Freitag, 15. September 2006

Silvia Blocher verschuldete das Eigentor _________________________________________________________________ Der Karikaturenstreit, den "Beraterin" Silvia heraufbeschworen hatte, wurde zum Eigentor. Dass Christoph Blocher sonst Verständnis zeigt für Humor und Karikaturen ist hinlänglich bekannt. Christoph Blocher nahm am Montagabend im welschen Fernsehen TSR an der Sendung «Infrarouge» teil und debattierte dort über das Asyl- und Ausländergesetz. Bei dieser Sendung, die aufgezeichnet und einen Tag später gesendet wurde, zeichnete der bekannte Karikaturist Mix&Remix die Diskussionsteilnehmer, was er immer tut. __________________________________________________________________ Christoph Blocher kannte die Sendung ___________________________________________________________________ Blocher nahm bereits zum dritten Mal an dieser «Arena»-ähnlichen TV-Debatte teil, wie Westschweizer Medien berichten. Die Karikaturen hätten ihm zuvor bestens gefallen: Einmal kaufte er Philippe Becquelin, so heisst Mix&Remix mit richtigem Namen – sogar ein Bild ab. Am Montagabend nach der Aufzeichnung kam es zu einer grotesken Szene. Gattin Silvia Blocher störte sich an den Zeichnungen. Und brachte ihren Ehemann auf den Plan: Auf Drängen der "Beraterin" sollte die Ausstrahlung der Sendung gestern Abend verhindernt werden. Silvia Blocher behauptete, man habe nicht gewusst, dass während der Sendung Karikaturen gezeichnet werden. Sogar der Departementssprecher Livio Zanolari musste sich (Im Auftrage von...?) äussern: Die Karikaturen suggerierten, dass Christoph Blocher fremdenfeindlich sei. Das sei nicht korrekt, liess er verlauten. Das welsche Fernsehen hielt sich verständlicherweise nicht an die Weisungen des Bundesrates und strahlte «Infrarouge» wie aufgezeichnet aus. Wir finden dies richtig. Denn die Blochers haben die Modaliäten der Sendung bestens gekannt. Dies bestätigte auch TSR-Direktor Gilles Marchand. Auch wenn Silvia Blocher die Sendung nicht gekannt hätte, wäre sie als Beraterin verpflichtet gewesen, sich vorgängig über dieses Sendegefäss ins Bild zu setzen. ___________________________________________________________ FAZIT: SILVIA BLOCHER HAT EINMAL MEHR ALS BERATERIN DES EHEMANNES VERSAGT. SIE HATTE WAEHREND DER SENDUNG DIE NERVEN VERLOREN UND VORSCHNELL REAGIERT. ES WAERE GUT, WENN SICH BERATERIN SILVIA ENDLICH EINMAL SELBST BERATEN LASSEN WUERDE.

