Freitag, 17. Dezember 2010

Kein Durchblick bei den Versuchen, den EURO zu stärken


Das Grundproblem ist offensichtlich: Die verschuldeten Staaten müssten eigentlich ihre  Schuldenberge abbauen. Doch die maroden Staaten kommen in Teufelsküche, wenn sie den Versuch wagen, konkret an der Sparschraube zu drehen. Versucht ein Schuldenstaat Ausgaben oder Löhne zu kürzen,   folgen postwendend Streiks und militante Demonstrationen, sodass  Regierungschefs lieber darauf verzichten, konsequent durchzugreifen. Sie müssen befürchten, nicht mehr gewählt zu werden. Die Folge: Es wird nicht mehr oder nur halbherzig gespart. Dies ist verständlich, denn jene Staaten wissen ja ganz genau: Wenn wir in noch grössere Schieflage kommen, wird uns garantiert sicher  unter die Arme gegriffen und zwar von allen anderen Staaten, die ihren Haushalt im Lot haben.


Ein fragwürdiger Solidaritätsgedanke?



So lange  die verschuldeten Länder die Konsequenzen ihres Tuns nicht zu spüren bekommen, werden sie weiterhin die Schuldenberge anwachsen lassen. Die Selbstschutzbegründung ist bekannt. Die verschuldeten Staaten behaupten: In Krisenzeiten darf man nicht sparen. Man muss sich verschulden. Mit  Schulden lässt sich die Konjunktur künstlich ankurbeln. Wir müssen uns noch mehr verschulden. Der Glaube an diesen Mechanismus ist in vielen Köpfen verankert.

Vor Jahren wurde von gewissen Parteien  die Frage immer wieder kolportiert: "Wollt ihr, dass wir uns zu Tode sparen?"
Es fehlten leider damals  jene Rufer in der Wüste, mit der deutlichen Entgegnung:  "Wollt ihr Euch  zu Tode verschulden?"

Deutschland steckt derzeit in einem Dilemma: Auf der einen Seite möchte Angela Merkel den Euro retten. Auf der andern Seite ist ist Deutschland mehr gewillt, all jenen Staaten einfach so zu helfen, die sich - dank des finanziellen Fallschirms weigern, konkret zu sparen. Ist es nicht schon in der Kindererziehung so? Begleichen die Eltern ständig die Schulden ihrer Kinder, so gewöhnen sie sich daran, dass automatisch geholfen wird. Sie werden weiterhin Schulden machen.




Derzeit hat jedenfalls Angela Merkel in der EUROkrise noch nicht den Durchblick




Donnerstag, 16. Dezember 2010

Dresscodediskussion bei der UBS


UBS-Mitarbeiter haben laut der Bank keine protestiert.

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Die Dresscode-Bibel der UBS umfasst 44 Seiten.
Der UBS-Dresscode, der das Verhalten der Mitarbeiter bis ins Intimste regelt, schlägt hohe Wellen.


20 Minuten Online-User «Gegner» schreibt: «Unglaublich. Hoffentlich lassen sich die Mitarbeiter das nicht gefallen.» «Mei Mei» findet, der Dresscode sei eine unverschämte Einmischung in die Privatsphäre und «Albert» meint ganz einfach «ein Grund mehr, nicht zu dieser Bank zu gehen.»



Userin «Walla Beate» hingegen ist einverstanden mit den neuen Richtlinien der Grossbank. Heute werde viel zu wenig auf ein ordentliches Auftreten geachtet, vor allem im Geschäftsbereich. «Fredi» schreibt: Die UBS zahlt gut, also kann sie auch erwarten, dass die Angestellten angemessen erscheinen. Für «John Doe» ist «korrektes Auftreten» wichtig. Es gebe viele Männer, die nie gelernt hätten, sich richtig zu kleiden. 


