Mittwoch, 17. Oktober 2007

Krass - Herr Grass

So titelte Lucia Machac in espace.ch seinen Kommentar. Erst im Herbst 2006 habe das personifizierte moralische Gewissen Deutschlands - Günter Grass - zugegeben, dass er sich als 17 Jähriger bei der Waffen SS gemeldet hatte. Halb Deutschland habe hernach versucht, auf den Säulenheiligen einzudreschen. Er wurde international als Heuchler an den Pranger gestellt.

Und nun - ein Jahr später - scheint alles vergessen zu sein. Zu seinem Achzigsten will niemand mehr etwas wissen von der weltweiten Kritik. Vom Kritikerpapst Reich-Ranicki, der eins die "Blechtrommel" verrissen hatte, kommt nun eine Lobhudelei. Das Fernsehen und der Bundespräsident machen die Feiern zu eine krassen Pose. Eines habe man aus dem Debakel gelernt, schreibt Machat: Manchmal sei es leichter, unschöne Details einfach zu vergessen.

Kommentar:

Was uns vor einem Jahr nach dem grossen Kritik in den Medien aufgefallen war: Grass ist immer dann blind, wenn es um ihn selbst geht. Es war äusserst peinlich zu erleben, wie der "Dreinredner" und "Kritiker" selbst keine Gegenrede ertrug. Wenn jemand seine Werke oder sein Verhalten kritisiert hatte, unterstellte ihm Grass, er wolle ihn "mundtot" machen. Grass ist für uns nicht nur moralische Autorität und Weltautor. Er bestätigte nur unsere Feststellung, dass Leute, die andere kritisieren, Kritik an ihrer Person sehr schlecht ertragen. So wie Menschen, die andere belehren müssen, sich ärgern, wenn sie einem Besserwisser begegnen.

Lassen wir Grass zu seinem Achtigsten Nachsicht walten, denn er ist und bleibt allemal ein grosser Schriftsteller.

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Nachlese 23.11.07:

Günter Grass klagt gegen seinen eigene Biografie

Es mutet kurios an: Ein Literaturnobelpreisträger zieht vor Gericht, um sich gegen seinen eigenen Biografen zu Wehr zu setzen - und sich so seine Version seines eigenen Lebens gleichsam amtlich bestätigen zu lassen.

Das wird ein Prozess, der zu reden gibt

Nobelpreisträger Günter Grass hat über seinen Berliner Anwalt Paul Hertin am Mittwoch eine Unterlassungsklage beim Landgericht Berlin gegen die Verlagsgruppe Random House (die zum Goldmann-Verlag gehört), eingereicht. Zum Prozess kommt es nach seiner Einschätzung allerdings (gemäss Spiegel online) erst im kommenden Jahr (März oder April?). Da die Verhandlung öffentlich sein wird, muss Gras damit rechnen, dass seine SS Vergangenheit zusätzlich aufgewärmt wird.

Anlass für die Auseinandersetzung ist eine Passage in der aktualisierten Grass-Biografie von Michael Jürgs, die im Oktober 2007 im Goldmann-Verlag erschienen ist. Dort ist zu lesen:

"Günter Grass bekannte, seine Nuss knackend, sich als Siebzehnjähriger freiwillig zur Waffen-SS gemeldet zu haben."

Die Klage wendet sich nun gegen die Behauptung, Grass habe sich freiwillig gemeldet. Der Autor besteht darauf, er sei lediglich zur Waffen-SS einberufen worden. In der ersten Version der Biografie aus dem Jahr 2002 kam die strittige Formulierung nicht vor. Jürgs hatte das Wort "freiwillig" für die Neuauflage nachträglich eingefügt, nachdem Grass seinerseits 2006 in der Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" seine SS-Vergangenheit gebeichtet hatte.

Nach Grass beeinträchtigt Jürgs' Behauptung seine Persönlichkeitsrechte.

Was hatte Grass früher gesagt?

Grass hatte 2006 in seiner Autobiografie und noch vor deren Erscheinen in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtet, er habe sich mit fünfzehn Jahren freiwillig zur U-Boot-Truppe gemeldet, die aber niemanden mehr genommen habe. So sei er als Siebzehnjähriger aus dem Reichsarbeitsdienst nach Dresden zur Waffen-SS einberufen worden; er sei in der zehnten SS-Panzerdivision "Frundsberg" gewesen. Bis zu diesem späten Bekenntnis hatte es in den Biografien des 1927 geborenen Schriftstellers geheissen, er sei 1944 als Flakhelfer eingezogen worden und habe dann als Wehrmachtssoldat gedient.

Kommentar

Ich hätte Grass empfohlen, die imageschädigende Geschichte nicht nochmals aufzuwärmen, nachdem die Oeffentlichkeit den Makel weitgehend verziehen hatte und Grass anlässlich seines Gebutstagessogar vom Bundespräsidentenund den Medien mit lobenden Worten bedacht worden war.

Dienstag, 16. Oktober 2007

Eva Herman verkroch sich - nach 7 Tagen redet sie wieder

Interview im Bild online

War Kerner tatsächlich überfordert oder war ihm die Situation aus anderen Gründen entglitten?

Es war der TV-Eklat des Jahres! Vor sieben Tagen hatte Johannes B. Kerner seine TV-Kollegin Eva Herman aus seiner Sendung hinauskomplimentiert. 50 Minuten hatten der Moderator und seine Gäste mit Eva Herman über deren missverständliche Äusserungen zu Hitlers Familienpolitik gestritten. Seitdem schwieg die ehemalige „Tagesschau“-Sprecherin. Bild gab sie nun ein Interview und spricht über den Rauswurf.

BILD: Frau Herman, seit Ihrem spektakulären Rauswurf ist eine Woche vergangen. Wie geht es Ihnen?

Eva Herman: „Mir geht es den Umständen entsprechend trotzdem gut. Weil ich im Kreise meiner Familie bin. Weil ich von vielen Menschen Zuspruch erfahre. Und weil ich im Urlaub bin.“

BILD: Was war Ihr spontaner Gedanke, als Johannes B. Kerner Sie rauswarf?

Herman: „Ich hatte die ganze Zeit vorher überlegt, ob ich selbst das Studio verlasse. Aber ich befürchtete den Vorwurf, dass ich ausweichen oder mich nicht stellen würde. Als Johannes Kerner mich dann verabschiedete, war ich auch ein Stück erleichtert – weil damit ein fast einstündiges Entsetzen beendet wurde.“

BILD: Was haben Sie nach dem Rauswurf gemacht?

