Donnerstag, 12. November 2015

Wärmerekorde im November

  Nun auch Novemberrekord in den Bergen

 

Temperaturrekorde purzelten in den Bergen

(Quelle SRF)
Nach den Novemberrekorden letzten Samstag im Flachland, kam es nun in den Bergen zu vielen neuen Höchstwerten.

Nach den Novemberrekorden im Flachland  - Wynau (18.8 °C) und Fahy (20.7 °C) - purzelten am Sonntag die Temperaturrekorde in den Bergen reihenweise. Grund dafür war einerseits die Lage des Hochs und das Wärmereservoir bei Marokko. Das Hoch lag mit seinem Zentrum am Sonntag über dem Zentralen Mittelmeer und konnte im Uhrzeigersinn drehend die Warmluftblase von Marokko über Spanien bis hin zu den Alpen führen. Da die Luft im Hoch sehr trocken ist, konnte die Sonneneinstrahlung die herangeführte Warmluft noch etwas aufheizen. Diese Kombination führte zu einigen neuen Novemberrekorden.

Gedanken zu HALLO SRF

Die gute Einschaltquote bestätigt: Hallo SRF hatte beim Publikum eine gute Resonanz. Das Publikum schätzt den direkten Dialog.

 

Das Publikum im Dialog mit SRF-Direktor Ruedi Matter

SRF-Direktor Ruedi Matter stand dem Publikum Rede und Antwort: Fragen, Kritik, Wünsche und Anliegen der Zuhörerinnen und Zuschauer standen im Zentrum des Live-Talks. Durch die Sendung führte «Arena»-Moderator Jonas Projer.
Ruedi Matter im Fernsehstudo vor Publikum
Zu den Fragen aus dem Publikum und den 
Antworttechniken von Ruedi Matter:

Co-Kommentatoren bei Sportanlässen sind überflüssig.

Matter nutzt bei dieser Frage die Sowohl-als Auch Argumentation: 
Es gibt jene, die möglichst viel von den Kommentatoren hören möchten, und solche, die lieber wenig hören möchten, um sich auf das Geschehen am Bildschirm zu konzentrieren. Eine Gratwanderung also, die unsere Redaktionen laufend diskutieren.


Weshalb bringt SRF nicht mehr Schweizer Folklore/Volkstümliches?

Matter zählt alle Sendungen auf, die volkstümliches und Folklore beiinhalten und beweist damit, dass der Genre genügend abgedeckt ist.

Die Musikauswahl auf den Radiosendern ist eintönig.

Matter: Musik ist selbstverständlich auch Geschmacks- und Interessenssache – die verschiedenen SRF-Radioprogramme versuchen, dem mit je ganz unterschiedlichen Musikprofilen gerecht zu werden. Bei Radio SRF stellen Musikredaktoren die Musikprogramme zusammen. Sie überprüfen laufend den Musikmix und bauen das Musikarchiv aus. Bei der Titelauswahl achten sie auf eine ausgewogene Mischung zwischen weiblichen und männlichen Interpreten, langsamen und schnelleren Stücken sowie Musiktiteln in verschiedenen Sprachen.

Wiederum eine "Sowohl als auch" Argumentation: wir müssen diese und jene Wünsche berücksichtigen!

Warum bringt SRF statt Unterhaltung nicht mehr Information?


Matter: Die Information ist also ein wichtiger Pfeiler unseres Programms. Aber: Unterhaltung ist Teil unserer Gesellschaft. Unterhaltung schafft Lebensqualität. Deshalb gehört auch Unterhaltung dezidiert zu unserem im Radio- und TV-Gesetz definierten Auftrag.

Die Taktik: Es braucht beides: sowohl die Information als auch die Unterhaltung.
Heisst: Wir machen es schon richtig.

Warum sendet SRF so viele Trailer/Eigenwerbung?

Matter: Vor zwei Jahren hat SRF die Anzahl der Trailer massiv reduziert und den Fokus stärker auf ausserordentliche Sendungen gelegt. Das Ziel von Trailern und Einblendern ist es, das Publikum auf kommende Sendungen aufmerksam zu machen oder darüber zu informieren.

Hier hätte Matter sagen können, dass man die Dosierung nochmals überprüfen und untersuchen werde (wie viele Konsumenten die Trailer als störend empfinden). Die Antwort überzeugt nicht.

Weshalb wechselt am Fernsehen die Lautstärke so oft, besonders bei der Werbung?

Matter: Seit dem 29. Februar 2012 strahlt die SRG ihre TV-Programme gemäss dem «Loudness Standard R128» der European Broadcast Union aus. Auch die Werbeblöcke unserer TV-Programme sind seit diesem Zeitpunkt «normalisiert». Das heisst, die Lautheitspegelung ist gleichmässig.
Trotz der neuen Norm kann es bei bestimmten Programminhalten zu Lautheitsunterschieden gegenüber der Werbung kommen. Diese werden vom Publikum vor allem bei Spielfimen (z.B. Hollywood-Actionfilme) mit grosser Kino-Lautheitsdynamik wahrgenommen. In diesen Filmen werden Dialoge gegenüber den Actionszenen manchmal sehr leise gemischt. Wenn nun die Zuschauer die Lautstärke ihres TV-Geräts den Dialogen anpassen, scheint die Werbung gegenüber den Dialogszenen des Films als viel zu laut.
Zu korrigieren wäre dies nur mit einer dynamischen Nachbearbeitung: ein erheblicher zusätzlicher Aufwand. An Verbesserungen in Form von automatisierten, kostengünstigen Nachbearbeitungen wird weltweit gearbeitet. Allerdings dürfte es noch einige Zeit beanspruchen, bis eine solche Lösung für das Publikum wirksam umgesetzt ist.