«Ein T-Shirt darunter hilft gegen Schweiss»


Für Stylistin Louisa Rossi machen die Richtlinien Sinn - auch die Unterwäsche-Empfehlung.« Wenn es ums Geld geht, soll nichts ablenken», sagt Rossi etwas überspitzt. Ein richtiger BH sorge dafür, dass die Bluse richtig sitze. Spitzen oder Muster seien unpassend.
Auch bei Männern findet sie Regelungen angebracht. Ein T-Shirt unter dem Hemd sorge dafür, dass allfälliger Schweiss nicht ins Hemd gelange. Auch seien so Haare nicht sichtbar.
Für Katharina Lanfranconi von der Imageberatung «concept&style» sind die Tipps allesamt vernünftig und sollten jedem erfolgreich agierenden Verkäufer - was Banker ja letztlich seien - geläufig sein. «Hautfarbene Damenunterwäsche sitzt bei jeder Bekleidung und jeder Figur besser und wirkt erst noch viel sexier.» Für Männer empfiehlt sie weisse Baumwollboxershorts.


Banker sollten für Kleidung Entschädigung bekommen
Bei Dieter Biegger, Präsident der internen Arbeitnehmervertretung der UBS, sind noch keine Reklamationen betreffend dem Dresscodes eingegangen. Und auch Denise Chevret, Sprecherin des Bankpersonalverbands, liegt nichts vor. Gewisse Regeln, für Leute, die mit Kunden zu tun hätten, seien für sie nur logisch. Allerdings müsse man sich fragen, ob Angestellte, für welche allenfalls Mehrkosten wegen Kleidervorschriften entstünden, nicht entsprechend entschädigt werden müssten.


Kommentar: Zur Zeit arbeite ich an einem Kommunikationslehrgang für Kundendienstberater. Da ist jeweils auch die Kleidersprache ein Thema. Dass eine Firma das Recht hat, Leuten mit Kundenkontakt Bedingungen zu stellen, ist selbstverständlich. Wer durch Geruch oder schmuddeliges Aussehen Kunden abhält, hat an der Front nichts verloren. Bei Verkehrsbetrieben und in Flugwesen ist eine Diskussion unvorstellbar darüber, ob man kleidermässig tun und lassen kann, was einem beliebt.
Im Auftritt vor Medien habe ich eine einfache Formel:

Die Kleidung muss zu mir und meiner Rolle (Funktion) passen.  Die Situation ist ausschlaggebend. Wir kleiden uns privat auch situationskonform. Niemand wird sich an einer Party und an einer Beerdigung die gleichen Kleider anziehen. Dass die Kleider und Haare sauber sein müssen, ist selbstverständlich. Niemand stösst sich daran, dass eine Moderatorin vor der Kamera keine Piercings tragen darf. Lehrkräfte haben erst vor wenigen Jahren erkannt, dass die Kleidung zum Image des Berufsstandes mit beiträgt und sich viele Lehrer nicht wundern mussten, dass man sie nicht ernst genommen hat. Durch die Kleidung wollten sich viele den Schülern anpassen und damit äusserlich signalisieren dass sie Freunde und Kumpels sind und keine Vorgesetzten. Es hat sich gezeigt, dass sich die Kleider der Jugendichen auch auf das Verhalten  auswirkt. Das hat man in Schulen mit Schuluniformen gesehen.

So wie die Worte (verbale Sprache) unser Denken, unser Verhalten und dadurch auch  unsere Gewohnheiten prägen, können sich die Kleider  ebenfalls unser Verhalten beeinflussen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Jocelyn Wildenstein als Werbefrau für Schönheitsoperationen



Das Gesicht ist die Landkarte des Lebens. Aus meiner Sicht verschwinden durch Schöheitsoperationen  die Charakterzüge einer Frau. Aus der Persönlichkeit FRAU wird eine:
- Maske
- Das Gesicht eine Tapete

Jocelyn Wildenstein veranschaulicht bildhaft, was mit dem Operationsmesser,  dem Botoxgift,  dem Ziehen, Strecken, Glätten, Spritzen, Unterlegen, und  mit Plastik alles gemacht werden kann.
Jocelyn Wildenstein ist angeblich begeistert sein von der schrittweisen Verschlimmbesserung. Sonst hätte sie sich nicht immer wieder unters Messer gelegt. Wahrscheinlich hat sie anstatt  den Spiegel  nur noch den Schönheitschirurgen betrachtet.


Einmalig, wie dieses Gesicht "verschönert" wurde:





Kommentar überflüssig! Ein "Kunstwerk" von X tausend Franken. Ist aber alles andere als wertvoll.
Ich küre dafür Jocelyn Wildenstein zur Werbeträgerin aller Schönheitsoperateure.



