Mittwoch, 30. April 2008

Blick analysiert Körpersprache der Politiker

Blick online:

Mag sie Merkel nicht?
Die Schweizer Staatschefs Couchepin, Leuenberger und Merz plaudern angeregt mit der deutschen Staatschefin Angela Merkel. Höflichkeiten werden ausgetauscht, hübsch posiert man für die Fotografen.

Alle scheinen sich ganz gut zu verstehen. Alle bis auf Micheline Calmy Rey. Die steht etwas gar verschupft in der Gegend herum.

Bei der Begrüssung mit der deutschen Kanzlerin hält es Calmy-Rey nicht einmal für nötig, ihren vor der Brust verschränkten Arm zu lösen. Richtig verkniffen sieht unsere Aussenministerin auf einigen Bildern aus.

Welche Laus ist Calmy-Rey wohl über die Leber gekrochen? Einfach ein schlechter Tag – oder steckt da mehr dahinter? Mag sie Angela Merkel etwa nicht? Ist hier vielleicht sogar ein Zickenkrieg auf hoher politischer Ebene im Gange?

So deutet die Psychologin Ulrike Zöllner die Körperhaltung von Micheline Calmy Rey:

«Die verschränkten Arme signalisieren eine Abwehrhaltung nach Aussen und eine Schutzhaltung der eigenen Person».

Micheline Calmy-Rey hat denn also Angst vor Angela Merkel? «Nein», winkt die Psychologin ab. «Das kann man sicher nicht sagen. Darauf deutet bereits die Diskrepanz zwischen dem Gesichtsausdruck und der Körperhaltung hin. Bei der Begrüssung mit Merkel streckt Frau Calmy-Rey zwar wirklich nur eine Hand aus, die andere presst sie an den Körper. Eine verschlossene Haltung. Das Gesicht aber strahlt, sie lächelt, wirkt offen, kommunikativ und freundlich. Der Kopf und der Blick sind Frau Merkel zugewandt, und das ist das Entscheidende».

Aber wie denn ist die merkwürdige Haltung Calmy-Reys gerade bei der Begrüssung der deutschen Staatsfrau zu erklären? Zöllner hat hierfür ein einleuchtendes Argument aus der Welt der Frau parat:

«Frau Calmy-Rey trägt meist grosse Handtaschen mit sich. Vielleicht hat sie sich deswegen diese Haltung angewöhnt, um so ein Herunterrutschen der Tasche mit dem einen Arm zu verhindern».

Tasche hin, Tasche her:

Micheline Calmy-Rey macht keine gute Figur bei der Begrüssung von Angela Merkel. «Eine zugewandtere, offenere Körperhaltung wäre sicherlich zu begrüssen, vor allem bei so einem offiziellen Anlass», meint auch Zöllner.

Also Frau Calmy-Rey: Beim nächsten Mal bitte Brust raus und Kopf hoch!

Wir möchten Sie so selbstbewusst und unverhüllt strahlend erleben wie damals bei Ihrem Staatsbesuch beim iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad!

Kommentar:

Die Aufforderung des Blickjournalisten, Bundesrätin Calmy-Rey sollte künftig so selbstbewusst stahlen, wei beim fragwürdigen Kopftuchauftritt zusammen mit dem Iranischen Diktator, der Israel von der Landkarte eliminieren möchte, wirkt für mich fast zynisch.

Ich bin übrigens immer vorsichtig bei Interpretationen der Körpersprache. Nach meinen Erkenntissen ist es gefährlich - aufgrund einer Momentanaufnahme - einer Person Stimmungen zuzuschreiben. Massgebend ist letztlich die Wirkung bei den Adressaten. Wie bei die Kopftuchgeschichte, so glaube ich, dass beim Treffen mit der Bundeskanzlerin die Kritik Merkels am Gasdeal das Klima zwischen den beiden Kontrahenten Aussenministerin und Bundeskanzlerin sicherlich nicht besonders herzlich gewesen sein muss.

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Kommentar:

Die Aufforderung des Blickjournalisten, Bundesrätin Calmy-Rey sollte künftig so selbstbewusst stahlen, wei beim fragwürdigen Kopftuchauftritt zusammen mit dem Iranischen Diktator, der Israel von der Landkarte eliminieren möchte, wirkt für mich fast zynisch.

