Donnerstag, 24. Mai 2012

Worte und Bilder, die unter die Haut gehen



 

Das Röschen, das die Gattin des Alt Bundesrates Deiss als Tattoo auf ihrer Schulter verewigen liess, fand noch ein grosses Medienecho. Heute ist dies nichts Besonderes mehr. Viele lassen sich unbedacht tätowieren, wohl wissend, dass die Worte und Bilder nicht ohne Schmerzen unter der Haut verewigt werden. Vielleicht aber auch - ohne zu wissen - wie toxisch die benutzte
Farbe ist und wie schmerzvoll das Entfernen einer Tätowierung sein kann. Von den Narben nicht zu sprechen. Die Totenköpfe, Jungfrauen usw. haben zudem keinen Langzeitwert. 


Die alten STICH-Worte und STICH-Bilder kommen rasch aus der Mode , wie beispielsweise das Hirschgeweih im oberen Gesäss.



mein steißtattoo



Ulrike Landfenster erwähnt zwar in ihrem jüngsten historischen Buch "Stichworte, Tätowierungen und europäische Schriftkultur", dass man bereits bei der 1991 entdeckten Gletscherleiche, Narbentätowierungen (die von Schnitten stammen) entdeckt habe.

Wenn man jedoch bedenkt, dass in Auschwitz die Nummerntätowierungen gleichsam ein  in Fleisch geprägtes Mal Tatsache ist, fällt es schwer, die Tätowierung als alte Kulturtechnik zu bezeichnen. In der Antike wurden bereits Soldaten und Sklaven mit Tätowierungen stigmatisiert.


Laut Landfenster galt die Tätowierung in der Frühneuzeit als Ausdruck der Barbarei.


Heute sind  Tätowierungen Botschaften, mit denen man der Umwelt nicht nur Persönliches von sich selbst preisgibt. Viele Bilder und Worte wollen auch die Umwelt beeinflussen. Wollen  wir unseren Körper als PR - Plattform missbrauchen?



Ein Garuda und ein Drache kunstvoll tätowiert. Wegen ihrer Tattoos wird diesen Damen in manchen öffentlichen Bädern der Eintritt verweigert Lernen Sie NEIN sagen. 
Wollen Sie Ihre Haut zu einer Leinwand verkommen lassen?





So - wie wir im Netz (Facebook, Google usw.) die Gefahren und Folgen des unbedachten Publizierens kennen sollten, müsste sich die Oeffentlichkeit auch über die Auswirkungen des Tätowierens Gedanken machen. Auch hier gilt: Ueberlegen, denken - dann erst handeln.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Info für PP G. M.:


Frei reden und überzeugend auftreten


Die Rhetorik Night - Ein Feuerwerk rhetorischer Tipps. Kurz, kompakt, auf den Punkt.  Abendseminar  von 18.30h bis 22.30h.


Auch wer von berufwegen gewohnt ist, öffentlich aufzutreten, wird in neuen oder ungewohnten Situationen von einer diffusen Schwellenangst befallen. Das ist normal. Ein Sekundarlehrer, der an einer Gemeindeversammlung neben mir sass, wollte etwas sagen, blieb aber sitzen. Er hätte etwas Wichtiges fragen wollen. Ich wollte von ihm wissen, warum er sich nicht zu Wort gemeldet habe. "Vor so vielen Leuten bin ich mir nicht gewohnt zu reden. Schau nur die vielen Augen im Saal!" antwortete er mir.
Die vorhandenen Schwellenängste können wir  überwinden lernen. Aber wie? Es geht leider nicht mit trockender Theorie,  mit Lesen oder indem wir uns die Ratschläge eines Rhetorikexperten  anhören.  Nur durch das TUN,TUN,TUN (TTT) lernen wir neue Situationen meistern. Im Grunde genommen verfügen  Lehrpersonen bereits über viel theoretisches Wissen. Doch mangelt es bei ungewohnten Auftritten meist lediglich  an der Praxis oder am Mut, sich schrittweise neuen schwierigeren Situationen auszusetzen.  Wenn wir beispielsweise als Nichtschwimmer Literatur über das Schwimmen lesen, können wir auch noch nicht automatisch schwimmen. Nur wenn wir uns jedoch ans Wasser gewöhnen und das theoretische Wissen praktisch anwenden, lernen wir schwimmen. Ich möchte Ihnen in der nächsten Woche trotz dieser Erkenntnis zeigen und bewusst machen, wie Sie auch in schwierigeren Situationen überzeugen können und wie Sie anspruchsvolle Kommunikationsprozesse vereinfachen können.












Schwellenangst überwinden















von Hildegard Knill

Artikel im Migros Magazin
  • Das Wichtigste ist das Tun, das Üben. Reden in einem grösseren Kreis lernen Sie nur mit reden.
  • Sie müssen sich bewusst werden, dass Eustress zu jeder Verlautbarung gehört
  • Allein schon das Wissen, dass Lampenfieber normal ist, reduziert die Schwellenangst.
  • Schwimmen lernen wir nur im Wasser. Nutzen Sie deshalb jede Gelegenheit, sich vor einem Publikum zu äussern.
  • Beginnen Sie mit einfachen Bemerkungen. Zum Beispiel, vor einem Vortrag: Kann man das Fenster öffnen, ich finde es heiss? Lernen Sie, Fragen zum Thema zu stellen.
  • Wenn Sie sich sicherer fühlen, wagen Sie es mit einem einfachen Votum zu Sache. Ein Gedanke genügt.
  • Reden Sie immer frei. Bei längeren Beiträgen genügen Stichworte. Wichtig: Nie ablesen!
  • Trainieren Sie, reden Sie! Schwellenängste bauen Sie nur ab, wenn Sie erleben, wie einfach es ist, einen anschaulichen Gedanken auf den Punkt zu bringen
  • Besuchen Sie nur prozessorientierte Redetrainings. Schwellenängste werden nicht mit Lesen oder Zuhören abgebaut.


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Sprachreiniger sind die Wegbereiter von Sprachpolizisten


Sprachreiniger werden nicht nur in den USA zu Volksbelehrern.
In den Staaten gibt es längst keine behinderten Mitbürger mehr. Sie sind "Herausgeforderte".
Auch bei uns nisten sich immer mehr Sprachreiniger in Redaktionen und Verlage  ein.
Bei Ringier wurde beispielsweise der Begriff "Fussgängerstreifen" eliminiert. Mit dem Ausdruck "Zebrastreifen" wollte man die Frauen  mit einbeziehen, obschon der Fussgängerstreifen nicht nur für Zebras geschaffen wurde.
In den Schulen darf es keine "Verhaltensgestörte" mehr geben. Euphemistische Begriffe wie "Verhaltenauffällige" oder "Verhaltenoriginelle" sollen die Störer im Unterricht nicht vor den Kopf stossen.


