Sonntag, 15. August 2010

Kein Totentanz wie in Deutschland - nur Verletzte

Ich zitiere Tagi

Street Parade: Lebloser Mann im Arboretum reanimiert

Bis am Sonntagmorgen behandelten die Sanitäter an der Street Parade 444 Personen – viele wegen Alkohol und Drogen. Drei Männer erlitten schwere Kopfverletzungen, ein Mann musste reanimiert werden.

1/8 Drei Männer wurden mit Schädel-Hirn-Traumata in die Sanitätsposten eingeliefert, ein Mann wurde leblos im Arboretum entdeckt und musste reanimiert werden. Markus Heinzer

Raver hinterlassen rund 60 Tonnen Abfall

Am Sonntag um 11 Uhr war die Stadt bereits wieder sauber gefegt. 120 Mitarbeiter von Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) sammelten am frühen Morgen in der Innenstadt 29 Tonnen Abfall ein und säuberten die Strassen mit 260'000 Litern Wasser von Dreck und Gerüchen. Entlang der Route sind die Veranstalter für die Reinigung zuständig – dort kommt erfahrungsgemäss etwa gleich Abfall zusammen, wie ERZ-Sprecherin Leta Filli gegenüber Tagesanzeiger.ch sagt. Insgesamt dürften die Raver gestern und in der Nacht auf heute Sonntag also rund 60 Tonnen Abfall entsorgt haben – durchschnittlich knapp 100 Gramm pro Person. Das sind rund 20 Tonnen Abfall weniger als im Vorjahr, schätzt Filli. Grund dafür dürften die gesunkenen Besucherzahlen und das schlechte Wetter sein. (fsc)

An der diesjährigen Street Parade erlitten drei Personen erhebliche Kopfverletzungen – in zwei Fällen waren die Betroffenen in tätliche Auseinandersetzungen verwickelt. Gleich nach dem Beginn der Parade wurde ein 31-jähriger Deutscher beim Opernhaus niedergeschlagen, zwei Stunden später gerieten zwei Gruppen junger Männer aneinander. Ein 19-jähriger Schweizer wurde durch einen Faustschlag verletzt und musste mit Kopfverletzungen ins Spital.

Ein weiterer Mann zog sich bei einem Sturz Kopfverletzung zu, wie Urs Eberle, Sprecher von Schutz und Rettung gegenüber Tagesanzeiger.ch sagt. Nach ersten Angaben sei er von einem Lovemobile gestürzt. Diese Angaben können am Sonntagmorgen von der Stadtpolizei nicht bestätigt werden. Schliesslich entdeckten Passanten gegen 21 Uhr in der Nähe der Rentenanstalt einen leblosen Mann. Dieser wurde reanimiert und zur weiteren Pflege ins Spital gebracht, wie Eberle weiter sagt. Die Ursache für den Kollaps ist noch nicht bekannt. Er wies jedoch keine äusseren Verletzungen auf. Alter und Nationalität des Mannes gibt Schutz und Rettung nicht bekannt.

700 falsche Ecstasy beschlagnahmt

Ein Sicherheitsangestellter wurde von einem Love Mobile angefahren und dabei leicht verletzt. Im Hauptbahnhof stürzte ein Besucher vom Perron unter einen stehenden Zug und zog sich leichte Verletzungen zu. Insgesamt suchten bis heute Sonntagmorgen 444 Personen die Sanitätsposten auf. Die Sanitäter mussten 248 Personen wegen übermässigem Alkohol- und Drogenkonsum behandeln, 34 waren jünger als 16-jährig. 93 mussten ihren Rausch in einer Patientensammelstelle ausschlafen. 53 Patienten mussten ins Spital eingeliefert werden. Die restlichen Behandlungen betrafen vorwiegend leichte Prellungen, Stauchungen oder Schnittverletzungen.

