Samstag, 26. April 2008

IOC Chef als Leisetreter

Nachdem IOC Chef Rogge zum Verzicht auf Demonstrationen aufrief, musste er den Vorwurf des Leisetretens gefallen lassen.

aus spiegel-online:

Olympia-Chef fordert Ende der öffentlichen Debatte

Jacques Rogge wünscht sich, dass endlich Ruhe einkehrt.

< "Man erreicht in China mit einer lauten Stimme überhaupt nichts", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der "Financial Times". Die lautstarke Kritik sei ein großer Fehler, den Menschen im Westen machten, wenn sie ihre Meinung zum Ausdruck bringen wollten. "Alle China-Experten werden Ihnen sagen, dass nur eine Sache funktioniert: eine respektvolle und leise, aber standfeste Diskussion."

Rogge forderte mehr Geduld mit der Regierung in Peking. "Wir haben 200 Jahre gebraucht, um uns aus der Französischen Revolution zu entwickeln. China hat 1949 angefangen." Er sei überzeugt, dass die Olympischen Spiele einen "guten Einfluss auf die soziale Entwicklung in China haben werden". Rogge betonte, seine Beziehungen zur Regierung in Peking seien exzellent, auch wenn "sie ihre Prioritäten hat und wir unsere". Manchmal würden sich diese widersprechen.

Demonstrationen in Japan

Beim olympischen Fackellauf in der japanischen Stadt Nagano ist es am gestrigen Samstag zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Demonstrant stellte sich der Fackel in den Weg und versuchte, sie zu ergreifen. Der Mann wurde festgenommen, der Lauf wurde nach kurzer Unterbrechung fortgesetzt. Rund 3000 Polizisten waren im Einsatz, um die Zeremonie zu sichern.

In der Nähe der Strecke schwenkten Demonstranten tibetische Fahnen und forderten in Sprechchören ein "freies Tibet". Gleichzeitig waren rund 2000 chinesische Austauschstudenten auf den Straßen und bekundeten ihre Unterstützung für die Regierung in Peking.

INTERAKTIVE GRAFIK

Bislang gab es an nahezu jeder Station des Fackellaufs Demonstrationen gegen das chinesische Vorgehen in Tibet. Auch in Japan haben Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen zu Aktionen aufgerufen. Im Anschluss an die Zeremonie in Nagano wird die olympische Fackel am morgigen Sonntag nach Seoul und am kommenden Montag in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang gebracht.

Am 2. Mai trifft die olympische Fackel in Hongkong ein und setzt ihren Weg dann in China fort - bis zur Eröffnung der Spiele am 8. August in Peking

Basiert Chinas jüngster Angriff aufgrund Rogges Unterstützung?

bild-online:

Angriff aus China

„Dalai-Lama-Clique“ Schuld an der Misere

Sie wollten mit ihm verhandeln, doch jetzt greift China ihn erneut an: Die Staatsmedien geben dem Dalai Lama Schuld an der Tibet-Krise.

China reagiert nun doch und will mit Dalai Lama reden

Wie reagiert die Weltpresse auf diese unerwartete Wende?

Medienpiegel aus n-tv.de:

Freitag, 25. April 2008

Peking offen für Tibet-Fragen

"Gut Wetter machen"

Die chinesische Regierung zeigt sich gesprächsbereit. Schon in den nächsten Tagen will Peking den Dalai Lama zur Unterredung bitten. Das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter hat das Angebot angenommen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, derzeit zu Gast in Peking, bezeichnet die Ankündigung Chinas als bedeutenden Schritt.

"Erleichterung macht sich breit", bemerkt die Neue Ruhr/Neue Rhein-Zeitung in Essen. Denn Peking scheint dem weltweiten Druck nachzugeben und auf die Tibeter zuzugehen. "Dass das überraschende Gesprächsangebot in unmittelbarem zeitlichem Zusammenhang mit dem Besuch einer hochrangigen EU-Delegation in Peking steht, kommt sicher nicht von ungefähr. Beide Seiten sind an guten Beziehungen und guten Geschäften interessiert." Dennoch lehre die Vergangenheit die Europäer, misstrauisch und vorsichtig zu bleiben: "Seit 2002 gab es bereits sechs sogenannte Dialogrunden mit Gesandten des Dalai Lama - ohne Ergebnis." Peking beabsichtige wohl vor allem eines: "gut Wetter machen, die Kritiker besänftigen und Zeit gewinnen."

