Dienstag, 11. Februar 2014

Ausraster vor Mikrofon und Kamera

Unter Druck, bei Stress, bei Ueberraschungen verhalten sich Menschen und Tiere analog. Es gibt drei typische Verhaltensweisen:

Sie fliehen, sie greifen an oder sie stellen sich tot.

Bundespräsident Maurer griff letztes Jahr einen Journalisten an, der ihn nervte und beschimpfte ihm  als "Aff".
Guido Westerwelle wollte an einer Medienkonferenz nicht in englischer Sprache antworten. Er weigerte sich und sagte hersch: Wir sind hier in Deutschland. In England erwarten Sie auch, dass englisch gesprochen wird.
Bundesrat Ammann tauchte dieses Jahr ab (stellte sich tot oder tauchte in ein Kommunikationskomma), als er mit heiklen Steuerproblemen seiner Firma konfrontiert wurde.
Ospel suchte damals vor dem Swissairgrounding das Weite und floh nach Amerika (Fluchtverhalten).

Beim sonst sonst so besonnenen Bundespräsidenten Didier Burkhalter erlebten wir nun heute nach der Abstimmungschlappe vor Journalisten ebenfalls, wie ihm  die Nerven durchbrannten und er Journalisten angefahren hatte.

Ich zitiere Blick-online:

Didier Burkhalter rastet vor der Presse aus

Bei einer Fragerunde für Journalisten platzt Bundespräsident Didier Burkhalter heute Morgen (11. Februar 14) der Kragen. Er staucht einen Deutschschweizer Reporter zusammen, weil ihn dieser bittet, Deutsch zu sprechen.

play Didier Burkhalter heute Morgen im Bundeshaus.
(Keystone)
Das Ja zur Masseneinwanderung lässt die Emotionen hochkochen – selbst beim sonst so gefassten Didier Burkhalter. Der Bundespräsident rastete heute Morgen aus, als er sich im Bundeshaus Fragen von Journalisten stellen musste.
Das Thema: Das Treffen mit der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrats, der er heute Morgen Red und Antwort stand.
Die ersten fünf Minuten lief alles glatt. Welsche Journalisten stellten Fragen, der Neuenburger antwortete in seiner Muttersprache Französisch. Als ihn dann jedoch ein Deutschschweizer Reporter bat, die Antworten auch auf Deutsch zu formulieren, platzte Burkhalter der Kragen. Auf Deutsch wettert der Bundesrat, dass es manchmal halt schon gut wäre, in Bern die Sprache des französischen Schriftstellers Molière («Der eingebildete Kranke») zu beherrschen.

Burkhalter stichelt gegen SVP
Dann doppelte er nach, indem er die versammelte Journalistenschar daran erinnerte, dass es die Minoritäten, insbesondere die französischsprachige, zu respektieren gelte. Das berichtet «24 Heures».
Dabei kann er sich nicht verkneifen zu betonen, dass es die welschen Kantone waren, welche gegen die Initiative der SVP gestimmt hätten. «Eine welsche Schweiz, die ausserdem die dynamischste Region des Landes ist.» Hoppla.
Nachdem Burkhalter seinem Ärger Luft gemacht hat, zeigt er sich dann jedoch versöhnlich mit den deutschprachigen Landesgenossen. Die folgenden Fragen beantwortet er auf Französisch und Deutsch.
Didier Burkhalter ist nicht der erste Spitzenpolitiker, dem es wegen einer Fremdsprache den Hut lupft. Die Standpauke des ehemaligen deutschen Aussenministers Guido Westerwelle ist legendär (siehe Video  (lha)

KOMMENTAR: Es ist möglich, solche extreme Situationen zu meistern. Wir können lernen, trotz Provokation,  trotz Stress, trotz Ermüdung RUHE zu bewahren. Dies muss aber trainiert werden, so wie es Piloten im Simulator lernen können, heikle Krisensituationen zu beherrschen.
In unseren Medienseminaren simulieren wir dies. Wir können Techniken  erwerben, damit wir vor Mikrofon und Kamera die Nerven nicht verlieren. Wir sind gerne bereit, Sie fit zu machen im Umgang mit Journalisten in Druck- und Stresssituationen.

Uneinsichtig - wie immer!

