Samstag, 14. April 2018

Wer möchte nicht Lügner entlarven können

Trotz neuster Erkenntnisse ist es schwierig, Lügner zu entlarven.

Soziale Lügen haben ein positives Ziel, die sind in Ordnung. Sie verbessern das gegenseitige Verständnis und fördern sogar das Vertrauen untereinander.
Wenn ich ein positives Feedback nicht glauben kann, kann ich wenigstens der negativen Reaktion trauen? Ja, Kritik ist oft ehrlicher als Lob.
Können wir unterscheiden, welche positive Äusserung wahr ist und welche nicht? Das ist wirklich schwierig in der digitalen Welt. Wir können es am ehesten aus dem Kontext erschliessen. Wenn jemand nur selten auf einen Post im Netz reagiert, ist seine Reaktion, ob positiv oder negativ, glaubwürdiger als von jemandem, der ständig alles liked. Es ist vermutlich auch viel bedeutungsvoller und auch verstörender, wenn man gar keine Reaktion auf seinen Post bekommt. Vor allem dann, wenn ein Freund aus der realen Welt nicht reagiert. Das ärgert richtig.
Und in der richtigen Welt? Da ist es viel einfacher: Hier kann man auf die Stimme hören, auf die Körpersprache achten und ins Gesicht schauen.
Worauf muss ich da achten? Zum Beispiel auf die Veränderungen im Gesicht: Die Mundwinkel, die auf einmal nach oben oder unten zeigen, die Fältchen, die sich um die Augen bilden.
Und woran erkenne ich, dass mein Gegenüber ehrlich ist? Es darf keinen Widerspruch geben zwischen den Worten und den Bewegungen, der Mimik und der Stimme.
Zum Beispiel? Wenn man jemandem im Gespräch zustimmt, zeigt man das mit einer unterstreichenden Handbewegung, lehnt sich zu ihm, nickt mit dem Kopf dazu, lächelt und gibt der Stimme einen warmen Ton.
Das kann man doch auch vorspielen. Nur bedingt. Man kann ein falsches Lächeln ziemlich gut von einem richtigen Lächeln unterscheiden.
Wie? Ein falsches Lächeln benutzt nur den Mund, mit hochgezogenen Mundwinkeln, nicht aber die Backen und die Augenpartie. Wenn man wirklich positive Gefühle zeigt, gehen die Backen hoch und die Muskeln um die Augen ziehen sich zusammen. Es gibt dann diese berühmten kleinen Lachfältchen.
Das funktioniert auch, wenn das Gesicht geliftet oder mit Botox behandelt ist? Auch dann. Botox legt in der Regel nicht das ganze Gesicht lahm. Auch wenn die Augenpartie gespritzt ist, bewegen sich immer noch Mund und Backen.
Quelle BLICK online:

 Berkeley-Professorin Dana Carney erklärt,  
wie man Schwindeleien erkennt «Wir sind alle Lügner»

LINKS:


Die folgenden 10 Regeln zur Kunst des Lügens sind in der NZZ vom 31. März 2001 in einem längeren Artikel über das Lügen aufgelistet worden. Der Nachabdruck erscheint mit Bewilligung des Verlages. Ehrenwort!
www.rhetorik.ch/Wahrheit/Luege.html

Bei all den vielen Lügen hat kaum jemand ein schlechtes Gewissen. Viele Händler täuschen Interesse oder Desinteresse vor. Jede Übertreibung oder Untertreibung ist auch ein Abweichen von der Wahrheit. Beispielsweise wird ein Autoverkäufer anstatt offen zu lügen, einfach gewisse relevante Aussagen verschweigen ...
www.rhetorik.ch/Wahrheit/Wahrheit1.html

Marcus Knill, wann haben Sie zum letzten Mal gelogen? MARKUS KNILL: Heute Morgen. Wie gehts, hat mich ein Bekannter gefragt. Es geht, habe ich geantwortet. Es ging mir aber gut. Dann halten sie es mit den Forschern, die behaupten, dass jeder Mensch 100 bis 200 Mal am Tag lügt? KNILL: Da gibt es verschiedene ...
www.rhetorik.ch/Wahrheit/Fantasie.html

