Dienstag, 26. Mai 2015

Die Handschrift verkümmert bei den Kindern - was tun?

Von Hand schreiben ist ein aktiver Prozess

Schüler können nicht mehr schreiben

(Quelle 20 Min)

Um die Handschrift der deutschen Schüler steht es laut einer Umfrage schlecht. Auch in der Schweiz habe die Schreibfähigkeit gelitten, sagen Experten.


Lange Aufsätze bereiten Primarschülern Kopfzerbrechen.

Unleserliche Texte, falsche Stifthaltung, verkrampfte Hände: Das Schreiben von Hand ist für viele Schüler in Deutschland ein Problem. Bei einer Umfrage des deutschen Lehrerverbands gaben 79 Prozent der befragten Lehrer an weiterführenden Schulen an, dass sich die Handschrift ihrer Schüler in den letzten Jahren verschlechtert habe. Auf Primarschulstufe bescheinigten 83 Prozent ihren Schützlingen eine ungenügende Handschrift. Als grösste Probleme führen die Lehrer «unleserliche Texte» und «fehlende Schnelligkeit» an.
Jürg Keller, Schreibdidaktiker und Lehrer, beobachtet, dass auch Schweizer Schüler zunehmend Mühe beim Schreiben bekunden: «Weil die Kinder heute schon in der Primarschule fast nur noch über Smartphones oder PC kommunizieren, haben sie keine Schreibroutine mehr – die Handschrift verkümmert.» Hinzu komme, dass viele Schüler aufgrund der digitalen Angebote die Notwendigkeit der Handschrift gar nicht mehr sähen. Für Keller ist das eine bedauernswerte Tendenz: «Der Niedergang der Handschrift ist ein kultureller Verlust.»

Wer von Hand schreibt, lernt besser

Und diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. «Wer in der Primarschule keine richtige Handschrift erlernt und entwickelt, wird auch später Mühe haben», sagt Bruno Mock, Sprachdozent an der Pädagogischen Hochschule Thurgau. Dies könne der Fall sein, wenn etwa die Schrift bei Prüfungen nicht lesbar sei. «Oder wenn ein Schüler beim Schreiben eines Aufsatzes viel zu langsam ist und so die Grammatik oder den Textaufbau vernachlässigt.»
Schreibdidaktiker Keller betont die Wichtigkeit des Handschreibens: «Es unterstützt das Lernen enorm, weil man sich durch die Schreibbewegung die Informationen besser einprägen kann.» Dies zeigt auch eine amerikanische Studie: Studenten, die ihre Notizen von Hand aufgeschrieben hatten, schnitten bei den Prüfungen besser ab als jene, die mit dem Laptop arbeiteten.
Annemarie Pierpaoli, ehemalige Lehrerin und Präsidentin der Schweizerischen Graphologischen Gesellschaft, fordert aufgrund dieser Erkenntnisse ein Umdenken im Schreibunterricht. «Während man früher noch mehrere Stunden pro Woche das Fach ‹Schönschreiben› besuchte und lange Texte schrieb, besteht der Unterricht heute vor allem daraus, Lückentexte zu ergänzen oder kurze Sätze in Sprechblasen zu schreiben», kritisiert sie. So sei es für die Kinder schlicht nicht möglich, eine flüssige Handschrift zu entwickeln. 

Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten

Für Pierpaoli ist klar: «Es braucht eine Verstärkung des Schreibunterrichts.» Die Kinder müssten wieder längere Texte von Hand verfassen können. Laut Pierpaoli können die Schüler dabei lernen, ihre Geduld zu trainieren. «Besonders in Zeiten, in denen die Kinder ständig unter medialem Dauerfeuer stehen, fördert der Schreibunterricht die Konzentrationsfähigkeit», sagt sie.
Das digitale Schulzimmer sei nicht aufzuhalten, betont Jürg Keller. Jedoch müsse die Schule die motorischen Fertigkeiten – auch wenn immer mehr auf dem PC geschrieben werde – trotzdem vermitteln. «Das kann mit einer grundlegenden Bewegungsschulung für die Feinmotorik geschehen, und zwar in allen Bereichen, zum Beispiel auch mit dem Erlernen eines Musikinstrumentes», sagt er.
Dass es bei Schweizer Schülern mit der Handschrift hapert, ist beim Schweizer Lehrerverband bekannt. «Diese Entwicklung ist uns bewusst und wird sich wohl aufgrund der Digitalisierung noch verstärken», sagt Präsident Beat W. Zemp. Gerade weil das Schreiben von Hand ein wichtiger Bestandteil des Lernprozesses sei, enthalte der Lehrplan 21 eine Schreibkompetenz. «Es gibt also weiterhin ein Fach, in dem die Schüler Texte von Hand verfassen», sagt er. Es brauche in Zukunft beides: Das Schreiben am Computer und das Schreiben von Hand.