Die Stadtpolizei verhaftete am Samstag und in der Nacht auf heute Sonntag insgesamt 23 Personen. Der jüngste Verhaftete war 17 Jahre alt, der älteste 37. Gründe für die Festnahmen waren: Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung, Taschendiebstahl und Widerhandlung gegen das Ausländergesetz. Die Stadtpolizei beschlagnahmte zahlreiche Drogen. Darunter 400 Gramm GHB/GBL, 700 unbestimmte Tabletten, die als Ecstasy verkauft wurden. Die Zusammensetzung der Tabletten ist nicht bestimmt. Häufig enthalten solche Tabletten jedoch gar keine berauschenden Wirkstoffe. Die Händler müssen trotzdem mit einer happigen Strafe rechnen: «Sie können wegen Drogenhandel und wegen Betrug zur Verantwortung gezogen werden», sagt Michael Wirz, Sprecher der Stadtpolizei Zürich.

Trotz dieser negativen Bilanz waren die Organisatoren zufrieden. Immerhin gab es keine Toten. Verletzte, Drogenkonsum müssen an so einer Grossveranstaltung immer in Kauf genommen werden.

Für die Veranstalter war nach 20 Min jedenfalls die Street Parade «ein voller Erfolg».

Freitag, 13. August 2010

Qualität der Medien

Die jüngste wissenschaftliche Standortbestimmung macht bewusst:

Einfalt verdrängt Vielfalt!

Medien

Landbote:

Belasten schlechte Medien die Demokratie?

Onlineportale und Gratisblätter zerstören die Qualität der Schweizer Medien - zu diesem Befund kommt eine Studie von Wissenschaftern um den Zürcher Soziologen Kurt Imhof. Darunter leide die Demokratie. Während Polanski und Hirschmann die Spalten füllten, gerieten internationale Probleme aus dem Blickfeld.

  • Laut einer Studie nimmt die Medienqualität ab (Symbolbild)

"Die publizistische Tradition in der Schweiz steckt in einer tiefen Krise", sagte Co-Autor Kurt Imhof am Freitag vor den Medien in Bern. Die Studie, die als Jahrbuch mit dem Titel "Qualität der Medien - Schweiz, Suisse, Svizzera" erschien, geht denn mit der Schweizer Medienlandschaft auch hart ins Gericht.

Die wachsende Gratiskultur mit Onlineportalen und Gratiszeitungen führe zusammen mit dem Spardruck zu einer "Erosion der Qualität". Da diese auch kostenpflichtige Titel und Sender betreffe, leide die Demokratie, folgern die Wissenschafter.

Statt ausgewogen über politische Debatten zu berichten und Ereignisse einzuordnen, würden die Informationsmedien zunehmend auf Einzelereignisse fokussieren, Konflikte personalisieren und moralisch-emotional berichten.

Co-Autor Mark Eisenegger bemängelte unter anderem, dass in den letzten Monaten wenige Topthemen aus dem Softbereich wie der Hausarrest von Regisseur Roman Polanski oder das Privatleben des Zürcher Clubbesitzers Carl Hirschmann die Medien beherrschten. "Auf der anderen Seite geraten internationale Probleme immer mehr aus dem Blickfeld", sagte Eisenegger.

Wirtschaftsmedien: Krise viel zu spät erkannt

Die Kritik richtet sich auch an die Wirtschaftsjournalisten. Den Autoren zufolge haben sie die Finanzmarktkrise viel zu spät erkannt. "Ihre seismographische Funktion hat versagt", so Eisenegger. Zudem sei die globale Wirtschaftskrise auf eine UBS-Krise reduziert worden, was einen grossen Teil des Themas ausblende.

Qualitätszerfall der Medien?

Prof. Dr. Kurt Imhof publizierte ein aufschlussreiches Jahrbuch über die Qualität der Medien

Das Anliegen, eine Plattform für eine empirisch unterlegte Qualitätsdebatte zu führen, kann rhetorik.ch gut nachvollziehen, zumal wir in unseren punktuellen Analysen ebenfalls erkannt haben, dass sich eine wirtschaftliche Krise bei den Informationsmedien abzeichnet und sich der Trend zu inhaltsarmen Softnews laufend verstärkt.

Eine Forschergruppe um Kurt Imhof zieht im jüngsten umfangreichen Jahrbuch 2010 "Qualität der Medien" eine recht kritische Bilanz zur Schweizer Medienlandschaft. Diese Gruppe sieht die nachhaltige Information über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefährdet, was negative Auswirkungen auf das demokratische Gemeinwesen habe.

