Montag, 18. März 2013

Welche Aussage stimmt? 
Die Suche nach der Wahrheit ist bei Aussagen gegen Aussagen immer schwierig.

Rausschmiss



Rauchende Nationalrätin aus Club geworfen

von Marco Lüssi - Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran wurde aus einem Club geworfen, weil sie drinnen rauchte. Jetzt erhebt sie schwere Vorwürfe gegen den Türsteher. Der Club widerspricht. (Quelle 20 Min)


Sie rauchte im Club und flog raus:
 SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (51) wurde am Freitagabend aus dem Zürcher Nobelclub Aura am Paradeplatz geworfen. Und zwar so unsanft, dass sie gemäss eigenen Angaben blaue Flecken davontrug.
Was war passiert? Die Versionen von Badran und den Clubverantwortlichen unterscheiden sich stark. Sicher ist: Badran hielt sich im Aura, wo das fünfjährige Bestehen von Roger Schawinskis Radio 1 gefeiert wurde, nicht an das Rauchverbot. Gemeinsam mit dem «Weltwoche»-Journalisten Alex Baur rauchte sie am Freitag gegen 23 Uhr im Foyer des Clubs aus dem Fenster. Bis Türsteher intervenierten. Ein Security forderte die beiden auf, sofort mit dem Rauchen aufzuhören. Eine Anweisung, der er sofort Folge geleistet habe, sagt Baur. Anders Badran: «Ich bin Nationalrätin, ich darf das», sagte sie laut Aura-Sprecherin Maria Liessmann zum Türsteher.

Badran: «Ich wurde gepackt und rausgeschleift»


Danach eskalierte die Sache - jedenfalls nach Badrans Darstellung: Der Türsteher habe sie «gepackt, 30 Meter durch das Foyer im 1. Stock geschleift, weiter die Treppe runtergeschleift und dann bei der Haupttüre nach draussen geworfen», schreibt sie im Netz. Blaue Flecken würden von der Gewalt zeugen, die sie erlitten habe.
Anders stellt es Liessmann dar: «Der Türsteher umfasste Frau Badrans Arm und geleitete sie freundlich, aber bestimmt nach draussen.» Dabei sei er von der alkoholsiert wirkenden Politikerin unflätig beschimpft worden. «Den Wortlaut möchte ich gar nicht widergeben», so Liessmann.

Girod setzte sich für Badran ein


Welche Version stimmt, kann auch Baur, der sich ganz in der Nähe befand, nicht sagen: «Alles ging sehr schnell, und ich war abgelenkt, weil ich in diesem Moment nach einem Ort suchte, an dem ich meinen ausgedrückten Zigarettenstummel entsorgen konnte.»
Nach dem Vorfall wurde Badran erlaubt, in den Club zurückzukehren, um ihr Handy und ihre Jacke zu holen. Anfangs sei ihr dies verwehrt worden, der ebenfalls an der Party anwesende grüne Nationalrat Bastien Girod und dessen Frau Ellen hätten sich aber für sie eingesetzt, so Badran.

Wut auf den «Weltwoche»-Journalisten


Nach dem Vorfall traf Badrans Wut nicht nur die Security des Clubs, sondern auch den «Weltwoche»-Journalisten. Sie beschimpfte Baur per Twitter als «feigen Spiesser» warf ihm «unterlassene Hilfeleistung» vor. Baur, den gemäss eigenen Angaben eine «Hassliebe» mit Badran verbindet, wehrt sich: «Wäre Jacqueline in Lebensgefahr gewesen, hätte ich mich natürlich mit Fäusten für sie eingesetzt - auch wenn ich gegen den muskulösen Türsteher wenig hätte ausrichten können.» Für ihn habe es aber einfach so ausgesehen, als habe der Türsteher sie nach draussen begleitet und sie würde dort weiterrauchen. «Eigentlich ein ganz banaler Vorgang, und ich wollte mir die Party davon nicht verderben lassen.»

