Montag, 25. April 2016

Gestern Nacht wurde das junge Grün eingeschneit

Wir fuhren am Sonntagabend spät 
vom Schwarzwald im Schneegestöber 
nach Hause.

Dieses Leser-Bild veranschaulicht treffend, 
wie der Winter den Frühling überraschen kann.

Frühling ade

Weshalb so viele Sekschüler am Gymi scheitern

Sek und Gymi -  Zwei unterschiedliche Schulwelten.

 

Viele Sekschüler haben am Gymi Schwierigkeiten. Jeder Fünfte scheitert während der Probezeit.

Soll nun das Niveau am Gymi angepasst werden indem man weniger verlangt oder müsste nicht die Sekundarschulstufe über die Bücher?

Den Sekundarlehrern darf der schwarze Peter nicht in die Schuhe geschoben werden.

Die Diskrepanz ist verständlich, weil die Sekundarschule  zusätzliche Probleme schultern muss (integrativer Unterricht), indem beispielsweise  im Französischunterricht die Grammatik eine untergeordnete Rolle spielt und   Lernziele zu wenig eingefordert werden müssen.

Wenn Schülerinnen und Schülern auf der Sekundarschulstufe Noten geschönt und hinsichtlich Leistung geschont werden, ist der Konflikt vorprogrammiert,

 

An der diesjährigen Gymiprüfung entzündete sich ein Konflikt, der schon lange schwelt: Sek und Gymi stimmen ihre Lehrpläne nicht aufeinander ab. 

 

Aus Tagi-online

Etliche Jugendliche, die von der Sekundarschule ins Gymi wechseln, haben dort Schwierigkeiten. Foto: Timur Emek (DDP Images)

Etliche Jugendliche, die von der Sekundarschule ins Gymi wechseln, 
haben dort Schwierigkeiten.













Dieses Jahr stand die Aufnahmeprüfung ans Kurzgymnasium nach der zweiten oder dritten Sek unter einem besonderen Fokus: Zum ersten Mal konnten sich die Sekschülerinnen und Sekschüler nicht mehr auf ihre Vornoten verlassen. Allein das Resultat der Aufnahmeprüfung bestimmte, wer auf den Sommer hin ans Gymi wechseln darf. Und ausgerechnet dieses Jahr geriet die Deutschprüfung so schwer, dass die Notenskala deutlich nach unten korrigiert werden musste.
An sich ist das kein ungewöhnlicher Vorgang, sondern einer, der den meisten Lehrpersonen bekannt sein dürfte. Nicht immer ist es im Voraus abschätzbar, ob Kinder eine Aufgabe lösen können. Auch bei den Gymiprüfungen muss die Skala in einzelnen Fächern immer mal wieder angepasst werden. Letztes Jahr etwa enthielt die Mathematikprüfung für die Sechstklässler eine Aufgabe, welche überdurchschnittlich viele Kinder nicht lösen konnten.

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Die Krux mit der Mengenlehre

Trotzdem hat die diesjährige Prüfung unter Seklehrpersonen für Diskussionen und Unmut gesorgt. Denn aus Sicht vieler Lehrerinnen und Lehrer ist die Prüfung ein Symptom für ein tiefer liegendes Problem. «Der Übertritt ins Gymi ist unbefriedigend», sagt der Präsident des Seklehrerverbands SekZH, Kaspar Vogel. «Die Stoffpläne von Sek und Gymi korrespondieren nicht miteinander. Der Dialog zwischen den Schulstufen klappt schlecht.» Diesen Eindruck hat auch Lilo Lätzsch, Präsidentin des Zürcher Lehrerverbands ZLV: «Die Mittelschulen klagen, die Sekschüler hätten nicht mehr die Kompetenzen, die sie fürs Gymi brauchten – aber sie kümmern sich nicht darum, was und wie wir an der Sek unterrichten.»
Das zeige sich nicht nur an der Aufnahmeprüfung, sondern vor allem in der Probezeit, sagen Lätzsch und Vogel. Etliche Jugendliche, die von der Sek ins Gymi wechseln, kommen dort schwer ins Schwimmen, weil sie im Gymi mit Stoff konfrontiert sind, von dem sie in den ersten zwei Sekjahren nie gehört haben – Stoff, den die Gymilehrer aber als bekannt voraussetzen, weil er im ersten und zweiten Jahr des Langgymnasiums behandelt wird.
Brennpunkt ist vor allem die Mathematik. So gehört Mengenlehre im Langgymnasium zum Schulstoff, in der Sek nicht. Immer wieder scheitern Schülerinnen und Schüler in der Probezeit an der Mathe, obwohl sie eigentlich das Potenzial fürs Gymi hätten. «Das macht auch uns Sorgen», sagt Rolf Bosshard, der Präsident des Mittelschullehrerverbands. Für ihn ist klar, dass Handlungsbedarf besteht.