Die Befürchtung, es gehe puncto Qualität der journalistischen Angebote nur in eine Richtung, nämlich bergab, wird wissenschaftlich erhärtet. Das umfassendes Datenmaterial, das mir Kurt Imhof ebenfalls zugestellt hatte, verschafft einen Überblick über die Schweizer Medienlandschaft. Die düsteren Perspektiven werden im neuen Jahrbuch wissenschaftlich begründet.

Den Forschern geht es um eine politische, inhaltliche Frage: Unterrichten die Schweizer Medien die Bevölkerung so, dass die Bürger wohl informiert an den demokratischen Prozessen teilnehmen können? Folgende Tendenzen werden herausgeschält:

(Zitat NZZ online)

* In allen Mediengattungen wächst das Angebot an Klatsch bzw. an so genannten Softnews, welche die klassischen publizistischen Kernthemen Politik, Wirtschaft und Kultur zurückdrängen.

* Die Nachhaltigkeit der Berichterstattung lässt nach. Episodische, auf Personen, Konflikte und Katastrophen zugespitzte Informationen nehmen zu.

* Obwohl die Welt zusammenwächst, schotten sich die Medien ab, indem sie die Auslandberichterstattung stark abbauten. «Die grossartige Tradition der schweizerischen Auslandberichterstattung bricht ein», notiert das Jahrbuch.

* Die Wirtschaftsinformation bleibt mangelhaft.

* Der Erfolg der Gratiszeitungen und die Gratisangebote im Internet senkten unter den Konsumenten das Bewusstsein dafür, dass Informationsqualität etwas kostet.

* Die Einbruch bei den Werbeeinnahmen erschwert die Finanzierung der redaktionellen Leistungen.

* Die Bedeutung derjenigen Medientitel, die wenig zur Informationsqualität beitragen, wird weiter wachsen.

* Der recherchierende, einordnende Journalismus gerät weiter unter Druck.

* Auch die Presse orientiert sich vermehrt an den Unterhaltungsbedürfnissen der Medienkonsumenten «statt an Informationsbedürfnissen der Staatsbürger». Diese Trends gefährden nach Ansicht von Imhof das Funktionieren der Demokratie in der Schweiz.

Mit seinen Forschungsdaten will er nun die Diskussion über Aufgabe und Qualität der Medien fördern. Der von ihm geleitete Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich hat die Ergebnisse in einem 370-seitigen Jahrbuch zusammengefasst, das Informationen enthält zu Besitzverhältnissen, Bilanzen, Publikumsverhalten und politischen Rahmenbedingungen sowie Analysen der Themen- und Informationsakzente, welche die verschiedenen Medientitel setzen. Die Daten werden künftig laufend im Internet aktualisiert (www.qualitaet-der-medien.ch ). Gedruckte Jahresbilanzen sollen auch in den kommenden Jahren erscheinen.

Ende Zitat NZZ

Es ist unbestritten: In publizistischen Hinsicht verlieren in der Medienlandschaft Schweiz zentralen Abonnementszeitungen deutlich an Terrain. Die redaktionellen Ressourcen schwinden. Die Gratiskultur hat mit den Onlinemedien und den Pendlerzeitungen das Kostenbewusstsein für professionellen Journalismus zerstört. Dies hat zwangsläufig Folgen für die Qualität der Informationsmedien und fördert den Konzentrationsprozess. Das Berufsprestige der Journalisten schwindet. Durch diese Entwicklungen wird der wichtigste Service Public in der Demokratie geschwächt, zumal die Qualität der demokratischen Auseinandersetzung von den Vermittlungsleistungen der Informationsmedien abhängig ist.

Ferner ist unbestritten: Die publizistische Versorgung durch qualitätsschwache Gratismedien Online wie Offline hat ständig zugenommen. Die Kaufpresse steckt somit in einer grundsätzlichen Finanzierungskrise. Es ist vorhersehbar, dass die Gratiszeitungen und Onlinemedien im Vergleich zur Abonnementspresse und den öffentlichem elektronischen Medien weiter wachsen. Vor allem jüngere Altersgruppen zwischen 15 und 34 wurden bereits in einer Gratiskultur sozialisiert. In einer Kultur, in der das Episodische und der Human Interest das grösste Gewicht hat. Dies gilt auch für die Online-Newssites, die von der Reputation der Medientitel leben, aber den journalistischen Qualitätsanforderungen nicht genügen können. Es fehlt an den notwendigen Ressourcen.