27. Jan. 2011 ... Januar 2011 beschäftigte sich DRS 1 im Treffpunkt mit dem Schwerpunktthema " Lügen". Die Sendung wurde mit folgendem Text angekündigt: Ehrlich währt am längsten? Fünfzig Mal pro Tag sagen wir nicht die Wahrheit. Dies behaupten zumindest verschiedene Studien. Wir flunkern, sagen nicht alles ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/11/01_27/index.html


 

Freitag, 13. April 2018

Typen am Arbeitsplatz die nerven

Ergänzung zu meinem Beitrag "Umgang mit schwierigen Typen"

Kennen Sie diese Typen aus Ihrem Büro?

(Aus 20 Min) Vom Mr. Beschäftigt bis zur Hypochonderin: Jeder hat Kollegen, die einfach nerven. Eine Typologie aus dem Büroalltag.

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Sie leben nur für die Firma und sind sich zu schade, die Spülmaschine einzuräumen: Wer in einem Büro arbeitet, dem begegnen immer wieder Kollegen mit den gleichen Marotten. Eine kleine Auswahl:




Mr. Beschäftigt

Dieser Typ scheint immer sehr, sehr beschäftigt. Doch eigentlich tut er nur so, als ob er hart arbeiten würde. Um diesen Eindruck zu vermitteln, hat er eine ganze Kiste von Tricks. Mails programmiert er zum Beispiel so, dass sie mitten in der Nacht abgeschickt werden, damit sein Chef denkt, er würde morgens um zwei Uhr arbeiten. Im Büro flucht und jammert er gerne lautstark darüber, wie viel er zu tun hat. Sein Lieblingssatz, wenn man sich ihm nähert: «Jetzt nicht.»

Die Putz-Allergikerin

Diese alteingesessene Kollegin arbeitet schon seit vielen Jahren auf der Abteilung. Mit der Spülmaschine ist sie in dieser Zeit aber noch nie in Berührung gekommen. Sie hat schliesslich nicht an einer Top-Uni studiert, um niedere Arbeiten im Büro zu verrichten. Ihre von Lippenstift verschmierten Tassen lässt sie darum immer im Lavabo zurück. Irgendein Praktikant wird sich schon dann darum kümmern.

Der Firmen-Sklave

Dieser Zeitgenosse hat noch nicht mitbekommen, dass viele Überstunden heutzutage kein Grund mehr zum Angeben sind. Er hat sich mit seiner 60-Stunden-Woche freiwillig eine Work-Work-Balance geschaffen und beantwortet Mails immer innert fünf Minuten – egal, zu welcher Tageszeit. Die Firma ist sein ein und alles: Am liebsten würde er sich das Firmenlogo auf die Brust tätowieren lassen.

Der Hunde-Papi

Seine französische Bulldoge heisst Olivier oder Stella. Das Tier ist sein emotionaler Support im brutalen Büroalltag. Wenn er Bestätigung braucht, die er von seinen Kollegen nicht bekommt, schaut er in die treuen, feuchten Augen seines Hundes – und alles ist wieder gut. Stella stellt keine Fragen. Stella versteht. Dass die Kollegen manchmal wenig Verständnis für den Geruch nach nassem Hund im Büro aufbringen wollen, sieht der Hunde-Papi allerdings nicht ein.

Die Technik-Oma
Bei der Informatik-Helpline steht ihr Name auf der schwarzen Liste. Die Technik-Oma ist zwar erst Mitte 20 und hat nie eine Welt ohne Internet und Computer gekannt. Trotzdem ist sie eine Null, wenn es darum geht, den Drucker mit ihrem PC zu verbinden oder ein Sicherheitsupdate zu installieren. Und darauf ist sie auch noch stolz.


Der Schrei-Telefonierer

Er verwechselt sein Telefon offenbar mit einem Megafon. Der Schrei-Telefonierer möchte, dass alle mitbekommen, wie wichtig er ist. Wenn er Anstalten macht, zum Hörer zu greifen, verabschieden sich seine Tischnachbarn hastig in die Kaffeepause oder versuchen, sich mit Kopfhörern zu schützen. Sein Gelärme hat nur ein Ziel: Seinem Chef und den Kollegen zu zeigen, dass ohne ihn der Laden nicht laufen würde.

