Montag, 4. April 2011

Wie ein Meinungsforschungsinstitut die Flop - Prognosen schön redet



 



aus Tagi:


Gestern musste Matthias Kappeler eingestehen, dass die Umfragen seines Meinunungsforschungs-Instituts zum Teil weitab vom tatsächlichen Wahlergebnis lagen. Die Befragungen vom Ende Januar und Mitte März hatten Hans Hollenstein (CVP) und Regine Aeppli (SP) als die sicheren grossen Sieger der Regierungsratswahlen gesehen. Am Schluss hatte ausgerechnet der neu angetretene Mario Fehr (SP) am meisten Grund zu strahlen. Aeppli aber musste den ganzen Nachmittag um ihre Wiederwahl zittern. Und Hollenstein wurde sogar schnöde abgewählt.




Für den Spott musste Kappeler deshalb nicht mehr sorgen. Von allen Seiten wurde der Meinungsforscher auf seine «falschen» Ergebnisse angesprochen. Regierungsrat Ernst Stocker (SVP), der weit besser abgeschnitten hatte als in der Umfrage, sagte, er verstehe nicht, warum für Wahlumfragen überhaupt noch Geld ausgegeben werde.Kappeler kommentierte gestern dennoch unverdrossen im Fernsehsender TeleTop, der zusammen mit Radio 24 und dem «Tages-Anzeiger» zu den Auftraggebern der Umfragen gehört hatte. Später in einer ruhigen Ecke gestand Kappeler ein, dass er andere Ergebnisse erwartet hatte. «Japan hat uns das Leben schwer gemacht», sagt er. Das Erdbeben, die Atomhavarie und die darauf einsetzende Diskussion um die Schweizer Atomkraftwerke haben laut Kappeler auf das Ergebnis eingewirkt. «Ich kann mich nur an ein Ereignis erinnern, das ein Wahlergebnis derart stark beeinflusst hat: die Terroranschläge in Spanien 2003.» Aber beide Umfragen seien zu früh gekommen, um den «Japan-Effekt» abzubilden. «Ich hätte mehr vor diesem Effekt warnen sollen», sagt Kappeler. Er kann jedenfalls für sich in Anspruch nehmen, dass seine Umfragen die intakten Wahlchancen Martin Grafs (Grüne) früh und richtig erkannt haben.


«Wähler weggebrochen»


Kappeler erklärt sich die Niederlage Hollensteins dadurch, dass dem «Mitte-Kandidaten» der CVP in der Schlussphase des Wahlkampfs «links und rechts die Wähler weggebrochen» seien. Umgekehrt mobilisierte die SVP ihre Wählerinnen und Wähler einmal mehr besser, als die Umfragen vermuten liessen. Ernst Stockers SVP, fügt Kappeler an, gehöre im Übrigen auch immer wieder zu den Auftraggebern von Meinungsforschungs-Instituten.
Das schlechte Abschneiden Regine Aepplis erklärt der Meinungsforscher damit, dass sich Links-Grün vor allem auf die Neukandidierenden konzentriert habe. Die Umfrageergebnisse haben laut Kappeler dazu geführt, dass die Wählenden im rot-grünen Spektrum die Chance eines Sitzgewinns witterten. Die seit acht Jahren amtierende Aeppli dagegen galt als gesetzt.Kappeler bleibt auch nach diesem für ihn desaströsen Wahlsonntag dabei, dass Umfragen ein «wichtiger Gradmesser» seien. Das Hauptproblem sei, dass viele Leute Umfragen als Prognosen verstünden und nicht als Momentaufnahmen.