Aus Sicht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werden sich nun all jene bestätigt fühlen, "die immer wieder versichert haben, China sei doch empfänglich für Druck. Aufrufe zum Olympiaboykott dürften jetzt schnell in sich zusammenfallen", bemerkt das Blatt nicht ohne Zynismus. Auch ausländische Geschäftsleute könnten wieder ungestört ihrer Arbeit nachgehen. "Die chinesische Regierung wiederum darf sich auf schöne olympische Bilder freuen." Doch Olympia währt nicht ewig: "Erst dann wird sich zeigen, ob auch die Tibeter etwas von der neuen Beweglichkeit Chinas haben." Bis dahin sollte dem Regime in Peking "bis zum Beweis des Gegenteils misstraut werden."

Auch die Abendzeitung aus München mahnt zur Vorsicht, wenn auch aus anderen Gründen: "Die Fackel kommt bald in China an - dann wird das Regime dafür sorgen, dass keine Demonstranten in Fernsehbildern auftauchen. Mit dem Gesprächsangebot spielt China klar auf Zeit." Gerade erst sei noch von einer "heftigen Blut-und-Feuer-Schlacht mit der Clique des Dalai Lama" die Rede gewesen. Chinas Dialog-Zusage sei nicht zu trauen, so das Blatt und plädiert "auch ohne Fackel" für eine "neue olympische Bewegung des Protests".

"Dass plötzlich rund um die Welt nur noch von der hässlichen Seite des atemberaubenden chinesischen Aufstiegs vom Dritte-Welt-Bedürftigen zum kraftstrotzenden Global Player die Rede ist, dass gar über Boykott der Spiele nachgedacht wird, war nun wirklich nicht das Ziel der Olympia-Bewerbung", erläutert das Mindener Tageblatt den "Strategieschwenk". Der Dalai Lama werde das Gesprächsangebot "selbstverständlich annehmen" wie bereits in früheren Runden, "die allerdings stets ergebnislos endeten." Man könne sich dem Verdacht nicht erwehren, Peking versuche bloß, "Ruhe im Karton zu haben. Dieses Spielchen sollten weder die Tibeter noch die westliche Öffentlichkeit mitmachen, sondern auf belegbarer Ernsthaftigkeit des Gesprächsangebots bestehen - höflich, diplomatisch, aber bestimmt."

Auch die Kölnische Rundschau will das Gesprächsangebot nicht überbewerten, verweist auf die vergangenen erfolglosen sechs Gesprächsrunden seit 2002 und auf ein wichtiges Detail: "Der Dalai Lama selbst war gestern noch nicht über das Angebot unterrichtet, was tief blicken lässt: Wer erst die Öffentlichkeit informiert und dann erst die Eingeladenen, der will nur einen Propagandaerfolg", so das Blatt. "Während Peking gestern die neue Einladung veröffentlichte, dürfte die perverse 'Umerziehungskampagne' in Tibet weitergegangen sein. Viel wert ist das Gesprächsangebot also nicht."

Der Westfälische Anzeiger aus Hamm mutmaßt über die Gesprächsthemen: "Es kann nur um eine Absicherung von Minderheiten-Rechten und kulturellen Werten für die Tibeter innerhalb Chinas gehen." Schwer zu sagen sei allerdings, "ob die Regierung in Peking, die bisher auf Assimilierung in der Region gesetzt hat, an einer wirklichen Autonomie ein ernsthaftes Interesse hat." Es sehe daher eher so aus, als wolle Peking "vor allem Druck aus dem Kessel der globalen öffentlichen Meinung nehmen." Man müsse außerdem bereits kritisch anzweifeln, "ob das Oberhaupt der Tibeter überhaupt noch der richtige Ansprechpartner ist. Was verbindet ihn noch mit den empörten Massen in Lhasa und anderswo?"