Die Begündung leuchtet ein - dank den technischen Details.

Gewisse Personen/Sendungen auf SRF sind überflüssig.

Matter: Die Geschmäcker und Vorlieben des Publikums sind höchst unterschiedlich. Die Meinungen, was ein «gutes Fernsehprogramm» ist, gehen weit auseinander. Dieser Tatsache täglich aufs Neue gerecht zu werden, ist unsere grosse Herausforderung. Das heisst aber auch: SRF kann nicht immer und zu jeder Zeit dem gesamten Publikum gerecht werden.

Das heisst: Wir können es nicht allen recht machen.

Warum gibt es am Samstagabend nicht mehr Sendungen für ältere Leute – wie früher «Benissimo»?

Matter: SRF zeigt am Samstagabend ein breites Spektrum an Sendungen, die auch ein älteres Publikum ansprechen. Dazu gehören, um nur einige Beispiele zu nennen, «Happy Day», «Hello Again!», «Viva Volksmusik», Spezialausgaben der Quizsendungen, «SRF bi de Lüt – Hüttengeschichten Spezial», «SRF bi de Lüt – Landfrauenküche» Finale, Koproduktionen wie «Beatrice Egli – Die grosse Show der Träume», «Spiel für dein Land» oder die «Stadlshow».

Mit der Aufzählung von Sendungen "für Aeltere?" sieht der SRF Direktor den Tatbeweis: Wir machen genug für die Senioren.

Weshalb werden am Sonntagabend immer Krimis gesendet?

Matter: Der Sonntagabend ist traditionell «Tatort»-Zeit. Seit 2010 steuert SRF dem «Tatort»-Verbund mit ARD und ORF jährlich zwei Schweizer «Tatort»-Folgen bei. Wenn der «Tatort» pausiert, zeigt SRF auf diesem Sendeplatz Schweizer Filme: darunter die Premieren von jährlich vier eigenproduzierten Fernsehfilmen, die ganz unterschiedliche Themen aufgreifen, zuletzt etwa die Beziehung eines behinderten Jugendlichen zu seinem Vater oder die Geschichte einer Midlife Crisis.

Die Antwort ist einfach: Weil es immer so war. Weil es Tradition ist.

Es gibt Anregungen, die Ruedi Matter als Anregung hätte ernster nehmen müssen, zum Beispiel:

Der Wunsch auf Verzicht von Unterbrecherwerbung.

Matters Antwort überzeugte nicht. Die Werbung könnte problemlos auf die anderen Blöcke verteilt werden

Es fehlten nach meinem Dafürhalten Formulierungen, wie:

"Vielen Dank für die Anregung. Wir werden das überprüfen"
"Wir schätzen diese Kritik und werden untersuchen, ob...."
"Ihre Anregung leite ich gerne weiter"
usw.



KOMMENTAR: Aussagen in den nachfolgenden Kritiken, welche ich teile, markiere  ich GRUEN

DIE KRITISCHEN STIMMEN (NACHLESE):

Watson kritisiert:

Fazit: Ein weiteres Kommunikations-Eigengoal der SRG Highlight«Hallo SRF», die Sendung, die es nur gibt, weil die SRG bei der RTVG-Abstimmung im Juni komplett abgestraft worden ist, hat sich spätestens nach der vierten Zuschauerfrage als bemühend-volksnahe PR-Aktion in eigener Sache erwiesen. Moderator Jonas Projer hat zu Protokoll gegeben, er und sein Team hätten im Vorfeld über 6000 Fragen und Reklamationen zur Tätigkeit von SRF erhalten. In der Sendung sind dann hauptsächlich Beschwerden über Pünktlichkeit, technische Fragen zu DAB+ und die Redefrequenz von Fussballkommentatoren behandelt worden. Die Fragen, deretwegen die SRG unter anderem an der Urne abgestraft worden ist, fallen unter den Tisch. SRF-Direktor Ruedi Matter will über die Gebührenverwendung und politische Ausrichtung der Redaktionen nicht sprechen. Er gibt Standard-PR-Antworten, Projer hakt nicht nach und Zuschauer, die hätten nachhaken können, sind nicht eingeladen worden. Es wäre verwunderlich, wenn sich nach dieser Sendung viele kritische SRF-Zuschauer und -hörer ernster genommen fühlten, als vor dieser Sendung.

20 min kritisiert die Sendung:

«Nur warme Luft», ärgert sich zum Beispiel Leser Schämu. «Was nützten tausende Fragen von Radio- und Fernsehen-Konsumenten, wenn keine zwanzig beantwortet werden?», schreibt er im Kommentar. Herbert vermutet hinter der Sendung gar Kalkül: «Hauptsache, die Macher konnten ihr schlechtes Gewissen etwas beruhigen.»
«Matter elegant wie am Opernball in Wien»
Es gab aber auch positive Stimmen. Peter Müller ist mit «Hallo SRF» ziemlich zufrieden. «Recht kann man es sowieso nicht allen machen», analysiert er. Das SRF könne sowieso nichts dafür, «der wahre Feind ist die Billag!» Etwas mehr Interaktion hätte sich Leser Freiheit gewünscht, stellt der Sendung aber ein gutes Zeugnis aus: «SRF bot den Nutzern Gelegenheit, sich offen zu äussern, das finde ich toll.»
Ob die brennenden Fragen der Zuschauer beantwortet wurden, war 20-Minuten-Leser Kari Lager ziemlich egal. Ihm stach nur das Outfit des SRF-Direktors ins Auge. «Herr Matter hatte ein elegantes Outfit wie am Opernball in Wien», kommentierte er mit einem Augenzwinkern.

