Im Gegensatz zu De Weck hat die neue Führung der SRG die Wünsche der Bevölkerung ernst genommen.
Das ist sicher mit ein Grund, dass die "No Billag" so eindeutig abgelehnt worden ist.
«Wir haben die Kritik gehört», sagte SRG-Generaldirektor Gilles
Marchand (56) am Abstimmungssonntag. Und tatsächlich kündigte er trotz
des mit 71,6 Prozent glasklaren Neins zur No-Billag-Initiative ein
Reformpaket an. So rasch wie möglich soll Folgendes umgesetzt werden (QuelleBLICK online:
1. Ein 100-Millionen-Franken-Sparprogramm
Das klingt nach viel, relativiert sich bei genauerem Hinschauen aber
stark. 50 Millionen davon muss die SRG ohnehin sparen, da der
Bundesrat
die Radio- und TV-Gebühren gedeckelt hat. Mit der Ankündigung Marchands
sind somit nur 50 Millionen Franken dazugekommen. Zudem will der
Generaldirektor 20 Millionen «reinvestieren», oder wie TV-Moderatorin
Natalie Christen in der «Elefantenrunde» mit den Präsidenten der vier
grössten Parteien sagte: «verlagern». Effektiv zusätzlich gespart werden
sollen also bloss 30 Millionen – bei einem Budget von heute 1,6
Milliarden Franken.
Man könne immer fitter sein, sagte Marchand
gestern. Tatsächlich dürfte es für die SRG ein Leichtes sein, dieses
bisschen Speck abzutrainieren. Marchand will dies durch
Effizienzsteigerungen schaffen. Ihm schwebt beispielsweise vor, die
Verwaltungskosten zu reduzieren. Auch Infrastruktur-, Produktions-,
Technik- und Immobilienkosten sollen gesenkt werden.
2. Keine Unterbrecherwerbung
Einschneidender und
beim TV-Publikum höchst willkommen ist die Massnahme, die Werbung
einzuschränken. Der SRG-Generaldirektor verspricht, Unterbrecherwerbung
abzuschaffen.
Der Freiburger CVP-Ständerat Beat
Vonlanthen (60) verlangt aber ein generelles Werbeverbot ab 19.30 Uhr.
Und Grünen-Präsidentin
Regula Rytz (56) will, dass die SRG auch auf das Sponsoring von Radiosendungen verzichtet, wie sie BLICK sagte.
3. Fokus auf Information und Swissness
Die SRG hat versprochen, 50 Prozent der Gebühreneinnahmen für
Information aufzuwenden. Damit will sie in den vier Sprachregionen
ausgewogene und unabhängige Berichterstattung sicherstellen – was auch
schon heute ihre Aufgabe ist. Und sie will ihr Engagement für Schweizer
Serien und Filme erhöhen. In der SRF-«Elefantenrunde» machte SVP-Chef
Albert Rösti
(50) deutlich, dass er Swiss-made-Krimis wie den «Bestatter» für
überflüssig hält. Mit dieser Meinung dürfte er genauso in der Minderheit
sein wie am Abstimmungssonntag die No-Billag-Initianten.
4. Zurückhaltung im Internet
Marchand kündigt
darüber hinaus an, die privaten Medien in Zukunft im Internet nicht mehr
zu konkurrenzieren. Regionale, zielgruppenspezifische Werbung will man
nicht anbieten. Die gebührenfinanzierte SRG akzeptiere, dass ihr auf
absehbare Zeit Onlinewerbung versagt bleibt.
5. Mehr Zusammenarbeit mit privaten Medien
Die SRG will eine gemeinsame Radioplattform mit privaten Sendern aufbauen. Und sie will ihre Archive für andere Medien öffnen.
Hier muss sich weisen, wie stark die anderen Medien davon profitieren
können und wollen. Zumindest bei Beiträgen zu aktuellen Ereignissen
dürften die grösseren Medienhäuser wenig Bedarf haben. Dies, weil sie
sich von den SRG-Medien unterscheiden, weil sie schneller sein und einen
anderen Ansatz einbringen wollen. Zudem bieten auch
Nachrichtenagenturen längst Newsvideos an.
Dass die
SRG-Archive auch für private Medienanbieter geöffnet werden sollen, kann
diesen Medienhäusern allenfalls für Hintergrundbeiträge dienen.
Wie lukrativ die von der SRG angebotenen Kooperationen beim Betrieb der Musiksender
Swiss
Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic für private Radiostationen sind, muss
sich ebenfalls erst noch weisen. Solch günstig produzierte
Musikkonservenabspielsender hätten die Privatradios längst auf die Beine
stellen können – wenn sie denn darin einen kommerziellen Sinn sähen.
KOMMENTAR:
Die Bürgerlichen möchten das JA für die SRG uminterpretieren. Man müsse schauen, dass die Unternehmen teilweise von der Billag Gebühr befreit werden könnte. Der GLP Präsident will bessere Rahmenbedingungen für die lokale Presse. Levrat (SP) möchte noch klarer eine direkte Presseförderung.
Pfister (CVP) will nun die SRG beim Wort nehmen.