«Badran fiel schon vorher unangenehm auf»

Laut Liessmann war Badran schon vor diesem Vorfall unter den 350 Partygästen negativ aufgefallen. Sie habe die anderen Leute provoziert. Im Internet schreibt Badran, an der Party habe es «lauter Cippollata- und Servelapromis» gehabt. Gemäss Liessmann hat Badran beim Aura-Personal den Eindruck erweckt, betrunken zu sein. Auch Baur sagt: «Ich war erstaunt, dass sie an diesem Abend Prosecco trank - normalerweise trinkt sie nur Wasser.»
Liessmann ist überrascht, dass Nationalrätin Badran ihrer Vorbildfunktion nicht nachgekommen sei und gegen das Rauchverbot verstossen habe. Badran erklärt ihr Verhalten im Internet damit, dass das Fumoir überfüllt und nur über einen weiten Weg erreichbar gewesen sei. «Jacqueline ist als Sozi für Gesetze und Regulierungen, aber mit dem Rauchverbot steht sie auf Kriegsfuss», sagt ihr Bekannter Baur.
Für Liessmann ist klar: «Unsere Türsteher haben nur ihren Job gemacht. Man kann ihnen nichts vorwerfen.» Das Aura kläre den Fall jedoch intern weiter ab.
20 Minuten konnte Badran heute Sonntag bisher nicht für eine Stellungnahme erreichen.
KOMMENTARE:
  • Körperverletzung

    Es ist allgeimein bekannt, dass auch passives Rauchen gesundheitsschädlich ist. Deshalb begeht jeder/jede, der/die in Anwesenheit von Nichtrauchern raucht Körperverletzung.
  • Tomas Kout am 17.03.2013 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schweinerei

    Solchen Leuten sollte der weitere Aufenthalt im Nationalrat verboten werden, sollten sie nicht Vorbilder sein und unsere Gesetze zu 100% respektieren und vorleben. Dies ist eine Schande und ein Affront gegenüber allen Rauchern die sich anständig nach draussen begeben um eine Zigarette zu rauchen. Ich hoffe sie wird nie mehr gewählt und zu einer saftigen Busse verdonnert.
  • chrigu am 17.03.2013 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer sind vor dem Gesetz gleich...?

    Die nette Frau Nationalrätin hat scheinbar das Gefühl, dass sie mehr darf als andere, weil sie in der SP ist!? Gut gemacht, Security!
Kommentar: Einmal mehr zeigt sich bei diesem Vorfall: Die Wertungen eines Vorkommnisses wird von der eigenen Haltung bestimmt. Bei diesem Vorkommnis: Ob jemand Raucher oder Nichtraucher ist. Ob jemand SP - oder Weltwoche Gegner ist. Bei Beurteilungen spielt die eigene Position stets  eine sehr grosse Rolle. Vor allem, wenn angebliche Fakten unterschiedlich beschrieben werden. 

Was wir aus dieser Geschichte lernen können: Es lohnt sich vor einem Aufschrei im Twitter zuerst durch zu atmen und zu antizipieren, welche Folgen so ein Eintrag haben könnte.
Nationalrätin Badran sieht dies in einem Interview nach dem Medienwirbel ein:


Werden Sie gegen den Türsteher Anzeige wegen Körperverletzung erstatten?

Nein, für so etwas habe ich keine Zeit. Ich hatte mein Leben lang noch nie etwas mit der Justiz zu schaffen, und das soll so bleiben. Aber die blauen Flecken, die mir zugefügt wurden, habe ich fotografisch dokumentiert. Die sind aber an Stellen, die ich der Öffentlichkeit nicht zeigen will.

Was für Lehren ziehen Sie aus dem Vorfall?
Ich werde mich künftig peinlich genau ans Rauchverbot halten. Und ich hätte meinem Ärger über diesen Vorfall besser nicht über Twitter Luft gemacht.



Diese Einsicht ist gut. Leider kommt sie zu spät. 

LINK:

Durch Antworten und Antizipieren von Situation ein Gespräch führen.
www.rhetorik.ch/Antizipieren/Antizipieren.html


Nachtrag:

DIE SICHT DES TUERSTEHERS:

 Er hat Jacqueline Badran aus dem Club geworfen: Der Türsteher Merlin Tchamba erzählt, wie er seine Begegnung mit der Zürcher SP-Nationalrätin erlebte.
Bildstrecke im Grossformat »
1|3
Hier stellte er Jacqueline Badran am 15. März 2013 raus: Türsteher Merlin Tchamba vor dem Eingang des Clubs Aura in Zürich.

Merlin Tchamba (39) arbeitet seit neun Jahren als Türsteher in der Schweiz. Vor seinem Job beim Event-Lokal Aura am Paradeplatz in Zürich war der 1,90 Meter grosse und 110 Kilogramm schwere Hüne im Zürcher Nobelclub Indochine und in einer türkischen Disco in Regensdorf tätig.
Am Freitag hatte er eine unschöne Begegnung mit SP-Nationalrätin Jacqueline Badran (51) – Tchamba spedierte sie aus dem Aura, weil sie drinnen geraucht hatte. Danach warf Badran dem Türsteher vor, er habe sie rausgeschleift und vor dem Lokal auf den Boden geworfen. Gegen diese Darstellung wehrt sich Tchamba: «Frau Badran ist nicht gestürzt.»

