Freitag, 24. Juni 2011

(K)ein erfolgversprechendes Werbekonzept?



Nachdem die Fussballerinnen sich im Playboy enthüllten, bezeichnete ich diesen Werbegag als Bumerang. Die Frauen würden zwar von sich reden machen und weckten auch Aufmerksamkeit, doch bezweifelte ich den Erfolg dieses Werbegags  für das Image des Sportes, für den "Frauenfussball". Eine gute Werbung müsste sich vor allem auf das Interesse des Publikums am Sport positiv auswirken. Das Interessewecken allein auf die Thematik "Frauen als Sexobjekt" genügt als Werbezweck nicht. Jetzt stehen wir kurz vor den Spielen und die Fachwelt vermutet, dass das gut gemeinte Werbekonzept langfristig zu scheitern droht.  In den Medien lesen wir:



"Sie sind jung, schön und erfolgreich: Die neue Generation der Fußballerinnen macht den Frauensport für Sponsoren attraktiver denn je - vor allem während der Weltmeisterschaft im eigenen Land."
Nachdem ein großer deutscher Elektrohändler in einer Fernsehkampagne mit diesem Slogan und dem attraktivsten Personal der Frauen-Nationalelf wirbt , soll die Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 "die schönste WM aller Zeiten" werden. Niemand soll daran zweifeln. Inhalt des TV-Filmchens: Mitten in einem rasanten Match zücken die Spielerinnen Lippenstift, Pinsel und Tusche, um - der Zuschauer staunt - sich auf dem Platz zu schminken.

2011 ist heute der Frauenfussball erstmals in den Top Tens der Werbeliga zu finden. Der Werbegag scheint sich positiv auszuwirken.

Was dieses Jahr  immerhin gelungen ist: Die größten Unternehmen  werben nun mit Frauen und Fußball. So gehören die Deutsche Post, Bahn und Telekom , Rewe, Allianz und Commerzbank  zu den nationalen Förderern der diesjährigen WM. dieses Engagement kostet Millionen. Andere Konzerne haben Einzelverträge mit den Spielerinnen, wie auch der Elektrohändler aus dem Werbespot.
Die Kickerinnen haben zwei Weltmeistertitel erreicht ( 2003 und 2007), aber bis jetzt leider nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit.


Sich für den Playboy ausziehen?



Für den Fußballbund war dies völlig in Ordnung.
 


Die Spiele stehen vor der Tür. Die Frage ist mich noch offen: Wie nachhaltig bleibt diese "Sex-sells-Strategie"?



. und Begeisterung bei der Männerwelt: Der «Playboy» brachte einige Spielerinnen dazu, im Männermagazin nackt zu posieren. (24. Juni 2011)
Bild: Keystone





Ich zitiere Spiegel online:


Wird der Frauenfußball auch langfristig interessant für Sponsoren sein? Bei der Allianz betont man zumindest, man sei an einem dauerhaften Engagement interessiert - vor allem bei der Nachwuchsförderung. Auch einige Fachleute meinen, die Vermarktung der Kickerinnen könne auf lange Sicht funktionieren, wenn diese professionalisiert werde. Der Titelgewinn bei der WM würde dem ganzen einen zusätzlichen Kick geben. Dann könne das sexy Image durch ein sportliches abgelöst werden. Nach dem Motto: Viel Öffentlichkeit hilft viel. Voraussetzung dafür sei aber, dass der DFB dem Frauenfußball auch über die WM hinaus die gleiche Aufmerksamkeit schenke wie jetzt. Zu dem Konzept gehört demnach auch, dass die Sender die Fernsehzeiten ausweiten - und auch Bundesliga-Spiele der Frauen zeigen.
Wissenschaftlerin Schaaf ist dagegen skeptisch: "Wenn die Vermarktung fast ausschließlich über das Aussehen erfolgt, tritt die sportliche Leistung auf Dauer in den Hintergrund", sagt sie. "Das nutzt sich schnell ab."
Pessimisten sprechen bereits von ersten Abnutzungserscheinungen beim Glamour-Girl Bajramaj: Die Mittelfeldspielerin schwächelte zuletzt beim Training und bangt nun um ihren ersten Platz in der Startelf beim Eröffnungsspiel am Sonntag .
(Ende Zitat)


