Mittwoch, 20. April 2016

Sprayer gegen Sprayer

Verkehrte Welt

Bislang protestierten Hausbesitzer, wenn sie für viel Geld die versprayten Hauswände auf eigene Kosten sanieren mussten, da die Täter jeweils nicht auffindbar sind.

Nun protestieren Sprayer, weil ihre Werke von anonymen Tätern übersprayt wurden. Beklagt wird nun lautstark der Schaden.

Ich zitiere Blick-online:



Dienstag, 19. April 2016

Lieber Christof Moser: Auch Kontextkommunikation rechtfertig nicht alles

Treffende "Replik":

Bei BLOG - Einträgen sollte man auf unqualifizierte Kommentare nie reagieren.
Ausnahmesweise gehe ich auf den Rundumschlag des Journalisten Christof Moser nun doch ein.
Denn aus meiner Sicht schreibt er sonst gute Kolumnen, die ich schätze. Deshalb halte ich mich
trotz seines vernichtenden Kommentars nicht an meinen Grundsatz. Anstelle einer Replik oder Rechtfertigung zitiere ich die Zeilen zur Kontextkommunikation von Jakob Augstein (Spiegel-online) 

Zur Situation: Ich habe dem Publikum den umstrittenen Text Böhmermanns im PERSONELICH-BLOG  zitiert.

Denn: In zahlreichen Medien wurde über den beanstandeten Auszug des fragwürdigen Gedichtes geschrieben und diskutiert, ohne dass viele den Text kannten. Der beanstandete Auszug wurde umgehend  im Archiv des ZDF gelöscht  und war kaum mehr auffindbar. Mir ging es nun vor allem um die Grenzen der Fäkalsprache in diesem Auszug. Ich überliess dem Publikum das Urteil über das VERWENDEN von primitiven Zoten, um auf Missstände hinzuweisen.

Christof Moser  kommentierte meinen Beitrag mit folgenden Worten:

Christof Moser, 15.04.2016 14:15 Uhr
Herr Knill, Sie haben nicht das Geringste verstanden: Das Gedicht ohne Kontext zu publizieren ist nicht nur sinnlos, sondern auch dumm und gefährlich, weil es Böhmermanns satirische Aktion bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

Die Gedanken von Jakob Augstein erübrigen mir nun  eine Replik zum  Angriff auf meine Person. Augstein bringt das Problem Kontextkommunikation bei Grenzüberschreitungen auf den Punkt.
Ich zitiere:

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Vielfach wurde argumentiert, Böhmermanns Erdogan-Nummer sei schon deshalb vertretbar, weil sie in eine distanzierende Anmoderation verpackt war. Der Moderator denkt laut über die Grenzen des in Deutschland Erlaubten nach und bringt sein eigenes Gedicht als Beispiel für einen Rechtsbruch. Doch auch der Rechtsbruch zum Zweck der Illustration ist ein Rechtsbruch. Wenn man zu Anschauungszwecken an der Straßenecke eine Oma niederschlägt, um das Gewaltverbot zu erläutern, war das dennoch Körperverletzung.

Aber Böhmermanns Verleger Helge Malchow spricht in der "Süddeutschen Zeitung" von "Kontext-Kommunikation", die sei "das Wesen moderner Kunst. In unserer hochkomplexen Gesellschaft gibt es oft kein eigentliches Sprechen mehr. Man muss immer den Kontext mitdenken".

Satire - kein Rechtsschutz für verbale Gewalt

Aha. Wenn also alles im richtigen Kontext steht, dann sind die Grenzen nach oben und unten hin offen. Oder doch nicht? Vielleicht stört Böhmermanns Erdogan-Gedicht die Deutschen nur deshalb so wenig, weil er sich einen muslimischen Staatschef zum Ziel nimmt. Mit dem kann man es ja machen. Wie wäre es denn gewesen, wenn Böhmermann lauter antisemitische Klischees benutzt hätte und nicht anti-muslimische?

