Samstag, 13. April 2019

Lesenswerter Beitrag




Politiker und ihre Phrasen :  

Viel reden, wenig sagen


Vertrauen, Nachhaltigkeit, Verantwortung: Welche Phrasen hätten Sie denn gern? Bild: Illustration: 
 Politiker lieben hohle Worte. FAZ.
NET präsentiert die besten Begriffe aus dem Wörterbuch der populärsten Phrasen.





Wenn Politiker reden, sind Floskeln meist nicht weit. Politiker handeln mit Augenmaß, betonen ihre große Einigkeit, wollen sich nach Wahlniederlagen ehrlich machen und die Leitplanken ihres Handelns neu ausrichten, weil es an der Tatsache nichts zu beschönigen gibt, dass das Profil dringend wieder geschärft werden muss. Sie wenden Schaden vom Land und von ihrer Partei ab, sagen Dinge in aller Deutlichkeit und versachlichen die Diskussion mit einer Dynamik, die authentisch und zukunftsfähig ist. Ein paar Phrasen sind besonders beliebt.

Vertrauen

Oliver Georgi
Redakteur in der Politik.
Im Leben ist es ja so: Man kann auf vieles verzichten, auf dreilagiges Toilettenpapier, handgemahlenen peruanischen Bohnenkaffee und sogar auf rechtsdrehende Joghurtkulturen in Heumilch, aber wenn das Vertrauen fehlt, dann wird die Existenz schnell zu einer trüben Veranstaltung. Ob in der Ehe, beim Rohfisch-Japaner um die Ecke oder dem Arzt, der eine Reizung des Blinddarms von dessen Durchbruch unterscheiden soll – ohne Vertrauen ist alles ein Krampf, und das gilt nicht nur für den Blinddarm. In der Politik hingegen verhält es sich mit dem Vertrauen genau umgekehrt: Je mehr es davon gibt, desto gefährlicher wird es. Kaum jemand stellt das regelmäßig so eindrucksvoll unter Beweis wie Angela Merkel.



Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus Oliver Georgis Buch „Und täglich grüßt das Phrasenschwein. Warum Politiker keinen Klartext reden – und wieso das auch an uns liegt“, das am 18. März im Dudenverlag erscheint.



Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus Oliver Georgis Buch „Und täglich grüßt das Phrasenschwein. Warum Politiker keinen Klartext reden – und wieso das auch an uns liegt“, das am 18. März im Dudenverlag erscheint. : Bild: Dudenverlag
Wenn die Kanzlerin einem langjährigen Mitstreiter öffentlich ihr Vertrauen ausspricht, weil er sich bei einem hässlichen Skandal oder beim Leugnen einer anderen, längst offensichtlichen politischen Dummheit hat erwischen lassen, kann der Betroffene hoffen, dass der Kelch noch einmal an ihm vorübergeht. Hat die Kanzlerin allerdings „vollstes Vertrauen“, dann ist völlig klar: maximal noch 72 Stunden, Kisten packen, Anschlussverwendung, notfalls bei der Europäischen Union oder im Bahnvorstand.
Brandgefährliches Vertrauen ist aber mitnichten nur ein Alleinstellungsmerkmal Angela Merkels. Auch sonst wird einander in der Politik vertraut, dass es eine wahre Freude ist und man vor lauter Ergriffenheit manchmal am liebsten das Taschentuch zücken möchte. Ob eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit“, auf die politische Partner sich zu Beginn einer neuen Koalition einschwören, oder die „Kultur des Vertrauens“, die meist erst dann betont wird, wenn es mit dem Vertrauen schon längst nicht mehr so weit her ist: Allenthalben machen Politikerinnen und Politiker in ihren Äußerungen klar, dass Vertrauen eine der wichtigsten Kategorien im politischen Alltag ist.
Nun kann man sagen: Wozu überhaupt diese mühsamen Verklausulierungen? Weiß nicht ohnehin jeder, dass in Wirklichkeit alles viel hässlicher ist, weil echtes Vertrauen in der Politik, wenn überhaupt, nur so lange existiert, wie es dem eigenen Fortkommen nicht schadet? Warum sagt Angela Merkel nicht einfach, wie es ist, wenn sie wieder mal einen Minister entlässt, zu dem sie „vollstes Vertrauen“ hat: Dass sie die Nase voll hat von ihm, weil er es trotz aller Mahnungen noch immer nicht übers Herz gebracht hat, zu seinen Verfehlungen zu stehen, und dass er jetzt schleunigst vom Hof muss, damit der Schaden nicht auch auf sie selbst zurückfällt?


