Warum stürmt eine Gespächsteilnehmerin aus der Talkrunde?
Wurde sie vergrault?
Osthoff sorgt für Eklat
Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff hat eine Talkshow aus Protest verlassen
(Archivbild von 2004). Foto: ddp
Aus Protest gegen einen Einspieler hat die ehemalige Irak-Geisel Susanne
Osthoff in der Talkshow Nachtcafe für einen Eklat gesorgt.
Die ehemalige Irak-Geisel Susanne
Osthoff hat die Talkshow "Nachtcafé" fluchtartig verlassen. Auslöser war
der Versuch von Moderator Wieland Backes, das Video eines
ZDF-Interviews mit Moderatorin Marietta Slomka einzuspielen, das kurz
nach ihrer Freilassung im Jahr 2005 aufgezeichnet wurde.
Verwirrende Erklärungen
In
dem Interview trat Osthoff vollverschleiert vor die Kamera und gab
einige verwirrende Erklärungen ab. Ein paar Jahre später erklärte sie,
dass sie zu dieser Zeit überdreht war und unter Alpträumen und
Angstzuständen litt.
Die deutsche Archäologin war
am 25. November 2005 im Irak zusammen mit ihrem Fahrer als erste
Deutsche seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein entführt und am 18.
Dezember wieder freigelassen worden. (dpa)
KOMMENTAR: Dieser Vorfall ist ein gutes Beispiel, das uns zeigt:
Wenn wir mit Medien zu tun haben, müssen wir uns immer bewusst sein: Gesagt ist gesagt.
Das nachfolgende Interview veranschaulicht uns einmal mehr, dass es kaum mehr möglich ist, nachträglich falsches Verhalten zu korrigieren. In einem Interview trat Osthoff nach der Entführungfall verschleiert vor die
Kamera und gab einige verwirrende Erklärungen ab. Ein paar Jahre später
erklärte sie, dass sie zu dieser Zeit überdreht war und unter Alpträumen
und Angstzuständen litt. Hier das Interview, das Osthoff nachdträglich bedauert hatte. Backes wollte davon eine Sequenz zeigen. Das war für Susanne Osthoff zu viel. Mit dem Eklat konnte sie immerhin erreichen, dass das Interview während der Sendung nicht mehr ausgestrahlt wurde. Doch kam es durch diesen ungewöhnlicheZwischenfall zu einem Medienwirbel und die alte Geschichte wurde dadurch erst recht zementiert. Hier nochmals das alte Interview:
********************
"... war ich nicht freier Mensch"
Das ZDF-Interview mit Susanne Osthoff im Wortlaut

Im Interview mit dem heute-journal äußert sich die
Archäologin Susanne Osthoff über ihre Geiselnahme im
Irak. Das ZDF dokumentiert den Wortlaut des Interviews.
Auszüge daraus hat das heute-journal am Mittwoch gesendet.
Diese Seite enthält den – abgesehen von diesem Absatz – unveränderten
Originaltext von der ZDF-Seite, wo dieser leider zur Zeit (7.1.2006)
nicht verfügbar ist. Ich habe diese Kopie abgelegt, um sie von meinem
Blog aus verlinken zu können. Sollte ich damit jemandes Rechte verletzen, bitte ich um
Nachricht.
Marietta Slomka: Über Susanne Osthoff ist ja viel
berichtet worden, wir wollen gerne mit ihr selbst sprechen. Frau
Osthoff, ich grüße Sie. Wie geht es Ihnen?
Susanne Osthoff: Schlecht.
Slomka: Wie haben Sie die letzten drei Wochen erlebt?
Osthoff: Das waren nicht drei Wochen, das war genau ein Monat,
vom Freitag, den 25.11., wo ich betonen will, freitags haben alle
Banken und öffentlichen Läden - zu Ihrer Information -
geschlossen. Nicht dass irgendwelche Journalisten wieder auf Ideen
kommen, ich hätte da Gelder transferiert, nur zur Information,
dass Sie mal Fakten wissen. Freitag, 25.11., bis den letzten
25.11., das war Samstag, war dann schon Sonntag, 1 Uhr 20 war ich
nicht, war ich unter, war ich nicht freier Mensch, ganz
einfach.
Und deswegen brauchen Sie jetzt, damit erübrigen sich jetzt
die weiteren Fragen, wieso haben Sie sich denn nirgendwo gemeldet?