Kommentar: Meinungsforscher müssten eigentlich auch das Image der Politikern  berücksichtigen, das sie beim Fussvolk haben. Oft genügt es, wenn ein paar Dutzend Leute auf der Strasse gefragt werden, welcher Kandidat ihnen sympathisch ist: Wer hat Sie überzeugt? Bei meinen Befragungen habe ich vor der Wahl festgestellt, dass die Art und Weise des Auftretens eine enorm grosse Rolle spielt. Fehr kam immer rhetorisch gut weg. Regine Aepplis Auftritte wurden schon seit Jahren schlecht beurteilt. Sie kann ihre Argumente nicht auf den Punkt bringen. Hollenstein kam an der Podiumsdiskussion in Zürich bei vielen Anwesenden schlecht weg, weil er sich beim Apéro zu sehr angebiedert hatte. Eine Frau sagte mir: Der kennt mich ja gar nicht und stösst sein Glas mit mir an. Das passt mir nicht.
Nachtrag


NZZ zu den falschen Prognosen:

Die Umfragen zu den Zürcher Kantonsrats- und Regierungsratswahlen vom Wochenende sind deutlich ungenauer gewesen als bei früheren Wahlen.
Peter Moser vom Statistischen Amt des Kantons Zürich, am Sonntag für die Wahl-Hochrechnungen verantwortlich, zweifelt, ob auf 1000 Interviews beruhende Umfragen zu den Wahlen überhaupt aussagekräftig sein können.

Prognosen schwierig

Bei Regierungsratswahlen ist es seiner Meinung nach «praktisch unmöglich», vernünftige Prognosen zu machen. Eine Rangfolge sei eher zufällig, weil die Resultate meist «innerhalb des Vertrauensintervalls», also in der statistischen Unschärfe, lägen.

Mosers erste Hochrechnung für die Kantonsratswahlen vom Sonntagnachmittag, die auf der Basis der Ergebnisse von 80 Gemeinden beruhte, sagte stärkere Verluste für die SP und bessere Ergebnisse für GLP und BDP voraus als schliesslich resultierten.
Bei der ersten Hochrechnung für die Regierungsratswahlen kurz nach Schliessung der Wahllokale lag Hans Hollenstein bereits auf dem achten Platz, der nicht für einen Regierungssitz reicht. Und die drei schliesslich am besten Gewählten lagen von Beginn weg auf den ersten Plätzen.

Umfrage sah Hollenstein auf dem zweiten Platz

Gemäss der am 21./22. März veröffentlichten Umfrage zu den Regierungsratswahlen wäre Regine Aeppli (sp.) auf dem ersten und Hans Hollenstein (cvp.) auf dem zweiten Platz gewählt worden. Am Abstimmungssonntag musste Aeppli dann lange um die Wiederwahl bangen, Hollenstein wurde abgewählt.
Bei der Kantonsratswahlen hatte die Umfrage vor allem für FDP und CVP deutlich geringere Einbussen vorausgesagt, für die SVP einen stärkeren Rückgang und für die SP ein klares Plus. Und die BDP war am Sonntag viel stärker als in der Umfrage.


LINK:


  1. rhetorik.ch aktuell: Image schlägt Fakten

    18. Okt. 2009 ... Sowohl die Person als auch die Präsentation beeinflussen den Inhalt wesentlich. Fakten werden durch die Person oder die Darstellung gefärbt. ...
    www.rhetorik.ch/Aktuell/09/10_18/index.html - Cach
    1. rhetorik.ch aktuell: Haben Experten immer unrecht?

      28. März 2011 ... Um die Frage zu beantworten, ob Experten oft unrecht haben, muss man auch immer fragen, wer als Experte gilt. Und man m¨sste Voraussagen von ...
      www.rhetorik.ch/Aktuell/11/03_28/index.html - Cached


Warum lässt das Interesse an den News über Japan nach?


«Sie scheinen den Medien nicht zu trauen»


Aus TAGI Onlineportale, Twitter, Facebook – das Informationsangebot über die Katastrophe in Japan ist riesig. Der Soziologe Dirk Baecker über die Gefahr von zu viel Information und die Medien als mögliche Profiteure.
1/15 Gerettet: 
Dieser Hund scheint sowohl das Erdbeben und den Tsunami, sowie drei Wochen in einem weggeschwemmten Haus im Meer überlebt zu haben. (1. April 2011)
Bild: Reuters
   



Dirk Baecker ist Soziologe und Leiter des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin University in Friedrichshafen. Er beschäftigt sich mit den Umbrüchen der Mediengesellschaft, der Informationsüberflutung und den Überforderungsphänomenen der Medienkonsumenten. Sein Buch «Studien zur nächsten Gesellschaft» ist vor zwei Jahren erschienen. Dirk Baecker lebt in Basel.