Den Dialog pflegen

Dieser Ansicht sind auch die Rektoren der Mittelschulen. Cornel Jacquemart, Rektor der Kantonsschule Büelrain in Winterthur und Präsident der Schulleiterkonferenz der Zürcher Kantonsschulen, findet das Thema extrem wichtig: «Wir müssen den Dialog pflegen.» Letztes Jahr versuchte die Kantonsschule Zürich Nord, das Problem mit freiwilligen Kursen noch vor Gymibeginn zu lösen – und handelte sich Ärger von allen Seiten ein. Cornel Jacquemart etwa sagt: «Wir sollten nicht zu Einzelübungen greifen, sondern das Problem systematisch angehen.»

Wohin die Reise geht, ist offen. Das sagt Christoph Wittmer, Rektor der Kantonsschule Enge und Delegierter der Mittelschulen im VSGYM: «Im Moment dis­kutieren wir die Organisation und die Aufgaben des Projektes, das die Koordination sicherstellen soll. Im Sommer werden wir sagen können, wie wir den Dialog aufgleisen wollen.»

Gemeinsamer Lehrplan?

Einfach dürfte es nicht sein, eine Lösung zu finden. Klar ist eines: Den Sekundarschulen sind die Hände punkto Schulstoff mehr gebunden als den Gymnasien. Denn der Lehrplan der ­Sekundarschulen ist vom Kanton vorgegeben, und auch die Lehrmittel dürfen nicht frei gewählt werden. Die Gymnasien hingegen haben von jeher Lehrmittelfreiheit; die Stoffpläne arbeiten die Fachschaften selbst aus. Sie müssen aber die übergeordneten Vorgaben erfüllen, die im Maturitätsanerkennungsreglement festgehalten sind.
Auf den ersten Blick wäre es am einfachsten, die Gymis würden sich an den Lehrplan der Sek anpassen. Das wäre im Sinn der Sekundarschulen, und auch Rektorenpräsident Jacquemart glaubt: «Die Bereitschaft, mindestens den Schulstoff im ersten Semester des Gymnasiums vermehrt mit der Sek zu koordinieren, ist da.» Doch es gibt aus Sicht der Gymilehrer Grenzen. Denn die Kantonsschulen müssen ihrerseits den Anschluss an die Universitäten sicherstellen. Und an der Lehrmittelfreiheit wollen viele Gymilehrer festhalten. Enge-Rektor Christoph Wittmer ist überzeugt: «Die Lehrmittelfreiheit auf gymnasialer Stufe ist ein zentraler Motor eines guten Unterrichts.» Dieser Meinung ist auch Rolf Bosshard: «Entscheidender als ein einheitliches Lehrmittel und ein gemeinsamer Lehrplan ist, dass wir wissen, wie die Alltagspraxis in der Sek aussieht.» (Tages-Anzeiger)
(Erstellt: 08.04.2015, 23:21 Uhr)
Gymi-Schüler. 
Bildlegende: Die Universitäten beklagen sich schon länger über
mangelnde Kompetenzen bei Gymi-Schülern. Keystone
 
KOMMENTAR: Es wäre völlig falsch, wenn die Mittelschulen sich dem Lehrplan der Sekundarschulstufe anpassen und weniger verlangen würden. Die Kantonsschule müssen den Anschluss an die Universitäten sicherstellen. Die Sekundarschullehrpläne müssten sich deshalb  vielmehr den Anforderungen der Mittelschulen angleichen. Der Bund ist auf dem richtigen Weg, wenn er die Matura verschärfen will. Wir benötigen keine Taxifahrer mit Maturität. Es gibt derzeit viel zu viele Lehrstellen und die Verakademisierung führt zu einem Fachkräftemangel.  Die Maturität muss aufgewertet werden. Aber auch der Erwerb eines Handwerks.