Die Hypochonderin

Die Krankheitstage-Liste führt sie seit Jahren an. Sie putzt ihre PC-Tastatur vor Arbeitsbeginn und desinfiziert sich alle fünf Minuten die Hände. Auf ihrem Pult hat es mehrere angebrochene Packungen mit Vitamin-C-Tabletten, und sie ist auch im Sommer in einen dicken Schal gewickelt. Sie hasst Klimaanlagen und knallt jedes Fenster theatralisch zu, das länger als zehn Sekunden geöffnet ist.

Der Blender

Der Kollege, der sich ständig in den Vordergrund drängt, per Zufall gerade dann rauchen geht, wenn das der Chef auch tut, beim Weihnachtsessen immer am Tisch der Geschäftsleitung sitzt und gerne mit Anglizismen wie «No-Brainer» und «Business Case» um sich wirft. Doch so toll, wie er tut, ist er eigentlich nicht.
LINK: Umgang mit schwierigen Typen

22. Dez. 2001 ... Bei vielen Diskussionen, vor allem bei Wahlveranstaltungen, sind sie ein Dauerproblem: Die Stänkerer, Sonderlinge, Vielredner, die sogenannten " Nervensägen". Sie stellen die Geduld der Diskussionsleiter und Podiumsgäste, aber auch des Publikums auf die Probe. Es scheint, dass alle machtlos sind ...
www.rhetorik.ch/Nervensaegen/Nervensaegen.html

15. Jan. 2007 ... Aber das Schwierige an Projekten ist nicht die Planung, sondern der Umgang mit den Beteiligten. Eine kleine Typologie. "Irgendwo taucht ein Problem auf und sofort gibt es eine Projektgruppe", sagt Markus Knill, Kommunikationsberater und Teamexperte aus der Schweiz. Projektarbeit heisst das Motto, ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/01_15/index.html

10. Aug. 2005 ... Im Lehrbuch Team und Kommunikation ist ein Kapitel dem Umgang mit den unterschiedlichsten Teamtypen gewidmet. Ich sammelte damals monatelang die gängigsten und sonderbarsten Teammitglieder und glaubte, die wichtigsten Typen und Mischformen zusammengetragen zu haben. Wir behandeln ...
www.rhetorik.ch/Janusgesicht/Janusgesicht.html

Mittwoch, 11. April 2018

Gegenseitiges Verständnis fördern

Dank verbesserter Kommunikation Vertrauen aufbauen
So können wir das gegenseitige Verständnis fördern


VORAUSSETZUNG

Eine gute Beziehung

Bildergebnis für Gute Beziehung

WAS FOERDERT DEN DIALOG?

- Das Gegenüber ernst nehmen
- Sich in Gegenposition versetzen können
- Gegenargumente anhören (aktiv zuhören)

Bildergebnis für Brücke

WIE KANN ICH MICH DER VORWURFSSCHLAUFE ENTZIEHEN?

- Fragen statt sagen
- Hin zu konkreten Fakten lenken

Bildergebnis für Fragen

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AUS DER PRAXIS FUER DIE PRAXIS:
Die Erkenntnisse basieren auf  langjähriger Erfahrung bei heiklen Verhandlungen und Gesprächen
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DIE VORBEREITUNG IST DIE HALBE MIETE

WAS IST DIE WICHTIGSTE BOTSCHAFT?

- Was muss verankert werden?



DAS ARGUMENT KURZ UND KONKRET AUF DEN PUNKT BRINGEN
- BBB Formel: Nur eine Botschaft (ein Argument mit einem Bild oder einem Beispiel koppeln)

Bildergebnis für auf den Punkt bringen




EINWAENDE ANTIZIPIEREN


- Wer nicht in den Mokassins des Gegners gelaufen ist, argumentiert schlechter
- Versuche deshalb auch die Position der anderen Seite einzunehmen






Bildergebnis für mokassins Indianer




NACH DEM HARVARD PRINZIP VERHANDELN

- Mit der Person freundlich - in der Sache hart kommunizieren
- "Ich verstehe Deine Sicht - bin aber mit dieser Ansicht nicht einverstanden"

Bildergebnis für Harvard Prinzip

PRAESENT SEIN

- Wer 100% ig engagiert ist und sich nicht von Tipps und Tricks ablenken lässt
(Wie soll ich schauen, wie soll ich betonen usw.), der kann sogar Fehler machen. 
Sie werden toleriert. Das vereinfacht alle Kommunikationsprozesse.

