Die ANALYSE von Patrick Senn über den Rauswurf von Eva Herman (bei Kerner) überzeugte mich:
Die Szene war eindeutig: Margarethe Schreiemakers wandte sich demonstrativ weg von Eva Herman, Senta Berger drohte, die Sendung zu verlassen (interessanterweise mit dem Argument, sie habe die Bücher von Herman nicht gelesen und fühle sich deshalb ausser Stande, hier mitzudiskutieren). Schreinemakers fand, Hermans Satz, «Ich muss einfach lernen, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht sprechen kann, ohne in Gefahr zu geraten», sei zuviel des Guten. Was soll ein Moderator da tun?
Zuerst einmal: Seine Redaktion rüffeln. Wie kann man mit Frau Berger einen Gast einladen, der sich selbst in der laufenden Sendung für «nicht kompetent» erklärt? Das geht unter journalistischen Erwägungen natürlich gar nicht. Und schon überhaupt gar nicht, wenn heikle Themen wie Vorwürfe der Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut zur Debatte stehen.
Johannes B. Kerner hat sich in der Sendung dann dafür entschieden, Eva Herman zu verabschieden. Er hat damit dem Druck der anderen Gesprächsgäste nachgegeben. Und sich damit erpressbar gemacht. Was wäre besser gewesen?
Zu beruhigen, nachzufragen. Das hätte Kerner schon viel früher tun müssen. Herman ist bis zum Schluss in einem Widerspruch verblieben: Einerseits sagt sie, sie hätte die Werte und den sozialen Status der Mutter VOR dem Nazi-Regime verteidigt, nicht die pervertierte Mutterrolle der Nazis. Andererseits sagt sie indirekt, nicht alles unter den Nazis sei schlecht gewesen: «Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute darauf.» Kerner rechtfertigte sich später auf ZDF online: «Ich hatte die Hoffnung, dass Frau Herman ihre problematischen Äußerungen im Gespräch relativieren würde. Als klar war, dass wir dabei nicht weiterkommen, habe ich das Gespräch mit ihr beendet und mit meinen anderen Gästen fortgesetzt.» Das ist schwach. Zuerst hatte Herman sehr wohl relativiert, dann hat sie sich zur eigenen Relativierung in Widerspruch gesetzt. Kerner hat das nicht erkannt und auch nicht thematisiert.
Aber wenn das nun einmal passiert ist: Die Aussagen der anderen Gesprächsgäste «Das geht einfach nicht» sind für mich keine akzeptablen Begründungen. So etwas darf ein Journalist nicht durchgehen lassen. Es wäre zwingend auch auf dieser Seite eine Klärung: Warum geht das nicht? Was genau geht nicht? Dadurch würde sich eine Differenzierung erschliessen. Aber Kerner hat auch hier den Widerspruch nicht erkannt: Margarethe Schreinemakers wirft Herman (zurecht) vor, dass sie nicht bereit sei, sich mit dem eingeladenen Historiker auseinanderzusetzen. Dann verweigert sie selbst – mittlerweilen hochgradig emotional – die Weiterführung des Gesprächs. Auch diesen Widerspruch thematisiert Kerner nicht. (z.B. mit der Frage: Warum ist es kein Widerspruch, das sie Frau Herman den Vorwurf der Gesprächsverweigerung machen und selbst nicht zur Auseinandersetzung mit ihr bereit sind?
Das Fazit: Hier werden Schlussfolgerungen in die Runde geworfen, die nicht logisch hergeleitet werden. Das passiert häufig, insbesondere mit Gästen, die in Dialektik nicht trainiert sind. Unsere Aufgabe als Medienschaffende ist es, Prämissen, zu Grunde liegende Überzeugungen, Voraussetzungen aufzuzeigen – durch Nachfragen. Wie das geht, hat Aristoteles mit seinen Dialektikregeln aufgezeigt, später hat es der Deutsche Rupert Lay neu belebt.
Warum hat Kerner das nicht gemacht? Ich behaupte: Er hatte den Mut nicht, weil Deutschland noch immer so stigmatisiert ist, dass eine differenzierende Auseinandersetzung sofort als mangelnde Distanz zum Nationalsozialismus ausgelegt wird.