Die Antwort auf diese Fragen ist simpel: Weil man sich in der Politik tunlichst erst dann abwendet, wenn jemand wirklich nicht mehr zu retten ist – man weiß schließlich nie, ob die Affäre nicht doch noch vorübergeht und man es weiter miteinander aushalten muss. Wie stünde man denn da, wenn man mit größtmöglicher Empörung mit einem Vertrauten gebrochen hat und der dann unvermutet doch wieder von den Toten aufersteht? Auch könnte bei zu schnellen Distanzierungen rasch der Eindruck von Missgunst entstehen – ist man bis kurz vor dem bitteren Ende des Lobes voll, kann einem hernach hingegen niemand vorwerfen, man habe insgeheim schon lange die Messer gewetzt. Politik, das ist – zumal in unserem medialen Zeitalter – auch eine große Bühne. Und Politiker wissen instinktiv, dass das Publikum Dolchstöße im Vorhinein nicht goutiert, Krokodilstränen im Nachhinein aber besser wegwischt.
„Alles Reden ist sinnlos, wenn das Vertrauen fehlt“, hat der Schriftsteller Franz Kafka einmal geschrieben. Oder, um mit Angela Merkel zu sprechen: „Am Ende ist Vertrauen genau die Währung, mit der gezahlt wird.“

Nah’ bei die Leut’

Geht es nach Spitzenpolitikern, dann können Menschen gar nicht winzig genug sein. Schließlich betonen sie bei jeder Gelegenheit, sie wollten „Politik für den kleinen Mann“ machen. Das soll natürlich Volksnähe suggerieren und den in den letzten Kapiteln schon beschriebenen Eindruck erwecken, die große Politik in Berlin kreise mitnichten immer nur abgehoben um sich selbst, sondern kümmere sich sehr wohl um die Nöte und Bedürfnisse der „ganz normalen Bürger“ fernab der Hauptstadt. Es ist überlebenswichtig für Politikerinnen und Politiker, diesen Eindruck zu erwecken, schließlich haben ihre Wähler ihnen auch dafür ihre Stimme gegeben: dass ihnen die Sorgen der Menschen in ihrem Wahlkreis mindestens so wichtig sind wie die große Weltpolitik – und im Zweifel sogar noch wichtiger.
„Wir bilden jetzt eine Große Koalition (...) für die kleinen Leute“, verkündete der CSU-Vorsitzende und spätere Innenminister Horst Seehofer am 12. März 2018 in Berlin bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags zwischen Union und SPD. „Das ist übrigens die breite Mitte unserer Gesellschaft“, schob der Bayer dann hinterher. Also sei die künftige Große Koalition eine Koalition „für die ganz große Mehrheit der Gesellschaft“. Es war auffällig, wie oft Seehofer diesen Punkt wiederholte, so, als wollte er wirklich jeden Zweifel an dieser Tatsache ausräumen. Dabei verkündete der CSU-Chef doch eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit, wie man meinen sollte: dass Politiker Politik für ihre Wähler machen. Für wen denn sonst?


Der Koalitionsvertrag sei ein Vertrag für „die kleinen Leute“, sagte Horst Seehofer (CSU) im März 2018 – aber was soll das bedeuten?


