Donnerstag, 15. August 2013

aus marcozone.de

Standard Airbag-rhetorik




Geschickt ausweichen: Wird Angela Merkel in einem Interview mit einem Problem konfrontiert, beispielsweise mit der Finanzierung der Krippenplätze oder dem Widerstand Polens bei einer EU-Frage – Merkels Antwort kommt postwendend und ist bei allen heiklen Sondierfragen anwendbar:
“Wir müssen bei dieser Frage eine gemeinsame Lösung suchen.” Airbag-Formulierungen nutzen alle Politiker, die sich nicht festlegen möchten.

Text: Marcus Knill* Bild: Keystone


“Wir müssen bei dieser Frage eine gemeinsame Lösung suchen!” Diese Antwort sagt nichts Konkretes aus, sie ist lediglich eine allgemeingültige, triviale selbstverständlichkeit. “Airbag-Formulierungen” nutzen alle Politiker, die sich nicht festlegen möchten.

Sie schätzen solche Plausibilitätsformulierungen. Es gibt Leute, die möchten
sogar in Seminaren solche “diplomatischen” Antworten erlernen. Schablonengedanken werden oft angewendet, um sich zu schützen oder nicht festlegen zu müssen. Wie ein Airbag mit nichts als Luft vor einem Aufprall schützen kann, dienen Floskeln, als “warme Luft”, leere Worthülsen, um unangenehme Fragen abzufedern. Es gibt Politiker, die pfl egen ganz gezielt solch vage Quasselantworten. Der Vorteil der Airbag-Rhetorik liegt auf der Hand: Niemand kann die Redner später an den Aussagen messen.

Wenn das Publikum solche Standardphrasen hört, erkennt es meist gar nicht, dass die konkrete Frage ignoriert wurde. Den wenigsten Zuhörern wird bewusst, dass jemand redet und redet – ohne die eigentliche Frage je zu beantworten. Während des G8-Gipfels hörte ich bei Verhandlungen mehrmals diese nichtssagende Antwort:
“Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müssen wir eine gemeinsame Lösung finden.” Nach dem EU-Gipfel (Verhandlungen mit Polen) fand Angela Merkel, die Lage sei von aussen gesehen unübersichtlich gewesen und ergänzte dazu:
“Von innen war es zum Teil auch unübersichtlich.”

Wir erfuhren nicht, was wo unübersichtlich war, doch die Medien haben Merkels vage
Antworten unkritisch akzeptiert. Dass mit Druck und Tricks ein EU-Grundvertrag
mit zum Teil unangenehmen Eingeständnissen durchgeboxt werden musste, wurde
verschwiegen. Merkel sagte lediglich am Ende der langen Verhandlungsnacht – sichtlich erschöpft: “Was für uns zählt, ist, dass wir aus dem Stillstand – aus der Erstarrung – herausgekommen sind.”

Oder:
“Man kann nicht alle Probleme lösen. Aber manches haben wir auf die Reihe gebracht. Ich bin unter dem Strich zufrieden. Es gibt in Portugal noch einiges zu
tun.” Worte, wie: “einiges”, “manches”, “zum Teil”, “versucht”, “Probleme in den Griff bekommen”, “Eckpunkte wurden gesetzt” dominierten nach den harten Verhandlungen, obschon alles drunter und drüber gegangen war und die Verhandlungen immer wieder ins Stocken gerieten und ohne dass eine sinnvolle
Lösung gefunden wurde!

Die Liste der unbeantworteten Fragen ist vor allem in den Niederungen der deutschen Innenpolitik verbreitet (Gesundheitsreform, Pfl egeversicherung, Rentenpolitik, Arbeitslose, Familienpolitik).

Angesprochen auf die Vernachlässigung der zahlreichen innenpolitischen Probleme, antwortete Angela Merkel im Fernsehen ebenfalls “nichts”-sagend: “Ja – die Projekte werden wir gemeinsam angehen.” Welches konkrete Projekt? Wann? Bis wann?
Von wem? Wie? Luft – Luft – alles nur Luft!

Nach den versuchten Terroranschlägen in England äusserte sich Angela Merkel über
die äussere und innere Sicherheit in Deutschland mit folgender Plausibilitätsaussage (diese Antwort ist immer gültig und leuchtet sogar ein, weil sie plausibel ist, aber sie sagt nichts Konkretes aus): “Wir müssen in neuen Zusammenhängen denken.”