Herman: „Ich bin nach Hause gefahren und habe mir mit meiner Familie und Freunden die Aufzeichnung angesehen. Wir haben lange über die Sendung diskutiert. Vor allem über das, wofür ich eintrete – für christliche Werte, für Familie, für Nächstenliebe. Im Nachhinein ist meine Erkenntnis, dass das in der Sendung nicht ohne Widerspruch diskutiert werden konnte.“

BILD: Bereuen Sie Ihren Auftritt?

Herman: „Nein, schließlich hatte ich die Möglichkeit, Dinge aus meiner Sicht erzählen und begründen zu können. Wenngleich mir diese Möglichkeit einige Teilnehmer der Sendung gar nicht erst geben wollten.“

BILD: Sind Sie böse auf Johannes B. Kerner?

Herman: „Nein, ich bin ihm nicht böse. Ich glaube, dass ihm die Situation entglitten ist. Allerdings frage ich mich, wie ihm ein Satz über die Lippen kommen konnte, mit dem er die Mütter diskreditiert, die zu Hause bei ihren Kindern bleiben.“

BILD: Hatten Sie später noch Kontakt?

Herman: „Johannes Kerner versuchte mich an dem Abend noch telefonisch zu erreichen. Das war zwei Stunden nach der Aufzeichnung. Aber ich war nicht am Telefon. Was er wollte, weiß ich nicht.“

BILD: Stimmt es, dass Sie die Ausstrahlung der Sendung juristisch verhindern wollten?

Herman: „Nein, dafür gab es auch keinen Grund. Jeder sollte eins zu eins hören, wie die Sendung verlief. Was letztlich daraus wurde, hat Johannes Kerner ganz allein zu verantworten. Ich glaube, er war einfach überfordert."

BILD: Ihr Rauswurf war das alles beherrschende Thema der vergangenen Woche. Was denken Sie, wenn die „Welt Kompakt“ schreibt: „Herman spaltet Deutschland“?

Herman: „Vermutlich liegt es an der Art und Weise, wie ich aus dieser Sendung verabschiedet wurde. Aber auch daran, dass vielleicht doch einigen Menschen klar wurde, dass es Menschen nicht leicht haben, die für Thesen kämpfen, wie ich sie vertrete. Da es um Grundwerte der Menschengemeinschaft geht, fühlen sich sehr viele Menschen betroffen.“

BILD: Haben Sie alles gelesen, was in den Zeitungen stand?

Herman: „Nein, wie denn auch bei dieser Menge? Ich habe unzählige Briefe und E-Mails bekommen, die ich noch nicht alle lesen konnte. Für mein Gästebuch sind fast 10 000 Einträge gekommen, die alle nach und nach veröffentlicht werden.“

BILD: Was hat Sie am meisten verletzt?

Herman: „Ich möchte nichts rausgreifen. Nur so viel: Erst sollte ich nach rechts geschoben werden. Und als das nicht wirklich gelungen ist, versuchte man mir Doofheit zu unterstellen.“

BILD: Die rechtsextreme DVU wollte eine Demonstration für Eva Herman und die Meinungsfreiheit veranstalten ...

Herman: „Ich habe bei allen diesen Ansinnen sofort meinen Anwalt eingeschaltet und klar Stellung bezogen, dass ich diese Vereinnahmung aus tiefster Überzeugung ablehne und mich davon in schärfster Form distanziere. Wer meinen Namen in diesem Zusammenhang benutzt, tut dies gegen meinen ausdrücklichen Willen.“

BILD: Können Sie sich vorstellen, in der Politik zu arbeiten?

Herman: „Klares Nein! Erstens hätte ich dann keine Zeit mehr für meine Familie. Außerdem könnte ich dann nicht mehr sagen, was ich sagen möchte, weil ich an ein Parteiprofil gebunden wäre.“

BILD: Sie haben sich in der Sendung mit Herrn Kerner geduzt. Sind Sie befreundet?

Herman: „Nein, ich kenne ihn nur sehr oberflächlich.“

BILD: Ihre Freundin und Kollegin Bettina Tietjen hat sofort nach ihrem NDR-Rauswurf gesagt, es sei die richtige Entscheidung gewesen ...

Herman: „Dazu möchte ich mich nicht äußern.“

BILD: Haben Sie überhaupt Freunde?

Herman: „Ja, einige sogar. Aber in Situationen wie diesen kann man schnell erkennen, wer die wahren Freunde sind.“

BILD: Warum stoßen Sie bei so vielen Menschen auf Ablehnung?

Herman: „Früher war ich laut Umfragen eine der beliebtesten Moderatoren Deutschlands. Meine Vision, dass moderne Frauen zwischen verschiedenen Lebensentwürfen frei wählen können, ist zurzeit noch ein schwieriges Thema. Aber ich glaube, es gibt einen bedeutsamen Unterschied zwischen der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung.“

BILD: Möchten Sie wieder Fernsehen machen?

Herman: „Im Augenblick nicht.“

BILD: Wo sind Sie in 5 Jahren?

Herman: „Bei meinen Themen, für die ich mich einsetze und kämpfe.“

BILD: Werden Sie noch ein Buch schreiben?

Herman: „Ganz sicher.“ BILD: Worüber?

Herman: "Darüber möchte ich noch nicht sprechen. Aber es wird ganz sicher interessant.“

BILD: „Gab es Augenblicke, in denen Sie dachten: Es geht nicht mehr?“

Herman: „Nein, niemals. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Meine Motivation beziehe ich aus meinem Glauben und Gott.“

Kommentar:

Es sieht so aus, als hätten Eva Herman die sieben Tage "nachdenken" gut getan. Die Antworten sind jetzt jedenfalls bedacht und sie tappt in kein Fettnäpfchen mehr. Klug ist, dass sie Kerner nicht beschuldigt und die negative Aussage der Kollegin nicht kommentiert. Die Ankündigung, ein Buch zu schreiben ist bereits der erste geschickte Werbespot für das bevorstehende Werk. Der Wirbel hat für die Kämpferin für die erziehenden Mütter immerhin den grossen Vorteil, dass sie jetzt auch als Autorin über all bekannt ist und das nächste Buch so oder so Aufsehen erregen wird.

Nachtrag vom 28. Oktober 07

Innenminister Jürg Schönbohm reiht sich in die Riege der Herman-Verteidiger ein

In der Frankfurter Rundschau" schrieb der CDU-Politiker:

Ich sehe Eva Herman als Opfer einer "politisch korrekten Sprachpolizei". Diese erhebt den Anspruch festlegen zu dürfen, welche Wörter als Indikator für nationalsozialistisch infiszierte Gedankengut dienen.

