Mittwoch, 25. März 2009

Zur Führungskrise im Bundesrat:

Bei Führungskrisen werden immer wieder die gleichen Fehler gemacht. Ich habe dies schon bei Analyse der Führungskrise im Kantonsspital Schaffhausen gesehen (Navigation über das Suchfenster rhetorik.ch). Auch beim Bundesrat habe ich während der letzten Monate festgestellt, dass Krisensituationen nicht antizipiert worden sind, dass unkoordiniert informiert wurde, eine Strategie und auch ein Krisenstab fehlte usw.

Auch der Krisenexperte Laurent Carrel kommt nun zu gleichen Schlussfolgerungen. Ich zitiere tagi online:

Der Bundesrat zeigt in der Krise keine Führungsstärke. Das Krisenmanagement ist klar ungenügend. Dabei gäbe es einfache Verbesserungen, die rasch umsetzbar wären.

Grosser Auftritt oder Lachnummer? «Es fehlt im Bundesrat an einer einheitlichen Strategie», sagt Laurent Carrel.

Grosser Auftritt oder Lachnummer? «Es fehlt im Bundesrat an einer einheitlichen Strategie», sagt Laurent Carrel. Bild: Keystone

Laurent Carrel hofft, dass der Bundesrat aus der aktuellen Krise seine Lehren zieht.

Laurent Carrel hofft, dass der Bundesrat aus der aktuellen Krise seine Lehren zieht. (Bild: Keystone)

Krisenexperte

Der 63-jährige Bieler Laurent F.Carrel ist Strategie- und Krisenexperte. Seit 1985 lehrt er als Dozent an der Universität Bern. Dazu hat er an der Uni Zürich und an der ETH ausgebildet. Von 1996 bis 2006 war er Chef Strategische Führungsausbildung beim Bund. In Bern und Biel unterhält er ein Büro für Leadership Coaching und Krisenmanagement Training.

Der Bundesrat wird kritisiert, er sei in der gegenwärtigen Krise konzept- und führungslos. Wie beurteilen Sie die Leistung unserer Regierung?

Der Bundesrat macht in der Tat keine gute Figur. Handlungsbedarf ist absolut angezeigt.

Das vollständige Interview aus der Berner Zeitung:

Wo sehen Sie die grössten Probleme?

Der erste Bereich ist die Früherkennung. Die aktuelle Krise zeigt es typisch: Die meisten grossen Krisen kündigen sich auf leisen Sohlen an. Es ist nicht so, dass sie quasi wie ein Meteorit einschlagen – bumm und sie sind da.

Die Entwicklung der Krise wäre schon früher absehbar gewesen?

Ich glaube: Im Grossen und Ganzen ja. Aber in der Schweiz fehlt auf politischer Ebene ein Früherkennungs- und Frühwarnsystem. Zwar gibt es in den Departementen viele Sensoren, und sicher werden auch viele einzelne Nachrichten gesammelt. Doch werden sie auf Stufe Bundesrat schlecht zusammengeführt.

Ist Früherkennung derart wichtig für den späteren Umgang mit einer Krise?

Absolut. Die Krisenstäbe im Bund sind heute – bildlich gesprochen – auf Meteoriteneinschläge vorbereitet. Wir kennen einen Sonderstab Geiselnahme, einen für Radioaktivität, einen anderen für Epidemien. Der Bund zählt zwischen 27 und 32 solcher Stäbe. Aber ein gesamtheitlicher Stab auf der obersten Stufe fehlt. Die aktuelle Krise haben wir darum zu langsam und zu spät erfasst. Und das drängt die Schweiz in eine defensive Position? Ja. Und das ist in dieser Krise besonders ungünstig. Es scheint auch, als hätte die Regierung aus vergangenen Krisen kaum etwas gelernt.

Warum?