Herr Pestalozzi
























Der Gedanke zum Tage:



Der Mensch muss sich in der Welt 
selbst forthelfen.

Dies ihn zu lehren ist unsere Aufgabe.



Dieser Leitspruch könnte ein Coach aus der heutigen Welt auf seine Fahne geschrieben haben.
Ein guter Coach will den Menschen helfen, dass sie sich selbst helfen können (Hilfe zur Selbsthilfe). Für uns K+K ist es jedenfalls ein zentrales Anliegen, die Kunden zu befähigen, selbst weiterzukommen. 



Die zitierten Zeilen stammen  weder aus unserer Feder, noch stehen sie in einer Werbebroschüre einer neuen Beraterfirma.
Der Gedanke wurde bereits im 18. Jahrhundert von Johann Heinrich Pestalozzi (1746-1827)  geschrieben.


Fundamentalisten sind gefährlich


Wenn Extremisten versuchen, gesellschaftlichen Meinungsterror auszuüben, gilt es klare Grenzen zu setzen. Wenn demokratische Länder fundamentalistisches Gedankengut - das von Hasspredigern verbreitet wird - eingrenzt, so ist dies kein Verstoss gegen die Meinungsfreiheit.


Ich zitiere 20 Min:



Nach Razzia



Vogel prophezeit Merkel Höllenqualen

Der Islamist Pierre Vogel droht der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, sie werde in der Hölle schmoren: Wenn sie vor dem Tod nicht zum Islam übergetreten sei.

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Islamist Pierre Vogel (links in einem Video-Standbild) glaubt eine Razzia sei durchgeführt worden, «weil man Angst hat, dass wir in Deutschland die Mehrheit gewinnen».
Der radikal-islamische Prediger Pierre Vogel hat die Hausdurchsuchungen in Räumen seines Vereins «Einladung zum Paradies» als «Schande für die Demokratie» bezeichnet. Sein Verein wolle Menschen vom Islam überzeugen. Dies sei mit dem Grundgesetz vereinbar, sagte Vogel in einer am Dienstagnachmittag auf seiner Internetseite verbreiteten Videobotschaft.



«Man hat bei uns eine Razzia gemacht, weil man Angst hat, dass wir in Deutschland die Mehrheit gewinnen und dann über demokratische Wege das Grundgesetz abschaffen und mit der Scharia auswechseln», sagte Vogel. Das Ziel des Vereins beschränke sich jedoch darauf, «Menschen zum Islam einzuladen».
An Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und deutsche Verfassungsschützer richtete Vogel die Botschaft: «Wenn Ihr sterbt und Ihr habt den Islam nicht angenommen, dann werdet Ihr für Ewigkeit in die Hölle gehen und dort Qualen erleiden, die schlimmer sind als alle Qualen die Ihr euch überhaupt vorstellen könnt.»
Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten auf Anordnung des Bundesinnenministeriums seit Dienstagmorgen 23 Privat- und Vereinsräume der Gruppen «Einladung zum Paradies» und «Islamisches Kulturzentrum Bremen» (IKZB) durchsucht. Ziel ist es nach Angaben von Berliner Sicherheitskreisen, die Vereine zu verbieten.
(dapd)

Kommentar: Immer wieder werden nur deshalb Extremisten geduldet, weil man sonst als fremdenfeindlich (islamfeindlich) gilt. Man will nicht alle in den gleichen Topf werfen.
Immer wieder ist zu  hören: Es gibt ja nur sehr wenige militante Fundamentalisten.
Bei Fanatikern genügt es, wenn sich nur EINER auf einem Markt als Selbstmordattentäter in die Luft sprengt. Die Anzahl ist bei Fanatikern nicht so relevant.  Demokratische Länder haben das Recht, Fanatikern, welche die Meinungsfreiheit, die Religionsfreiheit und Pressefreiheit schamlos ausnützen ( um zu missionieren und zu agitieren), rasch einen Riegel zu schieben.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Auch ein Spital muss lernen, mit aggressiven Medien umzugehen


Geschichten von Promis sind wertvoll, so wertvoll, dass gewisse Journalisten mit Hunden verglichen werden können, die einer Beute nachjagen. 