"China will die Olympischen Spiele retten", erklärt die Rhein-Neckar-Zeitung aus Heidelberg, doch mit einer veränderten Tibet-Politik habe das nicht zu tun. Vielmehr sei Peking an einer "lautlosen und dauerhaften Lösung" des Tibet-Problems gelegen und instrumentalisiere den Dalai Lama. Tibet erhalte im günstigsten Fall "mehr kulturelle Autonomie für den Verzicht auf Unabhängigkeit. Ob der Dalai Lama, der nach außen eine ähnliche Position vertritt, ein solches Mandat hat und durchsetzen könnte", hält jedoch auch das Heidelberger Blatt für fraglich.

Der Kölner Stadt-Anzeiger beurteilt das Entgegenkommen optimistisch, "selbst wenn dahinter zunächst nur die Absicht stehen sollte, vor den Olympischen Spielen den weiteren Ansehensverlust zu stoppen." Die Demonstrationen in aller Welt hätten so mehr erreicht, "als sich vermutlich die aufständischen Tibeter jemals erhofft hatten. Jetzt wird sich erweisen, über welchen Einfluss der Dalai Lama in seinem Land noch verfügt."

"Tibet ist für China eine Frage der nationalen Stabilität", schreibt die Badische Zeitung und sieht wenig Übereinstimmung: "Allein schon eine kulturelle Autonomie, wie sie der Dalai Lama fordert, könnte andere Minderheiten auf den Plan rufen. Ein Wegbrechen Tibets, so die Angst in Peking, wäre der Anfang vom Ende des Vielvölkerstaats. Pekings Führer könnten allerdings erkannt haben, dass sie mit ihrer bisherigen Minderheitenpolitik auf eine Katastrophe zusteuern." Das Gebot der Gewaltlosigkeit sei in der jüngeren Generation der Tibeter nicht mehr garantiert. "Einen besseren Verhandlungspartner als den Dalai Lama wird Peking nie bekommen."

Die Frankfurter Rundschau argumentiert ähnlich und sieht den Dalai Lama "als weltlichen Politiker unter dem zunehmenden Druck einer Exilbewegung, die Unabhängigkeit will. Er ist der einzige Partner, den Peking für einen Kompromiss gewinnen und der ihn als spirituelle Autorität vor praktisch allen Tibetern vertreten könnte. Doch ihm läuft die Zeit davon. Ist Chinas Machtelite bereit und in der Lage, im Schein der olympischen Fackel über den eigenen politischen Schatten zu springen? Dann haben Gespräche Sinn. Will sie aber Tibet nach ihrem Bilde modernisieren? Dann wird sie weiteren Widerstand ernten."

Die Berliner Morgenpost sieht es hundert Tage vor Beginn der Olympischen Spiele fast für "zu spät für eine wirkliche Wende in der Atmosphäre. Wohlgesinnte ausländische Beobachter und viele nachdenkliche Chinesen schlagen gedanklich drei Kreuze in der Hoffnung, dass die Spiele wenigstens ungestört verlaufen. Das ist bitter für eine Nation, die so stolz war, als sie die Spiele zugesprochen bekam." Das geplante Gespräch biete vielleicht eine letzte Chance.

Kommentar: Ich hatte gestern Gelegenheit mit einem Delegierten zu reden, der von einer Chinareise zurückkehrte. Nach seinem Dafürhalten ist China auf einen guten Ruf bedacht. Die Chinesen wollen nicht das Gesicht verlieren und der Welt unbedingt eine schöne Feier demonstrieren. Nachdem die Demonstrationen nicht so einfach unter den Teppich gekehrt werden konnten, musste nun Peking über den Schatten springen und alles versuchen, die Situation zu entkrampfen. Trotz grösstem Polizeiaufgebot kam es immer wieder zu Demonstrationen und Bildern, die von der freien Presse gezeigt werden durften und der Medienzensur der Chinesen entzogen werden konnten.

China wird gewiss - trotz der angekündigten Gesprächsbereitschaft - nicht von der internen Medienzensur abrücken. Internet, Radio und Fernsehen, Zeitungen aber auch Handys werden weiterhin überwacht und kontrolliert bleiben. Selbst google wird es nicht fertig bringen, dass die Bürger freien Zugang zu Webseiten haben können, zu Informationen, die Peking nicht genehm sind. Das ist für mich das Erstaunlichste: Dass es 2008 immer noch möglich ist, Millionen von Menschen den Informationsfreiheit zu filtern.

