Sonntag, 19. Februar 2012

Animationstext zur bevorstehenden Veranstaltung in der Woche 08

"Verbesserungsmanagement" bei Präsentationen und Auftritten

Jede Institution muss mit Meinungsdifferenzen und Kritik umgehen lernen.

Leider dominiert  bei Problemen vielfach der Schonwaschgang oder eine destruktive Kritik.

Wenn Kommunikationsprozesse verbessert werden sollen, müssen wir unbedingt die wichtigsten Werkzeuge des Verbesserungsmanagements kennen.
 
Lobkultur in Ehren. Lobhudelei bringt uns jedoch nicht weiter.

Was wir wollen, ist echte ZUWENDUNG.

Zuwendung beinhaltet  auch, Sachverhalte deutlich, beschreibend und situationsgerecht anzusprechen.

POSITIVES als auch NEGATIVES.

Wir können nur Lösungen finden und Sachverhalte verbessern, wenn die Fakten konkret beschreiben und konkret nennen.

Wir müssen lernen, detailliert und verstädnlich zu sagen, wie wir etwas wahrgenommen haben und wie es aus unserer Sicht bewertet wird.

Bei der persönlichen Bewertung geht es nie um ein Wahrheitsmonopol der eigenen Sicht, doch hat der Vorgesetzte gleichsam ein Interpretationsmonopol. In jeder Führungsfunktion muss die verantwortliche Person - unter Berücksichtigung der eingebrachten Ansichten - letztlich allein entscheiden.

Hierarchien dürfen nicht verleugnet werden. In den wenigsten Institutionen gibt es die sogenannte basis demokratische "Führung".

Doch spielt letztlich die zwischenmenschliche Wärme in den Führungsgremien (Vorständen, Geschäftsleitungen usw.) eine zentrale Rolle.

Es geht aber bei allen Kommunikationsprozessen um Klarheit in der Sache!

Aber auch: 

- WIE etwas gesagt wird

- Und um die Frage: Ist die Kritik fair und angemessen?

Während der letzten Jahre habe ich anlässlich meiner Beratungen in zahlreichen Institutionen festgestellt:

Konsequeenz und Klarheit lässt leider  zu Wünschen übrig.

Weshalb?

Führungsprozesse werden gerne weichgespült.
In erster Linie wird NUR Einfühlsamkeit, Harmonie und Fürsorglichkeit gefordert.

Aus meiner Sicht ist zwar die Wertschätzung des Gegenübers eine zentrale Voraussetzung. Doch dürfen wir die Zielorientiertheit,  die  Strukturen, das eindeutige Sprechen nicht ausklammern.

FAZIT:

Konflikte und Meinungsdifferenzen gehören zum Alltag.

Dissens und Differenzen sind etwas Normales.

Harmonie ist nicht der erstrebenswerteste Zustand in Teams.

Im Alltag geht es vor allem um:

- den konstruktiven Umgang mit der Nichtübereinstimmung

-  eine lösungsorientierte Streitkultur!



LINKS:



Wir streiten konstruktiv. Unter vier Augen, ... Streiten- aber wie? Kritisieren- aber.
www.rhetorik.ch/.../Kommunikationsklima.html


Verbesserungen durch Veränderung · Veränderungsmanagement · Verbesserung durch Coaching · Verbesserung.
www.rhetorik.ch/Verbesserung/Management.html
Veränderungsmanagement · Verbesserung durch Coaching · Verbesserung durch Mentoring · Verbesserung.


Torpedorhetorik · Verbesserung/Veränderung · Veränderungsmanagement · Video in der.
Verbesserungen durch Veränderung · Veränderungsmanagement · Verbesserung durch Coaching · Verbesserung.
Verbesserung durch Supervision
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www.rhetorik.ch/Verbesserung/Mentoring.html
Ich freue mich auf das gemeinsame TUN 


- Bis bald!