Grundlagen:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/12/0,1872,7103532,00.html
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/335636?inPopup=true
12. Oktober 2007 Leserbriefschreiber verurteilen Kerner
"Eva Herman wird bewusst demontiert"
Eva Herman wurde und wird bewusst demontiert. Eva Herman wurde von einem zweitklassigen Moderator und seinen Gästen, einer Moderatorin, die wegen Steuertricksereien angeklagt war, einem Auslaufmodell von Schauspielerin, welche ihrer Jugend nachtrauert, und einem Komödianten, welcher bisher nur durch seine dummen, frauenfeindlichen Sprüche und Auftritte in Chartshows auffiel, geschlachtet. Weil man nicht verstehen wollte, was sie sagte. Nur der Einschaltquoten wegen. Nicht wegen des Inhaltes. Das ZDF hat als öffentlich-rechtlicher Sender mit seinem Moderator (beziehungsweise Schlächter) Kerner versagt. Das war Zensur vom Feinsten. Ich bin Lehrerin für Politik und Wirtschaft an einem Gymnasium im Odenwald und bin zutiefst schockiert darüber, was aus der politischen Streitkultur geworden ist, die die Väter des Grundgesetze im Sinne von Demokratie und Pluralismus im Grundgesetz verankert haben. Wo sind wir gelandet? Hochachtung vor Frau Herman, die sich traut, in dieser immer mehr zur Republik der Abnicker und Wendehälse verkommenden Bundesrepublik öffentlich mit Mut anzusprechen, was Not tut im Staate. Hier geht es doch darum, dass es nicht sein kann, dass Kinder in Krippen abgeschoben werden, damit alle dem Kapital dienen, und Elternteile, die zu Hause Verantwortung übernehmen wollen, öffentlich diffamiert, ja sogar "hingerichtet" werden. Natürlich soll die Möglichkeit bestehen, dass auch Frauen selbstständig ihr Geld verdienen. Ich glaube nicht, dass Frau Herman dies in Abrede stellen will mit ihrem Statement. Dass sie eine Lobby für die in der Öffentlichkeit inzwischen diskriminierte Minderheit sucht, die sich anders entscheidet, ist doch in keiner Weise verwerflich. Im Gegenteil! Wo kommen wir denn hin, wenn aus aktuellen Medien- und Publikumsinteresse eingeladene Gäste nur das sagen dürfen, was man von ihnen hören möchte oder aber ansonsten vor laufender Kamera rausgeworfen werden! Unsere Mediendemokratie krankt bereits sehr, zum Beispiel an einer Einschaltquotenschere im Kopf, da sollte der Weg des ZDF von der ernsthaften Gesprächsrunde über die Talkshow nicht auch noch direkt in den "Unterschichten"-Fernsehklamauk führen. Aus diesen prinzipiellen und nicht etwa inhaltlichen Gründen erwarte ich hier eine Entschuldigung von Herrn Kerner beim Publikum.Wenn ich mir Kinder anschaffe, bin dafür auch verantwortlich in jeder Beziehung. Die Zeiten haben sich geändert, leider möchte ich fast sagen. Allerdings nicht hinsichtlich der Nazizeit. Frau sollte sich entscheiden können, zwischen Familie und Beruf. Man kann auch beides vereinen, aber viele Mütter bekommen das nicht hin. Ich rede jetzt nicht von alleinerziehenden Müttern, die gezwungen sind den ganzen Tag zu arbeiten um ihre Kinder zu ernähren. Ich rede von den Frauen die ein Kind bekommen, es mit ein paar Monaten schon von fremden Personen betreuen lassen um berufstätig sein zu können. Wenn es auch nicht sofort offensichtlich ist, irgendetwas bleibt auf der Strecke. Ich bin auch berufstätig, aber mein Kind und mein Mann hatten immer höchste Priorität. Wenn mein Kind von der Schule kommt bin ich Zuhause und das Essen steht auf dem Tisch. Nun höre ich mir die Geschehnisse des Schultages an und das ist Einiges. Am Nachmittag bin ich präsent, wenn es um Fragen zu den Hausaufgaben geht. Meistens bleibt noch Zeit um zusammen "raus" zu gehen. Inline skaten, Eis essen, oder schnell ein "Oberteil" shoppen.
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