Donnerstag, 22. September 2011

Aus der Handelszeitung


Klartext sprechen statt lavieren

Schwammige Antworten, weichgespülte Kritik, aufgeblähte Wortkonstrukte – wenn Sie mal wieder auf jemanden stossen, der verbal im Nebel stochert: Fordern Sie Klartext. Wer Sie wertschätzt, speist Sie nicht mit Leerformeln ab.
Der Politiker auf dem Podium: «Es braucht nun den festen politischen Willen, dieses Thema vertieft zu betrachten.» Der Manager vor den Medien: «Wir haben die geeigneten Massnahmen eingeleitet, doch für die Gesundung unserer Firma werden allenfalls noch schmerzhafte Prozesse notwendig werden.» Der Kollege in der Kantine: «Grundsätzlich gefällt mir dein Entwurf ganz gut. Da hast du dir ja wirklich viel Mühe gegeben, aber irgendwie brauchen wir das anders. Also wie genau, das weiss ich auch nicht so recht, aber versuch es doch nochmals ? irgendwie anders halt?»
Absichtserklärungen und Ausweichmanöver, Verlautbarungen und Verklausulierungen ? warum spricht keiner mehr die unverblümte Wahrheit aus? Weil wir glauben, damit weniger anzuecken. Weil wir schon vorab die möglichen Angriffe abfedern wollen. Und weil wir denken, der andere verträgt das offene Wort nicht. «Wir scheuen uns vor klaren Formulierungen, deuten Kritik nur an», sagt Kommunikationsexperte Marcus Knill.
Eine verbreitete Unsitte seien zum Beispiel die Weichspüler: Jemand will sagen, was er schlecht findet, schwächt seine Aussage aber vorsichtshalber ab mit Sätzen wie: «Ich würde meinen, dass...» Oder: «Wenn ich mir die Bemerkung erlauben dürfte...» Man hoffe, damit dem anderen nicht auf die Füsse zu treten ? und sich weniger unbeliebt zu machen.

Konstruktiv und freundlich

Andere bleiben weich und wolkig, weil sie glauben, das sei Sozialkompetenz. Ein kapitaler Irrtum: «Sozialkompetent sind nur jene Kollegen und Vorgesetzten, die sich klar ausdrücken», sagt Andreas Eigenmann von der gleichnamigen Zürcher Agentur für Unternehmenskommunikation. Und jene, die andere konstruktiv kritisieren, und zwar so, dass diese nachvollziehen können, was gemeint sei.
«Dazu muss man ein paar Regeln verinnerlichen», ergänzt Knill: Freundlich bleiben im Ton. Fakten nennen, ohne sie zu bewerten. Den Sachverhalt auf den Punkt bringen. Ich-Botschaften formulieren: «Ich schätze es nicht, wenn Sie, wie gestern und vorgestern, unvorbereitet in die Sitzung kommen.» Zudem zeitnah kritisieren. Und: Unter vier Augen, nicht vor dem ganzen Team.

Keine Angst vor Feinden

Für Kommunikationsberater, Buchautor und Ex-«Arena»-Moderator Patrick Rohr ist klar: Es braucht Mut, Klartext zu reden. Mut deshalb, weil klare Aussagen ehrliche Aussagen sind.
Völlig fehl am Platz sei die Angst davor, sich mit einem offenen Wort Feinde zu schaffen oder den anderen mit Kritik oder schlechten Nachrichten fertig zu machen. «Wer in seinen Aussagen schwammig ist oder nur Phrasen drischt, verletzt mehr als jener, der von Anfang an eine direkte und klare Sprache wählt.» Gerade bei schwierigen Themen sei es wichtig, schon im ersten Satz auf den Punkt zu kommen ? statt sich der unangenehmen Wahrheit in Windungen zu nähern.

Karten auf den Tisch legen

Rohr nennt als schlechtes Beispiel den Vorgesetzten, der einem Mitarbeiter kündigen muss, dies jedoch im ganzen Gespräch nie direkt anspricht. Der Mitarbeiter realisiert erst danach, dass er soeben den Job verloren hat ? und entwickelt verständlicherweise eine Riesenwut auf seinen Chef. Hätte dieser im ersten Satz gesagt: «Ich muss Ihnen leider kündigen», wären die Karten auf dem Tisch gelegen und der Mitarbeiter hätte die Möglichkeit gehabt, gezielt nachzufragen. So aber habe der Vorgesetzte ein offenes Gespräch verhindert. Und das nur, um sich vor der unangenehmen Situation zu drücken.
Warum wir Klartext reden sollten, hat noch einen anderen Grund: Wer um den heissen Brei herumredet, riskiert Fehlinterpretationen, sagt Marcus Knill. Eine Folge davon sei Zeitverlust, denn Missverständnisse müssen ausgeräumt werden. Das wiederum führe zu Konflikten, und diese vergiften das Arbeitsklima.
Ärger, den man sich sparen kann ? wenn man gleich sagt, was Sache ist.

NACHGEFRAGT


Marcus Knill, Kommunikationsexperte, Uhwiesen ZH


«Die Worthülse wird oft wie eine Notlüge benutzt»

Schwammig bleiben in seinen Aussagen ? ist das die Strategie, die unsere Manager von den Politikern lernen?

Marcus Knill: Wer die Antworten in Talkshows verfolgt, merkt bald: Die Unart, schwammig zu reden, ist tatsächlich eine Strategie. Deshalb gibt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel Sätze von sich wie: «Wir haben die entsprechenden Eckpunkte festgelegt.» Welche das sind und was vereinbart wurde, bleibt offen. Würden Politiker konkret antworten, was sie erreichen wollen, könnte man sie daran messen ? und genau das fürchten sie.

Viel reden, wenig sagen ? was steckt hinter diesem Prinzip?