Freitag, 8. September 2006

RUNDSCHAU VOM 6. SEPTEMBER (SF) ____________________________________________________________________ Gedankensplitter zu einer Sendung über Kinder, die ein kleines Mädchen vergewaltigt hatten. _________________________________________________________________________ Informationsgehalt: Sehr gering - Wirklich sehr gering. Vor allem wurde einmal mehr der gesellschaftliche Kontext in dem Filmbeitrag vor der Sendung ausgeblendet. Es ist wirklich schade, dass die vielen Studien, die beispielsweise zur Vergewaltigungpolitik in Jugoslawien offenbar in der schweizerischen Therapieform und in der politischen Diskussion noch nicht rezipiert wurden. Im Krieg geht es darum, die Zivilisation des Feindes via den Frauenkörper zu schänden und zu vernichten. Der Männerkörper steht als Zeichen immer viel eher als Subjekt und als Verkörperung des Staates als als Objekt und als Verkörperung der Kultur, die mit dem Frauenkörper unterworfen wird. Vergewaltigung hat also mit Macht und nicht mit Sexualität zu tun. Vergewaltigt werden Frauen vor allem in Gesellschaften in stark patriarchalem Kontext - vergleichen Sie mal die Länderstatistiken! Je gleichgestellter die Frauen umso weniger Vergewaltigungen - das sagt hierzulande auch niemand. Frauen gelten in allen stark religiösen Gemeinschaften als minderwertig. Das ist im Katholizismus so, das ist im muslimischen Hintergrund ausserordentlich stark. Sonst müssten bei Vergewaltigungsfällen in Pakistan nicht zwei Männer Zeugen sein, um überhaupt eine Vergewaltigung zu Gericht bringen zu können. Und in den meisten Fällen werden eher die Frauen dann wegen Ehebruch verurteilt und gesteinigt als dass die Folterer und Vergewaltiger irgendeine Strafe kriegen. Männergesellschaften proklamieren Gewalt an Frauen als ihr "natürliches" Vorrecht. Zudem war die Pornographiedebatte viel zu oberflächlich, wobei der Polizist äusserst präzise war. Und einmal mehr wurde klar, dass die Polizei von den Sozialwissenschaftlern immer wieder alleingelassen wird. Die Polizei stellt fest, dass die Pornographisierung des Alltags, die übrigens auch im öffentlichen Raum und nicht nur im Internet stattfindet, zu mehr Gewalt führt und alle Studien (die mit kleinen Samplen arbeiten) verneinen einen derartigen Zusammenhang. Wiederum sollte hier die Macht von Werbung, Fernsehen und organisierter Kriminalität diskutiert werden. Nebenbemerkung: Es ist vielleicht einmal Zeit, genauer hinzuschauen. Wenn in Black'nBlond eine Frau in einem Sadomaso-Klub zum Rollschinkli (Originalton von Rohr) verpackt werden darf und Roman Kilchsperger sich schämt, dass er sich nicht getraute zuzuschlagen, obwohl die Frau dies doch wollte und dafür bezahlt wurde, wenn um Ostern in derselben Sendung ein Mädchen mit Stringtanga bekleidet zum Osterhäschen umgemalt wird und niemand, aber auch niemand, keine Gleichstellungsstelle, keine Frauenorganisation, keine Kinderschutzorganisation reklamiert, dann ist die akzeptierte Pornographie wohl schon weit gediehen! Black'n Blond wurde nun zwar eingestellt. Wegen zu geringen Einschaltquoten. Aufklärungsaspekt der Sendung: Nichts Neues. Für die Zuschauer war alles bekannt. Berichterstattung: Ziel und Zweck der Sendung wurde nicht transparent gemacht. . Es ist schon seltsam, dass in unserer Gesellschaft offenbar keine Regeln mehr gelten. Die Jungs haben ein Verbrechen begangen. Sie müssen bestraft werden. Sie müssen sich auch entschuldigen. Sie sollten büssen, in ganz klassischen Sinne. Selbstverständlich gehört die Therapie dazu. Aber zuerst die Strafe, die Entschuldigung und eine Form der Busse. Denn, wo leben wir denn? In dieser Logik hätte kein einziger Hitlerjunge bestraft werden können. Sondern er hätte sich einer Therapie für seine schrecklichen Taten unterziehen müssen. Das vergewaltigte Mädchen muss Gerechtigkeit spüren. Wir alle müssen das. Ansonsten ist gilt offenbar nur noch der Nihilismus, die völligen Indifferenz