Die Medien lobten erstaunlicherweise die deutsche Kanzlerin, obwohl oder weil sie es
schaffte, nie konkret zu sagen, was zu tun wäre. Trotz der zahlreichen Worthülsen (oder dank dieser) wird sie von den deutschen Medien geliebt, gelobt und ins Herz geschlossen. Angie, der Superstar!
Der Erfolg – dank Weichspüler und Airbag-Formulierungen – könnte manchen Politiker dazu verleiten, diesem Erfolgsrezept nachzueifern. Ich nahm mir die Zeit, weitere Luftblasen von Politikern oder Wirtschaftführern in der Schweiz aufzuspüren, die jüngst in den Medien zu hören oder zu lesen waren. Damit möchte
ich selbstverständlich nicht den Airbag-Formulierungen das Wort reden, davon rate ich ab.

Weshalb? Wir überzeugen durch konkrete, einfache, verständliche, fassbare, vorstellbare Aussagen. Machen Sie sich deshalb keinesfalls zum Airbag-
Rhetoriker, obwohl Sie dank dieser Taktik kurzfristig Scheinerfolge buchen könnten.
An die aufgeblähten Sätze Edmund Stoibers haben wir uns gewöhnt: ”An meiner Frau schätze ich äh ..., ja gut äh ... die ...


äh ... Attraktivität, die sie über all diese Jahre behalten hat, und äh und die absolute äääääääh ... Familienorientiertheit.” Dass auch Wirtschaftskapitäne luftvolle Formulierungen bevorzugen, war bei Franz B. Humer, Verwaltungsratspräsident und CEO von Roche, in der SF-DRS-Sendung “10 vor 10” zu hören, als er als CEO zurücktrat.

Humer gilt zwar als ein Wirtschaftführer, der als Österreicher mit Charme geschickt kommunizieren kann. Doch es ist nicht immer einfach, Humers schaumige, verklausulierte Wortblähungen zu verstehen, geschweige denn zu wiederholen, was er vor Mikrofon und Kamera zum Besten gibt. Hier seine Formulierung: “Ich glaube, es ist so, dass nach zehn Jahren als CEO doch eine Ämterteilung – äh – opportun ist – zu dem Zeitpunkt, in dem das Unternehmen eine solche Trennung aus der Position der Stärke machen kann.

Sie haben unsere Halbjahresresultate gesehen. Die sind wirklich sehr, sehr gut. Und ich glaube, da ist es Zeit, diese Trennung vorzunehmen.” Entlüftet könnte die Aussage kurz und konkret lauten: “Ich war ein erfolgreicher CEO.

Roche hat Novartis in Umsatz und Gewinn um Längen geschlagen. Jetzt verlasse ich als Kapitän das Schiff und bin nur noch Verwaltungsratspräsident. Denn Doppelmandate bringen oft nur Ärger.”

Der Rekord-Halbjahresumsatz von Roche von sechs Milliarden Franken durfte sich
sehen lassen. Früher gab es sehr grosse Probleme im Konzern, Humer musste beim Start unangenehme Tiefen überwinden. 1998 wurde er neuer Konzernchef. Die Schlankheitspille Xenical war damals ein Flop. Die Umsatzentwicklung des Appetitzüglers war eine Enttäuschung.

Humer verstand es schon damals, den Flop mit Airbag-Elementen abzufedern. Angesprochen auf die Probleme, formulierte er den Misserfolg beschwichtigend:
“Das sind normale Risiken, die es immer wieder in der Forschung und Entwicklung – bei der Einführung neuer Produkte gibt. Ich glaube auch, dass Xenical, das ja jetzt in Europa die Zusage der Zulassung bekommen hat, ein sehr wichtiges Produkt sein wird.” Roche stand damals auf dünnem Eis.

Die Medikamentensparte war unter hohem Margendruck. Marktanteile gingen verloren, doch hatte Roche später wieder Glück. Vor allem wegen der amerikanischen Roche-Tochter und der neuen Moleküle für Krebsmedikamente.
Es war aber nicht die Airbag-Rhetorik, die Humer damals gerettet hat.
Im Radio höre ich folgende Passage: “Wenn irgendwelche nicht näher erläuternden Umstände es erlauben, könnten wir gewiss versuchen, etliche Aspekte immerhin den gewünschten Gegebenheiten anzupassen.”

Etwas später fährt das interviewte Behördenmitglied fort: “Wissen Sie, wenn die Angelegenheit mit gesundem Menschenverstand angegangen wird und alle am
gleichen Strick ziehen, so ist dies gewiss der erste Schritt in die richtige Richtung. Ich würde meinen: Es geht vorab darum, gemeinsam das nämliche Ziel anzustreben, getragen vom Willen, anstatt zu diskutieren, Hand anzulegen. Denn: Wer der Zukunft ins Auge blickt, stellt fest: Am Ende des Tunnels wird es immer wieder hell.”