Ich bin übrigens immer vorsichtig bei Interpretationen der Körpersprache. Nach meinen Erkenntissen ist es gefährlich - aufgrund einer Momentanaufnahme - einer Person Stimmungen zuzuschreiben. Massgebend ist letztlich die Wirkung bei den Adressaten. Wie bei die Kopftuchgeschichte, so glaube ich, dass beim Treffen mit der Bundeskanzlerin die Kritik Merkels am Gasdeal das Klima zwischen den beiden Kontrahenten Aussenministerin und Bundeskanzlerin sicherlich nicht besonders herzlich gewesen sein muss.

29.4.08

Viele offene Fragen

In Tagesanzeiger-online gelesen:

28. April 2008, 23:13 – Von Norbert Mappes-Niediek

Inzestdrama: Vater gesteht die grausamen Taten

Josef F. hat sein Verbrechen gestanden. Noch sind aber viele Fragen offen, auch an die Behörden in Niederösterreich.

Der Zugang zum Verlies (l.) war hinter einem Regal versteckt. Das «Gefängnis» war eingerichtet wie eine Wohnung, hier Dusche und Toilette (r.) und ein Raum mit Betten (Mitte), zugänglich durch ein Schlupfloch.

Straff zurückgekämmtes Grauhaar, sauber gestutzter, kräftiger Schnurrbart, auf den Lippen ein Schwerenöterlächeln: Erste Bilder zeigen einen ansehnlichen Herrn, wie man ihm im gemütlichen Mostviertel häufig antrifft. «Vital und umtriebig» nennt ihn das Landeskriminalamt. Ein Freak jedenfalls ist Josef F., 73, nicht. Der Mann, der seine Tochter 24 Jahre lang einsperrte hielt, mit ihr sieben Kinder zeugte und drei davon mit der Mutter im Keller hielt, ist gelernter Elektrotechniker und war selbstständig. Die drei Kinder, denen er die Gnade des Tageslichts schenkte, seien «bestens erzogen», verriet ein Polizeisprecher.

Am Tag nach der Befreiung aus dem Keller eines schmucklosen Stadthauses ist der mutmassliche Täter im Wesentlichen geständig, wie ein Chefinspektor der Polizei sagte. In Details schwäche der Mann seine Taten dann allerdings ab. Josef F. hatte seine Tochter Elisabeth, eines von sieben Kindern, von ihrem elften Lebensjahr an missbraucht, wie sie den Ermittlern erzählte. Mit 16 sei sie zum ersten Mal davongelaufen. Achtzehn war sie, als der Vater sie an einem Sommertag betäubte, fesselte und in den Keller sperrte.

Angeblich nichts mitbekommen

Seine Frau und Mutter seiner Kinder soll von alledem nie etwas mitbekommen haben. Der Keller sei allerdings «tabu» gewesen. Bei der Darstellung bleibe eine «breite Palette an offenen Fragen», sagte der Leiter des Landeskriminalamts von Niederösterreich, Franz Polzer.

So wisse man nicht, wie der Täter die umfangreiche Versorgung habe bewerkstelligen können, besonders bei den Babys und Kleinkindern. Unklar sei auch, wie alles das sogar vor der Ehefrau und den übrigen Kindern hätte geheim gehalten werden können und wie der Täter die damit verbundene Belastung habe aushalten können.

Fragen:

Wie ist es möglich, dass eine Person jahrelang Nahrungsmittel usw. unbemerkt in das "Gefängnis" bringen konnte?

Vor allem ist es kaum vorstellbar, dass sich die Ehefrau 24 Jahre lang an die Tabuzone halten konnte.

Wie war es möglich, dass der Täter längere Zeit in die Ferien gehen konnte, ohne dass jemand die Opfer versorgt hatte.

Hat die Behörde nicht gesehen, dass der Täter schon früher wegen Vergewaltigung verurteilt war?

Nachtrag:

Soeben habe ich den Pressewald durchforstet. Ich stellte fest: Es wird in den Berichten und sogenannten Analysen viel zu wenig deutlich zwischen GUT und BOESE unterschieden. Das Monster wird überall als lieber Opa und freundlicher Nachbar skizziert. Es wird suggeriert, dass im Grunde genommen jeder brave Nachbar zu so einer Tat fähig wäre.