Der Koalitionsvertrag sei ein Vertrag für „die kleinen Leute“, sagte Horst Seehofer (CSU) im März 2018 – aber was soll das bedeuten? : Bild: dpa
Nicht erst seit Hans Falladas Roman „Kleiner Mann – was nun?“, auf den der Begriff wohl zurückgeht, sind die „kleinen Leute“ auch in den Medien zur Standardfloskel geworden, wenn es um die Lebenswirklichkeit des Durchschnittswählers geht. Und um das ambivalente Verhältnis der politischen Klasse zum gemeinen Wahlvolk, von dessen Alltagsnöten sie sich in der Blase des Politikbetriebs zwangsläufig entfernt haben.



Für Politiker und Politikerinnen ist ein Begriff wie „kleine Leute“ ungemein praktisch, weil er schwammig und klar zugleich ist. Schwammig, weil nicht trennscharf, wen er eigentlich genau meint: nur Arbeiter und Arbeitslose oder auch Mitglieder der Mittelschicht, die sich selbst noch nicht als wohlhabend bezeichnen würden? Zugleich aber auch klar, weil sich trotzdem alle diejenigen angesprochen fühlen können, die das Gefühl haben, in irgendeiner Weise zu kurz zu kommen und von der Politik nicht ausreichend gesehen und vertreten zu werden. Die Kategorie des „kleinen Mannes“ gebe es soziologisch nicht, sagte der Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer im November 2016 der F.A.Z. Sie sei eine „rhetorische Figur der Volksparteien, um sich zu vergewissern, dass die Anhängerschaft nicht nur aus Akademikern besteht“. Doch diese Figur hat für Politiker auch etliche Haken. Denn zum einen ist es ja frappierend, dass Politiker mit ihrer Verwendung eigentlich so freimütig wie selten ein Versäumnis eingestehen. Wer verspricht, jetzt „Politik für die kleinen Leute“ zu machen, der gibt implizit zu, dass es in dieser Hinsicht offenkundig ein Defizit gibt: dass er in der Regel eher Politik für die „großen Leute“ gemacht und darüber die kleinen vielleicht vernachlässigt hat.
Zum anderen steckt natürlich auch ein gehöriges Maß an Arroganz und Bevormundung darin, wenn politische Repräsentanten über ihre Wähler als „kleine Leute“ sprechen. Man könnte ketzerisch sagen:  Wer „kleine Leute“ sagt, der schafft gerade nicht mehr Volksnähe, sondern betont noch den Unterschied zwischen „denen da unten“ und „denen da oben“. Und damit zementiert er noch den Graben, der zwischen der Politik und dem Alltagsleben der Menschen vielerort entstanden ist.
Es gibt eine weitere Phrase, die Politikerinnen und Politiker umso öfter bemühen, je größer die Kritik der Bürger an ihnen wird: Sie wollen „die Sorgen der Menschen ernst nehmen“. Auch in diesem Satz steckt eine gehörige Portion Paternalismus, weil er sozusagen suggeriert, die Politik sei eine Arztpraxis, in die Patienten mit ihren oft nur eingebildeten Wehwehchen kommen. Und selten tritt die Binsenhaftigkeit einer Phrase so zutage wie bei dieser. Denn was sonst sollen Politiker bitte tun, als die Anliegen und Sorgen der Menschen „ernst“ zu nehmen? Gleichzeitig ist der Begriff wie jede Phrase so unkonkret, dass man darunter alles und nichts verstehen kann – eine absolute Leerformel, die Zuwendung suggerieren soll und dabei doch umso größere Entfremdung ausdrückt. Die Floskel sei ein Beispiel für ein „therapeutisches Sprechen“ und eine paternalistische Sprache, die kaum noch zeitgemäß sei, befand Adam Soboczynski 2017 in der „Zeit“: „Es ist die Sprache von Sorgeberechtigten, die mit ratloser Nachsicht über die unreifen Launen ihrer Kinder staunen.“ Das Bild ist passend, denn so ist es zwischen der großen Politik und den „kleinen Leuten“ ja wirklich: Sie fühlen sich einander zwar noch irgendwie verpflichtet, haben sich oft aber nicht mehr viel zu sagen.