Aus Internet: www.presseportal.ch

Kommentar:

Wir können davon ausgehen, das das Rad der Zeit nicht mehr zurückgedreht werden kann. Der Vormarsch des Gratisangebotes wird ungebremst weitergehen. Es müsste aus meiner Sicht eine Art Qualitätskontrolle geschaffen werden. Es mangelt an einer neutralen Institution, die nach vorgegebenen Kriterien feststellt, wer qualitativ gut informiert.

Wie wäre es, wenn regelmässig Preise verliehen würden für vorbildliche journalistische Arbeit?

Alle Institutionen, die Medien analysieren - wir zählen uns auch dazu- sollten sich zu einem Netzwerk zusammenschliessen.

Die Medienkompetenz müsste unbedingt in den Schulen vermehrt gefördert werden.

Es könnte sicherlich eine Lösung gefunden werden, damit die Autoren von Onlineportalen wie im Musikmarkt (dort gibt es eine SUISA) aus einem Topf entschädigt werden können. Dies setzt voraus, dass alle Bezüge mit ganz kleinen Beiträgen belastet würden.

Nach meinem Dafürhalten schadet es nichts, wenn Information und Unterhaltung weniger getrennt wird.

Im Zusammenhang mit der Qualitätsverbesserung der Medien müsste hingegen der alte Grundsatz künftig konsequenter gelebt werden: Kommentar und Information ist sauber zu trennen. In dieser Hinsicht wird leider zu oft gesündigt.

Kritiker des Jahrbuches weisen darauf hin, dass die Journalisten heute viel besser ausgebildet werden und ihr Marktwert deutlich gestiegen sei.

Es wird zudem bestritten, dass Gratiszeitungen die Demokratie belasten.

Persönlich vertrete ich die Meinung, dass im Zeitalter des Gratisangebotes immerhin mehr gelesen wird als früher.

Nach meinen Beobachtungen hat das Bedürfnis nach vertiefenden Angeboten trotz des Einheitsbreies enorm zugenommen.

Ferner bin ich überzeugt, dass sich im Internetzeitalter jedermann vertiefende Informationen selbst leicht beschaffen kann. Wer will, hat qualitativ hochstehende Beiträge schnell verfügbar.

Nachdem ich in meinem Beruf täglich das Online Angebot durchkämmen muss, teile ich die Erkenntnis der Autoren, dass der Einheitsbrei dominiert. Die Einfalt verdrängte die Vielfalt.

Das mahnende Jahrbuch ist ein wertvoller Ansporn, die Qualität der Medien künftig zu optimieren.

Wie kann der Bundesrat wieder stabilisiert werden?

Urs Altermann sieht Lösungsansätze:

Im Nachhinein erweist sich die Abwahl von Ruth Metzler immer deutlicher als historische Zäsur. In der Periode der Zauberformel von 1959 bis 2003 bemühten sich Bundesrat und Parteistrategen um geordnete Rücktritte.

Zur Stärke des schweizerischen Regierungssystems gehörte die Stabilität und Kontinuität des Bundesrates. Das hat sich seit den 90er-Jahren geändert. Die vier vorzeitigen Rücktritte während der laufenden Legislatur (Samuel Schmid 2008, Pascal Couchepin 2009, Moritz Leuenberger und Hans-Rudolf Merz 2010) verstärken den Eindruck einer labilen Landesregierung, die an italienische und französische Regierungsverhältnisse früherer Jahre erinnert und nicht dem Geist des auf Dauerhaftigkeit angelegten schweizerischen politischen Systems entspricht.

Machiavellistisch inspiriert

Grotesk wird diese Fragilität der Landesregierung, wenn Bundesräte zum Vornherein auf Probe, das heisst auf ein oder zwei Jahre gewählt würden. Vor kurzem erklärte der freisinnige Parteipräsident Fulvio Pelli, dass die FDP ihren zweiten Bundesratssitz abgebe, falls sie in den Nationalratswahlen von 2011 von der CVP überholt werde. Diese Aussage kann nur als machiavellistisch inspirierte Beruhigungspille eines Parteitaktikers angesehen werden, um den umstrittenen zweiten Sitz seiner FDP zu retten.