Wir kennen auf Stufe Bundesrat keinen institutionalisierten Lernprozess. Wenn eine Krise überwunden ist, sollte diese systematisch und zielgerichtet ausgewertet werden. Das war zum Beispiel nach der Swissair-Krise oder nach dem Vergleich Schweiz/2.Weltkrieg auf Regierungsebene aber nicht der Fall. Analysen werden zwar in Einzelbereichen gemacht. So haben das Aussendepartement oder das Verteidigungsdepartement das Vorgehen nach dem Tsunami ausgewertet. Doch Einzelaktionen bringen die Regierung als Gesamtes nicht weiter.

Eine einheitliche Strategie kann so kaum entstehen.

Die fehlt. Es ist in Nicht-Krisensituationen schon schwierig, das Kollegium auf eine gemeinsame Linie zu bringen. In Krisenlagen ist dies aber zentral. Darum müsste unser System für solche Situationen zusätzliche Instrumente zur Hand haben. Ideen waren ja schon da. Doch Diskussionen über neue Staatsleitungssysteme oder über eine Regierungsreform mit neuen Staatssekretären oder mehr Bundesräten versandeten stets.

Solche Reformen brauchen Zeit. Die Krise ist aber jetzt da. Was wäre aus Ihrer Sicht kurzfristig machbar?

Es gäbe zwei einfache und praktikable Methoden, die man rasch umsetzen könnte. Zum einen könnte sich der Bundesrat überlegen, ob die Kompetenzen des Bundespräsident in Krisenlagen nicht ausgebaut werden sollten. Er sollte einen Stab zur Verfügung haben, der eine gewisse Dauerhaftigkeit garantiert. Nicht, dass jedes Jahr das Präsidium wechselt und ein neuer Stab neue Strukturen aufbauen muss.

Und die andere Methode?

Auf Papier existiert zwar in der Bundeskanzlei ein Stab Bundesrat, der der Regierung in Krisenlagen helfen soll. Doch der Stab hat seine Funktion in der Vergangenheit zu wenig effizient ausgeübt. Auch jetzt: Der Stab wird weder genügend beübt noch auf Vordermann gebracht. Das könnte man rasch ändern.

Möglichkeiten sind da, die Probleme scheinen offensichtlich. Warum handelt der Bundesrat nicht?

Das Problem sind die Departementsinteressen. Diese Grenzen müssten in Krisensituation überwunden werden können. Die Departemente haben sich in den letzten Jahren aber eher abgeschottet als geöffnet. Die Grenzen sind nicht durchlässiger geworden.

Versagt derzeit eher das System oder der Mensch?

Es bringt nichts, einzelne Bundesräte zu kritisieren. Sie wurden vom Parlament gewählt, es wird erwartet, dass sie jetzt alles geben. Ich setze bei den Rahmenbedingungen an, damit die Regierung ihre Verantwortung auch wahrnehmen kann.

Aber trotzdem hat der Mensch – also der Bundesrat – bisher Neuerungen abgelehnt.

Es scheitert am politischen Willen, Ideen umzusetzen. Das liegt natürlich an den einzelnen Personen im Bundesrat. Die Regierung hat Reformpläne bisher immer vom Tisch gewischt.

Glauben Sie, die aktuelle Krise bewirkt beim Bundesrat ein Umdenken?

Hoffentlich. Nehmen wir nur die starre Sitzungsregelung. Immer am Mittwochmorgen – ausser während der Session, dann ist es am Freitagmorgen – treffen sich die Bundesräte, um über die Geschäfte zu beraten. Das ist natürlich mehr als veraltet. Es braucht ein flexibleres Vorgehen.

Ist das Ausland gegenüber der Schweiz hier im Vorteil?

Ich glaube ja. Nehmen wir Grossbritannien als Beispiel, das ich aus meiner Arbeit kenne. Der Premierminister verfügt über hilfreiche Instrumente in der Krise. So hat die «Prime Minister’s Strategy Unit» im Cabinet Office gute Unterlagen zur Strategieentwicklung erarbeitet.

Sie haben den Bund bis 2006 im Krisenmanagement beraten. Was lief da schief?