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Marcus Knill
Kommunikationsberater
+41 52 659 11 10

       

Marcus Knill ist selbstständiger Kommunikationsberater und Coach. Durchführung von Seminarien in der ganzen Schweiz. Engagements als Einzelcoach oder Berater in schwierigen Situationen. Autor von Fachbüchern und Fachbeiträgen im Kommunikationsbereich. Inhaber der Kommunikationsfirma Knill+Knill.

Seminare:

Weshalb scheiterte Jacqueline Fehr?


Herbe Enttäuschung für Jaqueline Fehr.


Ich zitiere Blick:


Tschümperlin gewählt.

 Rächte sich die Fraktion an Jacqueline Fehr?


Andy Tschümperlin (SZ) heisst der neue Fraktionschef der SP. (zvg)

Die SP wählt Andy Tschümperlin (49) vor der Favoritin Jaqueline Fehr zum Fraktionspräsidenten.

 Mit der Nicht-Wahl von Fehr seien «alte Rechnungen» beglichen worden.

Auch Tschümperlin selber zeigte sich über seine Wahl überrascht. Er habe sich nicht als Favoriten gesehen, sagte er. Weshalb die Fraktion ihn - den national weniger bekannten Nationalrat - und nicht die profiliertere Fehr gewählt habe, wisse er nicht genau.

Möglicherweise habe es aber mit seiner Art zu tun. Er nehme alle Leute ernst. «Wir sind eine Partei für alle - auch in der Fraktion», sagte er und erklärte die Moderationstätigkeit als seine wohl wichtigste Aufgaben im neuen Amt.

«Alte Rechnungen»

Während zahlreiche Fraktionsmitglieder nicht über die Gründe für die überraschende Wahl Tschümperlins spekulieren wollten, bestätigten andere, dass möglicherweise statt einer «Aussenministerin» ein «Innenminister» gewählt worden sei, der sich um die Stimmung in der Fraktion sorge. Wieder andere sprachen davon, dass «alte Rechnungen» beglichen worden seien.




Zu den Gründen der Nichtwahl ist im Tagi zu lesen:


«Fast jeder hatte mit ihr schon ein negatives Erlebnis»




 Jacqueline Fehr galt als Favoritin für das SP-Fraktionspräsidium und verlor gegen den weniger profilierten Andy Tschümperlin.


 Die Niederlage hat sie ihren Umgangsformen zu verdanken




Fehr gilt als äusserst berechnend




Dass Fehr trotzdem verlor, hat laut ihren Gegnern viel mit ihrem Auftreten, mit fehlender sozialer Kompetenz zu tun. Während der Anhörung habe sie sich im Ton vergriffen und so getan, als sei sie schon gewählt. Vor allem aber gilt die ehrgeizige Vollblutpolitikerin seit je als äusserst berechnend – durchaus bereit, Parteifreunden in den Rücken zu fallen und sie zu desavouieren, wenn es das Kalkül gebietet.


 Unvergessen bleibt etwa ihr Mitwirken am Sturz der früheren SP-Präsidentin Ursula Koch. «Das jetzige Wahlresultat zeigt, dass viel mehr Fraktionsmitglieder diese Eigenschaft Fehrs zu spüren bekamen, als dies im Vorfeld vermutet wurde», sagt ein Genosse. «Fast jeder hatte mit ihr schon ein negatives Erlebnis», bestätigt ein anderer.


Auch Fehrs Verbündete bestreiten zudem nicht, dass sie im Vergleich mit Tschümperlin, dem bisherigen Fraktionsvize, über einen sehr ausgeprägten Machtwillen verfügt. «Ich habe einen klaren Führungsanspruch ausgestrahlt», erklärte Fehr selber nach der Wahl. Tschümperlin sei demgegenüber eher ein «Moderator»


 Die Fraktion habe diesem Rollenverständnis nun eben den Vorzug gegeben. Dass aber auch «alte Rechnungen» mit ihr beglichen worden seien, will sie nicht ausschliessen: «Wenn man 20 Jahre Politik betreibt, tritt man eben dem einen oder anderen auf die Füsse.» Trotz ihrer Niederlage will Fehr als «leidenschaftliche Parlamentarierin» in der Fraktion weiterarbeiten.