Donnerstag, 24. April 2008

Aus Blick-online:

Doch keine echte SVP Bundesrätin?

Sonntagaz.ch:

Aus Blick-online:

Eveline Widmer-Schlumpf begründete heute das Nein des Bundesrats zur Einbürgerungsinitiative der SVP. Und wurde persönlich: Für sie sei es auch ein Nein aus «Überzeugung».

Kommentar: Die klare offene Positionierung der neuen Bundesrätin hat auch eine negative Seite: Die SVP wird gewiss die Aussagen an der Medienkonferenz als weiterern Beweis sehen, dass die aufgezwungene Bundesrätin gegen die eigene Partei politisieren wird und keine echte SVP Frau ist. Wenn Widmer-Schlumpf die Meinung des Bundesrates vertreten hätte, wäre dies nicht so schlimm gewesen. Doch die persönliche eindeutige Anti SVP Verlautbarung könnte zu einer zusätzlichen Verhärtung der Situation führen.

Wenn zwei sich verbeissen, könnte der Dritte profitieren

Hillary und Obama gehen bis ans bittere Ende

Im Netz gelesen (Spiegel online):

Die Demokraten müssen hilflos ansehen, wie ihren Hoffnungsträgern schon bei den Vorwahlen widerfährt, was sonst erst im Wahlkampf mit den Republikanern drohte -

die Verzerrung verdienter Politiker zu Karikaturen ihrer selbst.

Das widerfuhr Vizepräsident Al Gore, den der Gegner im Jahr 2000 als Übertreiber und Besserwisser hinstellte. Das widerfuhr Kriegsheld John Kerry vor vier Jahren, als er plötzlich als Windsurfer ohne feste Überzeugungen dastand.

In den vergangenen Wochen hat sich die Yale-Absolventin und Multimillionärin Clinton in die volkstümliche Version einer eisernen Kanzlerin verwandelt. Sie ist medial zu einer Frau geworden, die Whiskeys runterkippt, ständig die Ärmel hochkrempeln will - und notfalls noch um drei Uhr morgens bereit zu sein scheint, den frechen Iran komplett auszulöschen.

In einem 30-sekündigen Last-Minute-Wahlkampfspot (siehe Video) vereint Clinton Dutzende Bilder des Grauens und des Leids zu einer visuellen Collage der Angst. Unter anderem thematisiert der Werbefilm den Börsencrash 1929, den Angriff auf Pearl Harbor 1941, die Kuba-Krise 1962, die Ölkrise der siebziger Jahre, Hurrikan Katrina und den Terroristenführer Osama Bin Laden. Clinton hat dieses Image selbst gewählt, weil es ihr zu helfen scheint im Kampf gegen Obama. Doch weil es nicht wirklich zu ihr passt, würde es ihr im Wahlkampf gegen McCain nachhängen.

"Ich würde besser bowlen als Obama"

Obama wiederum ist unfreiwillig in die Rolle des Intellektuellen gerutscht, der vom Glück verwöhnt und latent arrogant ist. Sechs Wochen spielte er in Pennsylvania brav Bowling mit Wählern, trank Bier in Sportbars, besuchte Bauernhöfe. Doch immer wirkte er wie ein Tourist auf Abenteuerurlaub. Seine Bemerkungen über angeblich verbitterte einfache Wähler, die sich aus Frustration an Religion und Waffen klammerten, verstärkten diesen Eindruck.

Wird Obama der demokratische Kandidat, könnten viele US-Wähler mit ihm als allererstes die Szene verbinden, in der er eine Bowlingkugel in die Rinne wirft. "Ich würde besser bowlen", lästert McCain schon.

Der Kandidat der Republikaner (der Dritte im Bund) hält in diesen Tagen staatstragende Reden: zur Wirtschaftspolitik, zur Bildung, zur Außenpolitik. Seine beiden demokratischen Herausforderer sprechen derweil Grußworte bei einem Wrestling-Wettbewerb.

Im Fernsehen waren Schauspieler zu sehen, verkleidet als Clinton und Obama. Sie schleuderten sich kreischend durch den Wrestling-Ring.

Es gibt in US-Wahlkämpfen noch Schlimmeres, als vom Wähler nicht gemocht zu werden: vom Wähler nicht ernst genommen zu werden.