In einem der wenigen nachdenklichen Texte, die über die Causa Böhmermann erschienen sind, hat die Journalistin Caroline Fetscher geschrieben: "Jeder Antisemit und Neonazi dürfte seine hate speech, derart gerahmt, öffentlich zur Satire nobilitieren. "Was jetzt kommt, liebe Juden, das zu sagen, ist strafrechtlich relevant!", oder:


"Asylantenheime anzünden, nein, das ist verboten, man darf also nicht ..." Zynisch zwinkernd würde der Neo-Satiriker beteuern: "Ich wollte doch nur auf lustige Weise Gesetze erläutern."
Artikel 1 des Grundgesetzes handelt von der Würde des Menschen. Sie wiegt schwerer, als das Recht auf dumme Witze. Erdogan kann noch so brutal und gefährlich sein. Der Satire-Begriff ist kein Rechtsschutz für verbale Gewalt.

"Kunst kommt nun einmal nicht von Kotzen." Der Satz stand in der "Süddeutschen Zeitung". Allerdings ist er schon älter, genau zwanzig Jahre. Damals hatte Christoph Schlingensief zur Tötung von Helmut Kohl aufgerufen.
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Guten Abend Christof Hofer

Ob Jakob Augstein auch nicht das Geringste von Kommunikation versteht und im Spiegel ebenfalls einen dummen Beitrag publiziert hat, weil er die Kontextkommunikation in gewissen Fällen  in Frage stellt?

Mit kollegialen Grüssen

Marcus Knill 

Hat Christoph Blocher nichts gelernt?

Christoph Blocher müsste eigentlich wissen, dass jeder Politiker, der die Nazikeule schwingt oder Vergleiche mit den Judenververfolgungen macht, das Zwei am Rücken hat.

Es ist für mich unbegreiflich, dass ein erfahrenen Rhetoriker unbedacht in die Falle eines TABU-Vergleichs tappt:

Ich zitiere BLICK-online:

Gestern sagte Christoph Blocher im Interview mit der «Zürichsee Zeitung», dass die SVP keine Oppositionspartei sei. Man könnte also meinen, die Partei habe sich beruhigt und müsse nicht mehr um jeden Preis provozieren. Weit gefehlt. Denn etwas weiter unten im Interview folgt ein völlig deplatzierter Judenvergleich.
Eigentlich ging die Frage darum, warum Blocher als neuer Partei-Chefstratege für weniger Initiativen von Seiten der SVP plädiert.
Darauf sagte der alt Bundesrat: «Wenn alle Medien und die übrigen Parteien nur noch das Ziel haben, die SVP zu verleumden, zu diskriminieren und nieder zu machen – in erster Linie aus Neid und Missgunst –, stimmt man nicht mehr über Sachfragen ab.»
Und dann setzt er noch einen drauf: «Hierin hat der Abstimmungskampf über die Durchsetzungsinitiative einen nie gekannten Höhepunkt erreicht. Der Kampf gegen die SVP vonseiten der Staatsmedien und von ‹Blick› bis zur ‹NZZ› hat mich in ihrer ­Radikalität an die Methoden der Nationalsozialisten den Juden gegenüber erinnert.»

«Kein grosses Geschichtsverständnis»: Kreutner über Blocher.
«Kein grosses Geschichtsverständnis»: Kreutner über Blocher.
Starker Tobak.
Beim Israelitischen Gemeindebund ist man empört: «Leider werden solcherlei Vergleiche, die die nationalsozialistische Judenverfolgung banalisieren, immer wieder geäussert», sagt Generalsekretär Jonathan Kreutner zu BLICK. «Das zeugt von keinem grossen Geschichtsverständnis.»
Zur Erinnerung: Auf der einen Seite gehts um eine politische Initiative, gegen deren Auswirkungen die Medien vor allem inhaltlich argumentiert haben. Auf der anderen Seite um Hitlers Holocaust, bei dem sechs Millionen Juden getötet wurden.