Fazit: Bei jeder Werbung geht es vor allem darum, ein Produkt, eine Marke zu pushen. Wenn der Frauenfussball NUR die Attraktivität der Spielerinnen ins Zentrum zu rücken verstand und sich die Zuschauer  nur an den Körpern der Frauen ergötzen, aber den Spielen weiterhin die kalte Schulter zeigen, so hätte das neue Werbekonzept mit den Sexy-Frauen eindeutig versagt.


EIn Blick in die Vergangenheit des Frauenfussballs:


Ich zitiere TAGI-online:


Der erste «Damen-Fussball-Club» wurde 1930 in Frankfurt gegründet und nur ein Jahr später wieder aufgelöst. Dem Nazi-Regime passte der Sport nicht ins angestrebte Frauenbild, und so war es schliesslich der wundersame WM-Titel der Männer von 1954 in Bern, der den Frauenfussball reanimierte, allerdings sehr verhalten: Damenspiele wurden argwöhnisch verfolgt, man bemäkelte die «fehlende Ästhetik» oder jammerte über die «schwere Sünde, dass da Mädchen mit wackeligem Busen übers Feld laufen und sich gegenseitig foulen.» Es kam, was kommen musste: Die Oberen des Deutschen Fussballbundes beschlossen 1955, den Damenfussball zu ächten, was faktisch einem Verbot gleichkam.
Frauen, die dennoch kickten, wurden von der Polizei vom Feld gejagt oder von den Medien verhöhnt. So bedachte die «Wochenschau» 1957 das inoffizielle Länderspiel zwischen Deutschland und Holland laut «Spiegel online» mit folgendem Kommentar: «Die Umstellung von Haushaltsführung auf Ballführung scheint tatsächlich gelungen zu sein. Unsere Fussball-Suffragetten tragen keine Blau-, sondern Ringelstrümpfe, besiegen die Meisjes, und Mutti freut sich.»
Ganz so trist war die Situation in der Schweiz damals nicht, wie Historikerin Marianne Meier in ihrer Studie «Zarte Füsschen am harten Leder –Frauenfussball in der Schweiz 1970–1999» aufzeigt. Steine wurden den Frauen aber auch hierzulande in den Karriereweg gelegt. Als beispielsweise die Schwestern Monika und Silvia Stahel, die 1965 mit dem FC Goitschel die erste Frauen-Equipe der Schweiz gegründet hatten, beim nationalen Verband anfragten, ob dieser Fussballfrauen wie sie offiziell anerkennen würde, bekamen sie negativen Bescheid – aber quasi als «Entschädigung» den Vorschlag, sie dürften sich gern als Schiedsrichterinnen ausbilden lassen.


Messis Lohn bleibt ein Traum


Aus Angst, die Frauen würden eigene Verbände gründen und selbst einen Spielbetrieb organisieren, hoben England und Deutschland das Frauenfussballverbot 1970 wieder auf. Sofort folgten Club-Gründungen, bald gab es erste internationale Wettbewerbe, später auch eine Europameisterschaft. Wer geglaubt hatte, die Schikanen und verbalen «Fouls» der Männer würden dank des Booms aufhören, sah sich jedoch getäuscht.
Gerd Müller, Torschützenkönig der WM 1974, fand, dass «Frauen lieber kochen statt kicken sollten»; Berufskollege Uwe Witt teilte via «Bild»-Zeitung mit: «Wenn meine Frau spielt: Scheidung!» Peinlich war auch das vom DFB 1986 ausgesprochene Trikotwerbeverbot. Die Erklärung: «Aufgrund der Verzerrungen durch die Anatomie kamen wir zum Entschluss, dass durch Werbung im Brustbereich der Trikots keine neuen Einnahmequellen für den Damenfussball liquidiert werden können.» Den übelsten Fauxpas leistete sich aber der Zürcher Vorortsklub Wettswil-Bonstetten. Meier schreibt, der Vereinsvorstand habe 1994 das Zweitliga-Frauenteam mit der Begründung aufgelöst, «zwei Drittel der Spielerinnen seien homosexuell und würden auf dem Feld und in der Garderobe jugendgefährdende lesbische Aktivitäten praktizieren».


