Sonntag, 1. August 2010

Was, falls Kachelmann frei gesprochen würde?

Ich zitiere aus Sobli vom 1. August:

Der Journalist Peter Rothenbühler findet, die ARD müsste Kachelmann «eine zweite Chance» geben. Wenn «das Publikum ihn dann nicht will, ist er weg vom Schirm. Macht er es dagegen gut, ist er schon bald wieder ein Liebling.»

Ein triumphierender Sieger?

Auch der Kommunikations­experte und Ex-Fernsehmann ­Patrick Rohr hält ein Comeback des Wettermanns für möglich. Die Qualität seiner Arbeit habe ja «nichts mit seinem Sex- und Beziehungsleben zu tun». Nach einem möglichen Freispruch dürfe er nur nicht «wie ein triumphierender ­Sieger auftreten» oder seine Ex-Freundin gar medial attackieren.

Weniger optimistisch sieht es Rohrs Kollege Marcus Knill. Die ARD werde «wohl vorsichtig sein», Kachelmann wieder vor die Kamera zu holen. «Die Öffentlichkeit urteilt bekanntlich nach dem Prinzip: ‹Wo Rauch ist, da ist auch Feuer.›» Helfen könnte höchstens ein medialer Befreiungsschlag, bei dem «alles auf den Tisch gelegt wird».

Neue Karriere für Kachelmann?

Patricia Riekel, Chefredaktorin von «Bunte», glaubt nicht an eine solche Strategie. Ihr erscheint «unzweifelhaft, dass er Frauen und ihre Gefühle tief verletzt hat». Selbst nach einem Freispruch werde er der Mann bleiben, «der Frauen belogen und betrogen hat. Das mag ungerecht sein, aber sein Image als fröhlicher Wetter­experte ist zerstört.» Riekels Rat: Kachelmann müsse sich «sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen und für längere Zeit im karitativen Bereich arbeiten. Für andere da sein, nicht nur für sich und die eigenen Bedürfnisse.»

Nachtrag:

Lesenswerter Beitrag

Was die Medien bei Kachelmann angerichtet haben

Von Pete

Wettermann Jörg Kachelmann ist auf freiem Fuss. Selbst wenn er freigesprochen werden sollte, ist sein Ruf dahin. Schuld daran sind vor allem die Medien, meint der Jurist und Journalist Peter Studer.

Im Privatleben gewühlt: Medienberichte über  Jörg Kachelmann.

Im Privatleben gewühlt: Medienberichte über Jörg Kachelmann.

Der Medienrechtsexperte Peter Studer war Chefredaktor des «Tages-Anzeigers» und des Schweizer Fernsehens. Bis 2009 war er Präsident des Schweizer Presserates. (Bild: Keystone )

Letzten Donnerstag hat der Dritte Strafsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe – eine zweite Instanz – Jörg Kachelmann aus der Untersuchungshaft entlassen. Am 1. Juli hatte das Landgericht Mannheim – die erste Instanz – den Auftrag auf Aufhebung des Haftbefehls noch abgelehnt, unterstützt von der Staatsanwaltschaft. Obwohl ich mit Jörg Kachelmann nicht befreundet bin, ja in den frühen 90er Jahren sogar eine bösartige Klage des im Streit vom Schweizer Fernsehen geschiedenen «Wetterfroschs» überstehen musste, freue ich mich über den zweitinstanzlichen Entscheid auf Haftentlassung.

Auch in der Schweiz gibt es gelegentlich überlange Untersuchungshaft, vor allem im Wirtschaftskriminalitätsbereich. Aber in der Regel sind hierzulande drei Bedingungen für Haft zu erfüllen: Dringender Tatverdacht und ernsthafte Befürchtung (a) einer Fluchtgefahr, (b) einer Verfälschung von Beweismitteln und (c) weiterer Vergehen – so die neue Eidgenössische Strafprozessordnung. Im deutschen Strafprozessrecht reicht offenbar der dringende Tatverdacht – und mitgespielt hat gewiss der Verdacht, die Schweiz würde ihren Bürger Kachelmann nach seiner Heimkehr nicht ausliefern. Das sagte jedenfalls der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim. Jetzt hat das offenbar keine Rolle mehr gespielt.