gegenüber Normen und Regeln. Dabei sind besonders Kinder sehr auf Gerechtigkeit sensibilisiert. Eben: Es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen. Gründe der Taten? (Sie wurden zwar vermutet, lediglich aufgezählt). Es fehlten wissenschaftliche Erkenntnisse über: Einfluss des familiären Umfelder? Einfluss TV, Internet? Es fehlen auch Antworten auf die wichtigste Fragen für Eltern und Erzieher: Wie verhalten? Was tun? Verbote? Therapien? Konkrete Vorschläge? Der Problematik der kriminellen Handlungen von Kindern wurde ausgewichen. Die Sendung brachte aus meiner Sicht der Bevölkerung zu wenig. Weshalb dann der Beitrag? _________________________________________________________________ Eine Sendung zur Thematik hätte sich gelohnt, wenn mit grossem Engagement die Urteilskraft geübt worden wäre. Die Mutter war aber sehr beeindruckend. Und ihr Wunsch, die Kommunikation in Gang zu bringen war wichtig. Aber die Mutter zu fragen, was sie von den Tätern halte, war hart und zwangt sie in eine Situation, eine gewisse Empathie mit den Tätern zu empfinden, obschon sie die Wut brauchte, um ihre Tochter zu schützen. Vergessen wir nicht: Wichtig ist auch in diesem Fall das Wohlergehen der vergewaltigten Tochter und nicht jenes der Täter. Woher dieser undifferenzierte Drang stammt, die Täter immer wieder entschuldigen zu wollen und ihnen die menschliche Verantwortung und Entscheidungsfreiheit abzusprechen, ist mir ein Rätsel. Und 10jährige und 13jährige sind alles andere als naiv. Gerade in der heutigen Zeit. Wer mit Kindern arbeitet, weiss das. > >

Mittwoch, 30. August 2006

Wie lange wird "Black n'Blond noch durchgefüttert? _________________________________________________________ Seit 2005 beobachteten und analysierten wir das Sendegefäss "Black 'n Blond". SIEHE LINKS www.rhetorik.ch/Aktuell/05/09_01.html - www.rhetorik.ch/Aktuell/05/10_31.html www.rhetorik.ch/Aktuell/05/12_04.html www.rhetorik.ch/Aktuell/06/03_09.html Die Analysen und Beurteilungen von Experten und vom Publikum waren vernichtend. Dennoch wurde die Sendung nicht abgesetzt. ______________________________________________________________ Weshalb wurden laufend beide Augen zugedrückt? ________________________________________________________________ Wir hatten schon vor Monaten nicht verstanden, dass sich das Schweizer Fernsehen trotz schlechter Qualität und trotz mangelnder Akzeptanz einfach nicht von der Flopshow "Black n'Blond" trennen wollte. Von einem Kenner der Unterhaltungsbranche wurde uns zugetragen, das Fernsehen habe sehr wahrscheinlich bei "Balckn'Blond" einen längeren Vertrag abgeschlossen, der eine rasche Trennung verunmögliche. Deshalb das dauernde Zuwarten (Eine Trennung wäre sonst mit Kosten verbunden gewesen). Für uns war dies zuerst lediglich eine Vermutung. Nach dem überlangen Zuwarten mussten wir annehmen, dass diese Vermutung einen wahren Kern getroffen haben muss . Die Unterhaltungschefin sprach immer wieder von Verbesserungen. Doch sie sind nie eingetroffen. Die Moderatoren hatten gar kein Gehör für die Kritik. Wir zitieren "20 Min" vom 30 Aug.: _______________________________________________________________ «Black’n’Blond» vor Aus? SF gibt erstmals Fehler zu ___________________________________________________________________ Am Montag kam die SF-Late-Night-Show «Black’n’Blond» aus der Sommerpause zurück – und alles blieb beim Alten: Roman Kilchsperger und Chris von Rohr zelebrieren auf peinliche Art und Weise die ungepflegte Langeweile. «Wir haben uns drei Monate lang überlegt, was wir an der Show verbessern könnten. Dann haben wir herausgefunden: Nichts!» lässt Roman Kilchsperger während der Show verlauten. So kommt das SF-Sorgenkind auch daher - mit den immergleichen, blassen Sex-Witzchen, einer augenfälligen Konzeptlosigkeit und kaum vorhandener Spannung. In den drei Monaten Retraite hat sich nichts geändert! Soweit die Gratiszeitung "20 Minuten" _______________________________________________________________ Es ist erstaunlich dass das Hause Leutschenbach erst heute erstmals eingesteht, dass man mit der Sendung nicht zufrieden ist. Pressesprecher Urs Durrer : «Wir sind mit der Sendung nicht ganz zufrieden. Die Optimierungen der Sommerpause kamen nicht wie gewünscht zur Geltung.» Wir haben seit Monaten gesehen, dass nichts verbessert worden ist. Die beiden Moderatoren werden erst jetzt konkret kritisiert, obschon die Mängel längste bekannt sind: «In der ersten Hälfte stimmte oft das Timing nicht, und mit der Umsetzung der Pointen sind wir nicht zufrieden», fand Durrer zum Duo Kilchsperger/von Rohr. Die Zuschauer haben «Black’n’Blond» schon längst abgeschrieben. Am Montag sahen sich "nach 20 Min" nur noch schlappe 71 000 Fans die Sendung an, was einem Marktanteil von 9,3 Prozent entspricht. Die Umfrage auf der 20-Minuten-Homepage veranschaulicht: Über 85 Prozent der B’n’B-Zuschauer äussern sich negativ über die Sendung.Dies wäre nun Grund genug für eine Absetzung der teuren Eigenproduktion? Die Vermutung, dass dem Schweizer Fernsehen die Hände gebunden sind, wird durch das erneute Versprechen des Pressesprechers erhärtet: ____________________________________________________________ «‹Black’n’Blond› wird bis Ende Jahr weiterlaufen. Danach wird entschieden, wie es weitergeht.» _____________________________________________________________ Diese Formulierung ist nicht neu. Nun soll wiederum der Entscheid hinausgeschoben werden. FUER UNS VOELLIG UNVERSTAENDLICH! WIR FRAGEN UNS: _________________________________________________________________ Wie lange kann sich dieses Karussell so weiterdrehen? "Flop - Chance geben- überprüfen - nochmals weiterlaufen lassen - Sachlage wieder prüfen - erneut Chance geben um dann nach einem weitern halben Jahr beginnt das Ganze wieder von vorn...." ___________________________________________________________________ Bei dieser "Endlosschlaufe" kann etwas bei den Entscheidungsträgern nicht stimmen. Gewiss hat etwas dagegen, wenn man nach einem Flop die Gelegenheit gibt, Mängel zu verbessern. Doch kann etwas nicht stimmen, wenn man laufend beide Augen zurückt. __________________________________________________________________ NACHTRAG: NACHTRAEGLICH DOCH NOCH ABGESETZT! __________________________________________________________________ Als ob das Schweizer Fernsehen gemerkt hat, dass die Aussage des Pressesprechers von der Oeffentlichkeit nicht nachvollzogen werden kann, wurde später doch noch die Notbremse gezogen und es wurde den Medien nachträglich bekanntgegeben, dass die Flopshow ab sofort abgesetzt werden soll. __________________________________________________________________ Diese späte - zu späte- Einsicht zeigt immerhin, dass das Schweizer Fernsehen im Bereich Unterhaltung nicht völlig entscheidungsunfähig ist.

Sonntag, 27. August 2006

Wie Udo Jürgens als Medienprofi die Presse kritisiert ____________________________________________________ Er suchte das direkte Gespäch mit den Journalisten! Persönlich sprach er am 22. August bei der Redaktion des Sonntagsblicks vor. Wir haben stets festgestellt: Direkte Gespräche bringen viel mehr als rechtliche Schritte, Drohungen oder Leserbriefe. Udo Jürgens beschrieb vor den Redaktoren, wie er von der Boulvard- Journaille "oft arg durchgewalkt worden" ist. Insgesamt aber den Medien dankbar sei. Jürgens: "Insgesamt bin ich den Medien dankbar, denn wir leben ganz voneinander!" Diese Aussage verdeutlicht die Professionalität des Musikers. Er war von der Redaktion als Blattkritiker eingeladen, doch machte er deutlich: Wir beide brauchen einander. Offen, frisch und frei trug Jürgens seine Kritik vor. Weil er die Fakten sachlich beschrieb und mit seinem ehrlichen Lob nicht geizte, hörten ihm die Journalisten auch zu und nahmen die Kritik sicherlich ernst. Wir sehen einmal mehr: Kritisieren ist einfach, richtig kritisieren hingegen ist eine Kunst, die erlernt werden muss.