KOMMENTAR:

Erstaunlich, dass Politiker immer wieder in die Nazi- oder Hitlerfalle tappen. Auch wenn Blocher nur sagt, hat mich an..... erinnert, so wird dies als Vergleich interpretiert. So ein peinlicher Fehler dürfte einem Profi Politiker nicht unterlaufen. Christoph Blocher zeigt sich uneinsichtig. Er habe bewusst gesagt, die Methoden hätten ihn nur an jene der Nazionalsozialisten erinnert und nicht, dies wären  jene Methoden gewesen.
LINKS:
15. Febr. 2016 ... Was hat dieser Politiker für Probleme, dass er zur NAZI Keule greifen muss? ... Die Nazikeule ist bei Kommunikationsprozessen so tabu, wie ...
knill.blogspot.com


2. Jan. 2011 ... Dieser schlug mit der Nazikeule zurück und kommt nun dadurch selbst in die Schlagzeilen. Aus dem Blick: Als Jean-Claude Juncker der ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/01_02a/

Montag, 18. April 2016

Bagetellisiert Simonetta Sommaruga den Enteignungspassus?

Die SVP versucht die Enteignungsfrage ins Zentrum der Diskussion zu rücken.

Die Gemeinden können den Bau eines Zentrums nicht mehr verhindern können. Das geht der SVP zu weit.

Ich zitiere 20 Min.:

  • Enteignungsmöglichkeit

Die SP-Bundesrätin hält die Enteignungsmöglichkeit für zentral im neuen Plangenehmigungsverfahren. Es gehe «darum, die Asylzentren rasch bauen zu können». Kantone und Gemeinden hätten weiterhin ein Mitspracherecht, Beschwerden blieben möglich. Doch ein einziger Beschwerdeführer werde nicht mehr den Bau eines Zentrums über Jahre hinaus verhindern können.
Dass das Gesetz, über das am 5. Juni abgestimmt wird, Enteignungen ermöglicht, ist ein wichtiges Gegenargument der SVP, welche erfolgreich das Referendum gegen das Asylgesetz ergriff. Auch der Hauseigentümerverband, präsidiert von SVP-Nationalrat Hans Egloff, nutzt den Enteignungspassus in seiner Kampagne: Der Verband zeigt sich in einem offenen Brief in mehreren Sonntagsblättern besorgt. Bei Enteignungen, die unter anderem auch beim Strassenbau oder für Atomanlagen möglich sind, erhalten die Eigentümer eine Entschädigung, wenn sie Land abgeben müssen.


KOMMENTAR: Das neue Asylgesetz wird wieder zum Seilziehen aller Parteien gegen die SVP sein.
Bundesrätin Sommaruga setzte sich an der SP Delegiertenversammlung für die vorgesehende Enteignung ein.
Diese werde den Gemeinden keine Probleme bringen.
Wir  müssen auch bei dieser Abstimmung davon ausgehen, dass wiederum die SVP das Gesetz nicht mehr verhindern kann.
Anderseits werden die Gratisanwälte und die Enteignungsmöglichkeit recht viele NEIN Stimmen mobilisieren können. 
Bei der Enteignung geht es nämlich um eine weitere Beschränkung der Gemeindeautonomie. Ein Einzelner kann keine Beschwerde mehr einreichen. Auch der Hauseingetümerverband wehrt sich vehement gegen die neue Enteignungsmöglichkeit.
Eine Ablehung der Asylgesetzes wäre aus meiner Sicht eine
grosse Schlappe für das politische Personal. Die Chance für ein Nein bleibt jedoch gering.

Sonntag, 17. April 2016

Schrumpf Trump

Beginnt die Abwärtsspirale?

Bildergebnis für trump  

Bei den Präsidentschaftsvorwahlen der 
Republikaner in den USA nimmt der 
Vorsprung des Bewerbers Donald Trump
 auf seinen Konkurrenten Ted Cruz ab. 
Im Bundesstaat Wyoming sicherte sich 
Cruz am Samstag (Ortszeit) 
alle 14 Delegiertenstimmen.

Merkel will die No-win Situation meistern mit eines SOWOHL - ALS AUCH Strategie

Angela Merkel gibt den schwarzen Peter dem Gericht weiter

(nach SRF)

Die deutsche Regierung hat strafrechtliche Ermittlungen gegen den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zugelassen. Kanzlerin Angela Merkel betonte aber: Staatsanwaltschaften und Gerichte hätten das letzte Wort.
Die deutsche Regierung hat ein Ermittlungsverfahren gegen den ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wegen Beleidigung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zugelassen.
Sie pochte aber zugleich auf das Grundrecht der Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit und forderte dies auch von der Türkei ein. «Im Rechtsstaat ist die Justiz unabhängig. (...) In ihm gilt die Unschuldsvermutung.» Nicht die Regierung, sondern Staatsanwaltschaften und Gerichte hätten das letzte Wort.