Das Interesse an der Medienberichterstattung aus Japan war riesig und brach bei den Onlinemedien alle Zugriffsrekorde. Wie kommt es, dass das Informationsbedürfnis schlagartig wieder sinkt?


Das ist auf drei Gründe zurückzuführen.


- Man hat festgestellt, dass die Katastrophe in Japan wesentlich länger dauert, als anfangs gedacht, und deshalb aufgehört, den Stand der Dinge im Stundenrhythmus abzufragen.


- Zweitens hat man verstanden, dass man sich nun Gedanken zur atomaren Energiepolitik in Europa machen muss. Hierfür braucht man Hintergrundinformationen und ebenfalls kein stündliches Update.


- Schliesslich könnte es eine Rolle spielen, dass die Informationspolitik der Betreiberfirma Tepco und der japanischen Regierung zögerlich, diffus und verdächtig ist und man deshalb den Medien nicht mehr traut, die diese Informationen weitergeben. 


Ist das Interesse an Japan nun vorbei?


Nein. Es braucht nur ein einziges plötzliches Ereignis, das die gegenwärtige Einschätzung wieder korrigiert und die Leute würden sofort wieder auf die Onlineseiten zugreifen. Jeder fragt sich laufend, ob sein Bild von der Situation in Japan noch stimmt, und würde neue Informationen abfragen, sobald er den Eindruck hat, dass das nicht mehr der Fall ist. Wenn man mit dem Bild, das man von einer Situation hat, zufrieden ist, kann man auf die aktuelle Überprüfung der Lage verzichten.


Angeblich haben selbst die Japaner genug von all den Informationen und verschliessen sich.

 
In der japanischen Gesellschaft scheint man eine Schwäche für eine sparsame Informationsversorgung zu haben. Jeder weiss, dass man nicht weiss, was der andere tatsächlich treibt. Das geht mit einem grossen Vertrauen einher, dass es wohl so schlimm nicht kommen wird. Andererseits besteht aber auch ein Misstrauen, das dazu führt, dass man sich zurückzieht. Im Moment wird diese kulturelle Einstellung der Japaner zu ihrer Gesellschaft offenbar auf eine sehr harte Probe gestellt. Man weiss nicht, wem man vertrauen und wem misstrauen sollte. Ein Rückzug ins Private ist jedoch im Moment sehr gefährlich.


Weshalb?


Bei Atomunfällen sieht man ja die Gefahr nicht. Viele Leute beginnen schon, in die Katastrophengebiete zurückzukehren, um dort ihre Häuser wieder aufzubauen. Das ist fatal. Sie können nur von der Regierung und aus den Medien erfahren, wie hoch die Strahlenbelastung ist. Aber sie scheinen den Medien nicht zu trauen.



Tragen die Medien Schuld?


Nein, denn sie geben ja nur die Informationen weiter, die sie von der Regierung und der Betreiberfirma Tepco bekommen.


Den Medien wurde teilweise vorgeworfen, zu viele Informationen verbreitet zu haben.


Für diesen Vorwurf habe ich wenig Verständnis. Es kann nie zu viele Informationen geben, solange jeder in der Lage ist, sich ein Bild von der Gesamtsituation zu machen. Ausserdem hängt kein Mensch am Tropf einer Zeitung oder eines Onlinemediums und ist gezwungen, alle Informationen aufzunehmen. Man kann sich jedoch zu Recht über die Akzente beschweren, die die Medien gesetzt haben. Warum muss immer wieder das Leid individueller Personen gezeigt werden, statt sich auf die Hintergründe der Katastrophe zu konzentrieren? Warum wird mehr Aufregung produziert, statt Information zu liefern? Die Leute merken schnell, wenn die Medien ihrerseits von der Katastrophe zu profitieren versuchen und die Bevölkerung mit Informationen füttern, um selbst im Spiel zu bleiben. Das fällt unangenehm auf und verstärkt die Skepsis. 