Ich habe eine Liste da, von allem, was mir abgenommen wurde. Wo ich
auch nicht ran kann jetzt und das beinhaltet SIM-Karten, die sind
nicht mehr da, mein ganzes Gepäck ist nicht mehr da. Wie Sie
sich vorstellen können, ist das nicht ganz einfach dann und
deswegen: Es geht auch nicht mehr ums Gepäck nach solchen
Dingen. Und wie es einem dann geht, denn rein die körperliche
Verfassung wird irgendwann absinken, denn dann wird man nicht viel
schlafen können, nämlich gar nicht.
Slomka: Mögen Sie uns erzählen, wie das an dem
Tag der Entführung abgelaufen ist? Sie waren in einem Auto und
plötzlich wurden Sie dort herausgezerrt?
Osthoff: Ich glaube, diese Details sind uninteressant.
Das interessiert niemanden, ein Kidnapping läuft mit
Gewalteinwirkung ab in der Regel. Die Leute schauen ja viel
Fernsehen, die sehen ja vielleicht, dass man nicht freiwillig dann
sich schnappen lässt. Da ist eine kurze Gewalteinwirkung, die
natürlich so ist, dass man da keine Möglichkeiten mehr
hat und wo das stattfindet und so weiter. Das hat alles das BKA
aufgenommen, in detaillierter Form, deswegen dauerte das auch ab
dem Zeitpunkt, wo ich draußen war, von der selben Minute an
bis 25.12., 1 Uhr 30. Und das sind Tatsachen, die nicht nur auf ein
kurzes Verbrechen zurückschließen, sondern das geht in
die lange Geschichte zurück.
Slomka: Es gab dieses Video, das uns hier in Deutschland
auch sehr erschüttert hat, in dem Sie gefesselt waren, mit
verbundenen Augen. War das die ganze Zeit über so?
Osthoff: Das Video ist, da haben sich ja schon viele
Leute schon Gedanken gemacht, dass dieses Video so eine eine
schlechte Qualität hätte. Deswegen, daraus versucht man
ja in Terror-Krisenstäben, jemand als Spezialist versuchen
daraus was zu analysieren. Das ist leider ganz ne falsche Annahme,
wenn man meint, dass die Qualität jetzt leider nicht mehr auf
Herrn Abu Mussab Al Sarkawi schließen lässt. Die
Lebensqualität ist halt auch schon ein bisserl abgesunken, das
dort innerhalb kürzester Zeit vielleicht 30 oder 40 neue
Gruppierungen innerhalb von einem Monat auf der Bildfläche
erscheinen. Denen ist es egal, ob der Videoclip gerade sauber ist
oder nicht. Die wollen nur diese Message rüberbringen und die
Message war ja eindeutig und daraus, das ist eben der Fehler der
Denkweise der Deutschen, die meinen, der Mussab hat noch Zeit, dann
noch sich zu überlegen oder seine Gruppierungen, wie schaut
denn das jetzt auch, haben wir auch die Wand noch richtig
geweißelt? Das interessiert hier keinen mehr.
Slomka: Die Botschaft ...
Osthoff: Wenn Sie selbst drin sitzen, dann wundern Sie
sich nur noch über solche komischen Terror-Experten.
Slomka: Die Botschaften in dem Video, das Sie gerade
ansprachen, war, dass man Sie töten würde. Hatten Sie
davor Angst, dass die das wahr machen, oder hatten Sie das
Gefühl, das ist mehr eine Drohung?
Osthoff: Ich wäre, da hat man gar kein Gefühl
mehr, weil man nämlich ständig kurz vor dem Tod steht.
Denn ich hab ja schon mal gesagt, dass das ein Verkauf war und
unter einem sehr schlechten Vorzeichen, nämlich jüdischer
Geheimdienstoffizier. Und normalerweise, wenn es in Arabien keine
Gnade gäbe, wäre ich im Kofferraum nach einer Stunde
schon eliminiert worden und dann in den Kanal daneben rein
geschmissen worden.
Slomka: Ihnen ist es aber gelungen, mit den Geiselnehmern
in Kontakt zu treten, also mit ihnen zu reden?
Osthoff: Und alles andere, die wollten dann mit mir
reden, denn sie haben ja natürlich mich schon länger
beobachtet und wussten, dass ich natürlich nicht so ein
Feigling bin, wie manch andere Menschen. Deswegen waren sie
verblüfft, weshalb ich denn in Mossul noch arbeite und Sie
haben ja selber gesehen, was ich da arbeite.
