Zum Rücktritt zwingen kann sie zwar niemand. Nun werden jedoch erste
Stimmen laut, die Calmy-Rey nahelegen, ihre Karriere im Bundesrat
spätestens in einem Jahr zu beenden. «Wenn Frau Calmy-Rey die heutige
Botschaft nicht verstanden hat, kann ich ihr auch nicht helfen», sagt
FDP-Präsident Fulvio Pelli zu 20 Minuten Online.
Die Grünen stellen sich auf den Standpunkt, dass bei
Gesamterneuerungswahlen nur antreten soll, wer sich vornimmt, die ganze
vierjährige Legislatur im Amt zu bleiben. Eine Motion des Genfer
Ständerats der Grünen, Robert Cramer, die Bundesratsrücktritte während
der Legislatur unterbinden wollte, ist hängig.
Calmy- Rey- Wahlschlappe Schlechtestes Ergebnis aller Zeiten!
Was
für eine Ohrfeige: Nur 106 Stimmen erhält Micheline Calmy-Rey bei der
Wahl zur Bundespräsidentin. Damit hat sie den historischen Minus-Rekord
von anno 1920 gebrochen. Das Protokoll der Wahl-Schlappe.
Fazit: ist dies Stärke, Selbstbewusstsein oder Uneinsichtigkeit? Micheline Calmy-Rey ignorierte die Wahlschlappe und zeigte sich unbeeindruckt. Bewusstes Verdrängen der historische Schlappe oder haben jene persönlichen Mitarbeiter in Genf recht, die Micheline Calmy-Rey als CRUELLA bezeichnet hatten (In Anlehnung an "Die Böse" in einem Trickfilm).
Micheline Calmy-Rey machte mit Ihrer Reaktion über das historisch miserable Wahlergebnis deutlich, dass sie sich über die Meinung anderer keinen Deut kümmert.
Sie tut so, als habe sie nichts falsch gemacht.
Stimmt mit ihrem Verhalten im vergifteten Kommunikationsklima des Bundesrates überein.
Kann eine Sololäuferin zu einer Prima Interpares mutieren?
Jeder erfahrene Coach weiss, dass es gewisse Persönlichkeitsstrukturen gibt, die nicht geändert werden können. Bei Micheline Calmy-Rey darf angenommen werden, dass sie nicht bereit ist, aus alten Fehlern zu lernen.
Tagi online schildert am 9. Dez., weshalb die Bundesrätin auf so viel Abneigung stösst. Man kann die schlechte Wahl nicht nur mit der Begründung abtun, es sei nur ein unwürdiges Spiel des Parlamentes gewesen.
Ich zitiere die Gedanken zur berühmten Egomanin, der jegliche Selbstkritik abgeht:
«Ich, ich, ich»
Niemand behauptet, die zwei Schweizer
Geiseln wären auch nur einen Tag früher zu Hause gewesen, hätten sich
Micheline Calmy-Rey und Hans-Rudolf Merz anders verhalten. Aber der
letzte Woche publizierte Libyen-Bericht der Geschäftsprüfer hat den Zorn
darüber neu entfacht, was ein Parlamentarier als
«Hyperkommunikation»
bezeichnet: «Ich, ich, ich», laute die Politik der Aussenministerin und
sie lebe diese in Interviews, Auftritten und Indiskretionen hemmungslos
aus. Die Schuld den Bundesratskollegen zuschieben und sich selber als
tadellos darstellen – so sehen viele Calmy-Reys Rolle in der
Libyen-Affäre. Dafür hat sie gestern gebüsst.
Den
Vorwurf der
«Ego-Politik» wird Calmy-Rey nicht mehr los. Zu oft hat sie ihn selber
genährt. Enthusiastisch griff sie die Idee für eine «Genfer Initiative»
auf, ein origineller Vermittlungsvorschlag im Nahostkonflikt. So kam sie
in die internationalen Schlagzeilen, doch schon ein Jahr später war dem
Vater der Initiative nicht mehr klar, wie stark der Schweizer
Aussenministerin das Vorhaben noch am Herzen lag. Feurig eignete sich
Calmy-Rey auch Kofi Annans Vorschlag an, in Genf ein internationales
humanitäres Forum aufzubauen. Nach drei Jahren ging dem Projekt die Luft
aus – auch deshalb, weil es mit anderen Länder zu wenig abgesprochen
und von der Schweiz zu wenig nachhaltig finanziert war, wie Kenner
sagen.
Mangelnde Selbstkritik
Von Calmy-Rey aber wird
man nie hören, sie habe sich geirrt. Dass sie den Bundesrat nicht über
die Pläne zur Befreiung der Geiseln in Tripolis orientiert hatte,
verteidigte sie durch alle Böden hindurch – und
hinterliess mit dieser
Rechthaberei fassungslose Bundesratskollegen.
Um einen guten Draht
zu den Parlamentariern kümmert sich Calmy-Rey nicht, ihre Mitarbeiter
behandelt sie manchmal respektlos. Das erinnert an Pascal Couchepin.
Auch er ging
forsch voran, ohne seriös alle Details zu bedenken, sprang
mit Untergebenen ruppig um und neigte zum grossen Auftritt, dem wenig
folgte. Aber man nahm es ihm weniger übel als Calmy-Rey. Couchepin
wirkte sympathisch nonchalant; bei ihm spürten viele Parlamentarier
trotz allem etwas Herzhaftes. Calmy-Rey dagegen erleben sie als
verbissen und kalt.
Fin de règne – läuft die Amtszeit ab, sinkt
die Nachsicht. Das erlebte Couchepin. Auch Calmy-Rey muss sich in ihrem
zweiten Präsidialjahr darauf einstellen.
Micheline Calmy-Reys Höhen und Tiefen
FAZIT:
Heute sind Selbstkritikfähigkeit und Teamfähigkeit zwei Schlüsselkompetenzen, die bei Führungspersönlichkeiten nicht unterentwickelt bleiben dürfen. Deshalb sehe ich für die uneinsichtige Bundesrätin schwarz. Mit Selbstschutzbehauptungen versucht sie sich über Wasser zuhalten.
Die künftige Bundespräsidentin müsste jedoch nach dem heutigen Ergebnis irgendwann einmal
die Konsequenzen ziehen. Alle warten darauf. Im geltenden
Regierungssystem hatten leider zu viele Mitglieder nur noch die
eigenen Erfolge im Blickfeld. Calmy-Rey verkörperte seit Jahren
dieses Systems.
Kollegialsystem schwindet!
Die SP müsste nach der historischen Schlappe endlich
zugeben, dass das Problem nicht nur bei den bürgerlichen Parteien liegen kann, wenn es mit dem Kollegialsystem im Bundesrat so schlecht bestellt ist. die Partei müsste wissen, dass Michelin Calmy-Rey wesentlich zu dieser Misere beigetragen hat.
Nachtrag:
Der Tagesanzeiger erinnert an das eigenmächtige Verhalten der Aussenministerin mit ihren Verhandlungen im Iran, als sie gegen die Sanktionspolitik Verträge abschloss:
Micheline Calmy-Rey hat sich ab 2006 für eine aktive
Vermittlungspolitik der Schweiz im Konflikt um das iranische
Atomprogramm eingesetzt. Für die USA war dies laut Wikileaks überaus
lästig.
Das Bild ging um die Welt: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey trägt bei einer Pressekonferenz im März 2008 ein Kopftuch.
Bild: Keystone