Schönbohm nannte Hermans Ausschluss aus der Talkshow ein unrühmliches Kapitel deutscher TV-Geschichte

Montag, 15. Oktober 2007

Reithalle in Bern: Bollwerk der Chaoten wird geduldet

Die Sonntagszeitung vom 14. Oktober beleuchtete Berns Logistikzentrale der linken Mafia. Journalist Markus Schär schilderte in seinem Bericht, was viele Bürger über die ehemalige Reithalle anscheinend nicht wissen. Seit Jahren wird in der Bundesstadt die Zentrale der Chaoten und Freude des Terrors und Anarchie geduldet. Unweit des rechtsfreien Raumes, den die Polizei nicht ohne Voranmeldung betreten darf, werden Drogen angeboten, Auf dem Vorplatz wird ungeniert von der Folie geraucht. Der Bau - voller Graffitis - ist die erste "Sehenswürdigkeit" (Schandfleck der Bundeshauptstadt?) der Bahnreisenden neben der Eisenbahnbrücke. Nach jedem Saubannerzug - auch der "Schlacht" vom letzten Samstag in Bern - können die Gewalttäter in ihrem Zentrum untertauchen. Die Polizei könnte die Randalierer, die Brände entfachen, Scheiben einschlagen und Beamte mit Steinen bewerfen problemlos im Griff haben, wenn sie eingreifen dürften. Doch sind den Ordnungshütern in der Reithalle die Hände gebunden. Wer dies hört, kann es kaum glauben! Die wenigsten wissen, dass das anarchistische Bollwerk sogar der Stadt jährlich sage und schreibe 625 000 Fr kostet für Strom, Gas und das Wasser. Die Anarchisten zahlen auch keine Miete. Zusätzlich erhalten Sie zusätzlich 273 000 Franken als Kulturbeitrag. (der zerstörte Bundesplatz als Kunstwerk von Aktionskünstlern?)

Die Bewohner der Reithalle profitieren von verschiedenen Volksabstimmungen. Alle Vorstösse, die Reithalle abzureissen oder umzunutzen wurden an der Urne abgelehnt. Dazu kommt, dass der Nachfolger des abgewählten Polizeidirektor Wasserfallen, der eine harte Gangart durchsetzen wollte, Polizeikommandant Daniel Blumer, die neue Strategie der "deeskalativen Polizeistrategie" eingeführt hat. Er schrieb den Polizisten vor, es müssten Sachschäden geduldet werden. Er wies seine Mannen an, den Dialog mit den Chaoten zu suchen. Damit wurde die Reitschule als rechtsfreier Raum toleriert. Das Nervenzentrum der Chaoten konnte beim Bahnhof Wankdorf ausgebaut werden (ist heute die Logistikzentrale). Sie können von dort aus die Häuserbesetzungen planen und die autonome Schule "denk-mal" einrichten. Alle Politsekten werden von dort aus koordiniert.

Im Internet jubeln heute die Chaoten bei Indymedia:

Das Echo in der Auslandpresse wird als Erfolgsausweis gefeiert.

In unzähligen Kommentaren wurde der SVP die Schuld in die Schuhe geschoben, dass die Schweiz in der Auslandpresse so negativ dargestellt wurde. Dass jedoch die Anarchisten alles daran setzten den "Krieg in Bern" in den internationalen Medienwald zu schaffen, macht der Jubel der Chaoten im Internet deutlich:

"Alle Aktionen rund um Bern können als Erfolg auf der ganzen Linie gewertet werden!" Triumphierend verlinkt einer den einseitigen Artikel der "New York Times" über das Chaos in der Schweiz. "Die Aktion auf dem Bundesplatz zeigt ganz offensichtlich Wirkung - und zwar die erwünschte Wirkung." Dann drohen die Randalierer - die sich als "keine Demokraten" bezeichnen - der SVP noch weiteres Ungemach an:

"Wir werden ihr politisches Monopol in der Schweiz nicht mit Mahnrufen beseitigen können, sondern es physisch überwinden müssen.

Kommentar:

Wenn gewisse Politiker noch nicht erkannt haben, dass man Anarchisten, die sich an keine Spielregel halten wollen, nicht mit Nachsicht und finanzieller Unterstützung gewähren lassen darf, so gibt dies zu denken. Wie heisst es im Volksmund: Gibst Du einem Menschen, der Gewalt akzeptiert oder Spielregeln nicht akzeptieren will, den kleinen Finger gibst, so wundere Dich nicht, wenn er auch noch die ganze Hand fordert. Bern hat den Chaoten bereits zu viel gegeben. Die Stimmberechtigten sind im Grunde genommen selbst schuld, wenn sie den rechtsfreien Raum in der Reithalle weiterhin tolerieren. Vielleicht gilt langfristig auch die Volksweisheit: "Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht." Dann könnte es beim Polizeikommando zu einem Umdenken kommen, indem Sachbeschädigungen nicht mehr toleriert werden - nach dem Motto: "Lieber eingeschlagenen Scheiben als eingeschlagenen Köpfe". Und die Devise gilt:"Der Bürger hat ein Anrecht auf Schutz des Eigentum, wie auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit!" Damit gibt es kein "Entweder - oder" Denken mehr, sondern das "Sowohl als auch" Prinzip.

Sonntag, 14. Oktober 2007

Das Nazi-Prinzip

Wer in der Öffentlichkeit Gehör finden will, der zieht einen NS-Vergleich. Ein Überblick

Über sie und ihre NS-Vergleiche streitet halb Deutschland: Eva Herman.
Über sie und ihre NS-Vergleiche streitet halb Deutschland: Eva Herman. ddp

Was geht in dieser Frau vor? Ist sie dumm, naiv oder sehr berechnend, vielleicht erzkonservativ, braun eingefärbt? Mit ihren Vergleichen zur Nazi-Zeit hat Eva Herman eine bundesweite Diskussion entfacht. Dabei ist sie längst nicht die erste prominente Person, die sich des "Nazi-Prinzips" bedient, mehr oder weniger bewusst: Wer sich Gehör verschaffen will, greift in die NS-Sprachkiste - mal ist es ein kalkulierter Tabu-Bruch, um seine Meinung oder Bücher besser zu verkaufen, mal ist es ein spontaner Wut-Ausbruch, um Widersacher mundtot zu machen. Und so sorgt sich der Zentralrat der Juden über einen "enthemmten Umgang" mit NS-Sprache, der zur Nachahmung führen kann und den Schrecken der NS-Geschichte verharmlost und verfälscht. Wie schnell so was passiert, bewies dieser Tage die Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung". Dort schimpfte ein Autor die Talkshow Kerners "Volksgerichtshof". Wenig später entschuldigte sich die Chefredaktion und ließ den Begriff löschen. Bliebe ein Rat von Harry Rowohlt, Schriftsteller und Übersetzer: "Man sollte immer sagen, was man denkt, aber davor ein bisschen was gedacht haben."