Slomka: Sie sagten, Sie hätten sie länger
...
Osthoff: Dass ich mich da bereichere, denn ich habe von
Deutschland, jetzt erwähne ich das mal schnell, von
Deutschland habe ich dafür keine müde Mark dafür
bekommen. Es sind 15.000 Euro für ein Kulturprojekt zur
Verfügung gestellt worden. Ich hatte knallharte Auflagen, die
haben mich unter Druck gesetzt, zwei Mitarbeiter noch, der Herr
Erbel, der Botschafter ist davon auszunehmen. Ich wurde noch kurz
vorher darauf hingewiesen, dass ich im Januar, wenn ich das
Projekt, das Budget geht bis Ende des Jahres 2005. Wenn ich das
nicht bis Ende Januar alles ausgegeben ist, also mit jedem Beleg
und sie möchten das nicht gehört haben, dass ich davon
einen Pfennig nehme, das muss klar sein, das wusste ich
natürlich, weil ich brauche das Geld nicht von Deutschland,
ich habe selber das Projekt finanziert. Und die 15.000 Euro sind
alle abgerechnet, da sind noch nicht mal die Gehälter für
den Oberbauaufseher drin. Das haben wir alles selber gezahlt.
Und deswegen muss ich mir das jetzt dann verbieten, dass noch
einmal irgendwas von Deutschland erwähnt wird. Deutschland hat
damit nichts zu tun. Denn das Geld ist nach wie vor wahrscheinlich
auf einer Bank, ich weiß es nicht, und ich frage es auch
nicht mehr. Ich verzichte freiwillig. Ich mache das selber und
Deutschland hat sich da nicht einzumischen. Ich habe alles selbst,
die Verantwortung immer schon übernommen, schon seit vielen
Jahren. Da hat keiner nachgefragt, ich bin wochenlang nicht
erschienen.

Ich hatte nur, weil ich dringende Gründe hatte, einem
menschlichen Mitarbeiter, der Botschaft diesen Zettel gegeben, um
im Falle des Falles an meine Tochter ranzukommen und nichts weiter
irgendwelchen Firlefanz zu erzählen, ja? Der Mann hat Gott sei
Dank als einziger versteht er das, denn er hat selber die Botschaft
geschützt, ja? Und nicht nur mit irgendwelchen blöden
Texten, sondern mit Taten, da muss ich mal sagen, das war eine
Blamage für Deutschland, ganz einfach. Und der Geiz schreit
zum Himmel und das tut mir leid, ich habe niemanden beauftragt, den
ganzen Wirbel aufzurollen, denn 43 Jahre kennt mich keiner, jetzt
plötzlich wollen die irgendwas von mir, ist ein bisschen
peinlich.
Der Mitarbeiter in der Botschaft in dem letzten Gespräch
hat mich noch darauf aufmerksam gemacht, der zuständige Mensch
Kulturreferent, neu eingesetzt, hat mich darauf aufmerksam gemacht.
Ich habe alles notiert, jeden Satz, den er gesagt hat. "Frau
Osthoff, wir brauchen hier keinen Orientalisten". Ich habe ihm
gesagt, wissen Sie was in Mossul so los ist, der Gouverneur hat mir
selber noch ein Schreiben gegeben, dass wir (...
unverständlich/Anm. der Redaktion) müssen, wegen der
Wahlen und der Eskalationen.
Der Mann war keinen Meter draußen, da hatte er Husten,
weil der Staub in Bagdad so krass ist, ich war da mit den Nerven
schon ziemlich runter, denn ich lass mir das nicht bieten, von
solchen Bürokraten (...) machen Sie mal den Fernseher an und
schauen Sie mal, ich musste, ich sag Ihnen, ich musste, denn das
Projekt wäre sonst, das Geld wäre nicht zum Einsatz
gekommen und wir arbeiten nicht 1,5 Jahre, ja 40 Familien, die
davon leben wollten, dass das Geld die Leute erreicht.
Ich hab es ja erwirkt, dass wir wenigstens einen Aufschub
kriegen, nachdem ich, wie Sie ja wissen, nicht ganz auf den Mund
gefallen bin, sonst hätte ich schon längst nicht mehr
überlebt, hab ich das erwirkt, das Geld zu erhalten, sonst
hätten wir es gleich zurückgegeben.
Slomka: Sie sagten, Sie sind nicht auf den Mund gefallen.