In der neueren Geschichte ist noch kein Bundesrat nach ein- oder zweijähriger Amtsdauer nur wegen kleiner Prozentverschiebungen in den Nationalratswahlen zurückgetreten oder abgewählt worden. Soll nun der Tabubruch von 2003 zur Regel werden und die personelle Stabilität des Bundesrates permanent in Frage stellen? Die Kollegialitätsregierung lebt vom gegenseitigen Vertrauen und Teamwork ihrer Mitglieder, die sich im Laufe der Zeit herausbilden. Bundesräte mit Probezeit drohen eine vielgerühmte Eigenart unserer Regierungsform zu schwächen.

Merz-Sitz an die CVP

Es scheint, dass nach Meinung der Parteistrategen der arithmetische Proporz die grundlegende Maxime der Zukunft ist. Dann müssen vorher Regeln festgelegt werden, denn nur solche ermöglichen eine faire und nachvollziehbare Regierungsbildung. Es stellen sich folgende Fragen:

1. Darf ein aus der Partei ausgestossenes Mitglied auch nach einer ordentlichen Wahlperiode zur früheren Partei gezählt werden? Naheliegende Antwort: wohl kaum.

2. Welches ist das Kriterium für die Zuteilung der Sitze? Die Mandate in der Vereinigten Bundesversammlung oder die Wahlprozente bei den Nationalratswahlen?

Berechnet man die Wahlprozente, beanspruchen auch die Grünen einen Sitz. Berücksichtigt man die Fraktionsmandate, hat die gemeinsame Fraktion der CVP/EVP/GLP mehr Sitze als die FDP/Liberalen. Auch wenn für die Öffentlichkeit die Wahlprozente einsichtiger sind, findet die eigentliche Wahl in der Bundesversammlung statt.

Eine neue Allianz

Gegenwärtig steht das Regierungssystem in einer seit 2003 dauernden Übergangsphase. Am Ende müssen wir eine neue Regierungsformel finden, die zu einer gewissen Stabilität führt. Ein Problem lässt sich mit politischem Willen und konkordantem Geist schon jetzt – 2010 – lösen. Will man die aktuelle Pattsituation innerhalb der bestehenden Ordnung lösen, gibt es für die sich konkurrenzierenden Mitteparteien eine Variante, die der Konkordanz entspricht: Der umstrittene dritte Sitz der Mitte soll zwischen der FDP und der CVP rotieren.

Vor Wochen sprachen die Parteiexponenten dieser Parteien von einer neuen Allianz. Diese könnten sie nun – so mein Vorschlag – gemeinsam zum ersten Mal praktizieren. Nachdem die FDP den Sitz von Pascal Couchepin mit Didier Burkhalter knapp halten konnte, legt das vorgeschlagene Rotationssystem nahe, den Merz-Sitz der CVP/EVP/ GLP-Fraktion zu überlassen.

Bis 2011 könnte das Parlament im Rahmen der angesagten Regierungsreformen den Bundesrat auf neun Mitglieder erhöhen und so den Grünen einen Sitz ermöglichen. Ein weiterer Sitz ginge an die SVP. Und über den Sitz von Eveline Widmer-Schlumpf könnten die Parteien 2011 streiten, damit der Schweizer Öffentlichkeit die Lust an der Politik nicht vergeht. Und ein Weiteres wäre erreicht: Die von allen Seiten beschworene Konkordanz überlebt bis zur nächsten Krise – zum Beispiel mit einem Übertritt der Bündner Bundesrätin zur FDP.

* Urs Altermatt, Historiker und Publizist, war bis 2010 Professor für Zeitgeschichte an der Universität Freiburg. (Tages-Anzeiger)

In Kolumbien Springaffenart entdeckt

Elternmisshandlungen - ein Tabu?

Oder: Die Kehrseite der grenzenlosen Erziehung

Foto: brandXpictures

Kindsmisshandlungen haben Folgen. Es gibt ein Gewaltschutzgesetz. Werden jedoch Eltern von Kindern geprügelt, geschieht nichts. Hier besteht eine Gesetzeslücke. Kinder können nicht weggewiesen werden, wenn sie Eltern misshandeln. Nach einem Bericht im Tagesanzeiger hat die Zahl der Meldungen über Jugendliche, die ihre Eltern schlagen, mit Faustschlägen traktieren oder die ihnen Gegenstände nachwerfen, stark zugenommen. Dies nach Angabe des Elternnotrufes. Vor allem alleinerziehende Mütter und Frauen sind betroffen.