Verantwortung

Wer in der Politik unterwegs ist, lernt früh, dass eine Phrase mit dem Stichwort „Verantwortung“ stets für etwas gut ist. Trotzdem greift hier eine fein abgestufte Floskellehre, je nachdem, ob es „nur“ um eine politische Entwicklung oder auch um die weitere Karriere eines Politikers geht. Wenn ein Politiker nach einem Skandal oder einem offensichtlichen Fehlverhalten nach Wochen des immer größer werdenden Drucks erklärt, er übernehme die „politische Verantwortung“, dann reicht er mit ziemlicher Sicherheit bald den Rücktritt von seinem Amt ein, weil er eingesehen hat, dass er sich nicht mehr halten kann. Gerade in diesem Fall soll die Floskel den Eindruck „verantwortungsvollen“ Handelns erwecken und den Wählerinnen und Wählern signalisieren, dass man nicht um jeden Preis an der Macht klebt, eben weil man ein „verantwortungsbewusster“ Politiker ist. Synonym zur „politischen Verantwortung“ wird oft die Floskel „persönliche Verantwortung“ gebraucht. Sie meint dasselbe – meist den wahrscheinlichen Rückzug eines Politikers aus einem Amt, rückt aber noch stärker die Person in den Mittelpunkt. Wenn man so will, ist die „persönliche“ Verantwortung das maximale Schuldbekenntnis, das in der politischen Kommunikation üblich ist – zumindest rhetorisch.
Es gibt allerdings noch eine Variante der Verantwortung, die in puncto Gravität von jeher noch heller strahlt und die sozusagen die ultimative Waffe gegen so ziemlich jedes Argument ist: die „staatsbürgerliche Verantwortung“. „Staatsbürgerlich“, auch das soll heißen, dass das Wohl des Staates (wahlweise auch: der Demokratie, der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, des Bürgers) dem Sprecher über alles, vor allem aber über die eigene Befindlichkeit und Karriereplanung geht. Wer von der „staatsbürgerlichen Verantwortung“ spricht, der will damit den Eindruck erwecken, im Sinne des Elementarsten zu handeln, das Deutschland nach den Katastrophen und Abgründen seiner Geschichte hat: der Stabilität des demokratischen Systems. Wer wollte dagegen noch etwas sagen?


Hehrer Klang, oft aber nur wenig konkrete Folgen: Ein Politiker erklärt, er übernehme die „Verantwortung“ für eine Wahlniederlage oder eine Affäre


Hehrer Klang, oft aber nur wenig konkrete Folgen: Ein Politiker erklärt, er übernehme die „Verantwortung“ für eine Wahlniederlage oder eine Affäre : Bild: dpa

