12. Juli 2002 ... Verstehen und Verstandenwerden. ... führten zu Missverstehen.
Unpräzise
Begriffe könnten vom Partner emotional negativ belegt sein.
22. Okt. 2004 ... Wenn die Geschichte in einem "Bergrestaurant" spielt, so machen wir uns sofort
eine Vorstellung von diesem Ort. Konkrete Begriffe erfassen ...
Das Hauptproblem zwischen Redner und Zuhörer bei der Thematik
"Verstanden werden und verstehen"
Wir reden nicht, um gehört zu werden, wir reden,
damit uns die Zuhörer verstehen
«Hermeneutik» ist die Wissenschaft vom Verstehen.
Beim hörerorientierten Reden geht es in erster Linie
um das Verstehen und um das Verstandenwerden.
Trotz besten Bemühens, verständlich zu reden,
schleichen sich zwischen Redner und Zuhörer lau
fend Störungen ein:
- Der Redner vermeint zu wissen, worüber er redet,
tatsächlich weiss er es aber gar nicht.
- Viele Menschen
benutzen Worte nach sehr individualisierter Bedeutung*, die von der lexikalischen ** Bedeutung abweicht.
* von der Person persönlich interpretiert
** gemäss Lexikon
- Den Hörern ist anderseits der lexikalische Begriff unbekannt.
- Es werden Worte verwendet, die beim Zuhörer Emotionen wecken können (z.B. Freiheit, Marktwirtschaft, Mitbestimmung, Demokratisierung, Leistungsprinzip, Treue usw.). Dies hat zur Folge: Wertvorstellungen, Vorurteile, Fixierungen beeinflussen das Verständnis.
- Zuhörer nehmen selektiv wahr, d.h. nur das, was den eigenen Bedürfnissen entspricht, oder nehmen nur das auf, was sie wahrhaben wollen.
- Der Zuhörer hört projektiv. Er hört nur das, was seinen Erwartungen entspricht. Rupert Lay, geht davon aus, dass 50% der Rede
durch Selektion oder Projektion inhaltlich verändert werden.
Was können wir dagegen tun?
Wir müssen als Redner unbedingt die Hörer kennen und uns fragen: Welches sind ihre Bedürfnisse? (Bei jedem Erwachsenenbildungskurs nehmen wir beispielsweise am Anfang unserer Kurse diesen Bedürfniskatalog gleichsam in einer «Wunschliste»auf.
Gleichzeitig wird auch das Vorwissen der Teilnehmer abgeklärt.
Das Verständnis der Zuhörer wird verbessert, wenn
der Redner sich ins Bild setzt über:
- die politische Orientierung
- die Welthierarchie
- das Weltbild
- die Wertvorstellungen (Geschichte, Welt, Gesellschaft)
- die Motivationsstruktur (was bewegte die Zuhörer zum Kommen?)
- die Vorurteile der Adressaten
Kennen Sie die wichtigsten «Verständlichmacher?»
Schulz von Thun erwähnt in Untersuchungen vier «Verständlichmacher»:
• Einfachheit (Gegenteil von komplizierter Aussage)
• Ordnung/Gliederung (Gegenteil von Zusammenhangslosigkeit,
Unübersichtlichkeit)
• Kürze/Prägnanz (Gegenteil von Weitschweifigkeit)
• Zusätzliche Stimulanz (Gegenteil von mangelnder Stimulanz,
betrifft Aspekte, die anregen, die Anteilnahme hervorrufen.
Dieter-W. Allhoff (Universität Regensburg) stellte in einer Untersuchung mit unterschiedlichen Hörerkreisen (Schüler, Studenten, Teilnehmer von Volkshochschulen und Schüler der beruflichen
Fortbildung) fest, dass folgende Faktoren massgebend sind, um einen Stoff gut zu verstehen, so
dass möglichst viel behalten wird:
1. Satzmelodie
2. Betonungen
3. Tempo
4. Stimmlage
5. Abwechslung
1. Satzmelodie ist wichtig
Vor allem das Satzende beeinflusst die Verständlichkeit. Bleibt die Stimme am Ende auf gleicher
Höhe (bei aufgeregtem Sprechen), so leidet die Verständlichkeit.
2. Sparsam umgehen mit Betonungen
Gut betonen heisst nicht, möglichst viel betonen. Bei elektronischen Medien wird gerne jedes Wort
hervorgehoben, schreibt Allhoff, Betonungen müssen vor allem durch den Kontrast mit dem
Unbetonten wirken, so wie bei der Musik das Kräftige nur durch leise Stellen zur Geltung kommt.
