Drei aussichtsreiche Kandidaten
kämpfen auf dem CDU-Parteitag in Hamburg um die Nachfolge von
Parteichefin Angela Merkel. Drei Wochen sind sie durch das Land gereist
und haben sich den Mitgliedern vorgestellt. Körpersprache-Experte Stefan
Verra hat sie beobachtet - und dabei gesehen, was sie nicht sagen.
Teil
3: Jens Spahn.
Der jüngste der drei Kandidaten um Angela Merkels Nachfolge hat
auch die jüngste Körpersprache. Diese zeichnet sich durch hohe Frequenz
und große Amplitude aus. Je jünger wir sind, desto schneller und
ausladender gestikulieren wir. Und je langsamer das passiert, desto
älter wirkt ein Mensch. (Grüße von Helmut Schmidt!).
Stefan Verra
-
Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten im
deutschen Sprachraum. Seine Vortragsreisen führten ihn bisher in 13
Länder auf vier Kontinenten. Er ist Universitätsdozent, Bestsellerautor
und teilt seine Tipps und Körpersprache Analysen auf
- www.stefanverra.com.
Jens Spahn bewegt sich flink, sucht ständig den Blickkontakt zu
allen Anwesenden im Saal. Er schaut weit links, weit rechts, so dass man
meint, er möchte alle, wirklich alle Delegierten erreichen. Seine Augen
sind wach, er lächelt und gestikuliert offen. Das bringt ihm
Sympathiepunkte. Bei den Älteren nicht so viele wie bei den Jungen.
Spahn ist derjenige, der von allen drei Kandidaten am freiesten redet.
Sein Skript liegt zwar da, aber er benutzt es wenig. Damit haben die
Delegierten das Gefühl, dass er direkt mit ihnen spricht und nicht einem
vorgeschriebenen Drehbuch folgt. Er macht also vieles richtig - wenn
wir ihn nicht schon eine Weile kennen würden...
Spahn und der Ehrgeiz
Wer zum Tischler geht, will, dass der den bestellten Tisch mit voller
Hingabe baut. Vielleicht betraut man ihn dann eines Tages mit dem Bau
der gesamten Hauseinrichtung. Wenn der Tischler aber von vornherein
vermittelt, dass er den Tisch zwar tischlert, aber eigentlich von Anfang
an auf die Hauseinrichtung abzielt, wird den Großauftrag nie erhalten.
Genau dieser Ruf aber hängt Jens Spahn nach. Sein Ehrgeiz hat mehr
Schlagzeilen gemacht, als seine Arbeit in den jeweiligen Ämtern. So
etwas wird meist bestraft.
Wer der CDU wohlgesonnen ist und nicht will, dass die Partei
denselben Fehler macht wie die SPD, sollte allerdings weniger dran
denken, wer den Parteigremien am genehmsten ist. Freunde der CDU sollten
eher dran denken, wer dazu in der Lage ist, in jenen Menschen das Feuer
zu entzünden, die bisher noch nicht CDU gewählt haben. Und die sind
nämlich mehr. Nichtwähler, Wähler anderer Parteien, Wechselwähler sind
es, die angesprochen werden müssten.
Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:
Teil 1: Annegret Kramp-Karrenbauer
Teil 2: Friedrich Merz
Teil 3: Jens Spahn
Bei Jens Spahn bleibt ein klein wenig das Gefühl, er habe
Großes vor. Allerdings nicht für Deutschland oder seine Partei, sondern
vor allem für sich selbst. Schade, denn so viel kommunikatives Talent
findet sich in der politischen Landschaft in Deutschland nicht sehr oft
Stefan Verra ist einer der gefragtesten Körpersprache-Experten in
Deutschland, Dozent und Autor zahlreicher Bücher. Verra ist Mitglied der
Meinungsmacher von manager-magazin.de. Dennoch gibt sein Beitrag nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wider.