Dann gibt es die grosse Suche nach Schuldigen, die nichts bemerkt und nichts unternommen haben. Immer wieder die selben Fragen:

Warum hat dies niemand gemerkt?

Gibt es noch Verbündete?

Warum wurden die Briefe nicht analysiert?

Weshalb wurde kein Leumundszeugnis eingeholt? (Der Täter hatte schon früher eine Strafe abgesessen wegen Vergewaltigung).

Warum hat die Frau und die Nachbarn nichts gemeldet, als sie den Mann nachts mit Säcken nach Hause kam?

Wer hatte die Opfer betreut, als der Täter sich tagelang in den Ferien vergnügte ?

Selbsternannte Experten und Psychoexperten lassen durchblicken, dass alle Menschen zu so etwas fähig wären und alle Menschen in sich schreckliche dunkle Seite haben.

Wer die Beiträge durchkämmt, müsste zum Schluss kommen: Zu so einer grauenhaften Tat ist letztlich jeder Mensch fähig.

Dass Menschen keine Engel sind, ist unumstritten und Menschen kämpfen ständig auch mit ihren Schattenseiten. Menschen können nach ethischen Grundsätzen handeln und dies ist auch lernbar. Selbstverständlich hat man nicht erst seit den Naziverbrechen gesehen, zu was angeblich gut bürgerliche Menschen fähig sind, wenn sie die Gelegenheit haben, Mitmenschen zu foltern und dafür belohnt werden.

Das freundliche Verhalten in der Oeffetnlichkeit - als lieber Familienvater usw.- darf jedoch nie als Entschuldigung ins Feld geführt werden.

Grausamkeit bleibt Grausamkeit – auch wenn der Täter die Steuern bezahlt und sich als braver Opa ausgibt.

Es geht im Leben ständig darum, sich für das Gute und das Menschliche stark zu machen. Das Schlechte, das Böse dürfen wir nicht verwässern, weil Gewaltverbrecher sich freundlich und angeblich “normal” (der Norm entsprechend) verhalten.

Es ist wichtig, dass auch Journalisten und Psychiater die Grenze zwischen GUT und BOESE klarer ziehen. Es gibt unmissverstädnliche ethische Masssäbe, die nicht verwischt werden dürfen. Die dunklen Seiten im Menschen bleiben dunkel, auch wenn der Täter ein Otto Normalverbraucher ist.

Durch die klare Trennung zwischen GUT und BOESE wird uns bewusst: Die Unmenschlichkeit hat nichts zu tun mit den Strukturen in denen ein Mensch lebt. Unmenschlichkeit dürfen wir uner keinen Umständen als “normal” deklarieren.

Nazischergen wie auch das "Monster von Amstetten" haben kein Anrecht auf Verständnis, nur weil keine auffälligen psychopathologischen Störungen aufgefallen sind. Die äussere Normalität hat nichts - aber gar nichts - zu tun mit den grauenhaften, unmenschlichen Taten.

Grausamkeit sollten Experten und Psychologen nie mehr einen Anstrich von Normalität verpassen. Unmenschlichkeit ist konsequent und unmissverständlich als Böses zu deklarieren. Gräueltaten sind nicht ent-schuld bar. Diese klare Haltung vermisste ich leider in den meisten Berichten der Medien.

Die Medien und die Horrorgeschichte

Nachtrag aus der ZEIT-online:

Hyänen am Horrorhaus

Gewaltiges Medieninteresse: eine Fernsehreporterin vor dem Haus in Amstetten, in dem Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte

Gewaltiges Medieninteresse: eine Fernsehreporterin vor dem Haus in Amstetten, in dem Josef F. seine Tochter 24 Jahre lang gefangen hielt und mit ihr sieben Kinder zeugte

Er ist der „Teufel, der Gott sein wollte“, ein „Herr über Leben und Tod“ im „Horrorhaus“ oder auch einfach nur ein „Monster“: Seit vergangenem Sonntag bekannt wurde, dass ein 73-jähriger Österreicher in der Kleinstadt Amstetten seine Tochter 24 Jahre lang in ein Kellerverlies sperrte, sie vergewaltigte und insgesamt sieben Kinder mit ihr zeugte, überschlägt sich die österreichische Boulevardpresse in Superlativen.