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Sonntag, 24. April 2016

Unseriöser Journalismus

Wahrheit oder Lügenpresse?

Nachlese aus dem DRS Seminar mit dem neuen Ombudmann der SRG Deutschschweiz, Prof. Dr. Roger Blum

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Bildergebnis für roger blum

Es gibt zwei Extreme bei den Medien:

Sie können Feind oder Diener der Mächtigen sein.

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Die Geschichte der Gedankenfreiheit beginnt in England 1644, in USA 1774 und in Frankreich 1789.
In der Schweiz gab es 1815-1830 eine Zensur.
Erst 1830 gab es die Pressefreiheit in den liberalen Kantonen.

Wenn wir auf der Weltkarte die Länder mit Pressefreiheit einfärben, sehen wir, dass die leeren Flächen dominieren. Die Pressefreiheit ist heute  für die meisten Länder immer noch ein Fremdwort.
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Grenzüberschreitungen der Medien:

Medien können aufbauschen

Medien können skandalieren

Medien können dramatisieren

Medien können schockieren

Medien können fälschen

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Weshalb geschieht dies so prominent?


Medien sind öffentlich und die Publikationen sind sofort sichtbar.

Oekonomische Gründe fördern Grenzüberschreitungen:
- Das Konkurrenzdenken
- Der Kampf um Quoten und Reichweite
- Die Rollen der Medien tragen auch dazu bei:
( Medien in der Wachthundrolle, in der Schosshundrolle und in der Schnüffelhundrolle)

Zur Wachthundrolle:


- Kritik
- Kontrollfunktion
- Investigativer Journalismus
(Abhören, hauen und stechen)

Zur Schosshundrolle:


- Hinterfragen Mächtige nicht
- Sind Lautsprcher von Promis
- Werbung und Journalisten verschmelzen

Zur Schnüffelhundrolle:


- Schlüssellochrecherchen
- Missachten der Privatsphäre
- Ködern, entblössen

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Weshalb rufen so wenige die Medien zur Ordnung?

- Viele haben Angst, die Medien würden sich rächen
- Die Angst vor der Macht der Medien hemmt viele, die Medien zu kritisieren

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Es gibt aber Schranken für die Medien:

- Die Grundrechte
- Das Diskriminierungsverbot
- Die Rechtsordnung
- Das Strafgesetz
- Die Tradition und die Normen der jeweiligen Kultur

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Die Macht der Medien:

- Die Selektionsmacht (Auswahl)
- Die Thematisierungsmacht
- Die Skandalisierungsmacht

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Die Korrektur von Fehlern erfolgt  immer erst nachträglich

Das heisst: Der Schaden ist bereits angerichtet, auch wenn ein Beschuldigter freigesprochen wird.
Geschädigte werden zwar nachträglich rehabilitiert. Sie sind jedoch bereits klinisch tot.
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Wer kontrolliert die Medien?

Es gibt drei Kontrollebenen:

1. Der Markt (Missbrauch hat Folgen auf die Glaubwürdigkeit)

2. Der Staat (Gesetze). Eine Medienpolizei führt jedoch gleichsam zu einer Zensur.

3. Die Medienbranche (Sie achtet auf Fachkompetenz) Doch besteht die Gefahr der Schonung oder Inzucht.

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Varianten der Kontrollen:

- Selbstkontrolle (Presserat, Ombudsstelle,  Kodex)
- Medienaffine Fremdkontrolle (UBI = Unabhängige Beschwerde Instanz)
- Fremdkontrolle (Gerichte, Bundesamt für Kommunikation)

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Zur Ombudsstelle

Bei der Ombudsstelle kann jeder reklamieren oder ein Fehlverhalten beanstanden. Der Fall wird dann innert 40 Tagen bearbeitet. 20 Tage stehen dann noch zur Verfügung und  der Fall kann an die UBI weitergezogen werden.
Es gibt Betroffenenbeschwerden und Popularbeschwerden (mit 20 Mitunterzeichnern)
UBI fällt dann einen rechtsgültigen Entscheid.
Dieser könnte  dann noch ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Das Verfahren bei der Ombudsstelle ist:
- unentgeltlich
- politikunabhängig
- transparent.
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Roger Blum legte am Schluss des Seminares vom 21. April den Teilnehmern konkrete Fälle vor, die im Plenum gemeinsam besprochen wurden.