Schnörkellose Offenheit scheint verpönt. Wenn bei betroffenen Menschen - beispielsweise in den Staaten  selbstverschuldeten  übergewichtigen Kindern oder Truckerfahrern -  in einer Kampagne nicht mehr als DICK bezeichnet   dürfen - sondern den Terminus GROSS verankern wollen, so nützt dies nichts, zumal falsch ernährte Jugendliche schon in der Highschool zur Insulinspritze greifen müssen. Das Schönreden wird kein Umdenken bewirken.
Ich wehre mich seit Jahren gegen eine Sterilisierung der Sprache.  Wenn wir die Auswüchse der Sprachpolizisten verhüten wollen, müssen wir dafür uns dafür einsetzen, dass wir bei eindeutigen Sachverhalten kein Blatt vor den Mund nehmen. Weshalb nicht Klartext reden und schreiben?


LINKS:


Sprachpolizei


Feministische Rhetorik


Weichspüler



Zebrastreifen


Seit den Gleichstellungsdiskussionen forderten feministische Linguistinnen zu Recht, dass zahlreiche Begriffe, die ausschliesslich männlich geprägt waren, ...
www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html


3. Juni 2010 ... Das neue Wort "Zebrastreifen" gilt zur Umgangssprache und soll in juristischen Texten nicht gebraucht werden. Die Liste von Änderungen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/06_03/index.html
1. Jan. 2004 ... Das Sachbuch "Die Sprachpolizei" von Diane Ravitsch analysiert und kritisiert Fehlentwicklungen und Auswüchse dieser zum Teil grotesken ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jan_01_2004.html
... 05: Wer steht, wird besser verstanden · 25 Nov 04: Zum Gebrauch des Plurals · 22 Sep 04: Modernes Latein · 01 Jan 04: Sprachpolizei säubert Schulbücher ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/Sprache.html
9. Jan. 2011 ... Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Sprachpolizei · Das Elter · Kindergartenlehrperson · Feministische Sprache · Aktuell Sprache ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/01_09/index.html
5. Juli 2011 ... Die "Genderpädagogen" durchkämmen als Sprachpolizisten die Märchen und Kinderbücher. So zwingen sie Mädchen zu Kampfspielen.
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/07_05/index.html
29. Dez. 2010 ... Dez, 2010). Die Kindergartenlehrperson. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Aktuell Sprache · Kindergartenlehrperson · Das Elter · Sprachpolizei ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/12_29/index.html
15. Aug. 2006 ... Sprachpolizei · Medienrecht. In "20 Minuten" haben wir gelesen: "Je mächtiger der Suchmaschinenbetreiber Google wird, desto weniger Spass ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/06/08_15.html




Dienstag, 22. Mai 2012

"Warme Luft" als rhetorische Erfolgsformel?


Als Coach werde ich immer wieder von Politikern gebeten, Antworttechniken zu vermitteln, bei denen man sich nicht konkret festlegen muss. Dies weil man sich in Diskussionen die Finger nicht verbrennen will d.h. sich nicht konkret festlegen will.

Erstaunlich, dass dies von mir gewünscht wird, obwohl ich mich seit Jahren stets für kurze, klare, eindeutige Aussagen stark mache:




Siehe LINKS:






Airbagrhetorik


Quasseln


Reden und nichts sagen


Diplomatenrhetorik


12. Mai 2002 ... "Airbagrhetorik" ist eine defensive Art der Kommunikation. Worthaufen drängen sich zwischen die Gesprächspartner. Diese leeren Worte im ...
www.rhetorik.ch/Airbag/Airbag.html
12. Sept. 2007 ... Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft im ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/09_12/index.html
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
Der Vorteil der Airbag-Rhetorik liegt auf der Hand: Niemand kann die Redner später an den Aussagen messen. Wenn das Pu- blikum solche Standardphrasen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/09_12/09_07.pdf
Über die fragwürdige Kunst des Redens mit hohlen Worthülsen. Sehen Sie auch die Beiträge über Quasseln und Airbagrhetorik.
www.rhetorik.ch/Hohl/Hohl.html




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14. Sept. 2009 ... Das Studium der Fotostrecke illustriert, dass diese Frau schon immer wusste, was sie wollte. Ihre Airbagrhetorik wird gezielt eingesetzt und ist ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/09/09_14/index.html

24. Dez. 2010 ... Worthülsen oder Airbagrhetorik sind Formulierungen, die Redner oder Schreibende gedankenlos einsetzen ohne zu überlegen, was die Worte ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/12_24/index.html


Quasseln, Reden und nichts Sagen, Reden mit leeren Phrasen und Worthuelsen .
www.rhetorik.ch/Quasseln/Quasseln.html


8. Dez. 2005 ... Nach ihrem 50-minütigen Treffen zwischen Condoleezza Rice und Angela Merkel erklärte die Kanzlerin, Rice habe Fehler zugeben.
www.rhetorik.ch/Aktuell/05/12_08.html
11. Sept. 2008 ... Die folgende Analyse ist in der Zeitschrift Persönlich (www.persoenlich.com), dem online Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft im ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/09_11/index.html
Dateiformat: PDF/Adobe Acrobat
11. Sept. 2008 ... dank geschickter Diplomaten-Rhetorik gelang es dem Botschafter aber, die Vorwürfe abzu- schwächen. Sonntag: “Herr Botschafter, Sie sind ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/09_11/09_08.pdf


Der Wunsch nach weichgespülten Antworttechniken kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich veranschaulicht die Praxis, dass jene, die beim Reden "heisse Luft" produzieren, im Alltag recht gut wegkommen und oft sogar besser gewählt werden.

Auch  beim jüngsten G8 Gipfeltreffen verstanden es die wichtigsten Staatschefs, einen angeblichen Erfolg so aufzupolieren und zu beschönigen, dass die Bevölkerung glaubte, man hätte in der Wirtschaftskrise eine Lösung gefunden. Die Chefs warteten mit einer nichtssagenden  Erkenntnis auf:

Mit der Plausibilitätsformel  "Wachstum (Beschäftigung) und Sparen" weckten sie den Eindruck, dass man sich einig ist und den Spagat schaffen könne, zu investieren und gleichzeitig den verschuldeten Haushalt in Ordnung  bringen könne. Wie man jedoch mit neuen Schulden gelichzeitig sparen kann, wird nicht gesagt.

Rolf Dobelli bezeichnet dieses "Ueberzeugen mit heisser Luft" in der "SonntagsZeitung " vom 20. Mai als  Strategic Mispräsentation. Auf deutsch: "Strategische Falschaussagen".