War das Ihre Rettung, dass Sie mit den Geiselnehmern auch so viel
gesprochen haben? Glauben Sie, dass Sie auch dazu viel selbst
beigetragen haben, dass Sie am Ende freigelassen worden?
Osthoff: Sie wissen ja gar nicht, dass ich mit denen
gesprochen habe. Schauen Sie mal, ich hab noch keinerlei Details
Ihnen gesagt. Sie wissen nicht, ob ich überhaupt sprechen
durfte. Ob ich geknebelt war und sonst irgendwas. Ich habe noch
eine kleine Plastiktüte dabei, für meine Erinnerungen an
diese Tage, ich sag es Ihnen, es gibt dort Einwirkungen, die Sie
nicht mehr unter Kontrolle haben.
Da kann ich Ihnen nur eine kleine Plastiktüte zeigen,
daraus können Sie vielleicht ein paar Dinge jetzt entnehmen
(Anmerkung der Redaktion: Frau Osthoff hält eine
Plastiktüte hoch und entnimmt Gegenstände, die nicht zu
identifizieren sind). Das sind meine letzten Erinnerungen. Und
das waren drei Wochen meine Utensilien, die ich noch hatte. Das
heißt, die habe ich mitnehmen dürfen als Erinnerung. So
hab ich da, und das können Sie nicht interpretieren. Sie
müssen die Vorgabe bedenken, jüdischer
Geheimdienstoffiziere, was das bedeutet. Ja und da ist man
natürlich teilweise gefesselt, denn die Leute handeln nach
Anweisung, ja?
Slomka: Also konnten Sie nicht mit den Entführern
sprechen während der drei Wochen?
Osthoff: In der Lage können Sie nicht mehr was sagen
vielleicht, Sie haben keine Möglichkeit, Sie müssen auf
Anweisung, Sie werden verhört und sie können nicht
einfach "Hallo, wie heißt Du denn" sagen. "Bist Du jetzt
(unverständlich) . Das ist nicht möglich.
Slomka: Also wussten Sie auch gar nicht, mit wem Sie es
da zu tun haben?
Osthoff: Verhaltensregeln, doch die Leute, gestern in
Al-Dschasira, Sie hätten sich das Interview anhören
müssen, dann hätten Sie jetzt alle Vorgaben. Ich wurde
ganz korrekt informiert, um wen es sich handelt. Nämlich eine
Gruppierung der Gruppierung Abu Mussab Al Sarkawi. Und das ist mir
von Anfang an klar gemacht worden, und da werde ich nicht mehr so
blöd sein dann zu überlegen, haben die mich vielleicht
jetzt angelogen, oder wollen die jetzt bloß mit mir irgendwie
Tee trinken. Das waren knallharte Fakten.
Und ich wusste das schon länger, denn ich hatte schon
einmal eine Bedrohung und habe mich jetzt gerade durchgesetzt, dass
wir das Projekt für die (unverständlich) in Gang bringen,
nicht dass ich jetzt Spielchen mache und Urlaub mache. Die
Bürger aus Glonn kennen mich, dass ich das Haus nicht mehr
halten konnte, mein Vermieter hatte ja keine Gnade, der
Bürgermeister wollte selber noch, ich konnte die Miete nicht
mehr zahlen, weil ich ja nichts verdiene, verstehen Sie? Ich habe
aber gewusst, dass die Leute noch ärmer sind als ich. Die
brauchen jetzt ein bisschen Feedback. Auch wenn es nur 40 Familien
sind, es ist besser wie gar nichts. Der Herr Ester kennt mich und
der hat noch versucht, als Mediator mit dem Vermieter einzutreten.
Aber er war leider gnadenlos.
Slomka: Was haben Sie denn jetzt vor, Frau Osthoff? Was
möchten Sie jetzt als nächstes tun?
Osthoff: Das steht nicht zur Debatte. Denn ich kann
nicht. Was ich möchte, hat mich noch nie im Leben einer
gefragt. Das wäre mir jetzt neu, wenn ich diese Frage
plötzlich hören dürfte. Ich höre sie gerade,
aber ich kann nicht so handeln, wie ich will. Verstehen Sie, da
gibt es nicht viele Möglichkeiten, und da kann ich eigentlich
gar nichts dazu sagen.
Slomka: Ist das denn falsch zitiert im Interview mit
Al-Dschasira, dass Sie in den Irak zurück möchten? Stimmt
das nicht?