Welche Rolle spielt es bezüglich Medieninteresse, dass der Mensch sich möglicherweise selber als Ursache solcher Katastrophen sieht?


Eine grosse. Wir wissen heute, dass wir unsere grössten Probleme selber verschulden. Wir wissen, welche tiefen Eingriffe in die Natur wir verursachen und welche Folgen dies haben kann. In diesem Sinne ist Japan wie ein Experiment, das uns vor Augen hält, welches gefährliche Spiel auch wir hier in Europa treiben. Deshalb auch das grosse Interesse an Japan.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)




Kommentar:

In Krisensituationen gilt es, wichtige, wesentliche Informationen herauszuschälen d.h. Medien dürfen die Informationslawine nicht zusätzlich verstärken. In Krisensituationen sind Informationen wichtig. Die Medien haben die Aufgabe, Informationen zu verarbeiten und der Bevölkerung die Informationsschwemme nicht auch noch  zusätzlich zu fördern. Der Mensch ist gar nicht fähig, diese immense Fülle zu verarbeiten. Seine Gegenreaktion: Er  schützt sich, indem er  die Informationen gar nicht mehr richtig wahrnehmen will. Kommt dazu, dass die Informationen aus Japan nicht mehr glaubwürdig sind.
Dies ist eine weitere wichtige Erkenntnis bei der Krisenkommunikation: Vertrauen kann nur durch Glaubwürdigkeit aufgebaut werden.




LINKS:

  1. Information - Informationsflut

    Der durchschnittliche Mensch rettet sich zwar vor der Informationsschwemme durch gezielte Reduktion und bewusstes Abblocken: ...
    www.rhetorik.ch/Information/Information.html - Cached - Similar
  2. Informationsmanagement - Rhetorik Homepage: Home

    Wie können nun Informationsabläufe organisiert werden, damit die Angestellten trotz der Informationsschwemme nicht das Gefühl haben, unterinformiert zu sein ...
    www.rhetorik.ch/Information/Informationsmanagement.html - Cached - Similar


Sonntag, 3. April 2011

Zürcher Regierungsratswahlen:


Die Medientauglichkeit spielte bei den Wahlen ein beachtliche Rolle





Im BLICK am Abend beurteilte ich -  nach einer Podiumsdiskussion in Zürich - Mario Fehr als rhetorischen Sieger. Sein Spitzenresultat bestätigt mir, dass sich die medienrhetorische Kompetenz und die Ueberzeugungskraft bei Wahlen eine zentrale Rolle spielen. 


Siehe:


  1. rhetorik.ch aktuell: Kampf um den Regierungsrat

    www.rhetorik.ch aktuell: (16. Mar, 2011). Kampf um den Regierungsrat. Rhetorik.ch Artikel zum Thema: Aktuell Politik. Quelle: Blick ...
    www.rhetorik.ch/Aktuell/11/03_16/index.html - Cache
  2.  

    1. rhetorik.ch aktuell: Wie man Politikerrhetorik vermeidet

      10. Mai 2010 ... Wie man Politikerrhetorik vermeidet ... Nationalrat Mario Fehr veranschaulicht, dass es auch ohne Politikerrhetorik geht. ...
      www.rhetorik.ch/Aktuell/10/05_10/index.html - Cached
    2. [PDF]

      PDF version (zum Ausdrucken) - Wie man Politikerrhetorik vermeidet

      File Format: PDF/Adobe Acrobat - Quick View
      10. Mai 2010 ... Wie man Politikerrhetorik vermeidet. Medienrhetorik. Vage, allgemeingültige oder mehrdeutige. Antworten sind leider bei Politikern verbrei- ...
      www.rhetorik.ch/Aktuell/10/05_10/05_10.pdf