Ich hinterfrage mich schon. Aber ich sehe einmal mehr, wie schwierig es ist, psychologische Hürden zu überwinden. Das erlebe ich auch in meiner Arbeit mit Privatorganisationen. Oftmals wollen sich die Führungspersonen aus Angst, Fehler zu machen, nicht ausbilden lassen. Zugleich bestehen Vorbehalte gegenüber Auswertungen von Krisen. Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass Führungsschwächen aufgedeckt werden. Trotzdem sollten wir lockerer mit solchen Ausbildungen und Auswertungen umgehen. Die persönlichen Befindlichkeiten müssen zu Gunsten des Lerneffekts zurückgenommen werden.

Die Angst vor dem Fehlermachen verhindert ein gutes Krisenmanagement?

Ich sehe es an der Universität oder bei meiner Ausbildungstätigkeit. Das unbedingte Vermeiden von Fehlern, die Angst vor Fehlern ist hier zu lande eine Unkultur. Wie aber wollen wir denn lernen? Fortschritte sind nun mal nur möglich, wenn Fehler gemacht werden und darüber diskutiert wird. Das gilt auch für den Bundesrat.

(Berner Zeitung)

Kommentar:

Zur Früherkennung: So wie man bei einer Flutwelle im offenen Meer mit Bojen erkennen kann, dass sich ein Tsuami anbahnt und die Bevölkerung dank diesem Frühwarnsystem rechtzeitig alarmiert werden kann, hätte man bei der Finanzkrise im Bundesrat auch die ersten Signale wahrnehmen können. Tatsächlich fehlt eine Kordinationsstelle, welche die verschiedensten Signale sammelt und beurteilt.

Bei der Finanzkrise wurde die Expertengruppe viel zu spät gebildet.

Es fehlt auch eine Expertengruppe, welche die Signale auswertet und vor allem nach Krisen die Erkenntisse und Fehler ständig auswertet, damit daraus gelernt werden kann.

Auch Carell kommt zum Schluss, dass ein Krisenstab fehlt und betont zudem, dass in Krisensituationen die Kompetenzen neu festgelegt werden müssen. Wenn es brennt, kann der Bunderat nicht mehr ständig als Kollegium führen.

Es fehlen Briefings.

Carell bringt es auf den Punkt: Es fehlt heute die Fehlerkultur im Bundesrat!

BILD ZUM TAGE

Ende März und der Winter kommt zurück. Im Bündnerland erlebte ich ein paar Tage wie im tiefsten Winter. Mit Neuschnee verzauberte Tannenwälder. Aber auch hier unten kommt der Winter wieder zurück. Die verblühten Kokusse werden wieder weiss eingekleidet (aus 20 min):

Schneefälle halten an

Bis am Mittwoch fielen erneut bis zu 20 Zentimeter Schnee bis in tiefe Lagen, an Bergstationen wurden gar bis 30 Zentimeter gemessen. Weiterer Neuschnee wird erwartet.

Angela Merkels Erfolgsrezept: Plattitüden, vage Plausibiltätsantworten

Seit Jahren analysierte ich die Airbagrhetorik der Bundeskanzlerin. Ich zeigte, wie sie Probleme schön - reden kann, mit warmer Luft, um sich zu polstern und sich dank dieser Technik aus heiklen Situationen zu retten. Seit Jahren gelingt es ihr sehr gut, mit vagen ungefähren Formulierungen über die Runden zu kommen. Auch am letzten Sonntag gelang es ihr bei Anne Will, selbst eine Profi - Journalistin einzulullen. So, dass Anne Will immer die Chancen verpasste, bei den mehrdeutigen Antworten nachzuhaken.

Beispielsweise bei der Frage, ob der Staat Opel retten werde oder nicht, blieb die Frage unbeantwortet.

Merkel gelang es immer wieder auszuweichen. Auch bei der Nachfrage, ob der abgesetzte Chef der Pleitebank Hypo Real Estate auf die Fortsetzung seines Gehaltes klagen werde, antwortete die Kanzlerin in gewohnter Manier:

"Kann ich- ehrlich gesagt - nicht verstehen. Ich kann vieles im Zusammenhang mit der Hypo Real Estate nicht verstehen."