Nachhaltigkeit

Das Wort „Nachhaltigkeit“ wird seit ein paar Jahren dermaßen oft verwendet, dass es zu einem der zentralen Begriffe der modernen politischen Sprache geworden ist und auf erschreckende Art zeigt, wie ein einstmals ehrenwertes, höchst sinnhaltiges Wort zu einer leeren Phrase verkommen kann. Als Schöpfer des modernen Nachhaltigkeitsbegriffs gilt heute Hans Carl von Carlowitz, der 1713 in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica“, dem ersten Werk über die Forstwirtschaft, eine „nachhaltende Nutzung“ von Brennmaterial forderte. Damit war Carlowitz wohl der Erste, der die Gedanken der Ressourcenschonung und Regeneration als ökonomische Grundlage definierte. Trotzdem wurde der Begriff „Nachhaltigkeit“ bis in die 1980er Jahre hinein fast ausschließlich mit seiner ursprünglichen Bedeutung konnotiert: dass eine Sache oder Handlung andauert oder länger erfolgreich ist. Erst das Aufkommen der ökologischen Bewegung um die Grünen und das damit einhergehende zunehmende Bewusstsein für die globale Ressourcenverschwendung und die Bedeutung eines regenerativen Wirtschaftens machte „Nachhaltigkeit“ auch zu einem politischen Wort. Damals, in den 1980er Jahren, war der von Beginn an schwammige Begriff auch noch vergleichsweise scharf umrandet und meinte, im Sinne Carlowitz’, einen schonenderen und langfristigeren Umgang mit den begrenzten Naturressourcen des Planeten: nicht mehr zu verbrauchen, als nachwachsen kann. Zu dieser Zeit war das Wort „Nachhaltigkeit“ also noch eine klare ökologische politische Forderung, die die Debattenkultur im Land veränderte. Erst später folgte das „Drei-Säulen-Modell“, das die Europäische Union 1997 mit dem Vertrag von Amsterdam etablierte. Demzufolge umfasst Nachhaltigkeit mittlerweile nicht mehr nur die Ökologie, sondern auch ökonomische und soziale Errungenschaften wie die Demokratie.
Auch diese Weitung des Begriffs führte dazu, dass mittlerweile fast alle Parteien ihn in ihr Standardvokabular übernommen haben. Kaum ein heutiger Politiker, in dessen Reden das Wort „nachhaltig“ nicht auftaucht und der sein Handeln nicht mit dem Verweis auf künftige Generationen begründen würde. Dabei hat sich das Wort längst von seiner ursprünglichen, rein ökologischen Bedeutung gelöst: Mittlerweile fordern Politikerinnen und Politiker nicht nur eine nachhaltige Landwirtschaft oder eine nachhaltige Klimapolitik, sondern auch eine nachhaltige Renten-, Bevölkerungs- oder Wirtschaftspolitik und fühlen sich immer gut dabei, weil „nachhaltig“ so verantwortungsvoll und weitsichtig klingt. So ist „Nachhaltigkeit“ zu einer zentralen politischen Symbolvokabel geworden, mit der Politiker vermitteln wollen, dass sie nicht selbstsüchtig nur die eigene Generation (und die eigene Wählerschaft) im Blick haben, sondern selbstredend immer auch die Zukunft der nachfolgenden Generationen mitdenken. Fast jeder Koalitionsvertrag der letzten Jahre führt die Nachhaltigkeit deshalb an zentraler Stelle an, wie jener der Großen Koalition von 2013, in dem das Wort „nachhaltig“ mehr als siebzig Mal vorkam und der in der so universellen wie hohlen Wendung von einer „Strategie für nachhaltigen Fortschritt“ gipfelte.
Diese Formulierung zeigt das Problem wie unter einem Brennglas. Denn was ist damit eigentlich noch gemeint, mit einer „Strategie für nachhaltigen Fortschritt“? Geht es noch um die Schonung ökologischer Ressourcen, oder meint der Satz eher das Gegenteil, ein möglichst lang anhaltendes Wirtschaftswachstum, das im Zweifel auf die Ressourcen pfeift? Was bedeutet Nachhaltigkeit noch, wenn Manager in Konzernen von einer „nachhaltigen Personalentwicklung“ sprechen, damit aber völlig andere Ressourcen als die ökologischen meinen, nämlich ihre Mitarbeiter, die sie mit flexiblen Arbeitszeiten und einer präventiven Gesundheitsförderung langfristig an das Unternehmen binden wollen?