KOMMENTAR:
Das digitale Zeitalter ist nicht aufzuhalten. Was nicht heissen will, dass die Schreibfähigkeit von Hand nicht mehr gefördert werden muss.
Trotz SMS Kommunikation und PC gehört das Schreiben mit der Hand zur kommunikativen Kompetenz,  so wie die Fähigkeit, sich mündlich aus zu drücken oder Sachverhalten zu skizzieren.
Schreiben fördert die Konzentrationsfähigkeit und Gedanken werden schreibend besser verankert, als mit Lesen.

LINK:

3. Okt. 2003 ... Schreiben Sie schnell und flüssig, so wie es Ihre Hand zulässt. Der Gedankenfluss darf während des Schreibens nicht unterbrochen werden.
www.rhetorik.ch/Gedankenschreiben/Gedankenschreiben.html

Montag, 25. Mai 2015

Jemand will eine peinliche Seite im Netz löschen, aber....

Google ist oft behilflich, wenn jemand eine Seite löschen will.
Dennoch bleiben meist  Spuren zurück

Wir hatten folgenden Fall von einem Politiker zitiert, der fahrlässig zwitscherte:

Folgenschweres Gezwitscher

Twitter Nachrichten sind zwar klein, können aber verheerende Folgen haben, wie der SVP Politiker Alexander Müller erfahren musste. Er twitscherte online:

2012-06-23T18:56:15Z Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht ... diesmal für Moscheen.


Bildergebnis für SVP Politiker Alexander Müller
Müller hatte den Tweet zwar nachträglich wieder gelöscht, doch gibt es andere Seiten, die die Tweets speichern. Seine Aussage konnte er nicht mehr zurücknehmen. Aus "20 Min" vom 25. Juni:

   
Mittlerweile wurde der Tweet mitsamt der nachfolgenden Diskussion gelöscht. Allerdings kursieren im Internet Screenshots der besagten Nachricht. Es ist deshalb unklar, ob es die Nachricht so tatsächlich gegeben hat und ob sie vom Account des SVPlers kam. Gegenüber dem "Tages-Anzeiger" sagte Müller, beim betreffenden Tweet handle es sich um keine von ihm verfasste Nachricht.


Das Online-Tool Sysomos etwa hat die gelöschte Tweets archiviert. Der "Blick":

Das Abstreiten funktionierte also nicht, denn das Internet vergisst nicht.

Alexander Müller machte einen klassischen Kommunikationsfehler. Er überlegte nicht, bevor er twitterte. Mit Begriffe aus der Naziszeit hat er ein rhetorisches Minenfeld betreten. Müller hatte auch nicht gelernt, mit den Sozialen Medien umzugehen. Gelöscht ist nicht gelöscht. Gesagt ist gesagt. Ist man einmal im Schussfeld der Medien, werden nachher alle alte Leichen ausgegraben und alte Einträge ufgewärmt. So konnte man lesen: "Ich würde gerne solche Leute an die Wand stellen, und...." Der Fall ist eindeutig und der Sturz ist selbstverschuldet.