Mit Betonungen ist deshalb sparsam umzugehen, damit das wirklich Wichtige nicht im Meer der
Betonungen untergeht.
3. Zum Tempo:
Längere, komplizierte Sätze fliessender sprechenNach der Untersuchung von Allhoff
hat sich erwiesen: Längere, kompliziertere Sätze wären eindeutig verständlicher,
wenn sie fliessender gesprochen würden. In diesem Fall erschwert langsames,
über ,dehntes, deutliches Sprechen die Verständlichkeit.
Die Satzgefüge zerfallen in viele Untereinheiten.
Damit wird das Kurzzeitgedächtnis überfordert.
Diese Erkenntnis bestätigt, dass es richtig ist, in der gesprochenen Sprache kurze Sätze mit nur einem Nebensatz zu formulieren. Hauptsätze, Hauptsätze
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vielen Rhetorikbüchern.
4. Stimmlage beeinflusst Verständlichkeit
Nach Allhoff spielt es keine Rolle, ob jemand einetiefere oder höhere Stimme hat. Wichtig ist
lediglich, ob sich der Betreffende in seinem persönlichen Stimmumfang bewegt.
Auch diese Erkenntnis bestätigt: Wer den ausbalancierten eigenen Körperklang
findet (durch Entspannung und natürliches Verhalten), kommt nicht nur besser an; er wird auch
besser verstanden.
Die Erkenntnis Allhoffs zur Stimmlage: Die optimale Einwirkung auf die Zuhörer gelingt dann, wenn
der sogenannte natürliche Hauptsprechtonbereich möglichst selten überschritten wird.
5. Abwechslung
Wie beim Unterrichten und beim Vermitteln längerer Informationseinheiten sichern wir
die Aufmerksamkeit der Zuhörer mit angemessener Abwechslung hinsichtlich sprecherischer
Ausdrucksmittel.
Erkenntnis:
Das «Wie der Aussage» beeinflusst das Verstehen.
Es ist ein Irrtum zu glauben, der Inhalt, d.h. der Text, entscheide ausschliesslich über Verständlichkeit
oder Unverständlichkeit einer Aussage.
Unzählige Beispiele aus der Praxis bestätigen es: Oft ist es nicht nur der Inhalt (das «Was»), sondern das
«Wie», welches darüber entscheidet, was wir verstehen. Die Rede Philipp Jenningers
anlässlich der Gedenkveranstaltung «50 Jahre nach der Kristallnacht» im
Deutschen Bundestag veranschaulicht:
Nicht das, was Jenninger gesagt hatte, kostete ihn letztlich den Kopf
(er musste zurücktreten), sondern wie es gesagt worden war.
Fachgerechte Analysen der Jenninger-Rede bestätigen:
Der Text war materiell nicht zu beanstanden. Gelesen war der Text unmissverständlich.
Die Art und Weise, wie und wo Jenninger geredet hatte, wurde ihm zum Verhängnis.
Der falsche Mann hatte zur falschen Zeit, am falschen Ort, zum falschen Publikum geredet.
Unausgesprochenes wurde von den Zuhörern innerlich ergänzt, Sequenzen
wurden überhört, weil wichtige Zusatzbemerkungen zu wenig hervorgehoben
worden waren. Aus der Analyse in «Die Zeit»vom 18. November 1988
wird ersichtlich, wie Betonungen und Codierungsprobleme zu
Missverständnissen führen können.
Mit Verdeutlichen, Hervorheben, Betonen, unterUmständen sogar mit Wiederholungen,
lassen sich Zitate von der eigenen Meinung deutlicher abgrenzen.
Wir wollen verstanden werden, aber...
In erster Linie möchten wir alle, dass unsere Meinung etwas bewirkt, dass die Zuhörer das Gesagte verstehen und speichern.
Wenn wir das Gesprochene vom Zuhörer lösen und künstlich einen Graben zwischen Redner und Zuhörer schaffen, erschweren wir den Zuhörern das Verstehen.
Der Graben zwischen Sender und Empfänger wird
durch folgende «Unverständlichmacher» unnötigerweise vertieft:
• Inhalt ist nicht interessant
• Unfreundliches Gesicht
• Zu laute, zu leise, zu schrille, zu monotone Stimme
• Geschwollene, unübersichtliche, langweilige Sprache
• Zu abstrakte Formulierung (zu komplizierte Sprache)
• Keine Pausen
• Zu viele Fremdwörter oder Fachausdrücke
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