Vertrag mit Phrasen: Sigmar Gabriel (SPD), Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) präsentieren am 16. Dezember 2013 ihren Koalitionsvertrag in Berlin


Vertrag mit Phrasen: Sigmar Gabriel (SPD), Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) präsentieren am 16. Dezember 2013 ihren Koalitionsvertrag in Berlin : Bild: dpa
Heißt nachhaltig also, dass man ganz allgemein lang anhaltende, dauerhafte Entscheidungen anstrebt wie der Gewerkschaftsführer, der für seine Leute eine „nachhaltige Lohnerhöhung“ herausholen will? Oder, noch allgemeiner: dass ein Politiker sich, wenn er von einer „nachhaltigen Entscheidung“ spricht, schlicht der Tatsache bewusst ist, dass die Politik, die er heute macht, Auswirkungen auch auf die Zukunft haben wird (was eine Binse sondergleichen ist)? Das alles bleibt im Trüben – und ist in etwa so, als würden Sie Ihren Kindern auf die Frage, warum sie ausgerechnet heute ihre Zähne putzen sollen, antworten: „Weil das einen nachhaltigen Fortschritt gewährleistet.“ Stattdessen sollten Sie ihnen lieber klipp und klar sagen, dass sie sonst in ein paar Jahren keine Zähne mehr im Mund haben werden und nur noch Brei essen können.
Der Text ist ein bearbeiteter Auszug aus Oliver Georgis Buch: „Und täglich grüßt das Phrasenschwein: Warum Politiker keinen Klartext reden – und wieso das auch an uns liegt“, das am 18. März im Duden-Verlag erscheint (224 Seiten, 18 Euro).

LINKS:

www.rhetorik.ch/Hohl/Hohl.html
Reden und nichts Sagen, Reden mit leeren Phrasen und Worthuelsen.
www.rhetorik.ch/Quasseln/Quasseln.html
Quasseln, Reden und nichts Sagen, Reden mit leeren Phrasen und Worthuelsen .

Freitag, 12. April 2019

Lutz Jäncke zur Ueberflutung des Gehirns mit Reizen

IMG.jpgDas Gehirn der Menschen wird langsamer

Im Gegensatz zur künstlichen Intelligenz, die in Computern immer schneller wird, wird unser Gehirn seit 1990 immer langsamer. Dies im Gegensatz zu jenen Generationen, die fast das ganze  20. Jahrhundert ständig schlauer wurden. Diese ständige Zunahme hat der Wissenschafter James Flynn entdeckt. Er hatte den Intelligenzquotienten der Menschen in den Industrienationen gemessen und verfolgt. Seit 1990 sinkt jedoch dieser Quotient. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hat jüngst dieses Phänomen analysiert und eine Erklärung gefunden. Die digitalen Reizen würden das Gehirn ständig ablenken und dadurch unsere Konzentration durchbrechen. Die Schaffhauser Nachrichten (Ausgabe vom 11. April 2019) hat beim Neuropsychologen Lutz Jäncke nachgefragt.
In einem lesesnwerten Interview hält  es der Hirnforscher für gefährlich, zu sagen, die Menschen werden insgesamt intelligenter oder dümmer. Die IQ-Testwerte hält er in diesem Zusammenhang für weniger relevant, denn die Intelligenztest haben sich über diese Zeiträume stark verändert und sind nicht  unmittelbar vergleichbar. Zudem hat sich die Bildung laufend verbessert.
Der Rückgang der IQ-Werte könnte auch durch Messprobleme erklärt werden. Zudem messen die Tests nicht unbedingt die genetisch bedingte Intelligenz.