Nach so einer nichtssagenden Antwort kann ich es nicht verstehen, dass die billige Taktik der Kanzlerin so lange Erfolg hat:

- mit Schweigen

- mit ungefähren, plausiblen, unverbindlichen Antworten (Reden aber nichts Sagen)

So, dass selbst eine Profi Journalistin gelähmt werden kann und sie das übliche Nachhaken vergisst.

Ob doch noch der Tag nahen wird, wo Angela Merkel gezwungen wird, Farbe zu bekennen?

Dienstag, 24. März 2009

Steinbrück: Keine Einsicht-dafür bezeichnet er das Verhalten der Schweizer als fast hysterisch

Die Uneinsichtigkeit des deutschen Finanzministers nimmt seinen Lauf. Steinbrück begreift immer noch nicht, weshalb seine verletzenden Aeusserungen einen so grossenWirbel ausgelöst haben. Der Finanzminister hat wohl kaum geklärt , was es heisst, die Kritik eines Nachbarn als fast hysterisch zu bezeichnen.

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HYSTERIE

Hysterische Neurose - Histrionische Persönlichkeitsstörung - Dissoziative Störungen - Konversionsstörungen - Konversionshysterie

Hysterie - kaum ein Begriff aus dem Gebiet der Psychiatrie und Medizinschen Psychologie löst so viele unterschiedliche Ansichten, kontroverse Diskussionen und auch falsche Vorstellungen aus wie dieser. Doch Menschen mit einer hysterischen Persönlichkeitsstruktur, wie immer man sie früher nannte und heute nennen soll, wirken zwar auf den ersten Blick weniger leidend, mehr aufsehen-erregend, doch wohl fühlen sie sich nicht, im Gegenteil. Es sind nicht so sehr die spektakulären Krankheitszeichen, die sie quälen. Es sind mehr die mittel- bis langfristig drohenden psychosozialen Folgen in Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, am Arbeitsplatz usw., die auf Dauer ein solches Leben belasten, beeinträchtigen, ja zerstören können. Deshalb nachfolgend eine kurzgefasste Übersicht, wie sich ein solches Leidensbild im Alltag darstellen kann.

Was Hysterie heißt ("hysterisch"), wissen die meisten, allerdings nur in seiner negativ wertenden Bedeutung. In Wirklichkeit handelt es sich um ein konkretes und durchaus belastendes Krankheits- bzw. Leidensbild. Es hat jedoch in den letzten Jahren einen Bedeutungswandel, ja sogar Begriffswandel erfahren.

Geschichte und Begriffswandel

So soll der Begriff hysterisch wegen seiner inzwischen fachlich wie populär-medizinisch eher abwertenden Bedeutung ersetzt werden. Dabei bieten sich zwei Begriffssysteme bzw. die dahinter stehenden Institutionen an:

Zum einen die

- Histrionische Persönlichkeitsstörung des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störung (DSM-IV) der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA). Histrionisch kommt vom lateinischen: histrio = Schauspieler, Gaukler, also ein aufsehen-erregendes, theatralisches Auftreten provozierend. Zum anderen

- die dissoziativen Störungen (Konversionsstörungen) mit unterschiedlichen Leidensschwerpunkten: z.B. Amnesie = Erinnerungslosigkeit, Stupor = seelisch-körperliche Erstarrung, Störungen der Bewegung und der Sinnesempfindungen, Pseudo-Krampfanfälle usw. So will heute die Internationale Klassifikation psychischer Störungen - ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hysterie beschrieben haben.

Dissoziation heißt so viel wie Trennung oder eine Art krankhafte Entwicklung, in deren Verlauf zusammengehörige Denk-, Handlungs- oder Verhaltensabläufe zerfallen und damit der willentlichen Kontrolle des Betreffenden entzogen werden.

Kommentar: Herr Steinbrück! Bitte schalten Sie doch künftig vor dem Reden das Gehirn ein. Hätten Sie vor dem Reden nur in bisschen überlegt, so hätten Sie das Wort Hysterie nicht so leichtfertig in den Mund genommen und das Bild der Indianer nicht so unbedacht verwendet. Ausgerechnet jene Indianer erwähnten Sie, die Ihre vielgepriesenen Kavallerie, in einer Schlacht besiegt hatten. Ich befürchte, dass Ihre nächste Panne bereits vorprogrammiert ist. Denn Sie scheinen aus Fehlern nichts zu lernen!

