denn in jedem Fach, bei jedem Gespräch ach in der Pause können wir Einfluss nehmen auf den Umgang untereinander.
Es lohnt sich, entsprechende Spielregeln einzuführen, die im Schulalltag kontrolliert umgesetzt werden müssen.
Beispielsweise:
Worte werden ernst genommen (Die Ausrede, bei Beschimpfungen " es sei ja nicht so gemeint gewesen", zählt nicht).

Auch Nonverbale
Bildergebnis für benehmen
oder psychische Verletzungen und Erniedrigungen müssten wir so ernst nehmen, wie die körperliche Gewalt.

    News-Themen




  1. Bild für das Nachrichtenergebnis
    Ein obligatorisches Unterrichtsfach "Benehmen" läge den Befragten damit mehr am Herzen ...





  2. "Benehmen" als Schulpflichtfach
    Telepolis‎ - vor 1 Tag
  3. Schule - Deutsche wünschen sich Schulfach "Benehmen"
    Süddeutsche.de‎ - vor 2 Tagen







Donnerstag, 21. Mai 2015

Die NZZ hat es auf den Punkt gebracht:

Folgende Zeilen sind lesenswert, nachdem der Fall Markwalder zu grostesken Beurteilungen geführt hat (Quelle NZZ- online):

Bildergebnis für Christa Markwalder

Die Mär vom Rufmord

Seit die Causa Markwalder aufgeflogen ist, ist viel Druckerschwärze geflossen. Und leider weiss inzwischen kaum mehr jemand, um was es wirklich geht.
Freisinnige Frauen lamentieren über einen von Männern angefachten Sturm im Wasserglas. Der rote Wahlkämpfer Christian Levrat grätscht seinem freisinnigen Antipoden Philipp Müller in die Beine. Der Schaffhauser Volkstribun Thomas Minder wittert die Chance, endlich alle Lobbyisten aus dem Bundeshaus zu verbannen. Medienjournalisten qualifizieren das Geschehene als Rufmordkampagne gegen Christa Markwalder. Lobbyisten sprechen von einer Hetzkampagne.
Mit Verlaub, das ist alles Mumpitz. Zwar ist in gewissen Medien bei der Aufarbeitung der Affäre übertrieben worden. Wer aber die These in die Welt posaunt, die journalistische Berichterstattung sei Bestandteil einer orchestrierten Rufmordkampagne, vertauscht Täter und Opfer. Es war Christa Markwalder, die sich fahrlässig instrumentalisieren liess; sie selber erachtet den gegen ihre Person gerichteten Vorwurf der Naivität als berechtigt. Wenn nun zwecks Schadensminderung die Überbringer der schlechten Nachrichten zu Tätern gestempelt werden sollen, so gehört das zwar zum gängigen Repertoire. Aber es bleibt dabei, dass Christa Markwalder einer Lobbyistin auf den Leim gekrochen ist, nicht Medienschaffende. Unabänderlich bleibt zudem, dass die freisinnige Nationalrätin parlamentarische Interna zweifelhaften ausländischen Akteuren zugetragen hat, nicht die Medien.
Daneben zielt auch der Vorwurf, es handle sich um eine Gender-Frage. Wir meinen: Unabhängig davon, ob ein Mann oder eine Frau in der Causa Kasachstan die Hauptrolle spielt, bleibt die Sache relevant. Das öffentliche Interesse bemisst sich auch nicht daran, wie die Boulevardzeitung «Blick» suggerierte, ob Christa Markwalder eine lebensfrohe Partynudel sein dürfe oder nicht. Natürlich soll sie feiern dürfen! Gleichwohl muss sie sich die Frage gefallen lassen, ob ihr unbedarftes Verhalten gegenüber Lobbyisten mit der Funktion einer designierten Nationalratspräsidentin vereinbar ist.
Exakt darum geht es: Von unseren Volksvertretern darf erwartet werden, dass sie sich gegenüber bezahlten Interessenvertretern professionell verhalten. Handkehrum sind die Lobbyisten nur dann glaubwürdig, wenn sie mit offenem Visier kämpfen, wenn sie im Powerplay um Einfluss im politischen Alltag offen und sauber deklarieren, welche Kundeninteressen sie vertreten.
Der Fall Kasachstan ist offenkundig ein Beispiel, wie sich politische Akteure und Lobbyisten im Bundeshaus besser nicht verhalten sollten. Als Kollateralschaden bleibt zurück, dass der Ruf des Parlaments beschädigt worden ist.