Immer wieder Widerstand




Ihre Hoffnungen auf eine weitergehende Karriere dürfte sie nun jedoch begraben müssen. Erst 2010 hatte sie die Bundesratswahl gegen Simonetta Sommaruga verloren – auch damals, weil ihr unter anderem Stimmen aus der SP fehlten. Vor 12 Jahren schon unterlag sie im Rennen um das kantonalzürcherische SP-Präsidium – auch damals gegen einen weniger profilierten Gegner, den Kantonsparlamentarier Bernhard Egg. 




Gute Resultate erzielte sie stets bei den Nationalratswahlen; ihre Ständeratskandidatur 1999 blieb indes ebenfalls ohne Erfolg. Wiederum auch wegen Widerstände innerhalb der Linken: Der Zürcher Gewerkschaftsbund versagte ihr den Support, weil sie sich von den Gewerkschaften «entfremdet» habe.


Partei nun fest in Männerhand




Den stärksten internen Rückhalt geniesst Fehr bei den gleichstellungspolitisch engagierten SP-Frauen. Diese Gruppe zeigt sich nun verstimmt: Von den führenden Positionen in der Partei – Parteipräsidium, Fraktionsleitung und Generalsekretariat – ist aktuell keine mehr in Frauenhand. «Das bereitet mir Sorgen», sagt die Genfer Nationalrätin Maria Roth-Bernasconi, bis Ende 2011 Co-Präsidentin der SP-Frauen. «Wir fordern Frauenquoten in Verwaltungsräten. Da sollten wir selber eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen.» Bei der Besetzung der vakanten Stelle an der Spitze des Generalsekretariats sei die Geschlechterfrage unbedingt zu berücksichtigen.
Andere denken schon einen Schritt weiter. Christian Levrat, so orakelt man, könnte mittelfristig das Parteipräsidium aufgeben, falls er im März zum Freiburger Ständerat gewählt wird. Für die Berner Nationalrätin Margret Kiener Nellen steht fest: «In diesem Fall sollte eine Frau sein Amt übernehmen.» (Tages-Anzeiger)

















  • Kommentar: Diese Wahl macht uns einmal mehr bewusst, dass es kantige Menschen schwerer haben als Politiker, die moderater politisieren.  Nicht nur Jacqueline Fehrs eindeutige Positionen bei der Frauenpolitik und ihre eindeutigere linke Haltung wurden ihr bei dieser Wahl mitunter zum Stolperstein. Eindeutigkeit ist zwar bei Kommunikationsprozessen wünschenswert. Doch ist es bei Jacqueline Fehr vielmehr der Ton, die berechnende, undiplomatische Art diese ehrgeizigen Politikerin, die aneckte.  Erkenntnis: Nicht nur Inhalte, auch das WIE spielt bei der Kommunikation eine wichtige Rolle.

    Samstag, 18. Februar 2012

    AKTUELL (Blick online):


     


      Immunität aufgehoben: Staatsanwalt ermittelt gegen Wulff

    Vor allem EINES bräuchte der neue Bundespräsident:

    Integrität



    Was heisst INTEGER sein? Für mich ist dies eine ethische Forderung an einen Kandidaten.





    Unter Integrität (lat. integritas „unversehrt“, „intakt“, „vollständig“) verstehe ich beim Bundespräsidenten, dass seine Wertvorstellungen mit seinem Verhalten übereinstimmen.
    Wulff stellte harte Forderungen an Gauck). Persönlich hielt er sich jedoch nicht daran.
    Persönliche Integrität ist somit im Grunde genommen eine fortwährende aufrechterhaltene Übereinstimmung des persönlichen Wertesystems mit dem eigenen Handeln.


    Ich zitiere Wikipedia: Ein integerer Mensch lebt in dem Bewusstsein, dass sich seine persönlichen Überzeugungen, Maßstäbe und Wertvorstellungen in seinem Verhalten ausdrücken. Persönliche Integrität ist als Treue zu sich selbst umschrieben worden. Das Gegenteil von integer ist korrumpierbar, also sich in seinem Verhalten nicht von inneren Werten und Prinzipien, sondern von äußeren Drohungen und Verlockungen leiten zu lassen. 