Leerformeln lohnen sich angeblich  bei Megaprojekten von Regierungen. Denn niemand trägt für diese Aussagen die Verantwortung.

Beim G-8 Treffen scheinen zwar alle beim Schlussbericht mit eingebunden. Doch beim Misserfolg können sich  dann aber nachträglich alle gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben.
Die Gespräche auf dem G-8-Gipfel im Camp David sind ein Musterbeispiel, wie die Lösung einer gravierenden Schuldenkrise  mit  Worten und geschickten "Falschaussagen" weichspült werden kann.
Wer jedoch die Erfolgsformel kritisch liest, erkennt das Treten an Ort der Führer von Japan, Kanada, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Russland. "Wachstum" lautet das neue Zauberwort. Doch die Wachstumsmilliarden können nicht einfach  aus dem Hut gezaubert werden.

Montag, 21. Mai 2012


Die Vorboten von Pfingsten  sind im Garten  schon da
Pfingstrosen Knospen

Jauch lehnt  einmal mehr Maulkorbpolitik ab:

Trotz Protesten darf Sarrazin bei ihm reden.


Sarrazin-Auftritt in der ARD

 Jauch zeigt Mut zur Lücke

Moderator Jauch (Mitte) mit Steinbrück, Sarrazin (rechts): Alles kam auf den TischZur Großansicht

Moderator Jauch (Mitte) mit Steinbrück 
Sarrazin(rechts): Alles kam auf den Tisch


Eine gute Talkshow zum Thema Euro-Krise? Gab's noch nie - bis Sonntagabend. Günther Jauch pfiff auf Proporz und Political Correctness, ließ Thilo Sarrazin reden, und siehe da: Es wurde richtig interessant.
 Thilo Sarrazin (SPD) und Peer Steinbrück (SPD) teilen sich das Podium bei Günther Jauch.



Es gab mittlerweile so viele misslungene Diskussionsrunden zur Euro-Krise, dass bei SPIEGEL ONLINE schon die Forderung aufkam, dieses Thema für Talkshows zum Tabu zu erklären. Günther Jauch hat am Wochenende den Beweis geliefert: Es geht! Für eine gute Talkshow zum Thema Euro-Krise reicht es völlig, die Zahl der Gäste zu halbieren - um die richtige Hälfte versteht sich. Großrhetoriker Steinbrück und Provokationsprofi Thilo Sarrazin diskutierten über genau die Fragen, die vermutlich eine ziemlich große Zahl von Deutschen umtreibt. Und gleichzeitig strafte die Debatte ganz nebenbei all jene rechten Verschwörungstheoretiker und Sarrazin-Jünger lügen, die gerne über angebliche Denk- und Sprechverbote in Deutschland spintisieren.
Denkverbote gab es nicht, alles kam auf den Tisch: Sind die Deutschen auch wegen des Holocaust so gute Europäer? Steinbrück würde es differenzierter ausdrücken, sagt ansonsten aber sinngemäß: Ja, und das ist auch gut so. Ein "solcher politischer und ökonomischer Klotz wie Deutschland" mit solch dunkler Vergangenheit sei für seine Nachbarn eben nur zumutbar, wenn er in europäische Institutionen eingewoben sei. Sarrazin sagt sinngemäß: Ja, und das ist nicht gut so.
Und zeigen die im Zuge der Euro-Krise wieder aufgebrochenen Vorurteile von Schummel-Griechen und deutschen Spar-Diktatoren möglicherweise, dass der Euro eben nicht zur europäischen Einigung beiträgt - sondern zur europäischen Zwietracht (Sarrazin)? Oder entstehen diese Ressentiments nur, weil das Krisenmanagement der Bundesregierung versagt hat (Steinbrück)? An dieser Stelle konnte man einmal mehr froh sein, dass kein Proporzgast aus dem Regierungslager anwesend war, sonst wäre die Runde mindestens zehn Minuten lang in den Doof-selber-doof-Modus zurückgefallen.
Stattdessen ging es noch darum, ob eine gelungene europäische Einigung eigentlich nur die Summe aus Frieden, Demokratie und Wohlstand darstelle (Sarrazin) - oder ob da noch mehr sei, eine Art europäische Mission in der Welt. Steinbrück: "Unabhängige Gerichte, Sozialstaat, Trennung von Staat und Kirche, Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Aufklärung - das ist Europa, und davon finde ich bei Sarrazin nichts."

In einigen Punkten herrschte auch überraschende Einigkeit zwischen den Kontrahenten: Ja, es war ein Riesenfehler, den Euro einzuführen, bevor die politische Union Europas vollendet war. Ein noch größerer Fehler war es, Griechenland aufzunehmen. Und ja, man hätte Griechenland vermutlich bereits 2010 pleite gehen lassen können, bevor es so richtig teuer gekommen wäre. Und sollten sich die Griechen jetzt nicht ans vereinbarte Spar-und Reformpaket halten, dann müssten sie die Euro-Zone verlassen. Aber Einigkeit auch darüber: Ein Austritt aus der Eurozone ist für Deutschland keine Option.
 
Dazwischen noch eine Menge Ökonomie aus der absoluten Spezialitätenabteilung, die richtige Interpretation von Außenhandelsstatistiken etwa oder das Timing der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Aber immer, wenn die beiden gefühlten Großvolkswirte Steinbrück und Sarrazin allzu penetrant die Länge ihrer Rechenschieber vergleichen wollten, beendete Jauch die Fachdebatte, kehrte zurück zur großen Frage, wie eigentlich Euro und Europa zusammenhängen, und entlockte Sarrazin ganz zum Schluss noch das Bekenntnis, dass er bei der nächsten Bundestagswahl vermutlich wieder SPD wählen werde.


Kommentar:  Günther Jauchs Meinung und  die Antipathie  des Publikums  gegenüber Sarrazin war deutlich erkennbar. Sarrasin stand im Gegenwind. Dennoch holte sich der Moderator  viele Punkte, weil er sich vom Druck von aussen nicht beeinflussen liess und den Mut aufbrachte, heisse Tabuthemen offen und vertiefend auszudiskutieren. Die Kontrahenten Steinbrück und Sarrazin brachten es meist fertig,  die missliebige  Gegenmeinung zu erdulden. In der Regel  liessen sie das Gegenüber ausreden. Nur einige Male konnte sich Steinbrück nicht mehr beherrschen.  Dank Günther Jauch kam es bei dieser Auseinandersetzung zu einem echten Meinungsaustausch. Ich bin überzeugt: Bei einer grösseren Runde hätte der Zuschauer  vor allem Quasselrhetorik anhören müssen, weil in grösseren Runden viel leeres Stoh gedroschen wird. Die Reduktion der Gesprächsteilnehmer hatte sich somit ausbezahlt.