Massive Zweifel am Tatverdacht

Jedem Beobachter des «Verfahrens gegen Kachelmann» waren schon lange Fragezeichen aufgestiegen. Im Juni hatten «Der Spiegel» und «Die Zeit» umfangreiche Dossiers veröffentlicht. Sie weckten massive Zweifel am Tatverdacht der Vergewaltigung einer Freundin Kachelmanns. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Mannheim hatte die Bremer Psychologieprofessorin Luise Greuel gefolgert, dass die Angaben der Opferzeugin nicht einmal den qualitativen Anforderungen einer tragfähigen Aussage genügen würden. Höchstwahrscheinlich habe die Anzeigestellerin die behaupteten Vergewaltigungshandlungen nicht erlebt.

Auch ein zweites Gutachten – diesmal für die Verteidigung – des angesehenen Münsteraner Gerichtsmedizinprofessors Bernd Brinkmann verstärkte das Misstrauen. Nach Brinkmanns Einschätzung hat sich das Opfer selber verletzt. «Die Beweise zerrinnen den Staatsanwälten geradezu unter den Händen», schloss «Die Zeit». Aber «der Schaden, den Kachelmanns Ansehen erlitten hat, ist total».

Ausgebreitetes Privatleben

Das führt uns auf eine zweite Ebene. Was haben die Medien da veranstaltet? Schon eine Woche nach Kachelmanns Verhaftung am 20. März auf dem Frankfurt Airport entrüstete sich die Sonntagsausgabe der «Frankfurter Allgemeinen» in einem «Protokoll eines beispiellosen Journalismus des Verdachts»:

«Nichts war über das Privatleben des populären Jörg Kachelmann bekannt. Bis er am Montag verhaftet wurde, weil er seine Lebensgefährtin vergewaltigt haben soll. Seit diesem Moment gilt den Medien jedes Barthaar als Indiz eines möglichen Verbrechens und das Verbergen alles Privaten als Beweis».

Aber das war nur der Anfang. In unschöner Regelmässigkeit tröpfelten die «Kacheliana» aus der Boulevardpresse und vor allem aus dem Internet. Meist waren es «Beichten» des angeblichen Opfers oder anderer bekennenden Lebensabschnitts-Gespielinnen. Jüngster Höhepunkt: «Polizeiprotokolle enthüllen die Wahrheit der Liebe von Petra und Jörg – So machte er die Geliebte zu seiner Sex-Sklavin» («Sonntagsblick» vom 25. Juli). «Die Wahrheit» wird da keineswegs enthüllt, sondern die einseitige, nicht hinterfragte Behauptung einer Frau, die laut Gerichtsexperten längst einiger Lügen überführt ist. Davon kein Mucks im «Sonntagsblick» – es hätte ja die saftige Story verwässert. «Mit Dutzenden von Frauen habe er sie betrogen», schildert die Anzeigestellerin Jörgs Geständnis. Ob die andern «Opfer» – von denen zwei angeblich Sadomaso-Erinnerungen preisgaben – vertrauenswürdiger sind?

Laufend Neues nachgeschoben

Am weitesten ging der «Blick am Abend». Er hatte sogar einen erotischen E-Mail-Verkehr «enthüllt» (gekauft?), den «der Schleimer» Kachelmann mit einem Schlagersternchen ausgetauscht haben soll. Kachelmanns Anwalt verlangte eine Abstandserklärung, laut der das Haus Ringier und andere Verlage offenbar auf Wiederholung verzichten wollten. Genützt hat's nichts. Es wurde laufend Neues nachgeschoben. Wenn immer die grauslige «Bunte» einen neuen Knochen vorlegte, zitierten auch renommierte Portale wie «tagesanzeiger.ch» das Behauptete.

Der Schweizer Journalistenkodex schreibt in Richtlinie 7.2. treuherzig:

«Journalisten wägen die beteiligten Interessen (der Öffentlichkeit und der Privatsphäre) sorgfältig ab. Namensnennung ist zulässig, sofern eine Person in der Öffentlichkeit allgemein bekannt ist und der Medienbericht damit im Zusammenhang steht.»

Kachelmann ist bekannt als Wetterfrosch und eher glückloser Unterhaltungsmoderator (in Deutschland). Das steht in keinem Zusammenhang mit der bereits arg löchrigen Vergewaltigungsbehauptung.

