Dienstag, 9. April 2013

Hinsichtlich Kommunikation ist die SVP progressiv

Ex- Bunderat Blocher schrieb schon mit dem "Blocher - TV" Mediengeschichte.
Es hagelte am Anfang Kritik von linker Seite und es wurde alles versucht, diese Medienplattform zu verbieten.
Heute ist sie eine der meist zitierten Seiten.
Nun betritt die SVP weiteres Neuland:

Ich zitiere Tagi

SVP geht in die TV-Offensive

Die SVP-Sektion Luzern hat ein eigenes Web-TV aufgeschaltet. Auch in anderen Kantonen denken SVP-Vertreter über solche Projekte nach.
Innovativ: SVP Luzern TV im Interview mit Kantonalpräsident Franz Grüter.

Innovativ: SVP Luzern TV im Interview mit Kantonalpräsident Franz Grüter.

Die SVP mag konservativ politisieren – was Kommunikation angeht, ist sie jedoch Neuem gegenüber aufgeschlossen, wie kaum eine andere Partei.

 Seit Mitte März sendet die SVP des Kantons Luzern nun ein eigenes Webformat mit dem nüchternen Namen SVP Luzern TV. Dies berichtet die NZZ von heute. Gesendet wird aus der Wohnung des neu gewählten Kantonalpräsidenten Franz Grüter in Eich, vor der Kamera begrüsst der Luzerner SVP-Sekretär Anian Liebrand die Zuschauer. Die wöchentliche Politsendung orientiert sich stark am Vorbild von Christoph Blochers hauseigenem Webformat. Liebrand bestätigt, dass Teleblocher der Idee eines eigenen Web-TV Pate gestanden habe.

Eigene Positionen ungefiltert senden

Auf der Website der SVP Luzern heisst es zum neuen Fernsehprojekt: «Wir demonstrieren damit, dass die SVP eine moderne, zukunftsorientierte Partei ist und der sich im Wandel befindenden Medienwelt Rechnung trägt.» Wöchentlich greifen die alternativen Fernsehmacher ein aktuelles Thema auf, wobei Interviewer und Interviewter oft einer Meinung sind – auch hier ganz nach dem Vorbild Teleblocher. So wurden etwa die vor kurzem eingereichte Asylinitiative der SVP Luzern diskutiert oder die Kommunikationsoffensive der eigenen Partei. Gestartet habe man das Web-TV zunächst auf Youtube und dort laut Liebrand rund 570 Personen erreicht. Ziel sei es, die eigenen Positionen ungefiltert an den Mann zu bringen, denn das sei über die Medien nicht immer möglich. Zudem erhoffen sich die Macher, so vor allem ein jüngeres Publikum zu erreichen, als es über klassische Kanäle möglich wäre.
Die Kosten für den Sender lägen im vierstelligen Bereich, schreibt die NZZ. Das ist, gemessen an der potentiellen Reichweite einer solchen Internetsendung, sehr kostengünstig. Zudem kommt das Format einigermassen professionell daher. Die beiden Macher Liebrand und Grüter haben beide Erfahrungen im Kommunikationsbereich. Grüter ist CEO und Verwaltungsratspräsident des Internetanbieters Green.ch, Liebrand hat die Internetplattform Info8.ch aufgebaut, auf der vor allem SVP-Vertreter ihre Positionen vertreten.

Lob aus der Parteizentrale

Auch bei anderen SVP-Sektionen hat das Projekt Interesse geweckt. Zum Beispiel beim Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm: «Dieser Art der Informationsvermittlung gehört die Zukunft», sagte er gegenüber der NZZ. Und auch, dass er das Thema Web-TV an der nächsten Geschäftsleitungssitzung aufgreifen werde. Ebenfalls interessiert zeigte sich die SVP-Sektion aus der Zentralschweiz. Auch die Parteizentrale in Bern beobachtet solche Initiativen mit Wohlwollen, Pläne für ein schweizweites SVP-Fernsehen gebe es allerdings keine.

Kommentar: Ich gehe davon aus, dass auch die anderen Parteien eigene Kanäle aufbauen werden.
Jedenfalls sind sie jezt im Zugzwang.
Wenn die verschiedensten Interessegruppen ihre eigenen Positionen im Netz darlegen, so wäre  dies für die politische Landschaft eine Bereicherung. Die Stimmberechtigten könnten sich aus der Fülle von "gefärben" Sichten, besser eine eigenen Meinung bilden.
Ich habe mir eine Sendung Luzerner SVP Internetfernsehens im You tube angeschaut.
Die Aufnahmequalität ist erstaunlich gut - Ausleuchtung und Bildausschnitte wirken professionell. Laien Video Experimente haben einen Haken. Sie können ohne professionelle Beratung und ohne seriöse Vorbereitung  -wie bei Marco Fischers (FdP) legendären Werbespot - in die Hosen gehen. Wenn ein "Parteien TV" lanciert wird, darf man nicht am falschen Ort sparen. Neue Projekte müssen professionell angegangen werden.
Beim Webauftritt der SVP Sektion Luzern stelle ich fest:
Beim Moderator gefällt mir die Fragetechnik. Er setzt einen Gedanken und dann folgt die Anschlussfrage. Laien reden als Interviewer oft zu lang und stellen Frageketten. Die Haltung finde ich unprofessionell. Die Körperspannung fehlt. Der Moderator lehnt zurück und versinkt im Polsterstuhl.
Abschon die SVP mit dem Start zufrieden sein kann, fehlt mir in diesem Interview die Stimulanz, das Spontane. Das Ganze wirkt als  Pflichtübung. Offensichtlich wurde der Interviewte - Franz Grüter - gecoacht. Er versuchte wie ein Journalist im richtigen Moment zur Kamera zu sprechen, um das Publikum direkt anzusprechen. In dieser Hinsicht wurde er schlecht beraten.  Dieser Einschub wirkte mir zu aufgesetzt. Was bei dieser Sendung optimiert werden sollte: Das Gespräch müsste zu einem natürlichen, persönlichen Dialog entwickelt werden.   