Bildergebnis für Präsent sein 


VERSTAENDLICHKEITSHELFER  KENNEN

Die wichtigsten Merkmale der Verständlichkeit sind:
- Einfachheit 
- Gliederung, Ordnung
- Kürze - Prägnanz 
- Anregende Zusätze


 ABER DAS WICHTIGSTE IST UND BLEIBT:

- Die  Einstellung des Redners. Diese ist entscheidend!
- Nur wer von seinem Argument   überzeugt ist, kann glaubwürdig überzeugen




 





An Reaktionen mangelt es nicht

Jens Jessen wusste, dass er mit seinem Beitrag in ein Wesbennest sticht

Der "Zeit"-Titelgeschichte "Der bedrohte Mann" von Jens Jessen ist zu entnehmen, dass es für ihn als Mann nur ein einziges Schicksal gibt: Er ist schuldig und macht alles komplett falsch.
"Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist. So oder so steht die Schuldigkeit schon durch Herkunft fest."
Und wo sich jeder Maßstab für angemessene Metaphern eh schon aufgelöst hat, ergänzt er noch:
"Der Feminismus hat damit eine Grenze überschritten, die den Bezirk der Menschlichkeit von der offenen Barbarei trennte. Nur sehr Tapfere erkennen darin eine heilsame Lektion, die es allen Männern erlaubt, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen: Was einige getan haben, wird allen zur Last gelegt. Jeder Muslim ein potenzieller Terrorist, jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger. Aber worauf wollen die Aktivistinnen der #MeToo-Bewegung mit ihrem neuen feministischen Volkssturm hinaus, diesem Zusammentreiben und Einsperren aller Männer ins Lager der moralisch Minderwertigen?"
Doch trotz offensichtlichen Lagerkollers ist es dem tapferen Feuilletonisten gelungen, seinen Text direkt aus dem Gulag herauszufunken und in der größten deutschen Wochenzeitung zu veröffentlichen.

Jens Jessen

Jens Jessen

KOMMENTAR:
Jens Jessen hätte wissen müssen, dass er mit dieser Titelgeschichte nicht nur bei der 
MeToo-Bewegung mit einem Bashing rechnen musste. Der Autor wurde von den Feministinnen mit harter Kritik eingedeckt, aber auch von Berufskollegen.
Jessen hat immerhin etwas erreicht. Man spricht von ihm. Er hat Aufmerksamkeit generiert. Jeder Marketingverantwortlicher könnte neidisch werden. Den wenigsten gelingt es, sich mit einem einzigen Beitrag einen Namen zu verschaffen. Jessen gelang dies.  

Fairness für Weltmeister Marc Marquez ein Fremdwort?


Nachdem ihn Marc Márquez im GP von Argentinien zu Fall gebracht hat, erhebt Töff-Legende Valentino Rossi schwere Vorwürfe gegen den Weltmeister

Dienstag, 10. April 2018

Medienwandel 12 Todsünden









Medienwandel: 12 Sünden im digitalen Zeitalter








 
 
 