Uebrigens: Was würde Peer Steinbrück sagen, wenn jemand sich erdreist, zu sagen, sein verbissener Umgangston, sei fast so, wie der eines Offiziers in einem totalitären Staat (ohne Klartext zu reden).

Tagi-online:

«Es ist ja fast hysterisch, was stattfindet»

Im Steuerstreit zwischen der Schweiz und Deutschland versuchen Bern und Berlin, die Wogen zu glätten. Finanzminister Peer Steinbrück konnte sich aber einen erneuten Seitenhieb gegen die Schweiz nicht verkneifen.

(Quelle: Tagesschau, Schweizer Fernsehen)

So kennt man ihn, den deutschen Finanzminister Peer Steinbrück: mit grosser Klappe. (Reuters)

Nachtrag

Peer Steinbrück ist im falschen Film

Die Spannungen zwischen der Schweiz und Deutschland löste Peer Steinbrück mit seiner Bemerkung von der «siebten Kavallerie von Yuma» aus. Der Vergleich hinkt gewaltig und ist in mehrerer Hinsicht falsch.

1/10 Offiziere der siebten Kavallerie: Am 29. Dezember 1890 massakrierten sie über 350 Männer, Frauen und Kinder der Sioux-Indianer. Dieses Massaker brach den letzten Widerstand der Indianer gegen die Weissen.

Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

Das siebte Kavallerie-Regiment der US-Armee existiert heute noch und war auch im Irakkrieg im Einsatz. Der Spitzname der Einheit ist «Garry Owen», benannt nach dem irischen Trinklied «Garryowen».

Artikel zum Thema

Am EU-Gipfel in Brüssel vom Freitag sagte der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück: «Ich habe gelernt, so unmissverständlich wie möglich zu formulieren, wenn es um die Schweiz geht.»

Doch analysiert man seine metaphorische Kavallerie-Drohung etwas genauer, ist sie alles andere als verständlich. Steinbrück hatte die Drohung mit einer schwarzen Liste gegenüber der Schweiz mit der «siebten Kavallerie vor Yuma» verglichen, die man auch ausreiten lassen könne. «Aber die muss man nicht unbedingt ausreiten lassen. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt», so Steinbrück.

Da hat sich Steinbrück wohl etwas in der Geschichte vergriffen: Die siebte Kavallerie von Yuma hat es gar nie gegeben. Zwar existiert eine siebte US-Kavallerie sehr wohl – auch heute noch – doch war sie nie in Yuma stationiert.

Die siebte Kavallerie hat versagt

Auch wirken die Einschüchterungsversuche mit der siebten Kavallerie im historischen Wissen um diese Versager-Kavallerie lächerlich. Denn kein Indianer braucht sich vor der Siebten zu fürchten. Am 25. Juni 1876 wurde das besagte Regiment unter General George Armstrong Custer von den Indianern am Little Big Horn im heutigen Montana vernichtend geschlagen.

Es war einer der ganz wenigen grösseren indianischen Siege gegen die amerikanischen Eindringlinge. Die Niederlage ist laut heutigen Analysen massgeblich der Selbstüberschätzung des Kriegstreibers Custer zuzuschreiben.

Peer im falschen Film

Vielleicht hat Steinbrück den Vergleich aber auch nur gemacht, weil er Western-Filme mag. Zum Beispiel den Streifen «Fort Yuma» (1955), in welchem die siebte Kavallerie aber keine Rolle spielt. Auch in «3:10 to Yuma» (2007) oder der TV-Serie «Yuma» (1971) gibt es eine solche Kavallerie nicht. Umgekehrt spielt der Western «7th Cavalry» nicht in oder vor Yuma. Peer Steinbrück scheint im falschen Film zu sein.

Die Stadt Yuma liegt am Colorado River und ist etwa 38 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt. Die siebte Kavallerie kämpfte hingegen im Norden.