«Sie nannte mich Arschloch»

Die Politikerin, von der er vor diesem Abend noch nie gehört hatte, sei als «sehr unangenehmer» Gast aufgefallen. Als er sie freundlich gebeten habe, das Rauchen am geöffneten Fenster im Foyer zu lassen und sich dafür in die nebenan liegende Raucherlounge zu begeben, habe sie einfach weitergequalmt, während ihr Begleiter dieser Bitte sofort widerspruchslos entsprochen habe. «Sie aber sagte mir, sie sei Nationalrätin, sie dürfe das.»
Daraufhin habe er - wie es im Türsteher-Alltag in solchen Situationen üblich sei - sie mit beiden Armen von hinten umfasst und nach draussen geführt. «Dabei nannte sie mich Arschloch und stiess weitere Schimpfwörter aus, die ich nicht verstand, weil ich nicht so gut Schweizerdeutsch kann.» Zudem habe sie ständig mit den Ellbogen nach ihm gestossen. «Wenn sie blaue Flecken hatte, dann davon.» Sie habe auch ihm Schmerzen zugefügt.

Tchamba ist auch als Staatsbürger enttäuscht von Badran

Nach dem Vorfall habe man Badran erlaubt, ins Aura zurückzukehren. Dort habe sie noch etwa eine Stunde weitergefeiert. «Als sie dann ging, beschimpfte sie mich zum Abschied erneut.» Nach diesem Arbeitstag habe er schlecht geschlafen.
Der gebürtige Kameruner mit Schweizer Pass ist auch als Staatsbürger enttäuscht von Badran: «Die Schweiz ist ein Hort der Demokratie. Ich hätte nie gedacht, dass Politiker sich hier aufführen wie in Afrika und sich nicht um Gesetze scheren.» Er wähle sozialistisch. «Aber diese Frau wird meine Stimme nicht bekommen.»


Dass sie ihm vorwerfe, er habe seinen Job schlecht gemacht, wurme ihn, sagt der Familienvater mit drei Kindern: «Ich bin sehr gerne Türsteher und bemühe mich, immer höflich zu sein und richtig und korrekt zu handeln.»

Kommentar: Wie dem auch sei. Medienmässig hat jedenfalls die SP Nationalrätin das  ZWEI am Rücken. Dies bestätigen Dutzende von Kommentaren im Netz.

Sonntag, 17. März 2013

Folgt nach der Wahl bereits die erste Schmierenkampagne?

In die Debatte um die Rolle des neuen Papstes Franziskus während der argentinischen Militärdiktatur hat sich der Vatikan direkt eingeschaltet. «Es hat nie glaubwürdige, konkrete Anschuldigungen gegen ihn gegeben. Die argentinische Justiz hat ihn nie angeklagt», sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Franziskus, der die in Rom versammelten Kardinäle empfing, äusserte sich selbst nicht dazu.
Dem am Mittwoch zum Papst gewählten Argentinier Jorge Mario Bergoglio wird von Kritikern eine zu grosse Nähe zur Militärjunta vorgeworfen, die das Land von 1976 bis 1983 beherrschte. Dem damaligen Leiter des Jesuitenordens in Argentinien wird unter anderem seine Rolle beim Verschwinden und der Folter zweier Jesuitenpater zur Last gelegt, die sich für die Opposition stark gemacht hatten. Bergoglio schloss die beiden politisch aktiven Jesuiten aus dem Orden aus - nach seinen Angaben, um die politische Neutralität zu gewährleisten.

«Schmierenkampagne und Lüge»




Lombardi erklärte, es handle sich um eine Kampagne «linker antiklerikaler Elemente, um die Kirche anzugreifen». Die Vorwürfe seien «falsch und verleumderisch». Bergoglio selbst hatte die Anschuldigungen immer von sich gewiesen. Vielmehr habe er sich für die Opfer der Diktatur eingesetzt: «Ich habe getan, was ich - angesichts meines Alters und meiner wenigen Beziehungen - tun konnte, um den Verschwundenen zu helfen», sagte er in einem Interviewbuch.
Der höchste katholische Würdenträger Australiens, Kardinal George Pell, verurteilte die Vorwürfe gegen Franziskus als «Schmierenkampagne und Lüge». «Diese Geschichten wurden vor Jahren verworfen», sagte der Erzbischof von Sydney am Freitag dem Sender ABC. Der damalige Chef der Menschenrechtsorganisation Amnesty International habe erklärt, dass die Vorwürfe jeglicher Grundlage entbehrten. Er sei zudem nicht der Meinung, dass sich der Papst öffentlich in die Debatte einschalten solle.