Remedur schaffen

Die NZZ hat die unschöne Lobbying-Affäre aufgedeckt im Wissen, dass die Hauptakteurin und deren Partei nicht erfreut sein würden. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Massgebendes Kriterium war aber nicht die Parteifarbe Christa Markwalders. Wenn die FDP und deren Präsident Philipp Müller, der sich in der hängigen Affäre bis anhin als durchaus leidlicher Krisenmanager betätigt, jetzt von der Konkurrenz mit Häme überschüttet werden, so ist das im laufenden eidgenössischen Wahlkampf unvermeidlich. Wichtiger als parteipolitisches Schattenboxen ist die Sache selber: Wir hätten die Erkenntnisse aus den öffentlich einsehbaren Briefwechseln zwischen Bern und Astana auch publiziert, wenn rote, grüne, christlichdemokratische oder (neben Christian Miesch weitere) SVP-Parlamentarier von Lobbyisten eingewickelt worden wären.
Weshalb? Weil es relevant ist, ob das unausweichliche Wechselspiel zwischen Parlamentariern und Lobbyisten funktioniert oder nicht. Das Parlament selber wird jetzt beweisen müssen, ob es Remedur schaffen kann. Vor vier Jahren schossen Forderungen nach mehr Transparenz im Bundeshaus wie Pilze aus dem Boden. Nach den Wahlen versandeten die vollmundigen Ansagen allesamt.

KOMMENTAR: Der Beitrag bestätigt meine Analysen, in denen ich mich stets deutlich von all jenen Kommentatoren distanziert hatte, die Christa Markwalder als Medienopfer darstellen wollten und von Rufmordkampagne geschrieben hatten. Mich störte es ebenfalls, dass aus dem Fall versucht worden ist, eine Gender-Frage zu konstruieren.
Nachträglich zeigt sich, dass es  lohnt, sich an die Fakten zu halten und recherchierte Sachverhalte genau zu beschreiben, auch wenn sie nicht allen Lesern genehm sind. Die Kontrollfunktion der Medien darf weder aus ideologischen noch aus persönlich gefärbten Gründen beschnitten werden.

Google "Street view" auf Abwegen

Mittwoch, 20. Mai 2015

Zielbotschaft der 9. Wirtschaftsdebatte der Commercia in Schaffhausen

Zwei junge Firmengründer Marcel Dobler und Adrian Locher erzählten ihre Erfolgsgeschichte:

Was die Zuhörer aus den spannenden Präsentationen mitnehmen konnten:

- Wir können aus Niederlagen lernen

- Gib nie auf!

- Um Erfolg zu haben, braucht es nicht nur

EINE GUTE IDEE

EIN UMSETZBARES MODELL

EIN GUTES TEAM

DAS RICHTIGE TIMING

KENNTNIS UEBER DIE WEUNSCHE DER KUNDEN

WIR MUESSEN LOESUNGSORIENTIERT ARBEITEN

Es braucht aber auch noch GLEUCK!!!

Das Glück hatten beide Referenten herausgefordert - mit
PROBIEREN
PROBIEREN und nochmals
PROBIEREN
Auch wenn man immer wieder scheitert.

Zusatzinformationen zu den erfolgreichen Jungunternehmern:

1. Marcel Dobler

Ich zitiere die Handelszeitung:


Digitec-Gründer Dobler 

steigt beim Onlineshop aus

Nach zwölf Jahren der Zusammenarbeit wird sich Marcel Dobler beruflich neu orientieren: Der 33-jährige Mitbegründer des grössten Schweizer Onlineshops verlässt das Unternehmen per Ende Februar.