Gewalt gehört vielenorts zum Alltag



Nun, zwei Tage vor Beginn der WM in Deutschland, darf man konstatieren: Auch wenn vor den Pub-TVs noch immer sexistische Sprüche fallen, gestalten Europas Frauen den ewig ungleichen Zweikampf gegen die Männerdomäne (und um die gesellschaftliche Akzeptanz ihres Sports) ausgeglichener denn je. So hat der Frauenfussball nicht nur die Panini-Welt erobert, er erhält auch grosse mediale Beachtung, er wird von Skandinavien bis Süditalien in Leistungszentren gefördert, er ist Garant für faire und attraktive Spiele. Als Folge davon erfreut er sich auch im Breitensport (Schülerinnen- und Grümpelturniere, Alternativligen etc.) stetig wachsender Beliebtheit.
Allerdings gibt es nach wie vor Schattenseiten. Von nordamerikanischen Verhältnissen, wo Fussball längst als klassischer Frauensport gilt, ist man auf dem alten Kontinent noch weit entfernt. Dass auch beste Profifussballerinen nicht mal annähernd das Lohnniveau eines Messi oder Ronaldo erreichen, ist Fakt. Ganz düster wirds, wenn man die europäische Landkarte verlässt und nach Südafrika schaut. Lesbische Frauen, die dort Fussball spielen, werden systematisch vergewaltigt. Der perverse Ausdruck für diese Taten heisst offiziell «Corrective Rape». (Tages-Anzeiger)

Donnerstag, 23. Juni 2011

Die Kommunikationsverweigerer


 Bundesbern: Wenn Journalisten Fragen stellen:


Ich zitiere Polit-Blog


Die Journalistin erdreistet sich, kurz vor Mittag die Mediennummer der Bundesanwaltschaft anzurufen, um zu erfahren, wie die Behörde gegen Libyen ermitteln will. Der Bundesrat hatte zuvor grünes Licht für ein Strafverfahren in der Ghadhafi–Affäre gegeben. Die Beantwortung simpler Fragen, etwa, wie man in einem Kriegsgebiet die Verantwortlichen für die Festhaltung von Rachid Hamdani und Max Göldi ausfindig machen und befragen soll und wie viel die ganze Übung denn kosten wird, scheitert schon im Ansatz.


Unfreundlich raunzt die Informationsbeauftragte, sie sei im Mittag und man solle gefälligst eine E-Mail mit allfälligen Fragen schicken. Die Fragen werden dann entweder gar nicht beantwortet – Stichwort laufendes Verfahren – oder mit einem Link auf einen allgemeinen Gesetzestext abgetan. Die Bundesanwaltschaft ist bei weitem nicht die einzige Behörde der Bundesverwaltung, die sich mit Fragen, die ihr nicht genehm sind, schwer tut.
Journalisten wird vorgeschrieben, welche Fragen sie zu stellen, respektive eben nicht zu stellen haben. Fragen werden ausweichend oder gar nicht beantwortet.
Kommunikationsbeauftragte die Medien als das begreifen, was sie sind, nämlich ein Kommunikationskanal zwischen der Verwaltung und den Bürgern, in dem auch kritische Fragen gestellt werden dürfen.

Die Medien sind ein Kommunikationskanal zwischen der Verwaltung und den Bürgern: Mikrofone an einer Pressekonferenz.
Journalisten wird vorgeschrieben, welche Fragen sie zu stellen, respektive eben nicht zu stellen haben. Fragen werden ausweichend oder gar nicht beantwortet. Und manche Medienbeauftragte vergreifen sich immer wieder im Ton, vergessend, dass die meisten Medien nur dann kritisch fragen können, wenn auch Erklärungsbedarf besteht. Vor allem vergessen die Verwaltungsangestellten gerne, dass sie denjenigen gegenüber, die ihre Gehälter finanzieren – den Steuerzahlern – eine Informationspflicht haben.