Echo von Bluewin.ch:


Hallo SRF! Hallo Alibiübung!


Mit «Hallo SRF!» suchte TV-Boss Ruedi Matter den Dialog mit den Zuschauern. Eine Diskussion zu den dringendsten Themen fand nicht statt.
Eines vorweg: Wenn das Schweizer Fernsehen aus offenbar 6000 Einsendungen jene 250 Zuschauerinnen und Zuschauer selbst auswählt, die in der gestrigen Live-Sendung SRF-Boss Ruedi Matter kritische Fragen stellen sollen, wird schnell klar, wie es mit der Glaubwürdigkeit aussieht. Vielleicht nicht ganz zu vergleichen mit einer Wahl in Pjöngjang , aber ein wenig geht’s in diese Richtung. Dennoch erklärte der sichtlich motivierte Moderator Jonas Projer gleich zu Beginn, man solle seinen Chef mit unangenehmen Fragen «ruhig grillen». Schliesslich stünde er auf der Seite der Zuschauer. Auch bereits bekannt sei Matter nicht eine einzige Frage.

Angriffige Moderation

Tatsächlich gab sich Projer in der Folge bemüht angriffig, und er sorgte für ein flottes Tempo. Ein ums andere Mal fuhr er seinem Chef übers Maul, oder er ergriff Partei für die Zuschauer. Gut auch: Der «Arena»-Mann hakte nach, wenn sich Matter auf Allgemeinplätze begab oder unangenehme Fragen mit einem Themenwechsel zu umgehen versuchte. So richtig ins Schwimmen geriet der TV-Boss trotzdem nicht. Zu geübt ist Matter im Umgang mit den ewig gleichen Vorwürfen ans Schweizer Fernsehen; nicht umsonst begann er jede Antwort mit einem Satz im Stil von: «Dieses Thema ist bei uns schon lange bekannt.» Trotzdem wirkte Matter, der zuletzt öfters die Nähe zum Publikum suchte, weder arrogant noch besserwisserisch. Trotz seiner eher trockenen Ausstrahlung konnte er mit sachlichen Argumenten und feinem Humor überzeugen.
Das Problem war das Konzept. Wenn jeder der 250 Zuschauer über das referieren darf, was ihn gerade beschäftigt, kommt ein sinnloses Jekami heraus. Dem einen passt der Tennis-Experte nicht, dem anderen die Synchronisation von Interviews. Hier will einer andere Musik für SFR 3, dort moniert einer die Lautstärke; und die Teenagerin möchte, dass die «Rundschau» beginnt, bevor sie ins Bett muss. So kann keine Diskussion über das Schweizer Fernsehen entstehen. Das ist schade, denn gerade in diesen Tagen wäre sie nötiger denn je: Die Frage, was zum Service public gehört (und was nicht), ist von zentraler Bedeutung und nicht damit abgetan, dass – wie Matter beschwichtige – «jeder etwas anderes sehen will». Gerade die jüngste Abstimmung hat gezeigt: Was und für wie viel Geld die SRG künftig produzieren soll, muss diskutiert werden.

Tabuthema Billag

Allerdings nicht in einer Sendung wie «Hallo SRF!». Denn auch ein Thema wie die Billag, respektive ihre Existenzberechtigung sowie die Höhe der TV-Gebühren wurde nur oberflächlich behandelt. Nicht umsonst meinte die Fragestellerin resigniert, dass sie Matters Antwort «nicht wirklich zufrieden gestellt» habe. So wirkte «Hallo SRF!» letztlich wie die vermeintliche Offenlegung der Sendungskosten vor ein paar Wochen – eine Alibiübung, der eine vertiefte Diskussion erst noch folgen muss.




BLICK findet:

«Hallo SRF» 
Matter gehts kaum
Der TV-Direktor Ruedi Matter stellte sich gestern den Fragen der Zuschauer zum SRF. Es kam jedoch keine Kritik auf, die Matter aus der Ruhe hätte bringen können.
Brave Fragen, gelassener TV-Chef: Ruedi Matter in der ersten Ausgabe von «Hallo SRF».
Brave Fragen, gelassener TV-Chef: Ruedi Matter in der ersten Ausgabe von «Hallo SRF».
Weder Showdown noch Schulterklopfen: «Hallo SRF» plätscherte gestern als weitgehend emotionslose Fragerunde über den Sender. Gelassen beantwortete TV-Direktor Ruedi Matter (62) die Fragen eines vorwiegend älteren Publikums, das sich am meisten darüber ärgerte, dass im Hintergrund SRF-Stars Telefonate von Gebührenzahlern entgegennahmen.«Ruedi Matter ist zwar mein Chef, aber ich stehe heute auf Ihrer Seite», begrüsste «Arena»-Moderator Jonas Projer (33) die Gäste. Nach zögerlichem Start ging es aber nicht um die brennenden Frage, welche Sendungen künftig noch zum Service public gehören, oder die teuren Sportrechte. Das Publikum beschäftigte vor allem laute Hintergrundmusik, Unterbrecherwerbung und Unpünktlichkeit.
Schliesslich enervierte sich eine Zuschauerin doch noch über die hohen Gebühren. «Wenn wir einzelne Sendungen streichen, sparen wir nicht viel», erklärte Matter freundlich. Nach knapp 60 Minuten brach Projer die Sendung abrupt ab und verwies auf das dringlichste Problem der Zuschauer – die geforderte Pünktlichkeit.
Mit «Hallo SRF» hat uns das Schweizer TV zwar nicht für blöd verkauft, aber fürs Hauptabendprogramm ist die Sendung zu seicht.