Wer solche Antworten bei heiklen Interviews aufmerksam hört, merkt rasch: Es sind
Worthülsen, hohle Phrasen zuhauf, manchmal reines Blabla. Konkreter? Kaum. Ein Wort ohne Bedeutung bleibt ein leerer Klang, heisst es. Weshalb dann diese Leerformeln? Zum Teil kann es Absicht sein, aber auch Gewohnheit, dass solch vage Aussagen gemacht werden.

Es könnte Selbstschutz sein, vielleicht aber auch Angst, Farbe bekennen zu müssen.
Im Internet sammelten Georg Scheller und Christian Mössner vom Bayerischen Fernsehen Wortblähungen. Daraus ein Beispiel: “In Deutschland befürchten Polizei und Verfassungsschutz keine konkreten Anschläge, aber es bestehe eine ‘erhöhte abstrakte Gefahr’ für die Bundesbürger.”

Selten war eine Worthülse konkreter! ERKENNTNIS Airbag-Formulierungen sind hilfreich, um sich nicht festlegen zu müssen. Zuhörerinnen und Zuhörer können sich aufgrund der nichtssagenden Aussagen den Inhalt nicht vorstellen.

Das Gesagte ist nicht greifbar, wird aber auch nicht begriffen. Vage oder aufgeblähte Antworten werden wohl nicht aussterben, denn sie haben den Vorteil, dass sie für Laienohren recht kompetent klingen. Mit Floskeln können Redner beeindrucken und laufen kaum Gefahr anzuecken – es sei denn, es wird nachgefragt.
Wer jedoch verstanden werden will und glaubwürdig überzeugen möchte, verzichtet auf Airbag-Rhetorik und spricht eindeutig, konkret und klar.

Die Fernsehmoderatorin Margarethe Schreinemakers sagte: “Politiker lade ich nur ein, wenn es um begrenzte Themen geht. Die reden und reden – sagen aber nie
was.”



* Marcus Knill, Experte für Medienrhetorik (www.knill.com) analysiert laufend Persönlichkeiten auf der virtuellen Navigationsplattform für Medien und Kommunikation www.rhetorik.ch



FAZIT
Medientraining heisst demnach auch, glaubwürdige Antworten geben zu können. Aussagekräftige Aussagen, die überzeugen und nicht nur schön klingen.
Nicht zu vergessen ist auch noch der Aspekt, dass oft zu geringes Wissen unklare und sinnleereFormulierungen geradezu erzwingt.

Oder umgekehrt, dadurch vorhandenes Wissen versteckt werden soll. Erstaunlich ist: Bei Frau Merkel nennt man dies Regierungskunst, nicht Leerformel.


Quelle: Rhetoric.ch
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Phänomen Blocher spaltet die Meinungen

Der BLOCHER Film  und die Kritiker

Wo immer Blocher im Spiel ist: Die Meinungen sind gespalten. Blocher polarisiert das Publikum. Entweder iwird der bewundert oder gehasst.
Bereits vor der Ankündigung des neuen Blocher Filmes führte dies ui kontraversen Diskussionen.
Dass die Filmförderung einen Film über Milliardär Blocher unterstützt, stiess Blocherkritiker allein schon sauer auf.
Die Diskussion, welche Filme unterstützt werden sollen oder nicht, machte uns einmal mehr bewusst, wie unpolitisch unsere Filmförderung sein muss. Die Meinung setzte sich durch: Wenn es um Kunst geht, darf der Bund auf keinen Fall parteipolitsch entscheiden.
Nach meinem Dafürhalten ist es richtig, dass Filme jeglichen Couleurs unterstützt werden.
Filme von Pazifisten (Armeegegnern), gesellschaftskritische Streifen, aber auch Filme, die sich partei - politisch nicht festlegen lassen aber auch das Portrait eines Politikeres - wie in diesem Fall Blocher - "neutral" beleuchten, um sich seinem Persönlichkeitsprofil zu nähern- dies alles darf gefördert werden, wenn es die Kriterien der Sparte Filmkunst erfüllt.
Wir erinnern uns: Auch der Blocher - kritische Film "Die Blochers", sowie Zumsteins Film über die Abwahl des umstrittenen Bundesrats Blochers gaben viel zu reden.
Betrachten wir die heutigen Medienechos: Viele Kommentatoren hätten sich beim jüngsten Werk wiederum einen Blocher-kritischeren Film gewünscht. Der Grundtenor der Blocherkritiker: Diese Person wirkt zu sympathisch. Dies darf für sie angeblich nicht sein. Die Echos bestätigen die negative Grundhaltung:

Ich zitiere BLICK:

«L’Experience Blocher»: So langweilig war Blocher noch nie 


  «L’Experience Blocher» So langweilig war Blocher noch nie  Video

Oder Tagi-online:

Mitgefühl mit dem Mächtigen


Der Film über Christoph Blocher war in Locarno heiss erwartet worden. Doch Jean-Stéphane Bron erliegt dem Phänomen Blocher beim Versuch, ihn zu deuten. Mehr...
Von Jean-Martin Büttner.
 
Oder NZZ-online:

Christoph Blochers Schatten






Ein Linker porträtiert den Vordenker der Rechten: Filmteam mit Christoph Blocher in seiner Villa in Herrliberg.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Ein Linker porträtiert den Vordenker der Rechten: Filmteam mit Christoph Blocher in seiner Villa in Herrliberg. (Bild: PD)

Wohl noch nie liess ein Schweizer Politiker eine Filmkamera näher an sich heran als Christoph Blocher. Trotzdem behält er seine Geheimnisse auch in «L'Expérience Blocher» für sich.
 Kommentar:
Nach meinem Dafürhalten bringt das Vorgehen bei"L'Expériance Blocher" vielleicht mehr, als ein Film, bei dem das missionarische Sendungsbewusstsein des Autors offensichtlich ist. Die Befragung des Journalisten Matthias Ackeret bei Tele Blocher hat vielleicht  deshalb Erfolg, weil wir auch dort die Person Blocher - dank der vorurteilslosen Haltung - viel besser kennen lernen. Ackeret moderiert (er ist moderat) und bringt das Gegenüber zum Reden. Dank dieser echten Moderation hat Christoph Blocher bei ihm laufend Gedanken preisgegeben, die er sonst wohlweislich verschwiegen hätte. Leider haben viele Interviewer das aktive Zuhören verlernt.
Das Phänomen Blocher hat mich in rhetorik.ch seit Jahren beschäftigt. 
LINKS (nur einige Beispiele):

rhetorik.ch aktuell: Wirbel um Blocher Come-Back

www.rhetorik.ch/Aktuell/08/11_17/‎
17.11.2008 - Blocher "wie ein verletztes Tier" Zweifel sind angebracht. In seinen jüngsten Auftritten zeigte sich Blocher angeschlagen. Im Interview mit ...
 
17. Okt. 2011 ... Von Fehlern könnte man lernen. Bei Gerhard Blocher scheint dies nicht der Fall zu sein. Er hat sich im Umgang mit Medien mehr als nur einmal ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/10_17/
 
26. Juni 2007 ... Bereits im Dezember 2000 zitierte ich Blochers umstrittenen Aussage über die Führung aus der SonntagsZeitung vom 2. Dezember 2000: ...
rhetorik.ch/Aktuell/07/06_26/
9. Aug. 2012 ... Im Bericht des Regionalsenders nimmt Gerhard Blocher als Erstes ausgerechnet die SVP-Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel ins Visier: ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/12/08_09/
7. Dez. 2007 ... Den Bruder von Christoph Blocher, Gerhard Blocher, hatte ich noch vor Jahren als intelligenten Seelsorger von Gehörlosen kennen gelernt.
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/12_07/
19. Nov. 2010 ... Alt Bundesrat Christoph Blocher soll die Basler Zeitung beraten haben. Die Region zeigt sich empört über dieses Beratermandat des ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/10/11_19/
19. Mai 2008 ... Offensichtlich wurde die Öffentlichkeit an der letzten vielbeachteten "Arena" mit einem veränderten Blocher Rhetorik konfrontiert. Ich war nicht ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/05_19/
14. Dez. 2007 ... Niemand wird bestreiten, dass Christoph Blocher ein begnadeter Vollblutpolitiker ist - mit einem hervorragendem Leistungsausweis. Es war ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/12_14/
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Kontraproduktiver Protest

Das stösst der Bevölkerung sauer auf

Wenn Asylanten geholfen wird. Sie erhalten Unterkunft, Essen, ein Taggeld und haben eine unentgeltliche medizinische Betreuung. Wenige dass, dass Asylsuchende nicht gewillt sind in einer Unterkunft zu wohnen, die für Schweizer Soldaten  mit weniger Komfort zugemutet wird.