Meine Frau hatte schon früher im Spital Brig erlebt, wie Boulevardfotografen nach einem gravierenden Lawinenunfall illegal in den Bereich der Intensivstation Aufnahmen von Verletzten machen wollten. Der Vorfall liegt zwar schon einige Jahre zurück. Doch schon damals war der Chefarzt genötigt, einzugreifen. Er beförderte die  Bildjäger mit physischer Gewalt aus dem Raum. Heute wissen die Spitäler, dass man den Aufenthalt von Prominenten auch hinsichtlich Medienarbeit vorbereiten muss -  mit aggressiven Journalisten ist zu rechnen.  Medien stehen bekanntlich unter Druck. Jede Agentur will Exklusivbilder. Und aussergewöhnliche Geschichten bringen Einschaltquoten und damit auch Geld. 

Das zeigte sich auch beim "Wetten-dass...?" Opfer Samuel Koch nach der Verlegung in die Schweizer Spezialklinik in Nottwil.



Ich zitiere 20 Min:


Dass deutsche Medien deutlich aggressiver sind als Schweizer, ist bekannt. Wie weit sie aber im Fall Koch gehen, schildert der Klinik-CEO.

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«Es wurden sogar Mitarbeiter bedroht»: Beat Villiger vom Paraplegiker-Zentrums in Nottwil musste nach der Verlegung von Samuel Koch in die Schweiz sogar einen Sicherheitsdienst aufbieten. (Bild: Keystone)

Seit Samuel Koch in der Spezialklinik in Nottwil betreut wird, herrscht dort Ausnahmezustand. Und obwohl dort schon öfter Prominente behandelt wurden - so etwa bekannte Spitzensportler - übersteigt der aktuelle Rummel «alles, was ich bisher erlebt habe», wie CEO Beat Villiger gegenüber 20 Minuten Online sagt.

«Die Intensivstation muss bewacht werden»


Nachdem bekannt wurde, dass Koch nach Nottwil verlegt wird, seien nur wenige Stunden vergangen, bis das erste deutsche TV-Team vor der Klinik aufgefahren sei. «Seither werden es immer mehr», so Villiger. Die Medienarbeit sei sehr anspruchsvoll. Nicht nur klingle das Telefon permanent, es sei die Art und Weise, die für Schweizer Verhältnisse ungewöhnlich sei: «Die deutschen Medien sind aggressiver als die Einheimischen», sagt Villiger. Es seien gar Mitarbeiter bedroht worden.
Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum musste einen Sicherheitsdienst aufbieten. Weil man habe annehmen müssen, dass sich bereits Journalisten in der Klinik aufgehalten hatten, habe man als Erstes Sicherheitsleute rund um die Intensivstation postiert, so Villiger. «Es müssen Mitarbeiter aus dem Haus sein, die die Angestellten kennen. Dies, weil die Gefahr besteht, dass sonst verkleidete Journalisten in die Intensivstation gelangen könnten.»



Drei Mal umgesiedelt

Weiter müsse die Familie von Koch, die zur Zeit ebenfalls in der Schweiz weilt, geschützt werden. «Wir mussten sie bereits dreimal umplatzieren», sagt Villiger. Zum Schluss betont er, dass er der Schweizer Presse ein Kompliment machen müsse: In seiner langen Karriere sei es ganz selten vorgekommen, dass sie ethische Grenzen überschritten hätte.



Ich zitiere Beat Villiger (Dieses Zitat sollten sich alle Mediensprecher von Spitälern hinter die Ohren schreiben):


"Wir kommunizieren nur, was der Patient will"





 Schuster bleib bei deinem Leisten

 

Ob sich Leutenegger bei Giaccobbo mit seinem Auftritt lächerlich gemacht hat, entscheidet das Publikum und nicht der Experte. Die Meinung der befragten Zuschauer (nach meiner Umfrage) ist eindeutig: Leutenegger hat sich lächerlich gemacht, nicht nur beim Singen.

Ich zitiere 20 Min:

 

Bei «Giacobbo/Müller» gab FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger den Gassenhauer «O sole mio» zum Besten. Sein Gesang entzückt  «MusicStar»-Jurorin Noëmi Nadelmann.