Uebung macht den Meister

Ohne Training - ohne Ueben kein Erfolg. Obwohl sich zeigt, dass der Spass und die Freude am Tun, am Lernen auch wichtig ist, genügt der Spass am Tun allein nicht. Die Anwendung, das Ueben ist ein Muss! Training, Drill, repetitives Ueben war leider in den letzten Jahren verpönt. Doch stellen wir heute ein Umdenken fest. Gelerntes muss durch Uebung gefestigt werden. Das weiss jeder Sportler, jeder Musiker, auch jeder Künstler. Wenn bei Ausbildungsmodulen das Gelernte nicht vertiefen und festigen, entsteht ein Defizit. Wer glaubt, dass Gelerntes, dass Wissen oder theoretische Kenntnisse im Schlaf gefestigt und wir auf das Ueben verzichten könnten ( weil es angeblich mühsam und langweilig ist), der unterliegt einem Denkfehler. Wenngleich viele Lehrer aber auch unsere Gesellschaft die Kreativität und Originalität meist höher gewichtet als das Ueben: Es geht nicht Repetition und Nachahmung. So lange Lustgewinn mehr gewertet wird als Anstrengung, so lange belibt das Ueben in der Bildungslandschaft "out".

Selbst in der Berufsausbildung und in höheren Schulen, in denen die Studierenden selber über Problemen brüten, werden Uebungen oft ersetzt durch Tutoren, welche die Lösungen den Lernenden pfannenfertig präsentieren. Uebungen an hochschuldidaktischen Zentren sind selten geworden. Es geht gewissen Didaktikern vor allem darum, Lehrinhalte interessanter - mit noch attraktiveren Unterrichtstechniken zu vermitteln. Dabei wird verkannt, dass sich Vieles passiv nicht lernt.

Zwischen Wissen und Tun ist ein himmelweiter Unterschied!

Das Ueben, das Tun, ist zum Beherrschen einer Materie unabdingbar. Jeder merkt im Alltag, dass die eigene Fitness beim Konditionstraining nicht durch blosses Zusehen verbessert werden kann. Das gilt bei allen Lernprozessen.

Es stimmt nicht, dass die Abneigung gegen das Ueben angeboren ist. Ich habe bei meinen eigenen Kindern gesehen, wie sie das gleiche Puzzle unzählige Male zusammengesetzt haben und dabei merken, das es dank der Wiederholung immer leichter ging. Das selbe galt beim "Turm- bauen". Weshalb geht im Laufe der Ausbildungszeit den Schülern der angeborene Wille verloren, immer wieder von Neuem zu beginnen, Lernprozesse zu wiederholen und den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen?

Möglicherweise deshalb, weil mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad das Ueben den Spielcharakter verliert. Bei Musikern oder Hochleistungssportlern sehen wir, dass Ueben nicht mehr nur Spiel, sondern eher harter Drill wird. Für sie ist Training ein MUSS ist und kann nicht immer nur mit Spass verbunden werden .

Dass ein Student nicht nach Drill lechzt, ist nachvollziehbar.

Leider werden bei Lehr Evaluationen die eigentliche Festigung und Beherrschung des Stoffes weniger gewertet, als der Einsatz möglichst vieler Lehrformen.

Damit will ich nicht meinen, dass man den sinnlosen Drill früherer Jahr herbeireden muss (Hundert Mal den gleichen Satz zu schreiben).

Doch dürfen wir wieder den Mut aufbringen, die reine Erlebnisschule in Frage zu stellen. Studierende sollten sich wieder bewusst werden, dass eine Disziplin (Fach) nur durch Disziplin (Uebung) erlernt und gefestigt werden muss.

In meiner Lehrtätigkeit am Universiätslehrhgang für Projektmanagement (MASTER Lehrgang) nutzen wir dank der Bologna Reform die Chance zu einer professionellen aktiven Vertiefung des Stoffes mit Uebungsphasen.

Im Modul Oeffentlichkeitsarbeit werden bei uns die theoretischen Kenntnisse in praxisonrientierten modulen (Mediensimualationsräumen) trainiert und zwar im Print-, Radio-, und TV bereich. Unsere Aufgabe als Lehrende ist es, den Master - Titel nicht nur auf dem Papier zu ermöglichen , sondern zu verlangen, dass die Studierenden den Stoff - eben - "meistern".