Anstatt den Fehler zuzugeben, sucht Ex Bundesrätin Calmy-Rey einen Sündenbock

Schon als Bundesrätin tappte Michelin Calmy-Rey in ihrer Mediengeilheit von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen. Wie früher sieht sie auch heute nicht ein, dass Sie kurz vor den Wahlen den SVP geholfen hatte mit der Aussage, die Schweiz müsse zur EU beitreten. Böse Zungen sagten spöttisch, Calmy müsste eigentlich zum Ehrenmitglied er SVP ernannt werden. Sie habe mit ihrem Patzer Tausende von Ja Stimmen generiert.
Doch was macht sie nach diesem faux-pas?

Markige Worte

Markige Worte

Calmy-Rey: Widersetzt euch der SVP

 

Typisch Camy-Rey. Sie sagt sich: Angriff ist die beste Verteidigung!

 

LINKS: 

22. März 2008 ... Wahrscheinlich muss Micheline Calmy-Rey ihr Verhalten vor der Aussenpolitichen Kommission noch erklären. Für Darbellay liess die ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/03_22/
19. Juli 2010 ... Das Problemdossier unserer Aussenministerin Michelin Calmy-Rey ist derzeit recht gross: Ende Juni hätte sie den Europa Bericht vorlegen ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/07_19/
15. Dez. 2006 ... Frage: Zusätzlich gab es auch viele leere und ungültige Wahlzettel. Wie kommt das? Statements von Politiker über Calmy-Rey nach der Wahl ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/06/12_15.html
1. Okt. 2007 ... Nicht so bei Micheline Calmy-Rey. Bei ihr wird ihr paradoxes Verhalten in der Regel grosszügig übersehen. Erstmals weist immerhin der ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/10_01/index.html
20. Mai 2007 ... Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey war am Samstagabend im Westschweizer Fernsehen TSR in einer Rolle zu sehen, die im Vorfeld für ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/05_20/index.html
28. Dez. 2010 ... In der Schweiz ist jedoch das jüngste Fotoverbot der angehenden Bundespräsidentin unbegreiflich. Micheline Calmy-Rey begründet das ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/12_28/
10. Febr. 2003 ... Der Wirbel um das Vorgehen der ungewohnt engagierten neuen Bundesrätin Micheline Calmy-Rey reflektierte sich in Sonntagspresse vom 9.
www.rhetorik.ch/Aktuell/Aktuell_Feb_10_2003.html

 

Meinungsumfragen und Meinungsmacher

Die Meinungsumfragen sind problematisch.

Fragwürdig wird es, wenn ein Institut gleichsam die Rolle eines Warners oder Animators für die PR Aktuere übernimmt.
Ich zitiere 20 Min:

Bei der ersten Meinungsumfrage waren nur 37 Prozent für die Zuwanderungs-Initiative, am Schluss gabs ein knappes Ja. Die SVP hält die Umfragen deshalb für wertlos

storybild
Claude Longchamp und sein Forschungsinstitut GFS Bern erstellen für die SRG Umfragen vor den nationalen Abstimmungen – und machen damit nicht allen eine Freude. (Bild: Keystone/Marcel Bieri)

Nur 37 Prozent für die SVP-Initiative? Politkommentatoren schüttelten ungläubig den Kopf, als vor einem Monat die erste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GFS Bern zur Zuwanderungsinitiative erschien. Denn das Resultat schien sich so gar nicht mit der Stimmung im Volk zu decken. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten ergab zwei Wochen vor der Abstimmung denn auch einen Ja-Stimmen-Anteil von 49 Prozent. Und tatsächlich: Am Sonntag triumphierte die SVP, wenn auch mit 50,3 Prozent denkbar knapp.