Schaut Steinbrück Mangas?

Die siebte Kavallerie und Yuma passen also nicht zusammen. Das heisst, es gibt eine Ausnahme, wie der Blogger Plapperstorch herausgefunden hat. Es gibt eine japanische Manga-Serie namens «Saber Rider und die Starsheriffs» und darin kommt sowohl Yuma-City als auch eine siebte Kavallerie vor (Folge 51 und 52).

Der Erfolg der Serie in Japan war gering. Auf dem deutschen Markt war die 1987 umgearbeitete Version hingegen sehr erfolgreich.

Kein Aufschrei wegen der «Fleet in Beeing»

Interessanter als der Yuma-Vergleich ist aber ohnehin die Anspielung auf den Ausdruck der «Fleet in Being» gewesen, der Steinbrück ebenfalls benutzte – nur fiel das niemandem auf. Dabei ist dieser kriegerische Ausdruck im Kontext der deutschen Geschichte sehr viel heikler als irgendwelche Indianer-Vergleiche, die mehr an Fasnacht als an eine Drohung erinnern.

Der Begriff stammt laut Wikipedia aus dem pfälzischen Erbfolgekrieg (1690) und meint eine Flotte, die alleine durch ihre Existenz, ohne den Hafen zu verlassen, das Kriegsgeschehen beeinflusst. Die reine Möglichkeit eines Auslaufens dieser Flotte zwingt den Gegner seinerseits ausreichend Streitkräfte bereitzuhalten.

Während des Zweiten Weltkrieges bedrohte die deutsche Flotte in Norwegen mit dem Schlachtschiff Tirpitz die alliierten Konvois im Nordmeer. Dies zwang die Briten ihre Konvois mit starken Kräften zu schützen, obwohl die deutschen Schiffe selten ausliefen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Montag, 23. März 2009

Bundesrätin Calmy-Rey-eine Landesverräterin?

Ich zitiere Blick:

«Wer als Bevollmächtigter der Eidgenossenschaft vorsätzlich Unterhandlungen mit einer auswärtigen Regierung zum Nachteile der Eidgenossenschaft führt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.»

Das steht zum Thema Landesverrat in Art. 267 Ziff. 1-3 des schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB).

Wie ist in diesem Licht der Brief zu beurteilen, den Bundesrätin Micheline Calmy-Rey am 20. Februar dem OECD-Generalsekretär Angel Gurria (Blick.ch berichtete) schrieb:

«Die OECD … liefert den Experten der Regierungen … Dialog und …Erfahrungsaustausch … zu sehr spezifischen Bereichen. Der konkrete Beitrag der OECD zuhanden der G-20 ist das beste Beispiel dafür.»

Dies schrieb Calmy-Rey ausgerechnet jenem Angel Gurria, der die Schweiz auf eine schwarze Liste gesetzt hatte – als Land, das in Sachen Steuergeheimnis die Zusammenarbeit verweigere. Mit dieser schwarzen Liste wurde die Schweiz massiv unter Druck gesetzt.

Zwar wurde der Brief von ihren eigenen Diplomaten abgefangen. Äusserst brisant ist die Sache trotzdem:

  • Zum Zeitpunkt des Briefs kämpfte der Bundesrat, allen voran Hans-Rudolf Merz, noch verzweifelt gegen jede Aufweichung des Bankgeheimnisses. Diesem ist Calmy-Rey in den Rücken gefallen.
  • Der Dialog mit der OECD fällt gar nicht in die Kompetenz von Calmy-Rey. Denn dafür ist ihre Kollegin Doris Leuthard zuständig. Auch ihr ist Calmy-Rey in den Rücken gefallen.
  • Auch wenn der Brief abgefangen wurde: Natürlich kam die Sache an die Öffentlickeit. Damit präsentiert sich unsere Regierung ihren Gegnern in Sachen Steuergeheimnis, den USA und der EU, als zerstrittener Haufen «jeder gegen jeden». So schadet Calmy-Rey der Schweiz.