ECHO PERSOENLICH.COM:

Ruedi Matters "Sowohl-als-auch-Strategie" bei "Hallo SRF!"

Medienkritik im eigenen Haus und sogar live: Am Mittwochabend fand der grosse Showdown bei SRF statt. In einer 45-minütigen Sendung löcherte "Arena"-Moderator Jonas Projer seinen Chef. Bei welchen Fragen hat SRF-Direktor Ruedi Matter alt ausgesehen? Und ist es ihm gelungen, sich diplomatisch und nahbar zu zeigen? Ein Augenschein hinter den Kulissen von "Hallo SRF" im Leutschenbach.
1. Wie angespannt war die Stimmung beim SRF?
Mindestens 9 auf einer Skala von 10. "Hallo SRF!" scheint schon seit Wochen Gesprächsthema Nummer Eins im Leutschenbach gewesen zu sein. Wie wird der nicht unbedingt für volksnahe Kommunikation bekannte SRF-Chef Ruedi Matter seine Aufgabe meistern? Welches sind die giftigsten Fragen aus dem Publikum? Wird es Sendungen oder einzelne Moderatoren geben, die besonders unter die Räder kommen? Auch bei den rund 250 Gästen im eigens aufgebauten Studio und im "Greenroom", wo Journalisten die Sendung live mitverfolgen konnten, ist die Anspannung vor Sendestart deutlich spürbar.
Um 20.06 Uhr geht es los. Und Projer stellt die erste der eingegangenen rund 6'000 Zuschauer-Fragen. Es geht um Werbung: "Warum hat SRF Unterbrecherwerbung zwischen Tagesschau und Meteo, anders als in Deutschland oder Österreich?".

2. Welche Kommunikationsstrategie hatte sich Ruedi Matter zurecht gelegt und wie gut konnte er diese umsetzen?
Gross vorbereiten konnte sich Ruedi Matter nicht. Einzig: Er trainierte die Live-Situation zusammen mit dem Kommunikationsteam von SRF. Zudem ackerte er sich durch Dossiers zu Reizthemen wie Sendungskosten, Gebühren oder Service-Public. Schon bei der ersten Antwort wird deutlich, was sich Matter für die Sendung vorgenommen hatte: Die "Sowohl-als-auch-Strategie", sprich Verständnis für die Anliegen des Publikums zeigen und das Verhalten von SRF schlüssig erklären.
Dies zeigte sich an Sätzen wie "diese Frage betrifft sehr viele Leute in diesem Land …", "klar haben Landeskirchen grösseres Gewicht, aber freidenkende kommen etwa in der Sternstunde zu Wort" oder "ich sehe das Problem, aber Werbung ist vertraglich vereinbart …". Zudem gibt er sich demütig, zum Beispiel als er zugibt: "Es passieren in unserem Haus auch Fehler, nämlich dann, wenn ein 'Tatort'-Trailer vor dem 'Guet-Nachtgeschichtli' läuft".
Matter gelingt es locker zu bleiben, zumindest bis zum Zeitpunkt, als ein Zuschauer im Studio Kritik am Setting der laufenden Sendung äussert. Er wirkte insgesamt verständnisvoller und publikumsnaher als erwartet und konnte den Grossteil der Fragen zufriedenstellend beantworten.

3. Hat Jonas Projer die wirklich harten Fragen ausgesucht?
Projer stand nicht wie etwa von blick.ch befürchtet auf der Seite Matters. Der "Arena"-Moderator formulierte Zuschauerfragen um oder forderte konkrete Antworten ein. Er schaffte es jedoch nicht, die interessantesten, konstruktivsten Inputs während der Sendung anzusprechen, sondern sie kamen erst im anschliessenden Livestream auf srf.ch zur Sprache: die Sparmassnahmen, das Musik-Konzept bei den Radiosendern, die Unterhaltung als Service-Public und das zu karge Kinderprogramm.
Zur Auswahl der Fragen sagt Projer: "Ein Grossteil, resp. über 80 Prozent der rund 6‘000 eingegangenen Zuschauerfragen behandeln die Themen Verständlichkeit/Sprache, Werbung, Sport und Gewaltszenen im TV. Erstaunlich wenige hingegen betreffen die Billag oder die Service-Public-Diskussion. Weil wir diese öffentlich sehr kontrovers diskutierten Themen in 'Hallo SRF!' auch ansprechen wollten, berücksichtigten wir sie weit überproportional“, so der Moderator im Anschluss an die Sendung im Gespräch mit persoenlich.com.