Kommentar: Longchamp argumentierte bei seinen Umfragen, die Zahlen seien lediglich eine Standortbestimmung. Er weist zu Recht darauf hin, dass solche Momentaufnahme später noch ändern könne.  
Nachdem wir nun mehrfach erlebt haben, dass die Umfragen nicht mit dem tatsächlichen Stimmungsbild übereinstimmen, ist heute  die Frage berechtigt, ob wir überhaupt solche Prognosen  publizieren und vom Fernsehen bezahlen lassen sollen. Wenn bei so sensiblen  Abstimmungen viele Befragten nicht die Wahrheit sagen (viele gaben bei der Umfrage an, mit NEIN zu stimmen, heimlich schrieben sie aber dann doch ein JA auf ihren Stimmzettel)
Damit kommt es zwangsläufig zu Verzerrungen.  Einen anderer wichtigen Aspekt gilt es auch noch zu berücksichtigen: Die Prognosen können das Wahlverhalten der Bürger stark beeinflussen. Die Umfragen beeinflussen die Akteure und Meinungsmacher. Sie wiegen Initianten in falsche Hoffnungen oder mobilisieren die prognostizierten Verlierer. Ein Beispiel:
Als vorausgesagt  wurde, dass die Familieninitiative beinahe angenommen werden könnte, erfolgten zusätzliche Aktionen der Gegner und  diese führten dann zu einer wuchtigen Ablehnung.
Die angeblichen Sieger hingegen sonnten sich zu früh am prognostizierten Erfolg.
Es kann wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Prognosen das Wahlverhalten enorm beeinflussen können.  
Bei der Masseneinwanderungsinitiative sagten mir die online Umfragen bei 20 Min viel mehr aus, als die kostspieligen Umfragen des Forschungsinstitutes

NACHLESE NACH DER ENTTAEUSCHUNG AM SONNTAG

Ueberall das grosse Wunden lecken

Horrorszenarien werden nach der Abstimmung  heraufbeschworen.
Politiker Steinmeier (D) ist sicher, dass nun die Schweiz unter dem schlimmen Entscheid schwer leiden werde.
Wie nach dem EWR NEIN war  für den Bundesrat der Sonntag wiederum ein schwarzer Tag. Jetzt muss es angeblich der Schweiz ganz schlimm gehen.

Der Vater der Initiative sieht jedoch alles viel gelassener. Es lohnt sich, folgendes Interview zu lesen:

SVP-Stratege Christoph Blocher legt dar, wie der Bundesrat aus seiner Sicht den Zuwanderungs-Entscheid umsetzen muss. Wichtigste Botschaft: Die Schweiz ist kein EU-Land.

storybildAlt Bundesrat Christoph Blocher: 
«Der Bundesrat darf auf keinen Fall selber verhandeln.» (Bild: Keystone/Walter Bieri)

Herr Blocher, es muss ein gutes Gefühl sein, schon wieder als Sieger aus einer solch richtungsweisenden Abstimmung hervorgegangen zu sein.

Ob ich glücklich darüber bin oder nicht, ist nicht entscheidend. Aber die Schweiz kann aufatmen, dass das Volk so mutig Stellung zur Selbstentscheidung bezogen hat – und das, obwohl man den Leuten im Abstimmungskampf dermassen Angst gemacht hat. Jetzt gilt es, die Handlungsfreiheit in Sachen Zuwanderung wieder zu erlangen. Mit der Annahme der Zuwanderungsinitiative steht jetzt in der Verfassung, dass die Schweiz die Zuwanderung selbst steuert. Wir sind nicht Mitglied der EU und wollen es nie sein.



Behauptet denn heute jemand, dass wir das sind?

Ja. Zumindest die EU tut so, als würden wir zu ihr gehören und der Bundesrat akzeptiert dies – trotz klarem EWR-Nein von 1992. Ebenso die Mehrheit des Parlaments. Die Verantwortlichen haben die Europäische Union bis heute im Glauben gelassen, dass die Schweiz der EU zumindest beitreten wolle. Und die EU hat es geglaubt. Deshalb haben wir jetzt einen solchen Salat! Mit der Übernahme der Personenfreizügigkeit hat die Schweiz ihre Unabhängigkeit faktisch preisgegeben. Jetzt ist das korrigiert.



Dass sich das Volk für eine Neuverhandlung der Personenfreizügigkeit ausgesprochen hat, muss für Sie ein ähnlicher Triumph wie das EWR-Nein 1992 sein.

Der Entscheid gegen den EWR-Beitritt war natürlich viel umfassender. Aber wie 1992 hat das Volk auch gestern realisiert, dass die Unabhängigkeit unseres Landes auf dem Spiel steht. Die Bevölkerung, die unter den Folgen der explosiven Zuwanderung leidet, hat ihre Stimme erhoben, während die Classe politique und der Bundesrat die Gefahr nicht ernst nahmen.



Der Bundesrat ist es aber, der nun für die Umsetzung verantwortlich ist.