Studierende sind nicht abgeneigt, zu üben, wenn ihnen ermöglicht wird, beim Ueben auch ungestraft scheitern zu dürfen.

Nochmals: Nur Uebung macht den Meister. Ein Arzt sagte mir, er würde eine Operation nur von einem Arzt ausführen zu lassen, der immer wieder die selbe Operation mache. Sicher nicht von einem Chirurgen, der die Operation zweimal am Video angeschaut hat.

Nachtrag: Ich habe festgestellt, dass viele Ausbildende deshalb den widerstandslosen Weg bevorzugen -und Uebungselemente ausklammern - weil das Training nicht zu positiven Rückmeldungen führen. Die Feedbackblätter sind leider zu oft so gestaltet, dass die Lehrenden den Unterricht in erster Linie nach dem Lustprinzip beurteilen:

Hat mir der Unterricht gefallen?

War er unterhaltsam? Abwechslungsreich?

Ich kenne verschiedene Lehrbeauftragte, die alle unangenehmen Uebungselemente nur deshalb gestrichen hatten, weil sich die unangenehmen Uebungselemente in den Beurteilungsblättern nicht auszahlte .

Wer nämlich hartes Training fordert, ist meist - vor allem in den ersten Beurteilungen - weniger beliebt, als jener Showman, bei dem man zurücklehnen und den Stoff nur konsumieren kann.

Fazit: Nur wer übt, wird letztlich ein Meister!

Fackellauf - eine leide Endlosgeschichte

Fortsetzungsgeschichte Nr. X

Aus heute online:

Kampf um die Fackel
Kampf um die Fackel

Aus Spiegel online:

TIBET- KONFLIKT

Proteste und Festnahmen bei Fackellauf in Australien

Geschützt von einem Großaufgebot der Polizei haben Sportler die olympische Fackel durchs Australiens Hauptstadt Canberra getragen. China mobilisierte als Gegengewicht zu Tibet-Sympathisanten tausende chinesische Studenten. Nach Protestaktionen und Rangeleien gab es mehrere Festnahmen.

Kommentar: Obschon die Chinesen mit organisierten Gegendemonstrationen und enormem Polizeiaufgebot der Weltpresse vorgaukeln möchte, der Fackellauf wickle sich in geordneten Bahnen ab und die Bevölkerung ärgere sich über die tibetanischen Terroristen , so gelingt es Peking nicht, die Fotografen im Westen zu zensieren.

20 Min-online:

Wüste Szenen beim Fackellauf in Australien

Proteste von Tibet-Aktivisten und prochinesische Gegendemonstrationen haben den Olympischen Fackellauf in Australien begleitet. Rund 80 Sportler trugen das symbolträchtige Feuer durch die Strassen der Hauptstadt Canberra. Bei Zwischenfällen wurden sieben Personen festgenommen.

Mittwoch, 23. April 2008

Fertig mit "ospeln"

Ospel war König der Abzocker. Dies führte dazu, dass man von einer Person, die unverdientermassen riesige Summen absahnte - auch für schlechte Arbeit oder anlässlich eines Abganges mit einem goldenen Fallschirm belohnt wurde, sagte, diese Person "osple". "Ospeln" wurde mit dem Verb"absahnen, abzocken" gleichgesetzt. In der St. Jakobshalle konnte nun die Oeffentlichkeit das bittere Finale des ehrgeizigen UBS Chefs erleben, der 40 Milliarden in den Sand gesetzt hatte.

Ospel konnte sich nicht mehr gegen seine Aechtung wehren. An der letzen UBS- Generalversammlung konnte man das bittere Ende des einst so glorreichen Aufsteigers mitverfolgen.

- Somit ist fertig "geospelt " bei der UBS

Ospel arbeitete sich als Sohn eines Zuckerbäckers im Arbeiterviertel von Kleinbasel auf. Gezielt schaffte er es, sich an die Spitze einer der grössten Banken hochzuarbeiten. Konkurrenten schaffte er sich laufend geschickt vom Hals.

