TV-Kritik:
Der Hamburger «Tatort» war hektisch
und blutig. Das allein genügt noch nicht für einen guten Krimi.
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Das war knapp: Keine Angst, Kommissar Tschiller (Til Schweiger) hat alles im Griff.
Bild:
Stichworte aus der Kritik des Tagesanzeigers:
Pam, pam, Kommissar Tschiller (Til Schweiger) schiesst mit der
Dienstwaffe den Sicherheitsgurt entzwei, die Bombe tickt, gleich
explodiert der Wagen, rasch die Ex-Fau rausgezogen, und: Bumm!
Die
Frage, ob eine Kugel vielleicht abprallt, wenn man im Innern eines
Autos herumknallt, wird nicht erörtert. Die Hamburger «Tatort»-Folge
«Kopfgeld» war längst weitergehechtet, mal flog die Kamera über
Szenerien, mal zoomte sie in Details rein, und immer zappelte sie nervös
wie ein Erstklässler vor den Sommerferien. «Dann zeigen wir ihnen
Blut!», brüllte ein Ermittler, gemeint war die Mafia und ein wenig auch
das Publikum. Es bekam Blut zu sehen und richtete sich ein in der
heimeligen Brutalität dieses sonntäglichen Lagerfeuerformats.
Til
Schweiger machte ja alles aus und das meiste allein, als Kommissar
lavierte er zwischen Familie und Lotterleben und erledigte ansonsten die
Schurken auf eigene Faust. Halb erwartete man einen Gastauftritt von
Bruce Willis.
Wie
macht Til Schweiger das eigentlich, dass die Psychologie sofort
lachhaft wird, sobald er auftritt? Dass die Coolness aufgesetzt wirkt
und der Witz herbeigezerrt? Soll es sein Geheimnis bleiben.
KOMMENTAR:
Der Glaube ein Krimi - mit einem Bodycount-Rekord (19 Tote) und harten Kämpfen mano a
mano sei ein besserer Krimi - ist ein Irrglaube. Gewalt, Blut, Tote wirre Schnitte, Sex und Ballern allein machen noch keinen guten Krimi. Selten habe ich mich bei einem so hektischen, wirren und blutigen Sonntageabendkrimi dermassen gelangweilt. Es fehlte der rote Faden. Es fehlte vor allem die Glaubwürdigkeit, das Mitfiebern. Ranking aus meiner Sicht: Ein Flop - gut gemeint aber wie beim Essen: Zu viel Salz und Pfeffer verdirbt ein Menue. Ich rate den Tatort Machern: Geht über die Bücher!
NACHTRAG: Vernichtendes urteil auch vom Fan-club chef Francois Werner. Ich zitiere aus BLICK-online vom 11.3.14:
Nix für schwache Nerven war die gestrige «Tatort»-Folge des
Hamburg-Teams um Til Schweiger (50): Ein grausamer Rekord von 19 Toten,
viel Blut und Gewalt und actionreiche Szenen. Wie fanden eigentlich
eingefleischte «Tatort»-Fans und -Kenner die Folge «Kopfgeld»?
Fanclub-Chef François Werner hat die Folge genauer analysiert.
Der Film war blutig und nackt - weit weg von einem typischen «Tatort». Finden Sie das gut oder bedenklich?Ich
mag das übertriebene, actionlastige Geballere im «Tatort» nicht so
sehr, richtig! Für meinen Geschmack war das alles ein wenig dünn, einem
«Tatort» nicht würdig, viel zu eindimensional und schwarz-weiss
gezeichnet. Natürlich darf es in der «Tatort»-Landschaft auch solch
einen Farbklecks geben, aber man hat sich doch sehr stark entfernt vom
ursprünglichen «Tatort»-Konzept. Ich frage mich, warum Herr Schweiger
immer wieder Bruce Willis nachmachen muss und nicht was ganz Eigenes,
etwas Neues entworfen hat.
Der Schweiger-Tatort zeichnet sich (auch) durch Action aus. Vermissen Sie die leisen Töne?Die
leisten Töne gibt es im «Tatort» ja auch weiterhin - Gott sei Dank -
aber eben nicht bei Herrn Schweiger. Einmal im Jahr wird das schon
auszuhalten sein.
Wie schätzen Sie den gestrigen Tatort und Schweigers Performance von gestern ein?Die
Quote war ja deutlich schwächer als beim Erstling. Viele Fans haben
erklärt, gar nicht erst einschalten zu wollen. Die Leute wissen, was sie
von Schweiger zu erwarten haben und das Interesse lässt offensichtlich
schon schnell nach.
Es wird sich zeigen, ob die ARD
sich damit einen Gefallen tut: das Stammpublikum zu verschrecken, nur
um ein paar mehr junge Zuschauer auf der anderen Seite zu gewinnen. Ich
bin gespannt, wie lange sich das eindimensionale Konzept hält und ob
es sich schnell erschöpft. Viele Fans sehen das offenbar ganz ähnlich,
wie unsere «Tatort»-Rangliste (www.tatort-rangliste.de) zeigt. Der Film
kommt äußert schlecht weg, die Fans haben den Film sehr kritisch gesehen
und entsprechend schlecht bewertet. Er befindet sich derzeit fast auf
Platz 900, also ziemlich weit unten im Reigen aller bisherigen «Tatorte»