«Lasst uns nicht dem Pessimismus nachgeben»



Franziskus empfing die mehr als 150 Kardinäle aus aller Welt im Vatikan. Er warnte die katholische Kirche dabei vor einer negativen Weltsicht: «Lasst uns nicht dem Pessimismus nachgeben, der Bitterkeit, die der Teufel uns jeden Tag bietet.» Angesichts der in vielen Teilen der Welt sinkenden Zahl der Gläubigen forderte Franziskus die Kardinäle auf, «Mut zur Ausdauer zu zeigen und neue Wege zu finden, das Evangelium bis ans Ende der Welt zu tragen».
Der Papst zeigte sich bei dem Treffen mit den Kardinälen entspannt und herzlich. Er schien die meisten der Kirchenmänner, die ihm gratulierten, persönlich zu kennen und scherzte mit vielen von ihnen. Über das Kardinalskollegium und sich selbst sagte der Papst, sie seien alle schon «älter» - aber das Alter bringe Weisheit. «Lasst uns den jungen Menschen diese Weisheit geben wie guten Wein, der mit den Jahren besser wird», forderte das katholische Kirchenoberhaupt.
Franziskus zeigte bei seinem Auftritt weiter die für ihn charakteristische Bescheidenheit. Er trug ein weisses Papstgewand und einfache schwarze Schuhe - im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der meist rote Schuhe getragen hatte. Auch trug er weiterhin das eiserne Kreuz aus seiner Zeit als Erzbischof in Buenos Aires anstelle des goldenen päpstlichen Kreuzes. (kpn/AFP) Quelle: Tagi.

Kommentar: Worte sind Waffen. Wenn jemand eine Person schädigen will, muss er sein Image schädigen. Davon ausgehend, dass die Anschuldigungen eine gezielte Schmierenkampagen ist, werte ich diese Geschichte als brandgefährlich. Denn wie beim Gerücht, bleibt in der Regel immer etwas hängen auch wenn die Brandstifter entlarvt werden.

LINK:

8. Febr. 2003 ... Kein anderes Medium löst mit ähnlich geringem Aufwand so viel Wirkung aus, wie ein Gerücht. Ob man will oder nicht, Gerüchte sind und ...
www.rhetorik.ch/Geruecht/Geruecht.html
 

Samstag, 16. März 2013

Franziskus und die Medien

Der neue Papst wurde als medienscheu bezeichnet.
Ich bin der Meinung: Er ist sich der Bedeutung der Medien bewusst und hat zu den Journalisten ein ungestörtes Verhältnis.
Ein Pontifex muss mit den Medien umgehen können.
Franziskus  macht es sehr gut.




Das bestätigen die Bilder an der ersten Medienkonferenz.

Auswüchse der politischen Korrektheit

Ich einem längeren Beitrag habe ich schon einmal die Grenzen und Absurditäten im Umgang mit der weiblichen Form in Texten aufgezeigt (Siehe LINK).

Während der Papstwahl kam es wieder einmal zu einer sonderbaren, fragwürdigen für mich auch absurden Doppelung (Radio SRF):



Alle Katholiken und Katholikinnen

Es würde mich nicht verwundern, wenn dieser Radiojournalist auch sagen würde:

Alle Reformiertinnen und Reformierten


oder:

Alle Atheistinnen und Atheisten

Das erinnert mich an   Auswüchse wie:

 Menschinnen und Menschen oder Gästinnen und Gäste

Weshalb nicht auch:

Liebe Kindinnen und Kinder!


Es lohnt sich - nach wie vor - den gesunden Menschenverstand nicht völlig auszuklammern.     
Ich verweise auf den Lietfaden"feministische Sprache" in rhetorik.ch:

LINK:

Seit den Gleichstellungsdiskussionen forderten feministische Linguistinnen zu Recht, dass zahlreiche Begriffe, die ausschliesslich männlich geprägt waren, ...
www.rhetorik.ch/Feministisch/Feministisch.html
 

Freitag, 15. März 2013

Der erste Eindruck des neuen Papstes



Vor dem Mikrofon im Studio des katholischen Fisherman 
Radios durfte ich  vor der offiziellen Aufnahme zufälligerweise die überraschende Papstwahl live mitverfolgen und aus rhetorischer Sicht mit kommentieren.