Wer hätte auch "erhoffen" können, dass zwei Jahre nach dem Fall Natascha Kampusch nochmals ein derart spektakulärer Kriminalfall die Auflagenzahlen nach oben schießen lässt?

Wie im Fall Kampusch, die im Alter von zehn Jahren auf dem Weg zur Schule entführt worden war und sich erst acht Jahre später selbst befreien konnte,

zeigen die Billigblätter auch diesmal wenig Rücksicht auf diejenigen, die unter dem Skandal am meisten leiden.

Immerhin soll der verdächtige Josef F. nicht nur seine Tochter seit ihrem elften Lebensjahr missbraucht und im Jahr 1984, nach einem gescheiterten Versuch auszureißen, in ein von ihm errichtetes Verlies im Keller seines Hauses gesperrt haben. Auch drei seiner Kinder, die er mit der eigenen Tochter zeugte, wurden im Kellerversteck geboren und nun erst im Alter von 19, 17 und fünf Jahren von der Polizei befreit. Ein Baby war kurz nach der Geburt verstorben, die Leiche verbrannte F. im Heizungsofen.

Drei weitere Kinder wuchsen im selben Haus bei Oma und "Opa" auf, der in Wirklichkeit ihr Vater war. Josef F. legte sie jeweils als Babys vor das Haus, mit einem fingierten Brief der Mutter, in dem sie die Großeltern bat, sich um die Kinder zu kümmern, weil sie dies nicht könnte.

Und es gibt eine Ehefrau von Josef F., die beteuert, nichts von den Machenschaften ihres Mannes geahnt zu haben und die sich nun ebenfalls in psychiatrischer Behandlung befindet.

„Will nichts bemerkt haben“, steht neben dem Bild von Frau F., dass die Kronen Zeitung, mit 42 Prozent Reichweite Platzhirsch unter Österreichs Tageszeitungen, am Tag nach der Befreiung ihrer Tochter veröffentlichte.

Ohne einen schwarzen Balken vorm Gesicht!

Auch der Name der Frau wurde nicht abgekürzt.

Gleich daneben noch zwei Passfotos: Bilder zweier Kinder, zwölf und 14 Jahre alt, unter vollständiger Namensnennung, ungepixelt. Der Bub und das Mädchen sind zwei der drei Kinder, die F. bei sich aufnahm. Sie wuchsen in Amstetten auf, gingen zur Schule, waren in der Gemeinde integriert, und mussten jetzt nicht nur erfahren, dass ihr "Großvater" ihr Vater ist, die verschwunden geglaubte Mutter im Keller leben musste und sie noch drei Geschwister haben.

Sie müssen nun auch damit klarkommen, dass ganz Österreich ihr Gesicht kennt.

„Das ist ein klarer Verstoß gegen die Persönlichkeitsrechte dieser Kinder und das wissen die Medien, die so etwas tun, ganz genau“, sagt die Rechtsanwältin und Medienrechtsexpertin Maria Windhager.

Solche Grenzüberschreitungen würden absichtlich in Kauf genommen, „und es gibt auch ein Publikum, dass diese Zeitungen kauft.“

Um dieses Publikum kämpfen in Österreich gleich drei Tageszeitungen: Die Kronen Zeitung aus dem Hause Hans Dichand, Heute, dessen Herausgeberin Eva Dichand, die Schwiegertochter von Hans und die Ehefrau von Krone-Chefredakteur Christoph Dichand, ist. Und Österreich, ein erst vor zwei Jahren vom langjährigen Magazinmacher Wolfgang Fellner gegründetes Blatt. „Fellnerismus“ lautet in Österreichs Medienwelt ein geflügeltes Wort, mit dem die Tendenz beschrieben wird, zuzuspitzen, zu skandalisieren und in der Berichterstattung immer tiefer in die persönliche Sphäre von Menschen vorzudringen, seien es Prominente oder eben auch Opfer.

Kommentar: Boulevardisierung ist im heutigen Konkurrenzkampf überall im Kommen. Es geht um Geschichten - um Personalisierung - um den Primeur - um Emotionen. Letztlich jedoch immer um den Absatz. Solange das Publikum Produkte kauft, die eindeutig Persönlichkeitsrechte missachten, solange hält dieser Trend an.