    Beim neuen Bundespräsidenten müsste man von den Erfahrungen aus Wulffs Verhalten lernen:


     
    Wenn ich sage, jemand ist  „integer“ – so meine ich vor allem, dass diese Person „unbestechlich“ ist und über „feste, tief verankerte, positive Werte“ verfügt, zu denen sie steht und von denen sie sich nicht abbringen lassen.


    FAZIT:


    Beim Anforderungsprofil des neuen Bundespräsidenten besteht die Gefahr, dass wir nach Wulff zu viel verlangen. Wir benötigen nicht unbedingt einen Politiker. Ein breites Parteienprofil ist zwar erwünscht. Die neue moralische Instanz sollte vor allem kein Täuscher und Trixer sein und nicht im Zwielicht stehen.

    Es geht beim neuen Bundespräsidenten somit um um eine redliche, verlässliche Person mit Haltung. Wichtig ist bei ihr Charakterstärke und Charisma, sodass die Person dem höchsten Amt keinen Schaden mehr zufügen kann, wie es Wulff getan hat.

    Mit einem Wort: Der Kandidat muss INTEGER sein!


    Neuer Bundespräsident: Kampf um Kandidat X


    Hinter den Kulissen des politischen Berlin wird heftig um die Nachfolge-Frage für das Amt des Bundespräsidenten gerungen. Der Kreis möglicher Kandidaten lichtet sich: Die Opposition lehnt eine Berufung aus dem Bundeskabinett ab - und liebäugelt mit der Gauck-Lösung. (aus Spiegel)

    Angela Merkel profitierte vom angeschlagenen Wulff


    Erstaunlich: Die Werte der Kanzlerin stiegen und stiegen, während das Image des Bundeskanzlers in den Keller fiel.

    Auf internationalem Parkett konnte sich Merkel profilieren. Als Machtfrau wusste sie immer ganz genau, wer ihr gefährlich werden könnte. Konkurrenten verstand sie weg- oder hinauf zu befördern.

    Der Rücktritt Wulffs könnte nun aber Merkels Beliebtheitsgrad ankratzen.


    Wie steht jetzt als Kanzlerin da, nachdem sie bereits bei der Personalpolitik verschiedentlich eine unglückliche Hand hatte?


    Die deutsche Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel befindet sich derzeit in einer heiklen Lage.


    Mit Horst Köhler und Christian Wulff hat sie nun bereits zwei Bundespräsidenten «verschlissen», die von ihr persönlich ausgewählt worden waren. Beide traten mehr oder weniger freiwillig von ihrem Amt zurück.


    Das hatte es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie gegeben: Der Bundespräsident ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Als Grund nannte Horst Köhler die Kritik an seinen Äusserungen zum Afghanistan-Einsatz - er vermisse den Respekt vor seinem Amt.




     Einen weiteren Fehlgriff kann sich Merkel nun wohl kaum mehr leisten. Sie hat deshalb Gespräche mit SPD und Grünen angekündigt, um einen «gemeinsamen Kandidaten» für die Nachfolge zu suchen.



















    Auch bei der Wahl Theodor von Guttenbergs glänzte Angela Merkel nicht.
    Man kann bei der Machtfrau Merkel nachweisen, dass sie eine geschickte Hand hat, wenn es darum geht Politiker auszuschalten. Sie weiss genau, wer ihr als Konkurrenten gefährlich werden könnte und wegbefördert werden muss (Merz...) 