Margaret Thatchers beste Sprüche

aus Tagi
Die eiserne Lady war besonders bekannt für ihre scharfzüngigen und pointierten Aussagen. Hier die Top Ten ihrer besten Sprüche.

1/10 «I want my money back»
«Ich will mein Geld zurück» sagte Thatcher beim EG-Gipfel in Dublin 1979. Sie wollte damit eine Neuverhandlung des Gemeinschaftsbudgets erreichen, es wurde ihr vielleicht berühmtester Spruch. Das Bild zeigt Thatcher, die einzige Frau, zusammen mit anderen Staatschefs beim G7 Gipfel in Bonn im Jahre 1985.
Bild: Keystone




2/10 «Any woman who understands the problems of running a home will be nearer to understanding the problems of running a country» «Jede Frau, die es versteht, einen Haushalt zu führen, wird näher daran herankommen, ein Land zu führen»: Thatcher mit ihrem Ehemann Denis in London im Februar 1975.
Bild: Keystone




3/10 «On my way here I passed a local cinema and it turns out you were expecting me after all, for the billboards read: The Mummy Returns» «Beim Herfahren kam ich bei einem hiesigen Kino vorbei, und wie es schien, haben Sie mich bereits erwartet, denn auf der Reklametafel hieß es: 'Die Mumie ist zurück'»: Dies sagte Thatcher beim Parteitag der Konservativen in Plymouth 2001. Das Bild zeigt die eiserne Lady 2006.
Bild: Keystone



4/10 «I am extraordinarily patient, provided I get my own way in the end»
«Ich bin ausserordentlich geduldig, vorausgesetzt, ich kriege am Ende, was ich wollte»: Margaret Thatcher bei einer Konferenz in London 1983.
Bild: Reuters




5/10 «In politics, if you want anything said, ask a man. If you want anything done, ask a woman»
«Wenn Sie in der Politik etwas gesagt haben wollen, fragen Sie einen Mann; wenn Sie etwas getan haben wollen, fragen Sie eine Frau»: Die ehemalige Premierministerin bei einem Museumsbesuch in London 2007.
Bild: Keystone




6/10 «Failure? The possibilities do not exist»
«Scheitern? Diese Möglichkeit besteht nicht» sagte Thatcher über den Konflikt mit Argentinien um die Falkland-Inseln. Das Foto zeigt die eiserne Lady mit dem Personal eines Kriegsschiffs bei ihrem Besuch der Falkland-Inseln 1983.
Bild: AFP




7/10 «Consensus:The process of abandoning all beliefs, principles, values, and policies»
«Konsens erscheint mir als ein Prozess des Überbordwerfens aller Überzeugungen, Prinzipien, Werte und Grundsätze»: Auf dem Foto ist Thatcher 1989 mit dem damaligen französischen Präsidenten Francois Mitternd zu sehen.
Bild: AFP



8/10 «It's a funny old world»
«Das ist eine komische Welt» sagt Thatcher 1990, als sie nach parteiinterner Kritik zurücktritt. Das Foto zeigt, wie sie die Downing Street Nummer 10 nach dem Rücktritt verlässt.
Bild: AFP



9/10 «I don't waste time on any arguments»
«Ich verschwende keine Zeit auf Auseinandersetzungen», soll sie einmal gesagt haben: Thatcher im Cockpit ihres Flugzeugs während eines Flugs von Hong Kong nach Peking im Jahre 1984.
Bild: Keystone




10/10 «I don't think there will be a woman Prime Minister in my lifetime»
«Ich glaube nicht, dass es zu meinen Lebzeiten einen weiblichen Premierminister geben wird» bemerkte Thatcher in einer BBC-Sendung 1973, 6 Jahre bevor sie dann Regierungschefin wurde. Das Bild zeigt Thatcher 1977 mit dem damals 16-jährigen William Hague, dem jetzigen Aussenminister.
Bild: Keystone


Kommentar: Als eiserne Lady geht Margret Thatcher in die Geschichte ein. Politisch wurde die konservative und neoliberale Politikerin von den Linken nie geschätzt. Nachdem sie nun - 87 jährig - an einem Schlaganfall gestorben ist, feierten die Thatcher Gegner den Tod mit einer Freudenparty und bösartigen Songs. Die unwürdigen Spektakel nach dem Tod einer Premierministerin welche gegen die Linken politisiert hatte finde ich pietätlos. Die rund 200 Menschen die das Ableben der umstrittenen Politikerin feierten und  auf Plakaten die Verstorbene als Hexe und Schlampe verschmähten qualifizieren sich selbst. Kommentar überflüssig.