Nachtrag: Mich erstaunen heute die zahlreichen positiven Echos im Netz für Sarrazin.

Beide Kontrahenten  konnten bei Jauch ihre egoistischen Ziele verwirklichen. Steinbrück war es möglich, sich als Kanzlerkandidat zu profilieren und Sarrazin als Werbeträger seines neuen Buches.

Augenkommunikation


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Letzte Woche arbeitete ich wiederum mit Steffen Lukesch zusammen. Mein Partner und Fernsehprofi betonte  in unserem anspruchsvollen Intensivseminar mit Führungskräften:


Die Augen sind die Nabelschnur der Kommunikation.


Dieser Gedanke macht uns einmal mehr die Bedeutung der Augenkommunikation bewusst:


LINKS:


7. Jan. 2007 ... Der Blickkontakt darf als Kommunikationsbrücke nicht unterschätzt werden. Schlechter Blickkontakt reduziert die Wirkung beim Gegenüber.
www.rhetorik.ch/Blickkontakt/Blickkontakt.html
24. März 2007 ... Wir haben erlebt, dass der Blickkontakt dann automatisch stimmt, ... Wer während des Sprechens an den Blickkontakt denkt, wirkt lächerlich.
www.rhetorik.ch/Ueberzeugen/Erfolg.html



Ich habe in einer Seminararbeit der Uni Freiburg zu dieser Thematik in einem e - book  folgende Seiten gefunden:


Augenkommunikation

www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/97150.html
30. Juli 2000 – Augenkommunikation - Anja Lott - Seminararbeit - Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe. Hausarbeiten.de bietet über 130.000 ...
Hier werden wertvolle Erkenntnisse aufgelistet. Daraus einige Aspekte:

4. Blickverhalten


 
4.1) Blickverhalten in interpersonalen Einstellungen

 
In interpersonalen Einstellungen, insbesondere beim Herstellen von Beziehungen, spielt das Blickverhalten eine entscheidende Rolle. Die beiden signifikanten Komponenten bezüglich des Blickverhaltens sind Blickdauer und Blickqualität.
Während die Blickdauer sich einfach mit einer Uhr messen läßt, werden zur Bewertung der Blickqualität u.a. Kriterien wie Pupillenerweiterung, Blinzelhäufigkeit, Öffnung der Augen, die Richtung eines ausweichenden Blicks oder der Gesichtsausdruck im Augenbereich untersucht. Bezüglich der Blickdauer konnte festgestellt werden, dass sich schon allein an der Quantität von Blicken Sympathien ablesen lassen. So wurde beispielsweise herausgefunden, dass im Gespräch bevorzugte
Gesprächspartner auch häufiger angesehen werden.
Auch im Tierversuch, vor allem bei Primaten, spielt die Blickdauer eine Rolle. Durch die Häufigkeit des Anblickens entsteht eine Aufmerksamkeitsstruktur, eine Hierarchie. Demnach ist derjenige, der am häufigsten angesehen wird, der Mächtigste der Gruppe. Umgekehrt wird der Rangunterste einer Gemeinschaft auch am wenigsten angeblickt. Diese Beobachtung ist teilweise auch auf den Menschen übertragbar. In diesem Zusammenhang ist aber auch das “Nichtanblicken” von ebenso großem Gewicht, da es Mißachtung beziehungsweise zumindest eine gewisse Ignoranz bedeutet. Allerdings gibt es auch die gegenläufige Tendenz, den Blick zu senken, wenn der Gruppenhöchste (z.B. ein Monarch) erscheint, um Respekt und Unterwerfung zu zeigen.
Auch für die Blickqualität lassen sich zahlreiche Beispiele anführen. Der Blick ist ein wesentlicher Bestandteil im Sexualverhalten zwischen den Geschlechtern. Er dient als Werbesignal (Vgl. “Jemandem schöne Augen machen.”). Frauen schminken sich die Augen, um diese größer und ausdrucksstärker wirken zu lassen. “Nach Exline schauen Frauen mehr in kooperativen Situationen und wenn sie eine hohe affiliative 11 Bei Männern fand man heraus, dass deren Pupillen sich Motivation haben.”
erweiterten, wenn man ihnen Fotos attraktiver Frauen vorlegte. Exline stellte im Experiment mit Primaten fest, dass die Tiere mit einem intensiven Blick mit weit aufgerissenen Augen drohen, wohingegen das Wegblicken als Beschwichtigung dient. Dies erwies sich für Tierforscher als wichtige Voraussetzung für die Kommunikation mit Affen.

 
4.2) Blickverhalten bei bestimmten Personengruppen

 
Das Blickverhalten ist in vielen Fällen abhängig von der Personengruppe. Bestimmte Personengruppen weisen Anomalien oder zumindest
Abweichungen in ihrem Blickverhalten auf.
Autistische Kinder beispielsweise haben Aversionen gegen Blickkontakte. Sie sind nicht nur selbst unfähig, andere Personen anzublicken, sondern reagieren auch auf den Blickkontakt des Gegenübers ablehnend. Dieses Verhalten ist ebenfalls bei schizophrenen Patienten zu beobachten. Aber auch zwischen Frauen und Männern ist ein unterschiedliches Blickverhalten zu erkennen. Untersucht wurde hier unter anderem das Blickverhalten der beiden Gruppen bei der Konfrontation mit Problemen. Bei beiden Gruppen trat das Phänomen des “deliberativen Wegblickens” ein, auf das später noch eingegangen werden soll, der Blick wich allerdings jeweils in andere Richtungen aus. Bei Frauen war dieses Ausweichen viel weniger
11 Argyle, Michael : Körpersprache und Kommunikation. Paderborn: Junfermann,1996, S.228
konsistent als bei den Männern. “Man nimmt an, dass Menschen, die nach 12 links ausweichen ein dominante rechte Hemisphäre haben und umgekehrt.” Auf interkulturelle Unterschiede soll im nächsten Kapitel eingegangen werden.

 
4.3) Blickverhalten und emotionaler Zustand

 
Neben der Gruppenzugehörigkeit ist auch der emotionale Zustand von Bedeutung, in dem sich der Aktant befindet.
Beim Lügen schweift der Blick, da der Sprechende verunsichert ist, versucht, seine Lüge zu überspielen und deshalb den Blick des Gesprächspartners nicht erwidert.
Bei einer plötzlichen Änderung des Gefühlszustandes kommt es zu einer Vergrößerung der Pupillen, insbesondere bei Furcht. Dann werden nämlich zusätzlich noch die Augen weit aufgerissen, die Blinzelhäufigkeit ist höher. Dieses Verhalten ist Teil des “Fight-and-Flight-Syndroms”, eines biologischen Phänomens, bei dem der menschliche Körper bei Gefahr in “erhöhte Alarmbereitschaft” und Aufmerksamkeit versetzt wird, um schnell auf Gefahren reagieren zu können.