Es läuft nun ein Verfahren gegen ihn wegen Verstoss gegen das Rassismusgesetzt. Aus 20 Min:
"Ich habe auf Twitter fragwürdige Aussagen gemacht", erklärte Alexander Müller am Mittwochmittag im Blitzlichtgewitter der Medien. Er bedaure diese sehr. "Ich entschuldige mich in aller Form bei allen, deren Gefühle ich dabei verletzt habe. Das war nie meine Absicht", so Müller weiter. Selbstverständlich ziehe er die Konsequenzen seiner Handlungen. Er trete per sofort aus der SVP aus und lege all seine Mandate nieder. Für die Partei sei damit die Angelegenheit abgeschlossen, sagte Kreispräsident Urs Fehr. Sicher werde man künftig vermehrt ein Augenmerk auf die Twitteraktivitäten der Mitglieder haben.

(...) Der "Tages-Anzeiger" brachte den Fall ins Rollen, als er die Story am Montag publiziert. Zunächst bestritt Müller sein Gezwitscher. Am Dienstag wiesen Computerfachleute jedoch nach, dass der Tweet "Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen." aus seiner Feder stammt.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete parallel dazu eine Strafuntersuchung und führte am Dienstag bei Müller eine Hausdurchsuchung durch. Müller trat daraufhin aus der SVP der Stadt Zürich aus, er war Vorstandsmitglied im Kreis 7 und 8. Sein Amt in der Kreisschulpflege Zürichberg legte er ebenfalls nieder. Auch seinen Arbeitsplatz als Kreditanalyst in einem weltweit tätigen Unternehmen der Finanzbranche verlor der 37-Jährige - er wurde entlassen.


Aus dem Spiegel:
Auf seinem Blog gibt sich Alexander Müller wertebewusst und konservativ: "Ich stehe ein für eine weitgehend eigenständige und souveräne Schweiz und unser demokratisches System", schreibt der 37-jährige Kreditanalyst über sich. Jetzt ist der Schulpfleger und Zürcher Quartierpolitiker der Schweizerischen Volkspartei (SVP) über eine Reihe islamfeindlicher Tweets gestolpert. Die Geschichte schlägt in der Schweiz derzeit hohe Wellen. Müller stritt die Existenz der Tweets zunächst ab, inzwischen hat er seine Äusserungen eingeräumt. Am Dienstagabend erklärte er gegenüber seinen Vorstandskollegen seinen Rücktritt von sämtlichen politischen Ämtern und den Austritt aus der Partei, schreibt die "Neue Zürcher Zeitung". Damit kommt Müller einem Ausschlussverfahren zuvor, das die SVP-Stadtpartei in Zürich am Dienstag angekündigt hatte, hiess es weiter.

KOMMENTAR:

Der Politiker erreichte zwar, dass unsere Beschreibung der Geschichte in Europa  gelöscht wurde. http://www.rhetorik.ch/Aktuell/12/06_27 Doch kursiert die "Sünde" nach wie vor im internationalen Netz

Erkenntnis: Statt nachträglich mit grossem Aufwand zu versuchen, alte Sünden zu löschen, tun wir besser daran, vor einer Publikation zu überlegen, was wir schreiben.

LINKS (Spuren noch und noch):







  1. Interview: «Ich erlebe seit letztem Sommer den sozialen Tod ...

    www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Ich-erlebe-seit.../11144999





  2. 31.01.2013 - Der ehemalige Zürcher SVP-Lokalpolitiker Alexander Müller verlor nach einem Twitterabend im vergangenen Juni alles: Job, ...
  3. Kristallnacht-Twitterer verlässt die SVP freiwillig - News ...

    www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/...verlaesst-die-SVP.../30971722
  4. 26.06.2012 - Der in die Kritik geratene Stadtzürcher SVP-Politiker Alexander Müller hat am Dienstagabend seinen sofortigen Austritt aus der Partei erklärt.
  5. 20 Minuten - Das Protokoll des «Kristallnacht»-Twitterers ...

    www.20min.ch/.../Das-Protokoll-des--Kristallnacht--Twitterers-1061878...
  6. 26.06.2012 - SVP-Politiker Alexander Müller hat seine «Kristallnacht»-Aussage genau so gemacht, wie sie seit Sonntag verbreitet wird. Dies zeigt die ...
  7. Schweizer SVP-Politiker stürzt über Twitter-Eintrag zu ...