Ich zitiere Blick:


Solothurner Asylsuchende werden umverteilt«Aktion hat allen Asylbewerbern geschadet»

SOLOTHURN - Das Asylbewerber-Camp am Bahnhof ist am heute Morgen um 5 Uhr von der Solothurner Polizei geräumt worden. Die Asylsuchenden wurden über den ganzen Kanton verteilt.
Trotz HDTV und Töggelikasten Im Asylheim ist es ihnen nicht schön genug! Bild1 / 9

Mittwoch, 14. August 2013

Tortour: Prognose von Matthias Knill



Ringier, NZZ und Tamedia messen sich im Ultracycling

Matthias Knill gibt eine Rennprognose für persoenlich.com ab.
Die Ultracycling-Veranstaltung Tortour findet dieses Jahr vom 15. bis 18. August in verschiedenen Teilen der Schweiz statt. Dabei trifft sich die Weltspitze der Langdistanz-Radszene zum fünften Mal. 220 Teams, bzw. 580 Athleten aus 24 Nationen, treten gegeneinander an und fahren total rund 200'000 Kilometer in zwei Tagen.
Unter den Teilnehmenden sind ebenfalls etliche Medienschaffende anzutreffen. Am Rennen werden sich Sechser-Teams von Tamedia, "20 Minuten", Ringier, NZZ die Beine abstrampeln. Auch die Kommunikationsagenturen Promotiontools sowie Compresso (im Vierer-Team) gehen an den Start. Der Full-Service-Anbieter im Bereich Veranstaltungstechnik Audio Rent Clair ist ebenfalls mit von der Partie - das Team wartet am Rennen mit dem grössten Tour-Fahrzeug auf (vgl. Bilder unten).



Mitgründer und Kommunikationsverantwortlicher des Radspektakels Matthias Knill (Senior-Partner bei Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten) schätzt die genannten Teams für persoenlich.com ein und gibt seine Rennprognose ab.
"Die Medienteams von NZZ, Tamedia und Ringier sind an der letztjährigen Tortour etwa zeitgleich ins Ziel gefahren. Ich gehe davon aus, dass sich dieses Szenario wiederholt. Aufgrund der neuen Streckenführung dürften die Zeiten jedoch etwas länger ausfallen.
Beat Gygi als Routinier für NZZ
Die Mannschaft der NZZ wird bestimmt auch an der Jubiläums-Tortour eine solide Leistung zeigen. Die notwendige Erfahrung der Athleten ist vorhanden. Beat Gygi ist an der Tortour bereits zwei Mal gestartet und bringt somit wertvolle Kenntnisse über das Rennen mit. 
BaA-Chef Peter Röthlisberger verzichtet
Bei Ringier gibt es dieses Jahr einige personelle Veränderungen. "Blick am Abend"-Chefredaktor Peter Röthlisberger nimmt in diesem Jahr leider nicht Teil. Dies macht die Situation nicht einfacher. Mit Armin Meier, dem CEO von Infront Ringier hat das Team jedoch wieder einen ehemaligen Top-Velofahrer dabei. Und auch Hans-Peter Zurbrügg dürfte in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag leisten. Das Team hat Erfahrung und ist stets top motiviert - eine perfekte Ausgangslage.
Anette Michel als Hoffnungsträgerin für Tamedia
Diese Erfahrung für die Tortour fehlt dem Team Tamedia sicherlich. Der Umgang mit Logistik, Verpflegung und Navigation muss sozusagen erlernt werden. Die Gruppe wird an der ersten Teilnahme bestimmt Lehrgeld bezahlen und Erfahrungen sammeln müssen. Anette Michel, die bereits das Züri Metzgete für sich entscheiden konnte, wird jedoch mit Sicherheit für schnelle Radsplits sorgen.
Doch noch etwas schneller als das Tamedia-Team wird vermutlich das Team von '20 Minuten' sein. Dieses formiert sich zwar auch neu, aber darunter befinden sich zwei Sportler, die breite Ultracycling-Erfahrung mitbringen. Herbie Egli, Sportchef bei '20 Minuten' online war bereits als Begleiter dabei und Nachrichtenchef Ralf Meile hat uns schon vor Jahren beim Race Across America begleitet und weissgenau, 'worum es geht'.
Gute Chancen auch für Werber
Einen starken Eindruck macht Promotiontools mit seinem Corporate-Team. Unter den sechs Fahrern hat es auch einen Athleten, der bereits als Einzelfahrer an der Tortour teilgenommen hat. Das Team wird bestimmt vorne mitmischen. Ganz oben aufs Treppchen dürfte es aber vermutlich nicht reichen. In anderen Corporate-Teams fahren sogar Olympiasieger und Weltmeister.
Eine Tortour fährt sich übrigens nicht nur mit den Beinen, sondern auch mit Kopf und Technik. Bezüglich der Technik und den optimalen Prozessen wird wohl die Audio Rent-Mannschaft mit Verwaltungsratspräsident Jürg Hügin kaum zu schlagen sein. Die Gruppe kann denn auch das wohl grösste Fahrzeug der Tortour ihr Eigen nennen.
Gespannt bin ich auf die Leistung des Teams Porsche & Compresso, welches in der Kategorie der Vierer-Teams angesiedelt ist. In dieser Mannschaft sind neben Tortour-und Compresso-Mitbegründer Joko Vogel auch der Marketingchef von Porsche Schweiz, Mario Klaus und Amag-CEO Morten Hannesbo am Start. Ein Team, welches mit Sicherheit gute Stimmung verbreitet."