Ja, weil er sich als Regierung wählen liess, um den Auftrag der betroffenen Bürger zu erfüllen. Und wenn er das nicht kann, muss man ihn auswechseln. Sicher ist, dass der Bundesrat keine Strategie hat, wie er der EU entgegentreten soll. Er weiss ja nicht einmal selber, was er will. Seit dem 9. Februar 2014 sollte er aber wissen, was er muss.



Wie sollte seine Strategie denn aus Ihrer Sicht aussehen?

Es ist doch ganz einfach! Zuerst – nun sag ich es noch einmal – ist der EU endlich klar mitzuteilen, dass die Schweiz nicht Mitglied ist und auch nicht werden will. Sie ist ein ausserhalb der Europäischen Union liegendes Land. Für sie gilt die Rechtsordnung der Schweiz und nicht der EU. Die schweizerische Unabhängigkeit ist in Artikel 2 der Schweizerischen Bundesverfassung festgeschrieben. Darum ist endlich das Beitrittsgesuch von 1992 für gegenstandslos zu erklären. Und die dritte Botschaft ist: Die Schweiz ist auch kein Mitglied des Europäischen Binnenmarktes und will es auch nicht sein. Sonst müssten wir nämlich alle EU-Regelungen übernehmen – in der Steuerpolitik, in der Aussenpolitik, bis hin zur Währung.



Die FDP hat ja bereits vorgeschlagen, dass Sie die Verhandlungen mit der EU führen sollen. Wären Sie dazu bereit?

Ich danke natürlich vielmals für den grosszügigen Vorschlag einer eher hilflosen FDP. Es ist aber schon ein wenig merkwürdig, dass man der grössten Partei, die bei wichtigen Fragen über 50 Prozent der Stimmen auf sich vereint, keinen zweiten Bundesratssitz zugestehen will. Und dann deren Hilfe will, wenn man selbst in der Tinte sitzt. Aber auch ein fähiger Diplomat kann nur gute Resultate erzielen, wenn er Verhandlungs-Vollmacht hat, und wenn auf keinen Fall der Bundesrat selber verhandeln will!



Weshalb soll der Bundesrat nicht selber verhandeln?

Der Bundesrat hat ja das Gefühl, er müsse immer sagen, was die EU hören will. Dabei macht das kein normaler Mensch: Mit jemandem verhandeln, der die gleiche Meinung vertritt. Es braucht Diplomaten, die hart auftreten können. Wenn sie keine Einigung mit der EU erzielen können, können sie immer noch sagen: «Ich habe zu Hause einen Chef, der will das so, ich kann Ihnen nicht weiter entgegenkommen.» Der Bundesrat hingegen kann das nicht.



Diese Theorie gehört ja quasi zum kleinen Einmaleins der Diplomatie. Weshalb glauben Sie, dass der Bundesrat das nicht weiss?

Bis in die 80er-Jahre wusste das unsere Landesregierung. Der Bundespräsident ging prinzipiell nie ins Ausland, weil er sich nicht auf die Forderungen einlassen wollte. Heute scheint von diesem Bewusstsein nichts mehr übrig zu sein. Dabei wäre es so einfach: Wenn man sich nur auf diesen eisernen Grundsatz zurückbesinnen würde, wäre man mit der EU viel erfolgreicher. So oder so: Die anstehenden Verhandlungen sind kein Zuckerschlecken, aber wir sind in einer starken Position. Die EU ist die Bittstellerin: Sie hat ein Interesse daran, dass wir in der Unternehmensbesteuerung, in Energiefragen oder bei der Zinsbesteuerung, im Datenaustausch und so weiter mit ihr zusammenarbeiten. 



Sie gehen davon aus, dass die Schweiz ein attraktiver Handelspartner bleibt. Die Gegner Ihrer Initiative befürchten aber ein wirtschaftliches Tief in der Schweiz, wie wir es nach dem EWR-Entscheid schon einmal erlebt haben.


Das EWR-Nein hat uns keine wirtschaftlichen Schwierigkeiten beschert, das ist dummes Zeug. Am Tag nach der Abstimmung ist die Börse und der Franken gestiegen. Auch die Zinsen haben positiv nach unten reagiert, die Leute wollten also mehr Geld anlegen. Der Punkt ist, dass die Abstimmung mitten in einer Rezession stattgefunden hat. Die Immobilienkrise, die grosse Teuerung und Steuererhöhungen sind dafür verantwortlich, dass die 90er-Jahre wirtschaftlich schwierig waren, nicht das EWR-Nein.



