Freitag, 2. November 2018

Zur verbalen Saalschlacht in Suhr

 Publizierte Version der Aargauer Zeitung:

«Die Teilnehmer schaukeln sich gegenseitig auf»

Einige Besucher der Podiumsdiskussion um die Selbstbestimmungsinitiative haben die Contenance verloren und Simonetta Sommaruga ausgelacht und beschimpft. Ein Kommunikationsexperte ordnet den Abend ein.


Der Experte für Kommunikation und Medienrhetorik Marcus Knill hat die Podiumsdiskussion um die Selbstbestimmungsinitiative mitverfolgt. Er erklärt, wie es zu solchen verbalen Entgleisungen kommen kann.

Herr Knill, bringt ein solcher Anlass überhaupt etwas zur Meinungsbildung? Es wurden vor allem parteipolitische Fragen diskutiert.

Wenn die Argumente verständlich, logisch und einleuchtend vorgetragen werden, kann es doch noch zu einer gewissen Meinungsbildung kommen. Der Anlass vermittelte immerhin ein Stimmungsbild und zeigte, wie emotionalisiert die Thematik geworden ist.

Wie wirkte die Stimmung im Saal auf Sie?

Die Stimmung war aufgeladen, zum Teil gereizt und es wurde mit harten Bandagen duelliert. Oft unter der Gürtellinie.

Die meisten Leute hatten ihre Meinung schon. Weshalb besuchen sie den Anlass trotzdem?

Die Zuschauer wissen, dass das Publikum einen grossen Einfluss haben kann auf die Wirkung nach aussen. Bei einer öffentlichen Versammlung, die in den Medien gross aufgemacht wird, gibt es vielfach einen organisierten Aufmarsch von Gleichgesinnten, um nach aussen zu demonstrieren, wie das Befinden der der Bevölkerung ist.

Weshalb sehen sich die Leute in einem grossen Saal ermutigt, eine Magistratin auszubuhen und ihr laut «Lügnerin» zuzurufen?

Bei einer aufgeheizten Stimmung schaukeln sich die Teilnehmer gegenseitig auf, wie Fans an einem Fussballmatch. Sommarugas Behauptung, das Volk habe schon heute das letzte Wort, war für die Befürworter der Initiative gleichsam ein «Lüge». Ihre Argumentationskette war für sie nicht nachvollziehbar, weil für die Befürworter Europa bei zu vielen Problemen nachweisbar das letzte Wort hat.

Haben die Moderatoren ihre Rolle erfüllt?

Für die verbalen Entgleisungen kann den Moderatoren kein Vorwurf gemacht werden. Sie mahnten als Schiedsrichter an das Nichteinhalten der Spielregeln. Bei hitzigen Situationen muss damit gerechnet werden, dass Akteure die Fassung verlieren.

Ist Simonetta Sommaruga glaubwürdig, wenn sie den Buh-Rufen lächelnd entgegnet «Wenn Diskussionen heftig sind, ist das gut.»

Ich kann mir vorstellen, dass sie gelernt hat, sich nicht auf Provokationen einzulassen. Aus rhetorischer Sicht nutzt sie das antizyklische Verhalten nach dem bewährten Prinzip «Taxifahrer fahr langsam, es eilt!» Konkret: Brüllt jemand, spreche ich bewusst leise. Ist jemand unfreundlich, bin ich bewusst freundlich. Das muss aber trainiert werden.

Philipp Müller sagte entnervt: ««Ich gehe heim. Dass ich mir diesen Mist anhören muss!»», wie ordnen sie das ein?

Wer die Nerven verliert, hat normalerweise verloren. Das darf einem erfahrenen Politiker nicht passieren. Besonders, wenn er in Diskussionen auch nicht zimperlich ist.

 Diese Fragen beantwortete ich gestern der Journalistin Stefania Telesca wie folgt (ausführliche Version):

Fragen:

-       Der Anlass hätte ein Meinungsbildungsanlass sein sollen. Die meisten Leute hatten ihre Meinung aber schon. Weshalb besuchen sie den Anlass trotzdem?