Knill: Vielredner hoffen, ihr Gegenüber merke gar nicht, dass sie ausweichen. Und oft meinen jene, die Phrasen dreschen, man bewundere sie und finde ihr Gerede kompetent. Ich hatte schon Kunden, die tatsächlich von mir erwarteten, ich solle ihnen beibringen, wie man redet, ohne sich festzulegen. Wohlverstanden, es waren keine Diplomaten!

Was tun, wenn ich mich mit schwammigen Antworten nicht zufrieden geben will?

Knill: Sofort nachfragen! Was meinen Sie mit «Dies ist der richtige Schritt in die richtige Richtung»? Welcher Schritt? Wer macht ihn? In welche Richtung geht es?

Und wenn der Chef im Nebel stochert?

Knill: Dito. Wenn der Chef beispielsweise sagt: «Es gibt Aspekte, die Sie zu wenig berücksichtigt haben», dann sollte der Mitarbeitende nachhaken: «Sie sagten Aspekte. Darf ich wissen, welche?» Beim Nachfragen ist der Ton enorm wichtig. Der Chef muss merken, dass es mir nicht ums Beanstanden seiner vagen Bemerkung geht, sondern darum, zu erfahren, was ich konkret verbessern muss.

Drückt es auch Geringschätzung aus, wenn ich jemanden mit Worthülsen abzuspeisen versuche?

Knill: Nicht unbedingt. Möglicherweise will ich ihn nur schonen. Die Worthülse wird oft wie eine Notlüge benutzt. In der Diplomatie ist das eine gängige Methode. In einem guten Team sind es jedoch ganz klar Zeichen von Wertschätzung, wenn man offen miteinander umgeht.

Welche Phrasen sollten wir uns schleunigst abgewöhnen?

Knill: Abschwächende Formulierungen wie: «Ich würde meinen, man könnte...». Zudem Leerformeln wie: «Nicht näher zu erläuternde Umstände haben dazu geführt, dass...». Und Füllwörter: allenfalls, eigentlich, irgendwie, gewissermassen, möglicherweise und relativ.

LINK:


Internet
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4. Apr. 2007 ... Es lohnt sich, diese Weichspüler gezielt zu eliminieren. Erstaunlich: Viele Redner benutzen "Flicklaute". Damit werden Denkpausen akustisch ...
www.rhetorik.ch
«Weichspüler» entdecken würden: Schen- ken Sie diesen Abschwächungen irgendwie ein bisschen mehr Aufmerksamkeit. Mögli- cherweise könnte ihnen ...
www.rhetorik.ch

Mittwoch, 21. September 2011

Als Coach sehe mich seit Jahren immer 
wieder in der Funktion als Hofnarr. 
Nun hat ein Kollege von mir dieses Prinzip in einem lesenswerten  Buch mit dem Titel "Das Hofnarr-Prinzip" publiziert.




Der Autor - Hans Pfister (Projekt Support und Training) - hatte mir anlässlich eines  Ausbildungsmoduls, das wir gemeinsam bestritten haben (Kommunikationslehrgang für Kundendienstberatern) von seinem Vorhaben erzählt. Ich war begeistert. Bis jetzt wurde bislang dieses hilfreiche Prinzip nie in so einfacher Form dargelegt.
Nun ist das Buch im Handel erhältlich.
Es ist im BoD-Verlag erschienen:
ISBN: 978-3-842-34760-1














Was ich am Buch schätze: 
Es verdeutlicht anhand einfacher
konkreter Beispiele,
wie das Prinzip funktioniert. Vor allem
mit einer ausführlichen fiktiven Geschichte.
Das Erfolgsgeheimnis des
Hofnarr-Prinzipes besteht darin,
dass Menschen sich gegenseitig 
unterstützen.
Im Grunde genommen ist es ein Prinzip,
das uns zur Selbsthilfe führt
(Hilfe zur Selbsthilfe), indem eine
aussenstehende Person,
die nicht zu nahe steht,
die richtigen Fragen stellt.
Das Prinzip bewährt sich überall:
Im Beruf und Alltag.
Vor allem, wenn es darum geht, 
die Kernkompetenzen zu fördern.




Ich habe seit Jahren Führungskräften empfohlen,
die kommunikative Kompetenz zu optimieren, indem
sie mit einem aussenstehenden Hofnarren
arbeiten.
Das hatte sich stets bewährt.
Der Hofnarr kann teure Beratungen und
Seminare ersetzen.


der hofnarr







Anwälte und PR Berater sind leider nicht die idealsten Berater, wenn es um heikle Medienauftritte geht. Sie erinnern sich noch an Jo-Ackermann, der am 21. Januar 2004 die Finger zum Victory-Zeichen gespreizt hat, als er den Gerichtsaal betrat. Es folgte ein Proteststurm, der dem Topbanker beinahe den Kopf kostete.

  Ackermann entschuldigte sich 15 Tage nach dem Faux-pas mit der Begründung:

Seine Anwälte hätten ihm dies empfohlen. Sie hätten gesagt, so zeige er sich locker. Er habe nur diesen Rat befolgt.



"Big Joe" ist nicht der einzige, der mit einer falschen Beratung ein PR-Desaster ausgelöst hat. Ich erinnere an Temporärstellenvermittler Adecco, der nach seiner anwaltlich diktierten Kommunikation in einer Börsenwoche fünf Milliarden Franken vernichtet.


Um in der Oeffentlichkeit zu überzeugen, benötigen sie einen ausgebildeten Hofnarren.


Erkenntnis: Die meisten Unternehmenschefs haben keine Ahnung, wie die Medien ticken. Sie kennen die Sicht der Kunden, Mitarbeiter, der Anleger nicht mehr.

Wenn jemand nur noch im 50. Stockwerk seines Palastes lebt, verliert jemand schnell  die Sicht der Bevölkerung

Die Bewohner auf den Teppichetagen - mit goldenen Fallschirms - brauchen Berater, die ihnen zeigen, dass nicht alles, was sie tun, vom Publikum als richtig erachtet wird.