Dieses Mal ist die Situation anders. Es wäre keine bestehende Krise schuld, sollte die Umsetzung Ihrer Initiative zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führen.

Natürlich kann es in den nächsten Jahren wieder zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten kommen, die Situation in ganz Europa ist alles andere als stabil. Aber ich sage Ihnen etwas: In einer solchen Situation stünde die Schweiz mit dem Kontingentssystem besser da als mit der Personenfreizügigkeit, wie wir sie heute haben. Mit der Personenfreizügigkeit bleiben die Ausländer – und es kommen erst noch zusätzliche – nämlich auch, wenn es im Land Probleme gibt. In einem Kontingentsystem gehen die meisten dagegen wieder nach Hause, wenn es sie nicht braucht. Vielleicht wird der gesamte Kuchen mit dem Kontingentssystem etwas kleiner, aber die einzelnen Stücke werden grösser.



Dann hat künftig jeder Schweizer ein fettes Tortenstück auf dem Teller?

Zuerst muss die Initiative umgesetzt werden. Aber dann gibt es für jeden ein dickeres Kuchenstück, ja.


KOMMENTAR: Obschon ich mit Christoph Blocher nicht immer das Heu auf der gleicher Bühne habe und ich ihn schon oft kritisiert hatte, so überrascht er heute durch sein aussagekräftiges Interwiew - mit seinen souveränen Antworten. Jetzt - aus der Siegerposition heraus - antwortet er kurz, klar, bedacht. Seine Argumentation leuchtet ein: Die Schweiz muss in den Verhandlungen eigenständig auftreten. Denn die Schweiz ist  nicht in der EU. Vielleicht war es ein Fehler, dass unser politisches Personal bislang noch nie eindeutig festgelegt hatte:
Wir treten nicht der EU bei! Dies wurde nie explizit festgehalten. Uebrigens:
Ich habe manche Wette verloren, weil für  mich ein JA eine Sensation gewesen wäre. Heute habe ich in Gesprächen gemerkt, dass in der Bevölkerung gegenüber unser Landesregierung zu viel Ungereimtes sauer aufgestossen ist: Volksentscheide wurden zu wenig ernst genommen. Sie wurden nicht umgesetzt (Verwahrung, Ausschaffung). Es wird versucht, eindeutige Volksentscheide  nachträglich  als ungültig erklären zu lassen, weil sie angeblich mit der Menschenrechtskonvention nicht vereinbar sind. Heute hörte ich im Bus folgende beachtenswerte Aussage: Der Bundesrat wird  bestimmt auch bei diesem Resultat den Volkswillen auf die lange Bnak schieben oder er wird den Auftrag gar nie so umsetzten, wie es beschlossen worden ist. Wer weiss:
Diese Stimmung des Misstrauens könnte auch mit beigetragen haben, dass viele ein JA auf den Stimmzettel geschrieben haben. 

Montag, 10. Februar 2014

Hildegard Knill: Umgang mit STRESS

Freiwilligenarbeit SICHTBAR

Freiwillige lernen den Umgang mit Stress

Im Workshop  «Zeichnen» üben  die Teilnehmenden vorurteilsloses Hinsehen.
Im Workshop «Zeichnen» üben die Teilnehmenden vorurteilsloses Hinsehen.
 Am ökumenischen Weiterbildungstag erfahren die vielen Freiwilligen Wertschätzung.
«Wir bekamen den ersten Preis für unser Freiwilligenkonzept: Alle acht angeschlossenen Pfarreien haben einheitliche Standards, um unsere Freiwilligen optimal zu unterstützen», sagt Susanne Horak stolz. «Wir haben z. B. ein Spesenreglement, Weiterbildungsangebote, eine Versicherungsschutzregelung und Vorlagen für Einsatzvereinbarungen.» Horak ist zu 40 Prozent für alle Winterthurer Stadt-Pfarreien als Koordinatorin für Soziale Arbeit angestellt. In ihr Pensum fällt auch die Unterstützung der Freiwilligenarbeit.
Zur Freiwilligen-Förderung gehört auch der Weiterbildungstag Über 80 kirchlich engagierte Menschen sind a ins reformierte Kirchgemeindehaus Mattenbach gekommen.