Die Zuschauer wissen, dass das Publikum einen grossen Einfluss haben kann auf die Wirkung nach aussen. Es gibt immer  Unentschlossene, die sich doch noch beeinflussen lassen.Wir kennen ein Phänomen bei der Beeinflussung von Massen, das wir an Landsgemeinden feststellen können:
In der Regel möchte man  bei den Siegern sein. Wenn erkannt wird, dass  viele die Hand erheben und sich abzeichnet, dass diese Gruppe siegen könnte, erheben plötzlich auch noch viele Unentschlossene die Hand. Sie wollen bei den Siegern  sein. Bei einer öffentlichen Versammlung, die in den Medien gross aufgemacht wird, gibt es oft vielfach einen organisierten Aufmarsch von Gleichgesinnten, um nach aussen zu demonstrieren, wie das Befinden der der Bevölkerung ist. Der Einfluss des Publikums darf nicht  unterschätzt werden. Bei Anne Will zeigt sich vielfach, dass das Publikum einseitig eingeladen wird. In der Arena hatte früher jede Partei eine Anrecht auf nur eine bestimmte Anzahl von Gästen. In Suhr stand die Teilnahme jedoch allen offen. Da  kam es darauf an, wer besser mobilisieren konnte. Blicken wir  zurück in die Theater und Opernwelt. Damals wurden  Claqueure und Bisseuse bezahlt, um den Erfolg zu veranschaulichen. Das machte sich bezahlt. Die Manipulatoren wussten: Die gesteuerte positive Wirkung beeinflusst die Kommentare und Musikkritiker.Uebrigens kann das Phänomen aus der Massenpsychologie bei allen Gruppierungen festgestellt werden. Ich erinnere an Veranstaltungn, bei denen die missliebigen Referenten  von linken Extremisten niedergeschieen wurden oder mit Trillerpfeifen am Reden gehindert worden sind. Um auf ihre Frage zurück zu kommen: Weshalb  kommen die Leute, obschon die Meinung schon gemacht ist? Das Publikum kam bestimmt nicht nicht nur deshalb, um die Stimmung zu beeinflussn. Sie erwarteten einen bissigen Schlagabtausch, so wie Menschen einen Boxmatch besuchen. Aus Neugierde oder weil man sehen will, wie sich die Vertreter der eigenen Meinung schlagen.  

-       Bringt ein solcher Anlass überhaupt etwas zur Meinungsbildung? Es wurden vor allem Parteipolitische Fragen diskutiert.

Wenn die Argumente verständlich, logisch und einleuchtend vorgetragen werden, kann es doch noch zu einer gewissen Meinungsbildung kommen. Spannend wäre es zu erfahren, wer die eigene Meinung an der Veranstaltung gändert hat. Der Anlass vermittelte immerhin ein Stimmungsbild und zeigte, wie emotionalisiert die Thematik geworden ist. Parteipolitisch ist die Ausganglage für viele spannend. Es geht David gegen Goliath . Alle Parteien gegen eine Partei, Die Stimmung ist deshalb aufgeheizt, weil die Befürworter sehen, dass laut Meinungsumfragen sie derzeit verlieren würden und die Gegner heute erkennen, dass die Befürworten langsam aufholen.

-       Wie wirkt die Stimmung im Saal auf Sie?

Die Stimmung war aufgeladen, zum Teil gereizt und es wurde mit harten Bandagen duelliert. Oft unter der Gürtellinie.

-       Wie wirken die Podiumsteilnehmer auf Sie? Wer überzeugt? Wer überzeugt nicht?

Philipp Müllers Kapitalfehler: Er verlor die Nerven. Das darf einem erfahrenen Politiker nicht passieren. Besonders, wenn er in Diskussionen auch nicht zimperlich ist.
Bundesrätin Sommaruga wusste, dass Sie sich in Höhle des Löwen begab. sie war sicherlich sehr gut vorbereitet. Sie liess sich nie aus der Ruhe bringen und schoss nicht zurück.
Als sie jedoch die Buhrufe als Zustimmung für Ihre Aussagen interpretiert, wirkte dies für mich unglaubwürdig. Das nimmt man ihr nicht ab.
Hans - Ueli Vogt argumentierte verständlich und formulierte klar, durchdacht. Dennoch engagiert und versteckte die Emotionen nicht.
Magdalena Maratullo- Blocher sprach für mich noch zu laut. Doch überzeugte Sie angeblich das Publikum (Heimvorteil?) Sie müsste noch von Vater lernen,völlig frei zu reden.




-       Ist Simonetta Sommaruga glaubwürdig, wenn sie den Buh-Rufen lächelnd entgegnet „Wenn Diskussionen heftig sind, ist das gut.“

Ich kann mir vorstellen, dass sie gelernt hat, sich nicht auf Provokationen einzulassen. Aus rhetorischer Sicht nutzt sie das antizyklische Verhalten nach dem bewhrten Prinzip „Taxifahrer fahr langsam, es eilt!“
Konkret: Brüllt jemand, spreche ich bewusst leise. Ist jemand unfreundlich, bin ich bewusst freundlich. Das muss  aber trainiert werden.  Ich habe das bei Polizisten gesehen, die in einem Coaching gelernt haben, nicht zurückzuschlagen, auch dann nicht, wenn sie bei  1. Mai Krawallen „Bullenschwein genannt worden  und ins Gesicht gespuckt worden sind.