Compresso-Team 2013: Morten Hannesbo, Mario Klaus, Joko Vogel und Peter Berchtold (v.l.n.r.)
Das Non-Stop-Radrennen startet am Freitagmorgen ab 00.00 Uhr in der IWC-Arena auf der Breite in Schaffhausen. Die Tortour führt über 1'040 Kilometer und 15'000 Höhenmeter rund um die Schweiz wieder zurück nach Schaffhausen. Die Einzelfahrer und Teams benötigen für die Tortour zwischen 32 und 48 Stunden. (pd/lf)

Wahrnehmungsverzerrungen führten zum Zerrbild

Die Medien übernahmen die Wahrnehungsverzerrung bei den angeblichen rassistischen Vorgängen

Es wurde bereits von einem immensen Imageschaden der Schweiz gesprochen, nachdem auch die internationale Presse von Bremgarten und der schwarzen TV-Moderatorin im Exklusivladen berichtet hatten. Im Blog sprach ich bei diesem  Medienhype von Wahrnehmugsverzerrung.
Nun belegt Politologe Michael Hermann, dass auch der angebliche Imageschaden ein Zerrbild ist:

Ich zitiere TAGI-online:

Beliebtes Zerrbild einer rassistischen Schweiz

Eine Analyse von Michael Hermann. 
In den europäischen Medien hat sich das Bild einer fremdenfeindlichen Schweiz verfestigt. Doch die Zahlen sagen etwas anderes.


Der Politgeograf Michael Hermann wechselt sich mit der Autorin und Schauspielerin Laura de Weck und mit dem Ex-Preisüberwacher Rudolf Strahm ab. (Bild: PD)


Ausländer-Diskriminierung in Europa. (Bild: Ta-Grafik ib/Quelle: OECD, Ergebungsjahre: 2002-2010)

Zwei Rassismusklagen innerhalb einer Woche waren wohl eine zu viel: «So fremdenfeindlich ist die Schweiz» titelte das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» online. Erst wurde Asylbewerbern in Bremgarten das Betreten des Freibads verboten, und nur Tage später machte die Schweiz erneut internationale Schlagzeilen: Amerikas bekanntester TV-Talkerin Oprah Winfrey wurde in einer Zürcher Edelboutique die gewünschte Handtasche verweigert – aus rassistischen Motiven, wie sie selbst in einer Fernsehshow erklärte. Für «Focus» passte dies alles in ein langes Sündenregister: vom Minarettverbot über die SVP-Messerstecher-Plakate bis zum Roma-Titelblatt der «Weltwoche». Ein Land, wo die «trügerische Idylle» die hässliche Fratze der Fremdenfeindlichkeit mehr schlecht als recht verdecke, so der «Spiegel». Es ist ein Schweizbild, das in der internationalen Presse grosse Verbreitung findet.
Die Erzählung ist stimmig, doch die Fakten sagen etwas anderes. Das zeigt ein Ländervergleich in einer aktuellen Studie zur «Integration von Zuwanderern», welche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erstellt hat. In einer mehrjährigen Befragungsreihe wurden im Ausland geborene Einwohner gefragt, ob sie sich im Alltag aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt fühlen. Verblüffendes Resultat: Nur in Luxemburg ist der Anteil der Zugewanderten, die sich diskriminiert fühlen, noch tiefer als in der Schweiz. In Luxemburg sind es 5, in der Schweiz 8 Prozent der Befragten. Es sind dieselben Staaten, die am meisten Zuwanderung pro Kopf bewältigen. 