KOMMENTAR: Eine lehrreiche Veranstaltung, die auch Mediensachverständigen viel brachte.

Als langjähriger Ombudsmann der Kantonsschule Schaffhausen habe ich erleben dürfen, dass die Ombudsstelle eine wichtige Institution sein kann, wenn Sie die Beschwerdeführer ernst nimmt und den Kritikern ein Plattform bieten, die sie vom Druck entlastet.
Anderseits beeinflusst die Stelle auch das Kommunikationsklima in der Institution. Allein schon das Wissen, dass jemand einen Fall weiterziehen kann, sind alle darauf bedacht, Probleme bereits  im Anfangsstadium zu lösen.

LINKS:

Eng verknüpft mit dem Begriff Manipulation ist der Begriff Macht. Wer machen kann, dass andere etwas machen , der hat Macht. Wer mit Medien und ...
www.rhetorik.ch/Macht/Macht.html
8. Dez. 2008 ... Dezember Martin Senti und Kurt Imhof in der Weiterbildungsreihe "Medien,Macht und Qualität" über das Thema: "Macht der Medien, die Macht ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/08/12_08/




27. Dez. 2013 ... Die Medien haben eine wichtige Kontrollfunktion. Sie wurden früher gerne als vierte Gewalt bezeichnet. Je nach politischer Couleur fragten ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/13/12_27/
20. Febr. 2007 ... Gegen Medienkritik ist nichts einzuwenden. Kritisieren darf jeder. Selbst persönlich gefärbte, pointierte Meinungen sind erlaubt. Acht Kritiker ...
www.rhetorik.ch/Aktuell/07/02_20/index.html








Samstag, 23. April 2016

Der "Mozart" des Pop ist tot

Bild für das Nachrichtenergebnis
Jetzt ist Prince tot. ... Leider ist das Original auf Youtube nicht zu finden, deshalb hier ein ...

Ich zitiere TAGI:

Rätseln und Gerüchte: Warum starb Prince?

Die Polizei schliesst Fremdeinwirkung 
nicht aus. 
 Eine Promi-Website will von einer 
 Überdosis-Behandlung
 von letzter Woche wissen. Mehr...

Freitag, 22. April 2016

VERSCHWENDEN vs. SPAREN

Geiz ist nicht immer geil  
Die Sparwut kann auch kontraproduktiv sein.

Sparen ist eine Kunstform: Sie verlangt Einfallsreichtum, Durchsetzungskraft und Grausamkeit. Nur wenige Menschen erreichen darin höchste Meisterschaft, wie etwa der verstorbene Aldi-Gründer Karl Albrecht (18 Milliarden Euro Vermögen), der immer als Erstes das Licht löschte, wenn er einen Raum betrat.
So weit ist der Kanton Zürich (noch) nicht. Auch wenn die gerade beschlossenen Sparmassnahmen viele schmerzen; es könnte noch viel härter kommen. Das zeigt folgende Übersicht über Spitzenleistungen im Sparen.
Ich zitiere Tagi-online:

Quetschen über den Wolken
 
Unter den Fluggesellschaften gilt die irische Ryanair (auch der «Walmart der Lüfte» genannt) als Königin des Sparens, nur mit dem absoluten Geizgehör drückt man die Preise auf 15 Franken pro Flug. Ryanair-Chef Michael O’Leary verkündet seine Sparvisionen gerne öffentlich. Da in der Luft jedes Gramm zählt, verringert Ryanair Gewicht, wo es nur geht. 
 Bildergebnis für Jedes Gramm zählt
Das Bord-Magazin besteht aus dünnem Papier, in die Getränke kommt kaum Eis, Flight-Attendants werden belohnt, wenn sie abnehmen. Dicke Passagiere sollen im Gegensatz einen Aufpreis bezahlen müssen («fat tax»). Ryanair prüft zudem, zwei von drei Toiletten pro Flugzeug zu entfernen, für die Benutzung der letzten muss man bezahlen. Co-Piloten bezeichnete O’Leary als überflüssig, und die Passagiere sollen alle ihre Koffer selber verladen. Der grösste Traum des CEO wäre aber, alle Sitze herauszureissen und die Passagiere aufrecht ins Flugzeug zu reihen – was die Kapazität locker verdoppeln würde. Um nicht umzukippen, könnten sich die Stehflieger an Stangen halten und mit Riemen anschnallen. (bat)
 
