Blick hat das Rezept:
Garantiert patriotisch!
Der perfekte Wortschatz zum Nationalfeiertag
Diese Floskeln gehen ab wie eine Rakete
Müssen Sie am Montag eine Ansprache zum Wiegenfest der Schweiz
halten – und noch fehlen Ihnen die tiefgründigen und launigen Worte?
BLICK hilft! Mit diesem ABC geht Ihre Rede ab wie eine Feuerwerksrakete.
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WILHELM
TELL: Der Typ mit dem Apfel auf der Birne seines Sohnes,
den er sich
zur Armbrust nahm – heute würde die Kesb einschreiten.
Aber das sagen
Sie lieber nicht.
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Andreas Dietrich (Text), Igor Kravarik (Illustrationen)
ALPEN
Ein Lob unserer
Bergwelt ist ein Muss, es zeugt von unverbrüchlicher Heimatliebe. Je
nach politischer Gesinnung verwenden Sie die Alpen als Sinnbild der
Abschottung vor
Ausländern oder als
Ausgangspunkt für eine weltoffene Schweiz. Wenn Sie deutscher Gastredner sind: Sagen Sie
«Almöhi»… und Sie können die Einbürgerung vergessen.
BILATERAL
EIhr
Publikum wird sofort gähnen. Aber zumindest 1x muss das
Schlaftabletten-Wort vorkommen, wenn Sie als ums Landeswohl besorgter
Politiker ernst genommen werden wollen. Als SVPler im gleichen Atemzug
Brexit loben und
Brüssel geisseln, als Linker originell die
Brücke zu
Bisexuellen schlagen und «Love me, gender» anstimmen.
CERVELAT
Was wäre die
Confoederatio Helvetica
ohne ihre Nationalwurst? Eben. Im Übrigen dreht sich eine
1.-August-Rede immer um das Schicksal des Landes, es geht also um die
Wurst. Nennen Sie die Wurst beim Namen!
DÜRFEN
Geheimtipp!
Auch wenn Sie rechthaberisch finden, ihr Publikum müsse etwas tun, also
etwa «Ihr müsst stolz sein!» oder «Wir müssen
dankbar sein!» – sagen Sie: dürfen. Es meint dasselbe, klingt aber
demütiger. Das Publikum darf am Ende dankbar applaudieren.
EU
Meiden Sie diese giftige Buchstaben-Kombination wie
Erdogan die Demokratie! Die Schweizer wollen an diesem Tag nicht daran erinnert werden, dass es das gibt. Darf höchstens im Wort
Euter vorkommen. Oder
Eusi Schwiiz.
FÖDERALISMUS
Keine Angst vor
Fremdwörtern: Loben Sie den Föderalismus über den Klee. Jeder versteht zwar etwas anderes darunter – aber genau dies ist Föderalismus.
GOTTHARD
Oben drüber oder unten durch: So aktuell wie dieses Jahr war das Schweizer Ur-
Gestein
noch nie. So oft erwähnen wie möglich. Lieber Ogi-knackig den Mythos
beschwören als Leuenberger-schwurblig die Verkehrspolitik erklären.
HERAUSFORDERUNG
Das herausragende Synonym im Wortschatz der Schönredner. Probleme kennen nur
Höseler und
Heimatmüde. Wer Stärke und Optimismus markiert, sieht in jedem Damoklesschwert und in jeder hohlen Gasse nur Herausforderungen.
ISLAM
O Gott, ja nicht erwähnen, sofort unter den Gebetsteppich kehren!
JASSEN
Islam
höchstens im Zusammenhang mit Jassen ins Spiel bringen: Terror darf
keinen Stich haben, Toleranz ist Trumpf. Wem das zu heikel ist, besingt
lieber das
Jodeln. Aber bloss nicht als Schweizer Alternative zum Ruf des Muezzins!
KRISE
Gibts nicht! Siehe → Herausforderung.
LACHEN
Spätestens seit der Rede von Bundespräsident
Johann Schneider-Ammann
zum Tag der Kranken weiss das ganze Land und Ausland, dass Lachen
gesund ist. Spielen Sie auf diesen denkwürdigen Auftritt an, ohne dabei
zu lächeln – die Lacher im Publikum sind Ihnen gewiss.
MIGRATION
Grosses
Thema, grosses Risiko. Der eine Teil des Publikums könnte Sie ausbuhen
(«ausschaffen!»), der andere protestieren, warum kein Flüchtling Ihre
Rede hält. Erwähnen Sie lieber die
Migros, das klingt ähnlich und ist ein
M unverfänglicher.
NACHHALTIG
Nachhaltige
Massnahmen nach und nach fürs Wohl der Nation nachhaltig fordern – tut
jeder, bedeutet nichts und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.
ORIGAMI
Nochmals ein Geheimtipp! Während andere Gähn-Redner sich mit
Olympia
bei Sportfans anbiedern («3 Eidgenossen, 5 Ringe, 1 → Vision!»),
referieren Sie kurz und völlig zusammenhangslos über die Faltpapierkunst
Origami. Oder über den
Orgasmus beim
Oktopus, den
Ordnungssinn des
Okapi. Egal was, Hauptsache überraschend. Ihr Publikum wird volkswillig den Kopf schütteln und plötzlich hellwach sein.