4.4) Blickverhalten in der Konversation

 
Eine weitere Besonderheit von Blickverhalten zeigt sich während des Sprechens. Das Blickmuster in der Interaktion folgt nämlich bestimmten, exakt festgelegten Regeln.
Von Cranach merkt an, “dass der Aufnahme der verbalen Kommunikation im allgemeinen eine Zuwendung des Körpers, des Kopfes und des Blickes vorausgeht. Wir nehmen an, dass diese Verhaltensweisen hierarchisch
12 Argyle, S.228
geordnet sind und die Intensität der Kommunikationsgemeinschaft 13 ausdrücken.
Bei der Kontaktaufnahme wird während des Aufeinanderzugehens der Blick zunächst abgewendet, worauf dann bei der Begrüßung ein Blickkontakt hergestellt wird und das Gespräch beginnt. Cary beschreibt die Kontaktaufnahme zwischen männlichen und weiblichen Probanden als einen komplexeren Ablauf: Cary ”studied visual signals given by seated females to male subjects as they entered a room. Both looked at each other as the males entered, but it was the second look by the female that decided whether a 14 conversation would occur.” 15 . Den ersten Blickkontakt, das Begrüßen, nennt Eibl-Eibesfeldt “Augengruß” Hierbei werden für circa 1/6 Sekunde die Augenbrauen ruckartig hochgezogen. Der Augengruß wird neben der Begrüßung auch beim Flirten eingesetzt. Auch Kendon & Ferber haben sich mit dem Grüßen am Beispiel einer Geburtstagsfeier beschäftigt : ”W hile approaching the hostess the guest averted the gaze until a second mutual gaze occured just before the 16 handshake or embrace.”
“Das mit dem Sprechen verbundene Blickmuster bildet ein eng integriertes 17 System.”
Kommt es nach der Begrüßung zu einer Konversation, so werden während ihres Verlaufs bestimmte signifikante Punkte des Gesprächspartners wie Augen und Mund in wiederholtem Kreislauf fixiert. Dies ist unter anderem abhängig davon, ob der Aktant selbst als Sender oder als Empfänger agiert. Außerdem werden bestimmte Gesprächsformen durch Blicke unterstrichen. Bei Fragen werden die Augenbrauen beispielsweise angehoben, bei grammatikalischen Pausen blickt der Sprecher meist kurz auf.
13 Cranach, M. v on:Über die Signalfunktion des Blickes in der Interaktion.
In:Albert, H. (Hrsg.)Sozialtheorie und soziale Praxis. Meisenheim: Hain, S.212 14 Ehlich, S. 67 15 Vgl. Argyle, S. 77ff 16 Ehlich, S. 67 17 Argyle, S.231
Desweiteren wurden turn-taking-Mechanismen bezüglich des Blickverhaltens untersucht. Kendon erstellt hierfür folgendes Schema: ”... during listening, p looks at q with fairly long q-gazes (Blicke auf q, die Verf.), broken by very brief a-gazes (Blick weg von q, die Verf.), whereas during speaking, he alternates between q- and a-gazes of more equal length, the a-gazes being longer than 18 those that occur during listening.”
Zum Gesprächsende erfolgt dann ein erneuter Blickkontakt, allerdings, so Steer & Lake, eher zwischen einander vertrauten Personen wie zum Beispiel 19 Freunden, als fremden Interaktanten.
Auch hier bei der Interaktionssituation gilt es zu beachten, dass durch das Fehlen visueller Zuwendung oft auch verbale Kommunikation vermieden wird. Diese Tatsache deutet auf die Wichtigkeit der Körpersprache auch für die verbale Kommunikation hin, obwohl diese häufig als nebensächlich erscheinen mag.

 
5)Biologische Basis des Blickes und interkulturelle Unterschiede

 
Im interkulturellen Vergleich von Augenkommunikation zeigte es sich, dass die wichtigsten Blickphänomene doch universell sind. Dies, sowie die Tatsache, dass auch bei Tieren Augenkommunikation stattfindet, läßt Rückschlüsse darauf zu, dass das Organ Auge für kommunikative Zwecke schon seit Urzeiten in Sozialisationen genutzt wird. Bei Tieren ist der Blick hauptsächlich Drohsignal (vgl. Exline). Aber nicht nur Primaten, sondern auch andere Tiere nutzen diese Bedeutung des Blicks. Einige Schmetterlinge haben zum Beispiel Augenflecken auf den Flügeln. Sie
18 Ehlich, S. 68f.
19 vgl Ehlich, S. 68
ahmen damit ein Augenpaar nach, das Feinde drohend anblickt und so Angriffe verhindert. Man nennt dieses Phänomen Mimikry. Beim Menschen hingegen dient der Blick seltener als Drohsignal, sondern meist als affiliatives Signal. Argyle beschreibt die Signifikanz des Blicks schon beim Säugling: “Schon in den ersten Stunden ihres Lebens folgen Säuglinge mit ihren Augen einem sich bewegenden Gegenstand; mit drei oder vier Wochen reagieren sie insbesondere auf ein Augenpaar oder auf Masken mit 20 Dies ist von besonderer Bedeutung für die Mutter-Kind-Beziehung Augen.”
und kommt auch beim “Guck-Guck-Spiel” zum Tragen, bei dem der Blick abwechselnd an- und abgewendet wird. “In der Entwicklung von Bindung und Soziabilität spielen der Blick und der wechselseitige Blickkontakt eine zentrale Rolle. [...]Ob dieses frühe Interesse an den Augen angeboren ist, oder, wie Fantz annimmt, ob eine angeborene Vorliebe für solche Stimuli vorhanden ist, die ein bestimmtes Maß an Komplexität, Klarheit und Bewegungsintensität 21 , bleibt umstritten. aufweisen”
Trotz all dieser Phänomene, die in allen Menschen gemein sind, hat sich das Blickverhalten in den unterschiedlichen Sozialisationen unterschiedlich entwickelt.
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die vorliegende Arbeit sich in erster Linie auf die westliche Kultur bezieht. Verschiedene andere Kulturen zeigen Abweichungen in ihrer Augenkommunikation. Diese Diskrepanzen zwischen den Kulturen können in der interkulturellen Kommunikation häufig zu Mißverständnissen führen, da nämlich dann oft der Code zwischen Sender und Empfänger nicht derselbe ist.
Im folgenden sollen nun anhand von einigen Beispielen aus Argyle einige dieser Unterschiede angeführt werden.
Auch hier kann wieder die Komponente der Quantität als Vergleichspunkt herangezogen werden.
20 Argyle, S.233
21 Argyle, S.233
In der arabischen Kultur ist Blickkontakt sehr wichtig. Deshalb ist es für den Araber sehr schwierig ein Gespräch zu führen, wenn kein Augenkontakt erfolgt, wenn beispielsweise der Gesprächspartner eine dunkle Sonnenbrille trägt und folglich die Augen des Gegenübers nicht erkennbar sind. Desweiteren gilt es als unhöflich, sich dem anderen während des Gesprächs nicht zuzuwenden. Dies bedeutet, dass es für Araber nahezu unmöglich erscheint, sich zu unterhalten, während man nebeneinander hergeht. Außerdem achten arabische Händler in Verkaufsgesprächen besonders auf die Pupillen des potentiellen Käufers, um dessen Absichten zu erkennen. Ein ganz anderes Blickverhalten zeigen Japaner. In der östlichen Kultur wird Blickkontakt eher vermieden. Ein Japaner schaut während eines Gesprächs meist auf den Hals seines Gesprächspartners. Wenn überhaupt, dann tritt direkter Blickkontakt im Privatbereich auf, in der Öffentlichkeit wird er weitestgehend vermieden. Auch die bereits angesprochene Hierarchie, ein Senken des Blicks bei Höhergestellten, zum Beispiel beim Vorgesetzten oder bei älteren Menschen als Zeichen von Respekt, spielt in Japan eine große Rolle.
Amerikanische und südamerikanische Indianerstämme haben mehr Blickkontakt als wir Europäer. Aber auch innerhalb Europas sind Unterschiede festzustellen. “Die Griechen schauen mehr als Briten oder Amerikaner, sowohl bei Gesprächen als auch in der Öffentlichkeit, wenn sie fremde Personen 22 ansehen.”
In allen Kulturen spielt die Augenkommunikation also eine wichtige Rolle, auch wenn die Interpretation der gesendeten Signale unterschiedlich ist.
22 Argyle, S.233