Er hatte einige Tiefs zu überwinden:

- Am 8. Dez stieg er nach der Fusion um Konzernchef der UBS auf. Er musste damals von Bodyguards bewacht werde. Die Wut fokussierte sich auf Ospel, weil der Abbau von 13000 Stellen angedroht wurde

- 2001 wurde Marcel Ospel als "Bin Ospel" beschimpft, weil er zum Schuldigen der Bankrotten Swissair gemacht wurde.

- 2006 gab es eine Welle der Empörung wegen seines Salairs von 24 Millionen Franken. Ospel mutierte zum König der Abzocker!

Alle Widerlichkeiten überstand der ehrgeizige Banker. Auch jene Probleme mit seinen Ehefrauen. Eiskalt konnte er die härteste Kritik an sich abperlen lassen. Er zeichnet sich durch eine aussergewöhnlich gute Beherrschung emotionaler Stimmungen aus. Er suchte keine Medienauftritte (war nicht meidengeil), wenn er antworten musste, verstand er es immer, Mängel zu beschönigen oder geschickt auszuweichen.

Erst in den letzten Tagen traten Signale der Unsicherheit auf. An der GV vom 23. April in Basel zeigte er erstmals Selbstkritik. Er zeigte sich zerknirscht und gab sogar Fehler zu. Er sagte zwar nicht: ICH habe Fehler gemacht, sondern: WIR haben Fehler gemacht. Ueber seine Abgangsentschädigung hüllte er sich nah wie vor in Schweigen (Obschon er der GV darnach gefragt wurde).

Kommentar: Ich habe Marcel Ospel seit Jahren in verschiedenen Beiträgen analysiert und hatte lange das Gefühl, dass er ein Könner im Einstecken ist und sich gekonnt (auch mit fragwürdigen Mitteln) gegen alle Gegner durchzusetzen verstand. In Basel erlebten wir ein bitteres Finale, mit einem verbitterten Menschen, der mum auch nonverbal die Enttäuschung nicht mehr so perfekt überspielen konnte.

Rhetorisch geschickt nutzte Ospel in seiner Schlussrede das Alinghisbild für sein Verhalten (UBS war Sponsor):

- Es ist nicht meine Art gewesen, im Sturm die Segel zu streichen.

- Wir sind nicht vom Kurs abgekommen

- Die UBS bleibt hart am Wind

Die Behauptung Ospels, dass er nun das Schiff - wie angekündigt - verlasse, war hingegen eine Beschönigung und leider eine krasse Verzerrung der Tatsachen.

Auch seinem Nachfolger gab Ospel ein nachhaltiges Bild mit, das schon für ihn gegolten hatte:

Wer den kalten Wind nicht aushält, hat auf dem Gipfel nichts zu suchen.

Marcel Ospel war lange auf dem Gipfel. Ihm wehte sehr oft ein kalter Wind (Sturm?) um die Ohren.

Ich bin überzeugt, dass der millionenschwere Marcel Ospel heute auf Vieles verzichten würde, wenn er damit den eigenen Ruf, die persönliche "Marke", die Reputation, das Ansehen aufpolieren könnte.

Zitat 20 min-online:

An der Generalversammlung der UBS ist die «Chropfleerete» im Gang. Zahlreiche Aktionäre äusserten teils herbe Kritik an der Spitze der Grossbank. Es gab jedoch auch kuriose Einlagen. Derweil befindet sich die UBS-Aktie an der Börse auf Talfahrt.

Kleinaktionär Rudolf Weber überreichte Marcel Ospel einen Kranz Würste - der gab den Senf dazu. (Bild: Keystone)

Ospel punktet mit Schlagfertigkeit (Einem Basler Fasnächtler fiel dies nicht schwer):

Als Rudolf Weber dem scheidenden UBS- Chef Marcel Ospel an der UBS-Generalversammlung in Basel eine ganze Wurstkette überreicht wurde, war klar, was der Aktionär damit ausdrücken wollte: Wer 40 Milliarden in den Sand setzt, ist eine Wurst.

Doch Ospel parierte die Kritik an seiner Arbeit auf humorvolle Weise:

Ospel zückte eine Tube Senf hervor und meinte gegenüber Weber: «Sie waren im BLICK, ich habe darum den Senf dazu mitgebracht.»

Illustration TAGI- online:

ospel

Ospel gab schlagfertig seinen Senf dazu