Sünde 1: Gratiskultur

“Was nichts kostet, ist nichts wert”, pflegte Oma zu sagen.
Verleger sind sich heute weitgehend einig; teuer produzierte Inhalte kostenlose ins Netz zu stellen, war einer der grössten Fehler zu Beginn der Internet-Ära. Mit dieser Haltung wurde nicht nur ein neues Geschäftsmodell brachliegen gelassen, schlimmer noch; es wurde eine Gratiskultur erzeugt, aus deren Fängen man sich heute kaum mehr zu lösen weiss. Diese Gratiskultur schlug sich auch im Selbstverständnis einer jeden Redaktion nieder; Online ist (vermeintlich) weniger wert als das traditionelle Kerngeschäft — Print, Radio, TV. Das spüren die Journalistinnen und Journalisten, aber auch die Mediennutzer, die statt Premium-Qualität oft Zweitverwertung im Web vorgesetzt bekommen.
Man sagt, Journalismus spiele eine elementare Rolle für die Bürger einer Demokratie. Aber werden genügend Bürger bereit sein, für Recherchen Geld zu bezahlen? Im Marketing sagt man: “Price is only ever an issue in the absence of quality”. Der Preis ist kein Thema für den Kunden, sofern der Wert stimmt. Daran sollte sich auch der Journalismus messen. Wenn journalistische Arbeit einen Wert schafft, dann hat diese auch einen Preis. Mit Werbung allein ist sie auf Dauer nicht finanzierbar.

Sünde 2: Macht mit Wissen gleichsetzen

Die Geschäftsleitung will, dass wir die Farben in der App anpassen. Das Rot gefällt ihnen nicht.
Die Geschäftsleitung ist verantwortlich für die Strategie. Daraus leiten deren Mitglieder oftmals ab, dass sie alle Entscheidungen selber treffen müssen. Dieser Reflex hat einen Makel: Macht und Wissen kommen nicht automatisch Hand in Hand.
Ob rot oder grün die bessere Farbe für einen Button auf der Webseite oder App ist, das muss in der Kompetenz der Designer liegen. Schliesslich sind sie die Experten für diese Fragestellung und werden dafür bezahlt. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, wie Farben auf die User wirken und welche zu Interaktion einladen. Zudem testen sie ihre Annahmen direkt mit Nutzern und passen ihre Entwürfe durch das Feedback an. Bei allem Respekt; des Finanzchefs Vorliebe für erdige Farbtöne sollten für die Produktgestaltung keine Rolle spielen.
Entscheidungen müssen in einem Unternehmen dort angesiedelt werden, wo die Fachkompetenz am grössten ist. Das Management hingegen hat die Aufgabe, Ziele vorzugeben und dann Verantwortung (inkl. Vertrauen) an die Experten-Teams abzugeben, damit diese die optimalen Lösungen entwickeln, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Diese Haltung entspricht nicht den traditionellen Mustern. Aber die junge Generation von Journalisten, Produktentwicklern und Marketingfachleuten will Freiheiten, Kompetenzen und Handlungsspielräume. Zurecht.

Sünde 3: Sparen ohne zu investieren

Kosten senken macht alle munter.
Kurzfristig mag diese Aussage stimmen. Langfristig führt sie ins Verderben. Den klassischen Verlagen brechen zwei grundlegende Einnahmequellen weg: Die Abonnenten und die Werbekunden. Erstere, weil sich die Mediennutzung je länger je stärker in den digitalen Raum verschiebt, wo nach wie vor kein oder deutlich weniger Geld mit Journalimus verdient wird. Zweitere, weil Werbung bei Facebook und Google effektiver ist, um Zielgruppen präzise und günstig zu erreichen. Die Verlagsgewinne im Kerngeschäft Journalismus schrumpfen darum bedrohlich schnell. Verleger lassen sich mit den Worten zitieren: “Wenn das so weitergeht, ist hier in zwei bis drei Jahren Lichterlöschen.”
Die vermeintlich richtige Konsequenz ist zu sparen. Verlage legen ihr Geschäft zusammen, Redaktionen werden zusammengestrichen, Titel verschwinden vom Markt, Supportbereiche werden bis zum Burn-Out verkleinert. Was dabei gerne vergessen wird; Sparen verlangsamt einzig das Sterben. Wer aber eine Wette auf die Zukunft des Journalismus eingehen will, muss gezielt in neue Bereiche investieren. Das kann eine Videoabteilung, ein Rechercheteam, ein neues Produkt-Segment (Podcast, Newsletter, Konferenzen,…) oder eine Offensive im Bereich Data & Technology sein. Lieber ein schlechter Plan, als gar keiner. Entscheidend ist; wer neue Geldquellen erschliessen will, muss neue Wege gehen. Und eine Expeditionsausrüstung hat ihren Preis.