-       Weshalb sehen sich die Leute in einem grossen Saal ermutigt, eine Magistratin auszubuhen und ihr laut „Lügnerin“ zuzurufen?

Bei einere aufgeheizten Stimmung schaukeln sich die Teilnehmer gegenseitig auf, wie Fans an einem Fussballmach. Sommarugas Behauptung These, das Volk habe schon heute das letzte Wort, war für die Befürworter gleichsam ein „Lüge“. Ihre Argumentationskette war für sie nicht nachvollziehbar, weil für die Befürworter Europa bei zu vielen Problemen nachweisbar das letzte Wort  hat.
Für die verbalen Entgleisungen kann Moderatoren  kein Vorwurf gemacht werden. Sie mahnten  als Schiedrichter an das Nichteinhalten der Spielregeln. Wie bei einem Boxmatch muss  bei hitzigen Situationen damit gerechnet werden, dass Akteure die  Fassung verlieren. Da darf man nicht zu mimosenhaft sein.

-       Philipp Müller sagte entnervt: „«Ich gehe heim. Dass ich mir diesen Mist anhören muss!»“, wie ordnen sie das ein?

Es gibt nur wenige Situationen, bei denen bei Dikussionen ohne Gesichtsverlust die Flinte ins Korn geworfen werden kann. Wer die Nerven verliert, hat normalerweise verloren.
SP Bodenmann hatte früher einmal, die ARENA bewusst verlassen und erreichte damit, dass ihn die Kameraleute beim Weggang verfolgten und er vor laufender Kamera der Oeffentlichkeit begründen konnte, weshalb er die ARENA verlassen hat.( Er ärgerte sich, dass angekündigten Kontrahenten fehlten). Beim Verlassen platzierte er sein Hauptargument, das er im Studio nicht verkünden konnte. Er wurde darauf nochmals  eingeladen. Es gelang ihm  nun ein weiteres Mal, seine Argumente in aller Ruhe zu platzieren.

LINK: Nina Hagens Ausraster (Dieser Ausraster wirkte nachhaltig)


Nina Hagen Ausraster! - YouTube



16.03.2009 - Hochgeladen von StrepsipteraTV
German Punk-Queen Nina Hagen getting angry on a TV-Show.

Interview in Aargauer Zeitung zur verbalen Saalschlacht in Suhr

Podium

«Die Teilnehmer schaukeln sich gegenseitig auf» – ein Experte erklärt das Ausarten der Diskussion

Donnerstag, 1. November 2018

Schon wieder

Nach der Gruppenvergwaltigung in Freiburg jetzt in München wieder ein Fall

München

20 Min

Sechs Männer sollen 15-Jährige vergewaltigt haben

Sechs junge Männer aus Afghanistan werden verdächtigt, in München eine 15-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Fünf von ihnen sitzen in U-Haft.



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In München soll eine 15-Jährige Schülerin von sechs Männern missbraucht und vergewaltigt worden sein.
Die Münchner Polizei hat fünf Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren verhaftet. Nach einem weiteren jungen Mann wird noch gefahndet. Die anerkannten Asylbewerber aus Afghanistan stehen unter Verdacht, eine 15-Jährige vergewaltigt zu haben. Das Mädchen soll einzeln an verschiedenen Tagen von den jungen Männern missbraucht worden sein, schreibt der Bayerische Rundfunk.

KOMMENTAR: In Freiburg wurden Syrier verhaftet und in München sollen es Afghanen gewesen sein. Es dürfen gewiss nicht alle Asylbewerber in einen Topf geworfen werden. Doch importierte die Willkommkultur mit den jungen Männern aus anderen Kulturkreisen zwangsläufig zusätzliche Probleme. Die Vorkommnisse wurden bereits von der AfD ausgeschlachtet. Wer diese Probleme einfach beschönigt und unter den Tisch wischt, wenn die Straftaten bewiesen sind, trägt nichts bei zur Beruhigung der Bevölkerung. Europa muss sich mit der neuen Situation auseinandersetzen.
Falls die Vergewaltigungen den Asylbewerbern zugeschrieben werden können, müssten diese sofort ausgeschafft werden. 

Merz war für Merkel eine zu starke Konkurrenz

Nun könnte Merz gewählt werden - was dann?