Giacobbo / Müller vom 12.12.2010


Leutenegger bei «Giacobbo/Müller»



Als Gast bei «Giacobbo/Müller» wartete Leutenegger mit einer dicken Überraschung auf: Begleitet von Trompetenklängen von Frölein Da Capo schmetterte der FDP-Nationalrat mit inbrünstiger Stimme den italienischen Klassiker «O sole mio». Giacobbo war sichtlich angetan vom Gesangstalent seines Gastes: «Du hast wunderbar gesungen.» Gegenüber 20 Minuten zeigt sich auch Opernsängerin Noëmi Nadelmann begeistert: «Der Auftritt hat mich positiv überrascht. Der erste Ton war noch etwas zu tief, danach ist er immer besser in Fahrt gekommen. Dieser Mann hat eine Stimme!», so die «MusicStar»-Jurorin. «Ich würde 8 von 10 Punkten geben.»


Nüchterner ist Politologe Georg Lutz: «Er wollte sich volksnah geben. Ich glaube aber nicht, dass dies sein Wahlresultat verbessern wird.» Immerhin befinde sich Leutenegger in guter Gesellschaft: «Auch so ‹grosse› Staatsmänner wie Berlusconi und Putin haben schon am TV gesungen.»



Kein Gefallen am Auftritt des Ex-«Arena»-Moderators findet hingegen Kommunikations-Experte Marcus Knill:


«Ich weiss nicht, weshalb er sich als Medienprofi bei Giacobbo so lächerlich macht. Das war schlicht unbegreiflich.»


Leutenegger selbst sagt, er habe viele positive Reaktionen bekommen: «Ich wollte mich sicher nicht bei Wählern anbiedern, sondern meine Lebensfreude ausdrücken.»


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Wenn das Selbstdarstellungsbedürfnis  Medienprofis zu fragwürdigen Auftritten treibt







Es gibt genügend Beispiele von Promis und Politiker, die unter dem Virus Mediengeilheit keine Grenze mehr ziehen zwischen Privatheit und Oeffentlichkeit. 



Die Verlockung ist für viele zu gross, wenn die Boulevardmedien das Privatleben ausleuchten wollen. Vielen fällt es dann schwer, NEIN zu sagen. Ich habe Sportler und Fernsehjournalisten kennen gelernt, die sich bei der Illustrierten und Magazinen  recht unbeliebt gemacht haben, weil sie    zwischen Job und Privatleben einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Als Berater hatte ich Einblick in  Briefe von Redaktionen die  den Verweigerern von Homestorys   unter Druck gebracht haben- sogar mit Drohungen. "Wenn Sie nicht willig sind, dann.....". Doch jene Profis, die gelernt hatten, Privates nicht ins Schaufenster zu stellen sind dank ihrer Standfestigkeit langfristig sehr gut gefahren. Es lohnt sich deshalb, den Verlockungen der Regenbogenpresse zu widerstehen, obwohl Politiker und Prominente auf Publizität angewiesen sind.



Ich kenne die Versuchungen der Medienpräsenz und das Phänomen: "Nur wenn ich in den Medien komme, bin ich jemand". Kurt Felix sagte sogar einmal treffend: "Früher wollten die Leute in den Himmel, heute ins Fernsehen." Kamerateams im Bundeshaus bestätigen mir, dass es immer wieder Politiker gibt, die sich bewusst hinter der Kamera positionieren, nur damit sie am Bildschirm gesehen werden. Mediensüchtige Politiker, die  vom Fernsehen geschnitten werden, spüren gleichsam Phantomschmerzen, so wie ein Körper, dem ein Bein amputiert worden ist. 




Es gibt eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die so stark vom Virus "Mediengeilheit" befallen sind, dass sie zu allem bereit sind, nur  um den Kopf im Bildschirm zeigen zu können (Wir sehen sie dann mitunter an in einer Medizinsendung , wo sie  ihre Kampfadern  zeigen dürfen.  Hauptsache ist: Man sieht die Person im Fernsehen).


Beispielsweise war für mich unbegreiflich , dass sich die  Medienprofis Katia Stauber und Florian Inhauser in der "Schweizer "Illustrierten" Nr. 49 / 2010 bereit erklärt hatten, eine höchst private Angelegenheit - eine Krankengeschichte mit  persönlichen Details publizieren zu lassen.
Für mich ist so etwas  unverständlich.