Das Phänomen der Elternmisshandlung scheint ein weiterer Beleg zu sein für den viel beklagten Zerfall der Familie. Interessanterweise werden nicht in erster Linie jene Eltern geschlagen, die selber ihre Kinder geschlagen haben.

Es sind vorwiegend jene Eltern, die keine Grenzen setzen und keine Forderungen stellen.

Nach meinen Erfahrungen kann eine erspriessliche Erziehung nur gelingen, wenn BEIDES gegeben ist:

- das konsequente Durchsetzen von verlässlichen Regeln

- und der Aufbau von Beziehungen

Beziehungen können bekanntlich nicht aufgebaut werden, wenn die Bezugspersonen nicht präsent sind.

Müssten nicht die Weichen neu gestellt werden zu Hause und in der Schule?

Weg von Beliebigkeit und stetem Wechsel hin zur Konstanz von Bezugspersonen.

Uebrigens: Alle haben ein Recht auf Unversehrtheit: Männer und Frauen. Eltern und Kinder. Es darf weder Kindsmisshandlung noch Eltern - oder Lehrermisshandlung geben!

Donnerstag, 12. August 2010

Regula Späni wird nun am Bildschirm nicht mehr präsent sein. Ich werde dennoch gerne mir ihr weiter zusammenarbeiten

Jahrelang habe ich mit Regula zusammen Spitzensportler gecoacht. Mit Erfolg. Es war immer eine harmonische Zusammenarbeit, zumal sich Regula Späni nicht nur stets gut vorbereitete und ein fachlich fundiertes Wissen hatte. Ich schätzte vor allem Ihre didaktische, methodische Kompetenz und das notwendige Einfühlungsvermögen bei unserer anspruchsvollen individuellen Tätigkeit.

Aus Blick:

Paddy Kälin ersetzt Regula Späni, die Ende Mai SF auf eigenen Wunsch verlassen hat. Die Hintergrundsendung zu Themen aus der Sportwelt moderiert Kälin abwechselnd mit Steffi Buchli, wie SF am Mittwoch mitteilte. Die «sportlounge» kommt nach der Sommerpause leicht verändert daher. Die ursprünglich monothematische Ausrichtung wird erweitert. Den Gesprächsteil ergänzen nun jeweils zwei längere Hintergrundbeiträge, wie es weiter heisst. (SDA)

Regula Späni.

Regula Späni.

Simonetta Sommaruga wiederholt gekonnt ihre Kernbotschaften

Nachdem bekannt geworden ist, dass die Berner SP Ständerätin Sommaruga für die Nachfolge Leuenbergers antreten will , musste sie sich Dutzenden von Interview stellen. Offensichtlich hatte sie sich professionell vorbereitet. Wiederholte sie doch in allen Medien- auch auf dem heissen Stuhl in der Rundschau (SF) immer wieder die analogen Kernaussagen:

- Ich arbeite lösungsorientiert und bin nicht aufs Polarisieren bedacht

- Ich möchte, dass bei der Bevölkerung verlorene Vertrauen wieder herstellen. Die Glaubwürdigkeit, das Vertrauen in die Regierung hat 1. Priorität. Dann gilt es auch die Sozialwerke zu sichern und nach der Finanzkrise gilt es zu überlegen, was vorgekehrt werden muss, dass unser Staat nicht nochmals in die Geiselhaft von Grossbanken kommen kann.

- Ich setze mich für die Schwächeren und die Konsumenten ein

- Ich bin mir bewusst dass es bei der zunehmenden Personifizierung und Mediatisierung der politischen Tätigkeit, schwieriger geworden ist, Kollegialität zu pflegen, so dürfen Bundesräte nicht ihre persönliche Meinung ständig hinausposaunen

- Ich bin überzeugte SP Politikerin, doch erlaube ich mir auch kritische Gedanken. Schon Helmut Hubacher hatte gesagt: Nur eine Partei die zwei Flügel hat, kann fliegen. Ich stehe zu meiner Meinung. In der SP darf man eine andere Sicht der Dinge einbringen. Man müsste mir eine Person nenne, die sagt, ich hätte keinen Rückhalt in der Partei. ES wäre ein Gräuel wenn man in einer Partei nur eine Meinung haben darf.