Osthoff: Diese Frage wurde nicht einmal gestellt. Wir
kamen nicht auf so einen privaten Pipifax, denn dort bei
Al-Dschasira haben sie sich um politische Dimensionen und das
Kidnapping gekümmert. Um Fakten eben und das muss ich einmal
klarstellen, das sollten Sie sich mal überlegen, dass es auch
einmal wichtig wäre, dass die Bürger mal solche Dinge
erfahren. Weshalb wir da überhaupt noch etwas tun? Denn wie
Sie wissen, sind fast eine halbe Million Iraker in Deutschland, die
wohnen bei uns, als politische Asylanten. Und da müssten Sie
sich auch mal sich Gedanken dazu machen. Warum denn jetzt diese
Leute nicht mehr zurück können.
Slomka: Also stimmt es nicht, dass Sie in den Irak
zurückkehren?
Osthoff: Es ist eine komplette Lüge, ich habe die
Kassetten hier und die sind genau aufgezeichnet, ich habe davon
noch nie etwas behauptet, ich wurde auch noch nicht einmal auf so
eine doofe Frage, wurde mir von den Arabern noch nie gestellt.
Slomka: Aber Sie unterstützen ja Kulturprojekte im
Irak?
Osthoff: Ich unterstütze nicht viele Hilfsprojekte,
ich bin nur eine Person, ich sage Ihnen nur genau, was ich mache,
ich schleppe Kisten von A nach B und paar Leute können Ihnen
die Fragen genau beantworten. Sie haben ohne mich zu fragen mich da
irgendwie plötzlich wieder benutzt und sonst, ich sage nichts
mehr dazu, ich wäre schon öfter wegen den Deutschen
gestorben, weil die mich sitzen ließen im Krieg. Erst mich
vorschicken, ich habe alles abgeliefert und später, warum hat
mich denn mein Vermieter rausgeschmissen, weil meine Miete wurde
nicht weiter bezahlt während ich als einziger
Durchführender nicht mal mehr rausgeholt wurde. Ja - und da
hab ich Zeugen, die ganze Weltpresse. Die Leute schämen sich
jetzt nicht, sich hinzustellen öffentlich und mein Bild
hochzuhalten.
Slomka: Frau Osthoff, hat sich die Bundesregierung denn
sehr bemüht um Ihre Freilassung und warnt sie Sie jetzt noch
einmal davor, sich noch einmal in Gefahr zu begeben?
Osthoff: Mich hat noch keiner gewarnt, ich bin jahrelang
mein eigener Herr und ich bettle nicht. Das war eine reine
Unterstützungsmaßnahme, die wir angefordert haben. Das
hat eineinhalb Jahre gedauert (unverständlich), denn es ist ja
nicht für mich, ich bin nicht unterstützt worden.
Slomka: Frau Osthoff, ich spreche jetzt von Ihrer
Entführung. Da hat sich die Bundesregierung ja sehr
bemüht, Sie frei zu bekommen und hofft natürlich jetzt,
dass Sie nicht so bald in den Irak zurückkehren werden.
Osthoff: Wissen Sie warum sie sich bemüht haben,
denn die können viel hoffen, denn das ist jetzt nicht die
Frage. Die Frage sind Fakten. Fakt ist, dass wer hat mir den Druck
gemacht und mir ein Gerichtsverfahren angedroht, der Mitarbeiter
der Botschaft, und er würde noch Gnade ergehen lassen und es
verschieben bis nach Januar. Zitat: "Wir brauchen hier keinen
Arabisten, wir brauchen eine Abrechnungsstelle". Ich habe alles
geliefert und da war es mir eh schon zu viel. Ich dachte aber,
jetzt haben wir es geschafft, und es war ein großer Aufwand.
Die 40 Familien müssen irgendwie weiter machen.
Sonst läuft es nicht, ich habe schon andere Finanzquellen
für diese Projekte, da brauch ich nicht mehr betteln, und das
Ganze ist sowieso gelaufen. Verstehen Sie? Und da brauch mich jetzt
keiner hochjubeln, dass ich der humanitäre Held hier bin, ich
weiß genau, was ich mache und da gibt es auch nur
Verzerrungen. Ganz einfach. Die Leute, die mich kennen, die wissen,
wie viele Kisten ich geschleppt habe und die Iraker wissen es
auch.
Slomka: Aber was Sie jetzt in Zukunft vorhaben ...