Zitat: Eva Herman "Wir müssen das Bild der Mutter wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus abgeschafft wurde."

Eigentlich wollte Eva Herman am 6. September 2007 in Berlin bloß ihr neues Buch "Das Prinzip Arche Noah" vorstellen. Doch aus der PR-Veranstaltung wuchs ein Skandal. Die TV-Moderatorin und Autorin lobte die NS-Familienwerte und damit die NS-Familienpolitik. Darauf kündigte ihr der NDR.

Was Frau Herman hätte bedenken sollen: Die NS-Familienpolitik verfolgte zwei Ziele - Rassenzucht und Rassenvernichtung. Nur "rassisch reine" Paare erhielten Sozialleistungen.

Frauen wurden reduziert auf ihre Mutterfunktion, hoch qualifizierte Frauen wurden aus ihren Berufen verdrängt. Gebärfreudige "arische" Mütter erhielten ab 1938 das "Ehrenkreuz der deutschen Mutter", kurz Mutterkreuz (ab 4 Kinder in Bronze, ab 6 Kinder in Silber, ab 8 Kinder in Gold).

Kinder wurden in der Hitlerjugend und im Bund Deutscher Mädel im Sinne der NS-Weltanschauung erzogen.

In der Talkshow von Johannes B. Kerner kam es zum Eklat, als Eva Herman sagte: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen.

Was Frau Herman hätte wissen sollen: Die Pläne für den Bau der Autobahnen stammen nicht von den Nazis. Mehr noch: Die NSDAP stimmte 1930 im Reichstag gegen den Bau von Autobahnen.

Zitat: Martin Hohmann "Waren Juden ausschließlich die Opfer, die Leittragenden?"

Bei einer derart deutlichen Wortwahl, muss man sich fragen, ob das einfach nur ein Faux-pas gewesen war. Der CDU-Bundestagsabgeordnete benutzte am 3. Oktober 2003, dem Tag der Deutschen Einheit, bei einer Rede in Neuhof bei Fulda im Zusammenhang mit dem Judentum den Ausdruck "Tätervolk". Das mit einem Missverständnis zu entschuldigen, war aussichtslos. Hohmann wurde erst aus seiner Fraktion, dann aus der CDU ausgeschlossen.

Was Herr Hohmann hätte bedenken sollen: Dem Holocaust fielen mindestens sechs Millionen Juden zum Opfer - bis heute ein einzigartig höllisches Verbrechen.

Zitat: Herta Däubler-Gmelin "Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das hat auch Hitler so gemacht."

Es geschah mitten im Wahlkampf im September 2002. Vielleicht gab es gerade eine hitzige Diskussion. Doch diesen Satz hätte sich Justizmi-nisterin Herta Däubler-Gmelin (SPD) verkneifen sollen. Nach der Bundestagswahl 2002 zog sie sich zurück, wurde von Gerhard Schröder bei seiner Kabinettsbildung nicht mehr berücksichtigt.

Was Frau Däubler-Gmelin (studierte Historikerin!) hätte bedenken sollen: Auch wenn man die Politik von US-Präsident Bush nicht schätzt, verbietet sich ein jeglicher Vergleich mit Hitler, einem Mann, der mit seinem Weltkrieg und seinem Rassenwahn ganze Generationen ins Verderben stürzte.

Zitat: Oscar Lafontaine "Helmut Schmidt spricht von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

Für seine Verbalattacken ist Lafontaine bekannt. Doch was er im Juli 1982 in einem Interview mit dem "Stern" sagte (als Oberbürgermeister Saarbrückens und SPD-Vorsitzender des Saarlandes), war mehr als das: Er verglich den damaligen Bundeskanzler Schmidt mit einem KZ-Aufseher. Ein kalkulierter Fehltritt? Später entschuldigte er sich dafür.

Was Herr Lafontaine hätte bedenken sollen: Die Konzen-trationslager waren Arbeits- und Vernichtungslager, die Lagerleiter waren Mörder. Hier wurden Millionen Menschen totgeknechtet, totgeschlagen, totgeschossen, vergast.

Zitat: Willy Brandt "Heiner Geißler ist der größte Volksverhetzer seit Goebbels!"

Nachdem CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sich 1983 im Ton vergriffen und im Zuge der Aufrüstungs-Debatte behauptet hatte, dass Auschwitz ohne den Pazifismus der 30er-Jahre nicht möglich gewesen sei, schlug Brandt am 12. Mai 1985 für die SPD zurück.

Was Herr Geißler hätte bedenken sollen: Dass die Nazis 1933 die Macht ergriffen und Konzentrationslager errichteten, lag nicht an der Friedenspolitik der Westmächte.

Was Herr Brandt hätte bedenken sollen: Niemand lässt sich mit dem NS-Propagandaminister Goebbels vergleichen, der 1943 den "totalen Krieg" ausrief und 1945 mit seiner Frau und seinen sechs Kindern Selbstmord beging.

Zitat: Helmut Kohl "Das ist der schlimmste Bundestags- präsident seit Hermann Göring."

Gemeint hatte Kohl Wolfgang Thierse (SPD), gesagt hatte er es im August 2002 im Bundestagsrestaurant. In Hörweite saßen zwei Redakteure des "Spiegel". Jedoch nahm Kohl nichts zurück, stattdessen betrieb er Journalistenschelte.

Was Herr Kohl (promovierter Historiker!) hätte bedenken sollen: Als Reichstagspräsident 1932 hatte Göring entscheidenden Einfluss auf die Zerschlagung der Weimarer Republik.

Zitat: Joachim Kardinal Meisner "Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."

... sagte er bei der Einweihung des neuen Kunstmuseums Kolumba im September 2007 in Köln.

Was der Kardinal hätte bedenken sollen: Als "entartete Kunst" galten alle Kunstwerke, die dem Kunstverständnis der Nationalsozialisten nicht entsprachen. Maler, aber auch Schriftsteller und Komponisten erhielten - soweit sie nicht emigrierten - ab 1936 Arbeits- und Ausstellungsverbot.

Zitat: Edmund Stoiber "Eine multinationale Gesellschaft auf deutschem Boden, durchmischt und durchrasst."

So sprach er 1988 in München. Und: "Unsere Aufgabe ist es, in erster Linie Politik für die Deutschen zu machen." Erst Jahre später gab er zu, das Wort "durchrasst" nicht mehr in den Mund zu nehmen.

Was Herr Stoiber hätte bedenken sollen: Rassenideologie bezeichnet die ideologisch motivierte Aufteilung der biologischen Art Mensch in "höhere" und "niedrigere" Rassen.