Montag, 28. April 2008

Fackellauf, so wie es China gefällt

Ein «Jubellauf» in nordkoreanischer Manier

In Nordkorea hat ein «Jubellauf» für die olympische Flamme durch die Hauptstadt Pjöngjang begonnen.

Tagi online:

nordkorea

Nun ist die Fackel bei Freunden

In Nordkorea hat ein «Jubellauf» für die olympische Flamme durch die Hauptstadt Pyongyang begonnen.

Das berichteten chinesische Staatsmedien. Nordkorea werde «die Welt in Staunen versetzen», hatte der Vize-Präsident des nationalen Olympischen Komitees, Li Chong-Sok, bei der Ankunft der Fackel angekündigt.

Den Organisatoren zufolge sollen hunderttausende Menschen die 20 Kilometer lange Strecke des Fackellaufes säumen. Nordkorea ist ein enger Verbündeter Chinas. Das kommunistische Land hatte die Proteste am Rande des Fackellaufes in anderen Ländern scharf kritisiert.

Endlich erleben die Chinesen eine Fackellauf ohne Hürden, ohne Demonstrationen ohne Aerger. Endlich findet der Lauf in einem kommunistischen befreundeten Land statt, das Ruhe und Ordnung durchsetzen kann und unter Pressefreiheit und Meinungsäuserungsfreiheit analog denkt.

Sonntag, 27. April 2008

Kampfschrift gegen Widmer-Schlumpf

aus der Sonntags-Zeitung vom 27.4.:

Vor Parteiversammlungen macht SVP Schweiz Stimmung an der Basis

Bern - Ein neues Papier sorgt in der SVP für Unruhe. «Wie Eveline Widmer-Schlumpf in den Bundesrat gewählt wurde», heisst das zehnseitige Dokument, das derzeit erst vereinzelt, aber bald in grosser Zahl bei der Basis zirkuliert. Absender ist das Zentralsekretariat der SVP Schweiz.

Eine seitenlange Sammlung von Politikerzitaten soll belegen, was die SVP Widmer-Schlumpf seit deren Wahl in den Bundesrat vorwirft: Sie habe mit der Linken paktiert, die Partei verraten und die Öffentlichkeit angelogen. Wo die Zitate nicht der Sicht der SVP entsprechen, werden sie mit «der Wahrheit» gekontert.

Das Ziel ist klar: Das Papier soll die bevorstehenden Entscheide der Basis über den Ausschluss der Bündner SVP und Widmer-Schlumpfs beeinflussen.

Kommentar: Zurzeit analysiere ich den inzwischen berühmten TV Film und stellte fest, dass tatsächlich die Original- Zitate der Politiker zu viele Ungereimtheiten zu Tage bringen. Ein gefundenes Fressen für die SVP. Zu viele Aussagen widersprechen sich. Niemand konnte bislang beweisen, wer gelogen hat. Ich bin überzeugt, dass dieser Film in die Geschichte eingehen wird, weil die Speicherung der Aussagen die Glaubwürdigkeit der Akteure (inkl. Bundesrätin) beeinträchtigt und negative Auswirkungen haben kann.

Auch der Blocherfilm mit den sonderbaren, irren Aussagen von Gerhard Blocher (Bruder von Christoph) hatte Folgen. Ich behaupte, dieser Film hat einige Stimmen gekostet und wesentlich mit beigetragen, dass Blocher abgewählt worden ist.

Wir dürfen die Macht der Medien nicht unterschätzen.

Samstag, 26. April 2008

IOC Chef als Leisetreter

Nachdem IOC Chef Rogge zum Verzicht auf Demonstrationen aufrief, musste er den Vorwurf des Leisetretens gefallen lassen.

aus spiegel-online:

Olympia-Chef fordert Ende der öffentlichen Debatte

Jacques Rogge wünscht sich, dass endlich Ruhe einkehrt.

< "Man erreicht in China mit einer lauten Stimme überhaupt nichts", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der "Financial Times". Die lautstarke Kritik sei ein großer Fehler, den Menschen im Westen machten, wenn sie ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollten. "Alle China-Experten werden Ihnen sagen, dass nur eine Sache funktioniert: eine respektvolle und leise, aber standfeste Diskussion."