Samstag, 26. August 2006

ZUR KOMMUNIKATIONSKULTUR (STREITKULTUR?) IM BUNDESRAT __________________________________________________________________ Leuthard kritisiert Bundesrat _____________________________________________________________________ Doris Leuthard hat (gemäss Tagesanzeiger-online vom 26.8.06) in ihrem ersten Interview seit Amtsanstritt als Bundesrat einen früheren Beschluss der Landesregierung kritisiert. Das geplante Wachstum der Ausgaben für Bildung, Forschung und Innovation genüge nicht, liess sie verlauten. Wir fragen uns: Ist es geschickt, wenn eine neue Bundesrätin nach wenigen Tagen die Kollegen öffentlich kritisiert? Auch Calmy-Rey im Schussfeld der Kritik _________________________________________________________________________ Nachdem Bundesrätin Micheline Calmy-Rey in ihrer Bundesratsrede gegen den Gesamtbundesrat Stellung genommen hatte, geriet sie erneut ins Schussfeld der Kritik. Am 3. August 2006 war in Swiss Info zu lesen: Neutralitäts-Debatte erhitzt die Gemüter. _______________________________________________________________________ Im Juli hatte Aussenministerin Calmy-Rey die israelische Intervention in Libanon als übertrieben bezeichnet. Calmy Rey fordert eine einflussreichere Aussenpolitik * Die Schweiz müsse ihren Einfluss auf die Welt steigern Micheline Calmy-Rey übte zudem harsche Kritik an Israel Die Idee einer Schweizer Kandidatur für einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat und der Vorschlag, Schweizer Soldaten nach Libanon zu entsenden, führte zu einer harten Debatte über die Neutralität der Schweiz. Kommentatoren bezichtigten die sozialdemokratische Aussenministerin Micheline Calmy-Rey des "Aktivismus". "Mischt Euch nicht in fremde Händel!" Dies ist der Rat, den der heilige Niklaus von Flüe (1417-1487) den Eidgenossen 1481 gegeben habe, war von rechter Seite zu hören. Die aktuelle Vision der Neutralität von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey will jedoch von dieser Version nichts wissen.. Die Anhängerin einer "aktiven Aussenpolitik" hat in wenigen Wochen die israelische Intervention in Libanon kritisiert, die Möglichkeit einer Entsendung von Schweizer Soldaten ins Krisengebiet erwähnt und die Idee einer Kandidatur der Schweiz für einen Sitz im UNO-Sicherheitsrat lanciert. Diese Beispiele sind nur einige in einer langen Serie von Vorschlägen, die nicht gut ankamen. Seit ihrer Wahl in den Bundesrat 2002 hat die Genfer Sozialdemokratin, die dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) vorsteht, ihre diplomatischen Initiativen vervielfacht: Die Genfer Initiative für den israelisch-palästinensischen Konflikt, der Menschenrechts-Rat, der rote Kristall oder die Unabhängigkeit des Kosovo. Die Schweizer Aussenpolitik, zeichnete sich während Jahrzehnten durch eine extreme Reserviertheit aus. Wie wurde unter Calmy-Rey den letzten Jahren ambitionierter. Die Aussenministerin hat ihre Intentionen nie versteckt. "Die öffentliche Diplomatie bedeutet, die übliche Diskretion, die um die Diskussion oder die Verhandlung von Abkommen oder internationalen Verträgen zwischen Regierungen herrscht, durch eine offene Kommunikation unserer Position zu ersetzen, als Mittel des Drucks in den Verhandlungen", hatte sie bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach 100 Tagen im Amt erklärt. Die Stiländerung der Aussenministerin entspricht gewiss nicht dem Führungsstil des Gesamtbundesrates. Die Aussenministerin scheint Alleingänge zu lieben. Zur Streitkultur des Bundesrates ________________________________________________________________________ Es könnten noch weiter Beispiele aufgeführt werden, die belegen, dass der heutige Bundesrat keine einheitliche Kommmunikationskultur hat. Meinungsverschiedenheiten wurden zu oft in der Oeffentlichkeit ausgetragen (Blocher - Couchepin oder Leuenberger - Blocher). Die Landesregierung scheint die Regeln des internen Streitens nicht zu kennen. Wir finden es übrigens auch nicht klug, wenn eine Ex- Bundesrätin gegen die heutige Exekutive öffentlich auftritt, so wie es Ruth Dreifuss derzeit im Abstimmungskampf demonstriert. Selbstverständlich dürfte sie dies als normale Bürgerin tun. Aber als EX- Bundesrat gegen den neuen Bundesrat die Klingen zu kreuzen ist gewiss ungeschickt. Fazit: Es fehlt an Spielregeln, die eine interne Streitkultur zulässt, aber keine Auseinandersetzung in der Oeffentlichkeit zulässt. Es fehlt bei der Landesregierung gleichsam eine Teamkommunikationskultur, die auch nach dem Rücktritt eines Bundesrates spielen sollte. Falls sich künftig ein Mitglied des Bundesrates wiederum nicht an die internen Spielregeln halten sollte, könnte den "Sündern" die gelbe und im Wiederholungsfall sogar die rote Karte gezückt werden.

Zu Polo Hofers Informationspolitik _______________________________ "Offensichtlich fühlen sich viele Leute berufen, sich zu Polos persönlichem Sprachrohr zu machen", sagte Polo Hofer und ergänzte: "Es gibt nach wie vor nur eine Informationsquelle, nämlich wir" (Alice Bärtschi und Polo Hofer). Nach dem plötzlichen Spitalaufenthalt ist jedoch diese Informationsquelle seit Tagen versiegt. Verständlicherweise beschafften sich die Medien die Informationen selbst, wenn bei interessanten Vorkommnissen geschwiegen wird. So gab Matthias Mast (ein langjähriger Jassfreund von Polo Hofer) bekannt, dass Polo wegen einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung im Inselspital gepflegt werde. Blick berichtete hierauf am 26. August. Wir zitieren: Das einzige Lebenszeichen von Polo Hofer war eines der unangenehmsten Art: ein Anruf an seinen langjährigen Freund Matthias Mast, in dem er ihm kurzerhand die Freundschaft aufkündigte. Was können wir aus dieser Geschichte lernen? _________________________________________________________ Es ist gewiss richtig, die Information aktiv zu führen, zu koordinieren (selbst in der Hand zu behalten). Wer jedoch glaubt, er könne sich völlig abschotten und als prominente Person die Medien längere Zeit im Ungewissen lassen, muss sich nicht wundern, wenn sich dann Medien die Informationen selbst beschaffen (auch an unerwünschten Orten). Wer sich völlig abschottet, muss damit rechnen, dass dann Informationen unkontrolliert verbreitet werden. Polo Hofers Verzicht auf Informationen wurde zum Eigengoal. Das "Nichtinformieren" schürte zwangsläufig die Gerüchteküche und es kam zu Irritationen. Liegt jetzt Polo Hofer immer noch im Koma? Oder, ist er guter Dinge und amüsiert er sich möglicherweise im Spitalbett? Hat die Krankeit mit seinem Lebenswandel zu tun (Alkohol , Haschkonsum usw.)? Jedenfalls weiss heute niemand, wie es um den prominenten Rocker tatscählich bestellt ist. Will jemand die Informationen in den Händen behalten, muss er auch erklären und begründen können , weshalb er zur Zeit nichts sagen kann. Er muss unter Umständen auch darauf hinweisen, wann die Oeffentlichkeit konkretere Hinweise erwarten kann. Diese Aussagen sind bereits hilfreiche Informationen und haben nichts - aber auch gar nichts - mit der Preisgabe des privaten Bereiches zu tun.