Berliner Kurier, 14.10.2007

Kommentar:

Diese Beispiele machen bewusst, dass es in Deutschland ein Tabu gibt, Nazi-belastete Worte in Reden oder öffentlichen Aufritten in den Mund zu nehmen. Das hatte leider Eva Herman nicht beachtet und landete zwangsläufig im Fettnapf. Sie hätte ihre Aussage ganz klar korrigieren müssen: "Mein Mutterbild hat nichts mit dem Familienbild der Nazizeit zu tun. Der Hinweis auf das Familienbild des dritten Reiches war nicht nur missverständlich. Er war falsch. Mit geht es nur um die heutigen Werte der Familien".

Polizeigrenadiere buhen ihre Chefs aus

Führungsprobleme bei der Stadtpolizei Bern haben Anti-SVP-Krawalle begünstigt

so titelt NZZ online

. Nach den Ausschreitungen gegen den SVP-Umzug in Bern vor einer Woche steht die Einsatzleitung der Polizei sogar bei den eigenen Leuten in der Kritik: Beim Abtreten nach dem Einsatz sei es in der Polizeikaserne zu Buhrufen und offenen Unmutsbekundungen gekommen, berichtet ein Polizist. Laut dem Präsidenten des kantonalen Polizeiverbands, Markus Meyer, hat es sogar Pfiffe gegen die Offiziere gegeben. Das stellt ein Sprecher der Stadtpolizei zwar in Abrede, er räumt aber ein, es sei beim Abtreten zu Diskussionen und «lauten Voten» gekommen.

Falsche Lagebeurteilung- ein nicht funktionierendes Funksystem!

Für Ärger im Korps sorgen falsche Lagebeurteilungen, unverständliche Befehle und technische Pannen während des Einsatzes. Weil das Funksystem der Stadtpolizei zeitweise ausfiel, «wusste der Einsatzleiter nicht immer genau, wo sich seine Leute befinden», sagt ein Polizist. Verbandspräsident Meyer bestätigt «Probleme mit dem Funksystem». Die Einsatzleitung habe auf den Einsatz des Funksystems der Kantonspolizei verzichtet. Das habe wohl zur Überlastung des städtischen Systems geführt, sagt Meyer.

Gemäss Recherchen der «NZZ am Sonntag» sollen vor einer Woche etwas mehr als 400 Polizisten aus dem Kanton Bern im Einsatz gestanden haben – weniger als halb so viele wie bei der Kundgebung gegen das WEF 2005. Aus anderen Kantonen des Polizeikonkordats Nordwestschweiz wurden diesmal nur eine Handvoll Personenschützer zur Unterstützung der Berner angefordert. 2005 waren über 300 Polizisten anderer Kantone den Berner Ordnungshütern zu Hilfe gekommen.

Frage: War dies nur Zufall oder steckte eine Absicht dahinter? Nach unserem Dafürhalten dürfen weder der Regierung noch der SVP böswillige Absichten unterstellt werden. Was dennoch kritisiert werden darf, ist der ungenügende Einsatzplan und die unprofessionelle Vorbereitung der Berner Polizei. Die gravierenden Mängel müssen allein der Führung angelastet werden. Die unprofessionelle Vorbereitung wird gewiss noch Konsequenzen haben. Bedenklich sind jene Leserbriefe mit einem verschwörungstheoretischen Hintergrund. So war war zu lesen, dass jemand der SVP unterstellte, sie habe die Kravalle bewusst selbst inszeniert und sei letztlich Drahtzieher der Krawalle auf dem Bundesplatz. Diese abstruse Verschwörungstheorie zeigt einmal mehr, wie rasch aus Opfern Täter gemacht werden können.

Nachtrag, 16. Okt. (espace.ch)

POLZEI IMMER MEHR IN DER KRITIK

Es wurde publik, dass der Einsatzleiter der Stadtpolizei Bern am 6. Oktober bei Briefing vor der Domo gesagte hatte:

"Man kann davon ausgehen, dass es zu keinen grösseren Ausscheitungen kommt"

Nach weiteren Insiderinformationen machte das Kommando noch weitere Fehleinschätzungen: Es gebe keine Hinweise, dass von Deutschland und anderen Ländern "Szenenleute"einreisen werden. Zudem hätten die linken Demonstranten kein Interesse an Gewalttaten, weil dies nur der SVP nutzen würde.

Diese Informationen an die Presse hatten zur Folge, dass heute interne Untersuchungen eingeleitet wurden, um herauszufinden , wo die Lecks im Korps sind.

Wer glaubt, man könne heute -im Zeitalter des Internets- alle Lecks stopfen, hat die Interaktionsmechanismen zwischen Medien und Unzulänglichkeiten in einer Institution noch nicht erkannt. Besser ist es, bei Krisen und Unzulänglichkeiten transparent zu informieren.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

JOHANNES B. KERNER: NACHLESE DES EKLAT IM STUDIO

Die ANALYSE von Patrick Senn über den Rauswurf von Eva Herman (bei Kerner) überzeugte mich:

Die Szene war eindeutig: Margarethe Schreiemakers wandte sich demonstrativ weg von Eva Herman, Senta Berger drohte, die Sendung zu verlassen (interessanterweise mit dem Argument, sie habe die Bücher von Herman nicht gelesen und fühle sich deshalb ausser Stande, hier mitzudiskutieren). Schreinemakers fand, Hermans Satz, «Ich muss einfach lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht sprechen kann, ohne in Gefahr zu geraten», sei zuviel des Guten. Was soll ein Moderator da tun?

Zuerst einmal: Seine Redaktion rüffeln. Wie kann man mit Frau Berger einen Gast einladen, der sich selbst in der laufenden Sendung für «nicht kompetent» erklärt? Das geht unter journalistischen Erwägungen natürlich gar nicht. Und schon überhaupt gar nicht, wenn heikle Themen wie Vorwürfe der Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut zur Debatte stehen.

Johannes B. Kerner hat sich in der Sendung dann dafür entschieden, Eva Herman zu verabschieden. Er hat damit dem Druck der anderen Gesprächsgäste nachgegeben. Und sich damit erpressbar gemacht. Was wäre besser gewesen?

Zu beruhigen, nachzufragen. Das hätte Kerner schon viel früher tun müssen. Herman ist bis zum Schluss in einem Widerspruch verblieben: Einerseits sagt sie, sie hätte die Werte und den sozialen Status der Mutter VOR dem Nazi-Regime verteidigt, nicht die pervertierte Mutterrolle der Nazis. Andererseits sagt sie indirekt, nicht alles unter den Nazis sei schlecht gewesen: «Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute darauf.» Kerner rechtfertigte sich später auf ZDF online: «Ich hatte die Hoffnung, dass Frau Herman ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde. Als klar war, dass wir dabei nicht weiterkommen, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt.» Das ist schwach. Zuerst hatte Herman sehr wohl relativiert, dann hat sie sich zur eigenen Relativierung in Widerspruch gesetzt. Kerner hat das nicht erkannt und auch nicht thematisiert.