 
6) Eine Ausdruckseinheit: Deliberatives Wegblicken
Neben dem Augengruß nach Eibl-Eibesfeldt oder dem Überdrußblick, bei dem die Pupille von der Zentralstellung kurz nach oben und wieder zurück bewegt wird, was verbal einem Aufseufzen gleichzusetzen ist, findet man u.a. das Phänomen des “deliberativen Wegblickens”, das von K onrad Ehlich und Jochen Rehbein ausführlich untersucht und beschrieben wurde. Grundvoraussetzung für das Vorkommen dieser Ausdruckseinheit ist die faceto-face Situation, die zwei oder auch mehrere Interaktanten erfordert. Es soll nun zunächst der physiologische Bewegungsablauf geschildert werden, bevor dieser analysiert und an einem Beispiel veranschaulicht wird. Zunächst einmal ist zu unterscheiden zwischen einem einfachen und einem komplexeren Bewegungsablauf des Auges.
Die Grundstellung ist jedoch in jedem Fall die Zentralstellung der Pupille. Aus dieser Position bewegt sich nun der Augapfel diagonal nach rechts oder links oben bis in die Extremstellung. Dort verweilt die Pupille, wobei die zeitliche Dauer variieren kann, um danach wieder in die Zentralstellung zurückzuwandern.
Parallel dazu findet auch eine Lidbewegung statt. Während es beim Übergang von der Zentral- in die Extremstellung zu einer Lidverengung kommt, findet keine Lidbewegung statt, während die Extremstellung beibehalten wird (abgesehen vom Lidschlußreflex zur Befeuchtung des Auges). Bei der Rückbewegung ist dann erneut eine Lidverengung beobachtbar. In komplexeren Fällen weicht der Blick nach oben in beide Diagonalen aus, zuerst in eine Richtung, dann zurück in die Zentralstellung und anschließend in die andere Richtung. Gelegentlich ist sogar noch eine Bewegung vertikal oder diagonal nach unten festzustellen, wobei nicht klar ist, ob dies lediglich der Adaption dient oder tatsächlich noch Bestandteil der eigentlichen Ausdruckseinheit ist.
Zusätzlich spielt auch noch die Interaktion von Augen- und Kopfbewegung eine Rolle. Normalerweise bleibt der Kopf beim deliberativen Wegblicken
unbewegt, die Extremstellung wird durch bloße Bewegung des Auges erreicht. Dasselbe Augenbild kann aber auch erzeugt werden, indem der Kopf schräg nach unten bewegt wird und das Auge selbst relativ konstant bleibt. Werden allerdings Kopf und Auge in die gleiche Richtung, nämlich nach schräg oben bewegt, bleibt das Auge in der Zentralstellung, es k ommt nicht zum deliberativen Wegblicken. Diese Bewegung dient dazu, ein betrachtetes Objekt optimal fixieren zu können. Es handelt sich also hier nicht um eine kommunikative Funktion, sondern lediglich um eine Verbesserung der Wahrnehmung, das heißt es wird die primäre Funktion der visuellen Dimension genutzt, was für unsere Belange nicht von Bedeutung ist. Daher ist die Voraussetzung für Ehlichs Untersuchung, dass diese Kopfbewegung unterbleiben muß. Dadurch “ist in der Bewegung selbst eine Abkoppelung vom psychophysischen Zweckbereich deutlich. Damit wird ersichtlich, dass sie als ganze dem kommunikativen Zweckbereich zugehört. Es handelt sich bei den beschriebenen Phänomenen um eine spezifische Form, die von unterschiedlichen Personen in identifizierbarer Weise ausgeführt werden 23 kann.”
Es wurde nun festgestellt, das die beschriebene Bewegung dann vorkommt und zur Ausdruckseinheit wird, wenn “zwei oder mehrere Interaktanten es mit 24 Eine solche der Abwicklung komplexer mentaler Prozeduren zu tun haben.” Situation kann leicht für Versuchsreihen wie etwa die von Ehlich und Rehbein durchgeführten künstlich erzeugt werden.
Verbaler Auslöser für das Einsetzen der Ausdruckseinheit ist der “illokutive Akt 25 Die Frage fordert den Empfänger auf, sein Wissen abzurufen under Frage.”
mittels des verbalen Codes dem Fragenden mitzuteilen. Man unterscheidet nun zwischen solchen Fragen, auf die sofort eine Antwort gegeben werden kann und solchen, bei denen “der Antwortende gezwungen ist, das angeforderte Wissenselement erst durch eine Reihe von mentalen Prozeduren, z.B. durch Schlüsse, Rekonstruktionen, Antizipationen usw. zu
23 Ehlich, S.80
24 Ehlich, S.100 25 Ehlich, S.100
26 gewinnen. [...] Der Komplex dieser Tätigkeiten kann als Deliberation 27 umschrieben werden.”
Je nach Wissenstand des Befragten kann dieselbe Frage bei verschiedenen Personen einen mentalen Suchprozess auslösen oder nicht. Die Deliberation setzt dann nicht ein, wenn von Anfang an klar ist, dass das entsprechende Wissenselement nicht vorhanden ist. In diesem Fall tritt auch das deliberative Wegblicken nicht ein. In anderen Fällen wird zunächst zwar eine Deliberation gestartet, diese aber nach kurzer Zeit erfolglos abgebrochen, wobei die Ausdruckseinheit des Auges trotzdem in Gang gesetzt wird. "Die Ausdruckseinheit des deliberativen Wegblickens hat die kommunikative Funktion, den Interaktionspartner darüber zu informieren, dass der Aktant mit 28 Diese Information soll dem einem mentalen Suchprozeß beschäftigt ist.”
Gesprächspartner mitteilen, “dass seine Anforderung eines Wissenselements vom Aktanten aufgenommen worden ist und bearbeitet wird - obgleich noch 29 Das deliberative Wegblicken ist also ein keine verbale Antwort erfolgt.”
wichtiges Element in der Turn-Organisation. Es überbrückt die Pause zwischen Frage und Antwort und signalisiert dem Gegenüber, dass ein Eingriff seinerseits nicht erforderlich ist und ist gleichzeitig eine Aufforderung, den Befragten nicht zu stören.
Der Deliberationsprozeß kann alternativ durch verbale Äußerungen wie “Moment”, “Laß mich mal überlegen”, “Wie war denn das gleich?” o.ä. 30 , was sich jedoch als viel komplizierter erweist, zumal auch dierfolgen
visuelle Ausdruckseinheit ihre kommunikative Funktion hinreichend erfüllt und außerdem von der Wissensanforderung eher ablenkt.
26 von lat.:deliberare: erwägen, überlegen, abwägen
27 Ehlich, S.101 28 Ehlich, S.102 29 Ehlich, S.102f 30 Vgl. Ehlich, S.103
Abschließend soll jetzt noch in vereinfachter Form auf ein Versuchsbeispiel 31 . Im Gegensatz zu von Ehlich und Rehbein eingegangen werden
vorhergehenden experimentellen Settings handelt es sich hier um eine identische Situation:
deliberatives Wegblicken seitens des Lehrers während einer Schulstunde. Der Lehrer fragt nach bestimmten Arten von Reisen. Der ersten Schülerantwort “Pauschalreisen” stimmt er zu, weitere Antworten weist er als falsch zurück. Im weiteren Verlauf fällt der Begriff “Rundreise”. Dieser Begriff scheint von der Wortbildung her dem Begriff “Pauschalreise” zu entsprechen, unterscheidet sich allerdings in seiner semantischen Bedeutung
Der Lehrer ist nun gefordert, “(a) das Richtige vom Falschen zu sondern und 32 Hier setzt (b) die Sonderung gegebenenfalls zu begründen und zu erörtern”. das deliberative Wegblicken ein. Daraufhin folgt verbal der Vorschlag: “Darauf müssen wir gleich nochmal zurückkommen.”
Der Lehrer löst also das Dilemma durch die Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt. Während des deliberativen Wegblickens versucht er, den Maximenkonflikt zwischen der Maxime “Korrigiere Falsches” und “Honoriere Richtiges” zu lösen. Die Deliberation führt also nicht zu einer echten Lösung des Problems, sondern vielmehr einer Befreiung davon. Dies wird höchstens der dritten Lehrermaxime gerecht, nämlich möglichst zügig im Stoff fortzufahren.
Das Beispiel zeigt, wie die Ausdruckseinheit auch in der Praxis beobachtbar ist und als Signal verstanden wird, auch wenn wir dies nicht bewußt wahrnehmen.
31 Vgl. Ehlich 126ff
32 Ehlich, S. 126