    Nachtrag (Ich zitiere STERN):


    Der Politologe Gerd Langguth sieht nur einen Weg, der Merkel aus der politischen Misere herausbringt, in die sie sich hineinmanövriert hat. Langguth zu stern.de: "Es wird ein schwieriger Testlauf für Frau Merkel, ob es ihr jetzt gelingt, endlich einmal einen überzeugenden Kandidaten fürs Amt des Präsidenten zu finden." Aus Sicht Langguths muss die Kanzlerin einen Kandidaten präsentieren, der breite politische Zustimmung findet. "Wenn sie eine überzeugende Lösung bietet, dann wird sehr schnell bei den Bürgern vergessen sein, wer die Hauptverantwortung für den gescheiterten Präsidenten trägt."
    Das mag sein. Zumindest draußen in der Republik, bei den Bundesbürgern. Ihre eigene Partei sieht die Lage skeptischer. Seit Wochen schon werden dort sorgenvoll, teils sogar verächtlich die Köpfe geschüttelt über die Kanzlerin. Eine weithin verbreitete These in der Union lautet: Nur weil Merkel Wulff als potenziellen Konkurrenten aus dem Weg räumen wollte, habe sie ihn ins Präsidialamt abgeschoben. Die Präsidentenaffäre sei ein Resultat ihrer Machtpolitik. Nach Friedrich Merz, Roland Koch habe sie auch Christian Wulff entsorgen wollen. Mit anderen Worten: Merkel habe ihren Kandidaten missbraucht aus egozentrischen Gründen.
    Bislang hat die Wulff-Affäre Merkel nicht geschadet, im Gegenteil: Je größer die Vorwürfe an Wulff, desto lupenreiner sah die äußerliche Tugendhaftigkeit der Kanzlerin aus. Aber so muss es nicht bleiben. Im Saarland und in Schleswig-Holstein stehen wichtige Landtagswahlen an. Dort könnte Wulffs Exit eine Art politisches Nachbeben erzeugen.

    Doppelte Blamage

    Immerhin ist die präsidiale Blamage, die CDU-Abgeordnete zuweilen mit dem Fluch kommentieren "es ist zum Kotzen", nicht die erste. Im Frühjahr 2010 warf ihr Bundespräsident Horst Köhler über Nacht gefrustet das Amt hin, nun trat ihr Präsident Wulff zurück. Sie hat lange gezögert, Wulff diese Konsequenz nahezulegen, viel zu lange, wie die führenden Staatsrechtler der Republik schon seit Wochen kritisieren.
    In deren Augen hat Merkel den Verdacht der Vorteilsnahme viel zu nachlässig behandelt. Der Verfassungsrechtler Joachim Wieland von der Verwaltungshochschule Speyer sagte: "Vermutlich hätte man bei jedem anderen diesen Anfangsverdacht längst bejaht." Die Hannoveraner Staatsanwaltschaft konnte jetzt nicht mehr zögern, sie hätte sich sonst dem Vorwurf ausgesetzt, den Rechtsstaat nicht ernst zu nehmen und mit zweierlei Maß zu messen.
    Immer wieder ist in der CDU/CSU anklagend zu hören, dass der ganze Schlamassel nicht entstanden wäre, hätte Merkel nicht schon im Jahr 2004, als es um die Nachfolge von Johannes Rau ging, ihr Machtspiel gespielt. Damals fragte sie den heutigen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, ob er bereit stünde, als Bundespräsident zu kandidieren. Sehr ernst war diese Frage vermutlich nie gewesen, denn gegen Schäuble gab es Widerstand in der FDP. Er hat sie trotzdem bejaht.

    Aus SPIEGEL:

    Foto: dapd
    Christian Wulffs Rücktritt trifft auch die Kanzlerin. Angela Merkel hat den peinlichsten Bundespräsidenten in der Geschichte des Landes zu verantworten. Jetzt ist sie in derselben Lage wie nach dem AKW-Gau in Fukushima: Sie kann einen zentralen politischen Fehler korrigieren.
    Angela Merkel hat vor fast zwei Jahren einen großen Fehler gemacht, der ihr jetzt zugute kommt: Sie setzte Christian Wulff gegen heftige Widerstände als Bundespräsidenten durch, wider alle Vernunft, nur von Parteiräson und Machtkalkül geleitet. Im Amt hat sich Wulff zweimal als der falsche Bundespräsident erwiesen: Erst zeigte er sich der Aufgabe intellektuell nicht gewachsen, dann holte ihn sein Faible für Mitnahmeeffekte aus seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident ein. Beides zusammen führte unweigerlich zum vorzeitigen Ende. Daher, klipp und klar: Angela Merkel hat den peinlichsten Bundespräsidenten in der Geschichte dieses Landes zu verantworten.