Montag, 8. April 2013

 
 Wir können Sie in Ihrer Auftrittskompetenz weiter bringen

Ich arbeite seit Jahren als  erfahrender Coach im Bereich Medien/Rhetorik. Unsere beigezogenen Profi Journalisten verfügen alle über die notwendigen, methodischen, didaktischen Grundkenntnisse im Umgang mit Erwachsenen (das ist leider nicht immer der Fall. Wer im Radio oder Fernsehen arbeitet, verfügt nicht automatisch über das notwendige, ausbildungspsychologische Rüstzeug). 

Möchten sie glaubwürdiger auftreten und an Ihrer Wirkung weiterarbeiten? Sei es bei Pressekontakten, Präsentationen, TV-Talkrunden, Seminaren, Reden, Workshop-Moderationen, Konferenzen oder anderen öffentlichen Auftritten: Sie erhalten bei K+K Bausteine, um auch bei Ueberraschungen, unter Druck, bei spontanen Situationen und Fragen, welche Sie aus dem Tritt bringen könnten,  dennoch zu überzeugen und auch vor grossem Publikum oder vor Mikrofon und Kamera zu glaubwürdig zu reden.

 
Ich arbeite ganzheitlich ohne Tricks und theaterzentrierten Methoden, die das Lampenfieber nur übertünchen?
Wenn Sie trotz Stress und äusserem Druck überzeugen wollen, setzen Sie sich mit mir in Verbindung.
!Ich arbeite  als erfahrener Experte und Medien-Coach in vertraulichen Seminaren für  Unternehmen und individuell für  Persönlichkeiten (Politiker, Führungskräfte), auch auf höchster Führungsebene.
Ausserdem arbeite ich mit Top - Journalisten zusammen.
Ich biete Ihnen folgende Module an:


Einzelcoachings

Intensives individuelles Caoching.

Gruppen-Seminare "Präsentationen / Ueberzeugen- aber wie?"

Massgeschneiderte Seminare über ein oder zwei Tage, mit bis zu 10 Teilnehmern. Wir erarbeiten mit bewährten Methoden (neues fachgerechtes Video Feedback).  Sie erhalten die notwendigen Instrumente,  um  Ihre Stärken zu nutzen und zu stärken. Gleichzeitig erkennen Sie Ihre blinden Flecken  und wir zeigen Ihnen, wie Sie an sich SELBST weiterarbeiten können. 



Gruppen-Seminare "Umgang mit Medien und Journalisten" - Rüstzeug für Ihre Oeffentlichkeitsarbeit auch in Krisensituationen.

Falls Sie  Pressekonferenzen leiten müssen oder sich überraschenden Fragen von Fachjournalisten in Interviews   behaupten, Talkrunden meistern, Ihre Unternehmens-strategie nach aussen kommunizieren oder verteidigen müssen: Wir können Ihnen auch dann weiter helfen! Unsere Seminare haben Expertenstatus.
Unser gemeinsames Ziel: Bei medialen Auftritten auch in schwierigen Situationen überzeugen können. Im Gegensatz zu anderen Anbietern stellen wir Ihnen keine  DVD unserer Kameraproben nach Hause geschickt. Denn diese Aufnahmen bleiben bei uns vertraulich und werden aus verschiedenen Gründen bewusst gelöscht.



Wenn Sie für Ihre Institution, für Ihr Unternehmen, Ihre Kanzlei oder Agentur eigene Wünsche haben, konzipiere ich Ihnen gerne ein individuelles massgeschneidertes Ausbildungsmodul.

Unsere Stärke (USP): Sie profitieren unter anderem von meiner jahrelangen Erfahrung als Analytiker bei Medienassessments.

Mediencoaching bedeute für uns vor allem: Hilfe zur Selbsthilfe. Ihr Selbstreflexionsvermögen wird gefördert, indem Sie Positionen, Rollen und Rollenhandeln und ist definitionsgemäss ein „Training zur zielgerichteten, lösungsorientierten Bewältigung von Dialogen vor Mikrofon und Kamera“.

Professionelles Mediencoaching benennt verdeckte Ressourcen und macht sie nutzbar.

Ich erwarte gerne Ihre Anfrage.

Sonntag, 7. April 2013

Freysinger gesteht Fehler ein


Ich zitiere So-blick:

Schadet er seinem Kanton Wallis? Vignetten-Zoff um Freysinger

Der neue Walliser Staatsrat Oskar Freysinger ergreift das Referendum gegen die 100-Franken-Vignette. Damit schade er seinem Kanton, sagen die Gegner. 
Jetzt krebst er zurück.

play Oppositions­politiker, Staatsrat oder beides? Oskar Freysinger.
(Remo Nägeli)

Erst seit drei Wochen ist er in der Walliser Regierung. Und schon setzt sich Oskar Freysinger (52) wieder voll in die Nesseln. Erst sorgte er mit einer Reichskriegsflagge für Wirbel. Jetzt wird publik, dass der Nationalrat und SVP-Vizepräsident als Aushängeschild im Kampf gegen die Preiserhöhung bei der Autobahnvignette aufgeführt wird. Die soll künftig 100 statt wie heute 40 Franken kosten.
Als einziger Exe­kutivpolitiker gehört Freysinger dem in diesen Tagen gegründeten Referendumskomitee an.
Damit hat er ein riesiges Eigengoal geschossen. «Das ist Populismus pur», sagt CVP-Präsident Christophe Darbellay (42). «Und ein Spiel mit dem Feuer.» Offenbar habe Freysinger noch nicht realisiert, dass er als Staatsrat eine andere Auf­gabe habe, als Oppositionspolitik für die SVP zu betreiben.