Während einige Kommunikationsbeauftragte die Medien als das begreifen, was sie sind, nämlich ein Kommunikationskanal zwischen der Verwaltung und den Bürgern, in dem auch kritische Fragen gestellt werden dürfen, verhalten sich andere Informationsbeauftragte, als wäre jede Anfrage bestenfalls ein unnötiges Ärgernis, dem es gilt, bestmöglich auszuweichen.


Nicht nur die lästigen Medienvertreter, auch Bürger werden regelmässig abgewimmelt, obwohl seit dem 1. Juli 2006 das Öffentlichkeitsgesetz in Kraft ist. Jede Person kann Einsicht in amtliche Dokumente verlangen. Dort, wo eine Einsicht aus höher zu gewichtenden Gründen nicht möglich ist, ist der Entscheid zu begründen. Von einem «Kulturwandel» sprach die damalige Justizministerin Ruth Metzler im Februar 2002, von einer in Zukunft «offenen, bürgerfreundlichen Verwaltung». Es gehe darum, «das Vertrauen der Bevölkerung in die Verwaltung zu stärken». Von der Wirtschaft fordere man ja auch mehr Transparenz.


Fünf Jahre nach Inkraftsetzung des Gesetzes haben es etliche Bundesangestellte immer noch nicht verinnerlicht, wie eine Recherche der «SonntagsZeitung» ergab. Bürgeranfragen wurden ausweichend oder gar nicht beantwortet. Nur wenige Bundesämter waren bei der Beantwortung vorbildlich.


Ironischerweise ausgerechnet die Bundesanwaltschaft.
Statt sich zu ärgern, wenn wieder einmal Bürger oder Medienschaffende unbequeme Fragen stellen, könnten Bundesbeamte sich wieder einmal vor Augen führen, was die Verwaltung selbst einmal als Kommunikationsgrundsatz festgelegt hat:


Bundesrat und Bundesverwaltung informieren aktiv, frühzeitig, sachlich, transparent, wahr, umfassend und dialogorientiert. Zum Dialog gehört auch, auf Fragen einzugehen, die einem nicht unbedingt in den Kram passen.
Monica Fahmy ist Chef-Reporterin beim Newsnetz.


Ende Zitat


Kommentar:  Dieser Beitrag bestätigt mir, dass das frühere Eidgenössische Personalamt (EPA) gut geraten war, den Bundesämtern Medienseminare anzubieten, damit die Exponenten die Arbeit vor Mikrofon und Kamera kennen lernten durften um sich das ABC der Medienrhetorik anzueignen. Jahrelang durfte ich früher mit Journalisten Chefbeamte mit den Phänomenen der Medienkommunikation in einem Simulator konkret auseinandersetzen. Dieses Coaching hatte sich gelohnt. Es war erfreulich, zu erleben, wie positiv sich dieses Training ausgewirkt hatte. Leider wurden später diese Module aus Kostengründen  gestrichen. Immerhin gibt es heute immer noch einzelne Direktoren von Bundesämtern, welche diese Schulung intern weiter pflegen.


Mittwoch, 22. Juni 2011

 Windböen, Gewitter und Hagelzellen begleiteten heute den Sommerbeginn


 
Im süddeutschen Raum sah ich bedrohliche Wolkenbilder.