    Bildungsdirektorin Aeppli war zwar am damaligen Podium nicht anwesend. Doch musste ich sie vorgängig verschiedentlich in meinen Analysen als medienrhetorisch dürftig beurteilen. Sie brachte bei vielen Auftritten ihre Botschaften selten auf den Punkt. Das schwache Resultat von heute, bestätigt mir ebenfalls, dass sich die umständliche Ausdrucksweise auch aufs Wahlresultat ausgewirkt hat. Die Regierungsrätin musste heute sogar lange um den Sitz zittern  und schnitt sehr schlecht ab.

    LINK:

    1. rhetorik.ch aktuell: Hat sich die Bildungsdirektorin weitergebildet?

      www.rhetorik.ch aktuell: (26. Sep, 2010). Hat sich die Bildungsdirektorin weitergebildet? Rhetorik.ch Artikel zum Thema: ...
      www.rhetorik.ch/Aktuell/10/09_26/index.html - Cached
    2. [PDF]


      1. rhetorik.ch aktuell: Kleinreden statt Probleme ernst nehmen

        29. Mai 2007 ... Kleinreden statt Probleme ernst nehmen. Zu Regine Aepplis Antwortmanagement nach der Krise in einem Zürcher Schulhaus. Ungekürzte Version. ...
        www.rhetorik.ch/Aktuell/07/05_29/index.html - Cached - Similar
      2. [PDF]

        KLEINREDEN STATT PROBLEME ERNST NEHMEN

        File Format: PDF/Adobe Acrobat - Quick View
        KLEINREDEN STATT PROBLEME. ERNST NEHMEN. Terrorklasse: Tagelang machte eine Zürcher Schulklasse mit ihrem chaotischen Verhalten Schlag- zeilen. ...
        www.rhetorik.ch/Aktuell/07/05_29/05_07.pdf
       

      Hat sich die Bildungsdirektorin auch weitergebildet?

      File Format: PDF/Adobe Acrobat - Quick View
      26. Sept. 2010 ... Medienrhetorik Hat sich die Bildungsdirektorin auch weitergebildet?
      kommunikation. Und heute? Uns interessierte es, ob und wie sich die Bil ...
      www.rhetorik.ch/Aktuell/10/09_26/09_10.pdf


      1. rhetorik.ch aktuell: Zur Rhetorik einer Bildungsdirektorin"

        20. Febr. 2005 ... Es interessierte uns, wie die Bildungsdirektorin in einem Referat ... Der Grund war, dass Regine Aeppli das Referat wortwörtlich ablas. ...
        www.rhetorik.ch/Aktuell/05/02_20.html - Cached


        Kommentar: 
        Die unterschiedlichen
        Resultate haben nichts 
        mit der Parteizugehörigkeit
        zu tun, denn beide 
        Kandidaten (Fehr + Aeppli)
        sind bei der SP. 
        Aus meiner Sicht
        lohnt es sich,
        die öffentlichen Auftritte
        ernst zu nehmen. 
        Das Publikum will Aussagen, 
        die nachvollzogen
        werden können.

Nach der Denkpause klinkt sich nun die SVP  in die KKW Debatte doch ein


Ich zitiere TAGI:




Bisher hielt sich die SVP in der Atom-Diskussion zurück. Mit einem konkreten Vorschlag, wie der Energiebedarf in der Schweiz gedrosselt werden kann, bricht die Partei nun ihr Schweigen.

«Geht die Einwanderung so ungebremst weiter wie bisher, kommen wir nicht um den Bau neuer Kernkraftwerke herum»: Parteipräsident Toni Brunner.