Freysinger gesteht Fehler ein
Auf die Vorwürfe angesprochen, krebste Freysinger gestern Samstagabend zurück. «Mir ist eine Panne passiert. Ich hatte wohl zu viel um die Ohren und hätte bei diesem Referendumskomitee nicht mitmachen sollen.»
Es sei ihm auch klar, dass der Kanton Wallis den höheren Vignettenpreis befürworte. Da die Bögen aber schon gedruckt seien, sei es für einen Austritt zu spät. «Da muss ich jetzt wohl durch.» Immerhin: Er werde sich in einem möglichen Abstimmungskampf zurückhalten und nicht mehr öffentlich äussern.

Kommentar: Ich hätte Oskar Freysinger auch geraten, sofort den Fehler einzugestehen. Wer die Schuld sofort auf sich nimmt, nimmt in der Regel  Druck weg. Die Gegner lassen von weiteren Schuldzuweisungen ab. Leider versuchen Politiker Pannen zu beschönigen, suchen  billige Ausreden und machen sich damit noch unglaubwürdiger.

Samstag, 6. April 2013

FLUCH-Rhetorik

Mein Vater schätzte es gar nicht, wenn wir zu Hause fluchten. Wenn wir Worte wie Gottver... sagten, mussten wir sogar den Mund spülen.


Heute ist erwiesen, dass Worte Menschen beeinflussen und umgekehrt auch eine achtsame Sprache das Verhalten positiv beeinflusst. Es lohnt sich die Sprache wieder  ernster zu nehmen.

Heute habe ich im Tagi gelesen:

«Gopferchlemi!»

Fluchen vor Kindern – man versucht es zu verhindern und rettet sich in eigenartige Ausdrücke wie «Pantanal!» statt «Taminomal». Muss das sein? Ein Experte weiss Rat.
Bei ihm ist Fluchen Kunst: Der spanische Künstler Javier Calleja mit «Fuck You All» an der internationalen Kunstmesse ARCO in Madrid. (15. Februar 2011)

Bei ihm ist Fluchen Kunst: Der spanische Künstler Javier Calleja mit «Fuck You All» an der internationalen Kunstmesse ARCO in Madrid. (15. Februar 2011)
Bild: Reuters

Roland Ris ist Malediktologe, zu Deutsch Fluchforscher. Bis vor sieben Jahren hat der Germanistikprofessor an der ETH Zürich unterrichtet. (Bild: PD)
Er hat sich mit aller Kraft gegen seine Kleider, den Zmorge und den Aufbruch gewehrt – und wir sind knapp dran. Als das Tram die Tür dann nicht mehr öffnet, trete ich entnervt dagegen und fluche «Gopfertami nomal!». Der Protest des Zweieinhalbjährigen ist verpufft, er ist einfach nur noch fasziniert. «Was hätt s Mami gmacht, was hätt s Mami gseit?», fragt er immer wieder und erzählt allen seine Version des Erlebten. «Gopfertaminoma!» ist sein neues Lieblingswort.
Eltern versuchen, möglichst nicht vor ihren Kindern zu fluchen – und scheitern. Spätestens, wenn sie im Auto sitzen und sich über einen anderen Fahrer ärgern, ist es vorbei mit der Contenance. Manche versuchen, sich für diese Situationen zu wappnen, indem sie sich möglichst kindergerechte Flüche ausdenken, und poltern dann «Potzblitz und Dunnerwätter!». Darf man vor Kindern und ganz allgemein so richtig vom Leder ziehen? Roland Ris, ein Experte in Sachen Fluchen, weiss weiter.


Haben Sie sich angewöhnt, anständig zu fluchen?

Ich bin ein älterer Herr, lebe in guten Verhältnissen und habe wenig Grund, mich aufzuregen. Fahre ich Auto, versuche ich dem Stau auszuweichen oder mich darauf einzustellen. Ein «Du Büffel da vorne!» entweicht mir aber auch dann hin und wieder.

Sind Sie ein begnadeter Flucher?

Leider überhaupt nicht. Fluchen kann man nicht lernen, das ist eine Gottesgabe und muss aus dem Bauch kommen. Im Emmental oder in Bayern gibt es viele, die wunderbar losziehen können, «Himmelherrgottkruzifix»! Solche Kettenflüche zeigen Freude an der Sprache, am Spiel mit ihr. Ich habe erst im Militär gelernt zu fluchen, zu Hause in der guten Stube war das verboten.

Sie sind Vater von vier Kindern. Wie haben Sie das gehandhabt mit dem Fluchen zu Hause?