4. Was taugt dieses Konzept? 
Loben wollen wir an dieser Stelle, dass Ruedi Matter tatsächlich spontan antwortete, weil er die Fragen im Vorfeld nicht kannte. Dies im Gegensatz zum vergleichbaren deutschen Format "ARD-check Die Sendung", bei dem die beiden ARD-Intendanten vorher informiert wurden. "Hallo SRF!" ist kein weichgespültes PR-Interview. Und die Tatsache, dass sich das öffentlich-rechtliche Unternehmen jetzt wieder ein selbstkritisches Format leistet, zeigt, dass das knappe Ja zum RTVG das Kader im Leutschenbach wachgerüttelt hat. In der bevorstehenden Debatte um den künftigen Service Public will man sich publikumsnäher geben und das Image offensiv verbessern. 
Seine Ziele erreicht "Hallo SRF!" aber nicht dann, wenn der Radio- und TV-Chef während der Livesendung alle Fragen souverän beantwortet. Wichtig ist vielmehr, dass die Interaktion mit dem Publikum interne Diskussionen über Selektionskriterien, Handwerk, massvollen Ressourcen-Einsatz, Junge als Zielgruppe oder Staats- und Wirtschaftsnähe anregt.
Nun braucht SRF nur noch eine Strategie dafür, wie diese selbstkritische Auseinandersetzung in einem ständigen Format nachhaltig weitergeführt werden kann. Und wie daraus Konsequenzen gezogen werden.

TAGI sieht sieben Probleme:

Das neue Format «Hallo SRF» hat sieben Probleme. Und weil wir konstruktiv sind, servieren wir auch sieben Lösungsvorschläge.

Problem I: Inhaltliches Durcheinander – Mehr Struktur, bitte!

Das Schweizer Fernsehen hat im Vorfeld über 6000 Fragen und Reklamationen zur Tätigkeit von SRF erhalten. 6000! Man muss sich das mal vorstellen! Während der Sondersendung wurde allerdings nicht einmal ein Hundertstel davon berücksichtigt. Für den Zuschauer war die Fragerei gar eine Zumutung. Man redete über alles und eigentlich über nichts richtig. Man zappte von Thema zu Thema. Sollte das Format fortgesetzt werden, muss Moderator Jonas Projer unbedingt Themenblöcke einführen. Freestylen können nur die von Joiz. (Wertvoller Vorschlag)


Problem II: Hetzerei – Weniger ist mehr!

Wie soll eigentlich eine Debatte entstehen, wenn der Moderator aus Zeitdruck Diskussionen nach wenigen Minuten jeweils abklemmen muss? Weniger ist eindeutig mehr. Es braucht Raum für ein verbales Pingpong. Die Billag-Diskussion wurde beispielsweise abgebrochen, als es richtig konfrontativ wurde. Also liebes Schweizer Fernsehen: Gebt den Debatten Luft!

Problem III: Wo sind die wahren Probleme?

«Gehen Sie fadengrad drauf, was SRF besser machen soll», forderte Moderator Jonas Projer das Publikum auf. Man hätte also die Chance gehabt, über die wahren Baustellen zu reden. Über einzelne Formate, über die Verwendung der Gebühren, die politische Ausrichtung der Redaktionen, über die RTVG-Abstimmung. Stattdessen beanstandete das Publikum die Pünktlichkeit. Man ärgerte sich über Fussballkommentatoren. Die Sprachwechsel während der Übertragung eines Velorennens wurden kritisiert. Hand aufs Herz: Inhaltlich waren die Fragen aus dem Publikum eine Zumutung. Sie waren grösstenteils kleinlich. Das Publikum nörgelte herum. Es jammerte auf hohem Niveau. Auch hier: Themen vorgeben. (Themen dürfen bei einer offenen Fragerunde vom Publikum kommen)

Problem IV: Ruedi Matter – Ersetzen!

Nach der gestrigen Sendung fragt sich der Autor dieser Zeilen: Ist SRF-Direktor Ruedi Matter der Richtige für eine solche Übung? Nein. Über heikle Themen konnte oder wollte Matter nicht reden. Er gab grösstenteils eingeübte PR-Antworten. Die Konfrontation suchte er nicht, er hatte im Gegenteil für alles Verständnis. Deshalb unser Vorschlag: auswechseln. Schickt SRG-Chef Roger de Weck ins Studio. Oder den ganzen Verwaltungsrat. Oder wie wärs mit der Chefredaktion oder mit den Programmverantwortlichen?
(Nicht einverstanden: Der Chef gehört auf Deck)

Problem V: Weniger Publikum – Reduktion auf 100!

250 Gäste sassen im eigens aufgebauten Studio. 250 sind 150 zu viel. Das Schweizer Fernsehen kann die Gästezahl getrost reduzieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Lärmpegel im Studio – das wurde tatsächlich beanstandet – nimmt ab, die Nähe zum Publikum fördert die Debattenqualität, der Anteil der Diskussionsteilnehmer nimmt zu. Die Regel ist simpel: Qualität kommt vor Quantität. Nebenbei: Wie wärs eigentlich, wenn Ruedi Matter sich im Fernsehen live den Fragen von 10 Medienjournalisten stellen würde?
(NEIN! Das ist das Wertvolle, dass die Konsumenten das Sagen haben und nicht die Journalisten)

Problem VI: Baustelle Social Media – Es lebe der Second Screen!

Es ist uns ein Rätsel, warum man im Jahr 2015 nach wie vor Tweets im Fernsehen vorliest. Wo liegt eigentlich der Mehrwert? Ist die Sendung interaktiver? Dieses Konzept, Voten aus Twitter und Facebook einzubetten, ist zu streichen. Sofort. Berücksichtigt werden ja so oder so nur banale Wortmeldungen. Oder man klopft sich mit anonymen Voten auf die Schulter. Die wertvolle Sendezeit soll für die Debatte im Studio genutzt werden. Tweets kann jeder auf dem Smartphone selber lesen. Und das ist in der Regel viel unterhaltsamer als im Fernsehen.
(Dieser Vorschlag entspricht der Angst einiger Journalisten vor den Tweeds des Volkes)

Problem VII: Falsche Sendezeit – Macht eine Samstagabendkiste!