Es hätte sich gelohnt
 
Die Quaibrücke ist das engste Nadelöhr des Zürcher Trambetriebs. Fünf Linien zwängen sich dort durch und stauen sich hintereinander. Das ist schon sehr, sehr lange so, und ein Ende ist nicht abzusehen. Denn die Brücke hat nur zwei Tramgleise, als ob es sich um eine x-beliebige Strecke handelte. Vor etwa 30 Jahren wollte die Stadt die Not mit einem dritten Tramgleis lindern. Doch der Gemeinderat wollte sparen und lehnte das Projekt ab. Es war ein Akt der Kurzsichtigkeit, der den Akteuren das Gefühl vermittelte, sie seien kluge Finanzpolitiker. Doch haben sie letztlich nur 30 Jahre Verzweiflung bei unzähligen Trampassagieren erzeugt und ein Vielfaches von Ausgaben, denn eines Tages muss das dritte oder vierte Gleis auf der Quaibrücke kommen. Und dieses wird dann sehr, sehr viel teurer werden als das damals abgelehnte. (jr)
 
Verdünnung des WC-Papiers

Bildergebnis für Sparwut
 
Viele Firmen setzen beim Sparen auf die Räppler-Methode in der Hoffnung, viele Minikürzungen zu einem Gewinn anzuhäufen. Zum gängigen Repertoire gehören das Streichen von Mitarbeiteranlässen und Firmenfesten, das Erhöhen der Kaffeepreise, das Schliessen der Kantine, Einschränkungen beim Kopieren und Drucken sowie die Verknappung von Büromaterial. Fortgeschrittenere Firmen befehlen ihren Angestellten, Skype zu nutzen statt der normalen Telefone. In die düsteren Toiletten hängen sie «Dunkel ist sexy»-Schilder, was dazu passt, dass die Räume nur noch zweimal pro Woche geputzt werden und das dünnste, billigste WC-Papier aufliegt. In manchen amerikanischen Firmen müssen Angestellte gar ihren Abfall eigenhändig zum Container tragen.
Das alles bewirkt laut Studien oft das Gegenteil. Denn das Personal fühlt sich schikaniert. Als Trotzreaktion stehlen Angestellte mehr Büromaterial, arbeiten weniger lange und lassen sich öfters krankschreiben. Das kostet Firmen deutlich mehr, als sie herausholen. (bat)
 
Schwarmsparen
 
Effizienter scheint es, auf den Geiz der Angestellten zu setzen. So fordert ein amerikanisches Spital seine Angestellten dazu auf, selber Kürzungen vorzuschlagen. Wird eine Empfehlung erfolgreich umgesetzt, werden die Angestellten am herausgesparten Gewinn beteiligt. Das Modell gilt als Grosserfolg. Man lerne: Menschen sparen gern, solange für sie etwas abfällt. (bat)


Rauchen gefährdet Ihr Budget
 Bildergebnis für rauchen gefährdet die gesundheit
Einige amerikanische Firmen stellen keine Raucher mehr an. Denn ein rauchender Mitarbeiter soll pro Jahr 3391 Dollar mehr kosten als ein abstinenter. Raucher machen mehr Pausen und müssen öfter zum Arzt. Wie sich Schokoladenkonsum auf die Produktivität auswirkt, ist noch nicht erforscht. (bat)
 
Lernen von den Grosseltern
 
Im Internet wimmelt es von Tricks, wie sich das Leben noch ein paar Rappen günstiger bewältigen lässt. Viele davon kannten schon unsere Grosseltern, was die Wirksamkeit solcher Klassiker aber überhaupt nicht beeinträchtigt:

Nur einmal duschen pro Woche, an den restlichen Tagen reicht die Katzenwäsche mit dem Waschlappen. Und statt Duschgel tuts auch Kernseife.

Die Zahl der WC-Besuche verringern (spart Wasser und Toilettenpapier).

• Bis das Wasser warm aus der Dusche kommt, dieses in einem Eimer auffangen und zum Blumengiessen oder Toilettenspülen brauchen. 