KOMMENTAR:

Nach diesem Urteil könnte man den Medien die Schuld für diese Verzerrung in die Schuhe schieben. Wir müssen jedoch berücksichtigen, dass die Medien auch eine Kontrollfunktion haben und negative Vorkommnisse nicht einfach unter den Teppich kehren dürfen. Bei den aktuellen Vorkommnissen kam es  zu dieser Verzerrung, weil die Geschichten alle Voraussetzungen hatten zu einer Seifenoper  im Sommerloch.
Es ging um etwas Aussergewöhnliches, um eine prominente Person, um Emotionen und Geschichten, bei denen alle mitreden können.

Dienstag, 13. August 2013

Schlagfertige Werbung

Cleverer Werbeschachzug

Marcus Knill
Die angebliche Rassistengeschichte, welche Oprah Winfrey mit einem Mediencoup in den Staaten lanciert hatte, führte zu einem Medienhype. Die Medien-Seifenoper hatte die besten Voraussetzungen für eine Sommerlochgeschichte: Es ging um eine prominente schwarze TV-Moderatorin (Personifizierung) und um Gefühle (Emotionen), aber auch um eine anspruchslose Geschichte, die sich gut verkaufen lässt, resp. gerne gelesen wird (Kommerzialisierung). Vor allem aber geht es um etwas Aussergewöhnliches: Jemand will eine 35’000-fränkige Tasche kaufen und wird angeblich schlecht bedient. Zudem fanden einige Leser so einen Preis dekadent.
Ich war mir sicher, dass eine derartige Boulevardgeschichte, die so rasch hochgekocht wurde, auch wieder rasch in sich zusammenfallen würde. Einen Imageschaden für die Schweiz sah ich nicht. Dem war denn auch so. Oprah Winfrey machte sich innert einem Tag unglaubwürdig. Sie gab in Paris und früher auch in New York eine ähnliche Rassistengeschichte schon einmal zum besten. Auch weil sie als Tierschützerin eine Tasche kaufen wollte, für die drei Krokodile das Leben lassen mussten.
Nach der Gegendarstellung der Verkäuferin war die Glaubwürdigkeit der prominenten TV-Frau  endgültig dahin. Es wurde zudem bekannt, dass Winfrey Boutique-Besitzerin Trudi Götz an der Hochzeit von Tina Turner getroffen hatte und dort nichts erwähnte, sondern die Geschichte dann erst in den USA gezielt zum Besten gab. Vögele-Shoes handelte blitzschnell. Zusammen mit den Werbern der Agentur Jung von Matt/Limmat nutzte Vögele diese Seifenoper um eine aussergewöhnliche Tasche und schaltete unverzüglich ein ganzseitiges Inserat im SonntagsBlick:

Aus meiner Sicht war dies ein cleverer Werbeschachzug. Diese Werbeanzeige weckt nicht nur Aufmerksamkeit, sie macht auch auf eine Zusatzsparte des Kerngeschäfts Shoes aufmerksam; die Vögele-Taschen.
Daneben ist die Werbung mit gesundem Humor gewürzt („alles Taschen unter 35’000 Franken). Der Aufhänger bringt die Leser zum Schmunzeln.
Zu diesem Werbe-Schachzug kann man nur gratulieren. Ich bin überzeugt, dass sich dieses Plakat für Vögele auszahlen wird, kommerziell und imagemässig.

Marcus Knill

Laserattacken haben nichts mehr mit Blödsinn zu tun

 
Da hört der Spass auf
 
Laserattacke (Quelle 20 Min)

Zwei Polizisten mit akuten Beschwerden

von Tanja Bircher - Unbekannte haben an der Street Parade drei Polizisten mit Laserpointern in die Augen geblendet. Zwei Beamte leiden unter akuten Beschwerden. Laserattacken auf die Polizei haben generell zugenommen.

storybild
Ursprünglich dafür gedacht, Dinge an der Leinwand zu zeigen, werden Laserpointer in letzter Zeit immer öfter als Waffen eingesetzt. So auch an der diesjährigen Street Parade.
An der Street Parade ist ein neues gefährliches Phänomen aufgetaucht: Raver haben Polizisten und Besucher mit starken Laserpointern in die Augen geblendet. Lebenslängliche Schäden sind dabei nicht auszuschliessen.
«Gegen Mitternacht von Samstag auf Sonntag wurden drei Polizisten bei der Patrouille durch die Autofenster mit Laserstrahlen in die Augen geblendet», sagt Marco Bisa, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Der Gesundheitszustand der Beamten ist noch unklar. «Zwei der betroffenen Personen mussten sich heute Montag wegen akuter Beschwerden untersuchen lassen.» Bei den zwei anderen Polizeibeamten wird in ein paar Tagen eine weitere medizinische Abklärung durchgeführt. Auch fünf Besucher der Street Parade sind Opfer von Laserattacken geworden, sie mussten von den Sanitätern der Schutz und Rettung untersucht werden.