Auch wenn Eltern das nicht gern hören: Kinder orientieren sich nicht an ihnen, sondern an anderen Kindern. «Du darfst das nicht sagen» bringt nichts. «Wir möchten das nicht hören zu Hause» ist jedoch eine sinnvolle Ansage. Bei der Erziehung geht es darum, Kindern zu vermitteln, dass sie ihr Verhalten und ihre Sprache der Situation und dem Gegenüber anpassen müssen. Dazu brauchen sie eine Palette von Ausdrucksmöglichkeiten.

Ein unbedachter Fluch genügt, und schon haben ihn Zweijährige intus. Woher rührt die Faszination am Fluchen?

Ein Fluch bündelt Emotionen, er drückt einen Kontrollverlust aus. Reagieren Eltern menschlich, tut das den Kindern gut, sie wollen die Eltern spüren. Nichts ist schlimmer als kalte, zu beherrschte Eltern.

Auch Eltern dürfen also losbrettern. Darfs denn auch mal vulgär klingen?

«Huärä» mag ich persönlich nicht und würde ich nie vor Kindern sagen. Doch kann man nicht alles steuern, wenn die Emotionen mit einem durchgehen. Aus Erfahrung weiss ich, dass Lehrer, die gelegentlich schimpfen, bei ihren Schülern beliebter sind als solche, die sich stets zusammenreissen. Auf Eltern trifft das wohl auch zu. Grundsätzlich würde ich dazu raten, die Würde des Gegenübers beim Fluchen nicht bewusst zu verletzen.

Wie sollten wir also besser nicht schimpfen?

Beim Fluchen sollte man keine ethnische Gruppe verunglimpfen, niemanden definitiv ausgrenzen und, soweit möglich, die Befindlichkeit seines Gegenübers berücksichtigen. Einem Pfarrer beispielsweise sollte man besser nicht mit «Heilanddonner» kommen.

Fluchen gilt als gesund und entschärft viele Situationen. Warum hat es ein so schlechtes Image?

Lange hat es zum guten Ton gehört, nicht zu fluchen. Seit Urzeiten beziehen sich Flüche auf Tabus. In katholischen Regionen lästert man gegen Gott: «Himmel Herrgott». In vielen Kulturen wettert man gegen die Eltern. So zetert man im Iran: «Ich furze in deines Vaters Bart», oder in der Türkei: «Du Sohn einer Gurke». Im arabischen Sprachraum schimpft man: «Deine Muttermilch war Kamelpisse», in Afrika: «Deine Mutter ist wie eine Telefonzelle, sie steht an jeder Strassenecke». In Russland bringt man Luzifer ins Spiel und keift: «Scher dich zum Teufel». In puritanischen Kulturen wie Amerika zischt man «Fuck».

Manche Eltern sagen Pantanal statt Taminomal, Mailand statt Heiland oder Scheibenkleister statt Scheisse. Bringts das?

Den Klang bei geändertem Sinn beizubehalten, ist ein verbreitetes Prinzip. Es entsteht dabei sprachlich Neues, und das gefällt mir. «Gopfridstutz» hat so «Gottverdamm’i» ersetzt, «Herrschaft» «Herrgott». «Sternefoifi» geht zurück auf «Sternefüfzgi», das füfzgi wiederum hat Tausend ersetzt, dahinter steckte einst der Teufel, der die Sterne vom Himmel holen sollte. Im Emmental sagt man «gwüni» statt «gwüss» – weil bloss der Liebe Gott weiss, was gewiss ist.

Besonders spielerische Flüche?

«Himmelarschundzwirn!», «Tuusigtotzetintehüsli!», «Himmi Herrschaftseitn, Kreiz Birnbam und Hollastaudn, Zefix Halleluja, Sackl Zement noamoi, Sauteifi misrabliger, Rame gscherta, jafreili, jez glangts aba sche langsam, du Rindviech, du karierts! Host mi?». Das war bayrisch und bedeutet: «Himmel Herrgott zur Seite, Kreuz Birnbaum und Holunderstrauch, Kruzifix Halleluja, Zementsack noch einmal, Sauteufel, erbärmlicher, geschorener Rammler, ja selbstverständlich, jetzt genügt es aber bald, du Rindvieh, du kariertes! Verstehst du mich?»

Sie sind einer der wenigen Fluchforscher, die es weltweit gibt. Wie sind Sie zu Ihrem Spezialgebiet gekommen?

Ich hatte das Bedürfnis, mich neben gehobener Literatur auch mit Volkstümlichem zu beschäftigen. Flüche bewegen sich am Rande der Sprache, sprengen sie, sind Ausdruck von Emotionen und Kreativität, oder sie waren es zumindest einst.

Heute sagen wir bloss noch «Scheisse», «Shit» und «Fuck»?

International verarmt die Fluchlandschaft, was ich sehr bedauere. Mit der Globalisierung gleichen wir uns auch sprachlich einander an. «Shit» ist ein Ausruf aus der Nachkriegszeit, der sich in Deutschland epidemisch ausbreitete und den Weg zu uns gefunden hat. Die deutsche Kultur hat eine Affinität zum Fäkalen. «Shit» und «Scheisse» sind Ausdruck einer Null-Bock-Generation ohne Perspektiven. «Scheisse» ist ein wenig erbaulicher Fluch, den ich als bedrückend erlebe.

Welche Alternative empfehlen Sie?

Sagen Sie «Gopf». Das ist viel schöner und erst noch ein Urzürcher Fluch.

Andere Urzürcher Flüche aus Ihrer Sammlung?