Wände rot oder orange streichen, das erhöht die gefühlte Zimmertemperatur. Dazu Vorhänge ziehen, die Läden hinunterdrehen und sich warm ankleiden – schon muss man kaum mehr heizen. 

Teebeutel mehrmals brauchen. 

Alte Handtücher oder Bettlaken zerschneiden, das gibt beste Putzlappen.

Zerrissene Damenstrümpfe als Kaffeefilter einsetzen.

Kaputte Filzstifte lassen sich mit einem kurzen Essigbad reparieren
.
Regenschirme mit Haarspray fixieren, so halten sie länger. (bat)
 
Übers Ziel hinaus
 
Gegen harte Sparforderungen wehrt man sich am besten, indem man ihre radikale Umsetzung androht. Diese Taktik wandte der Zürcher Regierungsrat 2003 an, als er skizzierte, was alles nötig sein werde, um die Wünsche der SVP zu erfüllen: das Opernhaus schliessen, Wirtschafts-, Drogen- und Gewaltdelikte nicht mehr verfolgen, die Gefängnisse leeren oder stark überbelegen, die Uni halbieren, die S-Bahn ab 20 Uhr einstellen, auf die Glatttalbahn verzichten, keine Strassen mehr bauen. Der Aufschrei war riesig, die folgenden Sparmassnahmen blieben bescheiden. (bat)
 
Zahlen fürs Bestraftwerden
 
Die Schwester des Sparens ist das Einkassieren. Weil dessen einfachste Variante, die Steuererhöhung, bei Sparparteien wenig Beliebtheit geniesst, hat der Kanton Zug einen anderen Weg gefunden: die Ausweitung des Verursacherprinzips im Polizeiwesen. Sprich: Wer einen Unfall baut, muss die Kosten für Sicherung und Verkehrsregelung selber übernehmen (falls beides länger als zwei Stunden dauert); auch das Ausstellen eines Strafzettels kann teuer werden. Den Betroffenen werden diese Gebühren ein besonderes Vergnügen bereiten: Man kriegt eine Busse und muss auch noch dafür bezahlen. (bat)
 
Eine Freude für Einbrecher
 
Auch in England kämpft die Polizei mit Geldproblemen. Wegen der Sparprogramme der Tory-Regierung hat sie in vier Jahren über ein Viertel ihres Budgets und 70 000 Beamte verloren. Das schlägt langsam aufs Angebot durch. So kündigte die oberste britische Polizistin letzten Sommer an, dass die Polizei bei Einbrüchen nicht mehr zwingend am Tatort vorbeikommen werde. Dafür habe man zu wenig Personal, und die Beweise könne man auch «auf andere Weise» sichern. Der Kanton Zug würde das Problem auf seine Art lösen: Dort besuchte die Polizei nur noch jene Diebstahlopfer, die dafür bezahlen. (bat)
 
Ein Vergnügen für Diebe
 
Immer mehr Supermärkte rationalisieren mit Selfscanning ihre Kassiererinnen weg. Ihren Kunden wollen sie dabei weismachen, dass sie durch das Übernehmen dieser Arbeit Zeit gewinnen. Mit Bargeld an der Kasse geht es aber deutlich schneller, zeigt eine Studie des Handelsinstituts EHI in Köln. Eine andere Studie der Universität Cambridge ergab überdies, dass im Schnitt jeder unehrliche Kunde mit Selfscanning 18 Euro im Monat einspart. Solche Ladendiebstähle erleichterten die britischen Einzelhändler um 2 Milliarden Euro im Jahr. So wird weder Zeit (Kunde) noch Geld (Händler) gespart, einzig die Arbeitsplätze der Kassiererinnen verschwinden. (roc)
 
Auch Schreiben kostet
 
Als Protest gegen Budgetkürzungen haben Kritiker im Internet einen «Austeritätsgenerator» gebaut, der neue Sparmassnahmen entwickelt. Zum Beispiel: Griechenland darf auf allen amtlichen Dokumenten keine Grossbuchstaben mehr verwenden. Das senkt den Tintenverbrauch. (bat)
(Tages-Anzeiger)

KOMMENTAR: Alles Extreme ist schlecht.
Schalten wir den gesunden Menschenverstand nicht aus!
Das gilt beim "Sich VORAUSGABEN (Verschwenden)" und beim SPAREN.  