Marian meets Marcus Knill

Mehrmals im Jahr duelliert sich der Schweizer Jugendbischof Marian Eleganti in einem stündigen Gespräch mit einer Person aus einem anderen Hintergrund.

13. März 2013 – Marian meets Marcus Knill

"Schein oder Sein?
 Wo grenzt Kommunikationstraining an Manipulation?"

In der ersten Ausgabe der neuen Sendereihe "Marian meets" ist der bekannte Kommunikationsberater und Coach Marcus Knill zu Gast. Der Schweizer Jugendbischof Eleganti und der Medienprofi Knill duellieren sich in einem stündigen Live-Gespräch und hinterfragen sich gegenseitig.

Internetauftritt von Marian Eleganti: www.jugendbischof.ch
Internetauftritt von Marcus Knill: www.rhetorik.ch

Live auf Fisherman.FM, 20 bis 21 Uhr

Kommentar:

Unmittelbar vor unserem festgelegten Gespräch im Studio von Radio Fisherman konnten  wir unverhofft die Papstwahl mitverfolgen.
Unvorbereitet konnte ich live meinen ersten Eindruck des neuen Pontifex  schildern.


Zum ersten Eindruck des neuen Papstes:




 Bei der Begegnung einer Person urteilen alle Leute sehr schnell, ob jemand sympathisch ist oder nicht. Dieser Entscheid wird innerhalb weniger Sekunden gefällt. Erstaunlicherweise muss man kein Experte sein, um die Wirkung einer ersten Begegnung zu beurteilen. Auch Laien  erkennen sofort, ob eine Person authentisch auftritt oder ob sie uns etwas vorgaukelt. Mein Vorgehen: Ich beschreibe jeweils zuerst immer  genau das, was ich sehe und achte darauf, wie diese Person auf mich wirkt. Meine Beobachtungen beim Erscheinen des neuen Papstes vor dem Publikum: Franziskus tritt ruhig, sicher und bedacht auf dem Balkon vor der Menschenmasse auf.
Aufrecht - in weiss - steht er gut geerdet da und blickt wohlwollend zum Publikum. Eine Hand streicht er - das Volk gleichsam segnend - vor sich waagrecht hin und her. Stabil,  mit offenem Blick.  Die niedere Lidzahlfrequenz, welche Menschen nicht steuern können, signalisiert trotz verständlicher Spannung innere Lockerheit. Die ungewohnte Begrüssung "guten Abend" wirkt wie ein Eisbrecher. Die Brücke zum Publikum ist errichtet. Die überlange Pause strahlt für mich Sicherheit aus. Franziskus steht sehr lange ruhig da. Die Hände hängen vorerst seitlich am Körper. Kein Schwanken, kein Zittern, keine Signale von Nervosität. Wer sich so präsentiert vor einem Millionenpublikum (den 3800 Journalisten und unzähligen Radio und TV Sendern, die alle auf den neuen Pontifex fokussiert sind), der muss innerlich im Lot sein. Beim "Unser Vater" und während des Ave Marias stelle ich fest: Die Gestik ist natürlich und aussagekräftig, die Stimme auf  einer ausgeglichenen Resonanzlage, die Mimik wohlwollend - ab und zu mit einem bescheidenen, sanften Lächeln.  Das lange Schweigen, die Demut, die angenehme Zurückhaltung - aber ebenso die stattliche, sichere Haltung, die wohlwollende, natürliche Ausstrahlung, dies alles überzeugt mich. Es stimmt als Ganzes überein. Gesamtwirkung: So eine Person  muss sympathisch wirken.  Wir haben einen Menschen vor uns, der Bescheidenheit, Intelligenz und Menschennähe in sich vereint. Dieser erste Eindruck von einer schlichten Person, die auf Menschen zugehen kann, ist während den ersten Minuten noch  nicht beeinflusst von den zahlreichen nachträglichen Zusatzinformationen aus der Presse, die positive oder negative Vorurteile  auslösen könnten. Beispielsweise das Wissen um Herkunft, Vorlieben, Lebensgeschichte usw.

Es nimmt mich wunder, ob das Verhalten des neuen Papstes diesen geschilderten ersten  Eindruck bestätigt oder ob diese Wahrnehmung später revidiert werden muss.
Fazit: Der erste Eindruck  ist immer aufschlussreich. Er prägt jedenfalls die Einstellung gegenüber einer Person.   