  • Hat Bundesrätin Calmy-Rey damit ihre Freiheit als Mitglied der Regierung missbraucht? Hat sie ihrer eigenen Regierung geschadet? Hat sie gar Landesverrat begangen

  • Ein Politexperte, den Blick.ch kontaktierte, findet, «ansatzweise» gehe das Verhalten von Calmy-Rey Richtung Verrat.

  • Für Christophe Darbellay, CVP-Parteipräsident, ist die Sache klar: «Frau Calmy-Rey ist der Regierung in den Rücken gefallen.»

  • Kommentar: Die Sache ist jedenfalls keine Bagatelle!
  • Nach dem Schreibfehler ein Informationsfehler

    Tagi-online berichtet:

    Giacobbo / Müller nehmen uns aufs Korn

    Dass wir von Tagesanzeiger.ch/Newsnetz es mit einem Schreibfehler in die Sendung der besten Satiriker des Landes schaffen, berührt uns natürlich peinlich. Wir danken den Aufmerksamen und hoffen, gleiche Ehre widerfährt uns nie mehr.

    Quelle: «Giacobbo / Müller» SF.

    Kommentar: Der Tagesanzeiger zeigt Grösse, dass er zu seinem Schreibfehler im Netz steht. Toni Brunner verlor nicht seine Identität, sondern die Immunität. Doch unterlief Giacobbo/ Müller kurz darauf selbst eine Informationpanne. Die SVP veliess bekanntlich den Ratsaal nicht, weil Toni Brunners Immuniät aufgehoben wurde, sondern weil das Parlament bei Lukrezia Meier-Schatz die Immunität erstaunlicherwweise gewähren liess, obschon der Fall vergleichbar war.

    Kinder von Patchwork-Familien delinquieren öfter als andere Jugendliche

    Dies hat jetzt eine Nationalfondstudie - Untersuchung eindeutig bestätigt. Doch sagt im Gunde genommen schon der gesunde Menschenverstand, dass es in Verhältnissen, die ungeordneter, unstabiler sind - vor allem bei vielen unterschiedlichen Bezugspersonen, Kinder in Schulen, Heimen aber auch in der Familie das Fundament eher fehlt und die Orientierungslosigkeit gefördert wird.

    Stabilität, Wertvorstellungen, Ordnung, Disziplin geregelte Tagesabläufe, wenig Bezugspersonen erleichtern die Erziehungsarbeit enorm und geben Jugendlichen mehr Halt. Geregelte Strukturen, Verbindlichkeiten der Erzieher, die auch präsent sind somit besser als möglichste viele Fremdbetreuungen. Auch die Nestwärme im Vorschulalter und in der Unterstufe sind notwendige Voraussetzungen, um später den anspruchsvolleren Anforderungen des Alltags gewachsen zu sein. Für mich ist die Nationalfondstudie lediglich eine Bestätigung meiner langjährigen Beobachtungen im Umgang mit Menschen. Es würde sich sehr wahrscheinlich mehrfach lohnen, wenn desahlb der Staat weniger Geld ausgibt für Therapeuten, Psychologen, Betreuungspersonen und dafür Familien unterstützt, damit die Bezugspersonen für die Kinder mehr Zeit zu haben. Anstatt in Schulen die Kinder schon im Kleinkindalter herumzureichen und in der Primarschule von fünf sechs Personen betreuen zu lassen sollten wir Strukturen unterstützen, die eine konstante Bindungen und Verbindlichkeiten garantieren. Die Gesellschaft müsste sich heute vielmehr fragen, wie man die schwache Bindung der Eltern an "ihre" Kinder wieder stärken könnte. Damit will ich nicht sagen, dass es keine Patchworkfamilien gibt, die gut funktionieren.