 
 Schlußbemerkung
 
Das Auge mit seinen kommunikativen Funktionen ist ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Die Ausdruckseinheiten des Auges unterstützen nicht nur die verbalen Ausdrucksmöglichkeiten, sondern können auch eigenständig Signale geben.
Es sei hier noch bemerkt, dass - wie bereits in der Überschrift “Augenkommunikation-ein Teil der verbalen Kommunikation” deutlich wird- die Augenkom
munikation immer als Teil des Ganzen zu sehen ist und mit anderen Ausdrucksformen insbesondere der Körpersprache interagiert.

Samstag, 19. Mai 2012

Kurt Felix tot - er schrieb TV-Geschichte



Der gelernte Lehrer wurde nach seiner Aera als Radioreporter und Fernsehmacher international bekannt.
Im ARD machte er sich als Vater von der "versteckten Kamera" einen Namen. Felix ist für mich eine wichtige Instanz, wenn es um Medien geht.
Mich überzeugte seine unabhängige Meinung, wenn es um Medienprogramme ging. Er liess sich von den vielen selbsternannten Geschmacksverordnern nicht beeindrucken. Parteipolitisch  war bei ihm keine ideologisch gefärbte Sicht auszumachen. Alle Medienprofis, die mit ihm gearbeitet hatten, attestieren der Fernsehlegende Fleiss, Genauigkeit, Professionalität bis in alle Details.
Geschätzt habe ich seine Zurückhaltung bei Home-Storys und die einmalige, gute Beziehung mit seiner berühmten Ehefrau Paola. Das ist keine Selbstverständlichkeit.



Ich zitiere 20 Min:


Er war der beliebteste TV-Moderator in den 80er-Jahren und wurde - unter anderem - fünf Mal für sein Lebenswerk geehrt. So erfolgreich war das Leben von Kurt Felix.