Wer die kritische Auseinandersetzung mit dem Publikum sucht, soll das zur besten Sendezeit tun. Wie wärs, wenn das Schweizer Fernsehen künftig viermal jährlich jeweils samstags mit dem Publikum live diskutiert? Immerhin ist der Aufwand und das Personalaufgebot – alle Aushängeschilder waren anwesend – immens. Der richtige Sendeplatz liegt auf der Hand: der Samstag. Dann liegen ohne weiteres dreistündige Livesendungen drin. Samstags können die Gäste auch länger im Studio bleiben. Und sonntags haben sowohl der Kritisierte als auch der Kritiker Zeit für die Reflexion.
 (Sendezeit ist kein Problem. Könnte es jedoch mit dem Samstagabend versuchen)

FAZIT:

Der Dialog darf nicht abgebrochen werden!
Das Konzept ist gut - kann jedoch noch optimiert werden, beispielsweise mit direkten Tf anrufen (wie bei Tele Züri).
Konsequenzen und Auswirkungen müssen später kommuniziert werden, sonst ist das Ganze eine Alibiübung.
Journalist Projer hat seine Sache gut gemacht.
"Hallo SRF" hat gezeigt, dass das Publikum  andere Interessen  hat als die Journalisten. Es ist deshalb gut, wenn die Fernsehmacher sich laufend mit Problemen  auseinandersetzen, die der Bevölkerung unter den Nägeln brennt.


Das erste Echo von Ruedi Matter:


Was geschieht mit dem Feedback?

Porträtbild von SRF-Direktor Ruedi Matter. Bild in Lightbox öffnen.
Bildlegende: SRF-Direktor Ruedi Matter. SRF
Verbreitet sei etwa die Wahrnehmung, dass in Sport-Livesendungen zu viel geredet werde. «Wir werden die Punkte berücksichtigen», so Matter. «Das Feedback fliesst zurück in die entsprechenden Redaktionen.»
Besonders berührt habe ihn ein Kommentar eines jungen Mädchens, so Matter: «Sie sagte, die ‹Rundschau› sei eine tolle Sendung, aber sie wünsche sich einen besseren Ausstrahlungstermin für die Wiederholung. 21 Uhr sei für sie einfach zu spät.» Es sei gut vorstellbar, dass man die Sendung in Zukunft zwischen 16 und 19 Uhr wiederholen könne.

Wird es «Hallo SRF!» wiedergeben?

Ob es die Sendung wiedergeben werde, liess SRF-Direktor Ruedi Matter am Tag nach der Sendung noch offen: «Wir werden sicher vesuchen, den direkten Kontakt mit dem Publikum zu intensivieren.» In welcher Form dies geschehe, müsse man nun diskutieren.





Die Farben und die Sonne fördern die gute Laune

Ein See in der Sonne, durch buntes Herbstlauf fotografiert. 
Farben, Licht, Wärme: 
Eine Wohltat fürs Gemüt. imago

Thema RAUCHEN dominiert am Mittwoch in den Medien

SRF:
Dampfer wittern Morgenluft: Bundesrat will Liberalisierung

Dampfer wittern Morgenluft: Bundesrat will Liberalisierung

Freunde der E-Zigarette können einatmen: Künftig sollen sie nikotinhaltige Liquids in der Schweiz beziehen dürfen. 

Trendwende in der Schweiz: Junge rauchen wieder mehr

Trendwende in der Schweiz: Junge rauchen wieder mehr

Der Anteil junger Raucher ist in den letzten beiden Jahren gestiegen. Die Anstrengungen der Tabakfirmen zeigen Wirkung.

20 Min:
Zum Schutz von Jugendlichen sollen diese unter anderem keine Zigaretten mehr kaufen dürfen. 



Ob jemand raucht, hängt auch mit der Art des Berufes zusammen. Der neuste Tabakatlas zeigt: Die Unterschiede zwischen den Berufsgruppen sind enorm.

BLICK:

 Bundesrat beschliesst landesweites Verkaufsverbot Zigis erst ab 18!

SPIEGEL:
Helmut Schmidts Raucherkarriere: Sie nannten ihn Smoky

Helmut Schmidts Raucherkarriere Sie nannten ihn Smoky

Helmut Schmidt ohne Kippe? Nie. Rauchend wurde der Altkanzler zum beliebtesten Staatsmann außer Dienst. Die Zigarette blieb sein Markenzeichen, als Rauchen in Deutschland längst geächtet war. Von Johanna Lutteroth mehr...

PERSOENLICH.COM:
 
 TAGI:

Trendwende bei jungen Rauchern?

Der Bund schlägt Alarm: Die Anzahl junger Raucher steigt erstmals seit langer Zeit wieder. Bei der Tabakprävention will man die Gründe kennen. Mehr...

Mittwoch, 11. November 2015

Der deutschen Altkanzler Helmut Schmidt ist nicht mehr

Mit 96 Jahren verstarb Helmut Schmidt in Hamburg.

Bildergebnis für helmut schmidt

Er war der Sprache mächtig, sah bis ins hohe Alter die Zusammenhänge in der politischen Landschaft.
Seine Analysen hatten Tiefgang.
Erstaunlich war seine Urteilskraft. Seine Stimme war in schwierigen Situationen bis vor dem Tod gefragt.
Unvergesslich, wie er mit der brennenden Zigarette in der Hand, stets präzis und wohlbedacht antwortete.
Er zelebrierte gleichsam die Sprechpausen und bestätigt damit, dass die Sprechpause ein Parameter der Überlegenheit ist.
Helmut Schmidt hat Deutschland geprägt. Als Politiker, Denker, Publizist mit Vorträgen und Interviews.
Er stand stets zu seiner Meinung, auch wenn der Zeitgeist gegen ihn war.