    www.spiegel.de › Politik › Deutschland › Schweiz
  8. 27.06.2012 - Ein Lokalpolitiker der rechtspopulistischen Schweizer SVP hat mit einer ... Twitter-Profil von Alexander Müller: "Vielleicht brauchen wir wieder ...
  9. Was 140 Zeichen anrichten können - baz.ch: Nichts verpassen

    mobile2.bazonline.ch/articles/51501951ca9ac21055000f34
  10. Der Zürcher SVP-Politiker Alexander Müller hat wegen eines Tweets alles verloren. Er ist nicht der Erste, der über Twitter stolpert. Social Media haben ein ...
  11. Kristallnacht-Tweet: Jetzt wird die Staatsanwaltschaft aktiv ...

    mobile2.bazonline.ch/articles/515014ebca9ac2092d0007c3
  12. Alexander Müller, Vorstandsmitglied der SVP-Sektion Zürich 7/8, hat derzeit ein ... am Dienstag eine Anzeige gegen den twitternden Lokalpolitiker einreichen.
  13. 07.02.2013 - ... Affäre erfunden: «Tages-Anzeiger.ch/Newsnet» hatte im Juni 2012 über den damaligen Zürcher SVP-Politiker Alexander Müller berichtet.
  14. Kristallnacht-Twitterer» Alexander Müller mit Klage gegen lu ...

    www.lu-wahlen.ch/.../6734-kristallnacht-twitterer-alexander-mueller-mit-...
  15. 20.03.2014 - Geklagt hatte der frühere Zürcher SVP-Politiker Alexander Müller, der auf Twitter eine «Kristallnacht für Moscheen» thematisiert hatte.

Sonntag, 24. Mai 2015

Griechenland ist am längeren Hebel

Anstatt die Mehrwertsteuer zu erhöhen und die Bedingungen einzuhalten - dreht Griechenland den Spiess um und FORDERT!

Griechenland weiss genau: Europa wird wieder zahlen. Denn es wird ihre Bedingungen einmal mehr nicht durchsetzen können.
Das Lachen wird somit den Griechen nicht so schnell vergehen.

ich zitiere SRF:

  • Griechenland fordert mehr Entgegenkommen der Geldgeber

    Griechenland fordert mehr Entgegenkommen der Geldgeber

    Die Regierung in Athen braucht dringend frisches Geld – und droht erneut damit, anstehende Zahlungen nicht zu leisten.

    KOMMENTAR: Weil sich Europa ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nicht leisten kann, 
    wird das bekannte Spiel seinen gewohnten Lauf nehmen. Europa hat Angst vor einem Dominoeffekt.
    England ist das nächste Sorgenkind, weil es auch  Sonderreglungen wünscht.  Griechenland wird somit wohl oder übel - wie bisher - unterstützt werden. 
    Europa konnte eindeutige Forderungen nie durchsetzen. Nach der Drohung folgte jedes Mal die Nachsicht. Griechenland hingegen blieb stets hart und hatte keine Einsicht. Eine Endlosschlaufe? Eher ein Trauerspiel.


SCHWEDEN GEWINNT

Schweden gewinnt den «Eurovision Song Contest 2015»

(Quelle SRF)
Måns Zelmerlöw übernimmt die Nachfolge von Conchita Wurst. Für Schweden ist es der sechste Sieg beim grossen Musikwettbewerb.

3:13 min, aus Eurovision Song Contest vom 23.5.2015 


Schweden/Måns Zelmerlöw: "Heroes ... - YouTube

www.youtube.com/watch?v=s26FryVTkgY
vor 13 Stunden - Hochgeladen von Eurovision Song Contest | Deutschland
Måns Zelmerlöw trat im Finale mit seinem heldenhaften Song ... Schweden/Måns Zelmerlöw: "Heroes ...
Der Favorit wurde seinem Status gerecht: Måns Zelmerlöw räumt mit «Heroes» ab. Der heldenhafte Siegersong wurde mit visuellen Tricks, unter anderem mit computeranimierten Strichmännchen untermalt.

Kommentar: Der bescheidene Outfit des Sängers,  die innovativen, die perfekt inszenierten Tricks,  gemischt mit der Dynamik der Komposition und der Ausdruckstärke, haben viel zum Erfolg mit beigetragen.
Es zeigt sich, dass die meisten Songs ähnlich gestrickt waren hinsichtlich Harmonien, Rhythmus und Illumination.