- Ich würde mir auch als Bundesrätin Zeit nehmen zum Klavierspielen und Romane lesen. Ein Bundesrat soll nicht nur Akten lesen

- Ich politisiere vorausschauend d.h. Ich will immer zuerst die Entscheidungsgrundlagen erarbeiten auch im Zusammenhang mit dem bilateralen Weg mit Europa. Ich bin für eine offene Schweiz, für die Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Zur Frage des Wunschdepartementes: Ein Kandidat muss bereit sein, alle Departemente zu übernehmen

Sommaruga will Vertrauen wiederherstellen

(Quelle 20 Min) Die Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga kandidiert offiziell für den Bundesrat. Im Interview erklärt die Kronfavoritin, was sie am Amt reizen würde und warum sie auch als Bundesrätin noch Klavier spielen würde.

storybild

Simonetta Sommaruga gibt ihre Kandidatur bekannt. (Keystone)

Frau Sommaruga, was hat Sie zu Ihrem Entscheid bewogen? Simonetta Sommaruga:

Er fiel mir nicht leicht, ich habe mir vier Wochen Bedenkzeit genommen. Schliesslich entschied ich mich für die Kandidatur, weil ich gerne dazu ­beitragen möchte, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt.

Was befähigt Sie in besonderem Ausmass dazu?

In meiner politischen Arbeit habe ich bewiesen, dass ich über die Parteigrenzen hinweg­schauen kann. Die Lösung und nicht die sture Ideologie steht für mich im Vordergrund.

Ärgert es Sie, dass Sie ausgerechnet von Ihren politischen Gegnern ins Amt gewählt werden könnten?

Schon um in den Ständerat gewählt zu werden, waren Stimmen aus anderen Lagern notwendig. Ich wehre mich aber dagegen, innerhalb der SP an den Rand gedrückt zu werden. Ich bin gut verankert und fände es sogar gefährlich, wenn es nicht ab und zu parteiinterne Differenzen gäbe. Man kennt Sie auch als Präsidentin der Stiftung für Konsumentenschutz.

Bleiben Sie ­diesem Credo treu?

Ganz bestimmt. Dieses Engagement für die Schwächeren ist mir sehr wichtig. Ich erhalte täglich Reaktionen auf meine Funktion und möchte die Nähe zu den Leuten auch als allfällige Bundesrätin unbedingt beibehalten.

Sie sind ausgebildete Pianistin. Kämen Sie als Bundesrätin noch zum Spielen?

Natürlich kann ich der Musik nicht so viel Zeit wie früher widmen, sie ist aber immer noch ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Mit Ständerat Rolf Schweiger habe ich sogar einmal ein vierhändiges Ständchen gespielt.

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Aus dem Interview im Tagesanzeiger:

«Ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane»

Simonetta Sommaruga findet Bundesräte schlecht, «die ständig ihre persönliche Meinung hinausposaunen».

«In den nächsten Wochen spielen Dinge eine  Rolle, die ich nicht beeinflussen kann»: Simonetta Sommaruga gab gestern  ihre Bundesratskandidatur bekannt.

«In den nächsten Wochen spielen Dinge eine Rolle, die ich nicht beeinflussen kann»: Simonetta Sommaruga gab gestern ihre Bundesratskandidatur bekannt.

Sommarugas Versprechen

SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga hat gestern vor den Medien ihre Kandidatur für die Nachfolge von Moritz Leuenberger begründet. Sie stellte sich als «lösungsorientierte und nicht auf Polarisierung bedachte» Politikerin dar. Mit «Offenheit, Ehrlichkeit, einer vorausschauenden Politik und dem Willen, auch unbequeme und schwierige Fragen anzupacken» möchte sie dazu beitragen, dass der Bundesrat das Vertrauen der Bevölkerung zurückgewinnt. «Vorausschauend» heisst für sie etwa, dass der Bundesrat auf die neue Ausgangslage im Verhältnis zur EU reagiert und «Entscheidgrundlagen» für Alternativen zum bilateralen Weg erarbeitet. So seien zum Beispiel auch Norwegens Erfahrungen im EWR genauer zu prüfen. Eine Diskussion über den EU-Beitritt hält sie hingegen aufgrund der geringen politischen Erfolgschancen für «unproduktiv». (paf)

Sie versichern, lange um Ihre Bundesratskandidatur gerungen zu haben. Aber in Tat und Wahrheit haben Sie dieses Amt doch seit Jahren angestrebt.