Nach zwölf Jahren der Zusammenarbeit wird sich Marcel Dobler beruflich neu orientieren. Der 33-jährige Mitbegründer von Digitec verlässt das Unternehmen per Ende Februar. Das teilte das Unternehmen heute auf seiner Homepage mit. «In Digitec steckt sehr viel von meinem Herzblut. Umso schwerer fiel mir der Entscheid. Jetzt möchte ich aber etwas Neues wagen», wird Dobler in der Mitteilung zitiert.
Welche neuen Aufgaben das künftig sein werden, ist allerdings noch nicht klar. «Ich möchte mir Zeit geben mich neu zu orientieren. Es gibt vieles was mich interessiert und ich bin absolut offen», so der 33-jährige.
Zwölf Jahre nach der Gründung ist Digitec mit einem Jahresumsatz von über 500 Millionen Franken eigenen Angaben zufolge der führende Online-Anbieter von IT- und Unterhaltungselektronik und beschäftigt mehr als 400 Angestellte. Insgesamt betreibt Digitec demnach neun Ladenlokale in der ganzen Schweiz und lagert seine Produkte im 21'000 Quadratmeter grossen Logistikzentrum in Wohlen.

Migros stieg bei Digitec ein

Im Frühsommer 2012 stieg der Detailhändler Migros zu 30 Prozent beim Zürcher Online-Händler ein. Laut Wirtschaftsmagazin Bilanz erhielten die drei Digitec-Gründer je 14 Millionen Franken für den Teilverkauf. Per Ende 2015 will der führende Schweizer Detailhändler die Option auf die Mehrheit einlösen.