Selbst wenn Kachelmann – im Zweifel für den Angeklagten – freigesprochen werden sollte, wäre sein Ruf dahin. In der Öffentlichkeit stünde er dank den Medien weiterhin als Sexmonster, als Ritter Blaubart da. Eben: Protokoll eines beispiellosen Journalismus des Verdachts. Mit vernichtenden Wirkungen.

Dieser Text wurde erstmals auf dem Weblog www.medienspiegel.ch veröffentlicht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Samstag, 31. Juli 2010

Zum 1. August: 20 Min testet das Publikum

(Interview: Debby Galka, Schnitt: Marion Bangerter) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal

Präsentation als Dialog

Otto Wesendonck, "Dialog" 1987/88; Edelstahl mit rotierenden Windblättern, 480 cm x 150 cm x 125 cm; ProMinent Dosiertechnik, Heidelberg

Reden vor Publikum darf keine Einwegkommunikation sein. Wer adressatengerecht spricht, sieht das Publikum, erkennt laufend nonverbale Signale und erhält dadurch Rückmeldungen. Eine gute Rede ist tatsächlich ein Austausch von Energie. So wie die Angesprochen vom Sender Energie erhalten, kann der Referent vom Publikum ebenfalls Energie empfangen. Ich habe jüngst in einem Rhetorikbeitrag folgende Empfehlung gelesen:

"Sie schauen reihum alle an, sammeln von allen anwesenden Teilnehmern die Energie ein und bündeln Sie, wie ein Hohlspiegel, genau auf sich als Zentralpunkt.

Sie holen sich so praktisch beim Publikum einen Energie- Kredit. Das ist legitim, denn Sie werden ihn gleich während Ihrer Rede zurückzahlen. Diese Mentalübung können Sie auch immer wieder zwischendurch während Ihrer Rede machen, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Energieniveau nicht ausgeglichen ist."

Kommentar: Die Metapher von der Kreditkarte finde ich zwar anschaulich. Ich bin aber persönlich davon überzeugt, dass vor allem die Einstellung des Redners eine nicht zu unterschätzende Energie ist. So würde ich nie während des Sprechens daran denken, alle Anwesenden rundherum anzuschauen. Auch lehne ich jegliche mentale Uebungen während des Sprechens ab. Wer Interesse am Publikum hat, betrachtet es.

Begründung: Während des Kommunikationsprozesses darf ich mich nie aus dem Dreieck ICH - DU - SACHE entfernen. Erfolgreiches Kommunizieren heisst:

Voll und ganz (100%ig beim DU und beim DENKEN bleiben).

Wenn ich während des Sprechens aus diesem Prozess aussteige - auch nur für kurze Zeit - so bin ich nicht mehr bei der Sache und dies wirkt sich zwangsläufig auf meine Stimme, Körpersprache und mein Verhalten aus.

Wenn es mir gelingt, das Gegenüber ernst zu nehmen, seine Reaktionen wahrzunehmen, kann aus jedes Referat zum Dialog werden.

Zwischen Ihnen und dem Publikum entstehen emotionale Schwingungen. Die Zuhörer entwickeln Gefühle für Sie: Sympathie oder Antipathie, Vertrauen oder Misstrauen, Faszination oder Langeweile, Zustimmung oder Abneigung.

Die Präsentation wird erst zum Dialog, wenn sich der Zuhörer angesprochen und mit einbezogen fühlt und auch aktiv zuhört.

Erzählen Sie deshalb konkrete Geschichten, persönliche Erlebnisse !

LINK:

  1. rhetorik.ch aktuell: Sinnvoll Kommunizieren

    11. Juni 2008 ... Aktuell Artikel · Artikel Inhaltsverzeichnis, Suche in Rhetorik.ch: www.rhetorik.ch aktuell: (11. Jun, 2008). Sinnvoll Kommunizieren ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/06_11/index.html - Cached
  2. Präsent sein

    20. Juni 2005 ... Dabei jedes Mal 100 prozentig präsent zu sein. Medientraining ist ein Muss. Piloten können fliegen - dennoch verbessern sie laufend ihr ... www.rhetorik.ch/Praesent/Praesent.html - Cached - Similar

Freitag, 30. Juli 2010

Lehrpersonen oder Lehrerpersönlichkeiten?