 



Donnerstag, 14. März 2013


Begeisterung als Baustein des Erfolges








Offensichtlich  üben zu viele Menschen ihren Job aus, ohne das Gefühl zu haben: "Ich bin in meinem Element - wie ein Fisch im Wasser." Es mangelt meist an Begeisterung.

Wenn die Freude am Tun fehlt, müssen wir uns fragen, was wir unternehmen können, um bei unserer Tätigkeit öfters ein Funken der Begeisterung in den Augen zu haben.

Nur weil wir es gewohnt sind, den Alltag im gleichen Trott zu tun, muss dies nicht unbedingt richtig sein.

Gibt es Möglichkeiten,  unserer Arbeit einen anderen Stellenwert zu geben?








Ja, dies ist möglich. Wir könnten erfüllende Arbeit  verrichten damit die Tätigkeit  uns Freude macht.
Es gibt Wege, die zur Begeisterung beim Job führen:

Ich muss  eine Arbeit suchen und finden, die ich im Idealfall aus tiefster Ueberzeugung ausführen kann. Eine Arbeit die ich gerne verrichte.

Erobern wir uns eine Arbeit zurück, die wir als sinnvolle Tätigkeit empfinden und die uns Spass machen kann.


Leider gehen viele einem Job nach, der in erster Linie  Geld bringt oder vom Umfeld anerkannt wird.
Die Freude am Tun ist  weniger wichtig.

Ich habe  bei mir festgestellt: Wenn ich etwas gerne tue, dann arbeite ich zwangsläufig mehr und länger. Dadurch werde ich immer besser.  Ich erarbeite mir eine aussergewöhnliche Fertigkeit. Dank dieses USP--> dies bedeutet ein  Alleinstellungsmerkmal (engl. unique selling proposition)  werde ich als Arbeitnehmer immer mehr gefragt. Die Kasse stimmt hernach  automatisch.

Fazit: Wer begeistert ist von seiner Arbeit, setzt sich aus Ueberzeugung mehr ein. Er spürt  die positive Resonanz, erntet Anerkennung,  diese spornt dann erneut an. Die Spirale des Erfolges beginnt sich zu drehen.

Ich kenne einen guten Berufsberater. Sein Credo: Suche in erster Linie eine Tätigkeit, die dir Spass macht d.h. die Du gerne machst.

Daraus lässt sich meist ein Beruf entwickeln, der  aus Berufung getan wird. Wir beginnen nicht nur deshalb ein Studium, weil es uns Karriere oder  Ansehen verspricht.

Menschen verfügen oft über  Fähigkeiten, die von Eltern,  Lehrern und Vorgesetzten nicht erkannt worden sind.

Viele Erzieher arbeiten nach starren Schemen. Einmalige Fähigkeiten werden zugeschüttet. Hierzu die wahre Geschichte von Frank (Quelle: Förster, "Hör auf zu arbeiten"):

Frank war ein pfiffiger Erstklässler, der neben tausenderlei Dingen besonders an Mathe interessiert war. Er bekam in den ersten Wochen seiner Schulkarriere zusammen mit seinen Klassenkameraden eine Aufgabe:

Aufgemalt war ein Feld mit zwei Aepfeln drin. Daneben war ein anderes Feld, das war leer. Zwischen den Feldern war ein Pluszeichen. Rechts daneben stand ein Gleichheitszeichen und ein drittes Feld, indem waren sieben Aepfel. Klar, die Aufgabe war so gemeint: Wie viele Aepfel musst du zu den zwei Aepfeln legen, damit du sieben Aepfel bekommst? Ziel des Ganzen: Addieren  lernen - so haben es jedenfalls die lehrplanschreibenden Pädagogen ausgedacht.
Sie haben aber nicht mit dem mathematisch begabten Frank gerechnet. Dem war sofort klar, dass zwei plus fünf sieben ist - ob nun Aepfel oder Autos oder Raumschiffe. Das war ihm zu langweilig.
Er wendete seine Fähigkeiten zum divergierenden Denken an  und malte in das erste Feld mit den beiden Aepfeln noch einen dazu. Jetzt waren es drei. Also malte er vier Aepfel ins zweite Feld.