«Geht die Einwanderung so ungebremst weiter wie bisher, kommen wir nicht um den Bau neuer Kernkraftwerke herum»: Parteipräsident Toni Brunner.
Bild: Keystone

Nun kommt auch die SVP mit konkreten Vorschlägen zum Atom-Ausstieg: Ohne die Zuwanderung der letzten Jahre könnte sich die Schweiz bereits heute das AKW Mühleberg sparen, sagt die SVP der Zeitung «Der Sonntag». Eine Einwanderungsbremse soll den steigenden Bedarf an Energie drosseln. Damit klinkt sich die SVP in der Atom-Debatte ein. «Wir müssen Alternativen zur Kernenergie diskutieren», sagt Parteichef Toni Brunner erstmals – macht aber gleichzeitig klar: «Geht die Einwanderung so ungebremst weiter wie bisher, kommen wir nicht um den Bau neuer Kernkraftwerke herum.» Ein Anstieg der Bevölkerung um 100'000 Personen erhöhe den Energiebedarf der Schweiz um rund eine Milliarde Kilowattstunden, sagt SVP-Nationalrat Walter Wobmann, der mit seiner parteiinternen Gruppe «Asyl und Ausländer» an einer Einwanderungsbremse arbeitet, die in der bevorstehenden Sondersession als Motion eingereicht werden soll. «Seit 2007 sind 320'000 Personen in die Schweiz eingewandert. Das KKW Mühleberg produziert jährlich rund drei Milliarden Kilowattstunden Strom», sagt Wobmann. Sein Fazit: «Ohne Zuwanderung könnten wir uns heute Mühleberg sparen.»


Zustimmung von SVP-Energiespezialist


Auf Zustimmung stösst Wobmanns eher ungewöhnlicher Anti-AKW-Vorstoss in der bisher stramm atomfreundlichen Partei nicht nur an der Parteispitze, sondern auch bei SVP-Energiespezialist Hans Killer: «Wenn wir den Anstieg des Energieverbrauchs über die Zuwanderung bremsen, können wir uns vielleicht tatsächlich neue Kernkraftwerke sparen», sagt der Aargauer Nationalrat. Weil mit der Sistierung der Rahmenbewilligungsgesuche für neue AKW die «bisherige Energiepolitik infrage gestellt» sei, will Killer morgen Montag in der nationalrätlichen Energiekommission einen weiteren energiepolitischen Paukenschlag lancieren: Das CO -Gesetz soll sistiert werden.
«Es geht nicht an, über den Ausstieg aus der Kernenergie zu reden und gleichzeitig weiter Klimaschutz betreiben zu wollen, als wäre nichts gewesen», sagt Killer.


Kommentar: Im Grunde genommen hätte die SVP konsequenterweise zuerst  das Urteil  ENSI über die Sicherheit unserer Werke abwarten müssen, bevor sie zum Ausstieg aus der Atomenergie Stellung bezieht. In Krisensituationen lohnt sich immer: Zuerst Fakten klären, erst dann urteilen und ganz am Schluss entscheiden (Massnahmen ergreifen). Wahrscheinlich wollte die Partei verhindern,  das Image einer Schweiger - Partei verpasst zu bekommen und verknüpfte die Ausstiegsfrage mit dem Kernthema der SVP - d.h. mit der ungebremsten Einwanderung. Der argumentative Ansatz ist einfach, raffiniert aber auch durchschaubar: Wenn man die ungebremste Zuwanderung nicht ein den Griff bekommt, benötigen wir Kernkraftwerke. Das heisst: Wir könnten uns schon heute Mühleberg sparen, aber nur unter der Bedingung, dass....