Sünde 4: Planen statt machen

Try and learn
Planung ist wichtig. Es ist die Phase eines jeden neuen Vorhabens, in der Experten ihre Erfahrung auf den Tisch legen, debattieren und mögliche Lösungen entwickeln. Allzu gerne werden dabei Monate, manchmal sogar Jahre investiert, bevor es an die Umsetzung geht. Kommt das geschaffene Angebot dann nicht wie erhofft bei den Kunden an, hat man viel Zeit und Geld verbrannt.
Der agile Ansatz ist wesentlich pragmatischer und zielstrebiger. In Kurz: Eine Hypothese aufstellen, einen Prototypen entwicklen, diesen möglichst rasch am Markt testen, Feedback bekommen, daraus lernen und so das Produkt weiterentwickeln. Das ist günstiger und schneller.
Ein Beispiel aus der Praxis (Dieser Dialog hat genau so stattgefunden):
“Wie wärs, wenn wir den neuen Studenten am ersten Uni-Tag Hilfestellungen, Tipps und Vergünstigungen via WhatsApp anbieten?” - “Ach das ist doch viel zu aufwändig. Das werden sie bestimmt nicht nutzen.” Minutenlang wurden persönliche Meinungen und Bedenken vorgetragen.
Keiner am Tisch konnte seine Meinung mit Zahlen und konkreten Erfahrungswerten untermauern. Keiner am Tisch wusste, ob WhatsApp für Studenten funktioniert. Ausser man probiert es.
Darum: Weniger planen, schneller machen. Die Antwort liefert nicht der zwanzigste Workshop, sondern der Markt, das heisst; die Kunden.

Sünde 5: Produzieren ohne zu verkaufen

Was ist ein guter Verkäufer? Einer, der den Papst davon überzeugt, sich ein Doppelbett zu kaufen.
Gute Journalisten sind neugierig. Sie wollen Dinge verstehen, hinterfragen das Bestehende, versuchen durch Recherche der Wahrheit so nahe wie möglich zu kommen. Sie können schreiben, filmen, erzählen. Wäre ihr grösstes Talent, Kühlschränke an den Mann und die Frau zu bringen, wären sie vermutlich Verkäufer geworden.
Verkaufen ist aber zur unverzichtbaren Disziplin im Journalismus geworden. News und Geschichten werden immer seltener aktiv gesucht. Inhalte müssen dorthin gebracht werden, wo die User sind. Push statt Pull. So ist der Smartphone-Sperrbildschirm längst zur umkämpften Zone geworden, wo Pushmeldungen um die Aufmerksamkeit potentieller Leser buhlen. Damit hat sich auch der Job des Journalisten verändert: Gefragt sind Titel und Bilder, welche bei den Rezipieten sofort die Aufmerksamkeit wecken und Interesse auslösen. Gefragt sind Pushnachrichten und Postings in Sozialen Netzwerken. Gefragt sind Communities, welche die Geschichten teilen und so weiterverbreiten. Gefragt sind immer häufiger bezahlte Werbung in Sozialen Medien oder bei Google. Gefragt ist eine ganze Menge, was nicht zum erlernten journalistischen Handwerk gehört, auf dem Weg zum Leser, Zuschauer oder Zuhörer aber erfolgsentscheidend ist.
Gesucht: “Inhaltsverkäufer/in 100%”.

Sünde 6: Egozentriert statt nutzerzentriert

Niemand kennt unser Business besser als wir selbst.
Diese Aussage mag stimmen, aber was interessiert das die Kunden. Sie allein entscheiden, ob ein Medium die richtigen Angebote hat und ob sie bereit sind, Geld dafür zu bezahlen. Die traditionelle Sichtweise aus dem Unternehmen heraus birgt stets das Risiko, an den Bedürfnissen der Menschen vorbei zu handeln.
Was nützen einem Hotelier 30 Jahre Branchenerfahrung, wenn seine Kunden ihre Übernachtungen plötzlich bei Airbnb buchen? Was nützt es dem traditionsreichen Fotohersteller, dass er die Produktion von Systemkameras besser versteht, als die Technikkonzerne im Silicon Valley, wenn seine Kunden lieber mit einem Smartphone fotografieren?
Erfahrung wird dann zur Waffe, wenn sie dazu eingesetzt wird, Produkte laufend den sich verändernden Kundenbedürfnissen anzupassen. In der agilen und nutzerzentrieren Produktentwicklung spielt der Kunde die entscheidende Rolle. Neue Ideen werden darum so rasch wie möglich mit Nutzergruppen getestet. Schliesslich muss der Wurm dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Sünde 7: Alleingang statt Kooperation