Osthoff : Der andere, der sich noch einklinkt, und jetzt
in meinem Namen wieder irgendwas behauptet, die sollen sich
schämen.
Slomka: Frau Osthoff, Danke für das Interview.
Osthoff: Nein, ich sage Ihnen jetzt nur, wem ich da was
zu verdanken habe. Ganz ehrlich mal, Nein, ich möchte das
jetzt noch sagen: Ich danke Herrn Gerhard Schröder für
diese Ansprache, denn das hat mir viel geholfen, Herrn Gerhard
Schröder persönlich. Die Leute haben darauf Reaktion
gezeigt, er als Mann und auch Charakter, der sich in der Welt
darstellen kann, und den Arabern auch entsprechend das
rübergebracht hat, das Ehrgefühl angesprochen hat, plus
auch nicht in diesen Krieg eingestiegen ist.
Und einer Persönlichkeit, der ich sehr viel zu verdanken
habe in dem ganzen Fall: Mohammed al Mohammed. Das sind zwei
Personen, die ich bitte noch erwähnt haben möchte, denn
ohne die würde ich hier wahrscheinlich nicht stehen und das
wäre wichtig, dass die Leute sich mal ein paar Gedanken
über den Hintergrund machen, dass sie nicht weit von dem
Ganzen entfernt sind. Irak ist auch bei uns, ja, ich hab es Ihnen
ja erwähnt warum.
Slomka: Ihre Schwester hat sich auch öffentlich sehr
für Sie eingesetzt.
Osthoff: Diese Einsetzung möchte ich jetzt mal
beiseite lassen, denn ich möchte bloß jetzt einmal
wissen: hat sich einer mal nicht gefragt, wie ich da jetzt
überlebt habe, dass ich überhaupt noch lebe? Es geht mir
jetzt, wer sich dafür einsetzt, ich habe das nicht gesehen. Es
gibt Fakten, weshalb da schon seit vielen Jahren keinerlei
menschliche Kontakte bestehen, triftige Gründe und deswegen
ist das jetzt nicht das Thema. Wenn ich etwas frage, dann tue ich
es.
Slomka: Ich danke Ihnen für das Gespräch Frau
Osthoff, ich wünsche Ihnen persönlich alles Gute.
Osthoff: Ja, herzlichen Dank.
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FAZIT: Im Umgang mit Medien benötigen wir eine Grundausbildung. Wer die wichtigsten Bausteine im Umgang mit Mikrofon und Kamera nicht kennt, wer nicht weiss, wie Journalisten ticken, kann böse Ueberraschungen erleben.
Der Umgang mit Gerüchten und schwierigen Mediensituationen kann gelernt werden, wie das ABC. Osthoff hat in dieser Hinsicht ein Defizit.
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Aus dem Medienspiegel:
Osthoff stürmt aus "Nachtcafé"
/dpa,
Eigentlich wollte die ehemalige Irak-Geisel Susanne Osthoff
in der SWR-Talkshow „Nachtcafé“ über die Gerüchte sprechen, die ihr auch
mehr als acht Jahre nach der Tat das Leben schwer machen. Stattdessen
endete die Sendung in einem Fiasko.
Auslöser war der Versuch von Moderator Wieland Backes,
das Video eines ZDF-Interviews mit Moderatorin Marietta Slomka
einzuspielen, das kurz nach der Freilassung im Jahr 2005 aufgezeichnet
worden war.
Vor ihrem Abgang aus dem Studio warf Osthoff den deutschen Medien
vor, sie hätten über eine Lösegeldzahlung berichtet, für die es nie
eine offizielle Bestätigung gab. „Woher beziehen die Medien in diesem
meinem Fall ihre Meldungen?“
Vorwürfe richtete sie auch in Richtung der Politik. „Wenn ich was
wäre, dann hätte sich irgendjemand mal um uns gekümmert und unsere tolle
Regierung hätte mal gefragt, wo wir jetzt sind“, beklagte sie. Die
Behörden, die Aufklärung und die Verdächtigungen hätten sie total kaputt
gemacht. Moderator Backes kommentierte den vorzeitigen Abgang seines
Studiogastes mit den Worten: „Ja, wir müssen es hinnehmen.“
Die Archäologin war nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein am
25. November 2005 im Irak entführt und am 18. Dezember freigelassen
worden. Nach ihrer Rückkehr hatte sich Osthoff in einer bayerischen
Kleinstadt niedergelassen.