«Täter sollen zur Rechenschaft gezogen werden»

Bisa warnt: «Diese Laserangriffe können zu sehr gefährlichen Situationen führen.» Vor allem, wenn man Personen hinter dem Steuer angreife, könne dies gravierende Folgen haben. «Wir verurteilen diese Attacken, und falls die Täter ermittelt werden können, werden diese konsequent bei der zuständigen Behörde angezeigt.»
Urs Eberle, Sprecher von Schutz und Rettung Zürich, hat mit seinem Team an der Street Parade insgesamt 11 Augenverletzungen behandelt. Wie viele davon Laserverletzungen waren, ist noch nicht bekannt. «Wir können in solchen Fällen die Augen nicht medizinisch versorgen, höchstens zur Linderung etwas drauflegen.» Die Symptome seien unterschiedlich - von Überbelichtung über Schatten bis hin zu Nebel sei alles möglich. Dies könne sich nach ein paar Stunden oder Tagen wieder legen. Er empfehle jedoch jedem Betroffenen, am nächsten Tag einen Arzt aufzusuchen. «Eine lang andauernde Laserattacke kann zu Blindheit führen, die Netzhaut schädigen und die Sehschärfe lebenslänglich beeinträchtigen.»

«Jeder weiss, dass Laser gefährlich sind»

Es sei das erste Mal, dass Leute an der Street Parade Laser als Waffen benutzt haben, so Eberle. Das sei grob fahrlässig und habe nichts mehr mit Blödsinn zu tun. «Diese Menschen gefährden wissentlich die Gesundheit anderer.» Niemand könne heutzutage mehr behaupten, er habe nicht gewusst, dass Laser gefährlich sein können. «Das wäre, wie wenn jemand sagt, ihm sei nicht bewusst gewesen, das Messer schneiden.»
Auch rund um Fussballspiele kommt der Laserpointer immer öfter zum Einsatz. «Es wurden auch schon Zürcher Polizisten bei Auftritten an Sportanlässen attackiert», bestätigt Bisa. In Basel hat das Phänomen Laserpointer in den letzten Jahren ebenfalls stark zugenommen. Erst im Juni wurde ein Polizist bleibend am Auge verletzt, er leidet seither an einem schwarzen Punkt im Gesichtsfeld, der von einer vernarbten Verletzung an seinem Auge herrührt, wie srf.ch schreibt.

«Auch Sanitäter und Feuerwehr werden Zielscheibe»


«Wir kennen diese Attacken seit November 2009 und haben seither leider immer öfter damit zu tun», sagt Martin Schütz, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt. Vor allem an illegalen Partys, Demonstrationen, Fussballspielen, aber auch im normalen Dienst werden Polizisten mit den roten Strahlen geblendet. «Feuerwehrleute und Sanitäter sind ebenfalls schon zur Zielscheibe solcher Angriffe geworden», so Schütz. Deswegen habe man in der Aus- und Weiterbildung darauf reagiert und schule die Beamten, damit sie in solchen Situationen richtig reagieren. «Zudem werden derzeit verschiedenen Brillen zum Schutz vor Laserpointern evaluiert und für den Einsatz getestet.»
In der Schweiz liegt der maximal zulässige Wert von Laserpointern bei fünf Milliwatt. «Der stärkste je sichergestellte Laser überschritt diesen Wert um mehr als das 400-Fache», sagt Schütz. Bereits mit einem normalen Laserpointer fürs Büro könne man partielle Blindheit verursachen, wenn man damit direkt aufs Auge ziele, sagt Heinz Metzger, Geschäftsführer des Augenlaser-Centers in Uster. Je nach Qualität und Zertifizierung könne schon nach kurzer Zeit ein Loch in der Netzhaut entstehen, welches der Betroffenen dann als schwarzen Punkt wahrnimmt. «Das bleibt lebenslänglich.»

Kommentar: Diese hinterhältigen Attacken gilt es Einhalt zu gebieten- aber wie? Alle sind sich der Gefährlichkeit bewusst. Wer einen Vorschlag hat kann es uns schreiben unter k-k@bluewin.ch. Wir werden die realistischsten Vorschläge später publizieren.