KOMMENTAR: Die Kanzlerin pocht einerseits auf die Meinungsfreiheit und kann anderseits mit den strafrechtlichen Ermittlungen Erdogan signalisieren, ich nehme die Beleidigung gegen Dich ernst!
Merkel kann sich ein gestörtes Verhältnis mit der Türkei nicht leisten. Bei der Asylfrage ist sie auf Erdogan angewiesen.
 

Das Dilemma

Pressefreiheit für "primitive Zote“?



Eine Zote ist für den Duden ein derber obszöner Witz, der gegen den guten Geschmack verstösst.
In Deutschland tobt zur Zeit ein Streit auf verschiedenen Ebenen über Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht gegen Erdogan.



Jan Böhmermann soll den türkischen Präsidenten beleidigt haben. Foto: dpa

Wer es liest, muss sich die Frage stellen, ob primitiven Zoten auch geschützt werden müssen.
Das Gedicht wurde im ZDF gesendet. Die Zeilen führten jedenfalls zu einer Auseinandersetzung auf diplomatischer Ebene und ist  aus dem Ruder gelaufen.
Angela Merkel verbrennt sich die Finger, wenn   Böhmermann (als Satiriker) angeklagt wird.
Aber auch dann, wenn sie die beleidigenden Worte unter dem Segel „Medienfreiheit“ verteidigt.
Jedenfalls eine „No-win Situation“ für das politische Berlin.

Das ZDF hat die Passage im Archiv sofort gelöscht. Begründung: Der Text entspricht nicht den gängigen Qualitätsanforderungen.
Es gibt nicht wenige Kulturschaffende, die sich anderseits gegen jegliche Beschränkung der Satirefreiheit stark machen.
Damit sich das Publikum selbst ein Urteil fällen kann, muss ich leider das Gedicht  wortwörtlich zitieren (Quelle FAZ).

Jan Böhmermann:

Schmähkritik

Sackdoof, feige und verklemmt,
ist Erdogan der Präsident.
Sein Gelöt stinkt schlimm nach
Döner,
selbst ein Schweinefurz riecht schöner.
Er ist der Mann, der Mädchen
schlägt,
und dabei Gummimasken trägt.
Am liebste mag er Ziegen ficken,
(Unterbrechung 1)
Das wäre jetzt quasi eine Sache
die…

Ralf Kabelka: Nee(und schüttelt den Kopf)

Jan Böhmermann:

Kurden treten, Christen hauen,
und dabei Kinderpornos schauen.
Und selbst abends heisst
statt schlafen,
Fellatio mit hundert Schafen.
Ja Erdogan ist voll und ganz,
ein Präsident mit kleinem Schwanz.
(Unterbrechung 2)
Das ist eine Sache...

Ralf Kabelka: Das darf man nicht machen.

Böhmermann: Das darf man nicht machen.

Ralf Kabelka: Nicht Präsident sagen.

Böhmermann:

Jeden Türken hört man flöten,
die dumme Sau hat Schrumpel-
klöten.
von Ankara bis Istanbul,
weiss jeder, dieser Mann ist schwul.
Pervers, zerlaust und zoophil
Recep Fritzl Priklopil.
Sein Kopf so leer wie seine Eier,
Der Star auf jeder Gangbang-Feier.
Bis der Schwanz beim pinkeln
brennt,
das ist Recep Erdogan, der türkische Präsident.
(Ende Zitat)

Bildergebnis für Fragen  

Bei den Fragen, die eine Antwort erheischen geht es nicht um den Kontext der Aktion von Böhmermann. Die Antworten betreffen nur diesen Txtausschnitt:
Müssen solche primitiven Texte  geschützt werden?
Darf Satire tatsächlich alles?
Gibt es nicht auch Grenzen  des guten Geschmacks?
Beantworten Sie diese Fragen  für sich allein. Ihr Urteil?
Politiker, Juristen und Experten werden sich jedenfalls über diesen Text noch lange den Kopf zerbrechen.
Angela Merkel und ihre Berater sind nicht zu beneiden. Sie stecken derzeit alle in einem Dilemma.