Doch sieht Jäncke ein grosses Problem des Internets mit der immensen Flut von Reizen, die uns vom fokussierten Denken ablenken. Wer die Fertigkeiten, wie Konzentration und Selbstdiziplin nicht trainiert, kann bei einem Test durchaus schlechter abschneiden.
Wir wissen heute, dass Menschen, die oft multimedial unterwegs sind, nicht besser werden im  Multitasking, sondern sogar schlechter!
Wir haben dasselbe Gehirn schon der Homo sapiens vor 45 000 Jahren. Multitasking beherrschen wir nicht gut und können es auch kaum lernen. Mit den heutigen Reizen sind wir überfordert.
WIR MUESSEN UNSEREN KINDERN BEIBRINGEN, SICH AUF DAS WESENTLICHE ZU KONZENTRIEREN.
Es geht nicht darum, nur noch zu lesen, statt zu surfen. Entscheidend ist, fokussiert bei EINER Tätigkeit zu bleiben und nicht ständig zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her zu wechseln.
Intelligeznforscher sind sich nicht einig, ob sich Intelligenz trainieren lässt. Eine Reihe von Arbeiten zeigen, dass due Leistungen von Intelligenztests zunehmen, wenn man sie übt. Interessanter wäre es, wenn man die Effektivität des Gehirns mit biologischen und neurowissenschafftlichen Methoden untersuchen würde.
Forscher haben erkannt, dass ca. 70% der Intelligenz vererbt  und 30 % durch die Umwelt bestimmt wird. Ich sehe den Zusammenhang viel komplexer.
Die Entwicklung des Gehirns hängt davon ab, wieviel Stimuli es  in der Kindheit erlebt. Je weniger anregend die Umwelt ist, desto weniger entfaltet sich das Gehirn. Sehen, hören, riechen das ist wichtig.
Nicht die digitale Welt ist das Problem, sondern der Umgang damit. wir müssen  vermeiden, dass unsere Kinder mit zu vielen Reizen abgelenkt werden. Von klein auf müssen wir lernen. an einer Sache dran zu bleiben. Wenn jemand  mehrere Dinge  gleichzeitig tut, nimmt die Aufmerksamkeitsspanne ab.
Im Gegensatz zu alten Erkenntnissen, kann unser Gehirn bis 20 Minuten vor dem Tod lernen.
Wichtig ist, dass wir  bis ins hohe Alter geistig, körperlich und sozial aktiv bleiben. Blutdruck und Blutzuckerspiegel gilt es im Griff zu behalten. Alles ander ist mehr oder weniger sekundär.

Unser Gehirn ist für den direkten, echten Austausch konstruiert.

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KOMMENTAR:

Wer die neusten Erkenntnisse ernst nimmt, müsste diese auf den Alltag übertragen.
Ich frage mich, ob die Schule nicht den falschen Weg beschritten hat, wenn das Verweilen an einer Tätigkeit verpönt ist und ABWECHSLUNG gross geschrieben wurde. Welcher Lehrer lässt die Kinder noch längere Zeit still lesen, oder zeichnen oder sich in eine Arbeit länger zu vertiefen. Ich behaupte, dass sich bereits beim Spielen die Basis für  das konzentirete Arbeiten entwickelt. 
Ferner erstaunt es mich immer wieder, wie wenig Eltern sich bewusst sind, dass sich  bereits beim Kleinkind das Gehirn mit Stimulis rascher entwickelt.
Wahrscheinlich würden nicht mehr so viele Kleinkinder einer fremden Betreuungsperson anveertrauen, die lediglich darauf bedacht sind, die Kinder wohlbehalten wieder abgeben zu können.
Immer wieder sehe ich Grosskinderwagen mit sechs bis acht Kinder, die durch die Stadt gekarrt oder durch Einkaufszenter gestossen werden. Alles ist gut organisiert. Doch sprechen meist nur die Betreuerinnen miteinander (ist interessanter). Die direkte Kommunikation mit den Kindern fehlt. Die meisten leiblichen Mütter reden aber bereits mit den Säuglingen, obschon sie nicht antworten können, stellen Fragen oder machen Kleinkinder auf Beobachtungen im Alltag aufmerksam. Wenn sich die Verbindungen im Gehirn  bereits in den ersten Jahren entwickeln, würde ich als Mutter oder Vater den eigenen Nachwuchs nicht so leichtfertig durch eine fremde Person betreuen lassen.
Lutz Jäncke macht auch den älteren Menschen Hoffnung.
Er weist darauf hin, dass die Aktivität im Alter wichtig ist und es falsch ist, sich gehen zu lassen und nichts mehr zu lernen. Aktiv heisst: Denken, lernen schreiben,lesen, Bewegung, Gespräche, spziale Kontakte.