Ein Berater, darf den Auftraggebern nicht nur Honig ums Maul streichen. Wer nur Good News verkündet, verliert den Status als Hofnarr. Er ist nur noch Hofsänger.


Bei unserem Coaching wird ein Realitäts-Check praktiziert, wie er schon im Mittelalter praktiziert worden ist. Mit dem SPIEGEL!

Ihnen wird bewusst gemacht, wie sie von Aussen wahrgenommen werden.


LINK:


Jean-Paul Sartre hat diese Thematik im Theaterstück 'Bei verschlossenen Türen' aufgegriffen: Ein Raum ohne Spiegel. Der eine sieht sich nur im Andern - in ...
www.rhetorik.ch



Coach Dich selbst, sonst coacht Dich keiner


Eine Seminarteilnehmerin zeigte mir jüngst das Buch mit dem Titel "Coach Dich selbst, sonst coacht Dich keiner!". Daraus entwickelte sich eine aufschlussreiche Diskussion darüber, welches Coaching  Sinn macht.




Spitzensportler und Topmanger haben seit Jahren einen Coach. Tatsächlich entwickelte sich bei vielen Führungskräften einen Coachingwahn und es ist heute schwierig, sich im Dschungel der Coaching- Angebote  zurecht zu finden. Die Branche wird immer undurchsichtiger. Es fehlen vielfach Wegweiser, die uns vor billigen Einflüsterern und Paradiesvögel  bewahren. Es gibt zwar einige Leitplanken, die uns auf der Suche nach professionellen Beratern weiterhelfen:

- Billige Versprechen mit nicht messbaren Grössen sind immer verdächtig, wie beispielsweise "Mehr Geld im Job". Scharlatane und Schaumschläger vermeiden eindeutige Ziele. Die "Beratung" ist nicht nachhaltig. Die angepriesenen Rezepte sind auch nicht alltagstauglich.

- Ein professioneller Berater zeigt Ihnen, wie sie sich SELBST coachen können

- Er befähigt Sie, Ihre Ziele SELBST zu entwerfen


- Er zeigt Ihnen, wie Sie Unanehmlichkeiten SELBST beseitigen können


- Sie lernen, Grenzen SELBST zu ziehen


Somit spricht der Buchtitel etwas Zentrales der professionellen Beratung an:

Professionelles Coaching heisst "Hilfe zur Selbsthilfe!"
Es setzt messbare, konkrete Ziele, die nachher überprüft werden können und dadurch ist professionelle Beratung immer nachhaltig.


LINK:




KOMMUNIKATION MANAGEMENT 2. Wer möchte nicht seine. SELBST- Kompetenz för- dern? Wer wünscht sich nicht mehr SELBST-Sicherheit? Lange Zeit ...
www.rhetorik.ch

4. Nov. 2008 ... Wer möchte nicht seine Selbst-Kompetenz fördern? Wer wünscht sich nicht mehr Selbst-Sicherheit? Lange Zeit dominierte eine fragwürdige ...
www.rhetorik.ch
Andere motivieren - sich selbst motivieren; aber wie? Manche ... "Andere motivieren können" ist die eine Seite, "sich selbst motivieren" die andere. Beides ist ...
www.rhetorik.ch
Werden Mängel selbst erkannt, kommt es viel schneller zu den erwünschten Verbesserungen. Dank der persönlichen Einsicht braucht es zudem weniger ...
www.rhetorik.ch

Montag, 19. September 2011

Zur Behördenausbildung   dieser Woche:


Sie müssen schlechte Nachrichten übermitteln und möchten, dass diese auch akzeptiert werden.

von Marcus Knill

Ich schlage Ihnen für das Schlecht-Nachrichten Gespräch folgenden Handlauf vor:

- Handeln Sie möglichst rasch!

Das Gespräch nicht auf die lange Bank schieben, in der Hoffnung, die Unzulänglichkeit bessere von selbst.

- Führen Sie das Gespräch unter vier Augen!

Wer jemanden vor Anderen kritisiert, macht einen Kapitalfehler. Durch die Beanstandung verliert der Betroffene das Gesicht. Statt Einsicht kommt es zu einer Rechtfertigungs- und Verteidigungshaltung.

- Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus!

Ein belangloses kurzes Small-talk- Gespräch lohnt sich. Diese Anwärmphase ist gleichsam Schmieröl auf der Beziehungsebene. Doch darf es nicht gespielt sein. Es muss ehrlich und echt sein.

- Direkt auf den Punkt kommen. Konkret - kurz - beschreibend: Nur Fakten!

Vermutungen, Interpretationen schwammige Andeutungen vergiften das Gespräch.

Keine Weichspüler, keine Rechtfertigungen, keine "aber", "allerdings" usw.

- Den Sachverhalt beim Namen nennen!

Ohne Umschweife, nicht um den heissen Brei laufen.

- Das Gegenüber Stellung nehmen lassen zur schlechten Nachricht (Beanstandung, Kritik)!

"Was sagen Sie dazu?"
Sich Zeit nehmen, Zeit lassen, die Enttäuschung erleben lassen, das Gegenüber soll sich ausdrücken können. Aerger aushalten. Das Gegenüber abreagieren lassen. Zuhören - aktiv Zuhören. Klärend fragen, Aussagen paraphrasieren - wenig sagen!

- Diskutieren? Reaktion besprechen!

Situation beruhigen!

- Das Gegenüber soll selbst Lösungsvorschläge machen!

Konkret, konstruktiv.

- Lösung ,Vorschlag als Vereinbarung verankern!
- Termin vereinbaren. Damit später die Verbesserung überprüft werden kann.


Das WICHTIGSTE sind folgende Grundhaltungen:


1. Die Empathie


Die Wertschätzung des Gegenübers (Sie müssen Menschen mögen)


2. Die Kongruenz



Ihre Einstellung beeinflusst Ihre Stimme und Körpersprache. Wenn es in Ihrem Innern stimmt, stimmt das WIE und das WAS beim Kommunikationsprozess automatisch überein.