Rogge forderte mehr Geduld mit der Regierung in Peking. "Wir haben 200 Jahre gebraucht, um uns aus der Französischen Revolution zu entwickeln. China hat 1949 angefangen." Er sei überzeugt, dass die Olympischen Spiele einen "guten Einfluss auf die soziale Entwicklung in China haben werden". Rogge betonte, seine Beziehungen zur Regierung in Peking seien exzellent, auch wenn "sie ihre Prioritäten hat und wir unsere". Manchmal würden sich diese widersprechen.

Demonstrationen in Japan

Beim olympischen Fackellauf in der japanischen Stadt Nagano ist es am gestrigen Samstag zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Demonstrant stellte sich der Fackel in den Weg und versuchte, sie zu ergreifen. Der Mann wurde festgenommen, der Lauf wurde nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt. Rund 3000 Polizisten waren im Einsatz, um die Zeremonie zu sichern.

In der Nähe der Strecke schwenkten Demonstranten tibetische Fahnen und forderten in Sprechchören ein "freies Tibet". Gleichzeitig waren rund 2000 chinesische Austauschstudenten auf den Straßen und bekundeten ihre Unterstützung für die Regierung in Peking.

INTERAKTIVE GRAFIK

Bislang gab es an nahezu jeder Station des Fackellaufs Demonstrationen gegen das chinesische Vorgehen in Tibet. Auch in Japan haben Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen zu Aktionen aufgerufen. Im Anschluss an die Zeremonie in Nagano wird die olympische Fackel am morgigen Sonntag nach Seoul und am kommenden Montag in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang gebracht.

Am 2. Mai trifft die olympische Fackel in Hongkong ein und setzt ihren Weg dann in China fort - bis zur Eröffnung der Spiele am 8. August in Peking

Basiert Chinas jüngster Angriff aufgrund Rogges Unterstützung?

bild-online:

Angriff aus China

„Dalai-Lama-Clique“ Schuld an der Misere

Sie wollten mit ihm verhandeln, doch jetzt greift China ihn erneut an: Die Staatsmedien geben dem Dalai Lama Schuld an der Tibet-Krise.

China reagiert nun doch und will mit Dalai Lama reden

Wie reagiert die Weltpresse auf diese unerwartete Wende?

Medienpiegel aus n-tv.de:

Freitag, 25. April 2008

Peking offen für Tibet-Fragen

"Gut Wetter machen"

Die chinesische Regierung zeigt sich gesprächsbereit. Schon in den nächsten Tagen will Peking den Dalai Lama zur Unterredung bitten. Das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter hat das Angebot angenommen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, derzeit zu Gast in Peking, bezeichnet die Ankündigung Chinas als bedeutenden Schritt.

"Erleichterung macht sich breit", bemerkt die Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung in Essen. Denn Peking scheint dem weltweiten Druck nachzugeben und auf die Tibeter zuzugehen. "Dass das überraschende Gesprächsangebot in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Besuch einer hochrangigen EU-Delegation in Peking steht, kommt sicher nicht von ungefähr. Beide Seiten sind an guten Beziehungen und guten Geschäften interessiert." Dennoch lehre die Vergangenheit die Europäer, misstrauisch und vorsichtig zu bleiben: "Seit 2002 gab es bereits sechs sogenannte Dialogrunden mit Gesandten des Dalai Lama - ohne Ergebnis." Peking beabsichtige wohl vor allem eines: "gut Wetter machen, die Kritiker besänftigen und Zeit gewinnen."

Aus Sicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden sich nun all jene bestätigt fühlen, "die immer wieder versichert haben, China sei doch empfänglich für Druck. Aufrufe zum Olympiaboykott dürften jetzt schnell in sich zusammenfallen", bemerkt das Blatt nicht ohne Zynismus. Auch ausländische Geschäftsleute könnten wieder ungestört ihrer Arbeit nachgehen. "Die chinesische Regierung wiederum darf sich auf schöne olympische Bilder freuen." Doch Olympia währt nicht ewig: "Erst dann wird sich zeigen, ob auch die Tibeter etwas von der neuen Beweglichkeit Chinas haben." Bis dahin sollte dem Regime in Peking "bis zum Beweis des Gegenteils misstraut werden."