Bim Straal! Potz eebige Hagel! Potz häitere Faane! Du verbränti Zäine! Ums Himelsherdöpfelswile!< Jeegerli au! Gopfridstutz! Gopfridboonebluescht! Gopferchlemi! Hackermänt! Sackerlott!

Kommentar:

Mit Fluchen bezeichnen wir das Aussprechen oder Auferlegen eines Fluches. Unter Fluchen verstehen wir in der Rhetorik eine Form der verbalen Aggression. Siehe: Schimpfen oder Vulgärsprache.
Dank eines Fluches können wir uns zwar entlasten und Druck abbauen. Anderseits leidet aber auch die zwischenmenschliche-Beziehung. Das Kommunikationsklima wird gleichsam vergiftet. Aggression schürt Aggression. Das Fluchen kann zudem zur Gewohnheit werden. Viele Erzieher sagen zwar: Es ist ja gar nicht so gemeint. Jugendliche sagen heute einfach Fuck und Scheisse. Sie denken gar nicht an den Inhalt der Worte. In der Praxis können nicht nur Erziehende feststellen, dass Worte das Kommunikationsklima enorm beeinflussen.  Ich habe eine Hauswirtschaftslehrerin kennen gelernt, die liess es nicht mehr zu, dass im Unterricht Machosprüche (abwertende Bemerkungen) ausgesprochen wurden. Dank dieser Achtsamkeit wirkte sich dies nachher auch auf das Verhalten  - den Mädchen gegenüber - positiv aus.

Freitag, 5. April 2013

KNILL-RHETORIK

K wie kurz, konkret, Kernaussage, klären, 

    Klarheit, Körpersprache

N wie natürlich, narrative Rhetorik

I wie Interesse, Informationsmanagement

L wie LLL Formel: LebenLanges Lernen

L wie Lampenfieber, Loyalität


*********

R wie Rollenverständnis,  

    Reissverschlusstechnik

H wie Humor, Harvard-Prinzip, Hören

E wie "Erster Eindruck", EEE Regel, 

    Emotionen

T wie Teamfähigkeit, 

    Teamkommunikation, 
    Transparenz, TTT   Formel

O wie offen, oeffentliche Auftritte

R wie Redeangst, Resilienz

I  wie Interview, 

    Ideenreichtum (Kreativität)

K wie die K- Formel, Konflikthandhabung


********

Die meisten Begriffe können Sie im Inhaltsverzeichnis Rhetorik anklicken (nach ABC geordnet). Dann finden Sie dort auch eine Erläuterung.

********

Wer weiss, was er will, wählt als Berater KNILL+KNILL


Donnerstag, 4. April 2013



 Das ABC der Medienrhetorik
(Medienseite SN vom 3. April 2013)

(Kleiner Leitfaden zur Medienrhetorik)

Der Auftritt vor den Medien
kann gelernt werden.


Wie, erklärt
ein Experte
für Medienrhetorik.


von Marcus Knill




Auftritte vor den Medien
gehören zum Alltag von Politikern und müssen entsprechend trainiert werden.
 

Schwimmen lernen wir bekanntlich
nur im Wasser. Der Auftritt vor Mikrofon
und Kamera muss ebenfalls praktisch
gelernt werden. Dennoch lohnt
es sich, folgendes Rüstzeug zu verinnerlichen.
Nachfolgend werde ich die
drei hilfreichen Bausteine (ABC) kurz
erläutern. Zuerst eine Vorbemerkung:
Anlässlich des Duells Minder – Vogt
im Zunftsaal der «Schaffhauser Nachrichten
» wollte eine Zuhörerin von mir
wissen, wer medienrhetorisch besser
abgeschnitten habe. Meine Antwort erstaunte
sie. Ich vertrat die Meinung,
dass nicht das Urteil von Experten
oder Analytikern ausschlaggebend sei,
sondern das der Adressaten, der sogenannten
Laien. Das Publikum entscheidet,
wenn es um die Wirkung von
Medienauftritten geht. Jeder Mensch
hat im Laufe des Lebens gelernt, die
Signale der Körpersprache zu entziffern.
Auch ohne Zusatzstudium bei
Samy Molcho sind wir eigentlich alle
fähig zu sagen, ob jemand überzeugt
oder nicht. Wer seine Wahrnehmungsfähigkeit
nicht zugeschüttet hat, merkt
auch als Laie, ob jemand ein falsches
Spiel spielt.
Früher wurden Politiker von Trainern
gleichsam für den Medienauftritt
abgerichtet. Sie mussten sich die Tipps
und Tricks der Berater aneignen. Das
ist aus meiner Sicht ein völlig falscher
Ansatz. Ungezählte Berater
trainieren derzeit
Politiker und Manager
für Medienauftritte und
Bewerbungsgespräche.
Die Branche scheint zu
florieren. Jedenfalls besteht
ein riesiger Markt.
In einer gefälschten
Welt, in der Menschen
nur noch Rollen spielen,
ist Menschenkenntnis
ein kostbares Gut geworden.
Nur wenige
trauen sich, hinter die zur Schau gestellte
Fassade zu blicken. Sicherheit
wird zu oft künstlich vermittelt. Viele
spielen dieses Spiel mit, und die Kasse
scheint zu stimmen. Ein Ausbilder erklärte
an seiner teuren Fortbildungsveranstaltung,
dass Leute, die die Arme
verschränkten, verklemmt seien. Oder:
Wer die Fingerspitzen an den Mund
halte, der nehme es mit der Wahrheit
nicht so genau. Viele Trainer übernahmen
leider solche pseudowissenschaftlichen
Erklärungen der Körpersprache
und vermitteln dann diese absonderlichen
Informationen ihren Kunden. Im
Training bringen sie ihnen dann bei,
während des Sprechens ja nicht die
Arme zu verschränken oder während
eines Auftrittes mit den Händen auf
keinen Fall das Gesicht zu berühren. So
werden die Bewerbungsgespräche und
Auftritte vor Mikrofon und Kamera zu
reinen Dressurakten, bei denen der
Trainer viel verdient und Menschen
wider Willen eine Komödie aufführen.
Die Produkte: eine falsche Welt par excellence.

