Der Künstler will keine Umdeutung seines Werkes
Seit rund einem Monat stellt sich in New York ein Mädchen dem
angriffslustigen Bullen an der Wall Street entgegen. Das passt dem
Schöpfer des «Charging Bull» nicht: Er will, dass die Mädchen-Statue
entfernt wird.
Stellt sich dem Bullen entgegen: die Statue des furchtlosen Mädchens an der Wall Street in New York.
Keystone
Wer schon einmal in New York war, kennt ihn wahrscheinlich: Den
«Charging Bull», den schnaubenden, angriffslustigen Bullen vor der New
Yorker Börse. (Aus SRF)
Symbol für die Gleichberechtigung
Seit dem 8. März steht der Bulle nicht mehr allein an der Wall
Street. Am internationalen Frauentag wurde ihm die Statue des «Fearless
Girl» – des furchtlosen Mädchens – vor die Nase gestellt. Die
Bronze-Statue der Künstlerin Kristen Visbal mit trotzig in die Hüfte
gestemmten Armen ist zum Symbol für die Gleichberechtigung von Frau und
Mann geworden.
Dagegen wehrt sich nun der Schöpfer des «Charging
Bull»: Der Künstler Arturo Di Modica will das Mädchen vor seinem Bullen
weg haben.
Künstler: nicht gegen Gleichberechtigung, aber...
Bildlegende:
Arturo Di Modica stört sich an der Mädchen-Statue.
An einer Medienkonferenz hat er gemeinsam mit seinem Anwalt
erklärt: Er sei natürlich nicht gegen Gleichberechtigung, aber die
Mädchen-Statue verändere die Bedeutung seines Kunstwerks. Er habe den
Bullen als positives, optimistisches Symbol an der Wall Street
installiert. Nun mit dem trotzigen Mädchen als Gegenüber sei der Stier
zu etwas Negativem, etwas Bedrohlichem geworden.
Sein Anwalt
verlangt deshalb, dass die Skulptur entfernt wird und an einem anderen
Ort in New York aufgestellt wird. Der Anwalt sieht auch die Rechte
seines Klienten verletzt, das «Fearless Girl» habe klar eine
kommerzielle Absicht – zumal eine grosse US-Investmentfirma die Skulptur
in Auftrag gegeben habe.
KOMMENTAR: Sehr wahrscheinlich kommt es zu einem Kompromiss, nachdem der Bürgermeister das Mädchen vorläufig stehen lassen will. Ich vermute: Die Verfremdung des Kunstwerkes wird zeitlich begrenzt.