Auch der Auftritt von Filippo Leutenegger bei Giaccobbo und Müller  (am 12. Dezember) ist mir unbegreiflich. Wenn  sich ein so erfahrener Politiker und Medienprofi dazu hinreissen lässt,  vor dem Publikum "O Sole Mio" zu singen, so ist dies nicht mutig, sondern höchstens peinlich. Leutenegger   wusste ganz genau, auf was er sich einlässt. Er kannte das Konzept der Kollegen bestens und wusste, dass man in diesem Sendegefäss keine ernsthaft Diskussion führen kann und sich auf Glatteis bewegt. Sicherlich hat sich Medienprofi Leutenegger vor dem Auftritt etwas dabei überlegt.



Beispielsweise:
Ich kann mich bei dieser Unterhaltungssendung beliebt  machen!
Medienauftritte sind  immer eine Chance!
Die Mutprobe "Ein Lied zu singen" könnte mir politisch nützen und mir zusätzliche Stimmen bringen!
Mein Bekanntheitsgrad steigt - auch wenn ich versage!
Wenn ich eine Minute lang singe, so können mich Giaccobbo oder Müller während dieser Zeit   nicht "in die Pfanne hauen"!
usw.


Solche Auftritte von Politikeren (z.B. von Calmy-Rey, Belusconi und Putin, die sich alle als  Sänger exponiert hatten) stelle ich grundsätzlich in Frage.


Wenn  Filippo Leutenegger im privatem Rahmen an einem Party, in einer famliliären Runde oder  in der Badewanne "O Solo Mio"  singt, so ist nichts einzuwenden. Aber nicht vor einem Millionenpublikum.


Es sind nicht Experten, die zu beurteilen haben, ob so ein Auftritt  peinlich ist. Ausschlaggebend ist das Urteil des Publikums. Meine  Umfragen beim Auftritt Filippo Leuteneggers kam beim  grössten Teil der Zuschauer und Journalisten - die ich kontaktiert habe - schlecht weg:


Leutenegger habe einige Töne nicht richtig intoniert, d.h. Es habe oft falsch geklungen. Gestört hat viele die gepresste Stimme. Fazit: Wenn ein Politiker das Unprofessionelle zelebriere, so schade er sich selbst und seinem Ruf.


Der Spruch "Schuster bleib bei deinem Leisten" gilt auch für Medienprofis.
Den Zuschauern ist sogar aufgefallen, dass Filippo Leutenegger immer wieder  mit der linken Hand in die linke Jackentasche gegriffen hatte, so, als suche er etwas.
Ich habe mir den Auftritt nochmals visioniert. Tatsächlich griff Leutenegger 17 Mal in seine linke Jackentasche - ohne Grund. Es sah so aus, als suche er etwas Wichtiges, das er am Schluss den Gesprächspartnern überreichen möchte. Das war aber nicht der Fall. Aus meiner Sicht war die Griffmarotte ein pures Verlegenheitsverhalten bei heiklen Fragen. Dieses Detail und die Fingersprache machten mir bewusst, dass das Duo Giaccobbo/Müller den ehemaligen Dompteur in der ARENA  destabilisieren konnte.





FAZIT:


 
Prominente Persönlichkeiten sind gut beraten, wenn sie ihre Privatsphäre  von der öffentlichen Neugier schützen.



 Wer sich  den Privatbereich der Klatschpresse preisgibt, hat es zwar am Anfang  einfacher. Die Geschichten werden geschätzt.   Doch langfristig ist das "mediengeile" Verhalten  kontraproduktiv. Man kann später nicht mehr zurück.


 
Was können wir daraus lernen?


 Wir haben es selbst in der Hand, die Trennungslinie zwischen Privatheit und Oeffentlichkeit zu ziehen. Viele Medienopfer sind selbstverschuldet Opfer geworden, weil sie "das Nein sagen" nicht gelernt haben.



Jede Person kann selbst entscheiden, wie weit Sie gehen möchte mit dem Offenlegen Ihrer Privatsphäre in den Medien.
Aus meiner Erfahrung hat sich Zurückhaltung  immer bewährt.
Beim Preisgeben privater Informationen ist es, wie beim Ausdrücken einer Zahnpastatube: Es ist einfach, die Tube auszupressen. Doch ist es nachher kaum mehr möglich, den ausgedrückten Inhalt  in die Tube zurückzubringen.