Professionelle Coachs verzichten
auf theaterzentrierte Schulungen. Sie
vermitteln Politikern und Persönlichkeiten
keine Rezepte, sondern sie bringen
ihre Schützlinge so weit, dass sie
trotz Stress, Druck und Spannung klar
denken und die Gedanken einfach, verständlich
und zeitgerecht auf den
Punkt bringen können. Das Ziel sind
Natürlichkeit, Echtheit, Glaubwürdigkeit,
Authentizität. Nach der Erkenntnis:
Wenn jemand glaubt, was er sagt,
darf er auch rhetorische Fehler machen.
Das Publikum merkt letztlich, ob
jemand Theater spielt und falsch kommuniziert.
Bluff und Falschspielen werden
vom Publikum langfristig erkannt.
Die Leute können meist nicht genau sagen,
weshalb, doch spüren es Zuhörer
und Zuschauer intuitiv, wenn etwas
nicht stimmt. Wenn jemand überzeugt
ist von seinen Äusserungen, stimmen
nämlich alle Signale wie Stimme, Körpersprache,
Blick, Lidschlagzahl, Hautfarbe,
Schweissaustrieb, Haltung, Muskeltonus
usw. mit der echten inneren
Stimmung (Einstellung) überein!
Es gibt selbstverständlich Kriterien,
die bei Medienauftritten wichtig sind,
Grundsätze, die sich bewährt haben
und deshalb zur Kenntnis
genommen werden
sollten. Nochmals: In
erster Linie muss der
Akteur echt, natürlich
und er selbst bleiben.

Diese gewünschte Natürlichkeit
lässt sich –
trotz Druck und Stress
vor einem grossen Publikum,
vor Scheinwerfer
und Kamera – durch
«learning by doing» erlangen.
Es tönt paradox,
aber es ist so: Natürlichkeit vor Mikrofon
und Kamera können wir lernen, wie
Lesen und Schreiben, denn Medienauftritte
haben die wenigsten in einer normalen
Ausbildung praxisorientiert gelernt.
An heikle Mediensituationen können
wir uns durchaus gewöhnen. Dank
eines fachgerechten Coachings ist es
möglich, das ABC der Medienrhetorik
zu verinnerlichen. Dabei lernen wir im
Mediensimulator, auch unter Druck, bei
Überraschungen und in heiklen Situationen
natürlich zu bleiben.

 Nachfolgend
drei hilfreiche Hinweise zum ABC
der Medienrhetorik:


Kernbotschaft im Mittelpunkt

Beleuchten wir zuerst die AAA-Formel:

Anfang (Aufhänger sollte appellativ
und emotional sein), Argument
(ist rational, emotional und nennt Fakten),
Abschluss (appellativ, emotional
eventuell Wiederholung, Fazit). Diese
Gedankenstütze ist einfach. Die sogenannte
AAA-Regel hat sich in der Praxis
bewährt. Repetitive Festigung des
Kernthemas ist Teil der Technik. Es ist
eine klassische Trilogie, die wir in Coaching
Sessions schon oft erfolgreich gebraucht
haben. Im Studio habe ich erlebt,
dass viele ihre Kernbotschaft
nicht erwähnen, weil sie für den Sprechenden
eine Selbstverständlichkeit
ist. Oft wird sie höchstens noch am
Schluss formuliert. Erwähnen Sie deshalb
bei Ihren Auftritten die Dachbotschaft
schon am Anfang, dann wieder
in der Argumentationsphase, zusätzlich
in der Zusammenfassung am
Schluss. Da nochmals das Wichtigste
in Kürze:

A = Anfang = Einstieg. Um
was geht es? Ohrenöffner. Kurze, einfache
Sätze (weckt Aufmerksamkeit).

A = Argument = Kerngedanke. Ein
persönliches Erlebnis, eine Geschichte
oder ein Bild. Argumente (überzeugt,
prägt).

 A = Abschluss = Schlussgedanke.
Appell, Zusammenfassung, Wiederholung
der These (ist nachhaltig).

Beispiele zur Botschaft machen

Hier geht es um die BBB-Formel:

Botschaft – Beispiel – Bilder. 

Zusammen mit den erfahrenen Fernsehjournalisten
Steffen Lukesch und Franz
Fischlin (SRF) entwickelten wir in
unseren Intensivseminaren folgende
BBB-Formel:

 Botschaft: Was ist die
Key Message? Beispiel: Ein Beispiel für
die Botschaft, die man vermitteln will.