Donnerstag, 21. April 2016

Business-Sprache kritisch hinterfragen!

Business-Sprache: Erst denken, dann reden

Ein Plädoyer wider die Sprache der Verantwortungslosigkeit im Unternehmensalltag





Eine Geschäftsfrau telefoniert: Viele Begriffe aus der Wirtschaftssprache sind leere Phrasen. Was steckt dahinter?
Eine Geschäftsfrau telefoniert: 
Viele Begriffe aus der Wirtschaftssprache sind leere Phrasen. 
Was steckt dahinter? 
"Vertrauen ist der Anfang von allem", so lautete einst der Slogan der Deutschen Bank. Heute verbinden wir mit dem Geldhaus den Missbrauch von Vertrauen: Mehr als 6.000 Prozesse weltweit in Sachen Geldwäsche, Steuerkriminalität, Zinsmanipulation. Strafzahlungen von 2,5 Milliarden Dollar an amerikanische und britische Behörden. Die Skandale erwuchsen aus einer Melange aus Fehleinschätzungen, Selbstoptimierung und Mitläufertum in den Führungsetagen. Ähnliche Mechanismen dürften beim Fälschen von Abgaswerten bei Volkswagen gegriffen haben. Bei den vielen Skandalen, die Siemens in den vergangenen Jahren erschütterten, war ebenfalls eine Kultur der Verantwortungslosigkeit am Werk, die Entscheidungen beeinflusste.
Auf welchem Boden die Kultur des Misstrauens und der Unverbindlichkeit gedeiht, zeigt sich an der Sprache, die wir in der Wirtschaft verwenden. Wir sind umgeben vom Bullshit inhaltsleerer Floskeln, geistlose Denglizismen beherrschen deutsche Unternehmensflure. Es wird "geleveraged", "Value geadded", "gestreamlined" und "gebrainstormed", was das Zeug hält. Der "Innovationsapproach", zu dem sich alle "zeitnah committen" mögen, soll wohl Professionalität suggerieren, ist im Kern aber nichts als heiße Luft.
Entlarvend für die Kultur der Verantwortungsdelegation ins Nirgendwo ist der gedankenlose Gebrauch des Passivs und Konjunktivs: "Man müsste einmal das Marktumfeld untersuchen …", "Die Preisstrategie im Drittgeschäft sollte angepasst werden." Wer jetzt? Was? Wie? "Man" und der Infinitiv als Synonym für: "Keiner ist verantwortlich." Die Bezeichnung von Veränderungsvorhaben mit dem Begriff "Change Management" spricht für sich: Substantive, kein Verb, kein Subjekt. Verantwortung für Veränderung wird an einen "Prozess" delegiert, der quasi von allein läuft. Kein Wunder, dass der Großteil der Veränderungen nicht zum Ziel führt.
Bei der Unternehmensleitung ist die Verzweiflung über die "Belegschaft" groß: "Wir brauchen mehr Flexibilität, mehr Eigenverantwortung", so das Mantra. Mit der Eigenverantwortung wollen wir es aber nicht übertreiben. Wir wollen nämlich keine "unkalkulierten Risiken" eingehen. Lassen Sie sich diese Worte auf der Zunge zergehen: Unternehmertum ohne Gefahren bitte schön! Die Führungskräfte verwenden viel Zeit darauf, wie sie die "Mannschaft ins Boot holen", "mitnehmen" oder "abholen". Bei genauerer Betrachtung heißt das nichts anderes als: "Kommt her, ihr Ahnungslosen. Wir sind die Kapitäne, die kommandieren. Wir wissen, wo es langgeht. Nur ein paar Idioten an den Rudern fehlen uns noch. Also rein ins Boot!" "Abholen": Jemand steht irgendwo dumm rum, der Volksmund sagt: "wie bestellt und nicht abgeholt". Eigenständiges Denken ist nicht erwünscht. Solche Floskeln sind Ausdruck größter Geringschätzung gegenüber der Kraft der Ideen der vielen Mitarbeiter und Ausdruck des Anspruchs eigener Allwissenheit. Zu tief sitzt in Wahrheit das Misstrauen gegenüber der angeblich "wichtigsten Ressource", dem "wichtigsten Asset", "dem Faktor Mensch". Deutlicher könnte die Einstellung zu Mitarbeitern nicht sein: Assets werden nämlich in der Bilanz aktiviert und über die Jahre abgeschrieben.
Bei allem Verlangen nach Unternehmertum stehen Harmonie und "Ruhe im Unternehmen" auf der Wunschliste der Führungskräfte ganz oben. Soll heißen: "Unruhe" oder "Sand im Getriebe" – wichtige Antreiber für notwendige Veränderungen – sind tunlichst zu vermeiden. Doch die "Abteilungen", die Führungskräfte schaffen, teilen eben auch ab, wie der Name sagt. Und Prozesse zementieren Abläufe, die morgen schon von der Realität eingeholt werden. Der viel artikulierte Drang nach dem "Aufbrechen der Silos" wird so jedenfalls nicht befriedigt.
Dann das von Halbwissen geprägte Nachplappern von Schlagwörtern, hinter denen alle herlaufen: "Innovation", "disruptive Veränderung", "digitale Transformation". Wer weiß eigentlich, was Clayton Christensen meinte, als er das Wort der Disruption in die betriebswirtschaftliche Diskussion einführte?