Vom Impulsreferat der Kommunikationsberaterin Hildegard Knill über Stress und Entspannung sind alle hell begeistert: «Sehr humorvoll hat sie uns in vielem den Spiegel vorgehalten», sagt Susanne Horak, «und einige gute Tipps zur Stressbewältigung gegeben.» In der kurzen darauffolgenden Austauschrunde wird deutlich: Auch und gerade freiwillig Engagierte leiden unter Stress, da sie oft nicht nur an einem Ort, sondern gleich mehrfach im Einsatz sind und sich nicht immer die nötige Entspannung gönnen. Helen Scheck von der Pfarrei Herz Jesu Winterthur arbeitet im Team in der Seniorenarbeit, organisiert Spieltreffs und Ferien und hilft mit im Begleitdienst zu den Gottesdiensten im Krankenzentrum Adlergarten. «Mir hat das Referat viel gebracht. Wir müssen lernen, auch mal Nein zu sagen, wenn wir spüren, dass wir an Grenzen stossen. Und es ist wichtig, dass unser Engagement uns Freude macht», resümiert sie.

Der angeschossene Bischof Huonder macht mobil

 

Rechtskatholiken machen mobil für Bischof Huonder

Aus TAGI
Im Konflikt um den konservativen Churer Bischof Vitus Huonder melden sich nun auch seine Unterstützer zu Wort. Eine Umfrage, gemäss der eine Mehrheit seinen Rücktritt ablehnt, heizt den Streit weiter an.
Kritisiert «Ideologie des Genderismus»: Bischof Vitus Huonder in Chur. (9. März 2011)
Kritisiert «Ideologie des Genderismus»: Bischof Vitus Huonder in Chur. (9. März 2011)
Bild: Keystone

Nach der Ankündigung einer Demonstration gegen den umstrittenen Churer Bischof Vitus Huonder am 9. März formieren sich konservative Kreise zur Unterstützung von Huonder. «Wir von der Priesterbruderschaft St. Pius X. stärken Bischof Vitus Huonder den Rücken, weil er die reine Lehre des Katholizismus vertritt», sagt Pater Henry Wuilloud, Distriktoberer und damit Leiter der Schweizer Pius-Niederlassung gegenüber der «Ostschweiz am Sonntag».
Für ihn ist klar, warum Huonder kritisiert wird. «Es ist nicht verwunderlich, dass Bischof Huonder angegriffen wird. Denn er vertritt die Lehre des katholischen Katechismus, und das wollen die liberalen Kräfte dieser Welt nicht hören. Aber die Prinzipien des Katechismus sind ewig.» Support bekommt Huonder auch von der Arbeitsgruppe «Jugend und Familie».
Weil Huonder in einem Hirtenbrief im Dezember 2013 die «Ideologie des Genderismus» kritisiert hatte und dafür angegriffen wurde, rief die Arbeitsgruppe zu seiner Unterstützung zu einer Postkartenaktion auf. «Wenn man den Hirtenbrief von Bischof Huonder in voller Länge liest, merkt man: Er hat recht», sagt Jugend-und-Familie-Präsidentin Käthi Kaufmann-Eggler. «Nach Auskunft des Sekretariats im Bistum Chur sind Tausende solcher Solidaritätskarten angekommen.»
Umfrage: Mehrheit lehnt Rücktritt ab
Die Rom-kritische, den Basiskatholiken nahe stehende Zeitschrift «Aufbruch» hat zudem einen Internet-Umfrage «Soll Bischof Huonder zurücktreten?» lanciert. Über 60 Prozent der Abstimmenden waren aber der Meinung, dass Huonder bleiben solle. Die Vermutung liegt nahe, dass das Umfrageresultat durch konservative Lobbyarbeit entstanden ist.
«Aufbruch»-Redaktor Wolf Südbeck-Baur sagt: «Das Resultat der Umfrage mit rund 65 Prozent Pro-Huonder-Stimmen zeigt, dass seine Anhänger sehr aktiv und gut organisiert sind.» Laut dem «SonntagsBlick» hatten bis am Freitagabend sogar 71 Prozent von 1500 Teilnehmenden gegen den Rücktritt von Huonder gestimmt. Am Samstag sei die Umfrage dann plötzlich von der Webseite verschwunden.
Bischofssprecher vermutet Zensur
Gegenüber dem «SonntagsBlick» erklärt Redaktor Wolf Südbeck-Baur, man habe Hinweise erhalten, dass der Zugang zur Umfrage nicht immer gewährleistet gewesen sei. Dies nehme man ernst, «weil wir Fairness garantieren wollen». Deshalb habe man die Umfrage derzeit sistiert und gehe der Sache auf den Grund. Bischofssprecher Giuseppe Gracia hat eine andere Vermutung: «Das kennt man von Bananenrepubliken. Wenn das Volk nicht sagt, was die Regierung hören will, wird es zensiert.»  
Verschiedene basiskatholische Organisationen rufen unter dem Slogan «Es reicht!» dazu auf, am 9. März in St. Gallen für die Absetzung des Churer Bischofs zu demonstrieren. Auf der Einladung wird Huonder Ausgrenzung, Diskriminierung und systematisches In-Frage-Stellen staatskirchenrechtlicher Strukturen vorgeworfen.
KOMMENTAR: Wir können davon ausgehen, dass der Widerstand gegen Huonder noch nicht abgeschlossen ist. Wir werden die Medienechos verfolgen. Die Demonstratranten gegen den umstrittenen Churer Bischof Vitus Huonder am 9. März haben jedenfalls die Segel noch nicht gestrichen.