Immer an Pfingsten freue ich mich auf die Pfingstrosen

Unsere Pfingstrosen haben zwar schöne Knöpfe.
Sie werden sich wohl erst nach Pfingsten öffnen.
Bildergebnis für pfingstrosen

Vor 4000 Jahren haben die Chinesen mit der Zucht von Pfingstrosen begonnen. Haben Sie gewusst, dass sie die Blume des Kaisers war? Im 19. Jahrhundert wurde sie nach Europa importiert und in Frankreich weiter gezüchtet. Alte europäischen Pfingstrosenarten wurden nur zu medizinischen Zwecken angebaut.
Bildergebnis für pfingstrosen
Im Charlottenfels in Neuhausen wurde jüngst ein Pfingstrosengarten eingeweiht mit 100 Arten. Erst in drei Jahren werden die frisch gesetzten Pflanzen richtig Gestalt annehmen.
Bildergebnis für pfingstrosen

Samstag, 23. Mai 2015

Sich mit neuen Technologieen auseinandersetzen und mit ihnen umgehen lernen - statt sie verbieten

Kinder schreiben bessere Noten, wenn Handys im Unterricht verboten sind. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie an der London School of Economics. Vor allem schwächere Schüler profitieren gemäss den Forschern überproportional vom Verbot: Ihre Leistung steigerte sich um 14 Prozent. Die anderen Schüler hatten um 6,4 Prozent bessere Noten. 

(Quelle Watson)
Im Interview sagt Medienpädagoge und Gymnasiallehrer Philippe Wampfler, warum das noch lange nichts heissen muss.

 Ich zitiere aus den Interview:

Die Studie

Ein Smartphone-Verbot an der Schule, ist genauso wirksam wie fünf Schultage mehr pro Jahr. Dieses Fazit ziehen Forscher der London School of Economics.
Sie haben die Testresultate von nationalen Prüfungen an 91 britischen Schulen mit den Handy-Regeln an den jeweiligen Schulen verglichen.
Die Noten in Klassen, in denen das Handy verbannt wurde, verbesserten sich um ganze 6,4 Prozent. Schwächere Schüler konnten ihre Leistungen sogar um 14 Prozent steigern. Rund 130'000 Schüler im Alter von 16 Jahren lieferten die Datengrundlage für die Studie. (rar)

Trotzdem: Das Handy-Verbot wirkte sich gemäss der Studie positiv auf die Ungleichheiten der Lernerfolge zwischen schwächeren und stärkeren Schülern aus. 

Das kann ich nachvollziehen. Schwächere Schüler stammen oft aus bildungsfernen Schichten, in denen digitale Geräte vermehrt zur Unterhaltung genutzt oder Kinder vor dem Fernseher quasi ruhig gestellt werden. Deshalb stellen sie für diese Schüler später eine grössere Ablenkungsquelle dar. Umso wichtiger ist es, dass sie einen bewussten Umgang damit möglichst früh in der Schule lernen.
«Handys an die Schule!», würden Sie also skandieren?

 Vielleicht eher «bewusster Einsatz von Handys an der Schule». Dies von mir aus schon im Kindergarten. Von einem Kind das weiss, dass es eine Duden-App gibt, zu verlangen, dass es Bücher wälzen soll, macht nicht viel Sinn.

Die Duden-App, ok. Wo bringt das Smartphone sonst noch Vorteile für den Unterricht?

 Apps wie Socrative erlauben es der Lehrperson, direkt bei jeder Schülerin oder jedem Schüler zu überprüfen, ob sie eine einfache Frage beantworten können. Auch der demokratische Beamer ist die Zukunft: Nicht nur die Lehrperson kann Digitales zeigen – jeder Bildschirm kann allen vorgeführt werden. Darüber hinaus gibt es Apps für jedes Bildungsanliegen: Mit DragonBox beispielsweise können schon Kinder lernen, mit Variablen zu rechnen und Gleichungen aufzulösen. Sowas geht heute nur noch digital.
Dürfen die Kinder in Ihrem Unterricht jederzeit zum Handy greifen?