Samstag, 2. April 2011

Anfangs April - Heute kommen bereits Sommergefühle auf


NZZ online:




Frühester Sommertag in der Schweiz seit langem

Narzissen und Freizeitsportler beim Bauernhof Kernmatt in Kaegiswil im Kanton Obwalden





Die Sonne hatte tüchtig eingeheizt

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Zur Sicherheit der KKW in der Schweiz

Das ENSI hat die Berichte termingerecht erhalten

Zitat 20 Min:



Nach dem Atom-Unfall in Fukushima 1 in Japan hatte der Bund die Betreiberfirmen der fünf Schweizer Kernkraftwerke aufgefordert, bis Ende März Sicherheitsberichte zu erstellen. Darin sollten die Betreiber insbesondere Probleme aufzeigen, die im Zusammenhang mit Erdbeben oder Hochwasser auftreten könnten. In Fukushima hat vermutlich die Flutwelle des Tsunami die Kühlanlage beschädigt, was die nachfolgenden Probleme auslöste.




Alle Betreiber von Kernkraftwerke hätten die Berichte termingerecht und formell vollständig eingereicht, sagte Hans Wanner von der Nuklearaufsichtsbehörde ENSI vor den Medien in Bern. Nun würden die Angaben materiell sorgfältig geprüft. Dies dauert schätzungsweise einen Monat, sagte Wanner. Nach Abschluss werde die Öffentlichkeit über die Resultate informiert.


Speziell gesichertes Lager




Ab dem 1. Juni müssen die Schweizer Kernkraftwerke Zugang zu externen Lagern haben, in denen Material für Notfälle wie Stromaggregate, Pumpen oder Schläuche lagern. Diese Lager müssen erdbeben- und überflutungssicher ausgestaltet sein.
Die AKW in der Schweiz seien sicher, betonte Wanner weiter. «Sonst hätten wir schon längst eingegriffen.» Aber es sei wichtig aus den Ereignissen in Japan die richtigen Lehren zu ziehen. Deshalb analysiere das ENSI die Vorfälle.
Die BKW als Betreiberin des AKW Mühleberg hatte gestern mitgeteilt, dass bereits «erste Massnahmen» abgeleitet worden seien. Zum einen gehe es um eine zusätzliche Möglichkeit, die Lagerbecken der Brennelemente zu kühlen, ohne das Gebäude zu betreten, sagte Rohrbach auf Nachfrage. Zum anderen werde die Dezentralisierung der Einsatzmittel geprüft.

Ende Zitat


Kommentar:


Die Sicherheit der KS in der schweiz bezog sich bisher auf die üblichen Erdbeben  und Ueberflutungsgefahren. Nach der Katastrophe in Japan hat ENSI die Pflicht alle neuen Erkenntnisse auf die Schweizer Kraftwerke zu übertragen. So müssen künftig die Lagerbecken, die Kühlvorrichtungen  Notgeräte usw. einer neuen Extremsituation angepasst werden. So wie nach einem Flugzeugabsturz bei angeblich sicheren Flugzeugen nach einem aussergewöhnlichen Unfall  die neusten Erkenntnisse ebenfalls umgesetzt werden müssen.  In der Schweiz gab es bisher noch keine solch extremen Situationen, wie in Japan. Die bisherige Ueberwachung war somit korrekt und die Bevölkerung darf sich immer noch auf die unabhängige Ueberwachungsbehörde verlassen. Falsche Ueberprüfungsprotokolle wie in Japan gab es in der Sschweiz ebenfalls nie.
Falls nun die neuen verschärften Auflagen nicht eingehalten werden können, müssten die Konsequenzen gezogen werden. Das heisst, es müssten unter Umständen KKWs geschlossen werden. Das Konzept in der Schweiz mit der Trennung Kraftwerke// Kontrolle war somit korrekt.


Aus BUND:


Die BKW musste gestern den ersten Bericht zu möglichen Sicherheitsproblemen im AKW Mühleberg nach der Atomkatastrophe in Japan abliefern – bis Anfang Mai bleibt er jedoch unter Verschluss. 