3. Die Akzeptanz


Akzeptieren Sie das Gegenüber, so wie es ist und Sie werden auch akzepiert.


4. Das Zutrauen


ZuTRAUEN hat mit TRAUEN und VerTRAUEN zu tun.


5. Interesse (gesunde Neugier) dem Gegenüber


Schlechte Nachrichten übermitteln-aber wie?






Genaue Zahlen sind in der Schweiz nicht bekannt. In Deutschland geht man davon aus, dass täglich Tausende unangenehmer Botschaften im Berufsalltag vermittelt werden.
Ueberwiegend  geschieht dies durch Vorgesetzte. Dabei ist die kritisierte Person dieser Herausforderung hilflos ausgeliefert. Vor allem, wenn es um eine bedeutsame "Schlechte Nachricht" ist.
Bei jedem "Schlecht-Nachrichten-Gespräch" - aber auch beim Kritikgespräch - müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
1. Es gibt einen konkreten bestätigten Sachverhalt (Kritik,  Leistungs- oder Verhaltensbeurteilung) die angesprochen werden muss.
2. Die betreffende Person weiss noch nichts davon oder ahnt diffus, dass etwas Unangenehmes auf sie zukommt.

3. Die schlechte Nachricht ist wichtig (Der Kritikpunkt muss dringend angesprochen werden).
  


  Schlechte Nachrichten:  Vielen Führungskräften fällt es schwer mit Kritik und Meinungen anderer umzugehen
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Corbis
Schlechte Nachrichten:


  Vielen Führungskräften fällt es schwer mit Kritik und Meinungen anderer umzugehen


Quelle: Manager Magazin



Krawalle und Sachbeschädigungen aus Lust an der Gewalt


Die Polizei in Zürich will Sachbeschädigungen nicht mehr sang- und klanglos hinnehmen.
Wer nach Zürich fährt und seine Zerstörungswut sinnlos auslebt, wird verhaftet. "Event Chaoten" will man nicht mehr tolerieren, die ohne Botschaft - nur aus Langeweile - die Polizei in Trab halten.


Ich zitiere 20 Min:


Hunderte Polizisten haben in der Nacht insgesamt 91 Radaubrüder verhaftet. Zwei Drittel davon stammen nicht aus Zürich. Der Grossteil davon sind «Event-Chaoten», wie sie der Polizei-Kommandant bezeichnet.



Erneut kommt es in Zürich zu Ausschreitungen. Rund um den HB setzt die Polizei in der Nacht auf den 18. September 2011 Wasserwerfer und Tränengas ein.

Die Polizei hat während den Ausschreitungen insgesamt 91 Personen verhaftet. «Wir behalten 48 davon wegen Landfriedensbruch bis mindestens Montag in Untersuchungshaft», sagt der Zürcher Polizeikommandant Phillipp Hotzenköcherle an einer kurzfristig einberufenen Medienkonferenz am Sonntagnachmittag. Den Randalen sei erneut ein breiter SMS-Aufruf vorausgegangen. Wer dahinter stecke, wisse man noch nicht.
Die verhafteten Chaoten - darunter sechs Frauen - gehörten weder zur Party- noch zur Fussballszene noch zum Schwarzen Block, sondern seien «Krawall-Touristen». Zwei Drittel stammten aus dem Kanton, ein Drittel aus der Stadt Zürich. Die meisten der Verhafteten sind sehr jung: 61 sind zwischen zwischen 18 und 25 Jahre alt, 25 davon sind 15- bis 17-jährig. Bei den Ausschreitungen seien eine Frau und eine Polizistin verletzt worden. Der Sachschaden betrage zwischen 100 000 bis 200 000 Franken. Der Polizeieinsatz habe den Steuerzahler rund 250 000 Franken gekostet.
Die zahlreichen Einsätze seien für die Polizisten eine grosse Belastung: «Einige Beamte standen bis zu 24 Stunden am Stück im Einsatz», so Hotzenköcherle.



Eine Woche zuvor artete eine «fette Party» mit 1000 Teilnehmern am Bellevue in wüste Strassenschlachten aus.
Vandalen schlagen Fensterscheiben am Bahnhofquai ein
Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
Im Grossformat auf dem Videoportal
Videoportal 


Ich zitiere BLICK:

Reine Krawall-Touristen
Bei den Randalierern handle es sich um reine Krawall-Touristen, sagte Polizeivorstand Daniel Leupi (Grüne). Diese hätten nichts anderes als Zerstörung und Gewalt gesucht. Zwei Drittel stammten aus dem Kanton, ein Drittel aus der Stadt Zürich.

Bei den Ausschreitungen sind laut Stapo eine Frau und eine Polizistin verletzt worden. Der Sachschaden beträgt zwischen 100´000 und 200´000 Franken. (dra/sda)



AUS TAGI:


Apell an Eltern


Nun seien vor allem auch die Erziehungsberechtigten gefordert, sagte Leupi. Bei den Randalierern handle es sich jedenfalls um reine «Krawalltouristen». Diesen sei es nicht um mehr Party-Freiräume gegangen, sondern nur um Zerstörung und Gewalt.


Der Stadtrat sei durchaus bereit, bestehende Anliegen zu diskutieren. Dies setze aber einen Dialogpartner voraus. Diesen sehe man zurzeit aber nicht. «Die Chaoten von gestern Abend können es jedenfalls nicht sein», sagte Leupi.



Kommentar: Nur durch konsequentes Einschreiten können die "EVENT-CHAOTEN" gestoppt werden. Würden sinnlose Ausschreitungen zur Gewohnheit, bekäme die Gewaltspirale eine Eigendynamik und könnte nur noch mit enormen Kosten  gestoppt werden. Der Aufwand würde für die Behörden immer grösser. Das Konzept der Stadt und der Polizei ist somit in diesem Fall  sinnvoll. 