Natürlich nicht. Es gibt Unterrichtsphasen, in denen es eingesetzt wird und Phasen, in denen es unberührt bleibt. Ausserdem rege ich Diskussionen über den Medienkonsum an und integriere beispielsweise neue Erzählformen auf YouTube in meinen Unterricht über klassische Literatur.
Sollten Smartphones im Unterricht verboten sein?

Trotzdem, die Verführung während dem Unterricht zu chatten, ist gross.

Handys birgen genau die gleiche Ablenkungsgefahr wie schwatzen oder Briefbotschaften verschicken. Lehrer sind sich gewohnt, mit solchen Störfaktoren umzugehen. Den Umgang mit smarten Geräten sind sie sich nur leider etwas weniger gewohnt.
Es sind also die Lehrpersonen, die von der Entwicklung überfordert sind? 

 Ja. Obwohl eigentlich Konsens in der Medienpädagogik herrscht, dass neue Technologien eine grosse Chance fürs Lernen bedeuten, ist die Unsicherheit sehr gross. Wir erleben gerade, wie sich sogar die Funktion der Konzentration wandelt: Jugendliche lernen mit Smartphones, mehrere Reize miteinander zu kombinieren und sich nicht exklusiv auf einen zu fokussieren. Mancherorts orientiert sich der Unterricht aber stark an einer traditionellen Vorstellung von Konzentration.

Was ist die Konsequenz daraus?

 Dass Menschen, die gekonnt multitasken, bei Tests häufig schlechter abschneiden, ohne allerdings weniger gelernt zu haben, oder weniger intelligent zu sein: Ihr Hirn hat sich einfach an ein neues mediales Umfeld gewöhnt, das in Zukunft unseren Alltag prägen wird.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie sich unser Hirn an die neuen Medien anpasst?

 Unser Hirn merkt sich, dass es reines Faktenwissen wie beispielsweise das Höchstalter von Schildkröten nicht speichern muss, weil es jederzeit per Handy abgefragt werden kann. Es speichert also eher die Speicherorte als den Inhalt.

Dann werden wir ja doch blöder. 

Im Gegenteil. Wir erwerben neue Kompetenzen, denken dynamischer, stellen schneller Zusammenhänge und her und können Haupt- und Nebenreize gleichzeitig verbinden. Es war zudem noch nie so wichtig wie heute, sich sprachlich präzise ausdrücken zu können – davon hängt ab, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Kinder und Jugendliche sind sprachlich und auch gestalterisch enorm kreativ und leben und üben das auch digital.
«Mit dem Handy weiss die Klasse schlicht mehr als der Lehrer. Damit muss er umgehen können.» 
Bringt man dermassen reizverwöhnte Kinder noch dazu, einen langen Text zu lesen oder eine mühsame Arbeit zu schreiben?

 Da sehe ich eine Herausforderung. Es besteht die Tendenz, dass Kinder heute weniger Geduld fürs Lernen aufbringen und es als schwierig wahrnehmen, wenn das Feedback für Geleistetes nicht unmittelbar ausfällt. Auf sozialen Medien erhält man für jeden Input sofort einen Like. Lange, mühsame Arbeit lohnt sich erst sehr viel später.

Warum gibt es an der Schule immer noch eine ablehnende Haltung neuen Technologien gegenüber? 

In der Bildungswelt bewerten viele Menschen Neuerungen aufgrund ihrer eigenen Schulerfahrungen. Würde diese durch ein neues Modell abgelöst, entwertete sich in ihrer Vorstellung ihre Ausbildung, der sie viel zu verdanken haben. Ganz generell führen digitale Medien durch ihre Geschwindigkeit, die Kameras und die Möglichkeit der verlustfreien Kopie zu einem Kontrollverlust. Lehrpersonen merken beispielsweise, dass findige Schülerinnen und Schüler ihre Prüfungen fotografieren und sie nicht mehr jedes Jahr dieselben Fragen stellen können.

Die Lehrer fürchten also, die Kontrolle zu verlieren?