Do what you can do best — outsource the rest
Grosse Unternehmen haben vielfach das Selbstbewusstsein eingeimpft, alle vom Kunden gefragten Dienstleistungen selber erbringen zu können. Doch die Digitalisierung hat dazu geführt, dass Kunden mit nur einem einzigen Klick bei der Konkurrenz sind und andere, bessere, günstigere Angebote finden. Doppelt wichtig darum, sich auf das Kerngeschäft zu fokussieren. Was können wir besser, als alle anderen?
Es gibt wenig gute Gründe, als Medienunternehmen auch noch alle Infrastuktur-Probleme selber zu lösen. So manches Startup hat bitter bereut, teure Programmierer an die Entwicklung eines eigenen Content-Management-Systems zu setzen, statt eine fertige Drittlösung zu kaufen und sofort mit dem journalistischen Kerngeschäft anzufangen.
Neben dem Outsourcing werden auch Kooperationen immer wichtiger. Wenn zwei Unternehmen das gleiche Problem haben, kommt man zusammen schneller und günstiger zur Lösung — und kann dabei erst noch gegenseitig von den gemachten Erfahrungen und Daten profitieren. Geben und nehmen ist die Devise. Um alles alleine schaffen zu können, ist das Marktumfeld zu rau.

Sünde 8: Alles wollen

Fokus bedeutet Verzicht. Weniger ist mehr.
Grosse Reportagen, ein neues Magazin, Newsletter, Audio-Podcasts, ein Chatbot, eine Kochshow, eine Reisesendung, Instagram, Snapchat und eine VR-Serie. Die Möglichkeiten auf dem digitalen Spielplatz sind unbegrenzt. Und da am Horizont immer neue Services und Plattformen dazu kommen, welche locken, mit journalistischen Inhalten bespielt zu werden, wird die To-Do-List auf der Redaktion immer länger. Notabene bei immer weniger Personal. Das geht auf Dauer nicht auf.
Wer also Neues ausprobieren will — und das ist absolut richtig und wichtig — muss gleichzeitig bereit sein, alte Zöpfe dort abzuschneiden, wo sie nicht für den Unternehmenserfolg entscheidend sind.
Die Losung “Weniger ist mehr” klingt verbraucht, und kommt dennoch nicht aus der Mode. Weniger bedeutet Fokus. Fokus auf das Allerwichtigste. Fokus heisst, volle Konzentration, Herzblut und Zeit für das Wesentliche. Für die Strategie-Diskussion wie auch für den redaktionellen Alltag empfielt sich die Frage: “Was lassen wir weg?”

Sünde 9: Die interne Kommunikation vergessen

Kommunikation ist unser Geschäft, das haben wir im Griff
Da Medien von Natur aus Informationen verbreiten, unterliegen sie der trügerischen Annahme, sie hätten auch im eigenen Haus die Kommunikation automatisch im Griff. Doch gerade in Medienhäusern zeigt sich immer wieder, wie sträflich der adäquate Informationsfluss nach innen vernachlässigt wird. Dass Mitarbeiter über die grossen Entscheidungen vor allen anderen externen Stakeholdern informiert werden wollen, ist klar. Genauso wertvoll ist es aber, Teams in die strategischen Fragestellungen miteinzubeziehen, sie proaktiv über Probleme zu unterrichten und um ihre Mithilfe zu bitten. Mündige, gut informierte Mitarbeiter leisten mehr und können durch ihr Handeln gezielt zum Erfolg beitragen. Motivation fängt beim persönlichen Gespräch an, beim Vertrauen, dem Übertragen von Verantwortung und nachweislich nicht beim Lohn.