  • Die Kanzlerin gibt im Dezember den Parteivorsitz frei. Doch was passiert, wenn der «falsche» Kandidat das Rennen macht?

    Merz wurde für Merkel gefährlich. Sie hatte ihn ausgemerzt, wie alle Konkurrenten.
    Merkel liebt Kopfnicker und Steigbügelhalter.
    Aus Süddeutscha Zeitung:

    CDU-Chefin und Kanzlerin – Friedrich Merz: Der Geschasste

    Friedrich Merz wurde 1989 für die CDU ins Europaparlament gewählt, 1994 in den Bundestag. Führte von 2000 an zwei Jahre lang die Fraktion und brachte sich selbst als Kanzlerkandidaten ins Spiel. Verantwortete eine "Leitkultur"-Debatte im Wahlkampf und schlug sich auf die Seite des Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber. Er hatte auf den falschen gesetzt. Gerhard Schröder blieb Bundeskanzler.
    Merkel beanspruchte anschließend den Fraktionsvorsitz für sich, Merz verlor den Machtkampf. Erholte sich von der Demütigung nicht wieder. Ließ sich zur Stellvertreterrolle überreden. Wollte erreichen, dass jeder Bürger seine Steuererklärung auf einem Bierdeckel machen kann und machte sich mit seinem Reformeifer unbeliebt.
    Kündigte 2007 an, eine Pause von der Politik zu machen. Die hielt lange an. Nun ist Merz als eines von 40 Mitgliedern in eine von drei Programmkommissionen der CDU berufen worden, nämlich in die sogenannte Zukunftskommission. Stieg als Rechtsanwalt bei einer amerikanischen Großkanzlei ein, ist Vorsitzender des Vereins Atlantik-Brücke und sitzt in mehreren Aufsichts- und Verwaltungsräten.
    (kbb)

    Aus ntv:

    Verschätzt, verzockt, verloren 

    Merkels gefallene Männer





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    Norbert Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Von einem Desaster ist die Rede. Schnell stand fest, dass er sich von seinen Ambitionen in der Bundes-CDU verabschieden kann. (Foto: dapd)
    Norbert Röttgen hat die NRW-Wahl verloren. Von einem Desaster ist die Rede. Schnell stand fest, dass er sich von seinen Ambitionen in der Bundes-CDU verabschieden kann.
    Starke Persönlichkeiten werden entsorgt





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    Roland Koch: Im Mai 2010 kündigte Hessens Ministerpräsident überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern an. Koch war zeitweilig sogar als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt worden.
    Roland Koch: Im Mai 2010 kündigte Hessens Ministerpräsident überraschend seinen Rückzug von allen politischen Ämtern an. Koch war zeitweilig sogar als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt worden.


    Christian Wulff: Aufstieg und Fall lagen selten dichter beieinander als bei dem früheren Bundespräsidenten. Bis zu seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2010 galt Wulff als aussichtsreicher Kronprinz der Union. Als langjähriger niedersächsischer Ministerpräsident wurde Wulff immer wieder für höhere Ämter gehandelt.
    Christian Wulff: Aufstieg und Fall lagen selten dichter beieinander als bei dem früheren Bundespräsidenten. Bis zu seiner Wahl zum Präsidenten im Juni 2010 galt Wulff als aussichtsreicher Kronprinz der Union. Als langjähriger niedersächsischer Ministerpräsident wurde Wulff immer wieder für höhere Ämter gehandelt.




    Trotz der Affäre wurde schon bald wieder über sein Comeback spekuliert. Anfang dieses Jahres erklärte Guttenberg dann, er strebe keine Rückkehr zur Bundestagswahl 2013 an und ziehe sich längerfristig aus der Öffentlichkeit zurück. 
    Trotz der Affäre wurde schon bald wieder über sein Comeback spekuliert. Anfang dieses Jahres erklärte Guttenberg dann, er strebe keine Rückkehr zur Bundestagswahl 2013 an und ziehe sich längerfristig aus der Öffentlichkeit zurück.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Heute ist Halloween

Die Kunst des Rücktritts






Wirtschaftsführer

Die Kunst des Rücktritts: 

Was die Chefs von Raiffeisen, 

Post & Co. für Strategien haben







Sind dieses Jahr zurückgetreten: Pascal Koradi, Patrik Gisel und Susanne Ruoff (v.l.).
Sind dieses Jahr zurückgetreten: Pascal Koradi, Patrik Gisel und Susanne Ruoff (v.l.).
Gisel, Koradi und andere wollen mit ihrem Rücktritt ihre Firma schützen.
Der Abgang von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel ist nur einer von zahlreichen Rücktritten von prominenten Wirtschaftsführern in diesem Jahr. Zuvor musste schon Post-Chefin Susanne Ruoff gehen. Auslöser war bei ihr der Postauto-Skandal, der auch Pascal Koradi sein Amt kostete. Letzterer trat als Chef der Aargauischen Kantonalbank zurück, zuvor war er Finanzchef bei der Post. Mit Novartis-Chefjurist Felix Ehrat traf es zwar keinen Firmenchef, aber doch ein Geschäftsleitungsmitglied eines Grosskonzerns.