Leupi hatte recht: Das Grundproblem kann die Polizei nicht lösen. Das Problem liegt weitgehend in der Oerientierungslosigkeit vieler Jugendlicher. Jahrelang hat die Oeffentlichkeit (Behörden, Politiker, Eltern, Lehrkräfte) die Beliebigkeit gefördert. Stabile Bezugspersonen wurden abgebaut. Das Klassenlehrersystem über Bord geworfen und die Auflösung der Familienstrukturen zugelassen, sogar gefördert. Heute ernten wir den Verzicht auf bewährte Wertmasstäbe und  die notwendige Präsenz bei  Erziehungsprozessen.


Nachtrag:



Heute entscheidet die Zürcher Staatsanwaltschaft, was mit den 48 verhafteten Krawallmachern geschieht. Politiker von links bis rechts fordern drakonische Strafen. 


Kommentar:

Spass bis zum Ueberdruss - Beim Drogenkonsum wird ein Auge zugedrückt - Kultur und Ausgang sind liberalisiert. Es wird fast alles toleriert, was nicht ausdrücklich verboten ist.  Bei den jüngsten Kravallen gibt es keine Rädelsführer, keine Drahtzieher, keine intellektuellen neomarxistischen Vordenker mehr. Es fehlen die politischen Botschaften. Der harte Kern der Event-Chaoten besteht vorwiegend aus gelangweilten Jugendlichen. Sie sind männlich - mit hoher Gewaltbereitschaft und grosser Lust auf Randale und Kampf. Weil an den eigenen Wohnorten wenig los ist, fährt man nach Zürich. Es gibt viele Mitläufer - mit heimlicher Freude am Gratis-Spektakel. Das staatliche Gewaltmonopol wird nicht akzeptiert.

Eltern und Lehrkräfte müssten eigentlich die Sinnleere und Orientierungslosigkeit dieser Kravallkinder zu denken geben. 
Die Spirale der Gewalt kann mit Polizeikräften nicht allein eingedämmt werden. Jugendliche können auch im Luxus verwahrlosen. Schule und Elternhaus müssen über die Bücher gehen und Wege suchen - zurück zur  Präsenz. Konstante Bezugspersonen sind gefragt.

UBS-Chef will nicht gehen: Grübel: «Fühle mich nicht schuldig»
UBS-­ Chef will nicht gehen. Grübel findet:


«Fühle mich nicht schuldig»

Was er aber heute doch eingestehen muss:

"Fühle mich verantwortlich!"


- leider hat er dies zu spät erkannt.


Experten vermuten, dass sich Grübel nicht mehr lange halten kann. 


Kommentar: Für mich ist es unvorstellbar, dass die oberste Führungsebene einer Grossbank vier Tage wartet, bis sie sich persönlich der Krise stellt!  Wenn Grübel noch doch bereit ist die Konsequenzen zu tragen, müsste dies heissen: "Ich trete zurück!"

Samstag, 17. September 2011

Wie Jutta Ditfurth Dialoge sprengen konnte


Die Grünen-Mitbegründerin Jutta Ditfurth hält nicht mehr viel von ihrer ehemaligen Partei: "Die Grünen sind heute nichts anderes als eine FDP mit Fahrrad."





Am 16. September wurde an den 8. Schaffhauser Wirtschaftsimpulsen die Thematik "Wachstum- Fluch oder Segen?" von unterschiedlichsten Seiten beleuchtet. 





Nachdem  Jutta Ditfurth  bei ihrem Impulsreferat mit ihrer pointierten Gegenposition beim Publikum  punkten konnte,  erntete sie dann in der Diskussionsrunde mit der Starbesetzung Wellershoff, Wallraff, Pauli und Deiss unter der Leitung des Medienprofis Brennwald nur noch Minuspunkte.


Die Veranstalter wünschten bewusst eine konkradiktorische Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Thematik und das Publikum erlebte dann auch  die Kontrapunkte im Podiumsgespräch und zwar  ungeschminkt und hautnah. Jutta Ditfurth gelang es, sich über alle Regeln der Gesprächskultur hinweg zu setzen. 
Es war erstaunlich, wie es es verstand, jeglichen Konsens zu sabotieren und echte Dialoge zu sprengen.
So wie ein pubertierendes Kind, das antiautoriär "erzogen" wurde und sich an keine Regel halten will, spielte sie auf der Klaviatur der Provokation. Sie brachte es sogar fertig, einen Joseph Deiss aus der Reserve zu locken, Wellershoff zu destabilisieren und mit primitivsten Techniken, den Moderator auszuklammern.
Ein paar Beispiele:

Ein Moderator hat bekanntlich in seiner Rolle das Recht und die Pflicht, Fragen zu stellen. Die Teilnehmer müssen sich den Spielregeln  unterordnen. Doch Jutta Ditfurth war nicht bereit, sich befragen zu lassen. Nachdem sich   Reto Brennwald erlaubte, seine Frage zu wiederholen, die Ditfurth als gewiefte Debattiererin nicht beantwortet hatte, griff sie den Moderator mit einer Unterstellung frontal an:
"Sie wollen, dass ich das sage, was Sie wollen. Ich sage, was ICH denke!"
(analog einem pubertierenden Kind, das trotzt und sagt: Ich mache was ICH will!)
Nachdem Ditfurth - sie ist die heutige Vorsitzende der bunten Fraktion -  das Wort ständig an sich gerissen hatte und vom Moderator gestoppt werden musste (was auch seine Pflicht ist) konterte sie: "Ich rede nicht in Schlagzeilen!" (Ein pubertierendes Kind würde sagen: Ich rede solange ich will!)