Aber wenn das nun einmal passiert ist: Die Aussagen der anderen Gesprächsgäste «Das geht einfach nicht» sind für mich keine akzeptablen Begründungen. So etwas darf ein Journalist nicht durchgehen lassen. Es wäre zwingend auch auf dieser Seite eine Klärung: Warum geht das nicht? Was genau geht nicht? Dadurch würde sich eine Differenzierung erschliessen. Aber Kerner hat auch hier den Widerspruch nicht erkannt: Margarethe Schreinemakers wirft Herman (zurecht) vor, dass sie nicht bereit sei, sich mit dem eingeladenen Historiker auseinanderzusetzen. Dann verweigert sie selbst – mittlerweilen hochgradig emotional – die Weiterführung des Gesprächs. Auch diesen Widerspruch thematisiert Kerner nicht. (z.B. mit der Frage: Warum ist es kein Widerspruch, das sie Frau Herman den Vorwurf der Gesprächsverweigerung machen und selbst nicht zur Auseinandersetzung mit ihr bereit sind?

Das Fazit: Hier werden Schlussfolgerungen in die Runde geworfen, die nicht logisch hergeleitet werden. Das passiert häufig, insbesondere mit Gästen, die in Dialektik nicht trainiert sind. Unsere Aufgabe als Medienschaffende ist es, Prämissen, zu Grunde liegende Überzeugungen, Voraussetzungen aufzuzeigen – durch Nachfragen. Wie das geht, hat Aristoteles mit seinen Dialektikregeln aufgezeigt, später hat es der Deutsche Rupert Lay neu belebt.

Warum hat Kerner das nicht gemacht? Ich behaupte: Er hatte den Mut nicht, weil Deutschland noch immer so stigmatisiert ist, dass eine differenzierende Auseinandersetzung sofort als mangelnde Distanz zum Nationalsozialismus ausgelegt wird.

Grundlagen:

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,7103532,00.html

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/335636?inPopup=true

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12. Oktober 2007 Leserbriefschreiber verurteilen Kerner

"Eva Herman wird bewusst demontiert"

Seit Dienstagabend kennen wir die umstrittenen Äusserungen der Eva Herman in Originalton und in ungekürzter Länge. Sie zeigen, dass die Aeusserungen in den Medien (bewusst?) falsch widergegeben wurden. Ich hatte gestern in Deutschland ein Seminar gegeben und ein Dozent hat mir in der Pause gesagt: "Wissen Sie, wir Deutschen sind allergisch auf jedes Wort, das mit Hitler oder den Nazis zu tun haben. Wir dürfen weder Zitate noch Worte wie Hitler, Nazi oder Autobahn gar nicht mehr in den Mund nehmen! Diese Worte werden immer missverstanden!"

LESERBRIEFE:

Die Rechtfertigung, geschweige denn die Vertretung oder sogar die Verherrlichung von Nazigedankengut kann ich darin nicht erkennen, im Gegenteil. Dennoch: Eva Herman wird unter anderem vorgeworfen, mit ihren Äusserungen würde sie dem braunen Gesocks in die Hände spielen, denn dieses hätte ihr inzwischen kräftig zugejubelt. Das Gesocks hat sich lediglich der Medienversion bedient und versucht, daraus Kapital zu schlagen. Stellen wir uns vor, NPD und DVU würden jetzt eine Kampagne starten für eine längere Zahlung des Arbeitslosengeldes I an Ältere. Würden Kurt Beck und Jürgen Rüttgers dann zu verkappten Nazis erklärt, die dem braunen Abschaum in die Hände spielen?

Eva Herman wurde und wird bewusst demontiert. Eva Herman wurde von einem zweitklassigen Moderator und seinen Gästen, einer Moderatorin, die wegen Steuertricksereien angeklagt war, einem Auslaufmodell von Schauspielerin, welche ihrer Jugend nachtrauert, und einem Komödianten, welcher bisher nur durch seine dummen, frauenfeindlichen Sprüche und Auftritte in Chartshows auffiel, geschlachtet. Weil man nicht verstehen wollte, was sie sagte. Nur der Einschaltquoten wegen. Nicht wegen des Inhaltes. Das ZDF hat als öffentlich-rechtlicher Sender mit seinem Moderator (beziehungsweise Schlächter) Kerner versagt. Das war Zensur vom Feinsten.

Ich habe Herrn Kerner bisher als einfühlsamen und fairen Talkmaster geschätzt, der stets ein Gespür dafür zeigte, niemanden zu diffamieren oder in die Enge zu treiben. Dienstagabend hatte ich jedoch das erste Mal den Eindruck, dass er Frau Herman bewusst nicht verstehen wollte. Sehr geehrter Herr Kerner, Ihr "Gast" wollte nur sagen, dass sich Kinder nur dann zu glücklichen Menschen entwickeln können, wenn sie Geborgenheit und Liebe erfahren. Hierzu sind aber Eltern nötig, die sich Zeit für ihre Kinder nehmen. Das wissen Sie doch als dreifacher Familienvater am besten. Sie haben Glück, dass Ihre Frau klug genug war, sich für die Familie zu entscheiden, und ihre beruflichen Ambitionen während der Zeit der Kindererziehung zurückstellt. Sie hält damit auch Ihnen den Rücken für Ihre Karriere frei! Diese Frauen verdienen Respekt und Anerkennung. Das wollte Ihnen Frau Herman sagen.

Ich bin Lehrerin für Politik und Wirtschaft an einem Gymnasium im Odenwald und bin zutiefst schockiert darüber, was aus der politischen Streitkultur geworden ist, die die Väter des Grundgesetze im Sinne von Demokratie und Pluralismus im Grundgesetz verankert haben. Wo sind wir gelandet? Hochachtung vor Frau Herman, die sich traut, in dieser immer mehr zur Republik der Abnicker und Wendehälse verkommenden Bundesrepublik öffentlich mit Mut anzusprechen, was Not tut im Staate. Hier geht es doch darum, dass es nicht sein kann, dass Kinder in Krippen abgeschoben werden, damit alle dem Kapital dienen, und Elternteile, die zu Hause Verantwortung übernehmen wollen, öffentlich diffamiert, ja sogar "hingerichtet" werden. Natürlich soll die Möglichkeit bestehen, dass auch Frauen selbstständig ihr Geld verdienen. Ich glaube nicht, dass Frau Herman dies in Abrede stellen will mit ihrem Statement. Dass sie eine Lobby für die in der Öffentlichkeit inzwischen diskriminierte Minderheit sucht, die sich anders entscheidet, ist doch in keiner Weise verwerflich. Im Gegenteil!