 

Donnerstag, 11. April 2019

Klimaschutz: Worte und Taten

(aus 20 Min)
Kommentar: Das gilt überall. Wir handeln nicht so, wie man sollte. Bei Kommunikationsprozessen ist es ähnlich. Wir kennen zwar die Grundsätze, aber wir halten uns nicht daran. Es gilt die Formel: WISSEN nicht gleich TUN.
 Deshalb ist die Arbeit und das Training im Simulator kein Luxus.  

Uneinsichtiger Elsener

Aus BLICK:




Das gilt auch für Satiriker:  Selbstkritik ist eine Zier.

Mittwoch, 10. April 2019

Duell Roger gegen Markus

Roger Schawinski bricht entnervt Sendung mit Markus Somm ab


Zu viele Differenzen in der  Ausgabe von «Roger gegen Markus» auf dem Sender Radio 1: Moderator Roger Schawinski bricht die Sendung mit Publizist Markus Somm abrupt ab.
Schawinski und Somm schenken sich selten was – gestern wars ein Zacken zu viel: Abbruch
Aus BLICK:
Was war passiert? Roger Schawinski thematisiert in der Sendung unter anderem Somms neue Kolumne in der «SonntagsZeitung». Dieser schrieb darin über US-Sonderermittler Robert Mueller (74) und dessen Bericht über mutmassliche Verbindungen von US-Präsident Trump zu den Russen. Das Branchenportal «persoenlich.com» hat die besten Szenen zusammengeschnitten.
Schawi sagt: «Diese vier Seiten waren Grundlage genug für Markus Somm, fast alle Medien in die Pfanne zu hauen. Markus, jetzt bist du komplett durchgedreht.» Doch das lässt dieser nicht auf sich sitzen. «Ich spreche jetzt mit jemandem, der zwei Jahre lang behauptete, Putin habe Trump ins Weisse Haus gebracht», echauffiert sich Somm. Er fordert Schawi auf, sich bei den Hörern zu entschuldigen, weil er diese «hinters Licht» geführt habe. «Hie und da bin ich sprachlos», stöhnt der Gesprächsleiter nur noch.

Als sie sich nur noch anbrüllen, zieht Schawi die Reissleine

In der Folge wird die Diskussion immer unsachlicher und hitziger. Schawinski sei dumm gewesen, motzt Somm. Schawinski: «Dumm bisch du xsi! Markus, sei mal ruhig!» Schawis Stimme überschlägt sich fast, als er sagt: «Du redest immer rein, was hast du für ein Problem?» Schliesslich zieht der Talker entnervt die Reissleine. «Also, hören wir jetzt auf. Ich habe keine Lust mehr.» Danach kündigte er an: «Vielleicht gibt es diese Sendung nächste Woche noch.» (wyt)
Ich zitiere Persönlich.com:
Früher hiess das Talkformat «Roger gegen Roger». Statt Somm war «Weltwoche»-Chef Roger Köppel zu Gast. 2015 wurde die Sendung wegen «unergiebiger» Debatten aus dem Programm genommen. Kurz darauf feierte der Talk als «Roger gegen Markus» ein Comeback.
Legendär ist auch die SRF-Sendung «Schawinski», als Satiriker Andreas Thiel zu Gast war. Die Talkshow lief Ende 2014 komplett aus dem Ruder.
KOMMENTAR: Wie nun zu erfahren ist, wird das Duell Roger gegen Markus weiter geführt.
Ich gehe davon aus, dass es sich Roger Schawinski nicht leisten konnte, die Segel beim jüngsten Konzept zu streichen.
Denn nach nach den Vorkommnissen mit Thiel und Köppel wären wohl die Flops vor allem  Roger Schawinski angelastet worden.

Montag, 8. April 2019

Ein aufschlussreicher Vergleich

Steph Kochers Vergleich auf facebook
Das ist leider  Realität - nicht nur in Deutschland...