Lehrer

In einem Leserbrief schrieb J.D. Zwahlen, Zürich:

Zur Demontage des Lehrerberufes trägt auch bei, dass Lehrerinnen und Lehrer in Stelleninseraten und Amtspapieren immer ungenierter und in Medienberichten immer häufiger "Lehrpersonen" genannt werden. Unsere Schule braucht keine LEHRPERSONEN - Sie braucht LEHRERPERSOEHNLICHKEITEN - anständig tituliert! Der Maler will schliesslich auch nicht eine "Malperson", ein Metzger auch nicht "Metzgerperson" sein. Und ein Pfarrer will nicht "Pfarrperson genannt werden.

Kommentar: Der Leserbriefschreiber hat insoweit recht, als über die Sprache Wertvorstellungen vermittelt werden. In den Schulen müsste endlich erkannt werden, dass das Image, der Ruf nicht nur mit der Sprache zu tun hat. Auch das Verhalten, die Kleidung und die Einstellung der Lehrerinnen und Lehrer trägt mit bei zum "Branding" des wichtigen Lehrerberufes. Leider wird die Bezugsperson KLASSENLEHRER zunehmend demontiert und es sind zu viele Personen für die Kinder da. Nicht mehr die Kernaufgaben BILDUNG, UNTERRICHTEN, ERZIEHEN stehen im Mittelpunkt. Administrative Aufgaben, Teamsitzungen und steter Wechsel stehlen den Lehrerpersönlichkeiten die Zeit, die fürs Kerngeschäft so notwendig wäre.

LINK:

  1. Feministische Sprache? (Leitfaden für die Praxis)

    Seit den Gleichstellungsdiskussionen forderten feministische Linguistinnen zu Recht, dass zahlreiche Begriffe, die ausschliesslich männlich geprägt waren, ... www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html - Cached - Similar
  2. Sprachpolizei - rhetorik.ch aktuell:

    1. Jan. 2004 ... Vergleiche zu diesem Thema auch: Feministische Rhetorik. ... Feministische Rhetorik verbannen das Wort "Schneemänner" Statt "Snowman" muss ... www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Jan_01_2004.html - Cached - Similar
  3. rhetorik.ch aktuell: Unfaire und medienethisch inkorrekte Spielregeln

    19. Febr. 2008 ... www.rhetorik.ch aktuell: (19. Feb, 2008) ... Rhetorik.ch Artikel zum Thema: ..... Über das feministische Scheitern - eine Polemik. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/02_19/index.html - Cached - Similar
  4. rhetorik.ch aktuell: Revision des Namensrechts abgelehnt

    12. März 2009 ... www.rhetorik.ch aktuell: (12. Mar, 2009). Revision des Namensrechts abgelehnt. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Feministische Sprache ... www.rhetorik.ch/Aktuell/09/03_12/index.html - Cached
  5. rhetorik.ch aktuell: Das Elter

    3. Juni 2010 ... www.rhetorik.ch aktuell: (03. Jun, 2010). Das Elter. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Aktuell Schweiz · Sprachpolizei · Feministische Sprache ... www.rhetorik.ch/Aktuell/10/06_03/index.html - Cached

Donnerstag, 29. Juli 2010

Wende im Fall Kachelmann?

  • Wetterfrosch im Tornado

Zitat blick:

Heute um 13:34 trat Jörg Kachelmann (52) ins Freie. Lächelte frisch rasiert in die Kameras. Liess seinen Anwalt reden und schwieg selber.

Als er die schwere Gefängnistür zur Freiheit aufstiess, wurde aber auch klar, dass Kachelmann der Abschied nicht nur leicht fiel. So umarmte der Schweizer einen uniformierten Mitarbeiter des Gefängnis herzlich, drückte diesen zwei, drei Sekunden lang innig an sich. Offenbar hatte Kachelmann im Mannheimer Knast neue Freunde gefunden.

Dies wohl auch im Knast. Denn er brauchte rund zweieinhalb Stunden, bevor er sich von allen im Mannheimer Gefängnis verabschiedete, packte, duschte und rasierte.