Sonntag, 9. Februar 2014

Zum Abstimmungskrimi

Hochspannung am Sonntagnachmittag:  
Ein JA  wäre eine Sensation.
SO EINE PATTSITUATION GAB ES SEIT 20 JAHREN NICHT MEHR. ES KOMMT ZUM FOTOFINSH.


1430 Uhr am Sonntag: Die grossen Städte werden nun entscheiden - und die Zitterpartie klären.
Alles ist noch möglich. Aber eines ist sicher. Falls die Initiative  hauchdünn abgelehnt würde, könnte das politische Personal die Stimmung im Volk nicht mehr ignorieren. Parteien und Bundesrat müssten über die Bücher. Ich ging vor der ABstimmung von einem NEIN aus, wies aber darauf  hin, dass sich viele Stimmberechtigten für das NEIN bekannten, heimlich aber doch JA geschrieben haben. 
Es gilt ferner zu bedenken: Bei dieser Abstimmung ging es alle gegen einen. Die Wirtschaft und der Bundesrat die grössten Parteien konnten die Bevölkerung nicht klar machen, dass die Einwanderung nicht begrenzt werden darf.
Ein gravierender Fehler leistete sich die die Alt- Bundesrätin Calmy-Rey  mit Ihrer Aufforderung (kurz vor der Abstimmung) zum Beitritt zur EU. Unentschiedene wird diese Aussage zum JA bestärkt werden.
Die ehemalige Bundesrätin verriet damit, dass der Bunderat entgegen früherer Beteuerungen doch der EU beitreten will.
Dann hat die übertriebene Aktivität des Bundesrates und der Wirtschaftkreise viele Bürgerinnen und Bürger stutzig gemacht.
Ein typisches Eigencoal! Es zeigt sich einmal mehr, dass man mit Geld und Werbung nicht alles erreichen kann.
Der Bundesrat hat nun ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Zum hohen JA Anteil hat aus meiner Sicht der Einsatz des Siegers der Abzockerinitiative - des engagierten  Ständerates Thomas Minder viel beigetragen.
Viel mehr als der Einsatz von Christoph Blocher, der sich erstaunlich (bewusst?) zurückgehalten hatte. 
 



Hochrechnung zur Masseneinwanderung: 50 Prozent dafür, 50 Prozent dagegen 

1500 Uhr:

Pattsituation bei Masseneinwanderungs-Initiative: Kantone Zürich und Bern entscheiden 

1615 Uhr:


Pattsituation bei Masseneinwanderungs-Initiative: Kantone Zürich und Bern entscheiden
1645 Uhr:
 Masseneinwanderungs-Initiative: Schweiz sagt Ja – schallende Ohrfeige für den Bundesrat
1700 Uhr:


Masseneinwanderungs-Initiative: Schweiz sagt Ja – schallende Ohrfeige für den Bundesrat
 DIE SENSATION IST SOMIT PERFEKT!!!!!

Das einzige Interview des Vaters der Initiative.
Matthias Ackeret interviewt den Sieger Christoph Blocher.