2. Adrian Locher

Adrian Locher | DeinDeal.ch


Von 30k zu 30 Mio. Schweizer Franken – die DeinDeal-Story

Von 30k zu 30 Mio. Schweizer Franken – die DeinDeal-Story
Adrian Locher (HSG-Alumnus, Gründer & COO Goodshine AG) gibt spannende Einblicke zu DeinDeal.ch. Mit seinem vierten Start-up – DeinDeal.ch – gelingt ihm der ganz grosse Wurf: Mit CHF 30‘000 gegründet und schon nach 18 Monaten ein Einstieg des Medienkonzerns Ringier als strategischer Investor für eine hundertfache Valuation. Wie es in dieser rasanten Zeit zuging, erläutert Adrian Locher in diesem Artikel.
Adrian Locher, HSG-Alumnus und Serial Entrepreneur
Adrian Locher, HSG-Alumnus und Serial Entrepreneur
Das Studium sei wichtig, aber es sei nicht alles. Noch wertvoller als eine solide Ausbildung seien die eigenen praktischen Erfahrungen, gibt Adrian Locher als Erstes zu verstehen. Die ganze Theorie nütze einem wenig, ohne entsprechende Praxiserfahrung. Man müsse seine Neugierde befriedigen, sich ausprobieren, viele Dinge angehen und immer wieder neue Herausforderungen suchen und finden. Nur so liesse sich erkennen, was zu einem passe und worin man gut sei.
Mit einer solchen Philosophie im Kopf verwundert es daher kaum, dass Adrian Locher seine Studienzeit sehr umtriebig und unternehmerisch gestaltete. Bereits während des Studiums baute er eine Internetagentur auf, die verschiedene Internet-Applikationen entwickelte. Gleichzeitig versuchten er und seine Mitstreiter sich im Aufbau eines e-Commerce Discountportals für Elektronikgeräte mit Direktimport aus China. Das entpuppte sich letzlich als Flop. Man wuchs zwar rasant und verkaufte 1‘000 Produkte im Monat, doch war es schlicht unmöglich, zwei Firmen gleichzeitig zu führen. Ganz getreu dem Motto, dass man sich eine Braut verderbe, solange man auf zwei Hochzeiten tanze.
Dafür wuchs die Softwarefirma zu einem veritablen Unternehmen mit Kunden wie der Schweizerischen Post, Swisscom und Zurich Versicherung. Nach der Aufbauarbeit war für Adrian aber die grosse Herausforderung erledigt und er sehnte sich nach einem neuen Abenteuer auf der grünen Wiese. Deshalb verabschiedete er sich aus dem operativen Geschäft, in den Verwaltungsrat und machte sich auf nach Berlin. Dort hatte er den Plan eine „Softwareschmiede“ für Social Media Tools aufzubauen. Zweimal musste er deswegen die Diplomverleihung „aufschieben“ und erhielt statt 2005 erst im darauffolgenden Jahr seine Bachelorurkunde. „Das Business hatte nun mal Priorität und mit BlackBerry, Nestlé und auch Facebook gehörten damals grosse Player zu unseren Kunden“, kommentiert Adrian seinen verzögerten Studienabschluss.
„Doch so richtig Erfolg hatten wir nicht. Gemessen an heutigen Verhältnissen waren wir damals einfach zu früh am Markt. Drei Jahre lang haben wir uns mit unserem Kampagnentool durchgeschlagen, mussten dann jedoch einsehen, dass es sich nicht so skalieren liess, wie wir uns das vorstellten. Das Ganze entwickelte sich immer mehr zu einem Agenturgeschäft. Da dies aber nicht unser Ziel war, entschlossen wir uns zur Einstellung dieses Unternehmens Ende 2009“, verdeutlicht Adrian seine Beweggründe.
Alle guten Dinge sind 3, nein 4
Wer nun denkt, dass Adrian nach diesen Erfahrungen und den zugehörigen Ups and Downs dem Internetbusiness überdrüssig würde, wird enttäuscht: Jetzt ging es erst so richtig los. Im Jahre 2010 gründete er zusammen mit zwei Mitgründern die Goodshine AG, der Betreiberin von DeinDeal.ch.
„Wir haben mit einem Betrag von rund CHF 30‘000 gegründet und mit diesem Geld eine Plattform für den Onlineverkauf von Rabattgutscheinen aufgebaut. Diese Plattform reichte aus, um erste Umsätze zu erzielen. Das hat uns finanziell enorm geholfen.“ Statt langer Existenz in der Ideenphase, war Adrian nun direkt drin im Business und die ersten Umsätze halfen, das ganze Start-up zu professionalisieren und auszubauen. Innerhalb kurzer Zeit stand dann auch die erste Finanzierungsrunde mit Klaus Hommels und Oliver Jung an. „Die Beiden als Investoren haben uns auf jeden Fall weitergeholfen. Nicht nur wegen des Investments, sondern auch dank ihrer Unterstützung bei der Suche von Folgeinvestoren, sowie ihren operativen Insights , die sie aus anderen Investments einbrachten. Mit ihren Erfahrungen im Group Buying und Flash Sales-Business waren sie uns eine grosse Hilfe“, stellt Adrian fest.
„Ein Jahr später stieg dann Ringier als strategischer Folgeinvestor ein, an den wir 60% von DeinDeal verkauften“, fährt Adrian fort und beziffert die Valuation auf CHF 30 Mio.
Innert 18 Monaten gegründet, gewachsen und verkauft
„DeinDeal wuchs rasant, sollte es ja auch, doch wir wuchsen viel rascher als wir es uns je vorgestellt hatten, auch wenn der Schweizer E-Commerce Markt schon einigermassen entwickelt war“ erzählt Adrian Locher. „Wir sind innert zwei Jahren viermal umgezogen. Unser erstes Büro war 60qm gross. Aber bei dannzumal 30 Mitarbeitenden und ohne Klimaanlage im Sommer war das einfach keine dauerhafte Option. Dann sind wir in ein 260qm grosses Büro umgezogen und fanden schon das unglaublich gross. Aber bereits nach sechs Monaten wurde es wieder zu klein und wir haben erneut einen Umzug in Angriff genommen. Heute verteilen sich unsere 150 Mitarbeitenden auf drei Stockwerke und rund 1500 tausend Quadratmeter Bürofläche.“