Meine Sympathie für Frau Herman ist um 100 Prozent gestiegen, für Kerner um 50 Prozent gesunken und für die Schreinemakers um 1000 Prozent bis in den Keller gestürzt, dahin, wo sie hingehört. Ich wünsche Frau Herman von Herzen alles Gute und die Nerven, diese Situation zu meistern. Das Wesen der Medienfreiheit in Deutschland sollte nochmals mit und bei ZDF-Super-Liebling Kerner diskutiert werden. Wenn die sicher fragwürdigen Ansichten der unglücklich-naiven Frau Herman von solchen Emotionsprofis wie Frau Schreinemakers und Frau Berger zur reinen Betroffenheitsbesoffenheit genutzt werden, darf meines Erachtens ein ernst zu nehmender Moderator nicht solche unmittelbare Gefälligkeitszensur betreiben.

Wo kommen wir denn hin, wenn aus aktuellen Medien- und Publikumsinteresse eingeladene Gäste nur das sagen dürfen, was man von ihnen hören möchte oder aber ansonsten vor laufender Kamera rausgeworfen werden! Unsere Mediendemokratie krankt bereits sehr, zum Beispiel an einer Einschaltquotenschere im Kopf, da sollte der Weg des ZDF von der ernsthaften Gesprächsrunde über die Talkshow nicht auch noch direkt in den "Unterschichten"-Fernsehklamauk führen. Aus diesen prinzipiellen und nicht etwa inhaltlichen Gründen erwarte ich hier eine Entschuldigung von Herrn Kerner beim Publikum.

Auch wenn Eva Hermans "Mitteilungen an die Nation" zurzeit noch nicht verstanden oder bewusst verfälscht werden, so sehe ich es als hoffnungsvoll an, dass ein neues Bewusstsein bei der Bevölkerung entstehen wird, wie sehr die Medien und Machthaber Wahrheiten verdrehen und somit die Menschen manipulieren.

Kommentar:

Der Auszug einiger PRO-HERMANN Leserbriefe macht bewusst, dass auch Laien erkennen, wenn in den Medien etwas nicht mehr stimmen kann. Auch wir haben vermutet, etwas könnte inszeniert , manipuliert worden sein. Die Auswahl der Gesprächsteilnehmer war jedenfalls bereits fragwürdig. Dass auch das ZDF daran interessiert sein kann, dem Publikum zu zeigen, dass sie die Moderatorin zu Recht rausgeworfen haben, ist nachvollziehbar. Es ist auch denkbar, dass man Kerner vorgängig nahegelegt hat, Herman gleichsam mit einer Akupunkturrhetorik dazu zu bringen, dem Publikum zu beweisen, dass sie untragbar geworden ist.

Für mich bot Kerner jedenfalls kein kein journalistisches Meisterstück. Das Publikum erkannte die manipulativen Elemente. Ich könnte mir gut vorstellen, dass bei einer Klage Eva Hermanns, sie nachträchlich trotz Hinauswurf zusätzlich punkten kann.

NACHTRAG 14. Oktober

Jubel um Eva Herman auch im Internet: ( in Bild online gelesen) Es scheint also doch mehr Menschen zu geben als man denkt, die Eva Hermans Ansichten teilen:

Ich weiss mit diesem Artikel begebe ich mich aufs Glatteis, aber seis drum. Die deutsche Presse hat wieder einen Buhmann:Eva Herman. Aber was hat sie eigentlich verbrochen? Sie steht für vergangene Werte wie Familie, Zusammenhalt, Geborgenheitsgefühl. Früher als die Frauen (Mütter) noch ausschliesslich für ihre Familien da waren, gab es sicher weniger Jugendkriminalität, weniger drogenabhängige Jugendliche und weniger verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche. Wie sieht es heute aus? Die Eltern plädieren für Ganztagsschulen, die Frauen wollen (und müssen) berufstätig sein. Landauf,landab wird gefordert mehr Kindertagesstätten einzurichten.

Wenn ich mir Kinder anschaffe, bin dafür auch verantwortlich in jeder Beziehung. Die Zeiten haben sich geändert, leider möchte ich fast sagen. Allerdings nicht hinsichtlich der Nazizeit. Frau sollte sich entscheiden können, zwischen Familie und Beruf. Man kann auch beides vereinen, aber viele Mütter bekommen das nicht hin. Ich rede jetzt nicht von alleinerziehenden Müttern, die gezwungen sind den ganzen Tag zu arbeiten um ihre Kinder zu ernähren. Ich rede von den Frauen die ein Kind bekommen, es mit ein paar Monaten schon von fremden Personen betreuen lassen um berufstätig sein zu können. Wenn es auch nicht sofort offensichtlich ist, irgendetwas bleibt auf der Strecke. Ich bin auch berufstätig, aber mein Kind und mein Mann hatten immer höchste Priorität. Wenn mein Kind von der Schule kommt bin ich Zuhause und das Essen steht auf dem Tisch. Nun höre ich mir die Geschehnisse des Schultages an und das ist Einiges. Am Nachmittag bin ich präsent, wenn es um Fragen zu den Hausaufgaben geht. Meistens bleibt noch Zeit um zusammen "raus" zu gehen. Inline skaten, Eis essen, oder schnell ein "Oberteil" shoppen.

Ich habe meine Arbeit auf die erste Tageshälfte gelegt, nämlich von 08.00-13.00. Im grossen und ganzen finde ich sollte man sich wirklich wieder mehr der Familie zuwenden. Was nicht heissen soll, dass ich finde die Frauen sollten wieder hinter den Herd verschwinden. Es wäre wünschenswert wenn man eine gesunde Kombination aus Emanzipation und "alten Wertvorstellungen" schaffen könnte. Um auf J.B.Kerner und seine anderen Gäste zu sprechen zu kommen; Zu Kerner passt dieses "angepasste" Verhalten. Man hätte diese Situation auch anders entschärfen können. Warum darf man in einer Demokratie nicht seine Meinung sagen? Es ist doch unser aller Geschichte? Und ich gebe Eva Herman recht, früher war nicht alles schlecht.

Dienstag, 9. Oktober 2007

Quelle BILD online

Eva Herman:

Erst gefeuert, jetzt gefeiert

Mit einer engagierten Rede begeisterte Eva Herman die Zuhörer beim „Forum Deutscher Katholiken“ in Fulda.