Er grinste, denn dies fand er witzig. Hey, eins plus sechs gleich zwei plus fünf gleich drei plus vier gleich sieben. Das ist ja cool. Er gab der Lehrerin freudestrahlend das Blatt, und dann setzte das Drama unseres Bildungswesens mit voller Wucht ein: "Nein Frank, das ist falsch! Schau doch mal, da sind zwei Aepfel, nicht drei. Du darfst da keine Aepfel reinmalen, da sind doch schon zwei! Nein das hast du falsch gerechnet. Versuchs noch mal!"
Und hat Frank noch mal gerechnet? Nein hat er  nicht. Er bockte.
(Ende Zitat)







  ERKENNTNIS: Die Freude am Tun, am Denken wird leider oft unbedacht zerstört. Eltern, Erzieher und Vorgesetzte sind sich vielfach nicht bewusst, was Kinder oder Mitarbeiter für Potenziale haben. Ich kenne viele Geschichten, die zeigen, wie Lehrerinnen und Lehrer einem Kind die Freude am Tun in kurzer Zeit zerstört haben.
Ein Schüler, der eine Mauer mit gefärbten Steinkiesel gemalt hatte, wurde im Zeichnungsunterricht getadelt: "Male es noch einmal!" befahl die Lehrerin. "Die Steine sind grau!"



 




 Der Schüler hatte aber vor wenigen Tagen mit dem Vater zusammen in einer Kiesgrube  Steine gesammelt. Weil es geregnet hatte, fiel dem Kind auf, dass die Steinkiesel farbig sind: Rot, Grün, Weiss sogar Schwarz.
Unprofessionelles Verhalten kann  bereits in früher Kindheit, die Freude am Tun vergällen.





Deshalb gilt es bei unser Arbeit zu ergründen, was uns eigentlich bei unserem Tun Spass macht. Aus Freude am Tun entwickelt sich dann zwangsläufig Begeisterung und Begeisterung ist  ein starkes Fundament unserer "Treppe zum Erfolg".













 

Mittwoch, 13. März 2013

FDP Frauen werden nun doch noch abgestraft

Ich gab schon 2011 zu bedenken. (Zitat):


Marketing und Werbung: Zur Oben-ohne Foto der FDP Frauen

Marcus Knill
Aufmerksamkeit wecken darf nie Selbstzweck sein. Es geht bei der Werbung vor allem auch um die glaubwürdige Übermittlung einer Kernbotschaft. Das Image der FDP wird mit der jüngsten “oben ohne Foto” nicht aufgewertet. Es darf bezweifelt werden, dass durch diese Aktion künftig mehr Frauen in der Verwaltungsräten sitzen.

Ein Ausschnitt aus der neusten Kampagne der FDP Frauen, die ab Donnerstag auf Facebook und ab September im Kino zu sehen sein wird. Ich zitiere 20min.ch: “So sexy haben sich die Freisinnigen Frauen noch nie präsentiert: Mit nackter Brust, nur bedeckt von einem Banner «Nicht mehr oben ohne», posiert Generalsekretärin Claudine Esseiva ab heute Donnerstag auf Facebook für die neuste Kampagne der FDP Frauen. «Der Slogan zielt auf unsere Forderung, dass mehr Frauen in den oberen Etagen von Wirtschaft und Politik vertreten sein müssen», sagt die 32-jährige Generalsekretärin gegenüber 20 Minuten Online. «Mit dem Bild und dem Satz bringen wir das Thema auf den Punkt», ist Esseiva überzeugt.
«Wir wollen, dass die Leute darüber sprechen»
Esseiva ist aber klar, dass gerade ihr Auftritt einigen zu gewagt sein könnte. «Mit dem Oben-ohne-Foto provozieren wir bewusst. Wir wollen, dass die Leute darüber sprechen.» Zudem sei das Ziel der Kampagne, junge urbane Frauen anzusprechen, und dies gelinge nur mit einer frischen und frechen Kampagne. Dieser Meinung ist auch Carmen Walker-Späh, Präsidentin der FDP Frauen und betont gegenüber 20 Minuten Online: «Mit der Kampagne wollen wir weg vom feministischen Mief, hin zu einer fortschrittlichen liberalen Politik, die auch einmal lustvoll sein darf.»
Mein Kommentar: Selbstverständlich hat die Oben-ohne Foto ein Teilziel erreicht. Sie macht immerhin von sich reden. Doch müssen wir uns fragen, ob die “Pin-up-Aktion” hinsichtlich Imageförderung und Botschaftenmanagement der FDP langfristig Erfolg hat. Für mich wird dieser verzweifelte Versuch mit einer provokativen Foto, die
bewusst aneckt und der FDP das Image einer frechen, frischen Partei vermitteln soll, keine Ernte einfahren wird. Bei politischen Werbeaktionen ist die Wirkung beim Adressaten (Stimmvolk) ausschlaggebend. Ich habe 20 Personen das Bild gezeigt. Das Echo war ernüchternd: Muss dies sein? Weshalb hat sich die FDP nicht von Marketing-Profis beraten lassen?  war zu hören. Nur eine Minderheit fand die Aktion modern und frech. Niemand diskutierte über den Frauenanteil auf den Chefetagen.
Mit dem Pin-up-Girl lösen sich die FDP Frauen auch nicht vom feministischen Mief. Sie unterstreichen höchstens zusätzlich die Frau als Sexobjekt. Meine kritischen Gedanken zu der Playboyaktion der deutschen Fussballerinnen bestätigten mir, wie Themen mit Frauen als Sexobjekt polarisieren. Die einen finden solche Aktionen modern, unverkampft und gut. Andere lehnen jegliche Versuche ab, mit der Frau als Sexobjekt zu spielen. Nach meinem Dafürhalten ist immer das Resultat der Werbung ausschlaggebend. In diesem Fall bezweifle ich, dass auf Grund des “Oben – ohne Auftrittes” die Frauen der FDP im Herbst mehr Stimmen bringen werden und künftig etwas getan wird, damit  mehr Frauen in den Verwaltungsräten sitzen. Ich bin ferner davon überzeugt, dass meine Bedenken auch von vielen Marketingspezialisten geteilt werden. Der Erfolg der Kampagne zeigt erst später, ob eine Werbung gut war. On verra!