Staatsakt in Hamburg: Schmidt hinterließ Details für Trauerfeier


Wir verlieren eine Persönlichkeit mit Sachverstand und Weitsicht, einen scharfsinnigen und scharfzüngigen Rhetoriker.
Es gab einige Journalisten, die Schmidt als arrogant oder èberheblich beurteilten, wenn er dumme Fragen zurückwies. 

Helmut Schmidt als Rhetoriker - ein Lehrvideo - YouTube

https://www.youtube.com/watch?v=9nrHyG7qytA
21.11.2008 - Hochgeladen von toposonline
Dr. Helmut Schmidt zeigt mit 89 Jahren in einem Interview mit Sandra Maischberger wie in einem ...

Dienstag, 10. November 2015

Die Flüchtlinge werden zur Kanzlerfrage

Angela Merkel erkennt allmählich, dass sie sich verrannt hat.

Kann Angela Merkel stürzen? Korrespondent Dominique Eigenmann über den jüngsten Streit in der Regierungskoalition und über die Stimmung in Deutschland, wo weiterhin 8000 Flüchtlinge pro Tag ankommen.

Ihre für europäische Verhältnisse bisher einzigartige Popularität leidet: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Hessischen Landtag. Foto: Bernd von Jutrczenka (EPA)
Ihre für europäische Verhältnisse bisher einzigartige Popularität leidet: Bundeskanzlerin Angela Merkel im Hessischen Landtag. Foto: Bernd von Jutrczenka (EPA)












Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière hat vergangene Woche angekündigt, syrische Flüchtlinge dürften ihre Familienangehörigen nicht mehr nachziehen. Diese Aussage musste er auf Geheiss von Kanzlerin Angela Merkel widerrufen. Später sagte er, er halte seine Forderung dennoch für richtig. Ist in der deutschen Regierung das totale Chaos ausgebrochen?
Von aussen sieht es zumindest so aus, besonders, was die Kommunikation betrifft. Am vergangenen Donnerstag war es der Regierungskoalition gelungen, einen wochenlangen Streit über die Flüchtlingskrise zu beenden, und schon am nächsten Tag hat der Innenminister einen neuen Streit vom Zaun gebrochen. Dahinter steckt allerdings nicht das nackte Chaos, sondern eine grundsätzliche Auseinandersetzung über den richtigen Kurs in der Flüchtlingskrise. Und bei dieser Auseinandersetzung geht es nun wirklich ans Eingemachte.
Inwiefern?
Es gibt in Deutschland zwischen 250'000 und 350'000 Flüchtlinge aus Syrien. Ob sie ihre Familien nachziehen dürfen, hat einen entscheidenden Einfluss darauf, wie viele Personen zusätzlich nach Deutschland kommen und wie stark die Integrationskraft der deutschen Gesellschaft zusätzlich beansprucht wird.
Wenn jeder syrische Flüchtling drei Angehörige nachzieht, sprechen wir von rund einer Million zusätzlichen Einwanderern. Hatte de Maizière angesichts dieser Zahl recht mit seinem Vorstoss?
Im Moment können die Syrer gar keine Angehörigen ins Land holen, weil ihre Verfahren noch nicht abgeschlossen sind. Aber sofern man den syrischen Flüchtlingen dieses Recht irgendwann einräumt, geht es tatsächlich um Hunderttausende Menschen. Angela Merkels Zusage, dass syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland Schutz verdienen, war zumindest implizit mit dem Versprechen des Familiennachzugs verbunden. Der neueste Streit innerhalb der Koalition ist also entscheidend für das Signal, das Deutschland in die Welt aussenden will – und für die Frage, was Merkels Wort überhaupt noch wert ist.
Langjährige Beobachter sagen, es fühle sich an wie in den Jahren nach dem Mauerfall.
Man spricht in Deutschland immer häufiger und lauter von Kanzlerdämmerung. Glauben Sie, Merkel könnte stürzen?
Sicher ist, dass diese Krise ihre Kanzlerschaft grundlegend verändert. Wie man Merkels politisches Vermächtnis dereinst beurteilen wird, hängt entscheidend von ihrem Umgang mit den Flüchtlingen ab. Sicher ist auch, dass ihre für europäische Verhältnisse bisher einzigartige Popularität gelitten hat. Aber Merkel weiss noch immer rund die Hälfte der Bevölkerung hinter sich, und ihr Koalitionspartner, die SPD, hat kein Interesse daran, sie fallen zu lassen, weil im Moment niemand Neuwahlen will. Insofern könnte Merkel mit ihrem Koalitionspartner gegen die eigene Partei regieren, wie es Gerhard Schröder seinerzeit bei der Agenda 2010 getan hat.
Gibt es konkrete Versuche, die Zahl der Flüchtlinge zu begrenzen?
Auch wenn es Merkel nicht laut ausspricht, ist sie sich sicherlich bewusst, dass sich die Zahl der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge deutlich verringern muss. Gegenwärtig dreht sie an mehreren Schrauben, um dieses Ziel zu erreichen. Durch das Massnahmenpaket, das die Koalition letzte Woche verabschiedet hat, wird Deutschland zum Beispiel erstmals seit 1945 Zehntausende, vielleicht sogar Hunderttausende sogenannter Wirtschaftsmigranten aus dem Westbalkan und aus Afrika zurückschaffen. Natürlich ist der Familiennachzug auch eine dieser Schrauben, an denen die deutsche Regierung drehen könnte, wenn etwa die Verhandlungen mit anderen europäischen Ländern über eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge scheitern. Oder wenn sich die Türkei weigert, die Zahl der Migranten in die EU zu begrenzen.
Dann hat de Maizière womöglich etwas ausgeplaudert, was insgeheim zumindest als Notfallszenario bereits beschlossen ist.
Als Notfallszenario rückt die Einschränkung des Familiennachzugs ohne Zweifel in den Blick. De Maizière hat mit seinem Vorstoss dazu beigetragen, den zeitlichen Druck auf die Bundeskanzlerin zu erhöhen, wie es CSU-Parteichef Horst Seehofer schon seit Wochen tut. Das Interessanteste am gestrigen Tag war, dass Finanzminister Wolfgang Schäuble spätabends am Fernsehen aufgetreten ist und de Maizière unterstützt hat. Das ist eine Kampfansage an Merkel von jemandem, der über grosse Macht verfügt und sich bisher zurückgehalten hat.
Verringert sich die Zahl der Flüchtlinge denn nicht im Geringsten?
Doch, im November wird sie voraussichtlich etwas kleiner sein als im Oktober. Aber mit rund 8000 Personen pro Tag ist sie noch immer enorm hoch.
Die SPD gibt sich bisher betont konziliant gegenüber den Flüchtlingen. De Maizières Forderung lehnen die Sozialdemokraten entrüstet ab. Politisiert die SPD an der eigenen Basis vorbei?
Zu einem guten Teil, ja. Laut Umfragen sind die Wähler der Sozialdemokraten angesichts der Flüchtlingskrise ebenso verunsichert und regierungskritisch wie jene der CDU. Deshalb laviert SPD-Chef Sigmar Gabriel auch stark herum. Er ist gespalten zwischen den Erwartungen seiner Partei und jenen seiner Wählerschaft. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die SPD in den Umfragen bisher nicht von der Flüchtlingskrise profitiert hat.
Wie verändert sich gegenwärtig die Stimmung in Deutschland?
Was man zunehmend spürt, ist eine grosse Ratlosigkeit und Verunsicherung – umso mehr, als die Aufgabe für Deutschland riesig ist und immer grösser zu werden droht. Ebenfalls stark zu spüren ist auch eine dezidierte Ablehnung rechtsextremer Äusserungen und Umtriebe in der Öffentlichkeit. Daneben gibt es aber selbst aus der Mitte der Gesellschaft immer mehr Personen, die sagen: Merkel spinnt. Das Ganze entwickelt eine enorme Dynamik. Langjährige Beobachter sagen, es fühle sich an wie in den Jahren nach dem Mauerfall: Man war sich damals bewusst, dass sich Deutschland grundlegend verändern wird, aber man wusste nicht, in welche Richtung. (Tages-Anzeiger)
KOMMENTAR:
Langfristig wird auch Deutschland sich wohl auf eine Begrenzung der Emigranten einigen. Europa kann nicht ALLEN Menschen Asyl gewähren, die sich eine bessere Existenz erhoffen oder in einer Diktatur leben. Sonst würde Europa überschwemmt. Die Probleme sind vorprogrammiert: Kosten, Wohnungen, Gesundheitswesen, Spannungen, Gewalt, Belastung des Schulsystems usw.
Europa wird nicht freiwillig die Einbusse ihres Wohlstandes auf sich nehmen.
Es würde mich nicht wundern, wenn die Frage der Personenfreizügigkeit- wie in der Schweiz - auch in anderen Ländern  hinterfragt würde. Die Flüchtlingsproblematik ist nicht nur eine Kanzlerfrage. Sie wird die politische Landschaft völlig verändern.  Ohne Begrenzung kommt es zu einem politischen Rechtsrutsch. 
NACHTRAG aus Die ZEIT:

Der deutsche Innenminister bewegt Politik und Medien


Bundesinnenminister 

Thomas de Maizière

Sagt er nur,
was viele denken?

Aus Bild am Sonntag:



 Thomas de Maizière: Sagt er nur, was viele denken?
Innenminister Thomas de Maizière (CDU) steht unter Druck

Es ist vier Wochen her, dass Innenminister Thomas de Maizière mit seinen Sätzen über „taxifahrende Flüchtlinge“ Schlagzeilen machte.
Jetzt kündigte er für syrische Flüchtlinge nur noch einen Aufenthalt auf Zeit an – ohne Familiennachzug. Keine 24 Stunden nach der Einigung beim Krisengipfel im Kanzleramt. Ein Sturm brach los. Erst dementierte ihn der Regierungssprecher, dann dementierte sich de Maizière selbst.
Was ist los mit dem erfahrenen Minister? Will er gezielt provozieren, wird er gar vorgeschickt als Stimmungstester, der sagt, was viele denken?

KOMMENTAR: Politiker als Eiertänzer, die immer wieder eine Rolle rückwärts machen, werden sonst gar nicht geschätzt.
Erstaunlich ist, dass die Aussagen des Innenmionisters- im Alleingang ohne Absprache mit der Kanzlerin - in der Oeffentlichkeit punktet.
Mit diesen gewagten Aussagen, die er später relativieren oder sogar korrigieren muss,  spricht er wohl das Unbehagen vieler Deutscher an. Er sagt  das, was die Bevölkerung denkt.