 Ja. Und dieser Kontrollverlust ruft Ängste und Unsicherheiten hervor. Er stellt den Status der heute Erfolgreichen infrage. Nehmen Sie das schon genannte Beispiel Faktenwissen: Mit dem Handy weiss die Klasse schlicht mehr als der Lehrer. Damit muss er umgehen können.

KOMMENTAR:
Im Studium (Medienpädagogik) lernte ich 
bereits vor Jahren, dass sich die
Menschheit stets mit jeder neuen 
Technologie schwer getan hat.
Bei der Einführung der Schrift, befürchtete man
die Schwächung des Gedächtnisses.
Den Film versuchte man zu ächten.
Dann warnten Pädagogen vor  der Bildsprache von Comics.
Beim Fernsehkonsum befürchteten Fachleute vor einer Verdummung der Menschheit
usw. 
FAZIT: Wir müssen uns mit neuen Technologien  stets
auseinandersetzen und diese sinnvoll einsetzen lernen.
Gefragt ist der situationsgerechte Umgang mit 
allen neuen Medien.

Wir lesen - nach wie vor - trotz elekronischer Medien.
Fachzeitschriften überlebten beispielsweise.
Radio - TV - Internet alles lebt nebeneinander und 
miteinander weiter - auch in Kombination.
Ich vertrete die  Meinung, dass Jugendliche auch lernen müssen, einige Tage auch ohne Handy und Computer zu leben.
In Schulen sind somit handyfreie Tage ein Segen. Die Jugendlichen erkennen wieder, dass man auch ohne I Phon Dialoge führen kann.

Zerstörung des Kulturerbes als Waffe

Der IS bedroht die antike Ruinenstadt Palmyra. Die Zerstörung von Kulturgütern hat eine lange Tradition – in allen Kulturen.

Steht seit 2000 Jahren, vielleicht nur noch einige Tage: der Baal-Tempel in Palmyra. Foto: Youssef Badawi (Keystone)
Steht seit 2000 Jahren, vielleicht nur noch einige Tage: 
der Baal-Tempel in Palmyra. Foto: Youssef Badawi 
Die Vandalen haben es nicht verdient, für den Begriff der sinnlosen Zerstörung herhalten zu müssen. Ihre Plünderung Roms 455 soll, glaubt man den Historikern, auf geordnete Weise geschehen sein: Abtransport wertvoller Güter, Verschonung der Einwohner, keine Verwüstungen, eben kein Vandalismus.
Dieser ist indes, auch wenn er unter falscher Flagge segelt, ein steter Begleiter der Weltgeschichte. Ägyptische Pharaonen tilgten Namen und Bauten unliebsamer Vorgänger, Calvinisten und Zwinglianer verbrannten Heiligenbilder, die französischen Jakobiner schlugen den Königsstatuen von Notre-Dame erst die Kronen von den Häuptern, dann die Häupter selber ab, schliesslich häuften sie die Statuen hinter dem Chor auf und nutzten sie als öffentliche Latrine.

Mit Bagger und Presslufthammer

Die Bolschewiken plünderten Kirchen und Klöster, die Nazis warfen die Bücher ihrer Feinde ins Feuer, Maos rote Garden attackierten und schleiften unzählige historische Bauwerke, darunter den kaiserlichen Sommerpalast in Peking (den aber schon 1900 die «zivilisierten» Engländer niedergebrannt hatten, als Rache für den Boxeraufstand).
In jüngster Zeit erschrecken radikale Islamisten die kulturell sensibilisierte Welt: Taliban sprengten die Buddha-Statuen von Bamian in die Luft, al-Qaida-Terroristen zerstörten Mausoleen und Schriftrollen in Mali, IS-Trupps gehen im Irak und in Syrien mit Bagger und Presslufthammer gegen antike Statuen und Tempel vor und stellen ihre Aktionen grinsend ins Internet. Jetzt steht der sogenannte «Islamische Staat» vor Palmyra, einem der architektonisch-archäologischen Juwelen Syriens, in der Spätantike eine blühende Oasenstadt, Handelsstation zwischen Orient und Mittelmeer, Wohnstätte der Anhänger aller möglichen Götter.