   

Ich teile die Analyse des Politologen Michael Hermanns:

Heute werden mehr Weichen gestellt als in irgendeiner Abstimmung der letzten Jahre zuvor. Die Initiative mobilisierte zudem in alle Richtungen, denn es geht hier nicht nur um die Migration, sondern auch um Themen wie Naturschutz, Wohnungsnot oder wirtschaftlicher Wohlstand. Somit betrifft die SVP-Initiative alle. Auch dass sich ein knapper Entscheid abzeichnete, mobilisierte beide Lager.
Die Ja-Stimmen schienen im Laufe der Kampagne immer stärker zu werden.
Ich glaube eher, dass sich die Leute ihre Meinung zum Thema bereits gebildet hatten. Die Stimmung gegenüber der Zuwanderung kippte während der letzten drei Jahre. Die Leute brauchten eher Zeit, den Mut zu fassen, wirklich Ja zu stimmen. Denn damit gehen sie ja ein Risiko ein.
Die Deutschschweiz ist gespalten. Der Graben drängt sich zwischen urbane und ländliche Gebiete.
Städte wie Basel, Genf oder Zürich, aber auch Regionen wie Zug, die stark von der Zuwanderung betroffen sind, zeigen die stabilste Haltung zur Migration. Orte, die sich weniger dynamisch entwickelten, sind für die Initiative.
Wie lässt sich das erklären?
Die Haltung zum Thema hängt ja nicht nur mit der Erfahrung, sondern auch mit den eigenen Werten zusammen. Wer bereits urbanisiert wohnt, ist häufig auch eher international orientiert. In ländlichen Gebieten haben die Stimmbürger ein anderes Bild der Schweiz im Kopf. Und in den Städten wohnen mehr Linke, die nicht wollen, dass die SVP die Deutungsmehrheit über das Thema Migration erhält.
Die Ja-Quoten aus dem Tessin waren auffällig hoch. Ist das ein Hilferuf?
Ja, es ist ein Hilferuf. Das Tessin war in den 80er-Jahren noch ein liberaler Kanton und wurde in den letzten Jahren immer konservativer. Seit 2009 hat sich die Stimmung nun nicht mehr verändert. Schon damals lehnte das Tessin die Personenfreizügigkeit ab. Das deutliche Ja ist hier eine Folge der erlebten Situation.
Hat die Schweiz die Probleme des Kantons vernachlässigt?
Es ist nicht einfach, den Bedürfnissen des Kantons, der innerhalb der Schweiz eine Sonderrolle einnimmt, gerecht zu werden. Das Tessin sieht sich mit Italien einem Nachbarn gegenüber, der von der Eurokrise besonders betroffen ist. Währenddessen ist die Deutschschweiz vor ähnlichen Problemen besonders geschützt, denn Deutschland geht es sehr gut.

Ursachen des Stimmungswandels gefragt:
Ich zitiere Blick:

Wie konnte das passieren? Wo lagen die Gründe, dass die Stimmung, entgegen allen Umfragen im Vorfeld, doch noch ins Ja kippen konnte?
Zwei Wochen vor dem Urnengang, brachte ein überparteiliches Komitee einen neuen Aspekt in den Abstimmungskampf: Das SVP-nahe Egerkinger-Komitee warnte vor einer Stärkung des Islams in der Schweiz – wenn die Masseneinwanderungs-Initiative nicht angenommen werde.
Oder hat Ex-Aussenministerin Micheline Calmy-Rey der Initiative zum Durchbruch verholfen? Nur eine Woche vor der Abstimmung äusserte sie sich in der Sonntagspresse für einen EU-Beitritt. Hämische Twitterer frotzelten bereits am Nachmittag, dass ihr die SVP-Ehrenmitgliedschaft verliehen werden sollte.

SP beschuldigt die Bürgerlichen

Ganz anders tönt es bei der SP – hier werden die bürgerlichen Gegner der Initiative für das Ja verantwortlich gemacht. «Die Bedenken der Bevölkerung sind real und hätten echte Antworten in Form innerer Reformen verdient. Diesen Ausbau der flankierenden Massnahmen haben Bundesrat, bürgerliche Parteien und Wirtschaft jedoch stets verweigert», schreiben die Sozialdemokraten in einer ersten Stellungnahme.
Und es dürfte nicht lange dauern, bis sich Stimmen melden, welche die Steueroptimierungen des damaligen Unternehmens von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann für das knappe Votum der Bevölkerung verantwortlich machen.