    Dennoch kann die Kanzlerin froh sein, Wulff in das höchste Staatsamt gehievt zu haben. Man stelle sich nur einmal vor, Wulff wäre zum Zeitpunkt der Enthüllungen über Bonuskredite, Bobbycars und Urlaubseinladungen immer noch Ministerpräsident gewesen. Die CDU stünde in Flammen und unter Feuer. Weder die Kanzlerparteichefin noch ihre Partei hätte sich dagegen wehren können, mittendrin im Skandal des CDU-Spitzenmannes zu sein. Weil der vormalige CDU-Ministerpräsident aber ins überparteiliche Amt entschwebte, greifen die Flammen jetzt nicht auf die CDU über. Mehr noch: Merkel steht wie die Gegenfigur zum notorischen Nehmer Wulff da, wie eine, der die reine Macht alles ist - der das Gepränge der Macht, deren Glamour und halbseidene Begleiterscheinungen, aber "nüscht" bedeuten. Eher stellt man sich Merkel in ihrem alten Golf auf der Autobahn von Berlin Richtung Datsche vor als im heißen Bemühen, den neuesten Q-Irgendwas von VW oder Audi direkt ab Werk vor die Tür gestellt zu bekommen.



    NACHTRAG BILD:


    Keine halbe Stunde nach Wulffs Rücktritts-Erklärung geht Kanzlerin Angela Merkel ihren schweren Gang des Tages. Steinerne Miene, fest gefaltete Hände, ein halb volles Glas Wasser auf dem Pult im Kanzleramt.
    Vor vier Wochen beim Neujahrsempfang in Schloss Bellevue

    Vor vier Wochen beim Neujahrsempfang in Schloss Bellevue hielt die Kanzlerin noch demonstrativ zu den Wulffs
    Foto: dapd
    Sie zollt Wulff „größten Respekt“ für seine Arbeit, bedauert „ganz persönlich“ seinen Rücktritt.
    Knapp drei Minuten dauert das – die Kanzlerin entspannt keine Sekunde davon. Christian Wulff war IHR Mann, IHRE Wahl. Sein Rücktritt ist also auch IHR Problem.


    Wie sehr wird Angela Merkel vom Sturz des Bundespräsidenten beschädigt?


    Fakt ist: Die Kanzlerin hatte 2010 das Angebot der SPD für einen gemeinsamen Kandidaten ausgeschlagen. Sie lehnte den hoch respektierten Joachim Gauck ab, entschied sich für ihren CDU-Parteifreund, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff.


    Merkel damals: „Ich halte ihn für einen wunderbaren künftigen Bundespräsidenten.“


    Wie man spätestens jetzt weiß: eine krasse Fehlentscheidung. Und untypisch für Merkel. Ganz offenkundig wurde nicht ausreichend geprüft, in welchen privaten oder politischen Vorgängen aus seiner niedersächsischen Amtszeit (2003–2010) Sprengstoff stecken könnte.
    Als Wulff in den Affären-Strudel geriet, saß Merkel mit in der Falle: Sie stützte den Präsidenten, sprach ihm mehrfach öffentlich ihr „vollstes Vertrauen“ aus. 


    Das glaubte sie ihrer CDU-Solidarität schuldig zu sein, an der nicht selten gezweifelt wird. Intern jedoch zeigte sie sich fassungslos darüber, wie Wulff die Affäre behandelte, wie er sich in immer neue Widersprüche verwickelte – und was er sich an kleinen und großen Fehltritten in seiner niedersächsischen Vergangenheit geleistet hatte.
    Folgerichtig versuchte die Opposition, aus dem „Skandal Wulff“ ein „Problem Merkel“ zu machen. Die Umfragewerte der Kanzlerin (und der CDU) stiegen trotzdem auf Rekordwerte.
    Gestern betrieb die Kanzlerin notgedrungen Schadensbegrenzung: Sie will SPD und Grüne einbinden, um ihnen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Merkel: „Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, in dieser Situation einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten vorschlagen zu können.“


    Damit appelliert sie an die politische Verantwortung von SPD und Grünen – die sich kaum verweigern können.