Tosender Applaus, 700 jubelnde Menschen und eine lächelnde Eva Herman die so viel Zustimmung lange nicht mehr erlebt hat. Der NDR hatte die Moderatorin vor einem Monat fristlos entlassen, weil sie bei der Vorstellung ihres neuen Buches „Das Prinzip Arche Noah“ mit missverständlichen Formulierungen die Familienpolitik der Nazis gelobt haben soll.

Die Welt sieht nun ganz anders aus. Sie wurde jetzt beim „Forum Deutscher Katholiken“ als Gastrednerin begeistert empfangen.

Kongress-Leiter Alois Konstantin Fürst zu Löwenstein kündigte Eva Herman mit den Worten an, sie sei „eine tapfere Frau“, die gegen das „öffentliche Geheul“ anstimme.

In ihrer 40-minütigen Rede betonte sie, wie wichtig heute Werte wie Liebe, Familie und Kinder seien.

Herman beklagte sich über die Prügel, die sie für ihre Thesen einstecken musste:

„Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht.“

Und fügte bei: „Mir ist der Mechanismus inzwischen vollkommen klar. Sofern jemand das Wort erhebt und sich für diese Werte einsetzt, wird er bombardiert. Es wird Nazi-Lob in ihn projiziert und gleichzeitig wird er als Sympathisant öffentlich verurteilt. Ganz egal übrigens, wie er wirklich dazu steht. Auch egal, ob er sich jahrelang entschieden gegen Rechts eingesetzt hat.“

Der Augsburger Bischof Dr. Walter Mixa sah wegen Eva Herman keinen Grund, Herman nicht einzuladen. „Das Forum Deutscher Katholiken ist ein wichtiges Gremium der katholischen Laienarbeit“, sagte sein Sprecher Christoph Goldt.

„Der Bischof sieht es als seine Pflicht an, die katholische Lehre frei zu verkünden und seine Meinung frei zu vertreten. Der Bischof vertritt immer und überall seine Meinung. Es hat keinen Grund gegeben, seine Zusage an der Teilnahme am Forum zurückzuziehen.“

Kommentar: Wir vertreten nach wie vor die Meinung, dass die ehemalige Tagesschausprecherin ihre missverständliche Aeusserung selbstverschuldet hatte. Wenn jemand falsch verstanden wird, so ist in der Regel der Sender schuld. Eva Hermans Einstehen für die Anerkennung er Mutterarbeit fiel zwar am Katholikentag auf fruchtbaren Boden. Doch glauben wir nicht, dass es Eva Herman gelingen wird, ihre Akzeptanz in den Medien zurückzugewinnen. Es gibt zu viele schadenfreudige Gegnerinnen und militante Vertreterinnen der "Fremdbetreuung"(auch in der Politik) von Kindern. Somit hätte Eva Herman - auch ohne verbalen Patzer - so oder so - einen Kampf gegen Windmühlen bestreiten müssen.

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Nachtrag: Erneut gefeuert

Eva Herman nichts gelernt?

Eklat bei Kerner!

Eva Herman wurde von Moderator Johannes B. Kerner aus seiner Talkshow geworfen.

Was war geschehen?

Herman sieht sich als Opfer. Sie zeigte bei Kerner keine Einsicht und eckte an. Kerner fragte Eva Herman während der Aufzeichnung zu seiner Talkshow fast 50 Minuten lang , ob sie ihre in die Kritik geratenen Äusserungen zu den Familienwerten während der Nazi-Zeit nochmals wiederholen würde.

Eva Herman wich immer aus und sagte immer wieder, sie habe nichts mit dem braunen Gedankengut zu tun, obwohl man sie in diese Ecke sellen wolle. Sie legte sogar noch nach und liess sich provozieren: Wenn man nicht über Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die damals gebaut wurden.

Herman sagte, man dürfe heute nicht mehr über deutsche Geschichte reden, ohne sich zu gefährden.

Die drei weiteren Gesprächspartner, Schauspielerin Senta Berger, Ex-Talkmasterin Margarethe Schreinemakers und Comedian Mario Barth, zeigten offen ihren Unmut über den Verlauf des Gesprächs.

Der Talkmaster entschied sich nun, die umstrittene Ex-Moderatorin aus der Gesprächsrunde auszuschliessen.

Kerner:

Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman.“

Die Sendung wurde mit dieser dramatischen Szene ausgestrahlt.

Johannes B. Kerner erklärte BILD gegenüber sein Vorgehen so:

„Ich wollte wissen, was Eva Herman wirklich denkt. Als ich gemerkt habe, dass sie ihre missverständlichen Äusserungen nicht zurücknimmt, habe ich sie freundlich verabschiedet.“

Kommentar: Schade, dass Eva Herman die Chance verpasst hat, zuzugeben, dass es ein Fehler war, Hitler im Zusammenhang mit guter Familienpolitik überhaupt in den Mund zu nehmen.

Zugegeben. Herman hatte keinen leichten Stand in der Runde. Alle waren gegen sie. Auch der Historiker in der zweiten Reihe. Sie wurde von allen Seiten hart angegriffen. Vor allem von den beiden Frauen, die mit dem verstaubten Hausfrauenbild nichts anfangen konnten und Hermans Thesen ein Dorn im Auge war. Senta Berger urteilte über das Buch und hatte es nicht einmal gelesen. Auch Kerner war angriffig. Ich habe ihn beim Moderieren noch nie so parteiisch gesehen, als hätte er einen Auftrag gehabt, Herman fertig zu machen. Immer wieder versuchte er die ehemalige Moderatorin in die Naziecke zu stellen. Er zitierte Texte aus dem dritten Reich und verglich diese mit Formulierungen aus dem Buch Eva Prinzip. Er erwähnt immer wieder, dass Eva Herman von den Rechtsextremen gelobt werde. Das komme nicht von ungefähr. Das war für Herman zu viel. Dass man in Stresssituationen die Nerven verlieren kann, ist nachvollziehbar. Eva Hermann musste sehr viel einstecken. Sie hatte keinen einfachen Stand. Doch liess sich die ehemalige Fernsehfrau provozieren und merkte nicht mehr, dass sie sich mit das Reizwort Autobahn zum Abschuss frei gab. Herman manöverierte sich nochmals in eine problematische Ecke und verlor. Eva Hermann hätte bei Kerner die Gelegenheit nutzen können, sich mit einem Satz zu entschuldigen für den missverständlichen Vergleich. Stattdessen wiederholte sie immer wieder , Ihre Aussage sei aus dem Zusammenhang herausgegriffen worden und man rücke das Originalband nicht heraus. Ihr Zitat sei eindeutig gewesen. Man könne es beweisen. Sie habe mit braunem Gedankengut nichts am Hut.

Ob sich Eva Herman vor dem Gespräch briefen liess? Wohl kaum, sonst hätte sie sich nicht provozieren lassen.