So ist es nicht. Ich habe mir die Kandidatur in den letzten vier Wochen sehr genau überlegt und mich mit meinen Ängsten und Befürchtungen auseinandergesetzt. Ich habe mich gefragt, ob ich diesem Amt gewachsen bin. Ob ich meine politischen Stärken im Bundesrat einbringen kann. Und ob mir als Bundesrätin genug Freiräume und Zeit für Kreativität bleiben. Das war ein sehr wichtiger Prozess für mich.

Freiräume? Kreativität?

Ich weiss, was für mich lebenswichtig ist: meine Partnerschaft, enge Freundschaften, Klavier spielen, hin und wieder im Garten arbeiten. Und ich will nicht nur Akten lesen, sondern auch Romane, Erzählungen und Märchen.

Sie wollen dafür sorgen, dass die Bevölkerung das Vertrauen in den Bundesrat zurückgewinnt. Mit diesem Anspruch sind schon Doris Leuthard und Didier Burkhalter angetreten – und gescheitert. Warum soll es Ihnen gelingen?

Es wäre vermessen, zu meinen, eine einzelne Person könnte den Wandel schaffen. Aber ich will einen Beitrag leisten. Wenn genug Bundesräte gewillt sind, daran zu arbeiten, wird das Vertrauen in den Bundesrat zurückkehren. Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Mit der starken Personalisierung und Mediatisierung der Politik ist es schwierig geworden, Kollegialität zu leben.

Was beinhaltet Kollegialität?

Bundesräte sollen nicht ständig ihre persönliche Meinung hinausposaunen oder gar öffentlich Kollegen schlechtmachen. Und sie müssen bereit sein, sich auf Lernprozesse innerhalb der Regierung einzulassen. Jeder soll mit seinen eigenen Vorstellungen in die Diskussion steigen, aber immer im Bewusstsein, dass der andere recht haben könnte. Zuhören, neugierig bleiben, sich aufeinander zubewegen – solche gemeinsamen Lernprozesse faszinieren mich.

Es heisst, Sie hätten den Gemeinderatskollegen ständig in deren Dossiers hineingeredet. Wollen Sie im Bundesrat besserwisserisch überall eingreifen?

Gut vorbereitet sein, mitreden und mitgestalten – das erwarte ich von jedem Mitglied einer Exekutive. Bundesräte sollen sich Gedanken über die Geschäfte ihrer Kollegen machen. Entscheidend ist aber die Art und Weise, wie sie sich einbringen. Falsch ist es, zuerst an die Öffentlichkeit zu gelangen und erst dann im Kollegium zu diskutieren. Damit eine Regierung funktioniert, sind zudem menschliche Qualitäten wichtig. Man muss einander respektieren.

Die Medien stellen Sie als Lichtgestalt dar – als hochkompetente Brückenbauerin mit Feingefühl und Kommunikationstalent. Ist Ihnen die Topstar-Rolle nicht unheimlich?

Ich bin ein nüchterner Mensch. Heute wird man hochgejubelt und morgen abgeschrieben – so funktionieren die Medien. In den nächsten Wochen werden Dinge eine Rolle spielen, die ich nicht beeinflussen kann. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier kennen mich als Person und wissen, was ich geleistet habe. Wenn sie mich wählen, freut mich das. Aber ich werde mich nicht verbiegen, um gewählt zu werden.

Keine Angst vor dem Obama-Syndrom? Davor, dass Sie die hoch gesteckten Erwartungen nur enttäuschen können?

Es stimmt, ich spüre schon jetzt einen grossen Erwartungsdruck. Aber es ist absurd, so zu tun, als könnte eine neue Bundesrätin das ganze Land verändern. Eine solche Haltung führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Solange ich aber ich selber bleibe, habe ich nicht das Gefühl, ungerechtfertigte Erwartungen zu wecken und Menschen zu enttäuschen.

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