    Merkel über Wulff „Größter Respekt, tiefes Bedauern“

      

    Freitag, 17. Februar 2012

    Zur Live Uebertragung von Wullfs Auftritt  in Berlin





    Rückblickend stellen wir fest: Der Bundespräsident machte zu viele Verhaltens- und Kommunikationsfehler.


    Viele kleine Unstimmigkeiten führten zu einem Trümmerhaufen.
    Nicht die Medien brachten ihn zum Straucheln - er selbst stellte sich laufend das Bein.


    Er zog ständig Vorteile aus seinem Amt.


    Er missachtete die eindeutige Regelung, dass Geschenke
    und Belohnungen abgelehnt werden müssten.


    Er hat zwar eingesehen, dass er  sich bei den Krediten nicht gradlinig verhalten hatte.


    Dass man die Presse nicht bedrohen sollte (Mailbox)


    Wulff pflegte ab zu tauchen,  zu beschönigen und sogar zu lügen (Er habe den Beitrag in der Presse nicht verhindern, nur verschieben wollen).  Die Bandaufzeichnung zeigten, weshalb Wulff die Veröffentlichung des Wortlautes unterbinden liess.


    Wulff informierte anstatt transparent - meist mit Stillschweigen:
    Die Fragen, die er versprach, im Internet zu beantworten, blieben unbeantwortet.


    Die Bevölkerung nahm dem Bundespräsidenten die billigen "Ausreden" nicht mehr ab (beispielsweise, er habe die Hotelrechnung bar bezahlt).


    Warum Wulff gehen musste:

    Der Druck wurde zu gross!

    Wulff konnte das Amt nicht mehr richtig ausüben.

    Er verlor das Vertrauen, die Glaubwürdigkeit.

    Die Aufhebung der Immunität stand vor der Tür.

    Wulff mangelte es an Sensibilität im Umgang dessen, was zulässig ist.

    Wulff hatte kein Gespür im Umgang mit Krisen, Stress und Medien (Wir haben diese Mängel laufend analysiert.) 

    Hauskredit, Mailbox-Affäre, Glaeseker-Rücktritt: All dies sind weitere Gründe für den Abtritt des Präsidenten

    Bundespräsident Christian Wulff







    Christian Wulff mit seiner Frau Bettina nach seiner Rücktrittserklärung

    Rücktritt ohne Einsicht




    Zum heutigen Auftritt Wulffs:


    Die REDE (Erklärung) im Wortlaut:


    «Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und Bürger,
    gerne habe ich die Wahl zum Bundespräsidenten angenommen und mich mit ganzer Kraft dem Amt gewidmet. Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken. Alle sollen sich zugehörig fühlen, die hier bei uns in Deutschland leben, eine Ausbildung machen, studieren und arbeiten, ganz gleich, welche Wurzeln sie haben. Wir gestalten unsere Zukunft gemeinsam.
    Ich bin davon überzeugt, dass Deutschland seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Kraft am besten entfalten und einen guten Beitrag zur europäischen Einigung leisten kann, wenn die Integration auch nach innen gelingt.
    Unser Land, die Bundesrepublik Deutschland, braucht einen Präsidenten, der sich uneingeschränkt diesen und anderen nationalen, sowie den gewaltigen internationalen Herausforderungen widmen kann.
    Einen Präsidenten, der vom Vertrauen nicht nur einer Mehrheit, sondern einer breiten Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger getragen wird.
    Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass dieses Vertrauen, und damit meine Wirkungsmöglichkeiten, nachhaltig beeinträchtigt sind.
    Aus diesem Grund wird es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach aussen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist.
    Ich trete deshalb heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.
    Bundesratspräsident Horst Seehofer wird die Vertretung übernehmen, Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auf der so wichtigen Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt am Donnerstag der kommenden Woche sprechen.
    Was die anstehende rechtliche Klärung angeht, bin ich davon überzeugt, dass sie zu einer vollständigen Entlastung führen wird. Ich habe in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt mich verhalten. Ich habe Fehler gemacht, aber ich war immer aufrichtig.
    Die Berichterstattungen, die wir in den vergangenen zwei Monaten erlebt haben, haben meine Frau und mich verletzt.
    Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für unser Land engagieren, ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Bundespräsidialamt und allen anderen Behörden, die ich als exzellente Teams erlebt habe.
    Ich danke meiner Familie, vor allem danke ich meiner Frau, die ich als eine überzeugende Repräsentantin eines menschlichen und eines modernen Deutschland wahrgenommen habe. Sie hat mir immer, gerade auch in den vergangenen Monaten, und auch den Kindern, starken Rückhalt gegeben.
    Ich wünsche unserem Land von ganzem Herzen eine politische Kultur, in der die Menschen die Demokratie als unendlich wertvoll erkennen und sich vor allem, das ist mir das Wichtigste, gerne für die Demokratie engagiert einsetzen.
    Und ich wünsche allen Bürgerinnen und Bürgern, den ich mich vor allem verantwortlich fühle, eine gute Zukunft und schliesse Sie alle dabei ausdrücklich mit ein.
    Vielen Dank.»