Vorinformation (Intensivseminar)


Wer in der Oeffentlichkeit steht und vor den Medien oder einem Publikum auftreten muss, läuft Gefahr, missverstanden zu werden oder falsche Signale zu senden. Kommmunikative Kompetenz ist für alle Führungspersönlichkeiten eine Schlüsselkompetenz. Vor allem der Auftritt vor Mikrofon und Kamera ist  in der Regel nicht angeboren. Das Verhalten in dieser unnatürlichen Situation muss erlernt werden, wie das Lesen und Schreiben. Profis wissen, dass man bei diesen Kommunikationsprozessen ständig an sich arbeiten muss, zumal sich im Alltag unbemerkt neue Marotten einschleichen können.
Schnellbleicheseminare bringen wenig, weil Kommunikation eng mit der eigenen Persönlichkeit verknüpft ist. Nur eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Person und den Kommunikationsprozessen aus dem Alltag lohnt sich - auch jene mit den besonderen Phänomenen der Medienrhetorik.  Standardseminare gibt es genug. Die individuelle Auseinandersetzung mit den Kommunikationsprozessen (Intensivseminare) setzt eine begrenzte Teilnehmerzahl voraus.
Wer sich mit den Wahrnehmungsphänomenen der Alltagskommunikation auseinandersetzt, hat zwangsläufig mehr Erfolg im Umgang mit Kunden aber auch mit Teammitgliedern.

In unserem Seminar wird ressourcen- und praxisorientiert gearbeitet – vor allem mit  fachgerechtem Videofeedback. Sie werden Ihre Stärken  erkennen und erhalten die notwendigen Werkzeuge, um allfällige Defizite auszugleichen. Sie werden befähigt, die gewonnenen Erkenntnisse sofort im Alltag umzusetzen. Die Nachhaltigkeit der Weiterbildung wird gross geschrieben.

Es bedarf keiner Vorbereitung. Doch lohnt es sich, vorgängig im virtuellen Lehrbuch www.rhetorik.ch zu “blättern”. Navigation über das Inhaltsverzeichnis: Beispielsweise die zwei  Artikel: Natürlich kommunizieren, Spiegel.



Coach: Marcus Knill (www.knill.com)
Profi Techniker und Kameramann

Bei Medienseminaren: Erfahrener Journalist (Print, Radio, TV)

Dienstag, 21. Juni 2011

Assad tötet laufend Menschen seines Volkes und die ganze Welt schaut tatenlos zu
Bei Hussein waren sich alle einig: Die Staaten dürfen  es nicht zulassen, dass ein Machthaber sein eigenes Volk umbringt. Es wurde gehandelt. Seit Wochen sogar Monaten spielt sich in Syrien eine noch schlimmere Tragödie ab und niemand handelt. Der UNO  - Sicherheitsrat schaut lediglich zu. Weshalb? Ulrich Tilgner hat darauf Antworten.

 Ich zitiere Blick:

Heute Mittag wandte sich der syrische Präsident Assad in Damaskus an sein Volk – zum dritten Mal seit Ausbruch der Unruhen.

Im Vorfeld war von Verfassungsänderungen die Rede gewesen. Doch derlei Hoffnungen zerschlugen sich während Assads Rede. Politischen Reformen unter dem Druck von «Sabotage und Chaos» kämen nicht in Frage, sagte er.

Die Regimegegner seien Extremisten mit modernen Waffen und Kommunikationsgeräten. Das Vorgehen der Armee – in den letzten drei Monaten sollen fast 1500 Menschen getötet worden sein – legitimierte er damit, dass die Krise im Land von «Saboteuren» angezettelt worden sei.

Assads Rede war eine Abfuhr an die Oppositionsbewegung. Damit ist auch kein Ende Gewalt in Sicht. Wie wird es in Syrien mittelfristig weitergehen?

Dazu der Nahostexperten und Korrespondenten Ulrich Tilgner:

Blick:  Herr Tilgner, was passiert derzeit in Syrien?
 
Ulrich Tilgner: Präsident Assad tut so, als ob er irgendwann Reformen durchziehen wolle. Gleichzeitig schlägt er jeden Widerstand nieder. An der syrischen Grenze zum Libanon und zur Türkei herrscht faktisch Krieg – ein hausgemachtes Problem von Assad, der alle Reformansätze niederschlägt.

Der Westen geht gegen Gaddafi in Libyen vor. Wieso unternimmt er in Syrien nichts gegen Assad?