Brennelementbecken in Mühleberg: Wie kühlt man die abgebrannten Brennstäbe in einer Katastrophe? (Keystone)


Brennelementbecken in Mühleberg:
Wie kühlt man die abgebrannten Brennstäbe in einer Katastrophe? (Keystone)

Linksextreme bekennen sich zur Tat der Oekoterroristen




Zum Anschlag auf Schweizer Atomverband
Blick:







Tötungsabsicht: Links-Extreme bekennen sich zum Anschlag von Olten
Tötungsabsicht Links-­ Extreme bekennen sich zum Anschlag von Olten
DiashowVideo


Beim Anschlag auf die AKW-Fachgruppe Swissnuclear in Olten wurden gestern zwei Frauen verletzt. Eine zunächst unbekannte Täterschaft hatte eine Briefbombe an die Adresse der Atom-Lobby-Organisation geschickt.


Eine der beiden Mitarbeiterinnen des Büros zog sich bei der Explosion des Briefes Verletzungen im Gesicht, an den Armen, im Brustbereich zu, die andere klagt über Hörprobleme.



Briefbombe in Olten: Die Schweiz im Fadenkreuz des Anarcho-Terrors


Die Bundesanwaltschaft (BA) ermittelt gegen Unbekannt. Im Bundeshaus informierte sie am Nachmittag über den Stand der Ermittlungen.

Die Bombe sollte töten


Laut Ruedi Montanari, Stellvertreter von Bundesanwalt Erwin Beyeler, habe es noch nie einen politischen Anschlag von solcher Sprengkraft in der Schweiz gegeben. Offensichtlich sei es das Ziel gewesen, den Adressaten zu töten. Das zeige die Kraft der Bombe. Es sei pures Glück, dass es keine Toten gab.

Welche Art von Sprengstoff für den Anschlag verwendet worden war, konnte Verfahrensleiter Carlo Bulletti noch nicht sagen. Dafür müssten die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen abgeklärt werden.

Bekennerschreiben italienischer Anarchisten


Ermittler des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich fanden in den Überresten der Bombe ein in Italienisch abgefasster Brief. Er stamme wahrscheinlich von der FAI (Federazione Anarchica Informale), einer anarchistischen Gruppierung aus Italien.

Der Brief wurde im Ausland abgeschickt, wie die BA annimmt. Sie koordiniere darum ihre Bemühungen mit den ausländischen Ermittlungsbehörden, sagte Bulletti. Demnächst seien auch Treffen zwischen den Ermittlern geplant

Die FAI hatte bereits Ende Dezember 2010 Briefbomben an die Botschaften Chiles und der Schweiz in Rom geschickt. Damals waren zwei Personen in Rom verletzt worden.

Verbindungen zum Fall Rüschlikon


Es handle sich beim Brief um eine Seiten lange Abhandlung darüber, wie die Welt sein sollte, so die BA. Zudem werden darin die drei Verhafteten im Fall Rüschlikon erwähnt. Costantino Ragusa und Silvia Guerini aus Italien sowie der Schweizer Luca Bernasconi hatten im April 2010 einen Anschlag auf ein Forschungslabor der IBM in Rüschlikon ZH geplant, der jedoch verhindert werden konnte (blick.ch berichtete).

Hinweise, dass auch anarchistischen Kreise aus der Schweiz in den Anschlag von Olten verwickelt sein könnten, gebe es derzeit nicht. Eine Verbindung könne aber auch nicht ausgeschlossen werden.(rrt/SDA)


Kommentar:

Als nach fremdenfeindlichen Aktionen in der Schweiz Asylantenheime angezündet worden waren, wurden rechtslastige Parteien als Brandstifter bezeichnet. Obschon sich bei diesem jüngsten Anschlag in Olten gegen die Vertreter der Atomkraftwerke alle Atomkraftgegner in der Schweiz sofort vom Bombenanschlag distanziert haben, würde es mich nicht wundern, wenn in diesem Fall die militanten Demonstranten gegen die Atomenergie ebenfalls  beschuldigt würden, sie hätten das Klima   angeheizt und deshalb  auch als Brandstifter herhalten müssten.


Tagi (Nachtrag):
«Die Briefbombe hat ihr Ziel erreicht»



Marxisten dürften hinter dem Anschlag auf Swissnuclear stecken, vermutet Experte Stahel.