Sünde 10: Hierarchie statt Empowerment

Mein Chef hat gesagt…
Manager mögen Organigramme, weil darin klar wird, wer wofür zuständig ist, und wer wem die Aufträge gibt. Aber diese hierarchischen Strukturen kommen durch die Digitalisierung ans Ende ihres Lebenszyklus. Es entstehen neue Organisationsformen, mitunter revolutionäre wie Holacracy. Ein System, welches auf ein hohes Mass an Selbstorganisation der Mitarbeiter und Teams setzt.
So weit braucht man als Medienhaus gar nicht zu gehen. Als erster Schritt empfiehlt es sich, dedizierte Teams für spezifische Produkte/Aufgaben aufzubauen. Und zwar Teams, welche Produkte von A-Z verantworten; von der Entwicklung über die Distribution bis zum Support. Konkret: Bilden Sie ein Team aus Designer, Programmierer, Journalist, Datenspezialist und Marketing/Vertrieb und geben sie ihnen eine klare Mission. Solche Teams identifizieren sich deutlich stärker mit ihrem Produkt und den Zielgruppen.
Agile Organisationskulturen sind geprägt von Transparenz, Dialog, einer Haltung des Vertrauens, sowie engmaschigen Feedbackmechanismen. Kein System, welches von heute auf morgen implementiert ist. Aber eine Reise, die sich lohnt — nicht nur für Technologie-Abteilungen, sondern auch für Redaktionen, ja gar ganze Medienunternehmen.

Sünde 11: Inspiration ohne Regelwerk

Talk but no walk
Vorträge halten, Reden schwingen, Botschaften verkünden. Alles wichtig und richtig. Nur, damit allein ist es nicht getan. Um eine neue Strategie umzusetzen reichen Worte allein nicht. Zwar findet im Kopf in kleinen Schritten ein Umdenken statt, aber nur wer die Notwendigkeit für das Neue versteht, handelt noch lange nicht in ihrem Sinn.
Es braucht konkrete Massnahmen, welche die Arbeitsweise im Alltag verändert. Mitunter müssen die konkreten Arbeitsabläufe vorgegeben und kontrolliert werden. Kein Medienunternehmen hat die Zeit zu warten, bis alle Mitarbeiter ausreichend Lust verspüren, die Strategie mitzutragen und entsprechend zu handeln.
So hilft bei Social Media zum Beispiel eine verbindliche Content-Planung, welche vorgibt, wie oft auf welchem Kanal Inhalte publiziert werden. Ein solches Mengengerüst schafft einerseits Planungssicherheit für die zuständige Redaktion (Was machen wir am Sonntag bei Instagram, wenn das Wetter verrückt spielt?) und andererseits Präsenz bei den Leserinnen und Nutzern.

Sünde 12: Kreativität voraussetzen

Macht mal was Kreatives. Ihr wisst schon, so was Virales.
Schön, wenn es so einfach wäre. Aber Kreativität, welche sich im Medien-Dschungel von all dem Lärm abhebt, ist nichts, was mal eben kurz bei der Redaktionssitzung geplant und husch-husch umgesetzt werden kann. (Ein Hoch auf die Ausnahmen). Kreativität braucht Raum, eine etwas längere Leine, eine Kultur, in der Risiko gefeiert statt abgestraft wird. Und es braucht Typen (männlich wie weiblich zu verstehen). Typen, die mit ihrer Meinung anecken und auch mal gegen den Mainstream schwimmen. Kreativität ist keine Eigenschaft, die wir alle mit der Muttermilch mitbekommen haben. Wer Kreativität im Alltag will, muss darum beim Recruiting beginnen.
Jedes erfolgreiche Unternehmen hat Mitarbeiter, die immer wieder extra Meilen gehen, die mit grosser Leidenschaft für Exzellenz kämpfen, die ungefragt neue Ideen einbringen und vor dem Einschlafen noch einem unzufriedenen Kunden auf Twitter antworten. Diese Mitarbeiter sind schwer zu finden und nur zu halten, wenn der Handlungsspielraum, die Gestaltungsmöglichkeiten und die menschliche Wertschätzung stimmt.
Danke fürs Lesen und fürs Teilen.
Martin Oswald