Jede machtpolitische Änderung in Syrien geht mit einem grossen Unsicherheitsfaktor einher. Es besteht zum Beispiel die Angst, dass bei einem Sturz Assads der Waffenstillstand an der syrisch-israelischen Grenze gefährdet sein könne. Im Gegensatz zu Gaddafis Libyen, das isoliert ist, hat Syrien in der Region Unterstützung, nicht zuletzt durch die Hisbollah und den Iran. Und: Ein Teil der Bevölkerung beteiligt sich nicht an den Unruhen. Im Gegensatz zu Libyen, wo die gesamte Bevölkerung sich Mitte Februar gegen den Diktator erhoben hat.


Assad galt lange als Lieblingskind des Westens. Auch Gaddafi hat man umgarnt. Viele Menschen sind von dieser Politik der «Schurken-Verhätschelung» angewidert. Können Sie das verstehen?

Natürlich. Der Westen unterstützt korrupte Regimes, aber kaum demokratische Kräfte. Da wird mit zweierlei Mass gemessen. Allein das Beispiel Saudi Arabien, wo Frauen nicht einmal Auto fahren dürfen! Doch die westliche Politik im Orient ist vor allem von innenpolitischen Aspekten geprägt – Stichworte: Öllieferungen und Waffenverkäufe. Immerhin: Barack Obama hat Änderungen angekündigt, auch wenn nur kleine Taten folgen.

Wie wird es in Syrien weiter gehen?

Assad wird sich wohl durchsetzen. Das ist bereits seinem Vater gelungen, trotz tausender Toten. Die radikale Opposition wird liquidiert, die breite Bevölkerung mit Pseudo-Reformen ruhig gestellt. So wird sich Assad an der Macht halten können.

Montag, 20. Juni 2011

Heftige Reaktionen auf den heftigen Schlagabtausch in der letzten ARENA zwischen Christoph Mörgeli und Daniel Jositsch.




Die Zuschauer erwarten in einer ARENA Zweikämpfe, Duelle. So gesehen kam die Arena diesem Wunsch entgegen und Moderator Widmer kam erstmals als Dompteur zum Zug. Nichts von Kuschelrhetorik.

Ich erkundigte mich nachträglich beim Publikum über die Wirkung der Akteure. Einmal mehr hat für mich das Publikum ein gutes Empfinden für  die Qualität von Kommunikationsprozessen in extremen Situationen.
Beide - Jositsch (SP) und Mörgeli (SVP) - kamen schlecht weg. Für mich war es nicht die Heftigkeit der Argumente, sondern die Unfähigkeit beider Akteure, mit Unterbrechungen und Provokationen umzugehen.
Obwohl Moderator Widmer darauf hingewiesen hatte, dass die Zuschauer nichts verstehen, wenn beide gemeinsam reden, sprachen Jositsch und Mörgeli über weite Strecken gemeinsam drauflos, als wollten sie bewusst die Gegenmeinung mit einem Tonteppich "killen".
Auch dem Fernsehen ging dieses Verhalten zu weit und kommentiert nun den Schlagabtausch selbstkritisch:




Ich zitiere Tagi-online:



Was hält das Schweizer Fernsehen vom lauten Schlagabtausch in der Politsendung, die nach dem Wunsch des Direktors Ruedi Matter sachlicher werden sollte? Auch für uns wurden in dieser Sendung Grenzen überschritten, sagt «Arena»-Produktionsleiterin Marianne Gilgen auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz. Allerdings sei man von der Vehemenz der Debatte überrascht worden. Gilgen betont, man habe die Diskussionsteilnehmer mit Bedacht gewählt. «Von diesen Vertretern, besonders von zwei Professoren, hatten wir eine differenzierte Auseinandersetzung erwartet.»
Der Moderator Urs Wiedmer, der ausser der Mahnung «Nicht so aggressiv, Herr Mörgeli» kaum eingegriffen hat, hätte dies möglicherweise tun sollen: «Vielleicht hätte der Moderator noch frühzeitiger allen Anwesenden klar machen sollen, dass wir eine sachlichere Diskussion erwarten», sagt Gilgen. 