Die letzte Demütigung

Vordergründig liegt hier das Motiv der drohenden Zerstörung: In Palmyra wurden die falschen Götter angebetet, und neben dem einen und einzigen Allah sind alle falsch. Fanatischen Islamisten ist alles unerträglich, was nicht in ihr borniert-puristisches Weltbild, in die ideologisch strengste Auslegung ihrer Lehre passt.
Anderswo in der Welt hat sich ein historisch-kultureller Relativismus durchgesetzt, der es erlaubt, in Zeugnissen anderer Religionen, früherer Zivilisationen nicht nur Leistung und Schönheit zu sehen, sondern überhaupt alles anzuerkennen, was einmal war und lange Zeiten überdauernde Zeugnisse hervorgebracht hat (mit kleinen Ausnahmen: Leninstatuen wollte in Osteuropa nach 1989 nun wirklich niemand mehr sehen).
Staunend stehen wir in den Museen und bewundern Statuen und Reliefs aus politisch inkorrekten Kulturen, die Frauen unterdrückten, Sklaven hielten und Kriegsgefangene den Löwen zum Frass vorwarfen. Mehr noch: Wir haben ein globales und epochenübergreifendes Kulturverständnis entwickelt, wonach auch assyrische und babylonische Relikte als gesamtmenschliches Erbe gelten – als Kulturgegenstände, ganz gleich, was ihre ursprüngliche Funktion gewesen ist. Auch Ninive ist «unser», und mit seiner Zerstörung verlieren auch wir etwas.

Zynisches Kalkül

Die Aggressivität des IS gegen vorislamische Stätten hat aber noch einen anderen, ungleich stärkeren Beweggrund. Und wie wirksam er ist, zeigt sich gerade in der Empörung, die jedes Video einer gesprengten Kuppel, eines zersägten Reliefs auslöst, einer Empörung, nicht geringer als die Sorge um entführte, gequälte, ermordete Menschen. Ja, man kann schon fragen, was alte Steine zählen gegenüber den in den Hunger- und Kältetod getriebenen Jesiden.
Für das zynische Kalkül des IS liegt aber beides auf genau derselben Ebene. Es führt die Hilflosigkeit der nur scheinbar allmächtigen westlichen Welt vor. Früher zerstörte man Götterbilder, um dem unterlegenen Feind klarzumachen: Dein Gott hilft Dir nicht, er ist kaputt.
In vielen Kriegen wurde und wird Vergewaltigung als Waffe eingesetzt, um dem, den man besiegt hatte, die ultimative Demütigung zuzufügen. Eine über alles materielle, körperliche hinausreichende Demütigung: Die Schändung der Liebsten hilflos hinnehmen zu müssen. Was der IS mit der Kulturzerstörung tut, ist gewissermassen die geistige Vergewaltigung der freien Welt. Seht her, das können wir, und ihr könnt nichts dagegen tun, sagen diese Akte. Wir treffen Euch ins Herz. Es zuckt kein Blitz vom Himmel, der uns Einhalt gebietet, und auch keine amerikanische Rakete.

Palmyra I, Palmyra II

Solange der IS nicht besiegt ist, sein Herrschaftsgebiet nicht befriedet, bleibt nur die Aussicht, das Zerstörte einmal originalgetreu wieder aufzubauen. Zu dieser Variante des Kulturrelativismus sind wir inzwischen ja auch in der Lage. In Südfrankreich hat man die prähistorischen Höhlen von Lascaux und Chauvet nachgebaut – nicht nachdem sie zerstört wurden, sondern vorher: damit die kostbaren, hochempfindlichen Originalräume unbehelligt von Besuchern bleiben. Bevor Palmyra II gebaut werden muss, sollte freilich alles getan werden, um Palmyra I vor dem Schlimmsten zu bewahren. Nicht zuletzt die Menschen, die dort schliesslich auch leben.
(Tages-Anzeiger)

KOMMENTAR:
Unglaublich, dass die westliche Welt tatlos zusehen muss, wie ein Kulturerbe unbehelligt vernichtet wird. Es fehlt gleichsam eine Weltpolizei, welche diese sinnlose Zerstörung stoppen könnte.