  Bei den erwähnten Rücktritten lassen sich teilweise erstaunliche Parallelen erkennen. Sowohl Gisel, Koradi als auch Ehrat begründen ihren Schritt damit, den Ruf ihres Arbeitgebers zu bewahren. «Mit meinem Rücktritt möchte ich die öffentliche Debatte um meine Person und die Bank beruhigen und die Reputation von Raiffeisen schützen», liess Gisel verlauten. Zum Teil fast wortgleich klang es auch bei Koradi: «Ich möchte mit diesem Schritt die Reputation der Aargauischen Kantonalbank schützen.»

 

 Mangelnde Glaubwürdigkeit

Werden Rücktritte so begründet, erhalten sie Züge einer selbstlosen Tat im Interesse des Unternehmens, für das sie Verantwortung tragen. Die Frage ist, wie glaubwürdig solche Begründungen erscheinen. «Entscheidend ist letztlich, wie solche Aussagen in der Öffentlichkeit ankommen», sagt Kommunikationsexperte Marcus Knill. Wenn solche Statements in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als glaubwürdig ankommen, dann seien sie es eben nicht. Die Bevölkerung nehme es Gisel kaum ab, dass sein Rücktritt nichts mit der Ära Pierin Vincenz zu tun haben soll.
Ohnehin habe Gisels Glaubwürdigkeit bereits zuvor gelitten. Dies habe sich etwa bei der Privatbank Notenstein gezeigt, die noch bis vor kurzem Raiffeisen gehörte. Zunächst sagte Gisel, das Geldhaus werde nicht verkauft, später ging es dann doch an die Bank Vontobel. Zudem habe er noch im März gesagt, dass er ganz sicher nicht zurücktreten werde.
Ex-Post-Chefin Ruoff machte es ihm gleich. Im Februar verkündete sie noch, sie werde nicht zurücktreten. «In einer Ecke der Postauto AG ist etwas Unrechtes geschehen», sagte sie damals verharmlosend und wollte so eine möglichst grosse Distanz zwischen sich und dem Skandal bei der Tochter Postauto schaffen.
Auch Koradi stellte sich auf den Standpunkt, nicht von den illegalen Umbuchungen gewusst zu haben. «Ich halte fest, dass ich zu keiner Zeit Kenntnis von möglicherweise illegalen Machenschaften hatte, und ich stehe zu allen meinen getroffenen Entscheidungen in meiner damaligen Funktion.» Er hält bis heute an dieser Sicht fest. Er sei «massiv enttäuscht», weil er keine Stellung zum Untersuchungsbericht nehmen konnte. Er hätte «vieles ins richtige Licht rücken können».

Nur allzu menschlich

Es sei menschlich, dass solche Vorfälle zunächst heruntergespielt würden, sagt Knill. Die verantwortlichen Manager stellten sich auf den Standpunkt, dass die Vorkommnisse nicht so gravierend seien, als dass ein Rücktritt zwingend sei. Schritt für Schritt brächten die Medien dann weitere Details ans Licht, der Druck auf die Verantwortlichen steige. Es wäre besser, wenn ein Unternehmen klar kommunizieren würde, bis wann mit weiteren Details gerechnet werden könne, sagt Knill. So könne der Druck auf das Unternehmen gemildert werden.

Dienstag, 30. Oktober 2018

Merkels Rücktritt in Raten

Wie Angela Merkel ihr Land geprägt hat – und ihre Partei (Artikel enthält Video)

Wie Angela Merkel ihr Land geprägt hat – und ihre Partei

Flüchtlingskrise, Mindestlohn, Homo-Ehe: Während ihrer Kanzlerschaft trieb Angela Merkel die CDU beharrlich nach links.
LINK:
www.rhetorik.ch/Politikerportraits/Politikerportraits.html
Ausstellung im Museum für Gestaltung in Zürich: Kopf an Kopf - Politikerporträts, 31.10.2008 - 22.02.2009 "Kopf an Kopf - Politikerporträts" zeigt auf, welcher ...