Kommentar: Davon ausgehend, dass Kommunikation "Austausch" bedeutet, war das gleichzeitige Sprechen ein Kommunikationskillerverhalten, das nichts bringt. Ich finde das gleichzeitige Drauflosreden oder -schreien so schlimm, wie eine Gesprächsverweigerung. Ob sich die beiden unbeherrschten Akteure bewusst sind, dass man auf diese Art auch in einer Arena nicht punkten kann. Im Gegenteil: Beide haben sich nur geschadet.



Nachtrag:
Ich zitiere Tagi-online:



«Auch für uns sind in dieser Sendung Grenzen überschritten worden», sagte Redaktionsleiterin Marianne Gilgen auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz, man sei über die Vehemenz überrascht gewesen.

 
Nationalrat Daniel Vischer (Grüne/ZH) reagiert darauf verärgert: «Wenn sich Frau Gilgen über die Heftigkeit der Debatte wundert, ist das nur lächerlich», sagt er. «Das Fernsehen wusste, wie Mörgeli argumentiert, er hatte in der Sendung nichts zu suchen.» 



Kommentar: Ich teile die Meinung Fischers nicht. Es ist falsch, wenn das Fernsehen unliebsame Diskutanten einfach kalt stellt und ausklammert. Nach meinem Dafürhalten kann und darf Marianne Gilgen entscheiden, wer eingeladen wird. Wichtig ist nur, dass sie nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten die Teilnehmer willkürlich einlädt und sich von Kritikern wie Daniel Fischer beeinflussen lässt.  Eine ARENA hat einen Ring und die Teilnehmer dürfen darin auch mit harten Bandagen kämpfen.
Wie bei Boxkämpfen gibt es in Gottes Namen ab und zu ein Foul.  Wer übers Ziel hinausschiesst, schadet sich meist selbst. Ich würde es deshalb bedauern, wenn die ARENA zur seichten Palaverstunde verkommt. Die ARENA war noch nie eine STERNSTUNDE.

Sonntag, 19. Juni 2011

Wetten, dass Gottschalk den Platz nicht räumen will


Hoffentlich ist und bleibt  die  Abschiedsvorstellung von Thomas Gottschalk in Mallorca auch tatsächlich eine Abschiedsvorstellung. Seit dem Horrorunfall verlagerte der Promi Moderator das Schwergewicht von den originellen Wetten immer mehr auf die Selbstdarstellung der Promibank. Das Zelebrieren der "Prominenz unter sich" war nicht nur für mich unerträglich. Ich hätte eigentlich bei der letzten Sendung nach wenigen Minuten bereits weggezappt, wenn ich mich nicht genötigt gesehen hätte, die Sendung trotz der Niveaulosigkeit mit anzusehen.  Bekanntlich darf auch ein Musikkritiker keine Konzertkritik schreiben, ohne das Konzert tatsächlich besucht zu haben.



Ich zitiere Tagi-online:


Mit der letzten Sommerausgabe von «Wetten, dass..?» feierte Thomas Gottschalk vor allem sich selbst. Das war zuerst unterhaltsam, zuletzt aber nur noch öde.

  Rauschten auf dem Motorrad an: Die Moderatoren Thomas Gottschalk und Michelle Hunziker.
Bild: Keystone

  

Gottschalks Abschied

Thomas Gottschalk moderierte auf Mallorca zum letzten Mal die Sommerausgabe der ZDF-Unterhaltungsshow «Wetten, dass..?». Ab Oktober meldet er sich noch drei Mal aus der Halle. In den drei Live-Sendungen mit Wetten wird auch auf die vergangenen Jahre der Show zurückgeblickt.