132 Tage lang hatte sich der Wettermoderator den strikten Gefängnisregeln beugen müssen. Um sechs Uhr aufstehen. Einen Rundgang im Hof. Dann als Essensausgeber arbeiten. Ein Job, der ihm den Knastalltag etwas verkürzte.

Noch ist völlig unklar, wie es weiter geht. Ob Jörg Kachelmann in Deutschland bleibt, wo er allerdings keinen festen Wohnsitz hat, oder in sein Heimatland Schweiz zurückkehrt. Theoretisch wäre es ihm jetzt auch erlaubt, sich auf einer Südseeinsel zu erholen. Jedenfalls bis zum 6. September. Dann muss sich der Wettermoderator wieder in Mannheim einfinden und sich seinem Prozess stellen.

Sollten die Richter ihn der Vergewaltigung an seiner Ex-Freundin für schuldig befinden, drohen dem Schweizer bis zu 15 Jahre Haft. Allerdings erhärten sich gleichzeitig auch Zweifel an gewissen Aussagen des mutmasslichen Opfers – mit ein Grund, wieso Kachelmann heute vom Oberlandesgericht Karlsruhe auf freien Fuss gesetzt wurde.

Sicher ist: So schnell wird Kachelmann als Wettermann im TV nicht zu sehen sein. Die ARD lässt ihn nach seiner Freilassung nicht vor die Kamera. «Wir warten das schwebende Verfahren ab», sagte ein Sprecher der ARD-Programmdirektion. «Durch die Aufhebung des Haftbefehls ist für uns keine neue Ausgangslage entstanden.» (gux)

Kommentar:

Aus Landbote und Thurgauer Zeitung:

Ist Kachelmanns Ruf auch bei Freispruch beschädigt? Stöhlker. Sollte er dann freigesprochen werden, könne ihm ein Neustart gelingen. «Er hat das Kaliber dazu.» Stöhlker vergleicht ihn mit Medienpionier Roger Schawinski. «Die beiden kann man ohne Wasser in die Wüste stellen, und sie blühen auch dort auf.»

Kommunikationsexperte Marcus Knill attestiert Kachelmann ebenfalls Intelligenz. Dessen bisheriges Verhalten bezeichnet er als professionell und «raffiniert»: «Er ist ein Medienprofi, der weiss, wie er mit ihnen umgehen muss.»

Mit dem weissen Shirt, dem sauber rasierten Gesicht und dem

gelassenen Auftreten wirkte er gestern zurückhaltend lächelnd wie ein Sieger. Doch Knill glaubt nicht, dass dies ausreichen wird.

"Geschäftlich dürfte es auch bei einem späteren Freispruch schwierig werden.» So seien etwa die detaillierten Frauengeschichten so oft in den Medien ausgebreitet worden, dass sie sich als Bilder in den Köpfen festgesetzt hätten. Bilder beeinflussen und bleiben haften. Frei heisst in diesem Fall noch nicht freigesprochen. Vom Rufschaden bleibt so oder so Einiges hängen. (og)

1/8 Kachelmann verlässt Gefängnis Um 13:37 Uhr war es soweit: Jörg Kachelmann und sein Anwalt Reinhard Birkenstock kommen aus der Justizvollzugsanstalt Mannheim.

Medienmann Kachelmann geniesst eine aussergewöhlich hohe Medienpräsenz - so wie es sich ein Politiker nur im Traum vorstellen kann. Die Freilassung ist ein weiterer Baustein zu einer Mediengeschichte, die alles in sich hat für die Boulevardmedien. Einen beliebten verurteilten Promi - Sexgeschichten - Emotionen - Aussergewöhnliches - Ueberraschendes - Kriminelles usw.

LINKS zu KACHELMANN:

  1. rhetorik.ch aktuell: Kachelmann in Untersuchungshaft

    24. März 2010 ... Der Wetterfrosch Jürg Kachelmann ist in Untersuchungshaft. Für Promis gilt: Im Zweifel für den Angeklagten. Dass Menschen mit erfundenen ... www.rhetorik.ch/Aktuell/10/03_24/index.html - Cached
  2. rhetorik.ch aktuell: Jörg Kachelmann und die Wurstmaschine

    29. Febr. 2008 ... Im November 2007 verbreiteten die Medien eine Aussage, die der Meteorologe Jörg Kachelmann angeblich gemacht haben soll. ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/02_29/index.html - Cached - Similar
  3. [PDF]