Wurde Sie hingegen von anderen Gesprächsteilnehmern, die von Ditfurth ständig unterbrochen wurden, freundlich gebeten,  den Satz doch zu Ende sprechen zu dürfen, entgegnete die Provokateurin:
"Wir haben hier einen Dialog!"
Erstaunlich, dass es dieser Frau im Podiums gelang, Deiss mit der ständigen Unterbrechungstaktik so zu destabilisieren, bis er entnervt, dieses provokative Unterbrechen als pathologisch bezeichnete.
Ditfurth gelang es zudem, selbst Wellershoff  zu irritieren, indem sie ihn seine Person nicht neutral und parteiisch bezeichnete.
(So wie ein rebellierendes Kind, das mit Vorwürfen und Unterstellungen Eltern zu manipulieren versteht. Der Trick: Man spielt auf die Person)
Erstaunlich, dass es diese spät pubertierende Politikerin auch fertig brachte, einen Moderator einfach zu ignorieren und auszuklammern. (auch mit Körperhaltung und Blickkontakt). Nachdem Reto Brennwald auf die Spielregeln verwies,  drohte Ditfurth: "Wenn ich nicht sagen kann, was ich will,  verlasse ich das Podium."
(Analog dem Verhalten eines antiautoritär "erzogenen" Kindes, das den Eltern droht, es werde ausziehen, wenn es kein neues Handy bekommt)
Ich beschäftige mich seit Jahren mit Dialogik. Ich habe selten erlebt, wie es jemand so plump fertig bringt, sich über alle  Regeln der Gesprächkultur eigenmächtig hinwegzusetzen. Aeusserlich setzte die Provokantin auch noch einen knallroten Fächer ein, den sie dominant einsetzte. Gockel wollen auch mit dem roten Kamm die eigene Position stärken.

Der Gipfel der Ich-Bezogenheit verriet Ditfurth, indem sie forderte: "Wenn ich schon Gelegenheit habe, vor den Medien meine Sicht darzulegen, so will ich dies hier in Schaffhausen auch tun" (Erinnerte erneut an ein  pubertierendes Kind:  Ich will... ich muss - aber subito!).
Das Schaffhauser Publikum erlebte an dieser spannenden Podiumsveranstaltung live einen Lehrfilm, der  für Kommunikationsseminare verwendet werden könnte. Nicht alle ertrugen zwar diese penetrante ICH-bezogene Provokateurin. Viele verliessen  - offensichtlich genervt - vorzeitig den Saal.

Fazit:
Ein Musterbeispiel, wie sich eine hochintelligente, eloquente Rhetorikerin selbst demontierte, weil sie den Unterschied zwischen Rhetorik und Dialogik nicht kennt.
Das Verhalten Jutta Ditfurth veranschaulicht uns, dass Dialog  Austausch sein muss. Zuhören, sich an Spielregeln halten, das Gegenüber wertschätzen (auch wenn man nicht einverstanden ist mit ihm) gehört zum ABC jeder Kommunikationskultur. Wer diese Voraussetzungen nicht mitbringt, dürfte eigentlich nicht eingeladen werden.
Der Veranstalter brachte es am Schluss erfreulicherweise fertig, das  Streitgespräch - in einer kurzen Zusammenfassung - gekonnt auf einen Nenner zu bringen:

1. Beim Thema "Wachstum- Fluch oder Segen?" scheiden sich die Geister.

2. Eine "Entweder - Oder Haltung" bringt uns nicht weiter.

3. Wachstum kann sowohl Segen sein, als auch  Gefahren in sich bergen.


4.  Wir müssen uns der Grenzen des Wachstum stets bewusst bleiben.


Es gab Feedbacks von Teilnehmern, die das Sprengen des Dialoges nicht bei der Bombenlegerin suchten, sondern bei den Opfern.


So habe ich gehört:


Wellershoff hätte mit seiner wachstumsfreundlichen These die deutsche Referentin gereizt. Er sei im Grunde genommen schuld


Oder: Reto Brennwald hätte sich besser vorbereiten müssen. Er habe nicht recherchiert, mit wem er es zu tun habe.


Zu den Podiumsteilnehmern, die zu Statisten degradiert worden waren, wurde gesagt: Sie hätten die Dominanz der "Spielverderberin" selbst verschuldet. Sie hätten sofort hart kontern müssen.



Nachtrag (Analyse aus dem Blog LUPE)


Lupe, der Satire-Blog: Wirtschaftsimpulse'11 (Kommentar) 





die referentenliste war vielversprechend: 
- klaus w. wellershoff, ökonom und lanjähriger ubs-kadermann,
- günter wallraff, enthüllungsjournalist, autor
- peter pauli, ceo eines solar-technologie-unternehmens
- jutta ditfurth, soziologin, publizistin und gründungsmitglied der grünen deutschlands
- joseph deiss, präsident uno-generalversammlung und alt-bundesrat

In einer ersten runde erläuterten die 5 referenten in einem 20-minütigen kurzreferat ihren standpunkt zum thema. im zweiten teil wurde auf dem podium ziemlich hart und kompromisslos diskutiert.
die eintretensreferate waren grundverschieden aber sehr unterhaltend und zum nachdenken anregend, das podium von unüberbrückbaren ansichten geprägt. reto brennwald, erfahrener schweizer arena- und rundschau-moderator geriet bisweilen durch die impulsive art der teilnehmer an die grenzen seiner möglichkeiten.

ich verzichte auf inhaltliche replik. beschränke mich auf eine kurze einschätzung der leistungen der einzelnen exponenten:

  • wellershoff: trat in gewohnt unterhaltender manier auf, referierte frei und hatte die lacher auf seiner seite. glänzen konnte er mit seinem referat wie auch seinem podiumsauftritt nicht. er schien sich diesmal sichtlich die sache etwas zu leicht gemacht zu haben, war zu wenig auf die gegnerschaft vorbereitet.  auf die attacken von jutta ditfurth reagierte er naiv mit gegenangriffen und fixierte sich fortan nur noch auf ditfurth-konter.
  • wallraff: starkes referat, gut vorbereitet, guter auftritt, gute konter, zeigte wellershoff klar die schwächen seines einstiegsreferates auf. etwas zu negativ-orientiert. im gelang gegen ende immerhin, ditfurth zu überzeugen, vom verlassen des podiums abzusehen. 
  • pauli: etwas farblos, wollte anhand einer firmenpräsentation aufzeigen, warum wachstum notwendig sein muss. immerhin, der erfolg seiner solarunternehmens gibt ihm recht.
  • ditfurth: starkes referat, gute konter und zwischenrufe. erntete zu beginn oft szenenapplaus, auch von wirtschaftsleuten. verspielte aber daraufhin durch ihr arrogantes, überhebliches ich-bezogenes auftreten ohne jeglichen anstand gegenüber moderator und teilnehmern, jegliche sympathien. wurde sie in die enge getrieben, weil sie z.b. schlicht keine lösungen für eine null-wachstumsversion hatte, reagierte sie fast pöbelnd anschuldigend. dass sie gegen ende gar zweimal drohte, das podium zu verlassen, liessen ihre sympathiewerte auch bei linken frappant weiter sinken. 
  • deiss: schwaches referat, verpasste die steilvorlage von wellershoff, begnügte sich, eine aufzählung von erfolgen seiner uno-amtszeit in überlänge darzubieten. deiss verfügt aber über eine gesunde portion trockenen humors, mit dem er angespannte situationen entschärfen konnte. in der diskussion konnte er dann seine stärken zeigen. 
  • moderator brennwald: zu beginn des podiums stark, leitete klar, hielt dann aber dem druck der deutschen diskussions(un)kultur bald einmal nicht mehr stand und gab die leitung im zweiten teil des podiums entnervt aus der hand. deiss sah sich genötigt, brennwald humorvoll zu fragen, ob er ihn unterstützen könne. kontraproduktiv auch, wenn der podiumsleiter den teilnehmern in der schlussrunde gleich mehrere fragen in einem guss stellt.  

2. Nachtrag:
Ditfurths Kommunikationsverständnis verriet sie schon 2008 bei Anne Will. Ich zitiere die Welt:

Wie Jutta Ditfurth bei Anne Will die Nerven verliert

Über explodierende Energiepreise wollte Anne Will in ihrer Sendung reden, doch hoch gegangen ist gestern Abend nur eine: Die Ex-Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth. Sie redete sich um Kopf und Kragen und forderte nebenbei eine Revolution – und weniger "Propagandagesülze" der Energiekonzerne.
Kopfschütteln, schweres Atmen: Knapp eine halbe Stunde begnügte sich Jutta Ditfurth, die Mitbegründerin der Grünen, die 1991 aus der Partei ausgestiegen war, damit, schweigend gelegentlich ihren Fächer hektisch hin- und herzuschütteln, als müsse sie selbst den Strom der Sendung mit Windenergie produzieren.


Dann platze es aus ihr heraus: „Ich kann so viel Propagandagesülze geballt auf einem Haufen mit meinem Temperament nur schwer ertragen“, stöhnte sie. Ein Dorn im Auge waren ihr dabei besonders der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der sich für eine längere Laufzeit der Atomkraftwerke in Deutschland aussprach und Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender der RheinEnergie AG. Für den „schlechten Ruf“ der Energiekonzerne in der Öffentlichkeit sei sie „herzlich dankbar“, gab sie Schmitz mit auf den Weg, immerhin bestünden diese zurecht. „Sie reden einfach Blödsinn!“, unterbrach sie Wulff unwirsch an anderer Stelle.

Mit einer sachlichen Diskussion hatte das zwar nicht mehr viel zu tun, sorgte aber wenigstens für einen gewissen Unterhaltungswert im üblichen Parteiphraseneinerlei mit festgeschrieben Positionen.

 

Freitag, 16. September 2011

Unprofessionelles Kommunikationsverhalten der UBS in der jüngsten Krise


Jede Bank weiss: Vertrauen ist die wichtigste Währung einer Bank. Die UBS musste nach der letzten Reputationskrise mit  einer teuren PR Kampagne versuchen, beim verlorenen Vertrauen wieder Boden wett zu machen. vor Tagen brachte es   nun ein Mitarbeiter der Grossbank fertig, die UBS erneut in eine Krise zu stürzen, indem es ihm gelang, sage und schreibe 2 Milliarden Franken in den Sand zu setzen. Keine Bagatelle. Nicht nur die Medien interessieren sich umgehend, wie so etwas überhaupt möglich sein konnte, nachdem die Kontrolle angeblich verbessert worden sein soll. Alle Fachleute waren sich einig: so etwas darf nicht passieren. Vor allem nicht in dieser Höhe



Die Aktien der UBS sackten denn auch unverzüglich auf ein Rekordtief. Nach dieser Neuigkeit schüttleten das Publikum und die  Medien nur noch den Kopf.Der Grund: Niemand konnte es verstehen, dass die UBS Spitze unfähig war, nach dem Vorfall auf Deck zu gehen sich persönlich der Oeffentlichkeit zu stellen und das Bedaueren auszusprechen und zu sagen, dass die Angelegenheit untersucht werde. Doch was tat die Führungspitze: Mit lediglich   ein paar wenigen Zeilen wurden alle Mitarbeiter und die Oeffentlichkeit abgespiesen.

Ein Musterbeispiel, wie man in Krisen nicht kommunizieren darf! Wenn die internen Sparübung durch ein Fehlverhlaten eines einzelnen Mitarbeiter zu Nichte gemacht werden kann, so darf die Oeffentlichkeit erwarten, dass sich die UBS Spitze persönlich zu Wort meldet. Bundesrat Villiger wollte zuerst auch schweigen. Er musste dann zwangsläufig an einer Veranstaltung doch noch kurz das  gravierende Vorkommnis ansprechen. Die Aussage, es gebe keine absolute Kontrolle. Betrug sei in jedem System möglich, kam einer Selbstschutzbehauptung gleich. Selbst wenn Fakten geklärt werden müssen, will man von Chef persönlich hören, dass das Vorkommnis keine Bagatelle ist und die Führungsspitze muss zudem sagen, was geklärt wird und welche Sofortmassnahmen vorgekehrt werden, damit der Schaden eingegrenzt werden kann. Villiger habe ich sonst nicht  als Schönredner erlebt.    