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 14 vom 23.3.2016. 
"Wir leben Innovation", "Wir liefern innovative Kundenlösungen", so heißt es auch oft. Dabei ist schon der Begriff nicht klar definiert. Die inflationäre Verwendung des Zauberwortes ist Ausdruck unerfüllter Sehnsucht. Denn alle Innovationsbemühungen ersticken im Gestrüpp von Hierarchien und Prozessen, in endlosen Meetings, quälenden Abstimmungsorgien und Kämpfen an "Schnittstellen". Wir müssen "schneller werden", unsere "Prozesse verschlanken", kurzum: "Wir brauchen einen Start-up-Spirit!" So halten Führungskräfte verzweifelt dagegen. Was für ein Bullshit! Als ob sich bestehende Organisationen in Start-ups verwandeln ließen. Und "Unternehmer im Unternehmen" haben zu wollen ist schlichtweg eine Illusion. Angestellte sind keine Unternehmer, sonst hätten sie ein Unternehmen gegründet. Eher müsste man Schnittstellen zu Nahtstellen machen und neue Formen der Zusammenarbeit ausprobieren.
Um den Kunden geht es bei alledem als Letztes. Dass es aber auch anders geht, beweist mancher in Familienbesitz befindliche Mittelständler, der von "langfristigem Erfolg" und dem Wert "stabiler Kundenbeziehungen" spricht statt vom "short-term profit".
Sprache ist der Spiegel der Seele. Wenn im Innern eine Sprache der Verantwortungs- und Gedankenlosigkeit und des Misstrauens vorherrscht, ist die Grenze zu betriebswirtschaftlich, ethisch und rechtlich schädlichem Handeln gefährlich nah.

KOMMENTAR: Im Nebel des Bullshits der Business Rhetorik flehen verständliche klare Worte. Mir fällt in Seminaren auf, dass junge Manager sehr schnell die Worthülsen und Dengliszismen der älteren Manager übernehmen. Wer einfach und verständlich spricht, fühlt sich rasch als Aussenseiter und muss das Gefühl haben, er sei weniger kompetent.
Wohlverstanden: Ich habe nichts gegen eine Fachsprache als Insidersprache unter Spezialisten.
Bei gemischtem Publikum hingegen müssen Fachbegriffe übersetzt werden. Es ist ein Irrglaube, Fachsprache  signalisiere Kompetenz, Businessbegriffe würden Aussagen versachlichen und sie sei in Meetings erwünscht.
Im Gegenteil: Geistlose Denglizismen müssten hinterfragt werden, zumal sich das alberne Vokabular immer mehr in den Unternehmensfluren einnistet und konkrete Antworten verunmöglichen. Ich empfehle als Lekture: Walter Nash "Jargon- Its uses and abuses"(Blackwell, Publishers, 1992)
Wir sollten Business - Sprech und Gender - Sprech viel kritischer und genauer unter die Lupe nehmen.
 

Mittwoch, 20. April 2016

Grenzen der Innovation und Kreativistät

Die Funktion sollte nicht ausgeklammert werden
- es sei denn: Dies gelte als Kunstwerk

Design-Katastrophen