Auch die Abendzeitung aus München mahnt zur Vorsicht, wenn auch aus anderen Gründen: "Die Fackel kommt bald in China an - dann wird das Regime dafür sorgen, dass keine Demonstranten in Fernsehbildern auftauchen. Mit dem Gesprächsangebot spielt China klar auf Zeit." Gerade erst sei noch von einer "heftigen Blut-und-Feuer-Schlacht mit der Clique des Dalai Lama" die Rede gewesen. Chinas Dialog-Zusage sei nicht zu trauen, so das Blatt und plädiert "auch ohne Fackel" für eine "neue olympische Bewegung des Protests".

"Dass plötzlich rund um die Welt nur noch von der hässlichen Seite des atemberaubenden chinesischen Aufstiegs vom Dritte-Welt-Bedürftigen zum kraftstrotzenden Global Player die Rede ist, dass gar über Boykott der Spiele nachgedacht wird, war nun wirklich nicht das Ziel der Olympia-Bewerbung", erläutert das Mindener Tageblatt den "Strategieschwenk". Der Dalai Lama werde das Gesprächsangebot "selbstverständlich annehmen" wie bereits in früheren Runden, "die allerdings stets ergebnislos endeten." Man könne sich dem Verdacht nicht erwehren, Peking versuche bloß, "Ruhe im Karton zu haben. Dieses Spielchen sollten weder die Tibeter noch die westliche Öffentlichkeit mitmachen, sondern auf belegbarer Ernsthaftigkeit des Gesprächsangebots bestehen - höflich, diplomatisch, aber bestimmt."

Auch die Kölnische Rundschau will das Gesprächsangebot nicht überbewerten, verweist auf die vergangenen erfolglosen sechs Gesprächsrunden seit 2002 und auf ein wichtiges Detail: "Der Dalai Lama selbst war gestern noch nicht über das Angebot unterrichtet, was tief blicken lässt: Wer erst die Öffentlichkeit informiert und dann erst die Eingeladenen, der will nur einen Propagandaerfolg", so das Blatt. "Während Peking gestern die neue Einladung veröffentlichte, dürfte die perverse 'Umerziehungskampagne' in Tibet weitergegangen sein. Viel wert ist das Gesprächsangebot also nicht."

Der Westfälische Anzeiger aus Hamm mutmaßt über die Gesprächsthemen: "Es kann nur um eine Absicherung von Minderheiten-Rechten und kulturellen Werten für die Tibeter innerhalb Chinas gehen." Schwer zu sagen sei allerdings, "ob die Regierung in Peking, die bisher auf Assimilierung in der Region gesetzt hat, an einer wirklichen Autonomie ein ernsthaftes Interesse hat." Es sehe daher eher so aus, als wolle Peking "vor allem Druck aus dem Kessel der globalen öffentlichen Meinung nehmen." Man müsse außerdem bereits kritisch anzweifeln, "ob das Oberhaupt der Tibeter überhaupt noch der richtige Ansprechpartner ist. Was verbindet ihn noch mit den empörten Massen in Lhasa und anderswo?"

"China will die Olympischen Spiele retten", erklärt die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg, doch mit einer veränderten Tibet-Politik habe das nicht zu tun. Vielmehr sei Peking an einer "lautlosen und dauerhaften Lösung" des Tibet-Problems gelegen und instrumentalisiere den Dalai Lama. Tibet erhalte im günstigsten Fall "mehr kulturelle Autonomie für den Verzicht auf Unabhängigkeit. Ob der Dalai Lama, der nach außen eine ähnliche Position vertritt, ein solches Mandat hat und durchsetzen könnte", hält jedoch auch das Heidelberger Blatt für fraglich.

Der Kölner Stadt-Anzeiger beurteilt das Entgegenkommen optimistisch, "selbst wenn dahinter zunächst nur die Absicht stehen sollte, vor den Olympischen Spielen den weiteren Ansehensverlust zu stoppen." Die Demonstrationen in aller Welt hätten so mehr erreicht, "als sich vermutlich die aufständischen Tibeter jemals erhofft hatten. Jetzt wird sich erweisen, über welchen Einfluss der Dalai Lama in seinem Land noch verfügt."