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1985 erhielt Kurt Felix die erste Auszeichnung für sein Lebenswerk. Doch es sollten noch einige Karrierehöhepunkte folgen:


1985 erhielt Kurt Felix die erste Auszeichnung für sein Lebenswerk. Doch es sollten noch einige Karrierehöhepunkte folgen: Kurt Felix startete seine Karriere über einen kleinen Umweg: Felix arbeitete zunächst als Lehrer. Das aber nur deshalb, «weil meine zukünftige Tätigkeit in den Medien von einer profunden Allgemeinbildung abhängig war», wie er sagte. Schon parallel zum Unterrichten wurde er als Radio- und Fernsehreporter aktiv. 1965 gab Felix den Lehrerberuf schliesslich ganz auf, um zum Schweizer Fernsehen zu wechseln. Bereits mit jungen 24 Jahren durfte Kurt Felix seinen ersten Preis entgegennehmen: Die BBC zeichnete ein Kindermusical des Entertainers mit dem «Goldenen Mikrofon» aus. Zwischen 1968 und 1969 moderierte der Alleskönner seine erste Fernsehkiste: «Stöck-Wys-Stick» ist die älteste Sendung am Schweizer Fernsehen. Heute läuft sie immernoch erfolgreich unter dem Namen «Samschtig-Jass». Es folgte die Samstagabend-Show «Grüezi mitenand». Mit grossem Erfolg entwickelte Felix neue Sendeformate - die Show «Teleboy» etwa, in der er zwischen 1974 und 1981 bereits Streiche mit der versteckten Kamera spielte. «Teleboy» wurde zur erfolgreichsten Unterhaltungssendung in der Geschichte des Schweizer Fernsehens. Dafür gab es 1976 den «Prix Tell» für die Förderung des Schweizer Showbusiness und 1977 den «Prix Walo». Später setzte Felix seine Laufbahn in Deutschland fort und entwickelte zunächst für den Süddeutschen Rundfunk, ab Anfang der 1980er Jahre dann für die ARD die grosse Samstagabend-Show «Verstehen sie Spass?». Als Co-Moderatorin trat ihm seine Frau, die Schlagersängerin Paola Del Medico («Blue Bayou») zur Seite, die er 1980 geheiratet hatte. Felix legte über Jahre Hunderte prominente und nicht-prominente Opfer mit seinen Gags herein, liess genervte Autofahrer an dauerroten Ampeln versauern und fragte Passanten mit einem Mode-Schnittmuster nach dem Weg. Damit wurden der Spassvogel und seine Frau Paola zum beliebtesten Moderatorenpaar in Deutschland. Zweifellos auch deshalb, weil Felix stets darauf achtete, mit seinen Streichen niemandem wirklich zu schaden. Unter seiner Moderation stieg «Verstehen Sie Spass?» zu den erfolgreichsten Unterhaltungssendungen des deutschen Fernsehens auf. Bis zu 23 Millionen Zuschauer schalteten ein. Nachdem Paola und Kurt Felix mehr als 250 Filme mit der versteckten Kamera gedreht und rund 100 Prominente hereingelegt hatten, gaben sie 1990 schliesslich die Moderation ab. Während seiner Zeit bei «Verstehen Sie Spass?», durfte Felix noch einige weitere Auszeichnungen in die Vitrine stellen: Zweimal die «Bronzene Rose von Montreux», unter anderem fürs Lebenswerk und einen begehrten «Bambi», für die erfolgreichste TV-Unterhaltung Deutschlands in den 80er Jahren. 1988 erhob das EMNID-Meinungsforschungs-Institut Paola und Kurt Felix zu den beliebteste TV-Moderatoren. Neben seinem Moderationsjob in Deutschland, präsentierte der Ostschweizer im Schweizer Fernsehen zwischen 1987 und 1991 die Samstagabendshow «Supertreffer». Die anschliessende Arbeit hinter der Kamera - Drehbücher zu schreiben, Gags auszudenken, Filme zu realisieren - habe ihn tiefer beglückt als der blosse Beifall, begründete er diesen Schritt. «Gerade deshalb konnte ich an meinem 50. Geburtstag ohne Entzugserscheinungen als Protagonist vor der Kamera abtreten.» Felix blieb hinter der Kamera aktiv, übernahm Beratertätigkeiten für verschiedene Fernsehsender, auch für «Verstehen Sie Spass?». Er schrieb als Kolumnist für die «Schweizer Illustrierte» und entwickelte neue Shows für das Schweizer Fernsehen. Im Jahre 2003 überreichte ihm Frank Elstner den «Bambi» für sein Lebenswerk. Zwischen 2005 und 2011 hagelte es weiter preise für den Entertainer: 2005 «Medienpreis SRG idée suisse Ostschweiz» für das Lebenswerk, 2006 Verleihung der «Staufer-Medaille» in Gold, eine Ehrung des Landes Baden-Württemberg und 2006 den «Glanz & Gloria»-Award. 2006 bekam er gar den «One 100», die Auszeichnung zum Weingourmet des Jahres in Deutschland und 2011 Ostschweizer Medienpreis für das Lebenswerk. Aber wohl am meisten freute er sich über den Schweizer Fernsehpreis für sein Lebenswerk von 2011. Die laudatio von Frank Elstner und Karl Dall rührten den Ostschweizer zu Tränen und sagte: «Heute Abend bekam ich die erste Standin-Ovation vom Schweizer Publikum». Knapp ein Jahr später, am 16. Mai 2012 verstarb der Entertainer.

Böse sein konnte Kurt Felix nie jemand, wenn er mit schelmischem Grinsen seine Streiche auflöste und fragte «Verstehen Sie Spass?». Dem Komiker Hape Kerkeling bereitete er einen «Albtraum», als er dessen Publikum immer an der falschen Stelle lachen liess. Reinhold Messner geriet in Rage («Ich werde mich beim Bürgermeister beschweren!»), als hoch oben in der Matterhorn-Wand plötzlich ein Kiosk mit Souvenirs und Klatschpresse stand. Am Mittwoch starb der Schweizer Fernsehmoderator Kurt Felix in St. Gallen im Alter von 71 an seinem langjährigen Krebsleiden.
Felix kam am 27. März 1941 im schweizerischen Braunau zur Welt. Sein Berufswunsch stand schon als Kind fest: Bereits mit zwölf Jahren, als das Schweizer Fernsehen 1953 den Versuchsbetrieb aufnahm, habe er gewusst: «In diesen Kasten möchte ich auch mal rein.» Dies tat er dann auch - mit enormen Erfolg. Sehen Sie die grössten Momente des Entertainers in der Bildstrecke.



Kommentar: Ich hatte Kurt Felix und Paola bei der Jubiläumssendung von Matthias Ackeret (Blocher- Prinzip) kennen gelernt. Kurt Felix lobte damals - im Gegensatz zu zahlreichen Medienkritikern - dieses ungewöhnliche Sendegefäss. Felix sagte offen und ehrlich seine unkonventionelle Meinung über dieses wöchentliche Interview mit Blocher im Internet-TV. Felix erstaunte es, dass nie geschnitten wurde, dass es nie ein Vorgespräch gab und die Sendung lediglich mit 500.-- Fr  produziert werden konnte. Böse Zungen behaupteten, Blocher finanziere das Interview und Matthias Ackeret sei lediglich Steigbügelhalter von Christoph Blocher. Damals sah ich, dass Kurt Felix zu seiner eigenständige Meinung steht und sich nicht von Kollegen beeinflussen lässt. Als Beobachter erstaunte  mich ebenfalls, dass  die Aufnahme (Tele Blocher) bei Patzern weder abgebrochen noch je wiederholt worden war.