Bilder: Bilder sind auch beim Einstieg
und am Schluss wichtig. Dieser Handlauf
lässt sich einfach merken: Ein Argument
oder eine These muss mit
einem Beispiel oder einem Bild gekoppelt
werden.

Erfolg durch Charisma

Hier hilft uns uns die CCC-Formel:
Charisma – Chance – Check.

Zum Charisma:
Charisma hat viele Facetten.
Dem neuen Papst wird Charisma attestiert.
Jacky Kennedy hat es gehabt,
aber auch Trickbetrüger, Scharlatane
hatten es. Charisma kann ein Segen
sein. Wird es missbraucht, ist es ein
Fluch. Charismatische Visionen haben
Leute weiter, aber auch ins Verderben
gebracht. Wenn wir bei einem Politiker
oder bei einer Führungspersönlichkeit
von Charisma reden, so denken wir
heute vor allem an seine Ausstrahlung.
In der Angewandten
Rhetorik sehen wir, dass
jenen Personen Charisma
zugeschrieben
wird, die glaubwürdig
reden, die sich akzeptieren
und ihre Stärken
und Schwächen kennen.
Tatsächlich hat das Charisma
einer Persönlichkeit
etwas mit dem inneren
Gleichgewicht zu
tun. Bei Kommunikationsprozessen
wird
dies meist bei Menschen ersichtlich,
deren Körpersprache, Stimme und Aussage
übereinstimmen. Manche Menschen
scheinen das «gewisse Etwas» zu
haben – andere nicht. Was aber macht
es genau aus, dass man bei einer Person
von Charisma spricht? Charismatischen
Menschen gelingt es, andere
in ihren Bann zu ziehen. Kaum
treten sie auf, ziehen sie Blicke auf sich
und werden von allen beachtet. Ein
Mensch, dem Charisma zugeschrieben
wird, kann beeinflussen, etwas bewirken
und hat meist rhetorisch Erfolg. Es
gilt stets zu bedenken: Eine charismatische
Persönlichkeit kann auch verführen
und ihre Überzeugungskraft missbrauchen.

Zur Chance: Medienauftritte sind
immer eine Chance. Dank der Medien
kann ich meine Botschaft einem Millionenpublikum
präsentieren. So ein Auftritt
ist viel wert. Werber zahlen für
einen 30-Sekunden-Werbespot Tausende
von Franken. Wenn ich die
Chance eines Auftrittes habe, muss ich
sie zu nutzen wissen.

 Zum Check: So,
wie wir vor einem Auftritt alles klären
und überprüfen, so gilt es auch nach jedem
öffentlichen Einsatz dessen Resultat
auszuwerten (Debriefing). Es gibt
unterschiedliche Feedbackverfahren.
Aus meiner Erfahrung lohnt es sich,
einen Bekannten als Hofnarren zu bestimmen,
der offen und ungeschminkt
den Spiegel hinhält und direkt unter
vier Augen sagt, was ihm gefallen oder
was ihn gestört hat. Diese CCC-Gedankenstütze
hat mit der eigenen Persönlichkeit
zu tun.

 Es geht stets um unsere
Einstellung – den Medien, der Sache
und dem Publikum gegenüber.
Schwächen und Stärken
Bei der Auftrittskompetenz im Umgang
mit Medien gilt es immer, uns
unsere Schwächen und Stärken bewusst
zu machen. In einem fachgerechten
Coaching wird prozess- und
praxisorientiert (gemäss Hofnarren-,
Spiegelprinzip) gearbeitet. Der Gecoachte
lernt, wie er unabhängig von
Beratern seine Kompetenz optimieren
kann: Es geht um die Hilfe zur Selbsthilfe.
Wer sich verbessern will, muss
allfällige blinde Flecken (Störfelder
und Marotten) kennen. Nur so lassen
sich Kommunikationsprozesse
verbessern.
Lernen und Verbessern
ist ein laufender Prozess,
der nie abgeschlossen
ist. Vor fünf Jahren
lernte ich eine
Führungspersönlichkeit
kennen, die zu Beginn
der Ausbildungssequenz
sagte: «Ich muss
nichts mehr lernen. Ich
weiss, wie man mit Medien
umgeht. Ich habe
schon einmal – nach dem Studium –
ein Medientraining besucht.» Auf
meine Frage: «Dann sind Sie demnach
so weit, dass Sie hinsichtlich Auftrittskompetenz
gar nichts mehr lernen
müssen?», folgte ein deutliches
«Ja». Ich sagte: «Schön, dass Sie nichts
mehr neu lernen müssen und alle
Sprechmarotten kennen, deren man
sich nicht bewusst ist.» Mein Kameramann
bemerkte hernach in der Kaffeepause:
«Wer nichts mehr lernen will,
hat eigentlich ein Brett vor dem Kopf»,
und verwies auf unsere LLL-Formel:
Es ist das Kürzel für LebensLanges
Lernen.

* Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik, ist Autor des virtuellen
Buches www.rhetorik.ch. Er analysiert seit Jahren Führungspersönlichkeiten
im «persönlich», dem Schweizer Wirtschaftsmagazin für
Kommunikation, unter der Rubrik «Medienrhetorik».