POKEMON
Die Hälfte Ihrer Zuhörer wird auf dem Handy ohnehin Pokemon jagen. Zeigen Sie sich aufgeschlossen und erklären Sie
Pikachu zum grössten
Patrioten der virtuellen Welt. Was Sie in Wirklichkeit denken, behalten Sie für sich: Die reale Welt spinnt.
QUERSUBVENTIONIERUNG
Auch wenn für Sie als Lokalpolitiker dieses zweifellos drängende Thema die
Quadratur
des Kreises darstellt: In Ihrer Rede darf es keines sein. Ein Wort mit
so vielen Silben interessiert in einem Land, dessen Volksheld einsilbig →
Tell heisst, kein Schwein und keine Kuh (auch nur 1 Silbe!).
RÜTLI
Andere
Nationen haben pompöse Plätze, wir haben eine einfache Wiese. Ob Sie
für die Legalisierung von Cannabis sind oder den Zaun nicht zu weit
gesteckt haben wollen: Irgendwas zu Gras wird Ihnen bestimmt einfallen.
Gratis-Tipp für rüstige Lateiner: Veni, vidi, Wiese.
SERVICE PUBLIC
Das kommt quälend oft schon in der
SRF-Ansprache
des Bundespräsidenten vor – viersprachig! Sie können das nicht
übertreffen. Auch wenn Ihnen entfallen ist, wie der Bundespräsident
heisst (Hinweis: → Lachen).
TERROR
Bei diesem
ernsten Thema ist Ende der Fahnenstange für Humor. Wenn rundherum
Feuerwerkskörper knallen, hat eine Schweigeminute für Attentats-Opfer
eine zynische Wirkung. Kurz: Ein
Tabu-Thema.
UNABHÄNGIGKEIT
Der
Landesring der Unabhängigen war einst die finanziell abhängigste Partei
der Schweiz (Migros-Millionen). Heute ist es die auf Unabhängigkeit
pochende
SVP (Blocher-Millionen). Mit dem Begriff können Sie also jeden
Unsinn
anstellen, den Sie wollen. Predigen Sie Wasser und trinken Sie Wein –
unabhängig davon, ob Sie ihn als Honorar für Ihre Rede erhalten haben.
VISION
Erzählen
Sie irgendeinen Schwachsinn und nennen Sie ihn Vision: Das kommt super
an. Aber nennen Sie ihn deswegen nicht Supervision (ausser Sie
sind Psychologin oder Sozialarbeiter).
WILHELM TELL
Der
Typ mit dem Apfel auf der Birne seines Sohnes, den er sich zur Armbrust
nahm – heute würde die Kesb einschreiten. Aber das sagen Sie lieber
nicht. Auch nicht, dass Schiller ein Deutscher war. Damit der Schuss
nicht nach hinten losgeht:
wehrhaft bleiben. Wo ein
Willy ist, ist auch eine
Willensnation.
X für ein U
Als Linker geisseln Sie selbstverständlich die
Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit), als Rechter die
Xenokratie
(Fremdherrschaft). Und weil man mit Fremdwörtern seinem Publikum am
leichtesten ein X für ein U vormachen kann: Labern Sie etwas
X-Beliebiges, das gescheit klingt.
YES WE CAN!So
abgelutscht wie ein Ricola-Bonbon (und nicht in der Schweiz erfunden).
Als Patriot zitieren Sie lieber einheimisches Gewächs, die Landeshymne
bietet allen etwas. «Lieber tot als Morgenrot» für aufrechte Rechte,
«Seh ich dich nicht mehr im Strahlenmeer» für atomhysterische Ökos.
ZENSUR
Gibt
es in der freien Eidgenossenschaft nicht. Deshalb können Sie in Ihrer
1.-August-Rede sagen, was Sie wollen. Wenn Sie als Schlussbouquet noch
über die
Zukunft fabulieren, wird Ihre Ansprache als
Zäsur in die Geschichte Ihres Dorfes eingehen. Und das
zünftig!
KOMMENTAR:
Ich war bei verschiedenen Persönlichkeiten behilflich bei der Vorbereitung der 1. Augustrede.
Der Erfolg basierte nie auf derartigen Rezepten oder Bausteinen.
Statt Geheimtipps wurde ein klares Konzept erarbeitet mit EINER Kernbotschaft, hinter die der Redner stehen konnte und die auch das entsprechnde Pulikum interessierte.
Wichtig war stets der Anfang (Storytelling), der rote Faden.
Zwingend war stets:
FREIE REDE
KUERZE
UNTERHALTENDE, BILDHAFTE ELEMENTE
PERSONELICHE BEISPIELE
LINK:
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3. Aug. 2013 ... Eine Festreden-Analyse des Experten Marcus Knill. 1. Augustreden Bundesräte
In den Ansprachen der Bundesräte und -rätinnen spiegeln sich ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/13/08_03/
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1. Aug. 2012 ... Seine erste 1. August-Rede als Bundesrat hielt Alain Berset in Middes FR. Er
plädierte für Weitsicht und realistisches Denken: "Die alten ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/12/08_01/
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6. Aug. 2004 ... 1. August Rede 2004. Neue Helvetische Gesellschaft des Kantons Schaffhausen
von Bundesgerichtspräsident Heinz Aemisegger
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Aug_06_2004.html
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