Kommentar: "In verra" schrieb ich damals am Schluss des Blogs. Nun ist es soweit. Die FDP Frauen eckten  parteiintern erneut an, weil sie sich gegen die Parteiparole bei der Fremdbetreuung stellte.  Ich zitiere 20 Min:

Die FDP hat der Frauen-Generalsekretärin Claudine Esseiva einen Maulkorb verpasst. Während die Parteispitze schweigt, stellt sich Ständerätin Christine Egerszegi hinter das Enfant terrible der Freisinnigen.

storybildGeneralsekretärin der FDP-Frauen Claudine Esseiva sorgt für Wirbel.
 
Nicht nur einmal haben sich die FDP-Frauen politisch gegen die Mutterpartei gestellt. Nun kommt die Generalsekretärin Claudine Esseiva für den eigenwilligen Kurs an die Kasse. Die FDP hat ihr kurzerhand einen Maulkorb verpasst, wie «Le Matin» berichtet. Ausserdem soll Esseiva laut dem «Sonntag» zur einfachen Sekretärin degradiert werden. Offiziell aus Spargründen. Doch hinter vorgehaltener Hand kritisiert man ihr «unmögliches Verhalten» und ärgert sich über den medialen Wirbel, den sie verursachte. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Ja-Parole zum Familienartikel – entgegen dem Nein der FDP. Davor hatten die FDP-Frauen offensiv für eine Geschlechterquote beim Staat geworben. 2012 war Esseiva an der Spitze der Kampagne gegen die Initiative «Abtreibung ist Privatsache». Und unvergessen ist auch die Kampagne, in der Esseiva mit nacktem Oberkörper für mehr Frauen in der Chefetage warb.

 «Kein Kommentar», sagt  Esseiva selbst und verweist auf die Präsidentin der FDP-Frauen Carmen Walker Späh. Walker Späh sagt nur: «Die Geschäftsleitung der FDP-Frauen Schweiz steht geschlossen hinter der Generalsekretärin.»

«Esseiva ist Ausdruck von FDP-internem Spannungsfeld»

«In der Tendenz sind bürgerliche Frauen linker, feministischer, ökologischer und progressiver als ihre männlichen Kollegen», sagt Politologe Louis Perron. Der Fall Esseiva sei Ausdruck dieses Spannungsfeldes. «Die FDP-Elite ist eher konservativ und altväterlich.» Die Freiburgerin habe sehr pointiert auf Themen aufmerksam gemacht, die die FDP in den letzten Jahren verschlafen habe. «Modernisiert sich die FDP im politischen Alltag nicht bald, läuft sie Gefahr weiter Wähler an die Grünliberalen zu verlieren.»

Fazit: Es schadet jeder Partei, wenn der Spaltpilz Einsitz nimmt. Die Kommunikationsregel lautet:
Differenzen intern bereinigen! Nach aussen mit einer Stimme sprechen! Die Wäsche muss intern gewaschen werden, nicht in der Oeffentlichkeit. Insoweit hat Claudine Esseiva recht, wenn sie in dieser Situation schweigt.