    Kurz und knapp gibt Christian Wulff (in Begleitung seiner Frau) den Rücktritt bekannt. Ruhig und mit sonorer Stimme macht er deutlich, dass das Vertrauen verloren gegangen ist und so, das Amt nicht mehr richtig ausgeübt werden könne. Wer jedoch die Worte genauer mitverfolgte, erhielt den Eindruck:

     Der Ministerpräsident hat eigentlich nichts falsch gemacht. Er habe sich stets richtig verhalten. - Zwar habe  er auch Fehler gemacht , doch sei er stets aufrichtig gewesen.

    Wulff punktete, als er seiner Frau dankte. Dies gab ihm etwas Menschliches.

     Doch fand ich die Rede insofern peinlich, als er die Chance verpasste, sich zu entschuldigen. Ich vermisse nach wie vor die Selbstkritikfähigkeit.  Wie üblich!

    Damit ist Wulff sich treu geblieben - in seiner bisherigen Einsichtslosigkeit. Nach dem Credo:


    "Alle Menschen machen Fehler. Ich bin auch nur ein Mensch. An den Vorwürfen ist nichts dran! Ich habe sonst alles richtig gemacht."

     Im Text der Erklärung (es war keine Rücktrittsrede!) gibt er die Begründung, er sei nicht mehr handlungsfähig. Er spricht nicht von Schuld. Wir hören die absurde Schuldfrage.
    Machte Fehler. Ich war immer aufrichtig. Eine Formulierung, die so gewählt ist, damit seine Rente nicht gefährdet ist.
    Eine exakt zurecht geschliffene Formulierung.

    Fazit: Der Entscheid zum Rücktritt war richtig - leider war er nur zu spät erfolgt. Man sollte nun aber auch nicht weiter nachtreten. Doch werden bei der Affaire   - durch die Ermittlungen - zwangsläufig  alte Geschichten wieder aufgewärmt. Es wird zudem noch ein Gerangel um den Ehrensold geben. Gepunktet hätte der Bundespräsident, wenn er das Verhältnis zu den Medien neu geordnet hätte. Es war keine eigentliche Medienschelte mehr, aber der Unmut - den Medien gegenüber, die ihn und seine Frau verletzt haben - schlägt deutlich durch (Wulff sieht sich als im Grunde doch als Medienpfer!). 


    Wulff hätte in seiner dreiminütigen Erklärung beispielsweise die Chance nutzen können, indem er bei seiner Erklärung  den Ehrensold hätte ausschlagen können. Doch kein Wort über diesen Sold.
    Mit  dieser Geste hätte er sich in Würde aus dem Amt verabschieden können. Einmal mehr muss wiederum gesagt werden: Chance verpasst!
    Der Glaube Wulffs - so eine Krise aus zu sitzen -  war eine grobe Fehleinschätzung.
     


    Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff denkt nicht an Rücktritt (Archiv)