    Quelle So-Zeitung 22- März 09:

    Zürich Gruppenschlägereien, Ladendiebstahl, Drogenhandel: Bei solchen Verfehlungen sind in der Schweiz laut einer unpublizierten Nationalfondsstudie überdurchschnittlich viele Teenager aus Patchwork-Familien beteiligt. In der zunehmend beliebten Familienform – laut Statistikern sind heute 15 Prozent der Familien in der Schweiz «gepatcht» – häufen sich die Probleme. Den pubertierenden Jugendlichen fehlt es an klaren Verbindlichkeiten und krisenresistenten Bindungen. Die vom Lausanner Kriminologen Marcelo Aebi durchgeführte Untersuchung verschiebt den herkömmlichen Fokus der Gesellschaftsforscher. Bisher nahmen diese an, dass Problemkinder am häufigsten von Alleinerziehenden betreut würden. Jetzt wird klar: Prozentual mehr Kummerbuben und auffällige Mädchen leben in Patchwork-Familien. Die schwache Bindung an Eltern ist ein entscheidender Faktor Für seine Arbeit befragte Kriminologie-Professor Aebi 3600 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 13 und 16. Die Teenager gaben anonym Auskunft über ihre familiäre Situation, zur Schule und zu sogenannt «abweichenden Verhaltensweisen». Damit sind leichte und schwere Straftaten gemeint, vom Diebstahl bis zu schwerer Gewalt. Entscheidend für das Fehlverhalten von Kindern sind laut dem Lausanner Forscher oft weiche Faktoren: fehlende Familienregeln, eine schwache Bindung an die Eltern oder keine Identifikation mit der Schule. «Grundsätzlich sind diese Aspekte wichtiger als der Familientyp», sagt Aebi. Die Studie zeigt: Wichtige Faktoren, welche die Kriminalität von Jugendlichen bestimmen, treten in Stieffamilien gehäuft auf. So gaben 21 Prozent der befragten Patchwork-Kinder an, zu mindestens einem leiblichen Elternteil eine schwache Bindung zu haben. Bei den traditionellen Familien kamen nur 6 Prozent der Teenager zu diesem Schluss. Die aus dem Gleichgewicht geratenen Beziehungen schlagen sich deutlich in den Deliktsquoten nieder: Fast überall – bei Drogenhandel, Ladendiebstahl, Vandalismus, Eigentums- oder Gewaltdelikten – führen Patchwork-Kinder die Rangliste an. Nur beim Computer- Hacking werden sie von den Eineltern-Kindern überholt. Unterm Strich haben Jugendliche mit einem Stiefvater oder einer Stiefmutter ein eineinhalbmal grösseres Risiko, mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen, als Altersgenossen aus traditionellen Familien. Auch haben sie schlechtere Chancen in der Schule und ein erhöhtes Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. Eine schwere Straftat, entstanden durch die Not eines Patchwork- Kindes, schreckte vor einem Jahr die Schweiz auf. Ein 15-jähriger Knabe erstach im Muotatal mit einem Küchenmesser seinen zwei Jahre jüngeren Stiefbruder und die Stiefmutter. Laut dem zuständigen Untersuchungsrichter waren Spannungen in der Familie ein wichtiger Teil des Tatmotivs. Die Umfrage «Selbst berichtete Delinquenz» wurde 1992 erstmals durchgeführt und jetzt wiederholt. An der Studie sind 29 weitere Länder beteiligt. Ziel der Forscher ist es, Risikofaktoren zu eruieren, um darauf Präventionsstrategien aufbauen zu können. Die Lausanner Untersuchung stellte fest, dass Gruppenschlägereien, Vandalismus und Ladendiebstahl über alle Familientypen hinweg die am häufigsten begangenen Delikte von Jugendlichen sind. 8 Prozent der Befragten gaben an, alleine im Vorjahr eine solche Tat verübt zu haben. Einbruch und Fahrzeugdiebstahl kamen innerhalb eines Jahres bei 5 Prozent vor. Weitaus häufiger als Mädchen berichteten Knaben von Straftaten. Aufgrund der neusten Umfrage fordert Kriminologe Aebi jetzt «mehr Aufmerksamkeit und Hilfe für Patchwork-Kinder». Zum Beispiel in der Schule.

    Frage: Weshalb stützt der Staat die gesunden Familien nicht ebenso stark wie Ehen, die sich nicht mehr den Kindern widmen können oder wollen?