Sonntag, 20. August 2006

Geschickt gekontert _________________________________________________ Vergangene Woche löste Tagesschausprecherin EVA HERMAN eine Riesendiskussion aus. Sie vertrat die Meinung, dass Kind und Karriere nicht zusammenpassen. Sie fand, berufstätige Mütter seien ständig überfordert und ihre Kinder würden nicht selten unter seelischen Schäden leiden. Hierauf wurde Eva Hermann in verschiedensten Medien sehr heftig angegriffen. Im Bild am Sonntag ( 20. August) wurde nun die Buchautorin des Buches "Das Eva- Prinzip" mit einer harten Frage - die kommen musste - konfrontiert: Als Tagesschasprecherin sei sie ja selbst auch eine Karrierefrau und halte mit ihrem neuen Buch andere Frauen vom Job ab (Bei der Frage ging es um die Glaubwürdigkeit der Autorin). __________________________________________________________________ Eva Herman konterte: __________________________________________________________________ Ich tat das, was ich für richtig fand. Das habe ich getan, ehrlich und aufrichtig. Jeder soll tun dürfen, was er will. Ich versuche in meinem Buch lediglich zu zeigen, wie schnell man sich im Namen der Emanzipation von seinen eigentlichen Bedürfnissen und Sehnsüchten entfernen kann. Ich staune über jene selbstgerechten Damen, die mit zusammengebissenen Zähnen behaupten, ihr Lebensweg sei der einzig richtige. Dies obwohl die Bilanz traurig ist. Die Emanzipation hat für viele Frauen einen hohen Preis. Ich selber habe erfahren, wei man mit der Entscheidung für die Karriere abhängig wird von der Wahnehmung anderer. ___________________________________________________________________ Kommentar: Eva Hermans verstand es mit ihrer Antwort, die Glaubwürdigkeit der provokativen These zu stärken, indem sie betont: Ich habe aus meinen Fehlern gelernt. Dadurch, dass Herman jeder Frau das Recht zugesteht, ihren eigenen Weg einzuschlagen, den sie für richtig hält, steht sie nicht als Sektiererin - gegen die Emanzipation der Frau - da. Sie kehrt den Spiess geschickt um und greift nun jene Kritikerinnen und militanten "Emanzen" an, die alle Hausfrauen abgewertet hatten und ausschliesslich den Karriereweg - als den einzig seligmachenden Weg - gepredigt hatten. Was Eva Hermann in ihrer Argumentation zuwenig vertieft hatte, ist die These , dass der Staat von den NUR- Hausfrauen im Grunde genommen enorm viel profitiert. Der Staat zahlt tatsächlich nicht nur die Betreuung der Kinder grosse Summen, sondern er muss zudem für weitere unangenehmen Folgekosten aufkommen (weil die konstante Bezugspersonen in der Betreuungsphase fehlt). Der Konter der abtretenden Tagesschausprecherin überzeugt nicht nur deshalb, weil eine Frau diese Meinung vertritt. Eva Herman unermauert ihre These mit eigenen Erlebnissen. Eine Frage bleibt im Raum: Wie bei Günter Grass bleibt ebenfalls ein ungutes Gefühl zurück. Erfolgte die Provokation absichtlich, im Hinblick auf die Vernissage des neuen Buches am 14. September? Auch bei Eva Hermann der Medienwirbel posititive Auswirkungen auf die Verkaufszahlen haben. Die Verlage lassen grüssen.