"Tibet ist für China eine Frage der nationalen Stabilität", schreibt die Badische Zeitung und sieht wenig Übereinstimmung: "Allein schon eine kulturelle Autonomie, wie sie der Dalai Lama fordert, könnte andere Minderheiten auf den Plan rufen. Ein Wegbrechen Tibets, so die Angst in Peking, wäre der Anfang vom Ende des Vielvölkerstaats. Pekings Führer könnten allerdings erkannt haben, dass sie mit ihrer bisherigen Minderheitenpolitik auf eine Katastrophe zusteuern." Das Gebot der Gewaltlosigkeit sei in der jüngeren Generation der Tibeter nicht mehr garantiert. "Einen besseren Verhandlungspartner als den Dalai Lama wird Peking nie bekommen."

Die Frankfurter Rundschau argumentiert ähnlich und sieht den Dalai Lama "als weltlichen Politiker unter dem zunehmenden Druck einer Exilbewegung, die Unabhängigkeit will. Er ist der einzige Partner, den Peking für einen Kompromiss gewinnen und der ihn als spirituelle Autorität vor praktisch allen Tibetern vertreten könnte. Doch ihm läuft die Zeit davon. Ist Chinas Machtelite bereit und in der Lage, im Schein der olympischen Fackel über den eigenen politischen Schatten zu springen? Dann haben Gespräche Sinn. Will sie aber Tibet nach ihrem Bilde modernisieren? Dann wird sie weiteren Widerstand ernten."

Die Berliner Morgenpost sieht es hundert Tage vor Beginn der Olympischen Spiele fast für "zu spät für eine wirkliche Wende in der Atmosphäre. Wohlgesinnte ausländische Beobachter und viele nachdenkliche Chinesen schlagen gedanklich drei Kreuze in der Hoffnung, dass die Spiele wenigstens ungestört verlaufen. Das ist bitter für eine Nation, die so stolz war, als sie die Spiele zugesprochen bekam." Das geplante Gespräch biete vielleicht eine letzte Chance.

Kommentar: Ich hatte gestern Gelegenheit mit einem Delegierten zu reden, der von einer Chinareise zurückkehrte. Nach seinem Dafürhalten ist China auf einen guten Ruf bedacht. Die Chinesen wollen nicht das Gesicht verlieren und der Welt unbedingt eine schöne Feier demonstrieren. Nachdem die Demonstrationen nicht so einfach unter den Teppich gekehrt werden konnten, musste nun Peking über den Schatten springen und alles versuchen, die Situation zu entkrampfen. Trotz grösstem Polizeiaufgebot kam es immer wieder zu Demonstrationen und Bildern, die von der freien Presse gezeigt werden durften und der Medienzensur der Chinesen entzogen werden konnten.

China wird gewiss - trotz der angekündigten Gesprächsbereitschaft - nicht von der internen Medienzensur abrücken. Internet, Radio und Fernsehen, Zeitungen aber auch Handys werden weiterhin überwacht und kontrolliert bleiben. Selbst google wird es nicht fertig bringen, dass die Bürger freien Zugang zu Webseiten haben können, zu Informationen, die Peking nicht genehm sind. Das ist für mich das Erstaunlichste: Dass es 2008 immer noch möglich ist, Millionen von Menschen den Informationsfreiheit zu filtern.

Donnerstag, 24. April 2008

Aus Blick-online:

Doch keine echte SVP Bundesrätin?

Sonntagaz.ch:

Aus Blick-online:

Eveline Widmer-Schlumpf begründete heute das Nein des Bundesrats zur Einbürgerungsinitiative der SVP. Und wurde persönlich: Für sie sei es auch ein Nein aus «Überzeugung».

Kommentar: Die klare offene Positionierung der neuen Bundesrätin hat auch eine negative Seite: Die SVP wird gewiss die Aussagen an der Medienkonferenz als weiterern Beweis sehen, dass die aufgezwungene Bundesrätin gegen die eigene Partei politisieren wird und keine echte SVP Frau ist. Wenn Widmer-Schlumpf die Meinung des Bundesrates vertreten hätte, wäre dies nicht so schlimm gewesen. Doch die persönliche eindeutige Anti SVP Verlautbarung könnte zu einer zusätzlichen Verhärtung der Situation führen.