    «Meteo-Rhetorik» und Kachelmanns Verhalten

    File Format: PDF/Adobe Acrobat - View as HTML Im Auge des Gesetzes: Wetterfrosch Kachelmann. * Marcus Knill (www.knill.com) ist .... Glückliche zeiten: Kachelmann vor seinem Studio im Appenzellerland. www.rhetorik.ch/Aktuell/10/07_04/06_10.pdf
  4. [PDF]

    WIE JÖRG KACHELMANN “SEINE” WORTE AUS DEM NETZ LÖSCHEN LÄSST

    File Format: PDF/Adobe Acrobat - Quick View loge Jörg Kachelmann angeblich “Sex bei 120 Sachen” gehabt habe. ... Meteorologe Jörg Kachelmann wehrt sich gegen Internetbeiträge, wonach er “Sex bei Tempo ... www.rhetorik.ch/Aktuell/08/04_02/persoenlich.pdf - Similar
  5. rhetorik.ch aktuell: Kachelmanns Lächeln

    28. März 2010 ... Der TV-Meterologe Jörg Kachelmann ist weiter in den Medien. Er wurde am 20. März aufgrund eines Vergewaltigungsverdacht in Untersuchungshaft ... www.rhetorik.ch/Aktuell/10/03_28/index.html - Cached

Weshalb reden viele Führungskräfte so oft unverständlich, abstrakt und kompliziert?

Ich hatte jüngst Gelegenheit, das Referat eines Versicherungschefs mit anzuhören. Möglicherweise glauben Persönlichkeiten auf Führungsebene mit einer gestelzten Sprache ihre Kompetenz beweisen zu müssen. Dem Referat fehlten jegliche narrativen Elemente, konkreten Beispiele, persönlichen Erlebnisse oder Worte, die Bilder auslösen. Die Ausführungen waren so trocken, wie folgende Begriffe, die ich mir innert weniger Minuten notieren konnte:

- PRODUKTGEBER

- BRANCHENVORREITER

- NEBENBERUFSVERTRETER

- AUSSCHLIESSLICHKEITSORGANISATION

- VERTRIEBSWEGE

- GEWINNABFÜHRUNGSVERTRÄGE

Was mich erstaunte: In der Diskussionsrunde, als der Referent seine komplizierten Ausführungen nicht mehr ablesen konnte, sprach er plötzlich normal - mit Verben - ohne jene abstrakten Fachbegriffe, von denen ich oben einige erwähnt habe.

Ich bin sicher, dass das Publikum (Es war kein Fachpublikum), Mühe gehabt hätte, die zahlreichen Fachbegriffen, sinnvoll und richtig zu umschreiben.

Erkenntnis: Kompetenz muss ein Redner nicht mit komplizierten Fachbegriffen beweisen. Kompetent ist ein Referent, wenn er abstrakte Begriffe einfach erläutern kann. In einem Artikel schrieb ich über das "strassengängige" Reden:

Wer die Sprache nicht dem jeweiligen Durchschnittspublikum anpassen kann, muss dies lernen. "Strassengängig reden" heisst: die Sprachebene der normalen, alltäglichen Umgangssprache wählen, einfach, konkret und verständlich (wie an einer Party). In der Praxis zeigt sich tagtäglich: Das Einfache ist deshalb für viele nicht einfach, weil zu kompliziert und mitunter mit zu vielen Substantiven gesprochen wird. Obschon bekannt ist: Verben, Verben, Verben benutzen. Ein weiterer Grund für eine zu hohe Sprachebene ist die falsche Vorbereitung: Anstatt mit Stichworten werden die Aussagen oft schriftlich vorformuliert und nachher auch von den schriftlichen Notizen unmittelbar in die Mundart übertragen. Eine Rede ist bekanntlich keine Schreibe.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Zerstörerische Schönheit

Im Tagi gefunden:

Eine Vase zerbricht in tausend Stücke, eine Orange wird mit dem Hammer zum Platzen gebracht. Die englischen Filmprofis Philip Heron und James Adair haben spektakuläre Bilder in Zeitlupe aufgenommen.

Tempus II from Philip Heron on Vimeo.

Diese Bilder sind tatsächlich phantastisch. Ist ein visueller Genuss.