Lessons Learnts für Studierende
Angesprochen auf die Frage, was er den jetzigen HSG-Studierenden mit auf den Weg geben möchte, stellt Adrian zwei Dinge heraus:
Erstens: Wer gründen will, muss mit Herzblut bei der Sache zu sein und sich auch in gewisser Art und Weise aufopfern. „Wir Gründer haben uns in den ersten sechs Monaten kein Gehalt ausgezahlt. Alles ist in der Firma geblieben. Das sog. Sweat Equity sollte zwar kein Dauerzustand sein, aber Gehälter zu Marktpreisen darf man insbesondere zu Beginn nicht erwarten. Und auch der Arbeitstag ist kein klassischer 9-to-5-Job. Tagsüber war ich mit der Kundenakquise beschäftigt, abends habe ich die Produkttexte geschrieben und die Bilder hochgeladen und ab Mitternacht dann die Deals manuell freigeschaltet. Wer gründet muss einfach viel selber machen. Daran lässt sich nichts ändern.“

LINK:
Resilienz. von Marcus Knill ... mit unerwarteten Situationen zu rechnen. Anpassungsfähigkeit und Resilienz lässt sich wie körperliche Fitness trainieren.
www.rhetorik.ch/Resilienz/Resilienz.html

Dienstag, 19. Mai 2015

Regeln erleichtern das Leben

Nicht nur in der Famlie machen sich Regeln bezahlt

Regeln führen zur Beständigkeit im Umgang untereinander.
Wir können auf jede Lebenssituation passende Regeln entwickeln:
Es gilt Regeln auszuhandlen und die Kinder müssen wissen, welche Regeln gelten.
Alle Eltern und Kinder sollten wissen, wer für was zuständig ist.

Regeln rufen bei Kindern immer Widerstand hervor. Das wissen auch Lehrer.
Wenn man es aber fertig bringt, Regeln zur Gewohnheit machen zu lassen, werden sie rasch etabliert und erleichtern das Leben.
Das Zauberwort heisst: KONSEQUENZ.
Leider trauen sich vielen Eltern nicht zu, Regeln durchzusetzen.
Konkret geht es meist um Fragen:
-  TV Nutzung
-  Taschengeld

Es ist ein Fehler, wenn Lehrkräfte oder Eltern versuchen, Partner der Kinder zu sein, im Glauben ein Kind bedürfe keiner Regeln. Dann zeigt sich bald, dass es bei der Beziehung Erzieherin und Kind  nicht um Freundschaft, sondern um eine liebevolle kritische Distanz geht. Kinder sind zwar gleichwürdig aber nicht gleichwertig. Wir müssten uns bewusst sein:
Kinder sind keine Partner.
Alles 100 prozentig richtig zu machen, geht übrigens nie. Das Leben ist widersprüchlich. Wir dürfen auch bei der Einführung von Regeln Fehler machen. Doch müssen wir uns stets bewusst sein, dass wir als Eltern oder Erzieher die Anvertrauten zur Einhaltung von Spielregeln begleiten müssen und wir dafür verantwortlich sind, dass die Regeln eingehalten werden.
Das setzt jedoch voraus, dass wir vermehrt präsent sind und Einfluss nehmen.
Ich habe es bei den eigenen Kindern erlebt: Wenn beispielsweise  gewisse Fixpunkte als Ritual zur Gewohnheit werden, wie Musik üben, Essen, ins Bett gehen, so erleichtern wir uns das Leben enorm.
Regeln erübrigen endlose, mühsame Diskussionen.  Regeln werden bald zur Gewohnheit - so wie das Zähneputzen.
Eltern, die auf Regeln verzichten, benötigen viel zu viel unnötigen zusätzlichen Aufwand. Langfristig stesst dies zusätzlich.
Ich habe bei einer Lehrerin gesehen, welche die Regel "Nur eine Person spricht im Unterricht" (ob Schüler oder Lehrer) konsequent umgesetzt hatte, ersparte sich unzähligen  Aerger. Die  durchgesetzte Regel erleichterte das Unterrichten enorm.
Ich würde keine Liste von Regeln anordnen, die wir nicht konsequent umsetzen können.
Lieber nur EINE Regel vereinbaren. Aber diese so lange durchsetzen, bis sie  zur Gewohnheit geworden ist.
Nutzen wir "die gute Macht der Gewohnheit":