Medienechos (Aus 20 Min):


Milliarden verzockt und keiner hats gemerkt: Die Schweizer Medien gehen mit der Führungsriege der UBS hart ins Gericht. Aber auch die Politiker kriegen ihren Anteil.

«Wir wissen, was wir tun, und wir werden uns nie damit rausreden, dass wir von Risiken überrascht wurden.» Das Zitat von Oswald Grübel vom vergangenen Winter liest sich heute etwas anders, etwas höhnischer vielleicht. Die UBS wurde offenbar kalt erwischt, doch die Risiken, die das Investmentbanking mit sich bringt, waren allen Verantwortlichen bekannt. Viele Kommentatoren im Schweizer Blätterwald fordern Grübels Rücktritt. Die These des Einzeltäters K.A. aus London, der die Grossbank durch unbefugte Zockerei um zwei Milliarden Dollar erleichterte, sei nicht nachvollziehbar, so der Haupttenor vieler Kommentatoren.
Die UBS-Personalverantwortlichen hätten um die Problematik von A.s Profil gewusst, so der «Blick». Wie andere Finanzbetrüger arbeitete der Händler früher im Backoffice und hatte das Know-how, das ihm bei der Kaschierung von Geschäften nützte. Doch schwerwiegender als falsche Personalentscheide sei das Geschäftsmodell des Investment Banking: Aggressivität zahlt sich aus, sprich: Damit können hohe Boni verdient werden. «Der frühere Händler Oswald Grübel hat diese Zockerkultur goutiert und gefördert. Dass die umstrittene Sparte vornehmlich Verluste schrieb, schien er bewusst in Kauf zu nehmen,» so der «Blick» weiter. Schlimmer als der finanzielle Verlust sei der Vertrauensverlust der Bank.


Effekt ist verheerend


Der Kommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung» stösst ins gleiche Horn, geht aber noch einen Schritt weiter. Nicht nur sei das Vertrauen in die UBS angeschlagen, sondern in den Schweizer Finanzplatz. Das Imageproblem sei gravierend. «Die Frage sei erlaubt, warum es trotz verschärften internen Vorschriften und straffer geführten Linienkompetenzen immer noch möglich ist, solche Summen unkontrolliert in den Sand zu setzen. Wer immer hier welche Schlampigkeit begangen hat – der Effekt ist verheerend und schadet just dem, was die Banken fordern: einem ‹sauberen› Finanzplatz (...).»
Und weiter an einer anderen Stelle in der NZZ: «Ernüchtert muss jetzt zur Kenntnis genommen werden, dass Oswald Grübel seiner Forderung nach Nulltoleranz in der UBS nicht die nötige Nachachtung verschafft hat.» Der nach der Subprime-Krise versprochene Kulturwandel sei nicht eingetreten. Ein Köpferollen in der Teppichetage der UBS zu fordern, sei aber noch zu früh. Zuerst müssten die Hintergründe, die zum enormen Verlust führten, geklärt werden. Bis dann könnten die Führungsverantwortlichen der UBS nicht ruhen.


Luft wird dünner


Der «Tages-Anzeiger» folgert aus dem Zockerfall aus London, dass die Luft für Oswald Grübel und Verwaltungsrat Villiger dünner geworden ist, da sie sich bis heute gegenüber der Kritik an der Einheitsbank mit dem integrierten Investmentbanking immun zeigten. Die Zeitung spekuliert, dass ein baldiger Abgang von Grübel und der Rücktritt des Chefs des Investmentbankings, Carsten Kengeter, wahrscheinlich sei.


Für die welsche Tageszeitung «Le Temps» ist ein Rücktritt von Grübel eine «Frage der Moral». Der Milliardenverlust sei «ein Unfall zu viel». Nichts gelernt, so auch das harte Urteil des Kommentars in der «Zürichsee-Zeitung»: «Wenn der UBS noch irgendetwas an ihrer Reputation und Selbstachtung gelegen ist, dann bleibt ihr nur ein Ausweg: sich so schnell wie möglich vom Konzernchef zu trennen,» so das Fazit der Zeitung.
Nach der Finanzkrise von 2008 versprach die UBS, die Investmentbanker an die kürzere Leine zu nehmen. Sollten sich diese Versprechen nun bei der Aufarbeitung der jüngsten Affäre als Luftblasen erweisen, müssen Köpfe rollen, so das «St. Galler Tagblatt». Wer als gebranntes Kind im Risikomanagment wiederholt versagt, hat an der Spitze eines globalen Finanzkonzerns nichts zu suchen. «Zur Tagesordnung übergehen kann die UBS keineswegs.»


Auch Politiker in der Kritik


Im «10vor10» von Donnerstagabend zeigte sich Bankenexperte Hans Geiger schockiert. Er glaubt, dass es im UBS-Skandal Mitwisser gibt. Ein Rücktritt von CEO Grübel sei aber noch zu früh: «Ich denke, man muss in die Zukunft schauen und fragen: Was ist das beste für die Bank, für ihre Kunden, für das Personal und für die Aktionäre. Eine Zukunft mit Oswald Grübel oder ohne ihn: Wir wissen im Moment noch zu wenig.»


Die «Berner Zeitung» kritisiert vor allem die Schweizer Politiker und moniert, dass der neue Skandal im Nationalratssaal (Debatte zur Grossbankregulierung «Too big to fail», Anm. d. Red.) kaum zu einem Umdenken geführt hat. Nationalräte lasen von ihren Manuskripten, als wäre in London nichts passiert. «Die Meinungen sind gemacht. Man will die Grossbanken nicht dazu zwingen, das riskante Investmentbanking abzustossen.»
(kub)