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Auf einer Harley Davidson brauste Thomas Gottschalk mit seiner Co-Moderatorin Michelle Hunziker an: Er im Schlabberlook und mit Dreitagebart, sie als Rockerbraut in löchrigen Jeans und knappem Gilet. So furios begann gestern Gottschalks letzte Sommershow aus der Stierkampf-Arena von Palma de Mallorca.
Das Publikum jubelte dem Showmaster zu. Mit einer fast unendlich dauernden La-Ola-Welle brachten die Zuschauer Gottschalk in Verlegenheit – und das ist selten. Es war der Höhepunkt der Sendung.


ende Zitat



Kommentar:

Bild lobte die nicht enden wollende Ola Welle. Doch war diese Aktion des Publikums ein Selbstläufer. Sie wurde zu einer peinlichen Panne. Das Publikum spielte mit Gottschalk. Er war längere Zeit machtlos. Gottschalk bemühte sich zwar mit der Methode "Gute Mine zum bösen Spiel" die Szepter doch noch in den Griff zu bekommen. Doch vergeblich. Das Publikum spielte mit dem Moderator. Bei dieser Sequenz hätte ich nicht weggezappt. Die Sendung wurde spannend, weil man sich fragte, wann  das Publikum das Spiel mit dem machtlosen Moderator aufgibt?

Zur zweiten Panne:


Wenn bei einem Interview die Regie nicht merkt, dass der Ton fehlt  und während des ganzen Gesprächs den Tonausfall nicht registriert - auch und nicht eingreift oder sich entschuldigt - so ist dies diletantisch.


Thomas Gottschalk hat aus einer Unterhaltungssendung nach und nach eine hohle, nichtssagende Regenbogensendung gemacht, die heute eigentlich am Samstagabend  nichts mehr zu suchen hätte. Wenn sich Unterhaltung nur noch auf Aeusserliches, Selbstdarsteller, Klatsch und Banalitäten reduziert, so ist dies bedauterlich. Eine gute Unterhaltungssendung ist kein Volkshochschulkurs, doch sollten auch Persönlichkeiten und  Wetten Platz finden, die auch einem breiten Publikum Spass macht. Ich befürchte, dass BILD AM SONNTAG mit dem heutigen grossen Beitrag - er kommt einer PR Aktion  PRO GOTTSCHALK gleich - die Fernsehmacher dazu zu bewegen möchte, den verabschiedeten Gottschalk wieder auferstehen zu lassen. Bild ist eine Boulevardsendung genehm. Bild findet übrigens auch die verbalen Entgleisungen Bohlens lustig.



Nachtrag 20  Min:


Die Sendung krankt auch nach 24 Jahren Gottschalk am selben Grundproblem: Die internationalen Gäste sind zwar gut fürs Renommée, doch aufgrund der knorzigen Simultanübersetzung letztendlich langweilig. Die deutschen Gäste sind verständlicher, aber - wie die Sendung selbst - eher bieder. Gottschalks Quoten-Rivale Dieter Bohlen etwa ritt zwar auf einem Pferd ein, Model-Mama Heidi Klum stöckelte auf lächerlich hohen High Heels durch den Sand zum runden Sofa, doch keiner brachten wirklich Verve in die Gesprächsrunde.
Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel bretterte standesgemäss mit einem Go-Cart in die Show. Vettel berichtete anschliessend über sein Engagement für Querschnittgelähmte. «Wir selber haben unseren Samuel ja auch immer im Kopf, wenn wir von so etwas reden», erinnerte Gottschalk an seinen Wettkandidaten Samuel Koch, der im Dezember in der Sendung schwer gestürzt war und seitdem gelähmt ist.
Harmlose Wetten
Wohl nicht zuletzt wegen jenem GAU fielen die Wetten in Gottschalks Abschieds-Sendung auffallend harmlos aus. Ein hüpfender Velofahrer, ein Tänzer, der beim Versuch scheiterte, Eiswürfel-Attrappen mit den Füssen in ein überdimensioniertes Cocktailglas zu befördern und – als Gottschalks persönlicher Abschieds-Wetteinsatz – die obligate Baggerwette. Diesmal war ein Tennisspiel zwischen zwei Baggern an der Reihe. Einzig der manische Philippino, der Kokosnüsse mit seinen Zähnen schälte, hatte echtes Sensationspotential.